Selbstbestimmung in der Rehabilitation

AutorIn: Eva-Maria Fehre
Themenbereiche: Arbeitswelt
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: erschienen in: impulse Nr. 13, Nov. 1999 impulse (13/1999)
Copyright: © Eva-Maria Fehre 1999

Ergebnisse der Tagung der Deutschen Vereinigung für die Rehabilitation Behinderter

(vom 13. - 15.10.1999 in Berlin)

Unter dem Rahmenthema "Selbstbestimmung in der Rehabilitation - Chancen und Grenzen" veranstaltete die Deutsche Vereinigung für die Rehabilitation Behinderter (DVfR) vom 13.-15.10.1999 in Berlin ihren 33. Kongreß.

Gleichzeitig beging die DVfR, die sich ihrem Selbstverständnis nach "interdisziplinär der zeitgemäßen Partizipation von Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen an der Gesellschaft widmet", ihren 90. Gründungstag.

Der Verband hielt einerseits Rückblick auf die Entwicklung, das Wirken der DVfR in der wechselvollen Geschichte dieses Jahrhunderts und versuchte andererseits den Blick auf die gegenwärtige Situation und die zukünftigen Aufgaben zu schärfen. Ergebnis: Informierte Selbstbestimmung ist eine zentrale Frage in der Rehabilitation.

Vorträge

FISCHER, Bundesministerin für Gesundheit, plädierte in ihrem Eröffnungsvortrag für einen konsequenten Paradigmenwechsel in der Rehabilitation. Das Ziel ihrer Politik sei die Stärkung der Selbsthilfe. Der Behinderte sei der beste Experte in Sachen seiner eigenen Behinderung. Das Wissen, die Handlungskompetenz von ca. 260 Selbsthilfekontaktstellen und über 70.000 Selbsthilfegruppen müßten besser genutzt werden.

ARNADE betonte in ihrem Vortrag "Selbstbestimmung in der Rehabilitation - Erfahrungen und Forderungen von Menschen mit Behinderungen", daß Selbstbestimmung die Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen realen durchführbaren Alternativen sei. Der Beginn des Rehabilitationsprozesses dürfe nicht das Ende der Selbstbestimmung bedeuten.

ARNADE nannte vier Hauptforderungen aus Sicht der Betroffenen:

  • Wohnortnahe Rehabilitation

  • Peercounseling in der Beratung

  • Verbandsklagerecht bei Diskriminierung

  • Geschlechtsspezifische Erfassung von Daten zur Rehabilitation

Die letzte Forderung, die die Benachteiligung von Frauen in der Rehabilitation auch meßbar macht, wurde im Rahmen einer Arbeitsgruppe (Arnade, Niehaus), die sich mit besonderen Anforderungen an die Rehabilitation behinderter Frauen und Mädchen beschäftigte, eingehend diskutiert.

Arbeitsgruppen

In insgesamt neun Arbeitsgruppen wurde das Tagungsthema vertieft. Kernpunkte und Forderungen, auf die sich die Arbeitsgruppen verständigten, sind:

  • Bessere Koordinierung von Rehabilitationsleistungen mit anderen Sozial- und Gesundheitsleistungen

  • Verbesserung von Information und Effektivität ("Schnittstellenlotze" mit Rehabilitationskenntnissen, bessere Nutzung der Ressourcen, Rehabilitationszielvereinbarung, Rehamanagement usw.)

  • Einbeziehung der Selbsthilfe ("Betroffene als Experten"), Einbeziehung von Behinderten in die Begleitung und Beratung

  • Perspektivenwechsel: Weg von der Objektrolle des Rehabilitanden, Realisierung der Mitbestimmung

  • Überwindung von "Anbieter- und Trägeregoismus", Schaffung von vernetzten Strukturen, Rehabilitationssteuerung und -verzahnung, Kundenorientierung der Dienste und Einrichtungen

  • Schaffung bedarfsorientierter ambulanter Rehabilitationsmöglichkeiten, familienentlastende Dienste sowie Gewährleistung von Assistenz bei der beruflichen (Wieder-)Eingliederung

  • Lebensqualität als Rehabilitationsziel, das auch bei verschlossenem Arbeitsmarkt gelten muß

  • Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von behinderten Frauen in der Rehabilitation (frauenspezifische Beratung, wohnortnahe Angebote, Flexibilisierung der Maßnahmen, usw.)

Bei den anstehenden Strukturreformen im Rehabilitationsbereich sollten die Arbeitsergebnisse und Forderungen der Tagung Berücksichtigung finden.

Die aktive Mitwirkung von Rehabilitanden und ihre informierte Selbstbestimmung hängen vom Vorhandensein entsprechender Strukturen in der schulischen, beruflichen, medizinischen und sozialen Rehabilitation ab.

Der Einfluß der Behinderten auf den Verlauf von Rehabilitation und Nachsorge ist ein wesentlicher Motivationsfaktor und folglich Grundlage für den Rehabilitationserfolg.

von Eva-Maria Fehre - Bielefeld

Quelle:

Eva-Maria Fehre: Selbstbestimmung in der Rehabilitation

Erschienen in: impulse Nr. 13 / November 1999

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 10.02.2005

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