Verschränkung von Behinderung und Geschlecht am Beispiel der öffentlichen Toilette

Politics of peeing

AutorIn: Lena Rahn
Themenbereiche: Geschlechterdifferenz
Textsorte: Bachelorarbeit
Releaseinfo: Bachelor-Arbeit zur Erlangung des Akademischen Grades. „Bachelor of Arts“ (B. A.) im Studiengang; „Soziale Arbeit“ an der „Alice Salomon“ - Hochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin; University of Applied Sciences eingereicht im Sommersemester 2015 am 21. Mai 2015.; Erstgutachterin: Prof. Dr. Swantje Köbsell Zweitgutachterin: Jana Jelitzki
Copyright: © Lena Rahn 2015

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die vorliegende Bachelor-Arbeit ist entstanden mit Unterstützung von vielen Freund_innen mit denen ich die Thematik besprochen und diskutiert habe und denen ich auf diesem Wege nochmal danken möchte.

Nichts desto trotz fehlen in der Arbeit mit Sicherheit einige Aspekte und Perspektiven sowie von mir angebrachte Vorschläge und Ideen sind limitiert und mit Sicherheit auch teilweise berechtigt zu kritisieren. Ich sehe die Arbeit als ein Produkt der Auseinandersetzung mit dem Thema im Rahmen meines Studienabschlusses und möchte mit meinen Ausführungen auf Leerstellen hinweisen und einen Beitrag dazu leisten, dass die Thematik in akademischen Diskursen sowie in der breiteren Gesellschaft sichtbar wird. Ich wünsche und erhoffe mir, dass priviligierte Personen sich mit dem Themenfeld auseinandersetzten und produktive Diskussionen entstehen.

Im Folgenden möchte ich die von den beiden Gutachterinnen meiner Bachelor-Arbeit, Swantje Köbsell und Jana Jelitzki, angeführten Punkte nennen, die ihnen berechtigterweise in meiner Arbeit fehlen. Ich benenne inter*geschlechtliche Personen nicht, obwohl diese Personengruppe auch immens von den zweigeschlechtlichen Toiletten ausgeschlossen sein kann. In der Literatur zu dem Themenbereich werden inter*geschlechtliche Personen nicht benannt, was symptomatisch für die Nicht-Thematisierung des Themas Inter*Geschlechtlichkeit stehen könnte. Des Weiteren führen die beiden an, dass die Sauberkeit von Toiletten ein wichtiges Thema für behinderte Personen darstellt, da beispielsweise mobilitätseingeschränkte Personen sich auf die Toilette setzen müssen, um diese nutzen zu können. Köbsell und Jelitzki merken an, dass es durch eine breitere Nutzung der barrierearmen Toilette zu einer stärkeren Verunreinigungen der Toiletten kommen könnte. Sie kritisieren in dem Zusammenhang, dass ich nicht den Aspekt des ‚im-Stehen-Pinkelns‘ thematisiert habe, welcher in feministischen Kontexten diskutiert wird. Durch die vermehrte Verunreinigung der Toiletten könnte eine weitere Konfliktlinie entstehen.

Da ich die Arbeit nicht als ein fertiges Produkt sehe und gerne weiter zu dem Thema arbeiten möchte, freue ich mich über Anmerkungen und Feedback.

1. Einleitung

Der Raum der Toilette[1] wird selten in akademischen Auseinandersetzungen behandelt. Jedoch ist er für behinderte Personen[2] und nicht-behinderte[3] und behinderte Trans*[4] und gender-nonkonforme[5] Personen vielfach mit alltäglichen Diskriminierungen, Ausschlüssen und Gewalt verbunden. Daher will diese Arbeit einen Teil dazu beitragen, die kaum thematisierten Ausschluss- und Diskriminierungmechanismen der gegenwärtigen Toilettenkultur sichtbar zu machen. Immer dort, wo es Ausschlüsse und Diskriminierungen von Menschen gibt, gehen damit Privilegien anderer Menschen einher, auch diese werden in dieser Arbeit thematisiert[6]. Meine Arbeit wirft anhand von Queer, Transgender und Disability Studies einen verschränkten Blick auf Behinderung und Geschlecht am Beispiel der öffentlichen Toilette. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt bei den Kategorien Geschlecht und Behinderung, die eine entscheidende Rolle bei der Zugänglichkeit von Toiletten spielen.

Die Arbeit stützt sich größtenteils auf englischsprachige Literatur, was dem Umstand geschuldet ist, dass zu dem Thema fast keine deutschsprachige Literatur vorhanden ist. Zudem liegt mehr Literatur zu dem Themenkomplex Geschlecht und Toilette als zum Aspekt Behinderung und Toilette vor[7].

Im Mittelpunkt stehen die strukturellen und miteinander verwobenen Ausschlüsse von behinderten Menschen sowie behinderten und nicht-behinderten Trans* und gendernonkonformen Personen. Betrachtet werden diese miteinander verschränkten Ausschlüsse unter den zwei behandelten Forschungsfragen dieser Arbeit:

Welche Widersprüche und Gemeinsamkeiten entstehen in der verschränkten Betrachtung von Behinderung und Geschlecht am Beispiel der öffentlichen Toilette?

Welche Konsequenzen und Forderungen ergeben sich hieraus für einen Toiletten-Aktivismus, der die Kategorien Behinderung und Geschlecht im Fokus hat?

Um am Schluss diese Fragen zu beantworten, skizziere ich im erster Schritt die politische und historische Dimension der Toilette und benenne die daraus resultierenden Konsequenzen für die in dieser Arbeit besprochenen Personenkreise.

Im Anschluss stelle ich die für das behandelte Thema relevanten theoretischen Grundlagen zu Behinderung anhand der Disability Studies sowie einer feministischen und queeren Ausrichtung dieser Forschungsrichtung vor. Daran anschließend wird die Differenzkategorie Geschlecht mit Hilfe der theoretischen Ansätze von Gender, Queer und Transgender Studies beleuchtet. Im nächsten Schritt betrachte ich die angeführten Theorien und Ausführungen in Hinblick auf das Thema und die Forschungsfragen dieser Arbeit verschränkt.

Nach diesen theoretischen Hinleitungen wird der politische Aspekt des Raumes der Toilette erläutert sowie die Bedeutung für Trans* und gender-nonkonforme Personen wie auch für behinderte Menschen besprochen. Im darauf folgenden Kapitel werden die Diskurse zu Behinderung und Geschlecht am Beispiel der öffentlichen Toilette verschränkt betrachtet sowie die gemeinsamen Forderungen, Widersprüche und Differenzen herausgearbeitet und diskutiert. Im Rahmen dieser Arbeit verstehe ich die Gemeinsamkeiten als Ausgangspunkt für politische Bündnisse von behinderten Menschen sowie behinderten und nicht-behinderten Trans* und gender-nonkonformen Personen. Im letzten Teil führe ich die verschiedenen Stränge dieser Arbeit anhand der Diskussion der Forschungsfragen zusammen.



[1] Wenn in der folgenden Arbeit von Toilette die Rede ist, ist immer die öffentliche Toilette gemeint.

[2] Siehe Glossar.

[3] Siehe Glossar.

[4] Siehe Glossar.

[5] Siehe Glossar.

[6] Ich schreibe als Cis-Frau aus einer weißen (siehe beide Aspekte Glossar) und nicht-behinderten Perspektive.

[7] Dies spiegelt sich auch in dieser Arbeit wieder.

2. Politische Dimension der Toilette

Der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit dem Raum der Toilette, politischen Forderungen diesbezüglich und veranschaulicht den ausschließenden und diskriminierenden Faktor von zweigeschlechtlichen und nicht-barrierearmen[8] Toiletten.

Die Professorin für jüdische Studien Olga Gershenson (2010) beschreibt, dass die Forderung nach sicheren und geeigneten öffentlichen Toiletten von verschiedenen Personengruppen und sozialen Bewegungen historisch gefordert wurde und auch immer noch wird[9].

Als erste Gruppe nennt sie Frauen[10], die Toiletten gefordert haben um sich im öffentlichen Raum aufhalten zu können. Als Beispiel führt sie an, dass 1905 in London die erste öffentliche Toilette für Frauen nach Widerständen von Männern, gebaut wurde. Als weiteres Beispiel nennt sie die Rassentrennungen in den USA. Dort gab es Toiletten für weiße [11] US-Amerikaner_innen[12] und Schwarze US-Amerikaner_innen bis in die 1950er Jahre und in den Südstaaten bis in die 1960er Jahre. Die Toiletten für weiße USAmerikaner_innen waren zweigeschlechtlich getrennt (Gershenson, 2010, S. 191ff.). Für Schwarze US-Amerikaner_innen gab es häufig Toiletten, die mit ‚colored’ markiert waren und somit für alle Schwarzen US-Amerikaner_innen vorgesehen waren. Durch diese Praxis wurden den Schwarzen Personen eine Geschlechtlichkeit abgesprochen und einhergehenden damit Weißsein als Norm gesetzt (Kafer, 2013, S. 219).

Mit dem Beginn der Behindertenbewegung Anfang der 1970er Jahre forderten behinderte Menschen Zugang zu öffentlichen Räumen und somit auch die Möglichkeit der Toilettenbenutzung, die bis dahin kaum gegeben war. Als letzte Gruppe führt Gershenson Trans* und gender-nonkonforme Personen an und beschreibt eine Kampagne für all-gender[13] Toiletten an einer Universität in den Vereinigten Staaten. Die Aktivist_innen waren mit immensen Widerständen konfrontiert. Gershenson begründet diese Abwehr durch den Eingriff in private Angelegenheiten sowie durch eine tief verankerte Angst vor vielfältigen Geschlechtsidentitäten, Überschreitung von scheinbar selbstverständlichen Annahmen und der Abkehr von Geschlechterdifferenzen (Gershenson, 2010, S.201ff.).

Größtenteils ist die Toilettennutzung an Konsum, wie beispielsweise einen Restaurantbesuch, geknüpft oder es muss eine Gebühr bezahlt werden. Dies führt dazu, dass obdachlose Personen oder Menschen mit wenig Geld kaum Möglichkeiten haben, Toiletten im öffentlichen Raum zu nutzen (Kafer, 2013, S. 154).

Toiletten sind somit historisch und heute noch mit gesellschaftlichen Ausschlussmechanismen verknüpft. Es werden bestimmte Personen, die den jeweiligen Normen nicht entsprechen, marginalisiert und die Nutzung einer öffentliche Toilette abgesprochen. Gleichzeitig wird das normative Verständnis von Körper gefestigt und diese Körper privilegiert. Chess, Kafer, Quizar und Richardson (2008) sprechen von dem „peeprivilege“ (Chess et al., 2008, S. 216). „Everyone needs to use bathrooms, but only some of us have to enter into complicated political and architectural negotiations in order to use them.” (ebd.)

Dieses Privileg ermöglicht es normativen Körpern, beispielsweise cis-geschlechtlichen und nicht-behinderten Personen[14], sich im sozialen Raum aufzuhalten und jederzeit die Toilette aufsuchen zu können. Behinderte Personen und behinderte und nicht-behinderte Trans* und gender-nonkonforme Personen haben limitierten Zugang zu Toiletten, welcher entweder nicht-barrierearm und somit nicht zugänglich ist und/oder das Aufsuchen der Toilette ist mit viel Stress, Angst und möglichen Übergriffen und Gewalt verbunden. Die feministische Theoretikerin Judith Plaskow argumentiert „access to toilets is a prerequisite for full public participation and citizenship.“ (Plaskow, 2008, o. S.) Behinderten sowie behinderten und nicht-behinderten Trans* und gender-nonkonformen Personen wird somit erschwert am sozialen Leben teilzunehmen. Aufgrund der fehlenden barrierearmen und all-gender Toiletten werden sie strukturell von dem öffentlichen Leben ausgeschlossen (ebd.).



[8] Siehe Glossar.

[9] Hier werden nur einige Beispiele genannt. Die Liste an Beispielen lässt sich fortführen.

[10] Siehe Glossar.

[11] Siehe Glossar.

[12] In dieser Arbeit wird der Unterstrich, der Gender-Gap verwendet, weil ich Raum lassen möchte für die sprachliche Repräsentation aller Menschen, sie sich jenseits von männlichen und weiblichen Geschlechtsidentitäten verorten. Wenn ausschließlich eine der zweigeschlechtlichen Schreibweisen verwendet wird, dann wird damit ihre Cis-Geschlechtlichkeit benannt.

[13] Siehe Glossar.

[14] Weitere Kategorien wie ‚race’ (siehe Glossar), Aufenthaltsstatus, Alter, Religion und Klasse sind auch zu berücksichtigen. Jedoch kann auf Grund des Themas der Arbeit hier nicht detaillierter drauf eingegangen werden.

3. Disability Studies

Im folgenden Kapitel werden die Disability Studies vorgestellt sowie eine theoretische Grundlage gelegt für die Betrachtung von Behinderung. Es werden verschiedene Modelle von Behinderung dargelegt sowie diese kritisch beleuchtet. Schwerpunktmäßig werden feministische und queere Ansätze der Disability Studies besprochen, welche für diese Arbeit von Bedeutung sind.

3.1. Historische Betrachtung der Disability Studies

Die Anfänge der Forschungsrichtung entstanden etwa zeitgleich in den siebziger Jahren in den Vereinigten Staaten und Großbritannien und entwickelten sich in enger Verbindung mit den jeweiligen emanzipatorischen Behindertenbewegungen.

In den USA organisierten sich beispielsweise behinderte Menschen gegen die Unterbringungen in gesonderten Einrichtungen, die sie als Verwahranstalten kritisierten. Des Weiteren thematisierten sie gesellschaftliche Ausschlüsse und Fremdbestimmungen und forderten Partizipation und Teilhabe an Themen, die sie als behinderte Menschen betreffen, sowie Einbindung in akademische Diskurse zur Thematik Behinderung. Im Mittelpunkt der Kritik standen soziale Ausschlussprozesse und Diskriminierungen durch mangelnde mögliche gesellschaftliche Teilhabe, wie beispielsweise durch räumliche Barrieren und Chancenungleichheiten. Für sie stand fest, dass nicht die individuelle körperliche sowie psychische Verfasstheit der Ausgangspunkt der Behinderung und der Ausschlussprozesse ist, sondern die gesellschaftlichen Situationen, in denen behinderte Menschen leben (Dederich, 2007, S. 21ff.).

Des Weiteren thematisierten sie, dass in den Disziplinen Medizin und Sozialwissenschaften, die sich zum großen Teil mit der Thematik Behinderung auseinandersetzen, Perspektiven behinderter Personen nicht sichtbar waren. Die Anfänge der Disability Studies setzten Behinderung als eine Analysekategorie, die die unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Bedingungen behinderter Menschen aus inter- und transdisziplinären Perspektive betrachtet und erforscht und somit sich mit historischen, rechtlichen, ökonomischen, sozialen wie auch kulturellen Gegebenheiten bezüglich Behinderung auseinandersetzt.

Vergleichsweise ähnlich sind die Anfänge der Disability Studies in Großbritannien. Die Einführung des sogenannten sozialen Modells von Behinderung in die Akademie von Michael Oliver, dem ersten Professor für Disability Studies in Großbritannien, führte zu wissenschaftlichen Diskussionen und zum Beginn der Disability Studies (Dederich, 2007, S. 24).

Trotz Ähnlichkeiten der politischen Behindertenbewegungen zu den USA und Großbritannien kam es erst seit 2000[15] zu einer verstärkten Rezeption der Disability Studies in Deutschland (Waldschmidt; Schneider, 2007, S. 14).

Die emanzipatorische Behindertenbewegungen in der Bundesrepublik Deutschland war eher aktionsorientiert als akademisch ausgerichtet. Sie organisierte sich in sogenannten ‚Krüppelgruppen’, an denen ausschließlich behinderte Personen teilnehmen durften. Die Gruppen prangerten die problematischen und diskriminierenden Lebenssituationen, wie beispielsweise Isolation in Heimen und Abhängigkeitsverhältnisse, an. Das Jahr 1981 wurde von den Vereinten Nationen (UN) zum Internationalen Jahr der Behinderten benannt. In diesem Zusammenhang wurde das ‚Krüppeltribunal’ in Dortmund organisiert bei dem behinderte Menschen aus dem Bundesgebiet ihre diskriminierenden Lebensbedingungen öffentlich machten. Die Behindertenbewegung beschäftigte sich schon damals mit vielen Aspekten, die heute in den Disability Studies behandelt werden (Dederich, 2007, S. 24ff.).

3.2. Vorstellung der verschiedenen Modelle von Behinderung

Im Folgenden wird erst kurz das medizinische Modell von Behinderung vorgestellt und die Kritikpunkte aus Sicht der Disability Studies benannt. Als Gegenmodell wird das soziale Modell von Behinderung aufgeführt und dann mit Hilfe von Theoretiker_innen kritisch betrachtet. Darauf folgend wird kurz das von Alison Kafer entwickelte Konzept des political/relational model of disability beschrieben sowie das Verständnis von Behinderung in diesem Modell beleuchtet. Anschließend wird Rosemarie Garland- Thomsons Ansatz einer feministischer Disability Theorie vorgestellt.

3.2.1. Das Medizinische Modell von Behinderung

Behinderung war lange Zeit vorwiegend ein Thema von Medizin, Pädagogik und Rehabilitationswissenschaften. Der dominante medizinische Blick verbindet Behinderung mit körperlichen, mentalen und kognitiven Schädigungen, Abweichungen, Defiziten und Dysfunktionen. Im Alltagsverständnis wird Behinderung gleichgesetzt mit Leid, Schmerzen und größtenteils als persönliche Tragödie angesehen (Waldschmidt, 2007, S. 40). Die Disability Studies kritisieren, dass der nicht-behinderte Körper dadurch zur Norm gesetzt wird, an den sich mit Hilfe von medizinischen Eingriffen und Therapien soweit wie möglich angeglichen werden soll (Gugutzer; Schneider, 2007, S. 34). Aus Sicht der Kritiker_innen werden behinderte Körper somit als Abweichung der Norm wahrgenommen und Normalität wird durch die Konstruktion des devianten, behinderten Körpers hergestellt und gesichert. Sie kritisieren des Weiteren, dass das medizinische Modell einen eindimensionalen Blick auf Behinderung wirft, da es ausschließlich die körperliche Ebene mit ihren Beeinträchtigungen defizitär betrachtet. Die Lebensbedingungen und -situationen von behinderten Menschen werden ausgeschlossen und negiert. Der menschliche Körper wird nicht als gebrechlich darstellt (Waldschmidt et al., 2007, S. 10).

3.2.2. Das soziale Modell von Behinderung

In den 1970er Jahren wurde von behinderten Menschen selbst das soziale Modell in Großbritannien[16] entwickelt, welches die gesellschaftlichen Barrieren und Ausschlussprozesse benennt, durch die die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für behinderte Menschen ausschließlich eingeschränkt möglich ist. Das soziale Modell spielt auch weiterhin international eine wichtige Rolle in den Behindertenbewegungen sowie für die Disability Studies.

Im sozialen Modell von Behinderung wird zwischen Impairment (Beeinträchtigung) und Disability [17] (Behinderung) unterschieden. Impairment beschreibt die körperliche Verfasstheit und gesundheitliche Beeinträchtigungen einer Person auf Grund körperlicher, geistiger und psychischer Merkmale. Bei Disability hingegen stehen im Fokus der Betrachtung die sozialen und räumlichen Barrieren, die es behinderten Menschen unmöglich machen, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Ausgangspunkt im Prozess des Behindert-Werdens bildet somit der sogenannte beeinträchtigte Körper. Ob der Körper als beeinträchtigt gelesen und wahrgenommen wird, ist abhängig vom jeweiligen historisch-kulturellen Kontext.

Das soziale Modell benennt somit die gesellschaftlichen ausschließenden und diskriminierenden Strukturen, welche dem Prozess des Behindert-Werdens zu Grunde liegen. Dieses Modell von Behinderung war und ist für viele behinderte Menschen ein wichtiges Instrument um Diskriminierungen und Ausschlüsse thematisieren zu können. Zudem wird Behinderung nicht als etwas ‚abnormales, falsches’ und als individuelles Problem dargestellt. Sondern es wird als ein von Menschen hergestelltes Konstrukt beschrieben, welches veränderbar ist durch die Bekämpfung der behindernden Strukturen (Köbsell, 2010, S. 19).

3.2.3. Kritische Ausführungen zum sozialen Modell

Das soziale Modell ist zentral für die Betrachtung von Behinderung innerhalb der Disability Studies. Das größtenteils von einer kleinen Gruppe weißer, heterosexueller, körperlich behinderter Männer entwickelte und vertretene soziale Modell wurde anfänglich besonders von britischen Feministinnen, die zum Themenkomplex Behinderung arbeiten, (Jenny Morris, Sally French und Liz Crow) kritisiert (Shakespeare, 2006, S. 200). Im Folgenden werden die herausgearbeiteten Kritikpunkte von der feministischen Disability Studies Theoretikerin und Künstlerin Liz Crow[18] (1996, S. 55–72) zum sozialen Modell kurz wiedergeben. Crow spricht sich für das soziale Modell aus, führt aber an, dass es ein Mitdenken von Impairment bedarf um einen ganzheitlichen Blick auf den Aspekt Behinderung zu schaffen, sowie positive Veränderungen zu ermöglichen. Sie benennt, dass das soziale Modell bezüglich diskriminierender Strukturen ein wichtiges Instrument für gesellschaftliche Transformationsprozesse ist. Gleichzeitig werden jedoch die persönlichen, individuellen Erfahrungen vernachlässigt. Sie befürchtet, dass sie durch die Thematisierung von Impairment, Gefahr läuft, das weit verbreitete und dominante Bild von Behinderung als ‚persönliche Tragödie’ und die vertretenen Inhalte des medizinischen Modells zu stärken und damit kontraproduktive Effekte zu erlangen. Sie benennt jedoch immer wieder wie wichtig es ist, die Lebensrealitäten und Erfahrungen von behinderten Menschen als fundamentalen Teil der Analyse von Behinderung zu betrachten und sich den Herausforderungen der eventuellen Fehlinterpretation zu stellen. Sie führt an, dass Impairment als neutral, manchmal positiv und nebensächlich in der Behindertenbewegung thematisiert wird, jedoch nicht als komplexes Phänomen, welches gegebenenfalls Schmerzen und Müdigkeit verursacht.

Die körperliche Ebene von Impairment stellt einen entscheidenden Unterschied zu anderen sozialen Bewegungen dar. In einer Gesellschaft, in der keine behindernden Strukturen mehr bestehen sollten, bleibt die körperliche Ebene jedoch immer noch Teil der jeweiligen Individuen und hat Auswirkungen auf ihre Leben. Als Beispiel werden Schmerzen angeführt. Die Nicht-Thematisierung von Impairment verhindert die herausfordernde Beschäftigung und Thematisierung mit der körperlichen Ebene und lässt Impairment zu einem Tabu werden. Crow (1996, S. 59) schreibt: „Our current approach to the social model is the ultimate irony: in tackling only one side of our situation we disable ourselves.“ Sie benennt, dass die Behindertenbewegung durch die Nicht-Thematisierung von Impairment einerseits Diskussionen verunmöglicht und anderseits ein Teil behinderter Menschen ausschließt.

Crow schlägt eine Uminterpretation von Impairment vor, da ihrem Verständnis nach, das dominante Bild von Impairment ein soziales Konstrukt ist, welches nicht starr und somit veränderbar ist. Sie plädiert für die Aneignung eines individuellen Verständnisses von Impairment jenseits der gesellschaftlich dominanten Bilder. Diese individuelle Interpretation ermöglicht eine selbstbestimmte Definition von Impairment. Dadurch wird die Bandbreite von Impairment größer und auch negative Auswirkungen von Impairment können sichtbar werden. Durch diesen Prozess der Uminterpretation wird einerseits dem hegemonialen Bild von Impairment widersprochen, anderseits werden so die Erfahrungen Teil der jeweiligen individuellen Biografien und ermöglichen Empowerment-Prozesse.

Crow führt an, dass bei der Analyse von Behinderung sowohl Disability wie auch Impairment betrachtet werden müssen und das beide Aspekte nur verstanden werden können durch die jeweilige Berücksichtigung. Beide Kategorien können für sich stehen, sind jedoch auch je nach Kontext miteinander verknüpft. Sie plädiert für ein neues angepasstes soziales Modell, welches zwei Ebenen beinhaltet. Erstens beschreibt sie Disability und Impairment als soziale Konzepte. Zweitens fordert sie die Anerkennung, dass sich die Erfahrung und die Wahrnehmung des eigenen Körpers mit der Zeit und in Abhängigkeit der gegebenen Umstände verändern können.

3.2.4. Vorstellung des political/relational model of disability

Die queer-feministische Disability Studies Theoretikerin Alison Kafer (2013)[19] schlägt in ihrem Buch Feminist, Queer, Crip das „political/relational model of disability“ (Kafer, 2013, S. 4) vor, welches sie aus der Perspektive einer feministischen-queeren Identitätskritik entwickelt hat. Sie spricht sich für eine politische Betrachtung der Kategorie Behinderung aus. Des Weiteren argumentiert sie in Bezug auf die feministische Disability Theoretikerin Rosemarie Garland-Thomson, dass die körperliche und psychische Verfasstheit von Individuen ungleiche Ressourcenverteilung, die gesellschaftliche Position und Machtverhältnisse in einer vorurteilsbehafteten Gesellschaft legitimieren. Daher spricht sie davon, dass Behinderung als ein „product of social relations“ (ebd., S. 6) verstanden werden kann. Sie beschreibt in Anlehnung an das sozialen Modell, dass die gesellschaftlichen und strukturellen Barrieren Behinderung als Problem hervorbringen. Durch Transformationsprozesse in der Gesellschaft wie auch durch politischen Wandel sei Veränderung möglich (ebd., S. 4ff.).

Jedoch im Gegensatz zum sozialen Modell benennt sie, dass medizinische Behandlungen Teil des political/relational model of disability sein können. Diese sollten jedoch nicht aufgewertet werden und nicht losgelöst gesehen werden von gesellschaftlichen Bildern von Normalität und Abweichung. Kafer erkennt es an, wenn behinderte Menschen körperliche Funktionen durch medizinische Eingriffe verändern und möchte diese sogar ermutigen. Sie benennt jedoch vehement, dass solche Veränderungen immer im gesellschaftlichen Kontext zu verstehen sind. Sie stellt damit das medizinische Modell neben ein politisches Verständnis von Behinderung, führt jedoch auch an, dass dies nicht impliziert, dass die medizinische Perspektive unpolitisch ist. Sie thematisiert, dass dieser Blickwinkel wichtige politische Fragen zu den Themenfeldern Gesundheitsversorgung und soziale Gerechtigkeit ermöglicht. Kafer spricht sich gegen eine Ablehnung des medizinischen Modells aus und schlägt in ihrem Modell eine Berücksichtigung vor, die eine Diskussion zu dem gesamten Themenkomplex Behinderung ermöglicht (ebd., S. 5ff.).

Sie findet die Trennung von Impairment und Disablility nicht sinnvoll und benennt ähnliche Argumente wie oben von Crow (1996) angeführt. Kafers Modell mit der explizit politischen Ausrichtung ermöglicht Aktivismus, der die Ausschluss- und Diskriminierungserfahrungen von Behinderungen und weniger die individuellen Erfahrungen thematisiert.

Kafer (2013, S. 9) beschreibt ihre Arbeit wie folgt:

„My goal is to contextualize, historically and politically, the meaning typically attributed to disability. Thereby positioning „disability“ as a set of practices and associations that can be critiqued, contested, and transformed.“

Als einen weiteren wichtigen Aspekt benennt sie das Bewusstsein um die Omnipräsenz und Dominanz von Nicht-Behinderung in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen. Kafer beschreibt, dass mit diesem Verständnis von Behinderung jegliche Aspekte und Themenfelder thematisiert werden können. Als Beispiel führt sie die politische Auseinandersetzung mit Toiletten an, um die es schwerpunktmäßig in dieser Arbeit gehen wird (ebd., S. 7ff.).

3.3. Kafers Verständnis von Behinderung

Ausgehend von Kafers political/relational model of disability beschäftigt sie sich mit der problembehafteten Frage der Bestimmung der Begrifflichkeiten behindert sein, Behinderung und wer als behindert angesehen wird.

Sie problematisiert die Annahme, dass es sich bei behinderten Menschen um eine feste Gruppe handele in der die Mitglieder bestimmte ähnliche Eigenschaften aufweisen müssen. Aus der Perspektive des political/relational model of disability werden starre Definitionen hinterfragt und der Aspekt Behinderung durch eine Vielzahl von Fragen beleuchtet. Damit wird die Vielschichtigkeit der Kategorie Behinderung aufgezeigt. Des Weiteren spricht sie sich dafür aus, dass der Aspekt der Behinderung und behindert sein jederzeit diskutierbar sein sollte (ebd., S. 10ff.).

Kafer schlägt ein Verständnis von Behinderung als „collective affinity“ (ebd., S. 11) vor. Damit bezieht sie sich auf die Historikerin Joan W. Scott, die collective affinity im Zusammenhang von Cyborg Theory nach Donna Haraway wie folgt beschreibt:

„play[ing] on identifications that have been attributed to individuals by their societies, and that have served to exclude them or subordinate them.“ (1989, zitiert nach Kafer, 2013, S. 11)

Kafer wendet dieses Verständnis auf Behinderung an und zeigt damit auf, dass alle Personen, die auf Grund ihrer körperlichen oder/und psychischen Verfasstheit diskriminiert oder als behindert oder krank angesehen werden, in das Verständnis von Behinderung miteinbezogen werden sollten. Diese Sichtweise auf Behinderung ermöglicht eine komplexe Interpretation von Behinderung und schließt sowohl Menschen mit chronischen Erkrankungen, Personen mit HIV/AIDS, Menschen mit sensorischen Beeinträchtigungen, Menschen mit Lernschwierigkeiten wie auch Personen mit körperlichen Behinderungen ein. Diese Personen verbindet, dass sie als behindert oder krank bezeichnet werden sowie diskriminierende Erfahrungen auf Grund ihrer körperlichen oder psychischen Verfasstheit erleben. Die hier vorgeschlagene Betrachtung von Behinderung verdeutlicht die Vielfalt der sogenannten Disability Communities. Kafer führt an, dass sich die Disability Studies wie auch die Behindertenbewegungen erst seit Kurzem mit möglichen Überschneidungen und Verbindungen von Personengruppen, wie beispielsweise chronisch kranken Menschen oder Personen, die Stimmen hören, beschäftigt. Sie benennt weiter, dass der Fokus in den Disability Studies bei der Betrachtung von körperlichen und sensorischen Behinderungen liegt (Kafer, 2013, S. 11).

3.4. Feministische Disability Theorie

Im nächsten Abschnitt wird auf die feministische Disability Theorie[20] eingegangen, da dort viele Anknüpfungspunkte bezüglich Geschlecht, geschlechtliche Identitäten und Sexualität besprochen werden, welche für die vorliegende Arbeit von Bedeutung sind. Im Folgenden wird das Verständnis dieses Ansatzes von Rosemarie Garland-Thomson (2011, S. 13–47), einer wichtigen US-amerikanischen feministischen Disability Theoretikerin, kurz skizziert[21].

Sie kritisiert, dass feministische Theorien häufig die Erfahrungen von behinderten Frauen nicht in die Theoriebildungen und Analysen integrieren sowie auch viele Disability Studies Theoretiker_innen feministische Theorien und Ansätze nicht kennen. Laut Garland-Thomson könnten die Disability Studies aus den gemachten Erfahrungen der feministischen Theorien der letzten Jahrzehnte fundierte Erkenntnisse, Methoden und Blickwinkel mit einbeziehen, welche die Disability Studies intensivieren würden. Sie benennt, dass eine intersektionale[22] Betrachtung, die sowohl (Nicht-) Behinderung wie auch die Differenzkategorien Klasse, ‚race’, Ethnizität und Sexualität in die Analyse von Geschlecht miteinbezieht, ein komplexes Verständnis von der Kategorie Geschlecht hat. Sie argumentiert, dass die beiden Theorieansätze voneinander profitieren können. Ihren Ansatz der feministischen Disability Theorie verortet sie einerseits in akademischen Zusammenhängen wie in politischen außeruniversitären Kontexten und benennt die Stärke dieser zwei sich bereichernden Stränge.

Mit diesem Ansatz können Aspekte jenseits von klassischen Disability Studies Themen besprochen werden, z.B. wichtige feministische Aspekte wie Sexualität und die soziale Konstruktion von Identitäten. Geschlecht wie auch Behinderung sind Kategorien, die jegliche gesellschaftlichen, strukturellen, sozialen, historischen wie auch individuellen Bereiche durchdringen.

Behinderung als weitere Analysekategorie eines sich als intersektional verstehenden Feminismus erweitert produktiv die Blickwinkel auf gesellschaftliche Prozesse. Die verschiedenen Differenzkategorien stehen sich nicht gegenüber oder sind losgelöst voneinander. Garland-Thomson beschreibt dieses Verhältnis als eine „vibrant, complex conversation“ (Garland-Thomson, 2011, S. 16). Sie spricht sich gegen eine weitere, separate feministische Theorie aus und plädiert für die Berücksichtigung von Behinderung als Kategorie in feministischer Theoriebildung. Dies ermöglicht ihrer Meinung nach Veränderungsprozesse innerhalb feministischer Theorien.

Garland-Thomson führt 1.) Repräsentation, 2.) Körper, 3.) Identität und 4.) Aktivismus als vier wichtige Aspekte von feministischer Theoriebildung an. Die vier Dimensionen werden durch eine feministische Disability Theorie Perspektive getrennt voneinander betrachtet. Diese künstliche Trennung ist ausschließlich Teil der Analyse. Die Aspekte sind jedoch nicht getrennt voneinander zu sehen, sondern beziehen sich aufeinander und wirken gleichzeitig.

3.4.1. Repräsentation

Mit dem Aspekt Repräsentation zeigt sie auf, wie behinderte Menschen und Frauen historisch wie aktuell dargestellt wurden und werden. Sie stellt eine Parallele zwischen Weiblichkeit und Behinderung her, welche sie anhand der Körperformenlehre Aristoteles' herleitet, der Frauen als verstümmelte Männer bezeichnete. Sie analysiert verschiedene Beispiele, mit denen sie die Verschränkung von der Norm abweichenden Körpern und Verhalten und weiteren Differenzkategorien, wie beispielsweise ‚race’, aufzeigt. Sie verdeutlicht anhand dieser Beispiele, wie durch die weiße, westliche Norm von Männlichkeit die sogenannten ‚anderen Körper’ hervorgebracht und gleichzeitig abgewertet und unterdrückt werden. Diese nicht-normativen Körper werden, je nach historischen und kulturellem Kontext, als defizitär oder unmoralisch wie auch als überflüssig dargestellt. Diese Repräsentationsweisen von unterdrückten Körpern legitimieren Gewalt und Diskriminierungen von behinderten Menschen, Personen mit auffälligen körperlichen Merkmalen, People of Color, Lesben und Schwulen[23].

Durch diese verschränkte Betrachtungsweise von Behinderung mit anderen Repräsentationsweisen wird herausgearbeitet und aufgezeigt, in welcher Weise die verschiedenen Differenzkategorien mit einander verwoben sind sowie sich gegenseitig begründen.

3.4.2. Körper

Als einen weiteren wichtigen Aspekt der feministischen Disability Theorie führt Garland-Thomson die Betrachtung des Themenkomplexes Körper an. Die Körper werden konfrontiert mit den gesellschaftlichen normativen Vorstellungen der Kategorien Geschlecht, ‚race’, Ethnizität, Sexualität, Klasse und (Nicht-) Behinderung. Als deviante Körper werden dagegen unter anderem behinderte, queere, dicke und rassifizierte Körper wahrgenommen. Körper, die nicht den normativen Vorstellungen entsprechen, werden marginalisiert und unterdrückt. Diese marginalisierten Körper sind Normalisierungs-und Regulationsprozessen ausgesetzt, vor allem durch die dominanten Vorstellungen der miteinander verschränkten Diskurse von Medizin und Aussehen. Die normativen Vorstellungen bezüglich des äußeren Erscheinungsbild und von Gesundheit erfüllen größtenteils einen ähnlichen disziplinierenden Auftrag. Es wird eine Norm gesetzt, welche jedoch unerreichbar scheint.

Aus der Perspektive der feministischen Disability Theorie werden die weit verbreiteten Normalisierungsbestrebungen von ‚außergewöhnlichen Körpern’ scharf kritisiert. Als ein Beispiel führt Garland-Thomson die sogenannten geschlechtsangleichenden Operationen bei inter*geschlechtlichen Babys als gewalttätige, verstümmelnde Normalisierungseingriffe an, die direkt nach der Geburt durchgeführt werden, da eine Geschlechtlichkeit jenseits binärer Zweigeschlechtlichkeit nicht oder kaum vorstellbar scheint.

3.4.3. Identität

Der Themenkomplex Identität ist zentral für die feministische Theoriebildung. Besonders die kritischen Ausführungen zur Eindimensionalität und vermeintlichen Einheit der Kategorie Frau zeigt, dass Frauen, je nach Biographie und gesellschaftlicher Positionierung, verschiedene Erfahrungen machen. Behinderung ist eine der Kategorien, die diese vermeintliche Einheit einer homogenen Gruppe von Frauen in Frage stellt. So werden behinderten Frauen beispielsweise häufig normative und gesellschaftlich weit verbreitete Vorstellungen von Weiblichkeit und Schönheit sowie ihr Frau-Sein und die damit zusammenhängende Geschlechtlichkeit abgesprochen. Sie müssen häufig für ihre Sexualität sowie ihr Recht und die Möglichkeit, Kinder zur Welt zu bringen kämpfen. Behinderte Frauen werden mit gesellschaftlichen Vorurteilen, die sie als unattraktiv und abhängig markieren, konfrontiert.

Feministische Theorieansätze kritisieren die gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Prozesse, die zu einer sexualisierten Verobjektivierung von Frauen führen. Behinderte Frauen werden als asexuell und ageschlechtlich betrachtet und sind daher nicht dieser normativen sexualisierten Verobjektivierung ausgesetzt. Dies führt dazu, dass ihnen eine sexuelle und geschlechtliche Identität verwehrt bleibt und stellt feministische Theorien mit ihren Annahmen zur Verobjektivierung vor Herausforderungen.

Darüber hinaus beschreibt Garland-Thomson die Möglichkeit jederzeit behindert zu werden und verdeutlicht damit die Flexibilität der Identitätskategorie Behinderung. Sie beschreibt anhand des gesellschaftlich dominanten und negativen Verständnisses von Behinderung, warum es vielen behinderten Menschen schwer fällt, sich als behindert zu verstehen. Garland-Thomson benennt, dass alternative nicht-marginalisierende Arten der Thematisierung von Behinderung kaum existieren. Sie nennt als weiteres Beispiel sexuelle Identitäten, welche sie ebenso als fließend und veränderbar beschreibt. Allerdings führt sie an, dass diese Identitäten als selbst gewählt betrachtet werden. Behinderung wird jedoch selten als selbst gewählte Identität angesehen. Sie benennt in diesem Zusammenhang das weit verbreitete gesellschaftliche Bild des Körpers als unveränderbare Basis von Identitäten. Anhand der Differenzkategorie Behinderung wird Unveränderbarkeit und Starrheit von Identitäten in Frage gestellt. Daraus kann eine flexible Betrachtung aller Identitätskategorien hervorgehen.

Als einen weiteren Aspekt bezüglich der Entstehung von Identitäten benennt Garland-Thomson die von ihr entwickelte Theorie „the stare“ (Garland-Thomson, 2011, S. 34). Sie führt an, dass durch das Anstarren von behinderten Personen behinderte Identitäten geschaffen werden.

Ebenso betont Garland-Thomson, dass feministische Disability Theorieansätze identitätskritische Perspektiven, wie beispielsweise queer-theoretische Ausführungen, betrachten und die Überschneidungen und Ähnlichkeiten aufzeigen können. Als Beispiel führt sie Coming-Out Geschichten von Schwulen und Lesben an. Sie beschreibt Coming-Outs als Möglichkeit für sowohl queere wie auch behinderte Personen gesellschaftlich sichtbar zu werden. Dies eröffnet die Möglichkeit aus dem ausschließlich privaten und medizinischen Bereich herauszutreten und sich politisch zu organisieren.

3.4.4. Aktivismus

Als vierten Aspekt benennt Garland-Thomson den Bereich des Aktivismus. Zum einen analysiert sie Bilder von behinderten weiblichen Models im Mainstream Mode-Business und zum Anderen spricht sie sich für einen akademischen Aktivismus aus.

Am Beispiel der Analyse von den Bildern behinderter Models zeigt sie auf, dass Behinderung und ein normatives Verständnis von Körpern nebeneinander stehen können. Damit werden Annahmen von Normalität, Attraktivität und Begehren durcheinandergebracht, hinterfragt und neu definiert. Anhand dieser Bilder wird Behinderung in der Öffentlichkeit sichtbar, gleichzeitig wird jedoch eine zuvor marginalisierte Gruppe in die gesellschaftlich dominanten Strukturen integriert. Garland-Thomson beschreibt die Wirkung dieser Bilder somit als befreiend wie auch unterdrückend und marginalisierend zugleich.

Als zweiten aktivistischen Bereich führt sie Universitäten und wissenschaftliche Tätigkeiten an. Als mögliche Methodik schlägt Garland-Thomson die Herangehensweise „intellectual tolerance“ (Garland-Thomson, 2011, S. 40) vor. Ihr Verständnis von Toleranz weicht von dem Alltäglichen ab und beschreibt die intellektuelle Fähigkeit Widersprüche nebeneinander stehen lassen zu können. Sie führt verschiedene Beispiele an und zeigt damit auf, dass einerseits Strukturen und Phänomene beispielsweise in Institutionen sichtbar gemacht werden und anderseits diese kritisiert oder in Frage gestellt werden können. Dies ermöglicht die Thematisierung von Widersprüchlichkeiten, wie zum Beispiel die Beschäftigung mit der Kategorie Identität aufzeigt. Die Methode schafft neue oder entdeckt alte vergessene Geschichten. Garland-Thomson plädiert für das Unvollständige, Provisorische und Besondere als intellektuelle Eigenschaften und beschreibt, dass durch die Sichtbarkeit wie auch durch die Akzeptanz von Behinderung diese Eigenschaften beeinflusst werden können. Denn sie beschreibt den behinderten Körper als widersprüchlich und uneindeutig.



[15] Spannend wäre hier zu untersuchen, warum es erst zu dieser verspäteten Rezeption kam. Leider ist dies im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich.

[16] In Großbritannien steht das soziale Modell im Fokus der Disability Studies und in den USA wird eine transdisziplinäre/kulturelle Perspektive auf Behinderung vertreten (Waldschmidt, 2005, S. 25). In dieser Arbeit wird das kulturelle Modell von Behinderung nicht explizit erklärt. Jedoch geben die Ausführungen von Kafer und Garland-Thomson wie teilweise von Crow wichtige Aspekte dieser Perspektive wieder.

[17] Köbsell (2010) verweist auf die Parallele zu der dualen Einteilung von Sex und Gender (S. 26). Siehe Kapitel 4. 1. Gender Studies.

[18] Ich habe mich für Crows Ausführungen zum sozialen Modell entschieden, da sie aus einer feministischen Perspektive spricht. Sie benennt die wichtigen Aspekte des Modells kritisiert es jedoch auch und spricht sich für ein verändertes soziales Modell aus.

[19] Ich beziehe mich hier auf Kafer, da sie einerseits aus einer queer-feministischen Perspektive spricht und anderseits die Kategorie Behinderung in einen politischen Kontext setzt.

[20] Leider ermöglicht der Umfang dieser Arbeit nur eine Einführung zu feministischen Disability Theorien.

[21] Der hier besprochene Artikel ist ein wichtiger Grundlagentext, der einen guten Überblick gibt sowie in die wichtigsten Aspekte feministischer Disability Theorie einführt. Der Text wurde im NWSA Journal, Vol. 14, No. 3, Feminist Disability Studies (Autumn, 2002) das erste Mal publiziert.

[22] 22 Siehe Glossar Intersektionalität.

[23] Meiner Meinung fehlt in ihren Ausführungen der Bezug zu Personen, die sich jenseits der dominanten Zweigeschlechtlichkeit verorten, wie beispielsweise Trans* oder gender-nonkonforme Personen.

4. Theoretische Ansätze zu Geschlecht

In dem folgenden Kapitel werden die theoretischen Grundlagen für die Beschäftigung mit der Differenzkategorie Geschlecht gelegt. In diesem Rahmen werden die Gender Studies vorgestellt. Schwerpunktmäßig werden Queer Theory sowie Transgender Studies dargelegt, die für diese Arbeit von Bedeutung sind.

4.1. Gender Studies

Die Gender Studies entwickelten sich aus der Frauenforschung und stellten die Geschlechterverhältnisse in den Fokus ihrer Betrachtung. Die Anfänge der Entwicklung der Gender Studies liegen ca. 1975 in den USA. Dieser wissenschaftliche Ansatz beschäftigt sich mit der Strukturkategorie Geschlecht[24] aus einer interdisziplinären bzw. transdisziplinären Perspektive. Es wird analysiert, wie dominante Vorstellungen von Männlichkeit(en) und Weiblichkeit(en) entstehen und deren Bedeutungen soziale Ungleichheiten (re)-produzieren und neue hervorbringen. Auch die feministische Frauenforschung hat bereits viel zur Differenzkategorie Geschlecht gemacht (Czollek; Perko; Weinbach, 2009, S. 18ff.).

Die Gender Studies beziehen sich auf die seit den 1970er Jahren verwendete Trennung[25] von Gender und Sex [26] in feministischen Kontexten. Gender beschreibt das sozialkonstruierte Geschlecht und somit die Ausbildung der Identität, expliziter Rollenbilder und Rollen von Männern und Frauen. Dieser Prozess ist eingebunden in den jeweiligen gesellschaftlichen Kontext und wird beispielsweise durch Institutionen wie Kirche, Medien oder Wissenschaft geprägt. Die Sozialisation ist geschlechtlich strukturiert. Somit werden an Mädchen/Frauen und Jungen/Männer unterschiedliche Erwartungen und Rollen gestellt, welche immer heteronormativ und zweigeschlechtlich strukturiert sind.

Sex wird hingegen als das biologische Geschlecht verstanden und als biologische Tatsache angesehen[27]. Das anatomische Geschlecht wird somit als natürlicher und damit festgeschriebener Fakt betrachtet. Es dient als vermeintlicher Ausgangspunkt für das soziale Geschlecht (Degele, 2008, S. 67ff.).

Die Trennung von Sex und Gender hatte in den frühen feministischen Theoriebildungen die wichtige Funktion, die biologistische Annahme von Natürlichkeit bezüglich der Kategorie Frau kritisieren zu können. Mit dieser Trennung wurde Gender als menschengemacht sowie sozial-konstruiert dargestellt und damit auch veränderbar. Die Sex/Gender Trennung, setzt das anatomische Geschlecht als Tatsache fest. Es werden jedoch keine binär-geschlechtlichen Zuschreibungen von Attributen auf Grund des anatomischen Geschlechtes gemacht. Die Gender Studies sprechen sich somit gegen die gesellschaftlich dominanten Vorstellungen von der sogenannten natürlichen Differenz der Geschlechter aus und zeigen damit auf, dass Gender veränderbar ist. Die unsichtbaren Konstruktionsprozesse von Gender werden sichtbar gemacht und damit auf die Veränderbarkeit und Wandelbarkeit hingedeutet und Gender somit dekonstruiert (Degele, 2008, S. 67ff.).

Candace West und Don Zimmerman haben in den späten 1980er Jahren anhand von Forschungen zu Transsexualität den Begriff Doing Gender entwickelt. Sie zeigten auf, dass transsexuelle Personen die sozusagen geschlechterbezogenen Erwartungen zu erlernen hatten (ebd., S. 80). Doing Gender beschreibt den Prozess erwartungsgemäß zu agieren/zu handeln, wie auch den anderen gegenüber geschlechtsbezogene adäquate Erwartungen zu signalisieren. Daher benennt Doing Gender das ständige Umsetzen und Anpassen von Menschen an heteronormative und zweigeschlechtliche Erwartungen und Normen. Dieser Prozess erfolgt unter anderem durch Handlungen, Sprache, Kleidungsstil, Mimik, Körperhaltung, Gestik und die Art zu kommunizieren. Das Individuum ist somit Teil des Herstellungsprozesses von Geschlechtlichkeit. Durch die gesellschaftliche Situation kommt es zu Auf- und Abwertungsprozessen innerhalb der hierarchisch strukturierten Gesellschaft. Dieser Prozess beschreibt die Produktion von normativen Geschlechterrollen und die Einteilung in weiblich und männlich (Czollek et al., 2009, S. 20ff.). Wenn beispielsweise Frauen Stöckelschuhe tragen, welche weiblich konnotiert sind[28], werden sie zu weiblichen Objekten gemacht. Durch das Tragen des als weiblich angesehenen Kleidungsstückes, werden sie zu Frauen und auch als solche wahrgenommen. Die Gender Studies arbeiten mit dem Analyseansatz des Doing Genders (Degele, 2008, S. 80ff.).

Folglich zeigt dieser Theorieansatz auf, dass die Beziehungen der Geschlechter flexibel sind. Durch den Konstruktionscharakter von Gender wird Frauen wie auch Männern theoretisch ermöglicht die gleichen Rollen und Funktionen einzunehmen. Dieser Prozess zeigt die Flexibilität von Gender auf sowie ermöglicht gesellschaftliche, stereotype Zuschreibungen von Gender zu hinterfragen, aufzubrechen und Veränderungen anzustoßen (Czollek et al., 2009, S. 21ff.). Nichtsdestotrotz ist die Wirkmächtigkeit von Geschlecht groß und bestimmt gesellschaftliche Positionierungen sowie geschlechterstrukturierte Erfahrungen. Geschlecht hat eine zentrale Bedeutung und es ist nicht möglich sich leicht von Geschlecht los zu machen (Stuve; Debus, 2012, S. 39).

Im Gegensatz zu dem Analyseinstrument Doing Gender versucht die Praxis des Undoing Gender stereotype Zuschreibungen von Geschlecht zu problematisieren und durch irritierende, als nicht normativ betrachtete Handlungen, Kleidungsstile, Arten und Weisen der Mimik, Gestik, Kommunikation etc. der normativen Vorstellung von Gender zu widersprechen. Dieser Prozess ermöglicht die Dekonstruktion von Gender. Undoing Gender beschreibt somit die Möglichkeit die gesellschaftliche Hierarchisierung und Kategorisierung von Geschlechtern zu verringern und damit normative und zweigeschlechtliche Vorstellungen zu hinterfragen und zu destabilisieren (Czollek et al., S. 21ff.).

4.2. Queer Theory

Im folgenden Abschnitt wird die historische Entwicklung der Queer Theory sowie der schwul-lesbischen Bewegungen kurz skizziert. Ein wichtiger historischer Moment für die (internationale) LGBT*IQ[29]-Bewegung sind die Auseinandersetzung mit der Polizei im Sommer 1969 in der New Yorker Christopher Street, rund um die Schwulenbar Stonewall Inn[30]. Die Bewegung politisierte sich in den 1970er und 1980er Jahren und ging politische Bündnisse mit anderen emanzipatorischen Strömungen, wie Beispiel der Black-Power Bewegung, ein (Kraß, 2003, S. 15ff.).

Die Begrifflichkeit Homosexualität wurde in den schwul-lesbischen Zusammenhängen kritisiert, da das Wort keine Unterschiede zwischen Schwulen und Lesben aufzeigt. Des Weiteren legt Homosexualität nahe, dass sich homosexuelle Personen ausschließlich über ihre Sexualität definieren und andere identitätsstiftende Aspekte nicht existieren.

Als letzten Punkt wird der pathologisierende Charakter des Begriffes benannt, der eine psychische Störungen impliziert. Abgrenzend von diesen Bedeutungen wurden die selbstgewählten Beschreibungen schwul und lesbisch als politische Identitäten jenseits von Pathologisierungen und Fremdzuschreibungen verwendet (Kraß, 2003, S. 15ff.).

Das Wort queer hat im Englischen verschiedene Bedeutungen. Es wurde und wird weiterhin immer noch als Beleidigung und Abwertung von Personen verwendet, die nicht dem heteronormativen Verständnis von Geschlechtlichkeit und Sexualität entsprechen. Es bedeutet im Englischen sonderbar, seltsam, merkwürdig, krank und ungewöhnlich. Seit Ende der 1980er Jahren haben LGBT*IQ Personen of Color in den USA angefangen sich den Begriff queer anzueignen und positiv zu besetzen. Seit Anfang der 1990er Jahre kam es zur breiteren positiven Aneignung des Begriffes (Czollek et al., 2009, S. 33).

Die Queer Theory baut auf die Gay and Lesbian Studies sowie Gender Studies auf. Die Anfänge der Queer Theory liegen in den frühen 1990er Jahren in den USA und stehen in Verbindung mit der erstarkenden politischen schwul-lesbischen Bewegung, die sich durch die Ausbreitung von HIV/AIDS wieder stärker politisierte[31]. Die AIDS-Krise verdeutlichte, dass nicht von einer einheitlichen Bewegung oder Community gesprochen werden kann. Denn sowohl Klassenunterschiede, Geschlechtsidentitäten und/oder Rassifizierungsprozesse sind wirkmächtig und führen zu ungleichen gesellschaftlichen Positionierungen sowie Ausschlusserfahrungen (Hark, 2013, S. 451ff.).

Die Begrifflichkeit Queer Theory wird von der amerikanisch-italienischen Literaturwissenschaftlerin Teresa de Lauretis in einem Artikel von 1991 vorgeschlagen. Sie spricht sich für die Einführung des Begriffes queer anstelle der bis dato verwendeten Kategorien Gay und Lesbian aus und begründet dies mit der Möglichkeit der Analyse sowie Repräsentation von Identitäten jenseits von schwul und lesbisch. Sie erhoffte sich, die identitäre Beschränkung zu überwinden und mit dem Begriff queer eine Erweiterung der Kategorie zu ermöglichen[32] (ebd., S. 451).

Queer Theory beschäftigt sich mit Sexualität und Geschlecht und analysiert damit zusammenhängende gesellschaftliche Normalisierungsprozesse. In den Analysen von Ungleichheit und Macht werden weitere Differenzkategorien, wie beispielsweise Klasse, ‚race’ und auch (Nicht-) Behinderung mit berücksichtigt um gesellschaftliche Ausschluss- und Marginalisierungsprozesse sichtbar zu machen. Des Weiteren beschäftigt sich die Queer Theory mit Zuschreibungen von Identitäten und kritisiert politische Strategien, die sich auf feste, starre und eindimensionale Kategorien, wie beispielsweise lesbische und schwule Identitäten, beziehen. Dieses Vorgehen schreibt Eigenschaften auf Grund der Kategorien fest und erzeugt damit Ausschlüsse. Mit diesem Prozess werden Solidarisierungen jenseits der eigenen Positionierungen verhindert. Queer Theory spricht sich somit für eine identitätskritische Perspektive aus, die sowohl die gesellschaftlichen Differenzkategorien nicht identitär miteinbezieht sowie für politische Bündnisarbeit plädiert (Degele, 2008, S. 41ff.; Engel, 2002, S. 40). Queer Theory wird von Kraß (2003) als „Frageperspektive“ (Kraß, 2003, S. 20) und nicht feste, abgeschlossene Disziplin beschrieben (ebd., S. 20ff.).

Mit dem Buch Gender Trouble (deutsche Übersetzung: Das Unbehagen der Geschlechter, 1991) von Judith Butler kam es Anfang der 1990er Jahre in Deutschland zu ersten Rezeptionen der Queer Theory (Hark, 2013, S. 453). Im Vergleich zu den USA sind queer-theoretische Ansätze in Deutschland eine relative junge Forschungsrichtung und an den Universitäten meistens Teil der Gender Studies. Jedoch werden auch in anderen Fachrichtungen, wie beispielsweise der Sozialen Arbeit, Gender und Queer Studies gelehrt (Czollek et al., 2009, S. 24; Degele, 2008, S. 53ff.).

4.2.1. Zentrale Aspekte der Queer Theory

Die Begrifflichkeit Heteronormativität ist ein elementarer Bestandteil der Queer Theory. Heteronormativität beleuchtet die binäre und zweigeschlechtlich organisierte Gesellschaft. Die gesellschaftliche Norm sieht ausschließlich zwei Geschlechter und zwar Männer und Frauen vor, die sich gegenseitig sexuell begehren. Geschlechterrollen, Sexualität und Geschlechtsidentitäten werden nicht differenziert betrachtet sondern bloß als Einheit Geschlecht angesehen. Der Begriff Heteronormativität beruht somit auf den Vorannahmen von Zweigeschlechtlichkeit und der Heterosexualität als alleinige sexuelle Orientierung. Beide Aspekte sind tief in das Alltagsverständnis wie auch in wissenschaftliche Kontexte eingeschrieben. Diese heteronormativen Mechanismen sind größtenteils keine bewussten Strategien sondern sind eingeschrieben in die Gesellschaft und somit auch verinnerlicht. Durch diese verankerten heteronormativen Vorstellungen werden bestimmte Körperlichkeiten und Praxen erzeugt (Degele, 2008, S. 88ff.).

Mit dem Begriff Heteronormativität versuchen queer-theoretische Ansätze die Norm von Heterosexualität sowie die damit verbundenen gesellschaftlichen Institutionen und Diskurse sichtbar zu machen, die einerseits Heterosexualität als Norm hervorbringen sowie andererseits Personen privilegieren, die dem heterosexuellen Idealbild entsprechen. Zweigeschlechtlichkeit wie auch Heterosexualität werden als selbstverständliche Grundannahmen gesetzt und als ‚natürlich’ dargestellt und wahrgenommen. Damit werden heterosexuelle Lebensmodelle und die binäre Zweigeschlechtlichkeit als selbstverständlich und somit als Norm betrachtet. Folglich haben vielfältige Geschlechtsidentitäten jenseits der zweigeschlechtlichen Logik keinen Raum und werden marginalisiert und ausgeschlossen.

Darüber hinaus bietet ein soziologischer Blick auf Heteronormativität die Möglichkeit aufzuzeigen, dass durch die Herstellung und Wahrnehmung des ‚Anderen’ der ‚Abweichung’, erst die Norm, das vermeintlich ‚natürliche’, hervorgebracht wird. Die Norm, wie beispielsweise heterosexuelle Lebensweisen, bleiben unhinterfragt. Gleichzeitig werden davon abweichende Lebensentwürfe, wie unter anderem Lesben, Schwule, Asexuelle und queere Identitäten, Gegenstand verschiedenster wissenschaftlicher Fachbereiche, welche sich zur Aufgabe gesetzt haben diese Lebensweisen und Praxen erklären und begründen zu wollen (ebd.).

4.2.2. Dekonstruktion von Gender und Sex

Mit der Veröffentlichung von Butlers Buch Gender Trouble beeinflusste sie massiv die Gender Studies wie auch die Frauenforschung und sorgte für viel Aufsehen und Kritik mit ihren Überlegungen zu Geschlecht und Sexualität. Butler gilt als postmoderne Autorin und vereint in ihren theoretischen Ausführungen eine Vielzahl an Wissenschaftsdisziplinen, wie lesbische und feministische Theorieansätze, Psychoanalyse, Philosophie, Sprachtheorie, Geschichte und Sozialwissenschaften und Medientheorie. Ihre Theorien sind komplex und disziplinübergreifend und fordern vielfältiges Vorwissen der Leser_ innen ein und sind daher sehr anspruchsvoll[33] (Villa, 2003, S. 11ff.).

Im folgenden Abschnitt werden Butlers Überlegungen, zu der von den Gender Studies vertretenen Trennung von Sex und Gender ausgeführt. Diese Trennung stellt trotz des Konstruktionscharakters von Gender kulturell Gemachtes und vermeintlich Natürliches gegenüber. Der Dualismus von Kultur und Natur bleibt somit unhinterfragt bestehen (Degele, 2008, S. 67ff.).

Butler stellt mit ihrer These, dass Sex, also das anatomische Geschlecht, schon immer Gender, das soziale Geschlecht gewesen ist und somit das soziale Geschlecht in den Körper eingeschrieben ist, eine weit verbreitete Annahme der feministischen Theoriebildung in Frage. Sie versucht mit ihrer Theorie zu verdeutlichen, dass Sex nicht als gegebene und natürliche Kategorie besteht sondern durch historische und gesellschaftliche Diskurse[34] hergestellt wird. Sex wird somit durch Gender und den Diskurs der (Zwangs-) Heterosexualität hervorgebracht. Sie zeigt somit mit ihrer These auf, dass die Trennung von Sex und Gender ein kulturelles Konstrukt ist (ebd., S. 105ff.). Sie arbeitet heraus, dass Geschlechter intelligible, das heißt lesbar sowie verstehbar sein müssen und sich als intelligible erweisen müssen, wenn eine Einheit zwischen den drei Aspekten Sex, Gender und Begehren (sexuelle Orientierung) besteht. Nur intelligiblen Geschlechtsidentitäten werden als ‚natürlich’ wahrgenommen (Villa, 2003, S. 59ff.). Butler nennt dieses Konzept die heterosexuelle Matrix. Durch die Einheit der drei Dimensionen wird das heterosexuelle System aufrechterhalten. Personen, die nicht den dominanten heteronormativen geschlechtlichen Vorstellungen entsprechen, werden als abweichende Subjekte wahrgenommen und werden ausgeschlossen. Jedoch funktioniert die Kohärenz der drei Dimensionen ausschließlich durch die permanente Wiederholung anhand von performativen Akten (Hark, 2013, S. 454).

In ihrem Verständnis von Performativität bezieht sie sich auf die Sprechakt Theorie von John L. Austin und arbeitet anhand von Texten und Begrifflichkeiten zu Geschlecht und Sexualität vermeintliche Brüche heraus und beschreibt Instabilitäten. Butler zeigt damit auf, dass durch ständige Wiederholungen, die innerhalb des gesellschaftlichhistorischen Kontextes stattfinden, Geschlecht performativ hergestellt wird. Durch das Sprechen über Geschlecht, wird gleichzeitig Geschlecht produziert[35] (Villa, 2003, S. 26ff.).

Butler zeigt jedoch auch, dass diese Kohärenz auf Grund von zwei Aspekten nicht möglich ist. Einerseits sind die drei Faktoren von sich aus schon inkohärent. Am Beispiel der Kategorie Gender lässt sich verdeutlichen, dass es nicht die Gruppe der Frauen gibt, sondern dass diese schon in sich uneindeutig und flexibel ist[36]. Anderseits führt sie als zweiten Aspekt an, dass Sex, Gender und Begehren nicht automatisch miteinander verbunden sind und auch keine wirkliche Einheit bilden, sondern losgelöst voneinander stehen bleiben. Mit dieser Analyse zeigt sie auf, dass Gender nicht notwendigerweise aus Sex hervorgeht und Begehren nicht zwangsläufig mit Gender verknüpft ist. Butler unternimmt mit ihren Betrachtungen den Versuch den Blick auf Geschlecht zu entnaturalisieren sowie die Brüche aufzuzeigen. Diese beschriebenen Inkohärenzen ermöglichen es laut Butler, in das Geschlechtersystem irritierend, jenseits heteronormativer Vorstellungen, zu intervenieren (Jensen, 2013, S. 152ff.).

Butler zeigt in ihren Überlegungen, dass Menschen gelernt haben und lernen ausschließlich zwei Geschlechter (Frau und Mann) wahrzunehmen und als diese zu unterscheiden. Menschen, die sich jenseits dieses zweigeschlechtlichen Systems verorten, werden als „Fehlentwicklung oder logische Unmöglichkeiten“ (Hark, 2013, S. 454) wahrgenommen und ausgeschlossen. Sie schlägt als Interventionen gegen diese heteronormativen Vorstellungen eine Sichtbarmachung marginalisierter Positionen und eine Lesart jenseits biologistischer Grundannahmen von Geschlechtern vor. Des Weiteren spricht sie sich aus für das Unterlaufen dieser scheinbaren natürlichen Zweigeschlechtlichkeit und Zwangsheterosexualität anhand von politischen Strategien der „Geschlechterverwirrung“ (Villa, 2003, S. 62). Als Grundlage für solche politischen Strategien benennt Butler ein Verständnis davon zu entwickeln, wie Geschlecht hergestellt wird. Als einen weiteren Aspekt führt sie an, dass es kein Außerhalb der historischen und kulturellen Verhältnisse gibt und somit Interventionen auch immer Teil des Systems sind und bleiben, welches jedoch durch verwirrende und subversive Strategien veränderbar ist, und somit die heteronormativen Vorstellungen von Geschlecht hinterfragt werden können (ebd., S. 62ff.).

4.3. Zentrale Aspekte der Transgender Studies

Im folgenden Abschnitt werden Aspekte der Transgender Studies[37] beschrieben, die für die vorliegende Arbeit von Bedeutung sind. Der Ansatz wird kurz umrissen sowie verschiedene Begrifflichkeiten vorgestellt und die elementaren Grundannahmen der Forschungsrichtung beschrieben.

Trans Studies sind Anfang der 1990er Jahre etwa im gleichen Zeitraum und parallel wie die Queer Studies in den USA entstanden. Feministische und queer-theoretische Ansätze sind wichtige Grundlagen und Bestandteile dieses Forschungsansatzes. Die entnaturalisierenden Überlegungen von Butler zu der Gender und Sex Trennung sind elementar für die Trans Studies[38] (Stryker, 2006, S. 10).

Trans*Personen wurden in den Disziplinen Medizin, Psychologie, Recht etc. ausschließlich als Objekte und als Abweichung von der Norm betrachtet, sowie als krank beschrieben. Bis heute werden in den internationalen Handbüchern für die Klassifikationen von Krankheiten, dem ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) und dem DSM V (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders), weiterhin die pathologisierenden Diagnosen Genderdysphorie und Geschlechtsidentitätsstörungen geführt. Trans*Aktivist_innen fordern im Rahmen der internationalen Kampagne Stop Trans Pathologization eine Entpathologisierung von Trans*Identitäten und somit die Streichung von Trans* als Diagnose einer psychischen Störung (Homepage der Internationale Kampagne Stop Trans Pathologization). Anderseits ermöglicht die Diagnose die Kostenübernahme für wichtige medizinische Körperveränderungen. Daher setzen sich Trans*-Interessenverbände für die Übernahme der Kosten jenseits einer pathologisierenden Diagnose ein (Franzen, 2012, S. 186).

Mit der Entstehung der akademischen Forschungsrichtung Trans Studies wurden Trans*Positionen innerhalb der Akademie sichtbar. Nicht mehr Mediziner_innen, Anwält_innen und Psycholog_innen arbeiteten ausschließlich zu dem Themenfeld Transgender sondern Trans*Personen selber griffen in Debatten ein. Stryker (2006, S. 11) beschreibt den Prozess wie folgt: „We fought our way into speaking positions, claimed our voice with a vengeance, said who we were, and erupted into discourse.“ Trans Studies sind mittlerweile integriert in Lehrplänen von Gender, Queer und Sexuality Studies in den Vereinigten Staaten wie auch in Europa und werden in den Bereichen Soziologie, Psychologie, Anthropologie sowie Recht unterrichtet.

Die Akademisierung ist eng verknüpft mit trans*-aktivistischen und trans*-solidarischen Bewegungen in den USA. Trans Studies sehen sich als politisches Projekt. Im Fokus des Ansatzes stehen die Thematisierung von Pathologisierungen nicht normativer Geschlechtsidentitäten und Körperlichkeiten. Des Weiteren werden staatliche Regularien und Vorstellungen medizinischer Eingriffe innerhalb der Zweigeschlechterlogik kritisiert sowie der Konstruktionscharakter von Geschlecht, sowohl von Sex als auch Gender, beleuchtet. Trans Studies fordern eine Anerkennung alternativer Repräsentationsformen, die sich jenseits der heteronormativen Zweigeschlechtlichkeit verorten (ebd., S. 6ff.). Stephen Whittle beschreibt in seinem Vorwort in The Transgender Studies Reader (2006), dass eine Gesellschaft jenseits zweigeschlechtlicher Normen freie geschlechtliche Entfaltung aller Menschen ermöglichen und mehr Freiheiten für alle Menschen bedeuten würde (Whittle, 2006, xiv).

In Abgrenzung zur Queer Theory, die sich schwerpunktmäßig mit Begehren und Sexualität auseinandersetzt, beschäftigen sich Trans Studies überwiegend mit den Themenfeldern embodiment und Identitäten. Des Weiteren befasst sich dieser Ansatz auch mit den Kategorien ‚race’, Klasse, Alter, Behinderung und Nationalität und fragt nach, welche Effekte durch die verschränkte Betrachtung entstehen. Diese Perspektive ermöglicht eine diverse Vorstellung von Körperlichkeiten, Identitäten und Begehren, welche vielfältig mit einander verwoben sind. Trans Studies fordern Queer Theory sowie auch schwul-lesbische Zusammenhänge heraus, sich über diese Aspekte Gedanken zu machen. Aus trans*-theoretischen Zusammenhängen werden die Teile der Queer Theory kritisiert, welche ausschließlich gleichgeschlechtliche Lebensweisen als nichtheteronormativ verstehen. Dem widersprechen Trans Studies und machen deutlich, dass queere Lebensmodelle weit mehr sind als gleichgeschlechtliche Lebensentwürfe. Denn Trans*Identitäten stellen heterosexistische Normen in Frage und stehen somit Heteronormativität kritisch gegenüber (Stryker, 2006, S. 6ff.). Trans Studies hinterfragen die gesellschaftlich fest verankerten Vorstellungen der Dualismen Mann/Frau, weiblich/ männlich, maskulin/feminin und heterosexuell/homosexuell und versuchen damit die omnipräsente Dominanz dieser Normen sichtbar zu machen sowie die damit verbundene Gewalt und Diskriminierungen von Trans*Personen zu thematisieren (Whittle, 2006, xiv).

Trans*Aktivist_innen sowie trans*-theoretische Überlegungen kritisieren die vermeintlich einheitliche Kategorie Frau. Zudem sehen sich Trans Studies in enger Verbindung mit feministischen Theorien und fordern die Berücksichtigung von Trans*Themen in feministischer Theorie und Praxis ein. Stryker beschreibt, dass die Abwehr von Feminist_innen gegenüber trans*-spezifischen Aspekten Kämpfen der Anerkennung von unter anderem Arbeiterfrauen, Frauen of Color, lesbischen Frauen und behinderten Frauen ähnle, die die Universalität der Kategorie Frau kritisierten, und sich von dieser nicht repräsentiert sondern ausgeschlossen sahen. Ein intersektionales Verständnis von Feminismus, welches Trans*Identitäten miteinbezieht, ermöglicht neue politische Strategien und Analysen gegen Diskriminierungen sowie Ungleichheitsverhältnisse auf Grund der Geschlechtsidentitäten (Stryker, 2006, S. 7).

Des Weiteren werfen Trans Studies einen kritischen Blick auf die historische Betrachtung von nicht-normativen Geschlechtsidentitäten und thematisieren unter anderem, den eurozentristischen Blick von Zweigeschlechtlichkeit während der ausbeuterischen und gewalttätigen Epoche des Kolonialismus. Der Ansatz beschreibt, wie Geschlechtsidentitäten jenseits eines eurozentristischen Verständnisses von Zweigeschlechtlichkeit zu geschlechtlich ‚Anderen’ gemacht wurden. Dieser Prozess ging einher mit exotisierenden Darstellungsweisen von nicht-normativen Geschlechtsidentitäten und legitimierte gewalttätige Übergriffe. Diese exotisierenden Sichtweisen auf Geschlechtsidentitäten jenseits von zweigeschlechtlichen Vorstellungen sind bis heute weltweit präsent und stellen trans*geschlechtliche Identitäten als geschlechtlich ‚Andere’ dar[39] (ebd., S. 14).



[24] Siehe Glossar.

[25] Die Unterscheidung in Gender und Sex kommt aus der medizinischen Behandlung von Trans* sowie inter*geschlechtlichen Personen der 1960er Jahre (Degele, 2008, S. 67).

[26] Ich möchte hier auf die im Teil zu Behinderung verwiesene Parallele von Disability und Impairment verweisen. Siehe Kapitel 3.2. 2. Das soziale Modell von Behinderung.

[27] Anstatt der Begrifflichkeit biologisches Geschlecht, verwende ich in dieser Arbeit die Ausdrucksweise anatomisches Geschlecht, um das Körpergeschlecht zu beschreiben.

[28] Ob etwas als weiblich oder männlich angesehen wird, ist abhängig von dem kulturellen-historischen und gesellschaftlichen Kontext.

[29] Siehe Glossar.

[30] Die Polizei trat während einer Razzia der Lokalität provakativ auf und die Besucher_innen wehrten sich gegen die diskriminierenden Übergriffe der Polizei. Es kam zu tagelangen Straßenkämpfen. Dieser Aufstand wird als zentrales Datum der schwulen- und lesbischen Freiheitsbewegung (Gay Liberation) beschrieben und als Abkehr von Assimilationsbestrebungen hin zu einem selbstbewussten und stolzen Verständnis als Schwule und Lesben.

[31] Degele (2008) benennt, dass die Anfänge queerer Wissenschaft schon auf das von Magnus Hirschfeld gegründete Wissenschaftliche-humanitäre Komitee in der Weimarer Republik in Berlin zurück zu führen sind. Hirschfeld setzte sich für die Rechte von Schwulen und Lesben ein sowie gegen die Kriminalisierung auf Grund der Sexualität.

[32] Lauretis kritisierte jedoch später den Begriff queer und wendete sich von ihm ab. Ihrer Meinung nach hat die Begrifflichkeit ihren politischen Charakter verloren (Degele, 2008, S. 44).

[33] Da es eine Vielzahl von Einführungen zu den Theorien von Butler gibt und diese Arbeit sich nicht schwerpunktmäßig mit ihren Ausführungen beschäftigt, werde ich im folgenden Abschnitt mit sekundär Literatur arbeiten.

[34] Siehe Glossar.

[35] Austin und auch Butler benennen das Beispiel der heterosexuellen Eheschließung und beschreiben, dass mit der Verkündung des/der Standesbeamten/Standesbeamt_in „hiermit erkläre ich sie zu Mann und Frau“, ein Ehepaar entstanden ist. Dieses Beispiel verdeutlicht wie Worte zu Handlungen werden (Villa, 2003, S. 26ff.).

[36] Wie in der Arbeit schon ausgeführt, kann keine Kategorie losgelöst von gesellschaftlichen Positionierungen und sozialen Ausschlussprozessen betrachtet werden (Jensen, 2013, S. 152).

[37] In den folgenden Ausführungen wird die verkürze Form Trans Studies verwendet um die Forschungsrichtung zu beschreiben.

[38] Jedoch wurde Butler für ihre frühen Arbeiten auch aus trans*-akademischen Kontexten wie auch aus trans*-aktivistischen Zusammenhängen kritisiert für ihre Überlegungen zur Herstellung von Geschlecht durch performative Akte. Die Kritiker_innen warfen Butler vor, dass durch ihre Annahme Geschlecht nicht als real wirkmächtig betrachtet wird. Des Weiteren interpretierten die Kritiker_innen ihre Überlegungen dahin, dass Geschlecht jederzeit wechselbar ist und damit ein Spiel darstellen würde. Viele Trans*Personen sahen sich durch diese Ausführungen nicht repräsentiert und beschrieben die Gefahr der nicht Anerkennung ihrer Identitäten. Stryker beschreibt jedoch, dass die Kritik auf einer problematischen Analyse der Überlegungen von Butler basiert (Stryker, 2006, S. 10).

[39] Selbstkritisch beschreibt Stryker die akademischen trans*-theoretischen Zusammenhänge als größtenteils weiß und benennt den Bereich der Universitäten und Forschung als eine privilegiertes Arbeitsfeld zu dem Trans*People of Color auf Grund von vielfältigen Diskriminierungen der Zugang erschwert wird. Durch diese Nicht- bzw. mangelhafte Repräsentation von Trans*Positionen of Color sind die Betrachtungsweisen auf die komplexen miteinander verwobenen Aspekte von ‚race’ und Transgender Themen nur beschränkt möglich und bieten noch vielfältige Ausbaumöglichkeiten (Stryker, S. 15). In den Ausführungen von Stryker wird Behinderung als eine Analysekategorie betrachtet. Sie benennt jedoch nicht die Notwendigkeit von behinderten Trans*Theoretiker_innen, die ebenfalls mit vielfältigen Diskriminierungen konfrontiert sind. Dies erschwert auch ihnen den Zugang zu akademischen Berufen.

5. Verschränkung von Geschlecht und Behinderung

In den folgenden Ausführungen werden Behinderung und Geschlecht verschränkt miteinander betrachtet und die Bereiche hervorgehoben, die für diese Arbeit relevant sind[40].

Geschlecht und Behinderung sind gesellschaftliche Differenzkategorien, die einerseits, wie in den beiden vorherigen Kapiteln beleuchtet, Konstruktionscharakter haben. Es wurde erläutert, dass Gender, Disability aber auch Sex und Impairment sozial konstruiert sind. Anderseits sind die Kategorien jedoch sehr wirkmächtig.

Behinderte Menschen wie auch behinderte und nicht-behinderte Trans*Identitäten und geschlechter-nonkonforme Personen erleben Ausschlüsse, Diskriminierungen und Gewalt. Diese Erfahrungen sind nicht losgelöst zu sehen von Klassenunterschieden, Geschlechtsidentitäten und Rassifizierungsprozessen und führen somit zu unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionierungen[41].

Der Trans*Aktivist und Jura-Professor Dean Spade beschreibt, wie beispielsweise die Privilegien Weißsein, als nicht-behindert gelesen zu werden, finanzielle Sicherheiten zu genießen sowie einen legalen und sicheren Aufenthaltsstatus zu besitzen, Trans* Personen individuelle Strategien ermöglicht weniger, von Gewalt und Diskriminierungen betroffen zu sein als Trans*Personen of Color, behinderte und inhaftierte Trans*Personen, Immigrant_innen und obdachlose Trans*Personen (Spade, 2011, S. 13). Ein weiteres Beispiel verdeutlicht die Verletzbarkeit von behinderten Frauen und Mädchen, welchen häufiger als andere Personengruppen sexualisierte Gewalt widerfahren. Außerdem sind sie häufiger von Armut bedroht (Köbsell, 2010, S. 21ff.).

5.1. Ausgangspunkt: Körper

Der Körper stellt eine wichtige Grundlage dar, um sich die beiden Aspekte verschränkt anzuschauen und Gemeinsamkeiten der beiden Differenzkategorien aufzuzeigen. Wie in den vorherigen Kapiteln skizziert, werden sowohl behinderte Menschen als auch Trans*und gender-nonkonforme Personen zu ‚Anderen’ gemacht, da sie nicht den Normen von einerseits Zweigeschlechtlichkeit und anderseits Nichtbehinderung entsprechen. Behinderte Trans* oder gender-nonkonforme Personen sind daher sowohl von Heteronormativität als auch der Norm der Nichtbehinderung betroffen (Garland-Thomson, 2011, S. 21ff.; Stryker, 2006, S. 14). Diese Prozesse des Otherings machen Trans*Identitäten zu geschlechtlich ‚Anderen’ und behinderte Menschen werden als deviante, ‚andere Körper’ angesehen. Garland-Thomson beschreibt in ihrer Theorie „the stare“ (Garland- Thomson, 2011, S. 34) wie durch den Blick nicht-behinderter Personen auf behinderte Menschen behinderte Identitäten geschaffen werden (ebd.). Diese Theorie lässt sich auch auf Trans* und gender-nonkonforme Personen anwenden. Durch den heteronormativen, cis-geschlechtlichen Blick werden geschlechtlich ‚Andere’ erzeugt[42]. Sowohl behinderte Personen wie auch Trans* und gender-nonkonforme Personen wurden und werden exotisiert (Stryker, 2006, S. 14; Clare, 2002, o. S.).

Die Normvorstellung von Geschlecht ist jedoch nicht nur zweigeschlechtlich strukturiert, sondern geht auch immer von einem nicht-behinderten Körper aus. Eli Clare (1999, S. 112), ein sich als weiß, behindert und genderqueer verstehender Dichter, Aktivist und Theoretiker beschreibt die Hervorbringung von Geschlecht wie folgt:

„The mannerisms that help define gender - the way in which people walk, swing their hips, gesture with their hands, move their mouths and eyes when they talk, take up space - are all based upon how non disabled people move. […] The construct of gender depends not only upon the male body and female body, but also on the non disabled body.“

Clare verdeutlicht wie verwoben Geschlecht und Behinderung mit einander sind. Zusätzlich sind „properly gendered bodies“ (Hall, 2011, S. 5) verbunden mit der Norm der Zweigeschlechtlichkeit sowie mit ausschließlich heterosexuellem Begehren (ebd.).

5.2. Behinderung, Geschlechtlichkeit und Sexualität

Jedoch wird behinderten Menschen und im Besonderen behinderten Frauen häufig die Geschlechtlichkeit abgesprochen und sie werden als ageschlechtlich und asexuell angesehen[43] (Garland-Thomson, 2011, S. 30). Dieses Absprechen von Sexualität und Geschlechtlichkeit kann dazu führen, dass behinderte Personen aus dem Zweigeschlechtersystem herausfallen und ihnen beispielsweise Liebesbeziehungen, Familiengründungen und die Realisierung ihres Kinderwunsches nicht zugestanden werden (Raab, 2010, S. 81).

Clare (2002) beschreibt, dass behinderte queere Personen einerseits auf Grund ihrer Behinderung als ageschlechtlich und asexuell wahrgenommen werden. Anderseits werden sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und/oder Geschlechtsidentität als deviant und pervers betrachtet. Behinderte queere Personen werden somit aus mehreren Gründen nicht als eigenständige geschlechtliche und sexuell aktive Personen wahrgenommen. Sie bleiben unsichtbar in dominanten Debatten und ihnen wird eine selbstbestimmte und selbst gewählte Sexualität abgesprochen[44] (Clare, 2002, o. S.).

5.3. Medizinischer Blick auf Körpernormen

Behinderte Personen wie auch Trans* und gender-nonkonforme Personen unterlaufen die Vorstellungen von Körpernormen. Der medizinische Blick auf die beiden Aspekte nimmt sie einerseits als Abweichung wahr, pathologisiert sie und reagiert anderseits mit normalisierenden Bestrebungen. Diese medizinische Perspektive hat ganz deutliche Vorstellungen von Geschlecht als zweigeschlechtlich und lässt keine breitere Ausprägung von geschlechtlichen Identitäten zu. Im medizinischen Modell von Geschlecht kommen beispielsweise keine Identitäten vor, die sich jenseits des binären Geschlechtermodells verorten, wie genderqueere Personen oder Menschen, die in ihrem Leben verschiedene geschlechtliche und sexuelle Lebensweisen gelebt haben und leben (Franzen, 2012, S. 189). Behinderte Personen sind konfrontiert mit der Unsichtbarmachung der Behinderung und Anpassung durch medizinische Eingriff an die Norm des nichtbehinderten Körpers (Gugutzer et al., 2007, S. 34).

Durch die Normen der Nichtbehinderung und Zweigeschlechtlichkeit werden an behinderte, Trans* und gender-nonkonforme Personen Erwartungen gestellt, diesen Normen zu entsprechen und sich dem entsprechend zu verhalten und aufzutreten. Behinderte Personen werden oft aufgefordert in der Öffentlichkeit als nicht-behindert durchzugehen und wahrgenommen zu werden sowie die sichtbare Behinderung, die Ebene von Impairment, unsichtbar zu machen. Trans* und gender-nonkonforme Personen sind konfrontiert mit der Norm der Zweigeschlechtlichkeit. Es wird somit von ihnen erwartet als Mann oder Frau zu leben und sich als solche darzustellen. In Trans*Kontexten wird die Begrifflichkeit Passing oder passen[45] verwendet, wenn das dargestellte, soziale Geschlecht, mit dem sich die jeweilige Person identifiziert, von der Umgebung erkannt wird und die Person auch dementsprechend behandelt wird (Time, 2012, S. 20).

Für queere, feministische und trans*-aktivistische Zusammenhänge wie auch für die theoretische Behandlung des Themas Geschlecht waren und sind die entnaturalisierenden Überlegungen und die Abkehr von biologistischen Grundannahmen elementarer Bestandteil. Die Forschungsrichtungen Trans Studies wie auch die Disability Studies weisen die medizinische Sichtweise auf nicht-normative Körper vehement zurück. Innerhalb dieser Zusammenhängen wird nicht über behinderte Menschen oder Trans* und gender-nonkonforme Personen gesprochen, sondern sie greifen selbst in Diskurse ein, die ihr Leben beeinflussen. Beide Disziplinen fordern eine Bandbreite von Identitäten jenseits der dominanten Körpernormen und stehen jeweils in enger Verbindung mit einerseits queeren und trans*-aktivistischer Zusammenhänge und anderseits mit der emanzipatorischen Behindertenbewegung (Garland-Thomson, 2011, S. 20ff.; Stryker, 2006, S. 6ff.).

5.4. Gemeinsame politische Forderungen und Aktivismus

Eine Parallele stellen die Coming-Out Geschichten von behinderten Menschen oder Lesben, Schwulen, Trans*Personen etc. dar, welche die marginalisierten Identitäten sichtbar werden lassen sowie politische Organisierung ermöglicht. LGBT*IQ Zusammenhänge und Behindertenbewegungen verbinden die politischen Kämpfe um die Anerkennung ihrer Sexualität und Geschlechtsidentitäten und gegen Diskriminierungen (Garland-Thomson, 2011, S. 34; Baril; Trevenen, 2014, S. 406). Kafer (2013) weist auf Homophobie und Trans*Diskriminierungen in der Behindertenbewegung hin. Sie fordert sowohl innerhalb der Behindertenbewegung eine kritische Thematisierung von Geschlecht sowie auch eine Berücksichtigung von Behinderung und Diskriminierungen in queeren und feministischen Zusammenhängen (Kafer, 2013, S. 153).

Trans Studies wie auch die feministischen Disability Studies kritisieren die vermeintlich einheitlichen Kategorie Frau und bieten daher Möglichkeiten für politische Solidarisierungen und Bündnisarbeit (Stryker, 2006, S. 7; Garland-Thomson, 2011, S. 30).



[40] 40 Ich führe, die von Robert McRuer beschriebenen Ausführungen von Crip Theory in dieser Arbeit nicht an, da seine Überlegungen und die Verknüpfung von Queer Theory und Disability Studies, wie er sie erarbeitet hat, für das Thema der Arbeit nur am Rande von Bedeutung ist.

[41] Diese Mechanismen der gesellschaftlichen Ausschlüsse und Diskriminierungen sind wichtig jederzeit mit zu denken. Leider kann im Rahmen dieser Arbeit nicht vertiefend auf die Thematik eingegangen.

[42] Spannend wäre hier die verschiedenen Differenzkategorien mit diesem Ansatz zu betrachten und nachzufragen, wie behinderte Trans* und gender-nonkonforme Personen wahrgenommen werden und welche Effekte entstehen.

[43] Es gibt leider kaum Forschungen und Publikationen zu den Themen Männlichkeit und Behinderung (Köbsell, 2010, S. 22).

[44] Clares Anliegen ist es deshalb, queere behinderte Personen zu ermutigen, ihre eigene Sexualität zu entdecken und zu leben (Clare, 2002, o. S.).

[45] Siehe Glossar.

6. Politikum Toilette

Im folgenden Abschnitt werden verschiedene allgemeine Aspekte zum Thema Toilette besprochen sowie schwerpunktmäßig die Situation für behinderte Personen sowie behinderte und nicht-behinderte Trans* und gender-nonkonforme Personen bezüglich der öffentlichen Toilette beleuchtet.

Toiletten sind hart umkämpfte Räume und bei der Betrachtung der Toilette können strukturelle Ausschlüsse und Diskriminierungen sichtbar gemacht werden. Toiletten sind beispielsweise eine der wenigen zweigeschlechtlich getrennten Räume und diese Trennung wird größtenteils als selbstverständlich angesehen (Plaskow, 2008, o. S.).

6.1. Zugänglichkeit von Toiletten

Die Nutzung von Toiletten ist ein elementares Grundbedürfnis aller Menschen. Jedoch nicht alle Menschen haben die gleichen Möglichkeiten jederzeit und ohne Komplikationen die Toilette zu nutzen. Im Mittelpunkt der Verknüpfung von Geschlecht und Behinderung am Beispiel der öffentlichen Toiletten steht der Aspekt der Zugänglichkeit.

Der Großteil der Toiletten im öffentlichen Raum in Deutschland ist zweigeschlechtlich konzipiert und in der Regel nicht barrierearm. Trans* und gender-nonkonforme Personen sind somit alltäglich mit der Gefahr konfrontiert auf der Toilette Gewalt und Diskriminierung zu erfahren und aufgrund von Barrieren haben behinderte Personen häufig keinen Zugang zu Toiletten. Daher haben behinderte Personen und nicht-behinderte und behinderte Trans* und gender-nonkonforme Personen weniger Toilettenoptionen im öffentlichen Raum (ebd.).

Da die meisten zweigeschlechtlichen Toiletten nicht barrierearm sind, kann zum Beispiel eine behinderte Frau, nicht auf eine Frauen-Toilette gehen. Anderseits fehlen auch barrierearme Toiletten, die geschlechtsneutral markiert sind. Diese geschlechtsneutrale Markierung der Toiletten manifestiert das Bild des vermeintlich geschlechtslosen behinderten Menschen. Das zugleich zugeschriebene Attribut 'behindert' steht dominant im Vordergrund (AG Feministisch Sprachhandeln, 2014, S. 10).

Der Personenkreis von behinderten Menschen ist sehr heterogen, sodass auch die Bedürfnisse, was die Zugänglichkeit von Toiletten angeht, sehr unterschiedlich sind[46] (Serlin, 2010, S. 173).

Zur Markierung der zweigeschlechtlichen Toiletten werden häufig standardisierte Piktogramme von Männern und Frauen verwendet, welche Frauen mit Rock/Kleid darstellen und Männer in Hosen. Diese stereotypen Darstellungsweisen verfestigen traditionelle zweigeschlechtliche Vorstellungen von Geschlecht. Es gibt jedoch auch eine Bandbreite an Beschilderungen von zweigeschlechtlichen Toiletten - von kreativ und witzig bis sexistisch und frauenfeindlich (Marissa, 2010, o. S.).

Des Weiteren wird die barrierarme Toilette mit einem Piktogramm von einer Person im Rollstuhl markiert[47]. Diese Toiletten sind barrierearm und zugänglich für Personen mit Mobilitätseinschränkungen. Nur sehr selten sind diese Toiletten in die zweigeschlechtlichen Toiletten integriert. Zudem gibt es im öffentlichen Raum all-gender Toiletten. Sie sind häufig kleine allein stehende Toilettenhäuschen, die meistens barrierearm sind und je nach Anbieter eine Gebühr kosten[48].

6.2. Politische Diskurse um die Toilette

Die World Toilet Organization (WTO), mit Sitz in Singapur, thematisiert den mangelnden Zugang zu sauberen und sicheren Toiletten schwerpunktmäßig in Ländern des globalen Südens, aber auch weltweit. Des Weiteren hat die Nichtregierungsorganisation sich zum Ziel gesetzt, das Schweigen zum Thema Toilette zu brechen, da saubere und sichere Toiletten Leben retten und Krankheiten verhindern können. Mit Gründung der Organisation im Jahr 2001 wurde der 19. November zum internationalen Welt-Toiletten-Tag benannt. Mit verschiedenen weltweiten Aktionen soll auf die Wichtigkeit der Thematik aufmerksam gemacht werden (Homepage der World Toilet Organization). Der Aspekt der Nicht-Thematisierung, Unsichtbarkeit und Stille rund um das Themenfeld Toilette verbindet Länder des globalen Südens und Nordens miteinander.

Personen, die einen eingeschränkten Zugang zu Toiletten haben, entwickeln größtenteils individuelle Strategien, um die Toilette nutzen zu können. Dieser individualisierte Umgang bleibt somit im Privaten und wird selten öffentlich und politisch verhandelt. Eine zentrale Forderung der zweiten Frauenbewegung thematisierte, dass das Private politisch ist. Dieser Aspekt scheint für die Betrachtung der Themenfelder Toilette, Geschlecht und Behinderung von wichtiger Bedeutung zu sein. Daher ist die Sichtbarmachung und Thematisierung jenseits des privaten Raumes ein notwendiger erster Schritt um Veränderungen anzustoßen.

Des Weiteren ist der Ort der Toilette unweigerlich verbundenen mit dem menschlichen Körper. Jede Person wird bei ihrem Toilettenbesuch mit dem eigenen Körper konfrontiert (Molotch, 2010, S. 2ff.).

In der Literatur, die sich mit dem Raum der Toiletten beschäftigt, werden Gespräche über Toiletten, über den Körper und was dort passiert als keine angesehenen Unterhaltungen beschrieben. Dies spiegelt sich beispielsweise in dem wieder, dass Kinder von klein auf an lernen, dass über Toilettenbesuche nicht in der Öffentlichkeit geredet werden sollte. Das Thema Toilette und die damit verbundenen Körperteile sowie die Ausscheidungsprozesse sind mit Scham behaftet. Das Nicht-Sprechen über das Thema verhindert die Entwicklung einer Thematisierung und lässt es zum Tabu werden (Chess et al., 2008, S. 220ff.).

6.2.1. Zweigeschlechtliche Toiletten als normative Räume

In dem Buch Female Masculinity beschreibt der Literaturwissenschaftler und Gender und Queer Studies Theoretiker Jack Halberstam (1998, S. 20-29) die Schwierigkeit, die sich für androgyne und maskuline Frauen4[49]ergibt, wenn sie die Frauen-Toilette nutzen wollen. Frauen überprüfen genau durch Blicke, wer sich in der Toilette aufhält. Wenn Frauen einen ‚Eindringling’, also die Person nicht als Frau wahrnehmen und somit ihr Bild und Verständnis von der Frauen-Toilette gestört wird, wird beispielsweise das Sicherheitspersonal gerufen oder Personen darauf hingewiesen, dass sie in der ‚falschen Toilette’ sind. Mit der Aussage, dass sich eine Person in der ‚falschen Toilette’ befindet, werden zwei Aspekte angesprochen. Erstens scheinen für die_den Kritiker_in Gender und Sex nicht übereinzustimmen und zweitens manifestiert die Aussage, dass Frauen- und Männer-Toiletten nur vorgesehen sind für Personen, die eindeutig in eine der beiden Kategorien männlich oder weiblich passen.

Androgyne oder maskuline Frauen können ihr Frau-Sein durch die Stimme oder durch das Zeigen ihrer Brüste 'beweisen' und werden dann in der Regel in der Frauen-Toilette toleriert. Sie werden jedoch in dieser Situation erst als Nicht-Frau und dann durch das Präsentieren von weiblich konnotierten Körperteilen oder der Stimme auch als Nicht-Mann wahrgenommen. Durch diesen Prozess wird die geschlechts-nonkonforme Person zur geschlechtlich devianten Person und damit als bedrohlich betrachtet. Personen, die geschlechts-nonkonform auftreten und beispielsweise keine Brüste und eine tiefe Stimme haben oder sich nicht entblößen wollen, werden voraussichtlich dazu tendieren, die Männer-Toilette zu nutzen. Laut Halberstam ist dort die Kontrolle und Überwachung geringer als in den Frauen-Toiletten.

Dazu gibt er folgende Erläuterung:

Halberstam beschreibt Frauen-Toiletten als einen privaten Rückzugsraum – außerhalb des eigenen Haushaltes - in dem Weiblichkeit ausgelebt wird. Als Beispiel nennt er das Herrichten der Frisur. Des Weiteren beschreibt er den Raum der Frauen-Toilette als einen Ort der Durchsetzung der Geschlechterkonformität. Die Männer-Toilette im Gegensatz benennt Halberstam als sexuell aufgeladenen Ort, an dem Geschlechtlichkeit präsentiert wird und sexuelle Interaktion sowohl stattfindet als auch bestraft wird. Männer-Toiletten werden als öffentliche Räume der Präsentation von Männlichkeit beschrieben. Halberstam stellt somit öffentliches Geschlecht versus private Geschlechtsidentität und benennt öffentliche Toiletten als „gender factory“ (Halberstam, 1998, S. 24), die Geschlechter außerhalb des privaten Raumes immer wieder herstellen.

Des Weiteren thematisiert Halberstam die Unterschiede die Female to Male (FTM) und Male to Female (MTF) Personen[50] beim Besuch der Toilette erleben.

Halberstam beschreibt Frauen als aufmerksam, da sie sich von männlicher Gewalt bedroht fühlen und auch sind. Daher stehen FTM Personen in der Männer-Toilette weniger unter Beobachtung. Allerdings kommt es bei der Entdeckung häufiger zu gewalttätigen Übergriffen.

MTF Personen werden genauer beobachtet und überwacht, sind jedoch weniger mit offen gewalttätigen Bestrafungen konfrontiert. Halberstam (1998, S. 25) beschreibt die Situation für FTM Personen wie folgt:

„Because the FTM ventures into male territory with the potential threat of violence hanging over his head, it is crucial to recognize that the bathroom problem is much more than a glitch in the machinery of gender segregation and is better described in terms of violent enforcement of our current gender system.“

Durch die zweigeschlechtlich getrennten Toiletten werden somit die Kategorien Mann und Frau immer wieder hergestellt und verfestigt. Trans* und gender-nonkonforme Personen werden zu geschlechtlich ‚Anderen’ und widerfahren Gewalt und Diskriminierungen[51].

Halberstam legt dar, dass alle Frauen, die als gender-nonkonform wahrgenommen werden, sich jedoch größtenteils als cis-geschlechtlich verstehen, auf der Frauen-Toilette kritisch gemustert, überwacht und sanktioniert werden. Diese Ausführungen zeigen auf, dass die scheinbar stabile Kategorie Frau viel flexibler ist und dass vielfältige Geschlechtsinszenierungen schon innerhalb der Kategorie Frau möglich sind.

Halberstam erörtert, dass Cis-Männer im Gegensatz selten in der Männer-Toilette als deplatziert wahrgenommen. Abschließend lässt sich mit Hilfe von Halberstam die gegenwärtige Toilettensituation bezüglich Geschlecht, wie folgt beschreiben:

„The bathroom, as we know it, actually represents the crumbling edifice of gender in the twentieth century.“ (ebd., S. 24)

6.2.2. Studie: The Social-spatial Construction of (In)accessible Public Toilets

Die Forscher Rob Kitchin und Robin Law (S. 287-298) untersuchten in der 2001 durchgeführten Studie The Social-spatial Construction of (In)accessible Public Toilets, die Zugänglichkeit von Toiletten für behinderte Personen im öffentlichen Raum in Irland und Nordirland[52]. Dort kommen sie zum Ergebnis, dass behinderte Menschen im Vergleich zu nicht-behinderten Personen, weniger Zugangsmöglichkeiten zu öffentlichen Orten haben sowie durch soziale und räumliche Barrieren eingeschränkt sind, den öffentlichen Raum zu nutzen. Sie argumentieren, dass der Toilettengang ein privater Akt ist, der mit vielen gesellschaftlichen Annahmen und Tabus verbunden ist.

„The dominant Western norms of proper toilet behaviour for adults include discreetly dealing with your body's needs, away from the gaze of others, in demarcated settings with some spatial separation from others activity spaces, using facilities which meet public health standards on the disposal of human waste and control of dirt.“ (Kitchin et al., 2001, S. 290)

Sie arbeiten heraus, dass einerseits die Zugangsmöglichkeiten von Toiletten eine wichtige Rolle spielen sowie anderseits auch der Aspekt die Toilette würdevoll nutzen zu können. Dies impliziert den oben beschriebenen Normvorstellungen bezüglich eines Toilettenbesuches entsprechen zu können. Der Zugang zu Toiletten ist somit verknüpft mit „access and dignity“ (ebd.). Die Forscher beschreiben, dass behinderten Menschen häufig ein würdevoller, privater und gesicherter Zugang zu öffentlichen Toiletten verwehrt wird.

Die Forscher benennen, dass der Mangel an barrierearmen Toiletten den Ausschluss von behinderten Personen aus dem öffentlichen Raum aktuell wie auch historisch widerspiegelt. Behinderte Menschen wurden seit jeher durch spezielle Einrichtungen und Heime von der nicht-behinderten Bevölkerung isoliert. Sie wurden somit in den privaten Bereich verbannt und waren kaum sichtbar im öffentlichen Raum. Daher wurden behinderte Menschen lange Zeit nicht als Teil des öffentlichen Lebens wahrgenommen. Personen mit Entscheidungsbefugnissen zur Planung des öffentlichen Raumes teilten diese Auffassung allem Anschein nach, was sich in der mangelhaften Bereitstellung von barrierearmen Toiletten widerspiegelt. Dies änderte sich erst in den letzten Jahren in westlichen Ländern durch die Einführung von Richtlinien und Gesetzen, die Zugänglichkeit für behinderte Menschen im öffentlichen Raum thematisieren. Damit wird das Ziel verfolgt eine inklusive Gesellschaft zu gestalten[53]. Diese Forderungen stehen in der Tradition der Behindertenbewegungen.

Kernaussagen der Studie

Im Rahmen der Forschung wurden vier Themenbereiche herausgearbeitet (S. 291- 296). Als erster Punkt wurde der Mangel an barrierearmen Toiletten von den interviewten Personen im öffentlichen Raum benannt.

Der zweite Aspekt beschreibt, dass ein Großteil der als barrierearm ausgegeben Toiletten de facto nicht zugänglich sind. Da sie entweder nicht barrierearm ist oder nicht nutzer_innenfreundlich. Als Beispiele werden zu kleine Türen genannt, die für einige Personen nicht zugänglich sind. Einige Orte geben zwar an, eine barrierearme Toilette zu haben, der Ort an sich ist jedoch beispielsweise nur über Stufen erreichbar. Wenn behinderte Personen gezielt Orte aufsuchen, die sich als barrierearm ausgeben und dann jedoch kein Zugang zur Toilette möglich ist, erfahren die Personen möglicherweise unangenehme und entwürdigende Situationen.

Als drittes Themenfeld benennen die Forscher die Zweckentfremdung von Behindertentoiletten. Als Beispiele werden angeführt, dass die barrierearme Toilette als Stauraum genutzt wird oder abgeschlossen ist. Sie argumentieren, dass Behindertentoiletten als separate und ‚andere’ Toiletten verhandelt werden. Diese gesonderte Rolle der barrierearmen Toilette spiegelt die gesellschaftliche Position von behinderten Menschen in öffentlichen Räumen wider. Die Forscher zeigen damit auf, dass behinderte Menschen weiterhin nicht als selbstverständliche Personen des öffentlichen Raumes angesehen werden.

Der vierte Punkt beschreibt, dass behinderte Personen ihre Aktivitäten im öffentlichen Raum genau planen müssen und sich ausschließlich an Orten aufhalten können, die für sie zugänglich sind und somit auch Zugang zu einer Toilette ermöglichen. Dies limitiert die Auswahl an Orten und schränkt daher behinderte Personen in ihrem Bewegungsradius immens ein. Behinderte Menschen müssen individuelle Strategien entwickeln, um sich im öffentlichen Raum aufhalten zu können. Als Beispiel nennen die Forscher das Anrufen von Lokalitäten, um nach der Zugänglichkeit zu fragen. Dadurch bleibt jedoch die Unzugänglichkeit vieler Orte und die damit verbundenen Barrieren für nichtbehinderte Personen unsichtbar.



[46] Seh-eingeschränkte und blinde Menschen haben beispielsweise andere Bedürfnisse bezüglich Zugänglichkeit von Toiletten als Personen, die einen Rollstuhl nutzen (Serlin, 2010, S. 173).

[47] Es gibt Normen, wie diese Toiletten konzipiert sein müssen (Homepage von barrierefrei bauen mit nullbarriere). Da es in dieser Arbeit um Zugänglichkeit allgemein geht, wird nicht näher auf die bau- und architektonischen Aspekte der Toilette eingegangen.

[48] In Berlin gibt es beispielsweise stadtweit City-Toiletten.

[49] Ich verwende hier die Begrifflichkeiten, die Halberstam anführt. Der angesprochene Personenkreis wird in meinen Ausführungen als gender-nonkonforme Personen oder gender-nonkonformes Verhalten beschrieben.

[50] Auch hier verwende ich die Begrifflichkeiten von Halberstam. In meinen Ausführungen spreche ich hingegen von Trans*Personen.

[51] Sheila L. Cavanagh (2010) hat für ihr Buch Queering Bathrooms 100 Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und inter*geschlechtliche Personen in Nord-Amerika interviewt. Viele berichteten, beim Toilettenbesuch Gewalt widerfahren zu haben, penetrant angestarrt und beschimpft worden zu sein. Einige wurden ernsthaft verletzt oder von der Polizei festgenommen, weil sie die vermeintlich ‚falsche Toilette’ benutzt haben (Cavanagh, 2010, S. 8ff.).

[52] Diese Ausführungen beruhen auf einer Studie zu Zugänglichkeit von Toiletten für behinderte Personen im öffentlichen Raum in Irland und Nordirland. Es wurden 35 Personen aus den beiden Ländern interviewt, die sowohl körperliche wie psychische Beeinträchtigungen haben. Aus Mangel an Forschungen zur Thematik im deutschen Kontext, werde ich mich auf die Ausführungen dieser Studie beziehen. Die Studie lässt sich nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die genannten Aspekte auch Gültigkeit in anderen europäischen Staaten und auch Deutschland haben.

[53] Deutschland ratifizierte 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) und implementierte daraufhin den Nationale Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention mit dem Ziel die Barrieren für behinderte Menschen zu mindern und dadurch eine inklusive Gesellschaft zu schaffen (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin, 2012, S. 11ff.).

7. Verschränkung von Behinderung und Geschlecht am Beispiel der Toilette

Im folgenden Abschnitt werden die Gemeinsamkeiten und Widersprüche besprochen und diskutiert, die entstehen, wenn die Diskurse zu Behinderung und Geschlecht verschränkt am Beispiel der öffentlichen Toilette betrachtet werden. Des Weiteren werden aus den herausgearbeiteten Widersprüchen und Gemeinsamkeiten die Konsequenzen und Forderungen für einen Toiletten-Aktivismus benannt, welcher die Kategorien Behinderung und Geschlecht gemeinsam betrachtet.

In dieser Arbeit wird mit dem von Kafer vorgeschlagenen Verständnis von Behinderung als „collective affinity[54] (2013, S. 11) gearbeitet. Diese komplexe Perspektive auf Behinderung ist notwendig, um die Vielfältigkeit der Disability Communities beschreiben zu können sowie sich gemeinsam für eine gerechtere Gesellschaft zu engagieren. Jedoch in Bezug auf öffentliche Toilette sind größtenteils Personen mit verschiedenen körperlichen Behinderungen, wie beispielsweise Menschen, die einen Rollstuhl nutzen oder blinde Menschen, mit der Nicht-Zugänglichkeit dieser Räumlichkeiten konfrontiert.

7.1. Toilette lässt Personen zu ‚Anderen’ werden

Toiletten sind Orte an denen gesellschaftliche Ausschlüsse sichtbar werden. Durch den Besuch einer Toilette werden behinderte Personen wie auch nicht-behinderte und behinderte Trans* und gender-nonkonforme Personen zu ‚Anderen’. Sie werden mehrheitlich durch Blicke von cis-geschlechtlichen und nicht-behinderten Personen als ‚Andere’ markiert. Somit lässt sich der Theorieansatz „the stare[55] (Garland-Thomson, 2011, S. 34) von Garland-Thomsons für diese beiden Personenkreise anwenden und wird in dem stark normativ aufgeladenen Raum der öffentlichen Toilette besonders sichtbar. Von betroffenen Personen werden Blicke und Anstarren häufig als entwürdigend und unangenehm beschrieben. Damit wird ihnen vermittelt, dass sie als ‚Andere’ angesehen werden, und sie erleben somit tagtäglich Ausschlusserfahrungen.

7.2. Geschlechtsneutrale barrierearme Toilette – Vorteile und Widersprüche

Mit der barrierearmen Toilette gibt es eine Toilette, die nicht zweigeschlechtlich markiert und somit geschlechtsneutral ist. Neben den beiden zweigeschlechtlich markierten Toiletten stellt sie somit die dritte Option dar; eine geschlechtsneutrale bzw. ageschlechtliche. Wie bereits in dieser Arbeit ausgeführt, wird behinderten Menschen häufig eine Sexualität und Geschlechtlichkeit abgesprochen. Die Anordnung der einerseits nicht-barrierearmen zweigeschlechtlichen und anderseits geschlechtsneutralen barrierearmen Toilette spiegelt das weit verbreitete Bild von vermeintlich ageschlechtlichen bzw. asexuellen behinderten Menschen wieder[56].

Diese Aufteilung der Toiletten ist jedoch nicht als fortschrittliche Dekonstruktion des vorherrschenden binären Zweigeschlechtersystems zu verstehen, sondern eine Form der Diskriminierung aufgrund von Behinderung. Behinderten Personen wird eine selbstgewählte Aneignung und Anerkennung von Sexualität und Geschlechtsidentitäten abgesprochen bzw. erschwert. Raab (2007) beschreibt weiter, dass durch die Aberkennung der Geschlechtlichkeit und Sexualität, behinderte Menschen häufig aus der heteronormativen Logik herausfallen. Zudem steht Behinderung als dominante Kategorie im Vordergrund (ebd., S. 140ff.).

In einer Handreichung zur geschlechtersensiblen Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes vom Bundesnetzwerk Weibernetz e. V. von Frauen, Lesben und Mädchen mit Beeinträchtigungen (2012) werden barrierearme zweigeschlechtliche Toiletten gefordert, um behinderten Menschen einen Zugang zu zweigeschlechtlich markierten Toiletten zu ermöglichen (Faber; Puschke; Vieweg, 2012, S. 22ff.).

Meistens sind die barrierearmen Toiletten alleinstehende und komplett abgeschlossene Toilettenräume. Daher sind Trans* und gender-nonkonforme Personen dort weniger prüfenden Blicken und Übergriffen ausgesetzt. Jedoch ist hier anzumerken, dass es im öffentlichen Raum nicht ausreichend barrierearme Toiletten gibt. Clare argumentiert in dem Film Toilet Training. Law and Order in the Bathroom (2003), dass durch diese Toilette die zweigeschlechtliche Norm durch die Kategorie Behinderung gebrochen wird und dadurch ein sicherer Raum für Trans*Personen entsteht (Mateik; Sylvia Rivera Law Project, 2003).

Meiner Meinung nach beschreibt Clare zwei Aspekte, die untrennbar miteinander verwoben und in sich widersprüchlich sind. Einerseits würde ich Clares Ausführungen widersprechen und nicht von Normbruch sprechen, sondern Raabs (2007) Ausführungen zustimmen, in denen sie die barrierearme geschlechtsneutrale Toilette als Diskriminierung auf Grund der Behinderung beschreibt (Raab, 2007, S. 140ff.).

Anderseits stimme ich Clare zu, dass diese Toilette einen sicherer Ort für Trans* und gender-nonkonforme Personen im öffentlichen Raum darstellt. Daher sind diese Toiletten wichtige Orte, die trans*feindliche und diskriminierende Vorfälle reduzieren können.

Der Schriftsteller und Performer Ivan E. Coyote (2014, S. 205) thematisiert eindrücklich, welche Rolle die barrierearme Toilette für ihn als Trans*Person im öffentlichen Raum spielt.

„I can hold my pee for hours. Nearly all day. […] Using a public washroom is a very last resort for me. I try to use the wheelchair-accessible, gender-neutral facilities whenever possible, always after a thorough search of area to make sure no one in an actual wheelchair or with mobility issues is en route. […] but we live in a world that is not able to make room enough for trans people to pee in safety, and after many years of tribulation in women's washrooms, I have taken to using the only place provided for people of all genders.“

Aus trans*- und queeren aktivistischen und theoretischen Zusammenhängen wird daher die Einführung von all-gender Toiletten gefordert (Gershenson, 2010, S. 192).

Des Weiteren sind behinderte Personen, die bei der Toilettennutzung Unterstützung benötigen, auch auf die geschlechtsneutrale barrierearme Toilette angewiesen, wenn ihre persönliche Assistenz eine andere Geschlechtsidentität lebt als sie selber.

Zudem ist die barrierearme Toilette auch für Eltern, die ihre Kinder auf die Toilette begleiten sowie für ältere Menschen, die Assistenz benötigen, von Vorteil.

7.3. Toilettenaktivismus

Die verschränkte Betrachtung aus Disability, Queer und Trans Studies Perspektive, die Teil dieser Arbeit ist, macht diese beschriebenen Widersprüche sichtbar, kennt die verschiedenen Bedürfnisse und Forderungen an und fragt nach möglichen Toilettenkonzepten, die möglichst diskriminierungsarm sind.

Behinderte Menschen argumentieren, dass ihnen durch die Anordnung der drei verschiedenen Toilettentypen ihre Geschlechtlichkeit und Sexualität abgesprochen wird und fordern zweigeschlechtlich markierte barrierearme Toiletten. Trans* und gendernonkonforme Personen nutzen die geschlechtsneutralen barrierearmen Toiletten, um Diskriminierungen zu vermeiden und setzen sich in ihren politischen Forderungen für die Einführung von all-gender Toiletten ein.

Wie lassen sich nun diese beiden widersprüchlich Ansätze zusammen bringen und wo sind Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten für politische Bündnisse? Wie könnte bei spielsweise eine gemeinsame Strategie für zugängliche Toiletten im öffentlichen Raum aussehen?

Grundlage bildet die Forderung nach zugänglichen Toiletten jenseits von Behinderung und/oder der Geschlechtsidentität und damit einhergehend der Wunsch und das Ziel nach einer diskriminierungsarmen und gerechteren Gesellschaft.

Im Mittelpunkt meiner Betrachtungen und Forderungen steht ein möglichst sicherer Zugang zu Toiletten für behinderte Menschen und nicht-behinderte und behinderte Trans* und gender-nonkonforme Personen. Die Schaffung solcher Toiletten hat und hätte zweierlei Funktionen. Erstens kann eine durchdachte Konzeption von Toiletten, die Geschlecht und Behinderung mit einbezieht, Diskriminierungen, Gewalt und gesellschaftliche Ausschlüsse verringern und damit die Lebensbedingungen und Situation der betroffenen Personen verbessern. Zweitens ermöglicht die Veränderungen der gängigen Toilettenkultur eine Thematisierung und kritische Reflexion von Geschlecht und Behinderung.

All-gender Toiletten erkennen vielfältige Geschlechtsidentitäten an, stellen das binäre Geschlechtersystem in Frage, setzen somit ein politisches Zeichen und können Veränderungen anstoßen. Die barrierearme Toilette und politische Kampagnen diesbezüglich ermöglichen das Sichtbarmachen von Nichtbehinderung als omnipräsente Norm. Diese kann durch Toiletten-Aktivismus herausgefordert werden. Zudem können am Beispiel der barrierearmen, geschlechtsneutralen Toilette die Diskurse um Geschlechtlichkeit und Sexualität thematisiert werden.

Die Kampagne People In Search of Safe and Accessible Restrooms (PISSAR) an der University of California-Santa Barbara beschäftigte sich mit den Barrieren, Ausschlüssen und Gewalt, die behinderte Personen und Trans* und gender-nonkonforme Personen beim Toilettenbesuch widerfahren. Die Aktivist_innen von PISSAR erstellten eine Checkliste. Diese Liste fragt die Zugänglichkeit für behinderte Personen, den sicheren Zugang für vielfältige Geschlechtsidentitäten jenseits der zweigeschlechtlichen Norm, ob Hygieneprodukten wie Tampons und Binden vorhanden sind und ob es einen Wickeltisch für Kinder gibt, ab (Kafer, 2013, S. 172ff.).

Anhand dieser Checkliste sammelten sie Informationen zur Zugänglichkeit und zum Zustand der Toiletten. Diese Angaben wurden veröffentlicht. Einerseits können betroffene Personen somit anhand der Informationen für sie zugängliche Toiletten aufsuchen. Anderseits können auch mit Hilfe dieser Checkliste privilegierte Personen auf die Barrieren und Schwierigkeiten der Zugänglichkeit von Toiletten für behinderte Menschen und behinderte und nicht-behinderte Trans* und gender-nonkonforme Personen hingewiesen und sensibilisiert werden. Privilegierte Personen werden durch solche Initiativen und Interventionen auf ihr „pee-privilege“ (Chess et al., 2008, S. 216) hingewiesen und aufgefordert sich Gedanken zu machen (Kafer, 2013, S. 9ff).

In dieser Arbeit liegt der Schwerpunkt bei den Kategorien Behinderung und Geschlecht. Allerdings lassen sich diese beiden Kategorien nicht losgelöst von weiteren gesellschaftlichen Positionierungen betrachten. Daher ist dies ausschließlich eine künstliche Trennung für die analytische Betrachtung, um die Widersprüche und Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen und gemeinsame Forderungen entwickeln zu können.

In dem Buch Queering Bathrooms von Cavanagh (2010) wird in einigen Interviews verdeutlicht, wie wirkmächtig ‚race’, Klassenverhältnisse oder beispielsweise die Tätigkeit als Sexarbeiter_in in Bezug auf Geschlecht und Toilette sind[57]. Eine interviewte Person beschreibt dies wie folgt:

„'He also says that in Canadian public restrooms he never knows 'if someone is being sexist, racist, or homophobic, because I am a person of colour who is queer and trans.'“ (Cavanagh, 2010, S. 61)

Diese Aussage verdeutlicht, dass die in dieser Arbeit vorgenommene analytische Trennung sehr beschränkt ist und Personen auf Grund ihrer verschiedensten Identitätskategorien unterschiedlich verletzbar sind[58].



[54] Siehe Kapitel 3. 3. Kafers Verständnis von Behinderung.

[55] Siehe Kapitel 5. 1. Ausgangspunkt Körper.

[56] Die barrierearme geschlechtsneutrale Toilette wird in der Literatur zu Behinderung als Beispiel und Ausdruck für die Ageschlechtlichkeit und Asexualität angeführt (Raab, 2007, S. 140ff.; Boll; Eckert, 1986, S. 8).

[57] Auch Religion muss in der Diskussion um all-gender Toiletten berücksichtigt werden. Auf Grund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit kann die Thematik jedoch nicht ausführlicher besprochen werden.

[58] Siehe Kapitel 5. Verschränkung von Geschlecht und Behinderung. In diesem Kapitel werden auch Beispiele genannt, die sich auf die Kategorie Behinderung beziehen.

8. Umgang mit Widersprüchen und Differenzen

Mit Hilfe der von Garland-Thomsons entwickelten Methodik „intellectual tolerance“[59] (Garland-Thomson, 2011, S. 40) und dem weiter unten beschriebenen Verständnis zu Differenzen von Kafer (2013) werden die Widersprüche diskutiert und beschriebene Bedürfnisse und Forderungen ernst genommen.

Kafer bezieht sich auf feministische Theoretikerinnen, wie beispielsweise Audre Lorde, Chantal Mouffe und Ranu Samantrai, und sie spricht von „the value, and necessity, of dissent“ (ebd, S. 150). Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, dass Widersprüche ständig ausgehandelt werden können. Als Beispiel führt sie „trans/disability bathroom politics“ (ebd., S. 151) an und zeigt damit auf, dass die Grenzen der jeweiligen politischen Sichtweisen durch die intersektionale Beschäftigung mit der inhaltlichen Differenz verändert und herausgefordert werden (ebd., S. 150ff.).

Dieses Vorgehen ist allerdings nur möglich, wenn die jeweiligen Personenkreise Rücksicht aufeinander nehmen und die unterschiedlichen Herangehensweisen und Bedürfnisse nicht in Frage gestellt werden.

Dies wirft die Frage auf, wie eine Toilettenkultur aussehen kann, die versucht die oben ausgeführten Aspekte und Widersprüche zu berücksichtigen mit dem Ziel die Ausgrenzung und Diskriminierung zu verringern.

8.1. Widerspruch: Frauen-Toilette

Halberstam (1998) beschreibt die Frauen-Toilette[60] weiterhin als notwendig, um Frauen in der patriarchal-sexistisch strukturierten Gesellschaft einen sichereren Raum vor männlichen Übergriffen zu schaffen (ebd., S. 24). Dem gegenüber stehen die berechtigten Einwände, dass ein Zeichen an der Tür ausschließlich ein imaginiertes Sicherheitsgefühl darstellt (Case, 2010, S. 220). Aufgrund der von Halberstam angeführten Gründe wird, auch wenn es nur ein imaginiertes Sicherheitsgefühl sein sollte, in dieser Arbeit das Weiterbestehen von Frauen-Toiletten gefordert. Frauen und Personen, die gendernonkonform auftreten, werden im Raum der Frauen-Toilette beobachtet und sanktioniert. Daher stellt die Frauen-Toilette nicht für alle Frauen ein sichererer Ort[61] dar.

Im Folgenden wird die von Garland-Thomson (2011) entwickelte Methodik der „intellectual tolerance“ (ebd., S. 40) angewendet, um einerseits die zweigeschlechtliche Toilette als ausschließenden und diskriminierenden Raum sichtbar zu machen, allgender Toiletten zu fordern und um andererseits die sexistische Grundstimmung in der Gesellschaft zu thematisieren. Aus diesen Gründen wird in dieser Arbeit das Weiterbestehen von Frauen-Toiletten als notwendig empfunden. Die Frauen-Toilette hat somit zwei Funktionen:

Die Forderung für ein Weiterbestehen von Frauen-Toiletten stellt ein strategisch wichtiges Instrument dar um einen Schutzraum für Frauen in der patriarchal und sexistisch strukturierten Gesellschaft zu bieten sowie sie vor männlicher Gewalt zu schützen. Gewalt gegen Frauen stellt somit eine wichtige Hintergrundfolie für die Forderung nach Frauen-Toiletten dar. Jedoch wird auch durch die Forderung nach Frauen-Toiletten das binäre zweigeschlechtliche System gefestigt.

Die in dieser Arbeit berücksichtigten Theorien verstehen sowohl Sex als auch Gender, und somit auch die Kategorie Frau als konstruiert. Allerdings ist die Wirkmächtigkeit von Geschlecht und in diesem Fall der Kategorie Frau mitzuberücksichtigen[62]. Somit ergibt sich hier ein Widerspruch der genannten Theorien und der Forderung für das Weiterbestehen von Frauen-Toiletten.

8.2. Trans*Diskriminierungen aus feministischen Kontexten

Einige feministische Zusammenhänge wenden sich gegen all-gender Toiletten-Kampagnen von queer- und trans*-aktivistischen Gruppen und verwenden teilweise trans*diskriminierende und feindliche Aussagen in ihren Argumentationen. Sie bedienen sich biologistischen Grundannahmen von Geschlecht und sprechen anhand dieser Begründung Transfrauen den Besuch der Frauen-Toilette ab. In ihren Argumentationen nutzen sie das Sicherheitsargument, um Frauen, Trans* und gender-nonkonforme Personen gegeneinander auszuspielen (Jeffrey, 2014, S. 42ff.).

Aus der Sicht von queeren-, trans*-theoretischen und aktivistischen sowie der in dieser Arbeit vertretenen queer-feministischen Perspektive sind diese Ansätze und das Vorgehen äußert problematisch und zu kritisieren.

8.3. Widerspruch: zweigeschlechtlich barrierearme Toiletten

Mit Berücksichtigung der oben beschriebenen Sichtweisen von Garland-Thomson (2011) und Kafer (2013) wird in dieser Arbeit argumentiert, dass zweigeschlechtlich barrierearme Toiletten und barrierearme all-gender Toiletten ein notwendiges Instrument sind. Behinderten Menschen wird mit zweigeschlechtlich markierten Toiletten im öffentlichen Raum eine Geschlechtlichkeit zugesprochen.

Mit der Forderung nach barrierearmen, zweigeschlechtlichen Toiletten werden jedoch binäre Geschlechtervorstellungen manifestiert. Aufgrund der aktuellen Gegebenheiten bezüglich Geschlecht und Behinderung scheint mir momentan jedoch eine Geschlechtsaneignung am Beispiel der öffentlichen Toilette für behinderte Menschen ausschließlich über heteronormative Vorstellungen möglich zu sein. Allerdings stellt die parallele Forderung nach der flächendeckenden Einführung von all-gender Toiletten, sowohl barrierearmen als auch nicht-barrierearmen[63], eine mögliche Strategie dar, um zumindest die Zweigeschlechterlogik herauszufordern und zu kritisieren. Dieses Vorgehen hat somit auch als Grundlage die Idee von Garland-Thomson und Kafer. Durch Toiletten-Aktivismus, der queere, trans*- und Disability-theoretische und -aktivistische Interessen vereint, wird die Komplexität sichtbar. Diese Sichtweise ermöglicht es, die Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, erweitert die Perspektiven, macht Unbekanntes sichtbar und verdeutlicht die Widersprüche und Differenzen.

8.4. Widerspruch: all-gender Toiletten

Durch die zusätzliche Einführung von all-gender Toiletten besteht die Gefahr, dass diese Toilette als ‚andere’ Toilette angesehen wird. Trans* und gender-nonkonforme Personen könnten somit durch den Toilettenbesuch weiterhin als ‚Andere’ markiert werden (Cavanagh, 2010, S. 216). Dieser Widerspruch scheint nur auflösbar zu sein, wenn tatsächlich alle zweigeschlechtlich strukturierten Toiletten in all-gender Toiletten umgewandelt werden würden. Dies stellt sich jedoch momentan als unrealistisch dar. Somit ergibt sich hier ein unauflösbarer Widerspruch. Allerdings könnte durch die flächendeckende Einführung von vielen all-gender Toiletten diese Toilette zur gängigen, zur ‚normalen’‚ Toilette für alle Menschen werden. Damit könnte sich gegebenenfalls der Blick auf die als selbstverständlich angesehene zweigeschlechtlichen Toiletten verändern und somit Raum geschaffen werden für Toiletten, die nicht explizit zweigeschlechtlich strukturiert sind.

Zudem könnte dieser nicht aufhebbare Widerspruch durch vielfältige barrierearme Aushänge und Flyer markiert und benannt werden. Damit könnten die Toiletten-Besucher_innen zum Nachdenken angeregt werden und ein Umdenken in den Köpfen befördert werden. Dies ermöglicht ein markieren der Norm[64].

8.5. Und was ist mit der Männer-Toilette?

Braucht es weiterhin die Männer-Toilette und was können Gründe für das Weiterbestehen der Männer-Toilette sein?

Die Männer-Toilette wird beispielsweise von schwulen Männern im Buch Queering Bathrooms von Cavanagh (2010) als wichtiger Ort für sexuelle Kontakte beschrieben. Mit der kompletten Abschaffung von Männer-Toiletten würden diese homoerotische Räume wegfallen. Einige interviewte schwule Männer sprachen sich daher für ein Weiterbestehen der Männer-Toilette aus[65] (ebd., S. 212).

Die Abschaffung der Männer-Toilette ist eine unrealistische Forderung. Außerdem hat mein Verständnis von queer-feministischem Toiletten-Aktivismus nicht zum Ziel Männern ihre Geschlechtlichkeit abzusprechen. Stattdessen soll durch die Beschäftigung mit dem Raum der öffentlichen Toilette die Zweigeschlechterlogik kritisiert werden, die sich am Beispiel der dominanten zweigeschlechtlichen Toilette materialisiert. Trotz allem wird mit dem Weiterbestehen der Männer-Toilette das binäre, zweigeschlechtliche System verfestigt.



[59] Siehe Kapitel 3. 4. 4. Aktivismus.

[60] Aus meinen Verständnis heraus sollen all jene Personen auf die Frauen-Toilette gehen, die es als ihren Ort und/oder die sicherste Option der Toilettennutzung ansehen.

[61] In dieser Arbeit gehe ich davon aus, dass es keine sicheren Räume gibt, daher wird von sichereren Orten gesprochen.

[62] Siehe Kapitel 4. 1. Gender Studies und 4. 2. 2. Dekonstruktion von Gender und Sex.

[63] Die Forderung nach nicht-barrierearmen all-gender Toiletten führe ich ausschließlich strategisch an. Damir der Umbau von nicht-barrierearmen zu zugänglichen Toiletten momentan unrealistisch erscheint. Idealerweise sollten alle Toiletten barrierearm sein.

[64] Beispiel eines Schildes der LGBT Society von der University of Bristol: „If you are in a public bathroom and you think a stranger's gender doesn't match the sign on the door, follow these steps: 1. Don't worry about it, they know better than you.“ (Karlan, 2015, o. S.)

[65] In der für diese Arbeit gelesene Literatur, spielt die Männer-Toilette keine wichtige Rolle und wurde kaum thematisiert. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass sich Maskulinisten mit der Thematik der Männer- Toilette beschäftigen. Da dies jedoch für diese Arbeit nur am Rande von Bedeutung ist, wird dies hier nicht weiter ausgeführt.

9. Toilettendilemma

Die theoretischen Ausführungen zum Konstruktionscharakter von Geschlecht und Behinderung werden am Beispiel der öffentlichen Toilette herausgefordert und stellen Theoretiker_innen und Aktivist_innen vor die Schwierigkeit, wie mit der Vielzahl der Widersprüche und Differenzen umgegangen werden kann. Daher interpretiere ich die Ausführung dahingehend, dass es eine flächendeckende sofortige Einführung von barrierearmen und nicht-barrierearmen all-gender Toiletten und zweigeschlechtlichen barrierearmen Toiletten bedarf. Des Weiteren sollten allgemeine Sicherheitsaspekte, wie Beispiel die Lage der Toilette und die Beleuchtung, in der Planung mitberücksichtigt werden.

Gerade Schulen, Universitäten, Firmen, Organisationen etc. sollten verpflichtet werden, Toiletten einzurichten, die für alle Personenkreise unabhängig der Geschlechtsidentität und Behinderung sicher und zugänglich sind. Denn gerade bei jungen Menschen können die ausschließenden und diskriminierenden Toiletten-Erfahrungen immense Auswirkungen haben. Zum Beispiel beschreiben Trans* und gender-nonkonforme Personen in dem Film Toilet Training. Law and Order in the Bathroom (2003), dass die diskriminierenden Erfahrungen bei den Toilettenbesuchen sie abhielten zur Schule zu gehen. Dies führte zu Schulabbrüchen und hat weitreichende Auswirkungen auf die Biographien der einzelnen Personen (Mateik et al., 2003).

9.1. Toilettenmarkierung

Zudem stellt die Art und Weise der Toilettenmarkierungen eine zusätzlich Möglichkeit dar, zu den bereits geschilderten Forderungen von all-gender Toiletten und all-gender und zweigeschlechtlichen barrierearmen Toiletten, Behinderung und Geschlecht zu thematisieren. Toilettenmarkierungen, die nicht stereotypisierend sind und eine Vielzahl von Körperlichkeiten und Geschlechtlichkeiten repräsentieren, schaffen Sichtbarkeit für marginalisierte Positionen. Des Weiteren sind Erklärungen in den Toiletten sinnvoll, die begründen und verdeutlichen, warum all-gender Toiletten eingeführt werden. Zudem sollten die barrierarmen Toiletten gut ausgeschildert werden und auch dort erläutert werden, warum die Toiletten in diesem Format konzipiert sind. Mit dieser Sichtbarmachung werden privilegierte Personen auf ihre Privilegien hingewiesen. Dadurch kann ein Nachdenken und eine Reflexion angestoßen werden.

9.2. Widerstände bei der Einführung von all-gender Toiletten

Die zweigeschlechtliche Toilette wird von den meisten Menschen als selbstverständlich und nicht-veränderbar angesehen. Um jedoch die Diskriminierungen von behinderten und nicht-behinderten Trans* und gender-nonkonformen Personen und behinderten Menschen zu verringern, bedarf es der oben bereits formulierten Veränderungen in der aktuellen Toilettenkultur. Diese Veränderungen sind neu, fordern die privilegierten Personengruppen heraus und sind eventuell verbunden mit Verwirrungen und Unwohlsein- Gefühlen. Da diese Gefühle jedoch nicht in Relation zu den Diskriminierungs- und Ausschlusserfahrungen und der Nicht-Zugänglichkeit stehen, werden die privilegierten Personen mit der veränderten und diskriminierungsarmen Toilettenkultur herausgefordert (Sylvia Rivera Law Project, 2003, o. S.).

Bei Kampagnen zur Einführung von all-gender Toiletten gibt es immer wieder große Widerstände, die häufig trans*feindlich und diskriminierend sind[66]. Mit der barrierearmen geschlechtsneutralen Toilette gibt es jedoch bereits ein Format von Toilette, das zugänglich für jegliche Geschlechtsidentitäten ist.

Kafer (2013) argumentiert, dass die geschlechtsneutralen, barrierearmen Toiletten nicht als bedrohlich für das Zweigeschlechtersystem betrachtet werden, da diese Toiletten in erster Linie für behinderte Menschen konzipiert sind und nicht die Thematisierung von vielfältige Geschlechtsidentitäten im Fokus steht (ebd., S. 155).

Die Widerstände und Abwehrhaltungen gegenüber der Einführung von all-gender Toiletten, lassen darauf schließen, dass Personen ihre eigene Geschlechtsidentität in Frage gestellt sehen und sich somit individuell angegriffen fühlen sowie das heteronormative Verständnis von Geschlecht bedroht sehen (Gershenson, 2010, S. 191ff.). Sie setzen sich somit für die Beibehaltung der zweigeschlechtlichen Toilette ein. Aufgrund dieser tief verankerten Abwehrhaltung scheint eine flächendeckende Einführung von allgender Toiletten für nicht-behinderte Menschen momentan gesellschaftlich nicht durchsetzbar zu sein.

Dies legt die Annahme nahe, dass die barrierearme, geschlechtsneutrale Toilette als ‚andere’ Toilette angesehen werden kann. Des Weiteren spiegelt die selbstverständliche Annahme der Geschlechterneutralität der barrierearmen Toilette das gesellschaftlich dominante Bild von Behinderung und Geschlecht wider. Die weiter oben beschriebene Abwehrhaltung gegenüber Kampagnen, die sich für all-gender Toiletten für nichtbehinderte Menschen einsetzen, verdeutlicht, dass behinderte Menschen aus dem heteronormativen Geschlechterverständnis herausfallen, da die Geschlechtsneutralität hier nicht im dominanten Diskurs in Frage gestellt wird.

Da jedoch behinderte Frauen überdurchschnittlich häufig von sexualisierter Gewalt betroffen sind, müssten aus dieser Konsequenz barrierearme Frauen-Toiletten gefordert werden, wenn davon ausgegangen wird, dass Frauen-Toiletten die Sicherheit erhöhen. Diese Forderung hat zum Ziel behinderte Frauen vor gewalttätigen Übergriffen von Männern zu schützen.



[66] Exemplarisch wird die Einführung von vier all-gender Toiletten 2013 an der Alice-Salomon Hochschule Berlin (ASH) angeführt. Auf der Facebook-Seite der ASH wurde die Einführung sehr kontrovers und diskriminierend geführt. Einige Einträge sprechen Trans* und gender-nonkonformen Personen übergriffige Erfahrungen und Gewalt in Toiletten ab. Die Einträge sind trans*diskriminierend und festigen die Zweigeschlechterordnung (Alice-Salomon Hochschule Berlin, Facebook Chronik, 2013).

10. Zusammenfassung und Ausblick

Behinderte und nichtbehinderte Trans* und gender-nonkonforme Personen wie auch behinderte Menschen sind alltäglich mit der Frage der sicheren Zugänglichkeit von Toiletten konfrontiert und werden beim Toilettenbesuch als ‚Andere’ markiert. Die barrierearme, geschlechtsneutrale Toilette ermöglicht Trans* und gender-nonkonformen Personen die Nutzung einer nicht zweigeschlechtlich markierten Toilette und kann daher trans*feindliche und diskriminierende Übergriffe verringern und verhindern. Im Gegensatz dazu beschreiben behinderte Menschen die barrierearme, geschlechtsneutrale Toilette als Ausdruck des dominanten Verständnisses von Behinderung und Geschlecht, welches mit Ageschlechtlichkeit und Asexualität verknüpft wird und fordern zweigeschlechtlich markierte, barrierearme Toiletten. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht der sichere Zugang zu Toiletten für alle Personen unabhängig ihrer Geschlechtsidentität und/oder ihrer Behinderung[67].

Die verwobene Betrachtung wirft daher unterschiedliche Fragen auf und verdeutlicht Gemeinsamkeiten wie auch widersprüchliche Wünsche und Bedürfnisse und stellt Theoretiker_innen und Aktivist_innen vor Herausforderungen. Im Rahmen dieser Arbeit wurden diese zum Teil widersprüchlichen Forderungen und Herangehensweisen anhand der Theorien von Garland-Thomson (2011) und Kafer (2013) beleuchtet und ein Vorschlag entwickelt, der versucht diesen Widersprüchen und Differenzen gerecht zu werden.

Aus diesem Grund wird die flächendeckende Einführung von barrierearmen und nichtbarrierearmen all-gender Toiletten sowie zweigeschlechtlichen, barrierearmen Toiletten gefordert. Zudem argumentiere ich, dass es der Frauen-Toilette, trotz ihres ausschließenden Charakters, weiterhin als sichereren Raum für Frauen bedarf.

Aus meiner Sicht scheint die komplette Abschaffung der zweigeschlechtlichen Toiletten momentan gesellschaftlich nicht durchsetzbar zu sein. Daher sehe ich das Weiterbestehen der Männer-Toilette als gegebene Tatsache an. Um jedoch Veränderungen bezüglich der Toilettenkultur bewirken zu können, steht in meinen Ausführungen die sofortige Einführung von den oben angeführten Toiletten im Fokus. Diese Toiletten könnten Raum schaffen für vielfältige Geschlechteridentitäten jenseits der binären, heteronormativen Vorstellung von Geschlecht sowie für Körperlichkeiten und Verhalten jenseits der Norm der Nichtbehinderung.

Zu den oben beschriebenen Forderungen schlage ich eine diskriminierungsarme Toilettenkultur vor, die vielfältig ist und Platz hat für verschiedene Konzepte und Ideen. Denn je häufiger das Thema Toilette thematisiert wird und je mehr sichere zugängliche Toiletten es gibt, desto häufiger könnten Gewalt und Diskriminierungen verhindert oder verringert werden.

Eine weitere mögliche Option wäre eine komplett veränderte Toilettenarchitektur, die in Neubauten und Umbauten umgesetzt werden könnte. Es würde einen Eingang für alle Personen und ausschließlich komplett abschließbare Toilettenzellen geben, die unterschiedlich nicht-stereotypisierend markiert sind[68].

In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, inwieweit die in dieser Arbeit formulierten Forderungen tatsächlich umsetzbar sind oder ob die Theorie nur im Rahmen radikaler gesellschaftlicher Umwerfungen der Verhältnisse möglich wäre. Diese Frage scheint mir jedoch nicht mit einer simplen Antwort möglich zu sein. Da die Forderungen eine diskriminierungsarme Gesellschaft als Ziel haben, scheinen sie notwendig für gesellschaftlich Veränderungsprozesse zu sein, sowie um die betroffenen Personen vor Gewalt und Diskriminierung zu schützen. Allerdings sehe ich die in dieser Arbeit vorgeschlagene diverse Toilettenkultur in ihrer Gesamtheit nicht zeitnah umsetzbar. Einerseits haben privilegierte Personen größtenteils Entscheidungsbefugnisse für die Planung im öffentlichen Raum und ihnen ist nicht die Notwendigkeit für Veränderungen bewusst oder sie sehen Veränderungen nicht als nötig an. Anderseits scheint das heteronormative Verständnis von Geschlecht sowie das Verständnis von Nichtbehinderung als omnipräsente Norm gesellschaftlich tief verankert zu sein.

Durch die kritische Beschäftigung mit dem Raum der öffentlichen Toilette können strukturelle Ausschlüsse wie auch gesellschaftlich dominante Diskurse bezüglich Klasse, Geschlecht, Behinderung, ‚race’, Alter, Aufenthaltsstatus, Religion und Arbeitsverhältnis intersektional thematisiert werden. Die zum Teil unsichtbaren Privilegien sollten im Fokus der Betrachtung stehen und damit auch die Ausschlüsse und Diskriminierungen. Dies ermöglicht die individualisierten Umgangsweisen zu kollektivieren und aus dem ausschließlich privaten Kontext zu holen um politische Forderungen formulieren zu können[69].

Aufgrund dessen scheinen mir Bündnisse queerer und trans*- sowie Disability- aktivistischer und -theoretischer Zusammenhänge sinnvoll, um gemeinsam in dominante Diskurse bezüglich der öffentlichen Toilette einzugreifen. Dies ermöglicht einen Toiletten-Aktivismus, der die Verletzlichkeit der betroffenen Personen berücksichtigt.

Daher plädiere ich für ein queer-feministisches Verständnis, was einen intersektionalen Blick auf gesellschaftliche Prozesse wirft und politische Bündnisse ermöglicht und Widersprüche sichtbar und verhandelbar macht.

Politische Bündnisse und die Beschäftigung mit Widersprüchen sowie das Suchen und Entwickeln von gemeinsamen Strategien, die zum Teil widersprüchlich sind, ist anstrengend und herausfordernd. Grundlage solcher Zusammenarbeiten sind elementare Gemeinsamkeiten und der Wunsch nach einer gerechteren Gesellschaft.

“Rather than mask our differences or bolster our own claims to “normalcy” by marginalizing others as shameful and embarrassing, we insist on a coalition that attempts to embrace all of our different needs.” (Chess et al., 2008, S. 225)

Der in dieser Arbeit vorgeschlagene Toiletten-Aktivismus ermöglicht Koalitionen auf Grund von Gemeinsamkeiten und kann Strategien entwickeln mit den Differenzen und Widersprüchen umzugehen ohne Gruppen und Forderungen gegeneinander auszuspielen. Die lange Geschichte der Diskriminierung durch den Raum der Toilette verdeutlicht die Notwendigkeit von politischen Interventionen um Diskriminierung im öffentlichen Raum zu reduzieren. Denn letztendlich sind angenehme, schöne, gut und sicher zugängliche Toiletten für alle Menschen von Vorteil.



[67] Idealerweise könnten die Forderungen erweitert werden auf alle Personenkreise, die Ausschlusserfahrungen in der öffentlichen Toilette erleben.

[68] Die in dieser Arbeit vorgeschlagenen Ideen haben keine Anspruch auf Vollständigkeit und sollen einen Beitrag zur notwendigen Diskussion über das Thema darstellen.

[69] Toiletten-Aktivismus kann integriert werden in alltägliche Situationen und jede Person, kann sich in den Bereichen, in denen sie sich aufhält, für eine diskriminierungsarme Toilettenkultur einsetzen. Zum Beispiel kann bei selbstorganisierten Veranstaltungen oder Partys die Toilettenmarkierungen verändert werden.

11. Glossar

all-gender Toiletten

In dieser Arbeit wird von all-gender Toiletten gesprochen und nicht von geschlechtsneutralen oder unisex Toiletten. Der Ausdruck geschlechtsneutral legt die Neutralisierung von Geschlecht nahe. Stattdessen ermöglicht der Begriff all-gender eine Repräsentation von vielfältigen Geschlechtsidentitäten.

barrierearm

In dieser Arbeit wird anstelle von barrierefreien Räumen und Toiletten der Begriff barrierearm verwendet. Da es eine Vielzahl von unterschiedlichen Barrieren, wie z. B. räumliche und strukturelle, gibt. Diese werden meistens gar nicht alle mitgedacht oder/und können nicht aufgelöst werden. Sprache und Kommunikation sind beispielsweise häufig Aspekte, die selten berücksichtigt werden. Unter barrierearm werde Räume und Kommunikationsweisen verstanden, die versuchen möglichst inklusiv zu sein und Barrieren zu reduzieren. Im deutschsprachigen Kontext wird jedoch größenteils von Barrierefreiheit gesprochen.

Barriererarme Toilette

In dieser Arbeit wird der Begriff barrierearme Toilette verwendet um die sogenannten Rolli- oder Behindertentoiletten zu beschreiben.

Behinderte Person

Der häufig verwendete Begriff Menschen mit Behinderung suggeriert die Behinderung als persönliches Attribut und beschreibt somit nicht die gesellschaftlichen Prozesse des Ausschlusses (Köbsell, 2010, S. 19). Auf Grund dessen wird in der vorliegenden Arbeit nicht diese Begrifflichkeit verwendet, sondern von behinderten Personen/Menschen gesprochen.

behinderte Personen und nicht-behindert und behinderte Trans* und gendernonkonforme Personen

Ich habe mich für diese Schreibweise entschieden, um einerseits die Norm der Nichtbehinderung sichtbar zu machen und um anderseits auch behinderte Trans* und gendernonkonforme Personen zu benennen.

Cis/cis-geschlechtlich

Der Begriff Cis oder cis-geschlechtlich wurde von der Trans*-Bewegung eingeführt. Um den Blick weg von Trans* als Abweichung hin zur Benennung der Norm zu richten. Cis beschreibt Personen, die in ihrem zugewiesenem Geburtsgeschlecht leben und sich mit diesem identifizieren (Stryker, 2008, S. 22).

Diskurs

Butlers Verständnis von Diskurs orientiert sich an Michel Foucaults Überlegungen zu dem Begriff Diskurs. Unter Diskurs versteht Butler die Herstellung der Wirklichkeit durch Sprechen und Denken. Diskurse sind produktiv und immer Teil gesellschaftlichhistorischer Kontexte sowie Institutionen und werden durch diese beeinflusst (Villa, 2003, S. 19ff.).

Frauen/Mädchen/weiblich/Weiblichkeit und Männer/Jungen/männlich/Männlichkeit

Ich werde in der vorliegenden Arbeit den Konstruktionscharakter von Geschlecht darlegen. Daher verstehe ich die Kategorien Frauen/Mädchen/weiblich/Weiblichkeit und Männer/Jungen/männlich/Männlichkeit als Konstruktionen.

gender-nonkonforme Person/Verhalten

In dieser Arbeit wird gender-nonkonforme Person oder Verhalten verwendet für Menschen, die sich einerseits nicht in dem binären Zweigeschlechtersystem verorten wollen oder können. Anderseits wird der Begriff gebraucht um Personen, die sich als cisgeschlechtlich verstehen, jedoch den gängigen zweigeschlechtlichen Normen nicht entsprechen können oder wollen, zu beschreiben. Der Begriff ist sehr weitgefasst und wird meiner Meinung nach kaum als Selbstbezeichnung verwendet, sondern beschreibt eine Vielzahl von Repräsentations- und Verhaltensweisen jenseits der zweigeschlechtlichen Logik.

Geschlecht/Gender

Der Begriff Geschlecht ist in dieser Arbeit synonym mit Gender/sozialem Geschlecht zu verstehen. Beziehe ich mich auf das anatomische Geschlecht, verwende ich den Begriff Sex.

Intersektionalität

„Intersektionalität hat seine Wurzeln in der feministischen Identitätsdebatte und der feministischen race/gender Diskussion. Im Mittelpunkt stehen Fragen zu dem Ausschluss von Differenz und Ungleichheit sowie das Verhältnis unterschiedlicher Differenz bzw. Ungleichheit generierender Achsen des Sozialen zueinander.“ (Raab, 2010, S. 76) Im Fokus dieses Analysemodells stehen die drei Kategorien ‚race’, Klasse und Geschlecht. Weitere Analysekategorien, wie beispielsweise Alter und Körper, werden seit Kurzem auch mit bedacht. Aus einem intersektionalen Verständnis stehen die verschiedenen Differenzkategorien in Beziehung zueinander und sind interdependent. Diese Betrachtungsweise analysiert die Wechselwirkungen und Verwobenheit der verschiedenen Kategorien und verdeutlicht die Vielschichtigkeit von Identitätspositionierungen (Raab, 2010, S. 76ff.).

LGBT*IQ

LGBT*IQ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex, Queer oder/und Questioning. Die Abkürzung wird für die Beschreibung queerer Zusammenhänge verwendet (Stryker, 2006, S. 21).

Passing oder passen

Englisch to pass for / to pass as – als jemand oder etwas durchzugehen.

race

In dieser Arbeit wird ‚race’ als Wissenskategorie und kritische Analysekategorie zur Auseinandersetzung mit Rassismus verwendet. Die benutzten Anführungszeichen dienen der Abgrenzung zu einer biologistischen Konstruktion von ‚Rasse’, wie sie unter anderem im deutschen Nationalsozialismus behauptet wurde. Aufgrund der historischen Bedeutung im deutschen Kontext wird in dieser Arbeit der englische Begriff verwendet (Arndt; Hornscheidt; Bauer, 2004, S. 197ff.).

Schwarz/weiß

Schwarz und weiß sind keine biologischen Bezeichnungen für Menschen sondern Konstruktionen, die verbunden sind mit sozialen und gesellschaftlichen Positionen. Die Begrifflichkeiten Schwarz und weiß verstehen sich nach der Forschungsrichtung Critical Whiteness als politische Positionen, obwohl sie als Konstruktionen betrachtet werden. Schwarz/of Color werde ich nach Eggers, Kilomba, Piesch und Arndt (2005) in dieser Arbeit groß schreiben, da es sich um eine Selbstbezeichnung handelt, die mit Widerstandspotenzial verbunden ist. Um sich von dem Widerstandspotenzial abzugrenzen und trotzdem die Konstruktion der Begrifflichkeit zu verdeutlichen, werde ich, wie von Eggers et al. vorgeschlagen, weiß kursiv schreiben (Eggers et al., 2005, S. 12ff.).

Trans*/Transgender/Transfrau/Transmann

Der Begriff Transgender beschreibt ein weitgefächertes Verständnis sowie einen Überbegriff für jegliche, vielfältig marginalisierte geschlechtliche Identitäten und Praktiken, die sich nicht innerhalb der zweigeschlechtlichen Logik verorten. Der Begriff repräsentiert Personen, die nicht in ihrem zugewiesenen Geburtsgeschlecht leben und beschreibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten wie beispielsweise Transfrauen, Transmänner, Tunten, Dragkings und -queens, transidente Personen, Cross- Dresser, genderqueere Personen, Transsexuelle und viele mehr (Stryker, 2008, S. 19). Im deutschsprachigen Kontext wird häufig die Begrifflichkeit Trans*Person verwendet. Das Sternchen steht für die oben beschriebene Heterogenität und stellt einen Platzhalter für die Selbstbezeichnung der jeweiligen Person dar (TransInterQueer e. V., 2013, o. S.).

Die Beschreibungen Transfrau wird innerhalb queerer Zusammenhänge verwendet für Personen, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugeschrieben wurde, die sich jedoch als Frauen bezeichnen und als diese leben. Das Wort Transmann wird von Personen verwendet, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugeschrieben wurde, die sich jedoch als Männer definieren und als solche leben wollen. Viele Transmänner und Transfrauen nehmen Hormone oder verändern ihren Körper durch medizinische Eingriffe. Jedoch nicht alle wählen diesen Weg sondern es gibt vielfältige Identitäten von Trans*Männlichkeiten und Trans*Weiblichkeiten (Stryker, 2008, S. 19ff.). Die Beschreibung der vielfältigen Geschlechtsidentitäten würde zu viel Raum einnehmen, daher werden in der vorliegenden Arbeit die Begrifflichkeiten Trans*Personen sowie gender-nonkonforme Personen/Verhalten verwendet.

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Erklärung

Hiermit versichere ich, dass ich die Bachelor-Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel und Quellen benutzt habe.

Ich bin einverstanden, dass die Bachelor-Arbeit in der Bibliothek bereitgestellt wird.

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Berlin, den 21.05.2015

Quelle

Lena Rahn: Verschränkung von Behinderung und Geschlecht am Beispiel der öffentlichen Toilette. Politics of peeing. Bachelor-Arbeit zur Erlangung des Akademischen Grades. „Bachelor of Arts“ (B. A.) im Studiengang „Soziale Arbeit“ an der „Alice Salomon“ - Hochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin, University of Applied Sciences eingereicht im Sommersemester 2015 am 21. Mai 2015. Erstgutachterin: Prof. Dr. Swantje Köbsell Zweitgutachterin: Jana JelitzkiMonika Windisch: Behinderung – Geschlecht – Soziale Ungleichheit. Intersektionelle Perspektiven

bidok – Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 29.03.2016

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