Meine Arbeit in der Spülküche im Krankenhaus Boberg

AutorIn: Anna Miehlich
Themenbereiche: Arbeitswelt
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: erschienen in: impulse Nr. 11, Jän. 1999 impulse (11/1999)
Copyright: © Anna Miehlich 1999

Meine Arbeit in der Spülküche im Krankenhaus Boberg

Ich habe im Februar im Krankenhaus mein Praktikum in der Küche angefangen. Am Anfang mußte ich nur bis 1 Uhr arbeiten, aber jetzt schaffe ich es bis 14.20 Uhr, wenn die anderen auch aufhören. Ich habe mich richtig eingelebt in der Küche. Ich finde es richtig schön da und meine Arbeit macht mir Spaß. Ich hab schon eine ganze Menge gelernt und ich weiß schon, wie der ganze Tag abläuft. Man kommt da an, und zieht sich um und dann kommt als erstes das Frühstücksgeschirr. Das nehmen wir von den Wagen herunter und tun es in die Spülmaschine. Wir haben zwei Spülmaschinen. In die eine, wo ich bin, kommen die Tabletts und die Plastikschüsseln und die Stahlschüsseln rein und in der anderen die Töpfe, das Besteck und das Geschirr. Das Geschirr wird vorne reingesteckt und kommt hinten sauber wieder raus. Die sauberen Tabletts kommen auf Tablettwagen und die Plastiktöpfe und Stahlgeschirr auf einen Extrawagen. Meistens werden die vollen Wagen von der Küche abgeholt. Manchmal schiebe ich die Wagen in die Essensküche. Halb elf wird der Boden sauber gemacht. Da wird zuerst alles mit Seifenwasser naßgespritzt und dann wird geschrubbt und dann mit sauberem Wasser alles naßgespritzt. Zum Schluß wird das Wasser mit einem Abzieher abgezogen.

Um 11.30 ist die große Pause. Da holen wir unser Essen aus der Essensküche. Denn in der Essensküche wird da schon das Essen für die Patienten aufgefüllt. Besonders gerne esse ich Hühnchen, Spaghetti und Fleisch. Suppen esse ich da nicht. Dann kommen die Stationswagen von den Patienten runter und wir machen das Mittagessen-Geschirr sauber. In der Essensküche machen sie schon das Abendbrot. Von zwölf bis viertel nach zwölf kommen die vielen braunen Tabletts, die kommen zuerst dran, weil sie zuerst wieder gebraucht werden. Ab halb eins kommen die Stationswagen mit den grauen Tabletts dran. Ab eins kommen die Kasinotabletts. So gegen zwei ist fast alles geschafft. Dann machen wir noch die Maschinen sauber und setzen uns in den Aufenthaltsraum und unterhalten uns, bis der Boß kommt und uns Tschüß sagt. Dann dürfen wir uns umziehen und nachhause gehen. Das ist der Tagesablauf.

Und jetzt will ich ein bißchen davon erzählen, wie ich zu meiner Arbeit gekommen bin, und etwas über die Kollegen erzählen und vom Boß. Ich bin ja behindert und so kamen meine Eltern auf die Idee, daß wir zur Arbeitsassistenz gehen und daß ich die kennenlerne. Und da haben wir uns dort getroffen und haben uns unterhalten, was ich machen könnte und wozu ich Lust habe. Da mußte ich eine ganze Menge von mir erzählen und meine Eltern haben auch was gequatscht. Dann haben wir ganz, ganz lange gewartet und in der Zeit hat die Arbeitsassistenz nach einer Küche gesucht. Deswegen hatte ich verlängerte Sommerferien. Es war Anfang September 1997, da kam ich zu Hauni in die Küche. Dort blieb ich bis Januar. Dann haben wir wieder mit der Arbeitsassistenz ein Treffen gemacht, wie es weitergehen soll. Und da haben wir ausgemacht: wieder ein Job in der Küche. Und im Februar kam ich in die Küche vom Boberger Krankenhaus. Das war praktisch, das ist bei uns in der Nähe. Ich fahre sogar mit dem Fahrrad da hin.

Die Arbeitsassistenz hilft uns Behinderten in der Arbeitswelt. Ich habe Marie-Theres, Jessi und Ilja. Jessi kommt Montags und Dienstag und Marie-Theres Donnerstags und Freitags. Mittwochs habe ich Berufsschule. Ilja kommt, wenn Marie-Theres oder Jessi nicht können. Die Arbeitsassistenz hat für mich nach der Küche gesucht. Marie-Theres, Jessi und Ilja haben mich auf die Arbeit vorbereitet. Sie arbeiten mit mir zusammen und helfen mir, wenn ich Schwierigkeiten habe. Sie beobachten mich, wie ich arbeite und bemerken, daß ich schneller geworden bin und daß ich schon beinahe ohne sie arbeiten kann. Ich war schon ein paar Tage allein im Krankenhaus und schon öfters haben Jessi oder Marie-Theres gesagt, daß ich ganz toll war beim Rausholen der Tabletts. Ich habe die Arbeitsassistenz ganz, ganz gerne. Ich finde es gut von Marie-Theres, daß ihr das auffällt, daß ich so gut geworden bin. Ich finde es ganz schön, daß die Arbeitsassistenz sich für uns Behinderte einsetzt. Denn wir müssen auch einen Job haben.

Jetzt will ich etwas von den Kollegen erzählen und vom Boß. Am ersten Tag war ich ein bißchen ängstlich, aber das hat sich bald wieder gelegt, als ich meine Kollegen ein bißchen kannte. Wir sind ungefähr sieben Kollegen in der Spülküche. Stefan fand ich gleich sympatisch, aber auch die Frauen habe ich ganz doll lieb. Sie erklären mir alles, wie es funktioniert und ich habe es schnell verstanden. Und auch den Boß, Herrn Schmidt, habe ich ganz gern. Er hat mir auch eine Menge erklärt und er hat mir Petrus vorgestellt. Der ist sozusagen der Zweitboß, wenn der Boß mal nicht da ist. Jedesmal, wenn ich Stefan oder Petrus sehe, muß ich gleich zu ihnen hinlaufen und sie begrüßen. Und wenn sie bei der Arbeit vorbeigehen, winke ich ihnen immer zu. Ich habe ein besonderes Gefühl zu Stefan, wenn wir zusammen arbeiten. Ich fühle mich mit ihm wie ein Team. Er arbeitet vorne an der Maschine und ich hinten. Ich habe sofort gemerkt, daß mich alle mögen und die Frauen nehmen mich in den Arm. Wenn nichts los ist, gehe ich öfters in die Essensküche und sehe mich da um. Und meine Kollegen aus der Spülküche erzählen alles, was ich getan habe. Sie sind richtig stolz auf mich. Am Anfang war ich noch langsam, aber dann bin ich schneller geworden. Jetzt bleibt die Maschine nur noch manchmal stehen. Das haben sie auch dem Boß erzählt.

Im Moment weiß ich noch nicht, wie es mit der Arbeit weitergeht. Wir bekommen neue Maschinen und die tun alles automatisch. Aber ich will mein Ziel erreichen, daß ich eine Arbeit finde.

von Anna Miehlich - Hamburg (Diktiert)

Quelle:

Anna Miehlich: Meine Arbeit in der Spülküche im Krankenhaus Boberg

Erschienen in: impulse Nr. 11 / Jän. 1999

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 14.02.2005

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