Durch Kooperation zum Erfolg

Verzahnte Ausbildung mit Berufsbildungswerken

AutorIn: Niels Reith
Themenbereiche: Arbeitswelt
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: erschienen in: impulse Nr. 52, 01/2010, S. 17-20 impulse (52/2010)
Copyright: © Niels Reith 2010

Durch Kooperation zum Erfolg

Die Berufsbildungswerke (BBW) sind im Sozialgesetzbuch IX benannte Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation. Mit den besonderen Fachkenntnissen ihrer MitarbeiterInnen ermöglichen sie aktuell rund 15.000 jungen Menschen mit zum Teil schwersten Behinderungen eine berufliche Erstausbildung in über 240 verschiedenen Berufen. Damit die Ausbildung erfolgreich verläuft und eine anschließende Eingliederung in den Arbeitsmarkt gelingt, steht den Auszubildenden während der gesamten Ausbildung ein erfahrenes Team aus AusbilderInnen, SozialpädagogInnen, PsychologInnen und MedizinerInnen begleitend zur Seite.

Seit dem Jahr 2005 bieten die BBW mit der Verzahnten Ausbildung mit Berufsbildungswerken (VAmB) ein besonderes Ausbildungsmodell an. Was ursprünglich als Modellprojekt begann, ist den vergangenen Jahren zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Dies ist nicht nur dem Einsatz aller beteiligten Projektpartner zu verdanken - den MitarbeiterInnen der BBW, dem Team der wissenschaftlichen Begleitung der Universität Hamburg und den zahlreichen großen und kleinen Unternehmen - sondern selbstverständlich gerade dem großen Engagement der teilnehmenden Jugendlichen selbst.

Auch immer mehr Partner aus der Wirtschaft sind von der hohen Qualität der Verzahnten Ausbildung überzeugt. Im Jahr 2007 wurden die METRO Group und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke e. V. (BAG BBW) für die Verzahnte Ausbildung mit dem Initiativpreis Aus- und Weiterbildung der Otto Wolff - Stiftung, der "WirtschaftsWoche" und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages ausgezeichnet. Mittlerweile bieten bereits mehr als 30 der insgesamt 52 BBW VAmB an und weitere haben ihre Bereitschaft zur Mitwirkung in naher Zukunft erklärt. Welche BBW die Verzahnte Ausbildung anbieten, erfahren Sie im Internet unter: www.bagbbw.de

Was bedeutet "verzahnt"?

Verzahnte Ausbildung bedeutet: Die BBW verzahnen ihre große Fachkenntnis in der Ausbildung junger Menschen mit Behinderung mit Unternehmen der Wirtschaft. Junge Auszubildende aus BBW haben die Möglichkeit, bis zu 12 Monate ihrer Ausbildung in Unternehmen und Betrieben durchzuführen. Während dieser Zeit werden sie Teil der dortigen Ausbildungsgruppe und die MitarbeiterInnen der BBW stehen immer begleitend zur Seite. Schon mehr als 160 Betriebe arbeiten im Rahmen von VAmB mit den BBW zusammen. Die Auszubildenden können beispielsweise einen Teil ihrer Ausbildung zum / zur VerkäuferIn in einer Filiale von Galeria Kaufhof, Karstadt oder Edeka absolvieren. In dieser Zeit vermitteln die Partnerunternehmen den Auszubildenden wichtige betriebliche Praxiserfahrung. VAmB leistet dadurch eine wirksame Vorbereitung auf die Berufstätigkeit und verbessert die Chancen auf eine anschließende Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Von dieser Zusammenarbeit profitieren alle: die Jugendlichen, die Unternehmen und die BBW.

Hintergründe und Zukunft

Die Anfänge von VAmB liegen im Jahr 2004. Offiziell gestartet wurde sie 2005 als größtes Modellprojekt der Initiative "job - Jobs ohne Barrieren" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Gemeinsames Ziel der Projektpartner war es, die Chancen auf Eingliederung und Teilhabe am Arbeitsleben von behinderten und schwerbehinderten Menschen, für die die Unterstützung eines Berufsbildungswerkes unerlässlich ist, mittels inklusiver betrieblicher Ausbildungsanteile zu verbessern.

Um dieses Ziel zu erreichen, begannen vier BBW gemeinsam mit der METRO Group - einem der größten Handelsunternehmen der Welt zu dem zum Beispiel real,-, Galeria Kaufhof, Saturn und Media Markt gehören - mit der Umsetzung des ersten Modellversuchs. Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt durch ein Team von WissenschaftlerInnen des Instituts für Berufs- und Wirtschaftspädagogik der Universität Hamburg.

Auszubildende der BBW in Oberlinhaus (oben) und Soest (rechts): Qualifizierte Zeugnisse zum Abschluss verbessern die ...

Unter dem Namen Verzahnte Ausbildung METRO Group mit Berufsbildungswerken(VAMB) durchliefen zunächst 20 junge Auszubildende mit Lernbehinderung einen Teil ihrer Ausbildung im Berufsbereich Handel verzahnt in Betrieben aus Vertriebslinien der METRO Group. In der zweiten Staffel konnte die Anzahl der Teilnehmenden verdoppelt werden und auch die Anzahl der beteiligten BBW wuchs stetig.

Nach Abschluss der ersten Phase wurde - erneut im Rahmen der Initiative "job - Jobs ohne Barrieren" - im April 2007 ein zweiter Modellversuch (Verzahnte Ausbildung mit Berufsbildungswerken - VAmB) zur Verzahnten Ausbildung veranlasst. Nachdem in den ersten zwei Jahren die grundlegenden Bedingungen für den Erfolg der Verzahnten Ausbildung untersucht und festgehalten wurden, legte das Team der Universität Hamburg das Augenmerk nun unter anderem auf die Entwicklung von Voraussetzungen, welche die feste Verankerung von VAmB in das Ausbildungsangebot der BBW und eine Ausweitung auf alle Berufsfelder ermöglichen sollten.

Aus diesem Anlass wurde die Verzahnte Ausbildung für weitere Berufsbereiche geöffnet und auch Jugendliche mit Sinnes-, körperlichen oder psychischen Behinderungen konnten nun Teile ihrer Ausbildung verzahnt absolvieren. Hinzu kamen nun auch zahlreiche weitere Unternehmen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen aber auch Großunternehmen wie beispielsweise REWE schlossen sich dem Erfolgsmodell der Verzahnten Ausbildung an.

Im Sommer 2008 ist VAmB für alle Berufsbereiche und Behinderungsarten geöffnet worden. Damit dieser Öffnungsprozess erfolgreich gelingt, hat die wissenschaftliche Begleitung umfangreiches Material erarbeitet und auf der Internetseite www.vambprojekt.de verfügbar gemacht. Das so genannte Startpaket-VAmB gibt nicht nur einen Einblick in die Qualitätsstandards der Verzahnten Ausbildung, es bietet auch hilfreiche Checklisten für Betriebe und BBW sowie wertvolle Hinweise für den erfolgreichen Transfer auf neue Berufsbereiche. Darüber hinaus stehen Mustervorlagen für fünf Berufsbereiche zum Download zur Verfügung. Neben diesen Unterlagen hat das Team der Universität Hamburg im Rahmen der beiden Modellversuche ein umfassendes Schulungskonzept entwickelt, welches auch künftig allen Akteuren der Verzahnten Ausbildung zur Verfügung stehen wird.

Mit dem Abschluss des zweiten Modellversuchs und dem Ende der wissenschaftlichen Begleitung im März 2009 haben es sich die BBW und die BAG BBW nunmehr zur Aufgabe gemacht, die Verzahnte Ausbildung fortzuführen und VAmB als festes Ausbildungsangebot der BBW einzurichten. In diesem Rahmen hat die Bundesagentur für Arbeit ihre Unterstützung zur Verankerung von VAmB als Regelangebot der BBW für einen Zeitraum von drei Jahren zugesichert.

...spätere Bewerbungschancen Fotos BAG BBW

Viele Vorteile für Unternehmen - VAmB in der Praxis:

Verbindliche Vorgaben gewährleisten die hohe Qualität der Verzahnten Ausbildung. Hierzu gehören Eignungsanalysen im Rahmen der Auswahl der Teilnehmenden, ein gegenseitig verpflichtender Kooperationsvertrag, ein gemeinsamer Ausbildungsplan oder Leitfäden zur Beurteilung der beruflichen Handlungskompetenzen. Am Ende der betrieblichen Praxisphase erhalten alle Auszubildenden außerdem ein qualifiziertes Zeugnis des Betriebes. Dieses Zeugnis verbessert die späteren Bewerbungschancen zusätzlich.

Unternehmen, die im Rahmen von VAmB mit den BBW zusammenarbeiten, bieten sich eine Vielzahl von Vorteilen. Sie haben nicht nur die Gelegenheit, motivierte Jugendliche kennenzulernen, deren Ausbildung mitzugestalten und sie gegebenenfalls später in Arbeit zu übernehmen. Die jungen Auszubildenden können außerdem unabhängig vom Grad der Behinderung für die gesamte Dauer des Betriebseinsatzes doppelt auf die so genannte Beschäftigungspflichtquote angerechnet werden. Die Beschäftigungspflichtquote verpflichtet Arbeitgeber, die im Jahresdurchschnitt über mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen, wenigstens einen / eine schwerbehinderte MitarbeiterIn zu beschäftigen. Ab 60 MitarbeiterInnen müssen mindestens 5 Prozent der Arbeitsplätze von schwerbehinderten Menschen besetzt sein. Wird diese Quote nicht erreicht, ist an das zuständige Integrationsamt eine so genannte Ausgleichsabgabe zu entrichten.

Da während der gesamten Zeit im Betrieb die BBW für die Ausbildung verantwortlich bleiben, fallen für die Unternehmen weder Ausbildungsvergütung noch Beiträge zur Sozialversicherung an. Wenn sich ein Unternehmen anschließend dafür entscheidet, einen VAmB-Auszubildenden zu übernehmen, gibt es weitere finanzielle Fördermöglichkeiten, zum Beispiel Lohnkostenzuschüsse oder Unterstützung bei der behindertengerechten Einrichtung der Arbeitsplätze.

Das qualifizierte Fachpersonal der BBW steht während der gesamten betriebspraktischen Phasen den Auszubildenden und den betrieblichen AusbilderInnen unterstützend zur Seite. Und sollte die Integration in den Betrieb einmal aus unterschiedlichen Gründen nicht gelingen, können die Auszubildenden ihre Ausbildung im BBW jederzeit nahtlos fortsetzen.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung, die auf www.bagbbw.de und www.vamb-projekt.de nachzulesen sind, zeigen deutlich, warum VAmB zu einem Erfolgsmodell geworden ist: Es verbessert die Integrationschancen auf den ersten Arbeitsmarkt nachhaltig: 69% der TeilnehmerInnen der fünften Staffel hatten schon kurz nach erfolgreicher Beendigung ihrer Ausbildung eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt oder konnten in eine höherwertige Ausbildung wechseln!

Niels Reith ist Projektkoordinator für die Verzahnte Ausbildung (VAmB) bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke e.V.

Kontakt und nähere Informationen

BAG der Berufsbildungswerke e. V.

Kurfürstenstraße 131, 10785 Berlin

Tel.: 030 - 263 9809 90, Fax: 030 - 263 9809 99

E-Mail: niels.reith@bagbbw.de

Internet: www.bagbbw.de

Quelle:

Niels Reith: Durch Kooperation zum Erfolg. Verzahnte Ausbildung mit Berufsbildungswerken

erschienen in: impulse Nr. 52, 01/2010, S. 17-20

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 22.03.2012

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