"Clearing" in Österreich

Arbeit an der Schnittstelle Schule-Beruf

AutorIn: Brigitte Tuschl
Themenbereiche: Schule, Arbeitswelt
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: erschienen in: impulse Nr. 52, 01/2010, S. 30-31. impulse (52/2010)
Copyright: © Brigitte Tuschl 2010

"Clearing" in Österreich

In den verschiedenen Bundesländern sind heute bis zu sieben verschiedene regionale Träger (insgesamt 25) vom Bundessozialamt mit dem Projekt Clearing beauftragt. Österreichweit befassen sich über 100 ClearerInnen mit der Umsetzung. Neben der Arbeit mit den Jugendlichen mit Behinderung ist eine weitere wichtige Aufgabe die Vernetzung mit Partnern wie Schulen, Arbeitsmarktservicestellen und weiterführenden Kursmaßnahmen.

InteressentInnen können im Alter von 13 bis 24 Jahren zu einer Clearingabklärung kommen, wenn sie:

  • Integrative od. Sonderschulen besuchen

  • an einer psychische Erkrankung leiden

  • sinnes- bzw. körperliche Behinderung haben

Es können aber auch Jugendliche mit sozial-emotionalen Problematiken und Jugendliche, die Lernschwierigkeiten in der Schule hatten und aus diesem Grund in der niedrigsten Leistungsgruppe unterrichtet wurden, Clearing in Anspruch nehmen. Für die Begleitung sind 6 Monate vorgesehen. Am Ende sollen realistische berufliche Zukunftsperspektiven aufgezeigt werden. Es gibt hier keinen Grad der Behinderung, der ein Clearing ausschließt. Die Teilnahme ist kostenlos und freiwillig. Der Clearing- Prozess wird in vier Phasen untergeteilt.

Kontakt- und Vereinbarungsphase

Die von Jugendlichen der genannten Zielgruppen besuchten Schulen werden von Clearing kontaktiert. Bei Interesse an der Clearingbegleitung, kommt es zu einem Erstgespräch mit den Jugendlichen und deren Eltern, um sie über den Clearingablauf zu informieren und Erwartungshaltungen der Eltern und Jugendlichen abzuklären. Zu Beginn unterschreiben die Prozessbeteiligten eine vorgegebene schriftliche Vereinbarung. Wesentliche Inhalte dieser Vereinbarung sind:

  • Organisation von Schnupperpraktika

  • Mitarbeit der Jugendlichen und Eltern

  • Dauer und Ende der Maßnahme

  • Abschluss durch die Übergabe eines Entwicklungsplanes

Wichtig für die Zusammenarbeit zwischen der/dem Jugendlichen und der/dem ClearerIn ist zu Beginn, die gegenseitigen Erwartungen abzuklären.

Analysephase

In regelmäßigen Einzelgesprächen werden von der/dem Jugendlichen in Zusammenarbeit mit der/dem ClearerIn Zukunftsperspektiven erarbeitet. Das Hauptaugenmerk der Clearingtätigkeit liegt bei der Vermittlung verschiedener Berufsbilder. Informationen über die/den Jugendlichen werden anhand von Arbeitsblättern zu der Person, Familie, Interessen und Hobbys erarbeitet. Auch von den Eltern und Lehrern werden weitere Fakten über die Fähigkeiten der Jugendlichen zusammengetragen. Der "Unterstützerkreis" ist eine weitere Methoden, die für die Zukunftsplanung genutzt wird. Anhand dieser Gespräche soll die/der Jugendliche zu einer realistischen Einschätzung ihrer/seiner derzeitigen Situation kommen. Unterschiedliche Methoden der Berufsorientierung werden eingesetzt.

Umsetzungsphase

Nachdem die nötigen Informationen über Fähigkeiten und Interessen der Jugendlichen vorhanden sind, können erste Erprobungen in den gewünschten Arbeitsbereichen beginnen. Es werden dabei verschiedene Berufsrichtungen unter Berücksichtigung der vorhandenen Fähigkeiten erprobt. Diese meist einwöchigen Schnupperpraktika werden mit den Jugendlichen vorbereitet, begleitet und danach sowohl mit den Jugendlichen als auch den Firmen ausgewertet. Als "job ready" gilt, wer entsprechend seiner persönlichen Voraussetzungen, den verfügbaren Berufsmöglichkeiten und den damit verbundenen Anforderungen, einen realistischen Ausbildungs- bzw. Berufswunsch formulieren kann

"Für viele Menschen bedeutet der Weg in die berufliche Zukunft das Entwickeln von Fähigkeiten und Interessen." JobBudget bei integra

Abschlussphase

Ergebnisse aus den vorangegangenen Phasen werden zusammengeführt und in einem Neigungs- und Fähigkeitsprofi zusammengefasst. Die daraus resultierende Empfehlung wird im Clearingbericht dokumentiert. Diese Empfehlungen reichen von weiteren Schulbesuchen, über Berufsvorbereitungskurse, bis zu einer Lehrstelle oder Suche eines Arbeitsplatzes. Die Umsetzung der nächsten Schritte kann von einer weiterführenden Maßnahme der beruflichen Integration begleitet werden, die/der ClearerIn kann aber auch zur IntegrationsbegleiterIn bzw. Jugendarbeitsassistenz werden. Kontakte zu den anderen Fachdiensten der beruflichen Integration werden falls notwendig hergestellt.

Die Clearingmappe mit dem Entwicklungsplan und dem Neigungs- und Fähigkeitsprofil wird den Jugendlichen bei einer Abschlussbesprechung übergeben.

Erhobene Informationen des Neigungs-Fähigkeitsprofils sind:

  • Arbeitswünsche und Interessen

  • intellektuelle und soziale Fähigkeiten

  • Alltagskompetenzen

  • körperliche Fähigkeiten und Einschränkungen

  • Arbeitshaltung

Von einer/einem ClearerIn in Vollzeit werden durchschnittlich 36 Jugendliche pro Jahr betreut. Die ClerarerInnen haben neben regelmäßigen Gesprächen auch die Aufgabe, die passenden Praktikumsstellen zu suchen. Zusätzlich sollen Kontakte zu regionalen Kursanbietern und wichtigen Arbeitspartnern gehalten werden.

Durch die landesweite Vernetzungsarbeit der ProjektleiterInnen konnten gemeinsame Mindeststandards für die Leistungserbringung formuliert werden. Gemeinsam mit dem Dachverband (dabei-austria) werden regelmäßig Fachtage organisiert, um eine fachspezifische Weiterbildung zu ermöglichen. Derzeit wird in einem Leonardoprojekt an der Entwicklung eines Curriculums zur Clearingausbildung gearbeitet. Für Österreich wird diese Ausbildung ab 2011 über den Dachverband angeboten (www.trainsition.net).

Clearing wurde 2006 evaluiert. Es zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen Jugendlichen, die durch Clearing begleitet wurden und einer Vergleichsgruppe von Nicht-TeilnehmerInnen. Von der Gruppe der Nicht-ClearingteilnehmerInnen waren nach 1 1/2 Jahren 11% mehr arbeitslos.

Seit 2001 ist eine Clearingabklärung verpflichtend vor einer integrativen Berufsausbildung. 2008 wurde die Zielgruppe der Personen, die Clearing in Anspruch nehmen können, um die 3. Leistungsgruppe der Hauptschule erweitert. Aktuell nehmen jährlich 6500 Personen in Österreich Clearing in Anspruch.

Leider ist aber der Clearingprozess mit 6 Monaten nur sehr kurz, genauso wie die Zeiten für Praktika während der Schulzeiten mit 5 Tagen nicht ausreichend sind. Hier sind Verbesserungen wünschenswert.

Maga. (FH) Brigitte Tuschl ist bei Caritas Wien Projektleiterin von Clearing Weinviertel

Kontakt und nähere Informationen

Clearing Weinviertel Hauptplatz 12, 2020 Hollabrunn

Tel: +43 (0) 2952 - 20052

E-Mail: clearing-weinviertel@caritas-wien.at

Quelle:

Brigitte Tuschl: "Clearing" in Österreich. Arbeit an der Schnittstelle Schule-Beruf

erschienen in: impulse Nr. 52, 01/2010, S. 30-31

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 22.03..2012

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