Der Makel bleibt

FörderschülerInnen im Übergang von der Schule in Ausbildung: Strategien der individuellen Förderung.

Themenbereiche: Arbeitswelt
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: erschienen in: impulse Nr.57, 02/2011, Seite 19-23. impulse (57/2011)
Copyright: © Irene Hofmann-Lun 2011

Der Makel bleibt. FörderschülerInnen im Übergang von der Schule in Ausbildung: Strategien der individuellen Förderung.

Nach wie vor werden in Deutschland Kinder und Jugendliche mit einer sogenannten Lernbehinderung überwiegend an Sonderschulen und damit außerhalb der Regelschulen unterrichtet. In einer von Aktion Mensch beauftragten Studie ging das Deutsche Jugendinstitut der Frage nach, wie FörderschülerInnen auf dem Weg in eine berufliche Ausbildung unterstützt werden können und ob durch die Sonderbeschulung der Übergang in anerkannte Ausbildungen, eine eigenständige Lebensführung und gesellschaftliche Teilhabe dieser Jugendlichen gelingen kann[1]. Die Erfahrungen und Einschätzungen der Jugendlichen, der Fachkräfte und ehemaliger FörderschülerInnen zeigen, dass die mit dem Förderschulbesuch verbundene Stigmatisierung zu langfristigen Nachteilen in der beruflichen Entwicklung führt. Auch werden bei der Suche nach Anschlusswegen die individuelle Bedürfnisse und Interessen der SchülerInnen immer noch zu wenig berücksichtigt.

Der Besuch der Förderschule soll Kindern und Jugendlichen die Chance bieten, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, soziale Fähigkeiten zu trainieren und in einem positiven Lernumfeld Lernmotivation zu erlangen. In der Förderschule sollen eigene Lernproblematiken überwunden werden und die schulischen Leistungen gezielt verbessert werden. Einen weiteren Schwerpunkt stellt die Planung und Vorbereitung von Anschlusswegen an die Förderschule dar, so dass der Eintritt in eine berufliche Ausbildung gelingen kann.



[1] In einer qualitativen Studie untersuchte das Deutsche Jugendinstitut 2009 und 2010 im Auftrag der Aktion Mensch, der Robert Bosch-Stiftung und der Max-Traeger Stiftung die Chancen und Risiken des gesonderten Schulbesuchs an Schulen zur individuellen Lernförderung/sonderpädagogischen Förderzentren in einer Region in Deutschland. Es wurden Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte, Eltern und die FörderschulabsolventInnen selbst befragt. Die Ergebnisse dieser Studie wurden in der Broschüre "FörderschülerInnen im Übergang von der Schule ins Arbeitsleben. Berufl ich-soziale Integration durch gesonderte Förderung?". Sie ist über zu beziehen über Irene Hofmann-Lun.

Förderstrategien an Förderschulen

Die Förderbedarfe der SchülerInnen reichen von Verhaltensschwierigkeiten bis hin zu großen Lernschwächen. Es gibt jedoch auch Jugendliche, deren Leistungsniveau dem von HauptschülerInnen entspricht. Ein großer Teil der SchülerInnen hat einen Migrationshintergrund.

Schwerpunkte bei der Förderung dieser sehr vielfältigen SchülerInnenschaft bilden soziale Unterstützung und Training, die individuelle leistungsbezogene Förderung der Jugendlichen entsprechend ihrem jeweiligen Bedarf, sowie Berufsorientierung und Übergangsplanung. Manche Lehrkräfte sehen die soziale Förderung als den Schwerpunkt ihrer Arbeit an, hinter dem die leistungsbezogene Förderung und die Anschlussplanung an zweiter und dritter Stelle rangieren.

Die individuellen Voraussetzungen bilden den Ausgangspunkt für eine auf die einzelnen SchülerInnen zugeschnittene Förderung in den Unterrichtsfächern. Aufgrund der Lernproblematik der Jugendlichen ist es notwendig den Unterrichtsstoff speziell aufzubereiten. Es werden Konzepte realisiert, die wenig Frontalunterricht beinhalten. Leistungsdifferenzierender Unterricht wird in Form von Wochenplanarbeit, Projektarbeit, Lerntheken, oder über Gruppenbildung angeboten. Dabei wird auf das unterschiedliche Lerntempo und die Konzentrationsfähigkeit der Jugendlichen Rücksicht genommen. Bei der Einteilung der Klasse in verschiedene Leistungsgruppen arbeiten alle SchülerInnen an einem Unterrichtsthema, jedoch angepasst an das jeweilige Leistungsniveau. Dies bedeutet, dass für die Schwächeren die Inhalte oder Texte von Mathematikaufgaben in einer einfacheren Sprache gehalten werden und für die Stärkeren ein höheres Niveau angesetzt wird. Dabei wird darauf geachtet, dass über die Gruppenbildung keine Stigmatisierung der Kinder und Jugendlichen erfolgt, etwa dadurch dass über Gruppennamen wie Tigers oder Champions keine unterschiedlichen Leistungsniveaus erkennbar sind, sondern alle SchülerInnen mit dem Gruppennamen eine Wertschätzung verbinden. Einige Lehrkräfte nennen explizit Förderpläne als Instrument der individuellen Förderung.

Der Unterricht zielt auf das Erreichen des Förderschulabschlusses. Die Lehrkräfte verfolgen auch die Zielsetzung, SchülerInnen, bei denen ein entsprechendes Leistungspotential vorhanden ist, in die Regelschule zu überweisen. Jedoch ist das Angebot an entsprechenden Kooperationsklassen an der Regelschule nicht flächendeckend vorhanden. Demzufolge können die SchülerInnen nur in bestimmten Klassenstufen an die Regelschule wechseln und nicht allen Jugendlichen, die dies planen, gelingt der Wechsel auf die Regelschule. In Ausnahmefällen versuchen Lehrkräfte ihren SchülerInnen den Hauptschulabschluss zu ermöglichen.

Mehrere Lehrkräfte thematisieren im Zusammenhang mit dem Erreichen von Schulabschlüssen die Problematik, dass sich die Jugendlichen aufgrund der Tatsache, dass sie an die Förderschule gehen, abgewertet fühlen. Dass sie einen im Vergleich zu HauptschülerInnen geringeren Schulabschluss erlangen ist den Jugendlichen sehr bewusst. Dies wirkt sich negativ auf ihr Selbstbewusstsein, ihre Leistungsfähigkeit und ihre Motivation aus.

Berufsorientierung und Übergangsmanagement

Berufsorientierung und Übergangsplanung spielen in der Förderschule ab der 7. Jahrgangsstufe eine wichtige Rolle. Die enge Kooperation zwischen Förderschulen und Berufsberaterinnen und -beratern der Arbeitsagentur (Reha-Beratern) beinhaltet einen intensiven Austausch, Klassenelternabende, persönliche Gespräche mit SchülerInnen und ihren Eltern, Besuche im Berufsinformationszentrum (BIZ) sowie einen Eignungs- und Leistungstest. Hinzu kommen Betriebspraktika die die Jugendlichen in den Klassenstufen 8 und 9 absolvieren. Neben der Information über mögliche Berufsfelder für die Jugendlichen ist es das zentrale Ziel der BerufsberaterInnen und der Lehrkräfte, dass spätestens am Ende des ersten Halbjahres der 9. Klasse feststeht, welche Ausbildung oder welche Maßnahme für jede/n Jugendliche/n im Anschluss an die Schule geeignet ist.

Ein Netz von Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation bildet die Grundlage für die Aktivität der Reha-Berufsberatung. Wenn Jugendliche den Weg in eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BVB) gehen, erfolgt die Zuweisung über die Arbeitsagentur. Auch der Weg in eine geförderte Ausbildung wird über die Arbeitsagentur eingeleitet und finanziert, ebenso der Weg in ein Berufsbildungswerk[2]. Demgegenüber erfolgt die Einmündung in eine betriebliche Ausbildung auf dem ersten Arbeitsmarkt über die Eigeninitiative des Jugendlichen, der sich bei entsprechendem Bedarf an die Arbeitsagentur wenden kann, damit ggf. dem Betrieb eine finanzielle Unterstützung gewährt werden kann. Auch die Anmeldung für das Berufsvorbereitungsjahr kann eigenständig durch die Jugendlichen erfolgen.

Aus der Zusammenarbeit zwischen Lehrkraft, BerufsberaterInnen, Eltern und Jugendlichem erfolgt die Entscheidung, welches Berufsfeld für den jeweiligen Jugendlichen in Frage kommt, wie weit der Jugendliche schon in seiner Berufsreife ist, welche beruflichen Neigungen er hat und wo seine spezifischen Eignungen liegen. Diese Entscheidungsphase, die das Ziel hat, die Anschlusswege der Jugendlichen zu klären, wird unterstützt durch einen Test, den alle Jugendlichen bei der Arbeitsagentur absolvieren müssen, sowie durch ein Gutachten der Klassenleitung.

Fotos: Bertolt Monk

Einzelne Lehrkräfte setzen sich zusätzlich - häufig in ihrer Freizeit - mit Berufsmöglichkeiten für ihre Schülerinnen und Schüler auseinander. Das besondere Engagement von Lehrkräften beinhaltet das Durchforsten der Stellenanzeigen der Zeitungen, der Ausbildungsplatzangebote im Internet und bei der Arbeitsagentur nach relevanten Ausbildungsstellen sowie das Einholen von Informationen über neue Berufsfelder, die für die Jugendlichen relevant sein könnten. Außerdem pflegen und nutzen sie private Kontakte, um SchülerInnen eine Ausbildung im Anschluss an die Förderschule zu ermöglichen. Ferner beinhaltet ihr Engagement den Aufbau

und die Pflege von Netzwerken mit Unternehmen, um die Jugendlichen dort in Praktika und ggf. in einer Ausbildung unterzubringen.

Im Zusammenhang mit den Chancen für eine Einmündung in Ausbildung im Anschluss an die Förderschule beklagen einige Lehrkräfte, dass ihre Schule in dieser Hinsicht keine kontinuierlichen Kooperationsbetriebe habe. Einige Lehrer sehen eine Chance für ihre SchülerInnen, direkt nach der Schule in Ausbildung zu gelangen, nur über vorherige Praktika in dem jeweiligen Betrieb und versuchen, diesen Weg durch gezielte Unterstützung zu ermöglichen. Allerdings gelingt dieser Weg nur in Ausnahmefällen.

Dass in den meisten Fällen als Anschlussstation die Berufsvorbereitung geplant und eingeleitet wird, an die sich geförderte (Reha-)Ausbildungen anschließen können, entlastet die Lehrkräfte angesichts der Tatsache, dass der direkte Weg in Ausbildung für Förderschülerinnen und Förderschüler aus ihrer Erfahrung heraus meist nicht gelingt. Letzten Endes sehen sie ihre Einflussmöglichkeiten auf das Gelingen einer beruflichen Integration als sehr gering an.



[2] Grundlage für die Aktivitäten der Arbeitsagentur sind SGB III bzw. SGB IX; ein Jugendlicher bekommt den Status Rehabilitand nur dann, wenn in Zusammenarbeit von Schule, Agentur für Arbeit und Eltern, unter Berücksichtigung aller für den Jugendlichen relevanten Ergebnisse, der besondere Unterstützungsbedarf festgestellt wird. Es gibt eine Vereinbarung zwischen Kultusministerium und Regionaldirektion der Arbeitsagentur, in der eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Schule und Arbeitsagentur festgelegt ist (Agentur für Arbeit, Interview 2009).

Förderung aus der Sicht der Jugendlichen

Das soziale Klima an der Förderschule wird von vielen Jugendlichen insgesamt als positiv und unterstützend beschrieben, gerade auch im Hinblick auf die Bewältigung persönlicher Probleme und Schwierigkeiten. Bei den Schilderungen des Unterrichts in der Förderschule, ihren Anschlussoptionen sowie weiteren Bildungschancen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen FörderschülerInnen.

Leistungsbezogene Förderung

Eine leistungsbezogene Förderung und Forderung ist den Jugendlichen vor allem im Hinblick auf die Chance, einen Hauptschulabschluss und/oder eine berufliche Anschlussperspektive erreichen zu können, wichtig. Gerade der Unterricht in den Fächern Deutsch und Mathematik wird von manchen SchülerInnen als zu wenig fordernd und anspruchsvoll erlebt. Dass der Englischunterricht an der Förderschule aus Sicht der Jugendlichen vernachlässigt wurde, ist beispielsweise im Hinblick auf das Gelingen von anschließenden Bildungswegen (z.B. das Erreichen eines qualifizierenden Hauptschulabschlusses oder des Realschulabschlusses) sowie in Bezug auf die Möglichkeit, in Berufsfeldern zu arbeiten, bei denen Englischkenntnisse Voraussetzung sind, problematisch. Gerade Jugendliche, die einen entsprechenden Leistungswillen und weitergehende Bildungsziele entwickelt haben, äußern häufig eine Kritik an der Förderschule. Sie bezieht sich vorrangig auf einzelne Klassenstufen oder Lehrkräfte. Dass an Förderschulen nur in Ausnahmefällen das Erreichen des Hauptschulabschlusses möglich ist, ist jedoch ein Kritikpunkt, den viele Jugendliche thematisieren.

Foto: Bertolt Monk

Berufsorientierung und Anschlussplanung

Während einige Jugendliche an der Förderschule eine gezielte individuelle Förderung erhielten, um einen anerkannten Schulabschluss - den Hauptschulabschluss - über eine gesonderte Prüfung an der Regelschule zu erreichen, war für andere Jugendliche dieser Weg im Rahmen der Förderschulzeit nicht möglich. Einige Jugendliche wurden dazu ermutigt, im Anschluss an die Förderschule das 9. Schuljahr an der Hauptschule zu absolvieren, um den erfolgreichen oder qualifizierenden Hauptschulabschluss zu erwerben Dieser Weg war für andere SchülerInnen kein Thema bei der Anschlussplanung; einige SchülerInnen wurden ermutigt und unterstützt, etwa durch gezielte Betriebspraktika und Bewerbungstraining, eine Ausbildung zu beginnen. Bei den meisten Jugendlichen konzentrierte sich die Planung ihrer Anschlussstationen aber auf den Eintritt in das Berufsvorbereitungsjahr oder die Teilnahme an einer BVB.

Bei der Beratung durch die Arbeitsagentur fühlen sie sich teilweise in ihren Berufswünschen und Bildungszielen nicht ernst genommen. Wer nicht durch persönliche Netzwerke oder besonders engagierte Lehrkräfte auf dem Weg in Ausbildung unterstützen wird, für die/den ist der Weg durch die "Instanzen" weitgehend vorgezeichnet, ohne darauf nennenswert Einfluss zu haben.

Kritische Aspekte des Fördersystems

Aus den Gesprächen mit Lehrkräften, PädagogInnen der Berufsvorbereitung und den Jugendlichen, die eine Förderschule besucht haben, ergeben sich kritische Aspekte sowohl was die Förderung der Jugendlichen betrifft, als auch im Hinblick auf die Planung von erfolgversprechenden Wegen der beruflichen Integration.

Anschlussfähigkeit der Förderschule

Den Förderschulen selbst wird nicht nur von vielen Jugendlichen, sondern auch von den VertreterInnen der nachfolgenden Institutionen, die von den Jugendlichen durchlaufen werden, oftmals kein gutes Zeugnis ausgestellt. Insbesondere Fachkräfte der anschließenden Bildungsmaßnahmen kritisieren eine unzureichende Vorbereitung im Bereich Berufsorientierung durch die Förderschule. Außerdem werden folgende kritischen Punkte genannt:

  • die mangelnde Anschlussfähigkeit an die Hauptschule vor allem bei den Leistungsanforderungen in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch betrifft,

  • die mangelnde Unterstützung, Förderung und Forderung des Leistungsvermögens der FörderschülerInnen (Stichwort Schonraum),

  • das Fehlen eines anerkannten schulischen Abschlusses, der für die weitere berufliche Zukunft entscheidend ist,

  • die mangelnde Förderung des Selbstvertrauens und -bewusstseins der SchülerInnen.

Den Lehrkräften der Förderschulen ist in der Regel klar, dass ihre Bemühungen, berufliche Perspektiven für die Jugendlichen zu entwickeln, selten von Erfolg gekrönt sind. Für das Scheitern machen die Lehrkräfte zum Einen die häufig problematischen familiären Hintergründe verantwortlich, die die Jugendlichen belasten und sie an der Entwicklung eigener Leistungsfähigkeit und eigener Perspektiven behindern. Zum Anderen werden strukturelle Gründe angeführt.

Anschlusswege werden eingeleitet, die nicht zu den Voraussetzungen der Jugendlichen passen

Bei der Festlegung "realistischer" Anschlussoptionen für FörderschülerInnen scheint es einen gewissen Automatismus zu geben, der nicht nur auf Fachlichkeit, sondern auch auf Tradition und in gewissem Ausmaß auf Routine beruht. Die zentrale Rolle der Arbeitsagentur an dieser Stelle ist auch unter strukturellen Gesichtspunkten zu sehen, da die verschiedenen Anschlussoptionen wie etwa BVB, Eintritt in ein Berufsbildungswerk oder das Absolvieren von geförderten Ausbildungen von der Arbeitsagentur eingeleitet und finanziell gefördert werden. Damit obliegt der Arbeitsagentur und nicht den Lehrkräften oder gar den Jugendlichen selbst eine entscheidende Steuerungsfunktion in Bezug auf die beruflichen Zukunftschancen. Die Mehrfachfunktion der Arbeitsagentur (Förderdiagnose, Zuweisung in und Finanzierung von Maßnahmen) lässt es zumindest als möglich erscheinen, dass bei der Zuweisung der Jugendlichen in die verschiedenen Maßnahme-Typen, die unterschiedlich teuer sind aber auch unterschiedliche Perspektiven eröffnen, gelegentlich eher haushalts- als förderpolitische Kriterien zum Tragen kommen.

Stigmatisierungserfahrungen ziehen sich durch die Bildungsgeschichten und behindern Bildungserfolge

Dass der Besuch einer Förderschule zu Abwertungen und dadurch zu Behinderungen von Bildungserfolgen führt, ist für die Jugendlichen durchgängig spür- und sichtbar.

Diese Stigmatisierung beginnt mit der Zuweisung zur Förderschule und erstreckt sich über den gesamten Schulbesuch und weit darüber hinaus.

Der Besuch der Förderschule wird von den meisten für die Jugendlichen relevanten Personen und Institutionen negativ bewertet, vor allem von den gleichaltrigen Freundinnen und Freunden, häufig aber auch von Eltern und anderen Familienmitgliedern, sogar von den Lehrkräften der Förderschulen und später von AusbilderInnen und ArbeitgeberInnen. Somit bleibt der "Makel" des Förderschulbesuchs haften und beeinträchtigt nicht nur die beruflichen, sondern auch die sozialen Lebenschancen nachhaltig. An diesem grundsätzlichen Dilemma der Stigmatisierung ändern auch weder differenzierte Zugangsregelungen einschließlich ausgefeilter Diagnostik noch ein an die Bedürfnisse der Jugendlichen angepasstes Lernklima wenig, zumal diese Bedingungen gerade in Bezug auf die schulleistungsbezogene Förderung doch in großem Ausmaß von den schulischen Voraussetzungen und den persönlichen Fähigkeiten, Förderphilosophien und Ressourcen der Lehrkräfte abhängen.

Irene Hofmann-Lun ist Diplomsoziologin und arbeitet als Referentin am Deutschen Jugendinstitut im Forschungsschwerpunkt Übergänge in Arbeit. Sie leitet das Projekt "Verbesserung der Beruflichen Integration von Förderschulabsolvent/innen"

Kontakt:

Irene Hofmann-Lun, c/o DJI,

Nockherstraße 2, 81541 München

Mail: hofmann@dji.de

Quelle:

Irene Hofmann-Lun: Der Makel bleibt. FörderschülerInnen im Übergang von der Schule in Ausbildung: Strategien der individuellen Förderung.

erschienen in: impulse Nr. 57, 02/2011, Seite 19-23.

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 17.04.2013

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