Einführende Bemerkungen zu ausgewählten Aufsätzen aus der Systemischen Didaktik

AutorIn: Harald Riedel
Themenbereiche: Schule
Textsorte: Artikel
Copyright: © Harald Riedel 2001

Zusammenfassung

Zum Inhalt: Der Inhalt aller unter http://bidok.uibk.ac.at eingestellten Aufsätze wird kurz beschrieben.

Zu Person und Werk: Wichtige Lebensdaten, Veröffentlichungen und Forschungsschwerpunkte werden aufgelistet.

Zur Terminologie: Alle in den einzelnen Aufsätzen vorkommenden Begriffe der Systemischen Didaktik werden erläutert.

a) Zum Inhalt

RIEDEL, H.: Systemisches Modell zur Differenzierung von Lernsituationen.

Durch Unterrichtsformen des "Offenen Unterrichts", durch "projekt-orientiertes", durch "forschendes" Lernen oder andere oft als moderne Allheilmittel propagierte "Methoden" werden oft in recht einseitiger, verallgemeinender und damit in oft nicht situations-gerechter Weise Unterrichts-Entscheidungen vorweggenommen, ohne zwei sich gegenseitig bedingende Grund-Fragen systematisch bedacht zu haben:

  • Wieviel Freiraum muß der Lehrende dem Lernenden in bestimmten Situationen gewähren?

  • Welches Maß an Steuerung und Hilfe benötigt der Lernende in welchen Fällen?

Das o. g. Modell soll diese Fragen situationsgemäß zu beantworten helfen, indem es die Strukturen von Unterrichts-Situationen deutlich macht, die für diese Entscheidungen wichtig sind.

Im Übrigen ist die Lektüre des Aufsatzes jenen Lesern zu empfehlen, die eine Einführung in die besondere Terminologie der Systemischen Didaktik wünschen.

RIEDEL, H.: Lernprozesse unter dem Gesichtspunkt der Selbständigkeit .

Neben der Bewußtheit ist die Selbständigkeit, mit der sich Lernende neue Informationen und Techniken aneignen können, das wichtigste Merkmal, von dem her sich Lernprozesse differenzieren lassen. Das Modell zeigt Möglichkeiten, Schüler ein Unterrichts-Ziel auf unterschiedlich anspruchsvollen Wegen erreichen oder Probleme lösen zu lassen, in einfachsten Fällen durch reines Nachmachen oder -denken, in den schwierigsten Fällen durch selbständiges Erkennen und Lösen neuartiger Probleme.

RIEDEL; H.: Ein Modell zur Differenzierung von Intern-Operationen.

Denken als Komplex intern vollzogener Handlungen bildet die Voraussetzung für alle bewußten Lernprozesse. Unsere Muttersprache liefert uns zwar unterschiedliche Wörter wie "denken", "er-denken", "nach-denken", "vor-denken", "mit-denken", "aus-denken" usw., um verschiedene Arten geistigen Tuns anzudeuten, doch sind die genannten Bezeichnungen wenig geeignet, systematisch bestimmte Denk-Qualitäten zu fördern. Auch bieten sie keine Grundlage, um planvoll verschiedene Schwierigkeits-Stufen des Denkens anzuregen oder um Unterricht nicht nur inhaltlich sondern auch hinsichtlich der Denk-Anforderungen differenzieren zu können. Das Modell der Intern-Operationen wurde eigens dazu entwickelt, um diese Aufgaben bewältigen zu helfen.

RIEDEL; H.: Systemische Betrachtungen über Operations-Objekte .

Alles Wissen über Operationen und Lernprozesse sowie deren Differenzierungs-Möglichkeiten nutzt wenig, wenn man nicht in der Lage ist, für den jeweiligen Fall gut geeignete Operations-Objekte zu planen und bereitzustellen. Meist geschieht dies nach bewährten Formeln, wie "Anschaulichkeit" oder "Lernen mit Kopf, Herz und Hand" oder "sinnliches Lernen". Zwar haben die genannten Zauberformeln in bestimmten Situationen ihren guten Sinn, doch längst nicht in allen. Und vor allem: Sie verkürzen die Sichtweisen hinsichtlich der Variations-Möglichkeiten von Operations-Objekten außerordentlich.

Mit dem Modell zur Differenzierung von Operations-Objekten wird ein System von Kriterien aus sieben Dimensionen dargestellt, das es dem Lehrenden gestattet, unter vielfältigen Gesichtspunkten und damit schöpferisch über Operations-Objekte nachzudenken, aber auch sichere Entscheidungen hinsichtlich deren Eignung in bestimmten Lernsituationen zu treffen.

RIEDEL; H.: Grundformen von Unterrichts-Objekten .

Das Teil-Modell der Grundformen behandelt neben anderen einen wichtigen Aspekt zur Differenzierung von Unterrichts-Objekten, das Fragen wie folgende eindeutig klären läßt:

  • "Erziehender Unterricht", was ist das?

  • Erzieht nicht jeder, der unterrichtet?

  • Wie unterscheiden sich Unterricht und Erziehung?

  • Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Unterricht und Erziehung?

b) Zu Person und Werk

1938

geboren in Rosenberg, Westpreußen

1944/45

Flucht nach Schleswig-Holstein

1957

Abitur in Timmendorfer Strand, Schleswig-Holstein

1957 bis 1959

Studium an der Pädagogischen Hochschule Kiel

1959 bis 1965

Lehrer an Volks- und Realschulen in Ost-Holstein. Erste Untersuchungen zur Informations-Psychologie.

Veröffentlichung:

  • Die Altersabhängigkeit informationspsychologischer Parameter und ihre mögliche Bedeutung für Lehralgorithmen. In: Frank, H. (Hrsg.): Lehrmaschinen in kybernetischer und pädagogischer Sicht. - Bd. 2, Klett-Oldenburg. Stuttgart / München 1964

1965 bis 1968 Freier Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kybernetik in Berlin. Experimentelle Untersuchungen zur Altersabhängigkeit verschiedener Parameter zur Differenzierung eines informations-psychologischen Modells.

Wichtigste Veröffentlichungen:

  • Empirische Untersuchungen zur Kybernetischen Pädagogik. Schnelle. Quickborn 1967

  • Psychostruktur. Aufbau eines einfachen Psychostrukturmodells für die algorithmische Lehrprogrammierung. Schnelle, Quickborn 1967

1968 bis 1975 Dozent für Allgemeine Grundschulpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Berlin. Aufbau eines allgemein-didaktischen Modells (damals noch als "Systemtheoretische Didaktik" bezeichnet

Wichtigste Veröffentlichungen:

  • (Gemeinsam mit Ernst König:) Skizze eines Systems zur sozio-technischen Objektivierung der Planung von Lernsituationen. Grundlagenstudien aus Kybernetik und Geisteswissenschaft 10/3/1969

  • (Gemeinsam mit Ernst König:) Unterrichtsplanung als Konstruktion. Beltz, Weinheim u. Basel 1970

  • (Gemeinsam mit Ernst König:) Systemtheoretische Didaktik. Beltz, Weinheim u. Basel 1973

1975 bis 1980 Professor an der Pädagogischen Hochschule Berlin. Differenzierung des Modells

Wichtigste Veröffentlichungen:

  • (Gemeinsam mit Ernst König:) Unterrichtsplanung I - Konstruktionsgrundlagen und -kriterien . Beltz, Weinheim u. Basel 1975a

  • (Gemeinsam mit Ernst König:) Unterrichtsplanung II - Konstruktionsverfahren. Beltz, Weinheim u. Basel 1975b

  • Allgemeine Didaktik und unterrichtliche Praxis. Kösel, München 1977

  • (Hrsg.) Standort und Anwendung der Systemtheoretischen Didaktik. Kösel. München, 1979.

1980 bis 1990 Professor an der Technischen Universität Berlin. Philosophische und wissenschaftstheoretische Grundlegung der Systemischen Didaktik sowie empirische Überprüfung zentraler Teil-Modelle

Wichtigste Veröffentlichungen:

  • Didatica e Pratica de Ensino. E.P.U. (Editora Pedagogica e Universitaria). Sao Paulo, 1981.

  • Zum Verhältnis von Zielen, Gegenständen und Verfahren der Unterrichtsforschung. In: Unterrichtswissenschaft. Max Hüber. München. 1984, S. 367-386

  • Zur Methodologie unterrichtswissenschaftlicher Experimente. In: K. Aurin/B. Schwarz (Hrsg.): Die Erforschung pädagogischer Wirkungsfelder. Arbeitsgruppe für empirische pädagogische Forschung in der DfGE. Freiburg/Breisgau. 1985 a, S. 113-130

  • Aufbau und Ergebnisse eines Falsifikationsexperiments zur Schwierigkeitsstufung von Internoperationen. Grundlagenstudien aus Kybernetik und Geisteswissenschaft. 26, 4, 1985b, S. 163-176

  • Vorbereitung eines Algorithmus zur Erzeugung von Problemstellungen - Bestandsaufnahme. Grundlagenstudien aus Kybernetik und Geisteswissenschaft 30, 1, 1989, S. 15-25.

1990 bis 1999 Revisionen und populärwissenschaftliche Darstellung zentraler Teil-Modelle der Systemischen Didaktik

Wichtigste Veröffentlichungen außer den folgend wiedergegebenen Aufsätzen:

  • Poppers Drei-Welten-Theorie und Objekt-Bereiche des Unterrichts. Grundlagenstudien aus Kybernetik und Geisteswissenschaft 35, H. 3, 1994 d, S. 114-126

  • Grundgedanken der Systemischen Didaktik. In: Lansky, M. / Fiolova, I.: Bildungskybernetik in Forschung und Lehre. Kava-Pech. Prag, 1994 e, S. 51 - 92

  • Systemische Betrachtungen über Operations-Objekte. Deutsche Übersetzung von RIEDEL, H.: Systémová úvaha o operacnyých objektoch. In: POLÁKOVÁ, E. (Hrsg.): Teoretické východiská technológie vzdelávania. Pedagogická fakulta VSPg Nitra. 1996 a

  • Aspekte didaktischer Objekt-Bereiche. Grundlagenstudien aus Kybernetik und Geisteswissenschaft 37, H. 3, 1996 c, S. 125 - 137

c) Zur Terminologie der Systemischen Didaktik

Anfangszustand: Zustand, in dem sich der Lernende zu Beginn einer Lernsituation befindet.

Aufgabe: Anfangs-Situation, die dem Lernenden ein Ziel vorgibt. Die für dessen Erreichen notwendigen Mittel und/oder Verfahren sind dem Lernenden bekannt und bewußt.

aufgaben-gesteuertes Lernen: Lernprozeß. Der Lernende erwirbt bei vorgegebener Aufgabe nach einem ihm bekannten Weg mittels produzierender Operationen neue Unterrichts-Objekte (s. auch bewußte Imitation).

auswerten: Intern-Operation. Aus der Umgebung erkannte oder aus dem Gedächtnis erinnerte, im Bewußtsein abgebildete Informationen werden mit ebenso gewonnenen Bewußtseins-Inhalten auf Identität oder logische Entsprechung verglichen.

Begleitprozesse: Prozesse, die in der Lernsituation ablaufen, aber nicht zur Erzeugung des jeweiligen Operations-Zieles notwendig sind.

Beobachtung: Teil-Funktion der geregelten Lernsituation und der Unterrichts-Situation. Der Lehrende überprüft die Zustände des Lernenden und des Operations-Objekts, um über eventuell zusätzlich notwendig werdende Initiationen entscheiden zu können.

Bewußtseins-Inhalte: Im Bewußtsein abgebildete Informationen, die der Umgebung oder dem Gedächtnis entstammen können.

Bewußtseins-Kapazität: Menge der (subjektiven) Information, die gleichzeitig bewußt sein kann (= Enge des Bewußtseins).

Disposition: Zustandsmerkmale des Lernenden, die entscheidend dafür sind, ob das potentielle Operations-Objekt den Lernenden zu Operationen initiiert, so daß eine einfache Lernsituation entsteht.

divergent denken: Intern-Operation (produzierend, transformierend, modell-orientiert). Bewußtseins-Inhalte werden unter Lösung von alten Denkmustern nach verschiedenen Denkmustern verarbeitet.

Einstellung: Grundformen von Unterrichts-Objekten. Zwangsläufig einseitige, weil durch Konditionierung erzeugte Auswahl bestimmter Informationen zur Wertung von Sachverhalten, für deren Bewertung auch andere Informationen herangezogen werden könnten.

Einzelner: Kleinstes Sozio-System der Unterrichts-Situation, bestehend aus einem Lernenden.

Element: Komplexitäts-Stufe. Bestandteil eines Systems oder einer Klasse, der innerhalb dieses Systems bzw. dieser Klasse nicht weiter zerlegt werden soll. - Ein Objekt oder ein Ereignis wird subjektiv dann als Element aufgefaßt, wenn nur seine Merkmale Gegenstand der Betrachtung sind.

Element einer Klasse: Komplexitäts-Stufe. Ein Objekt oder ein Ereignis wird subjektiv dann als Element einer Klasse aufgefaßt, wenn Gegenstand der Betrachtung jene Merkmale des Objekts oder des Ereignisses sind, die es gemeinsam mit anderen Objekten oder Ereignissen besitzt.

Element eines Systems: Komplexitäts-Stufe. Ein Objekt oder ein Ereignis wird subjektiv dann als Element eines Systems aufgefaßt, wenn Gegenstand der Betrachtung jene Merkmale des Objekts oder des Ereignisses sind, aufgrund derer es mit anderen Objekten oder Ereignissen gekoppelt ist oder gekoppelt werden kann.

Elementen-Transfer: Lernprozeß. Dem Lernenden sind die Elemente eines zu erwerbenden Systems bzw. einer zu erwerbenden Klasse von anderen Situationen her bekannt; die Relationen bzw. gemeinsamen Merkmale sind unbekannt und werden gesucht. Durch transformierende Operationen entwickelt der Lernende aus der Kenntnis der Elemente den Lösungs-Weg.

Endzustand: Zustand, in dem sich der Lernende nach Abschluß einer Lernsituation befindet.

erinnern: Intern-Operation (kogneszierend). Gedächtnis-Inhalte werden ins Bewußtsein überführt.

erkennen: Intern-Operation. Die von den Rezeptoren gelieferten Informationen über die Umgebung werden im Bewußtsein abgebildet.

Extern-Technik: Grundform von Unterrichts-Objekten. Technik, bei deren Vollzug der Anteil der notwendigen Extern-Operationen relativ groß gegenüber dem Anteil der notwendigen Intern-Operationen ist.

Fertigkeitsgrad: Grad, in dem Lernende bestimmte Operationen beherrschen.

Funktion: Fähigkeit eines Systems, ein bestimmtes Verhalten hervorzubringen. Diese Fähigkeit wird durch die Struktur des Systems und die Art und Weise der Kopplungen zwischen den Elementen dieses Systems bestimmt.

Gedächtnis-Inhalte: Informationen, die im Gedächtnis gespeichert sind und gegebenenfalls erinnert werden können.

Gestaltung: Verfahren zur Erzeugung von Produkten. Bei der Gestaltung eines Produkts müssen dem Produzenten ständig alle Informationen, die zur Erzeugung des Produkts notwendig sind, gegenwärtig sein. Komplexere Produkte erfordern Konstruktion.

Großgruppe: Sozio-System in der Unterrichts-Situation, das eine größere Menge von Lernenden umfaßt, als sie durch die Kleingruppe definiert ist.

Grundform von Unterrichts-Objekten: Unterschieden in kürzerfristig zu lernende Informationen und Techniken, sowie die nur längerfristig zu lernenden Einstellungen und Verhaltensweisen.

Hilfsmittel: Reale Objekte, die den raum-zeitlichen Kontakt zwischen Lernendem und Operations-Objekt dadurch herstellen, daß sie die Fähigkeit zu externen Operationen erhöhen und/oder als Zeichenträger des Operations-Objekts bzw. Mittel zur Herstellung des Operationsobjekts fungieren.

Imitation: Lernprozeß: Der Lernende erwirbt Unterrichts-Objekte auf einem Weg, der intern oder extern vorgegeben ist.bewußte: Dem Lernenden ist bewußt, was er zu welchem Zweck lernt. unbewußte: Dem Lernenden ist nicht bewußt, was er zu welchem Zweck lernt.

Information: Grundform von Unterrichts-Objekten. Aussage über Sachverhalte.

Initiation: Teil-Funktion der Lernsituation.direkte: Das Operations-Objekt regt den Lernenden zu Operationen an.indirekte: Ein vom Lehrenden zusätzlich bereitgestelltes Hilfs-Operations-Objekt veranlaßt den Lernenden zu Operationen am eigentlichen Operations-Objekt.

Interaktion: Teil-Funktion der geregelten Lernsituation und der Unterrichts-Situation. Kommunikation zwischen Sozio-Systemen.

Intern-Technik: Grundform von Unterrichts-Objekten. Technik, bei deren Vollzug der Anteil der notwendigen Intern-Operationen gegenüber dem Anteil der notwendigen Extern-Operationen ausschlaggebend ist.

Intraaktion: Sonderfall der Interaktion. - Die Lernenden kommunizieren innerhalb eines Sozio-Systems auf ein gemeinsames Ziel hin.

Klasse: Komplexitäts-Stufe. Gesamtheit von Elementen mit gemeinsamen Merkmalen. - Objekte oder Ereignisse werden subjektiv dann zu einer Klasse zusammengefaßt, wenn gemeinsame Merkmale der Objekte oder der Ereignisse Gegenstand der Betrachtung sind.

Klassen-Merkmal: Merkmal, das allen Elementen einer Klasse gemeinsam ist.

Kleingruppe: Sozio-System in der Unterrichts-Situation, die aus drei bis sechs Lernenden besteht, die unter gemeinsamer Zielsetzung zusammenarbeiten.

Komplexitäts-Stufe: subjekt- und situations-abhängiges Niveau, auf dem ein Objekt hinsichtlich seiner Komplexität betrachtet wird. Unterschieden nach System, Klasse, Element, Element eines Systems, Element einer Klasse.

Konditionierung: Lernprozeß zum Erwerb von Einstellungen und Verhaltensweisen. Gekennzeichnet durch die positive oder negative Rückkopplung der Reaktionen des Lernenden oder durch die zeitliche oder räumliche Nachbarschaft von Reizen.

Konkretions-Stufe: Grad der Konkretion, der einem Operations-Objekt zukommt. Unterschieden werden interne (Bewußtseins- und Gedächtnis-Inhalte) und externe (reale Objekte sowie informationelle Objekte, diese wiederum in ikonische und nicht-ikonische Zeichen).

Konstruktion: Verfahren zur Erzeugung komplexer Produkte. Ein Produkt sollte konstruiert werden, wenn die zur Herstellung notwendigen Informationen die Bewußtseinsenge überschreiten. Das Herstellungsverfahren wird durch einen Algorithmus rationalisiert.

konvergent denken: Intern-Operation (produzierend, transformierend, modell-orientiert). Bewußtseins-Inhalte werden in Bindung an ein bestimmtes (für den Lernenden konventionelles) Denkmuster verarbeitet.

Lehrender: Element der gesteuerten und geregelten Lernsituation sowie der Unterrichts-Situation, das an den Funktionen der Selektion, der Beobachtung, der Interaktion, der direkten und indirekten Initiation sowie an der Übermittlung und der Veränderung des Operations-Zieles beteiligt ist.

Lernender: Wichtigstes aktives Element jeder Lernsituation; verändert durch Operationen an einem Operations-Objekt seinen Zustand.

Lernprozeß: Komplex von Operationen, durch die der Lernende seinen Zustand verändert. Hinsichtlich des Grades an Selbständigkeit grob unterschieden in nachvollziehendes, aufgaben-gesteuertes, problem-gesteuertes und problem-entdeckendes Lernen. Feiner unterschieden hinsichtlich des Grades an Bewußtheit, des Grades an Selbständigkeit und der Anwendbarkeit auf verschiedene Grundformen und Komplexitäts-Stufen von Unterrichts-Objekten in Elementen-Transfer, Relationen-Transfer, bewußte sowie unbewußte Imitation und Konditionierung.

Lernsituation: ergibt sich, wenn ein Lernender und ein Operations-Objekt in raum-zeitlichen Kontakt kommen und das Operations-Objekt den Lernenden zu Operationen anregt, durch welche sowohl das Operations-Objekt als auch der Lernende verändert werden.einfache: L., in welcher der raum-zeitliche Kontakt zufällig zustandekommt und beendet wird.gesteuerte: L., bei welcher ein zusätzliches Element (Lehrender) den raum-zeitlichen Kontakt absichtlich zustandebringt. Unterschieden in L. mit direkter oder indirekter Initiation.geregelte: Folge von gesteuerten Lernsituationen, die aufgrund der Beobachtung des Lernenden oder des Operations-Objekts erzeugt wird.selbst-gesteuerte: Unterrichts-Situation, in welcher der Lernende alle Funktionen erfüllt, die in der normalen Unterrichts-Situation vom Lehrenden ausgeübt werden.

Merkmal: Kennzeichen eines Elements.

Nachrichtenkanal: Sinnesorgan, mittels dessen der Lernende extern am Operations-Objekt operiert.

nachvollziehendes Lernen: Der Lernende erwirbt neue Unterrichts-Objekte in rein nachvollziehender Weise, ohne daß produzierende Operationen erforderlich wären.

nicht-notwendige Bestandteile: Teile des Operations-Objekts, die für das Erreichen des Operations-Zieles nicht notwendig sind und daher die Operation behindern können.

Operation: intern oder extern bewußt vollzogene Handlung.externe: O., bei welcher der Lernende vorwiegend Energie umsetzt.interne: O., bei welcher der Lernende vorwiegend Informationen umsetzt.kogneszierende: Informationen werden im Bewußtsein aufgenommen (erkennen und erinnern).modell-orientierte: Informationen werden im Bewußtsein modellgemäß, folgerichtig und planmäßig verarbeitet (konvergent und divergent denken). produzierende: Informationen werden im Bewußtsein verarbeitet (speichern, auswerten, konvergent denken, divergent denken und original denken).transformierende: Informationen werden im Bewußtsein zu neuen Informationen verarbeitet (konvergent, divergent und original denken).

Operations-Ergebnis: Element der Unterrichts-Situation. Der in einer Unterrichts-Situation tatsächlich erreichte Zustand des Lernenden; definiert durch einen Teil des Unterrichts-Objekts und durch eine Operation.

Operations-Objekt: Element jeder Lernsituation. Objekt, das den Lernenden zu Operationen anregt. Die Qualität eines O. wird durch die folgenden Dimensionen bestimmt: Nachrichtenkanal, Operation, Komplexitäts-Stufe, Zeichen-Dimension, nicht-notwendige Bestandteile, Konkretions-Stufe, Reiz-Intensität.

Operations-Ziel: Geplanter Zustand des Lernenden am Ende einer Unterrichts-Situation; definiert durch einen Teil des Unterrichts-Objekts und durch eine Operation. Übermittlung des Operations-Zieles: Teil-Funktion der Unterrichts-Situation; gekennzeichnet durch die Vergegenwärtigung des geplanten Operations-Zieles seitens des Lehrenden während der Unterrichts-Realisation.Veränderung des Operations-Zieles: Teil-Funktion der Unterrichts-Situation. Der Lehrende verändert das Operations-Ziel aufgrund unvorhergesehener Besonderheiten der Lernsituation.

Organisation der Unterrichts-Situation: Die der jeweiligen Unterrichts-Situation entsprechende räumliche und zeitliche Verteilung der Operationsobjekte, Hilfsmittel, Operationen und Interaktionen.

original denken: Intern-Operation (produzierend, transformierend). Bewußtseins-Inhalte werden modellfrei, sprunghaft, spontan verarbeitet.

Partner-Gruppe: Sozio-System in der Unterrichts-Situation, das aus zwei Lernenden besteht, die in gemeinsamer Zielsetzung zusammenarbeiten.

Planungssystem: System von Handlungsanweisungen zur Konstruktion von Unterrichtsplanungen, abgeleitet von den Teil-Funktionen der Unterrichts-Situation.

Reiz-Intensität: Subjektabhängiger Auffälligkeits-Wert des Operationsobjekts.

Problem: Anfangs-Situation, in welcher der Lernende ein Ziel erreichen will, aber die dafür notwendigen Mittel und/oder Verfahren nicht kennt oder nicht gegenwärtig hat.

Problemstellung: Situation, in die der Lehrende den Lernenden versetzt, um den Lernenden zu problem-gesteuertem Lernen zu veranlassen. Grob unterschieden hinsichtlich des Motivations-Grades nach echten, wirklichkeits-abbildenden und wirklichkeits-abgehobenen P. Hinsichtlich des für den Lernenden bestehenden Widerstandes grob unterschieden in P. mit Informations-, mit Operations-, und mit Technik-Defizit.

problem-entdeckendes Lernen: Lernprozeß. Der Lernende entdeckt in einer vorgegebenen Situation selbständig ein Problem, ebenso den ihm bis dahin nicht bekannten Lösungsweg und erwirbt demgemäß mittels produzierender Operationen neue Unterrichts-Objekte. Möglich als Relationen- oder Elementen-Transfer.

problem-gesteuertes Lernen: Lernprozeß. Der Lernende findet bei vorgegebener Problemstellung selbständig einen ihm bis dahin nicht bekannten Lösungsweg und erwirbt demgemäß mittels produzierender Operationen neue Unterrichts-Objekte. Möglich als Relationen- oder Elementen-Transfer.

Relation: Kopplung, die zwischen Merkmalen, Elementen, Teil-Systemen oder Systemen besteht oder hergestellt werden kann.

Relationentransfer: Lernprozeß: Dem Lernenden sind die Relationen eines zu erwerbenden Systems von anderen Situationen her bekannt, die Elemente sind unbekannt und werden gesucht. Durch mindestens transformierende Operationen entwickelt der Lernende aus der Kenntnis der Relationen den Lösungsweg.

Repräsentanz: Wertigkeit eines Unterrichts-Objekts als Vertreter einer Klasse. Ergibt sich aus dem Vorhandensein aller Klassen-Merkmale und möglichst geringer Anzahl von Restmerkmalen.

Restmerkmal: Merkmal, das ein Element einer Klasse außer den Klassen-Merkmalen besitzt.

Selektion: Teil-Funktion der gesteuerten, der geregelten Lernsituation und der Unterrichts-Situation. - Um eine Lernsituation zu erzeugen, stiftet der Lehrende einen raum-zeitlichen Kontakt zwischen dem Lernenden und dem potentiellen Operations-Objekt.

Soziosystem: Gruppierung von Lernenden, die miteinander interagieren. - Grob unterschieden in Großgruppe, Kleingruppe, Partnergruppe, Einzelner.

speichern: Intern-Operation (produzierende). Bewußtseins-Inhalte werden ins Gedächtnis überführt.

Struktur: Menge der Relationen eines Systems.

System: Komplexitäts-Stufe. Gesamtheit von Elementen, die miteinander durch Relationen verknüpft sind. - Objekte oder Ereignisse werden subjektiv dann zu einem System zusammengefaßt, wenn Kopplungen zwischen den Objekten oder zwischen den Ereignissen Gegenstand der Betrachtung sind.

Systemische Didaktik: ( In früheren Publikationen "Systemtheoretische Didaktik") - Didaktik-Modell, in welchem versucht wird, Fragen des wissenschaftlich-didaktischen, des ideologisch-didaktischen und des technisch-didaktischen Bereichs durch sytemisches Denken zu lösen.

Technik: Grundform von Unterrichts-Objekten. Produzierende Anwendung zuvor erworbener Informationen (u./o. Grundtechniken) zu einem vorher festgelegten Zweck. Grob unterschieden in Intern-Technik und Extern-Technik.

Teil-Funktion: Beitrag, den ein Teil-System zur Funktion des gesamten Systems leistet.

Teil-System: Enthält eine Teilmenge der Elemente und Relationen eines Systems.

Unterrichts-Einheit: Gesamtheit aller sich aus einer Kette von Unterrichts-Objekten ergebenden Unterrichts-Ziele.

Unterrichts-Objekt: Objekt, das vom Lernenden im Unterricht gelernt werden soll. Unterschieden hinsichtlich der Grundform und der Komplexitäts-Stufe.

Unterrichts-Situation: auf ein Operations-Ziel hin gerichtete Folge geregelter Lernsituationen.

Unterrichts-Ziel: Beschreibung des Zustandes, den ein Lernender durch eine Folge von Unterrichts-Situationen erreichen soll, sowie des Lernprozesses, durch den dieser Zustand angestrebt werden soll. Definitions-Komponenten sind Unterrichts-Objekt, Operation und Lernprozeß.

Verhaltensweise: Grundform von Unterrichts-Objekten. Zwangsläufig einseitige, weil durch Konditionierung erzeugte Anwendung einer bestimmten Technik (oder eines bestimmten Komplexes von Techniken) in einer bestimmten Klasse von Situationen, in der auch andere Techniken anwendbar wären.

Zeichen: Raum-zeitliches Gebilde, das für etwas anderes steht. Unterschieden hinsichtlich der Konkretions-Stufe in ikonische und nicht-ikonische Zeichen, hinsichtlich der Zeichen-Dimension in Z. mit syntaktischer, semantischer, pragmatischer und ästhetischer Zeichen-Dimension. ikonisches: repräsentiert unmittelbar mindestens einen Bestandteil des realen Objekts oder Ereignisses. nicht-ikonisches: abstraktes Symbol, das zunächst gelernt worden sein muß, um es vereinbarungsgemäß eindeutig einem Objekt oder Ereignis zuordnen zu können.

Zeichen-Dimension: Art der Information, die ein Zeichen für ein bestimmtes Subjekt abgibt.syntaktische: betrifft die Relationen der Zeichen untereinander.semantische: betrifft die Relationen zwischen Zeichen und ihrer Bedeutung. pragmatische: betrifft die Relationen zwischen Zeichen und dem, was das Bezeichnete für ein bestimmtes Subjekt an Handlungsaufforderung enthält. ästhetische: betrifft die Relationen zwischen der Art und Darstellung des erkannten Zeichens und der als Norm gespeicherten Abbildung des Zeichens.

d) Adresse

Prof. Harald Riedel

Krügerstraße 4

12307 Berlin

e-Mail: haraldriedel2@compuserve.de

Quelle:

Harald Riedel: Einführende Bemerkungen zu ausgewählten Aufsätzen aus der Systemischen Didaktik

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 11.05.2005

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