Einleitungstext zum Archiv zur Geschichte der Behindertenbewegung - SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG in Österreich von 1945 bis 2008

Inhalt:

Einleitende Zusammenfassung - ein Überblick

Die Geschichte der Behindertenbewegung ist in Österreich, aber auch international bisher nicht systematisch aufgearbeitet worden. Selbsthilfebewegungen von Menschen mit Behinderungen existieren in Österreich seit der Zwischenkriegszeit (1918 bis 1938) und versuchen zur Existenzsicherung behinderter Menschen Soziale Rechte und soziale Sicherungen zu erreichen. Neue Soziale Bewegungen von behinderten Menschen orientieren sich ab den 1970er-Jahren an Menschenrechten und Selbstbestimmung; es entsteht als „Graswurzelbewegung“ die SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG. Zur Geschichte dieser Bewegungen in Österreich im Kontext der österreichischen Behindertenpolitik sind bisher wenig Dokumente und Texte veröffentlicht. Um das Gedächtnis der Behindertenbewegung zu unterstützen, stellt das vorliegende Archiv eine Vielzahl von ausgewählten Dokumenten und die Gesamtausgabe der Zeitschrift LOS zur Verfügung. In Interviews mit 14 ZeitzeugInnen wird die Geschichte der Behindertenbewegung und Behindertenpolitik in Österreich von den 1970er-Jahren bis zur Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention lebendig.

Das Dokumentationsarchiv zur Geschichte der Selbstbestimmt Leben Bewegung in Österreich

Das Vorhaben der Erstellung eines Dokumentationsarchivs zur Geschichte der SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG in Österreich wurde von Volker Schönwiese angeregt, der selbst Mitglied der GründerInnengeneration der SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG ist. Er hat den Aufbau des vorliegenden Archivs gemeinsam mit einem Team aus behinderten und nichtbehinderten WissenschaftlerInnen der Universität Innsbruck[1] und Wien[2] in einer dreijährigen Projektphase umgesetzt. Großteils wurde das Projekt von der Universität Salzburg finanziert, Zusatzmittel stellten BIDOK (digitalen Bibliothek zur Integrativen /inklusiven Pädagogik) und Selbstbestimmt Leben Tirol zur Verfügung.

Die Idee des Archivs ist es, zeitgeschichtliche Ereignisse dem Vergessen zu entreißen und der österreichischen SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG ein Gedächtnis zu verleihen, das vermittelt durch die Gegenwart in die Zukunft reichen soll. Von Beginn an war klar, dass dieser Anspruch nicht nur durch die Anhäufung und Sammlung von Einzeldokumenten, Film- und Tonaufnahmen eingelöst werden kann. Im Sinne eines partizipativen Prozesses und in Anlehnung an die Oral History sollten deshalb VertreterInnen aus der Gründungsphase der Bewegung selbst zur Sprache kommen, um ihre eigene Geschichte in Verbindung mit der SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG aus heutiger Perspektive neu zu erzählen und zu reflektieren. So wurden mit 14 Personen über 50 Stunden Filminterviews durchgeführt, über 1.000 Dokumente gesammelt, gesichtet und eine Auswahl von repräsentativen oder zentral wichtigen Dokumenten für die Veröffentlichung im Onlinearchiv ausgewählt und vorbereitet.

Das Onlinearchiv, das seit März 2017 freigeschaltet und zugänglich ist, beinhaltet die bearbeiteten Filminterviews mit den AktivistInnen und eine Zeitleiste, die mit ausgewählten schriftlichen Dokumenten und mit einer Vielzahl von zeithistorischen Ton- und Filmaufnahmen unterlegt ist sowie die gesamten Ausgaben der digitalisierten bewegungspolitischen Zeitschrift LOS. Ein weiterer Bereich, der sich derzeit noch im Aufbau befindet und der die Zukunft im Blick behalten will, widmet sich wissenschaftlicher Forschung zur SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG, die durch das Archiv angeregt werden soll.

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[1] Univ. Ass. Dr. Sascha PLANGGER und Mag.a Christine RIEGLER.

[2] Univ. Ass. Dr. Gertraud KREMSNER und Benjamin EMBERGER.

Schwerpunkte und Bereiche des Onlinearchivs

  1. Die Filminterviews
    Wie bereits erwähnt wurden mit 14 Personen Filminterviews in einer Gesamtlänge von über 50 Stunden durchgeführt. In einem ersten Schritt wurden die Interviews transkribiert und einer Grundcodierung mit Atlas.ti unterzogen, woraus sich thematische Kategorien ableiten ließen. Anhand dieser Kategorien wurden die Filminterviews geschnitten und einzelne Filmsequenzen thematischen Schwerpunkten zugeordnet. Nun können die auf der Homepage zur Verfügung gestellten Filminterviews nach ausgewählten Themen durchforstet und angeschaut werden.
    Sowohl die transkribierten Interviews als auch die thematischen Filmschnitte wurden den InterviewpartnerInnen zur kommunikativen Validierung übermittelt. Dieser Schritt war nicht nur aus methodischer Sicht wichtig, sondern auch zur Vergewisserung, welche Interviewsequenzen eine Veröffentlichung erlauben.
  2. Die Zeitleiste
  3. Die Zeitschrift LOS
  4. Die Forschungsplattform
    Literatur zur SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG
    Forschungsprojekte zur SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG
    Archivprojekte zur SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG

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 Das Forschungsteam/Projektteam:

  • A.o.Univ.-Prof. i.R. Dr. Volker SCHÖNWIESE (Uni Innsbruck & Obmann Verein BIDOK)
  • Univ. Ass. Dr. Sascha PLANGGER (Uni Innsbruck, Institut für Erziehungswissenschaft)
  • Univ.Ass. Dr.in Gertraud KREMSNER (Uni Wien, Institut für Bildungswissenschaft)
  • Benjamin EMBERGER, BA (Uni Wien, Institut für Bildungswissenschaft)
  • Mag.a Christine RIEGLER (Uni Innsbruck, Institut für Erziehungswissenschaft)

 

  • Kamera, Video-Schnitt: Fridolin Schönwiese
  • Transkription, Text-Korrektur, Untertitelung: Judith Auer, Natalie Mayr
  • Erstellung der Homepage: Katharina Angerer

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Zusammenfassung der Geschichte der SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG ab 1945

Die Wurzeln der Selbsthilfe-Bewegungen von Personen mit Behinderungen sind in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zu finden; „Arbeit nicht Mitleid“ war damals eine zentrale und bis heute gültige Forderung. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neben der Fortführung traditionsreicher Selbsthilfeverbände ab den 1970er-Jahren im Rahmen der Neuen Sozialen Bewegungen an Menschenrechten und Selbstbestimmung orientierte Selbsthilfebewegungen. Sie wandten sich vom traditionellen Wohlfahrtsmodell ab, forderten umfassende Gleichstellung und protestierten gegen jede Art von Diskriminierung und Aussonderung. Sie gründeten Zentren für Selbstbestimmtes Leben und entwickelten eine Praxis von Peer Counselling und Persönlicher Assistenz. Diese Neuen Behindertenbewegungen hatten und haben starken Einfluss auf den Paradigmenwechsel in Behindertenpolitik und Behindertenhilfe wie er sich in der von der internationalen Selbstbestimmt Leben Bewegung initiierten UN-Behindertenrechtskonvention wiederspiegelt (vgl. zu dem ganzen Kapitel: Schönwiese 2016).

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Geschichte der SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG ab 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg konstituierten sich die nach Kriegsopfern und verschiedenen Behinderungsarten gegliederten Selbsthilfeverbände, die schon in der Zwischenkriegszeit existiert hatten, neu. Sie waren nach innen und nach außen vorwiegend an Wohlfahrt und der Erreichung von Sozialleistungen orientiert, gleichzeitig setzte die Behindertenhilfe wieder an den repressiven Betreuungskonzepten der Zwischenkriegszeit an, ab den 1960er-Jahren durch Rehabilitation und Sonderpädagogik ergänzt (vgl. Plangger & Schönwiese 2010; Kremsner 2016). Die Selbsthilfeverbände waren kaum in der Lage, die Vergangenheit aktiv aufzuarbeiten (vgl. Schönwiese 2012), das betrifft sowohl die Tradition der totalen Institutionalisierung und repressiven Fürsorge vom 19. Jhd. bis in die Zwischenkriegszeit und ihre Fortsetzung nach 1945 als auch die eugenisch motivierten Mordprogramme der Nationalsozialisten.

Eine Welle an Neu-Gründungen von Gruppen mit dem Anspruch auf Selbstvertretung entstand im Rahmen der Neuen Sozialen Bewegungen im deutschsprachigen Raum ab den 1970er-Jahren. Sie entwickelte sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Zusammenschlüsse, die international (und so auch in Österreich) zumeist in lokalen Initiativen ihren Ausgang nahmen und die im Laufe der Zeit zu regionalen, überregionalen und internationalen Netzwerken heranwuchsen. Unabhängig von den unterschiedlichen Interessen, die die jeweiligen Gruppierungen und Initiativen verfolgten, ob sie z.B. auf Kooperationen zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen setzten oder als autonome Krüppelgruppen agierten, stand im gemeinsamen Kampf um Partizipation und Emanzipation die Politisierung des Alltags behinderter Menschen und ihr Selbstverständnis als diskriminierte und ausgeschlossene Bevölkerungsgruppe im Mittelpunkt.

Ausgangspunkt waren Aktivitäten und Selbsthilfebewegungen für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in den USA in den 1950er und 1960er-Jahren (vgl. Willig Levy 1998). Deren zentraler politischer Hintergrund war die Geschichte von BürgerInnenrechtskämpfen in den USA, verschärft durch den Vietnam-Krieg mit seinen vielen behinderten Veteranen. Ein Faktor waren wohl auch Polio-Epidemien mit ihren Folgen – Präsident Roosevelt war z.B. durch Polio behindert –, die im kollektiven Gedächtnis der USA verankert sind. Die BürgerInnenrechtsbewegung behinderter Menschen – Independent Living-Bewegung – breitete sich von Kalifornien über die USA aus. Anfang der 70er Jahre protestierten Menschen mit den verschiedensten Behinderungen vehement mit Demonstrationen, Blockaden und Klagen gegen die diskriminierenden Bedingungen für behinderte Menschen und traten für die Schaffung von Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben ein (vgl. Miles-Paul 1992).

Aus der politischen Stimmung der 1968er-Bewegung und den sich formierenden allgemeinen politischen, sozialen und an BürgerInnenrechten orientierten Bewegungen (Friedensbewegung, Frauenbewegung, Ökobewegung usw.) begann sich auch im deutschsprachigen Raum – in Deutschland, Österreich und der Schweiz – eine kleinteilige Graswurzelbewegung von Personen mit Behinderungen und ihren Verbündeten zu entwickeln, die erst in den 1980er-Jahren als Selbstbestimmt Leben Bewegung mit relativ einheitlichen Zielen auftrat.

Neue Perspektiven und Themen jenseits des herrschenden Diskurses um Behinderung wurden in die politischen Debatten einer Gesellschaft eingeführt, die es bis dahin gewohnt war, behinderte Menschen als Objekte karitativer Fürsorge oder staatlicher Wohlfahrt zu betrachten. Entmündigung, Isolation und Aussonderung sollten nicht länger hingenommen, die institutionellen Mauern, die den Raum des gesellschaftlichen Ein- und Ausschlusses markieren, zum Einsturz gebracht werden. Ein neues Bewusstsein auf Seiten der Betroffenen sollte gestärkt werden. Ed Roberts, eine wichtige Leitfigur der amerikanischen Independent-Living-Bewegung, brachte dies so auf den Punkt (vgl. Schönwiese 2009):

Die Leute sagen, dass viele von uns verärgert sind. Natürlich sind wir verärgert. Wir mussten die schlimmsten Gemeinheiten hinnehmen. Wir wurden zu vegetierenden Krüppeln gebrandmarkt. Man hält uns für krank und chancenlos. Da hat man eben einmal die Nase voll. Für mich ist der Zorn eines der wichtigsten Elemente in unserer Bewegung“ ( Ed Roberts 1995).

In diesem Zitat von Ed Roberts wird auf eine zentrale Inspirationsquelle der SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG Bezug genommen, die sich aus den persönlichen Erfahrungen von Unterdrückung und aus ihrer Empörung über die gesellschaftlichen Verhältnisse, die diese Verweigerung von Lebens- und Menschenrechten hervorbrachte, speiste. Gemeinsamer Widerstand - oder wissenschaftlicher: ein kollektives Subjekt des Widerstands - ging daraus hervor; private Erfahrung von Ausschluss, Marginalisierung und Stigmatisierung verwandelte sich in ein politisches Geschehen des sich Wehrens. Ausschlaggebend für die neue Blickrichtung war, dass Behinderung nicht länger der Deutungsmacht sogenannter anwendungsorientierter Wissenschaften (Medizin, Psychologie, Heil-/Sonderpädagogik) überlassen wurde, die Behinderung als individuelles und bearbeitungsbedürftiges Problem definieren und durch Heilung, Rehabilitation oder Therapie eine Versprechen auf die normalisierende Veränderung des Subjekts abliefern. Dieser Perspektivenwechsel entfaltete eine identitätsstiftende Wirkung, da sich durch ihn persönliche Erfahrungen zu einem gemeinsamen Erfahrungsraum verdichten konnten: „Wir sind alle miteinander verbunden, aber nicht durch die Liste unserer gesammelten Symptome, sondern durch die sozialen und politischen Umstände, die uns als Gruppe zusammengeschweißt haben (…). Worüber wir uns empören, das sind die Strategien, die verwendet werden, um uns in unseren Rechten und Möglichkeiten und uns in unserer ursprünglichen Lebensfreude zu beschneiden.“ (Simin Linton, zit. nach Dederich 2007, S. 19)

Ein wichtiger Auslöser von Entwicklungen in diese Richtung war im deutschsprachigen Raum der Frankfurter VHS-Kurs „Bewältigung der Umwelt“, der ab 1973 von Ernst Klee und Gusti Steiner, beeinflusst von den amerikanischen BürgerInnenrechtskämpfen, begonnen wurde (vgl. Klee 1980; Steiner 1999). Der Kurs formulierte seine Grundsätze: „Nicht die Behinderung schafft die Barriere zu anderen, sondern das ‚Behinderten-Bewußtsein‘, minderwertig zu sein.“ (Klee 1980) Der Kurs war an der Entwicklung von Selbstbewusstsein orientiert und wurde aufgrund seiner aktionistischen Demonstrationen und Blockaden sowie seiner Öffentlichkeitsarbeit sehr bekannt. Der Frankfurter VHS-Kurs löste eine Welle von Gründungen ähnlicher Initiativen aus (Deutschmann 1981; Gstettner 2013; Huainigg 1999; Initiativgruppe 1982a, 1982b; Köbsell 2012). Es begann auch bald eine Differenzierung; in Abgrenzung von integrativen Gruppen von behinderten Personen und Verbündeten agierten in Deutschland einige wenige und sehr kleine autonome Krüppelgruppen, die keine nichtbehinderten UnterstützerInnen innerhalb der Gruppen zuließen und insgesamt in ihren Forderungen radikaler und autonom auftraten. Diese kleinen Gruppen lösten weitreichende Diskussionen, Analysen und die Entwicklung von praktischen politischen Perspektiven aus, die sich in einer Reihe von Zeitschriften widerspiegeln: in Deutschland z.B. Die Luftpumpe, die Krüppelzeitung (vgl. Mürner & Sierck 2009) und die Randschau, in der Schweiz die Zeitschrift puls (vgl. Graf, Renggli & Weisser 2011) und in Österreich LOS (LOS 1983-1992). In der ersten Nummer 1/1983 von LOS werden exemplarisch Ziele formuliert: „Wir verstehen unsere Zeitschrift als einen Teil einer Bewegung gegen Aussonderung [...]. Wir hoffen, daß es uns gelingen wird, Mißstände deutlich beim Namen zu nennen. Es ist das System selber, das radikal geändert gehört." Themen, die die Selbstbestimmt-Leben-Bewegung insgesamt beschäftigten, zeigen exemplarisch Schwerpunktnummern von LOS wie: Hilflose Medizin, Krüppelbewegung, Absonderschule, Literatur, Arbeitswelt, Euthanasie und Faschismus in Österreich, Eltern am Wort, Behinderte Sexualität, Selbstbestimmt Leben, Medien und Öffentlichkeit, Leben ohne Privatheit oder Hungerstreik für Pflegegeld.

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Zentren für Selbstbestimmtes Leben

Die Mitglieder der Selbsthilfegruppen der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung reagierten von Anfang an unmittelbar sehr persönlich auf Fremdbestimmung und Segregation und erhoben entsprechende politische Forderungen. Bald wurde aber klar, dass das Ziel, Kontrolle über das eigene Leben zu erhalten, nicht nur über politische Aktionen erreicht werden konnte. Die politischen Systeme reagierten oft nicht, die Sozial- und Behindertenpolitik sowie das traditionelle System der Behindertenhilfe übten sich in Selbsterhaltung und nicht in Änderung. Viele Gruppen gründeten in dieser verzweifelten Situation in einer für Selbsthilfegruppen typischen Reaktion Selbsthilfeorganisationen, ähnlich wie nach dem Ersten Weltkrieg Selbsthilfegruppen TrägerInnen von Werkstätten wurden: „Aus einer Dialektik zwischen Kritik am Hilfesystem - Kampf gegen Fremdbestimmung und Entwurf und Verwirklichung von Alternativen - entwickelten sich über Heimkritik das Paradigma ‚Ambulante Dienste‘ und über die Kritik an Ambulanten Diensten der Gedanke ‚Selbstorganisierter Hilfen‘, der dann in der ersten Hälfte der 80er Jahre zu einem weitgehend gemeinsamen Konzept der Bundesrepublik und der USA von ‚Selbstbestimmt Leben‘ und ‚Assistenz‘ führte.“ (Steiner 1999) Die neu gegründeten Zentren für Selbstbestimmtes Leben (Centres for Independent Living - CIL) boten als Selbsthilfeorganisationen Peer Counselling und Persönliche Assistenz statt Pflege und Betreuung (vgl. Meier & Ratzka 1988) an. Diese Entwicklung war und ist aufgrund der verzweifelten Lebenslage vieler behinderter Menschen, der fehlenden politischen Durchsetzung von Deinstitutionalisierung und der fehlenden Achtung von Selbstbestimmung in den vorhandenen Einrichtungen der Behindertenhilfe nötig geworden. Die Frage ist allerdings offen, wieweit diese alternativen Organisationen das traditionelle System der Behindertenhilfe nicht nur ergänzen und unter dem Druck der öffentlichen Finanzierung und öffentlicher Vorgaben selbst Dynamiken der Institutionalisierung unterworfen werden. Sicher ist durch die Tätigkeit der internationalen Selbstbestimmt Leben Bewegung im Rahmen eines größeren gesellschaftlichen Wandels im Spät-Kapitalismus eine Reform-Dynamik in Gang gesetzt worden, deren Höhepunkt die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2006 war. Es kann nur gesagt werden: Die diesbezüglichen Entwicklungen und Kämpfe dauern an.

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People First

Zeitlich etwas versetzt zu der Independent-Living-Bewegung entstanden nach Anfängen in Schweden auch in Nordamerika Selbsthilfegruppen von Personen mit Lernschwierigkeiten. Ein großer Impuls ist 1973 von einer neu gegründeten Self-Advocacy-Gruppe aus Oregon ausgegangen, die sich Unterstützung und Assistenz bei einem Advisor suchte, der ihnen helfen sollte, für sich selbst zu sprechen, nicht aber die Gruppe zu leiten (vgl. Theunissen 2001). In den 1990er-Jahren existierten in den USA und Kanada überregionale Netzwerke von People First-Gruppen, die im Austausch mit Gruppen in Europa standen. „Zuerst muss man lernen, selbst Entscheidungen zu treffen“ formuliert Tia Nelis (zit. nach Flieger 1997, 24), Präsidentin des US-weiten Zusammenschlusses der People-First-Gruppen, und „Alle Menschen können integriert leben, wenn sie die Unterstützung erhalten, die sie brauchen“ (ebd., 24). Doris Haake, Sprecherin von People First-Gruppen in Deutschland, ermutigt: „Erhebe Deine Stimme! Habt keine Angst zu sprechen! Jeder ist eine wichtige Person! Kenne Deine Stärken und Fähigkeiten! Steht für Euch selber ein! Tut Euch mit anderen Betroffenen zusammen! Hört Euch gegenseitig zu! Versuche andere zu verstehen und Euch gegenseitig zu unterstützen! Lernt Eure Rechte kennen! Lerne Deine Unterstützungsmöglichkeiten kennen! Wählt selber aus, was Ihr wollt und was nicht! Erweitert Euren Freundeskreis und bezieht Bekannte mit ein! Lerne zu organisieren und andere zusammenzubringen!“ (Haake 1999). Auch People-First-Gruppen fordern Gleichstellung (vgl. WIBS 2005), gründen Beratungszentren (vgl. Mensch zuerst) oder werden Teil von Beiräten in Organisationen. People First-Gruppen – Mensch-zuerst-Gruppen - beginnen sich in Österreich um die Jahrtausendwende zu organisieren. In der Folge entsteht ein „Netzwerk Selbstvertretung Österreich“ mit regelmäßigen österreichweiten Treffen.

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Strategie der SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG

Die SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG hat keine formulierte Strategie, als soziale Bewegung hat sie aber eine beschreibbare Dynamik entwickelt. Oft war in den 1970er-Jahren eine professionelle oder von engagierten Professionellen angestoßene Initiative ein Ausgangspunkt der Mobilisierung behinderter Menschen. Es fand eine Kooperation von engagierten Professionellen – aus dem Bereich der Behindertenhilfe, der Sozialen Arbeit oder WissenschaftlerInnen – und behinderten Personen auf dem Weg zur Emanzipation statt, bis sich in Dominanz der betroffenen behinderten Personen ein eigenes Selbstverständnis und eine eigene Praxis durchsetzte. Die mehr oder weniger lose oder enge Kooperation mit beteiligten oder (mit-)betroffenen oder verbündeten Personen war und ist ein wichtiger Teil der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung über die ganze Zeit ihrer Existenz geblieben – ein Kooperationsverhältnis, dessen Dynamik wenig beschrieben ist.

Ein wichtiges Vorbild in der Strategie der SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG ist z.B. in der „Ich – Wir – Sie“-Strategie der „Niederländischen Vereinigung für Sexuelle Reform“ (NVSH) aus den 1970-er-Jahren zu finden (vgl. Bächinger 1978, S. 126f). Dabei geht es darum, Persönliches zur reflektieren, Barrieren zu erkennen und politisch zu handeln. Am Beispiel des Rechts auf Sexualität beschreibt Bächinger (1978), ein Verbündeter der Selbstbestimmt Leben Bewegung in der Schweiz in den 1970er-Jahren, die Strategie der NVSH so:

strategie-nhsv

Zitat dazu:

  1. „ICH-Phase: Das ist die Phase der direkten Hilfe für den KB [Körperbehinderten], welcher das Gefühl hat, mit seinen Problemen allein zu sein. Er sieht seine eigenen Probleme grösser als diejenigen der anderen. In Gesprächen versucht der Berater, den KB zu verstehen und hilft ihm gemeinsam Lösungen zu entwickeln. In diesem Rahmen können indirekte und direkte sexuelle Hilfeleistungen gegeben werden. [Sexualberatung, Vermittlung bis zu direkter Sexualhilfe]
  2. WIR-Phase: In dieser Phase wird gemeinsam erarbeitet, dass der KB mit seinen Problemen nicht allein ist, sondern dass andere auch ähnliche Probleme haben. Dies geschieht vorwiegend in Gesprächsgruppen.
  3. SIE-Phase: Hier geht es um den Bewusstseinsprozess , dass das individuelle

(ICH) und das soziale Problem (WIR) zu einem grossen Teil auch ein Problem der Gesellschaft ist. Die Gesellschaft, d .h. die NB [Nichtbehinderten], hat Probleme mit den KB. In dieser Phase sind Arbeits- und Aktionsgruppen (Öffentlichkeitsarbeit) die Mittel.“ (Bächinger 1978, S. 126f)

Der Film „Behinderte Liebe“ (Graf 1979), der im deutschsprachigen Raum sehr wichtige Akzente gesetzt hat, setzt diese drei Schritte perfekt um. Auch der Film „Was heisst denn da behindert“ der Innsbrucker „Initiativgruppe-Behinderte-Nichtbehinderte“ (IBN, 1979) - https://youtu.be/g3xSVszcnMw - war genau in einem solchen ICH-WIR-SIE-Prozess eingebunden.

In der Entstehung der ersten Selbstbestimmt-Leben-Gruppen in Österreich und bei vielen Neugründungen von Gruppen der Graswurzelbewegung SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG sind derartige Prozess-Dynamiken wichtig gewesen. Das Betrifft in Österreich z.B. in den Jahren 1976/77 die „Alternativgemeinschaft Körperbehinderter und Nichtbehinderter“ Wien (AKN), den „Arbeitskreis Bewältigung der Umwelt“ Linz (BWU) und die „Initiativgruppe-Behinderte-Nichtbehinderte“ Innsbruck (IBN). Die ICH-WIR-SIE als Anfangs- und Gründungsstrategie ist inzwischen in der Selbstbestimmt Leben Bewegung als Prinzip des Peer Counsellings – Behinderte beraten Behinderte – einer der Grundpfeiler der Bewegung geworden.

Allgemeiner kann ein Eskalationsprogramm der Tätigkeit der SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG beschrieben werden. Diese Beschreibung ist nur eine grobe Orientierungshilfe und nimmt keinen lineareren Ablauf, eher ein zyklisches Auf und Ab. Viele der Teile des Eskalations-Programms werden in den vorliegenden Zeitzeugen-Interviews benannt und ausgeführt.

  1.  Hinnehmen der eigenen Situation oder sich selbst bzw. die eigene Behinderung als das zentrale Problem annehmen (wie es gesellschaftlich erwünscht ist)
  2.  Mängel in der eigenen Situation erkennen und nicht nur als eigenes Problem
  3.  Kontakt und Austausch mit anderen Personen in ähnlichen Situationen finden
  4.  Gemeinschaftlich den Mangel beschreiben, als Barrieren erkennen und Ursachen definieren
  5.  Kontaktaufnahme mit und Information an verantwortliche Personen und Stellen, die für Barrieren verantwortlich sind
  6.  Politische Forderungen formulieren
  7.  Versuch, mit Verantwortlichen zu verhandeln
  8.  Vernetzung mit anderen Organisationen und sich verbünden
  9.  Öffentlichkeit herstellen – Informations- und Bewusstseinsarbeit machen
  10.  Öffentliche Aktionen (z.B. Demonstrationen, Petitionen)
  11. Versuch, breitere politische Kontakte herzustellen (Parteien, Interessensgruppen)
  12.  Externe Expertise heranziehen (Podiumsdiskussionen etc.)
  13.  Aktionismus (Mahnwachen, Demos etc.)
  14. Gründung von alternativen Selbsthilfeorganisationen, um Grundbedürfnisse abdecken zu können (z.B. Persönliche Assistenz)
  15.  Wege am Rande der Legalität (Hungerstreik, Suche nach individuellen Lösungen am Pflege-Schwarzmarkt usw.)

Peer Counselling beschränkt sich weitgehend auf die ICH-Ebene, wenn SL-Organisationen sich institutionalisieren, z.B. als Anbieter für Persönliche Assistenz. Am deutlichsten wird dies dort, wo SL-Organisationen unter dem Druck der öffentlichen Leistungsfinanzierung zur Organisationsform der gemeinnützigen GmbH wechseln, strukturell immer mehr mit den traditionellen Anbietern der Behindertenhilfe gleichziehen und in Administration und Ausführung der Leistungen dem Kostenträger verpflichtet sind. Eine Trennung von Dienstleistung (persönliche Assistenz) und Beratung (Peer Counselling) als möglicher Ausweg aus diesem Dilemma ist in der Dynamik/ Eigendynamik der SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG Entwicklung nicht systematisch zu erkennen. Übrig bleibt die Frage, wie sich die SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG als Graswurzelbewegung mit ihren ICH-Selbsthilfestrategien über WIR- und SIE-Prozesse immer wieder als soziale und politische Selbstvertretungs-Bewegung neu entwickelt. Mit der Rolle des Leistungsanbieters ist ein politisch forderndes Auftreten schwer vereinbar. In dieser Dynamik werden neue Gruppen zur Aufrechterhaltung der SL-Prinzipien initiativ, vermutlich eine notwendige Entwicklung für eine erfolgreiche und im Wandel begriffene soziale Bewegung.

In der Bereitschaft zum Aktionismus liegt eine wichtige Charakteristik der SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG. Demonstrationen, Blockaden, Mahnwachen und ein Hungerstreik sind in der Zeitleiste beschrieben, Aktionen in der Tradition außerparlamentarischer Bewegungen. Dennoch ist die SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG grundsätzlich auch am langen Weg der Verhandlungen und der Beteiligung an offiziellen Arbeitsgruppen, Beiräten u.ä. orientiert und ist dabei vielfach mit den traditionellen Selbsthilfe-Organisationen in Kooperation. Das betrifft ebenso eine Kooperation in Distanz mit der ÖAR (Österr. Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation), der öffentlich finanzierten und gesetzlich verankerten sozialpartnerschaftlichen Organisation von Selbsthilfeorganisationen und den wichtigsten Anbietern der Behindertenhilfe. Gegenseitige Unterstützung gab es z.B. bei der Petition für ein Pflegegeld und bei der Petition für die Gleichstellung behinderter Menschen in der Verfassung. Die Erfolge und Misserfolge in dieser Politik beschäftigt die SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG seit ihrer Existenz.

Die SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG ist in der Umsetzung ihrer Forderungen nach Gleichstellung und Selbstbestimmung im Rahmen größerer politischer Dynamiken nur bedingt erfolgreich. Die Politiken der Verwahrung, Rehabilitation und Normalisierung, sowie die Politiken der Kommerzialisierung in dem wirtschaftlich durchaus bedeutsamen Dienstleistungssektor der Behindertenhilfe erscheinen gegenüber so einer Graswurzelbewegung von Behinderungen betroffenen Personen übermächtig (vgl. Maschke 2008; Plangger/ Schönwiese 2010; Stockner 2010 u. 2011, Schönwiese 2017). Die Kämpfe dauern allerdings – im historischen Rückblick und im Blick auf die Zukunft – an. Sicher hat die SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG einen internationalen Paradigmenwechsel verstärkt, der Selbstbestimmung, Inklusion, De-Institutionalisierung, Partizipation, Barrierefreiheit und Gleichstellung zu leitenden Prinzipien machte. Die UN-Behindertenrechtskonvention ist in diesem Sinne sowohl in ihrem Entstehungsprozess als auch in ihren formulierten Inhalten stark von der internationalen SELBSTBESTIMMT LEBEN BEWEGUNG behinderter Menschen geprägt.

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Literatur:

Bächinger, Reinhard (1978): Sexualverhalten und Sexualberatung von Körperbehinderten. Hohentannen (Schweiz): PULS-Wissen

Der Krüppel. Mitteilungsblatt der ersten österreichischen Krüppelarbeitsgemeinschaft (Vereinigung der Körperbehinderten Österreichs). Zeitschrift zur Wahrung der geistigen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Krüppel Österreichs durch Geburt, Krankheit und Unfall ohne Rente. Gesamtausgabe 1927-1938. http://bidok.uibk.ac.at/bibliothek/archiv/krueppel.html (13.3.2017).

Deutschmann, Wolfram (1981): „LIEBER ARM DRAN ALS ARM AB“, Film, 47“. https://www.youtube.com/watch?v=a8VX7QRW1GI (13.3.2017).

Egger, Gertraud (1999): Irren-Geschichte - irre Geschichten. Zum Wandel des Wahnsinns unter besonderer Berücksichtigung seiner Geschichte in Italien und Südtirol. Innsbruck: Diplomarbeit. http://bidok.uibk.ac.at/library/egger-irre.html (13.3.2017).

Flieger, Petra (1997): Tia Nelis. Expertin für Selbstvertretung. In: Domino, H.3, 23-24.

Fuchs, Petra (1999a): „Krüppel“ zwischen Emanzipation und Selbstaufgabe am Beispiel der Entstehung und Entwicklung des Selbsthilfebundes der Körperbehinderten (1919-1945). http://bidok.uibk.ac.at/library/fuchs-krueppel-diss.html (13.3.2017).

Fuchs, Petra (1999b): Marie GRUHL (1881-1929). Engagement für die gemeinsame Erziehung „gesunder“ und „krüppelhafter“ Kinder und Jugendlicher in der Weimarer Republik. http://bidok.uibk.ac.at/library/fuchs-gruhl.html (13.3.2017).

Fuchs, Petra (1999c): Otto Perl (1882-1951). Das Recht auf Selbstbestimmung für „den geistig normalen Krüppel“. http://bidok.uibk.ac.at/library/fuchs-perl.html (13.3.2017).

Fuchs, Petra (1999d): Hilde Wulff (1898-1972). Leben und Wirken für die Emanzipation körperbehinderter Menschen in der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus. http://bidok.uibk.ac.at/library/fuchs-wulff.html#idp6593568 (13.3.2017).

Fuchs, Petra (2003): Von der Selbsthilfe zur Selbstaufgabe. Zur Emanzipationsgeschichte behinderter Menschen. In: Lutz, P., Macho, T. (Hrsg.): Der (im-)perfekte Mensch: Metamorphosen von Normalität und Abweichung. Köln, 435-447.

Graf, Erich Otto/ Renggli, Cornelia/ Weisser, Jan (2011): PULS – DruckSache aus der Behindertenbewegung. Materialien für die Wiederaneignung einer Geschichte. Zürich.

Graf-Dätwyler, Marlies (1979): Behinderte Liebe. Film der „Gruppe Behinderte und Nichtbehinderte“ und Marlies Graf-Dätwyler, 120 Minuten, Filmkollektiv Zürich. http://www.filmkollektiv.ch/pagina.php?0,20,11,0,27,

Gstettner, Peter (2013): Wie wir begannen, übers Kuckucksnest zu fliegen. In: Flieger, Petra/ & Plangger, Sascha. (Hg.): Aus der Nähe. Zum wissenschaftlichen und behindertenpolitischen Wirken von Volker Schönwiese. Neu Ulm, 21-30.

Haake, Doris (1999): Bericht über den „People First Weltkongreß 1998“. http://bidok.uibk.ac.at/library/imp11-99-first.html (13.3.2017).

Huainigg, Franz-Joseph (Hrsg.) (1999): O du mein behinderndes Österreich! Zur Situation behinderter Menschen. Klagenfurt.

Initiativgruppe von Behinderten und Nichtbehinderten (1982a): Isolation ist nicht Schicksal. In: Forster, R. & Schönwiese, V. (Hrsg.): Behindertenalltag - wie man behindert wird. Wien, 333- 376. http://bidok.uibk.ac.at/library/initiativgruppe-isolation.html (13.3.2017).

Initiativgruppe von Behinderten und Nichtbehinderten (1982b): Befreiungsversuche und Selbstorganisation. In: Forster, R. & Schönwiese, V. (Hrsg.): Behindertenalltag - wie man behindert wird. Wien, 377-390. http://bidok.uibk.ac.at/library/initiativgruppe-befreiungsversuche.html (13.3.2017).

Klee, Ernst (1980): Behindert. Über die Enteignung von Körper und Bewußtsein. Frankfurt am Main. http://bidok.uibk.ac.at/library/klee-behindert.html (13.3.2017).

Köbsell, Swantje (2012): Wegweiser Behindertenbewegung. Neues (Selbst-)Verständnis von Behinderung. Neu Ulm.

Kremsner, Gertraud (2016): Vom Einschluss der Ausgeschlossenen zum Ausschluss der Eingeschlossenen. Biographische Erfahrungen von so genannten Menschen mit Lernschwierigkeiten. Universität Wien: Unveröffentlichte Dissertationsschrift.

LOS Gesamtausgabe (1983-1992): http://bidok.uibk.ac.at/bibliothek/archiv/los.html (13.3.2017).

Maschke, Michael (2008): Behindertenpolitik in der Europäischen Union. Lebenssituation behinderter Menschen und nationale Behindertenpolitik in 15 Mitgliedsstaaten. Wiesbaden: VS Verlag

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