bEO - berufliche Erfahrung und Orientierung für SchülerInnen aus Sonderschulen und Integrationsklassen

Ein Projekt der Hamburger Arbeitsassistenz

Themenbereiche: Schule, Arbeitswelt
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: erschienen in: impulse Nr. 40, April 2006, Seite 19 - 22. impulse (40/2006)
Copyright: Andrea Klüssendorf 2006

bEO

Die Hamburger Arbeitsassistenz als Fachdienst für die berufliche Integration für Menschen mit Lernschwierigkeiten/geistiger Behinderung kooperiert seit langem mit verschiedenen Hamburger Schulen, wenn SchülerInnen im Anschluss an die Schule in die betriebliche Berufsbildung bei der Hamburger Arbeitsassistenz wechseln.

Seit 1996 führt die Hamburger Arbeitsassistenz den Berufsbildungsbereich der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in ambulanter Form in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes durch. Durch dieses betriebsnahe Angebot der beruflichen Orientierung und Qualifizierung finden viele junge Erwachsene mit Lernschwierigkeiten eine dauerhafte Perspektive außerhalb der WfbM in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung (vgl. Hamburger Arbeitsassistenz 2001).

Das Projekt bEO kommt jetzt dem Wunsch der Schulen nach frühzeitiger Kooperation entgegen und macht Schulen und SchülerInnen ein ergänzendes praxisorientiertes Angebot im Rahmen des berufsorientierenden Unterrichts. In dieses Angebot fließen die langjährigen Erfahrungen mit dem Konzept der Unterstützten Beschäftigung und des damit verbundenen Angebots einer Arbeitsassistenz für Menschen mit Lernschwierigkeiten im Prozess beruflicher Integration ein.

Zielgruppe des Angebots sind SchülerInnen in der Abschlussstufe der Schule für Geistigbehinderte und IntegrationsschülerInnen in der 8. oder 9. Jahrgangsstufe, bei denen die zuständigen LehrerInnen und SozialpädagogInnen eine Auseinandersetzung insbesondere mit den Anforderungen des allgemeinen Arbeitsmarktes fördern möchten. Zum Zeitpunkt des Projektes sind die SchülerInnen je nach Schulbesuchsjahren zwischen 15 und 17 Jahren alt. Die Teilnahme am Projekt ist für die SchülerInnen freiwillig.

bEO zielt bei den SchülerInnen darauf ab,

  • die Auseinandersetzung mit eigenen Kompetenzen, Wünschen und Vorstellungen von der Arbeitswelt zu fördern,

  • den Austausch mit anderen SchülerInnen zu ermöglichen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen,

  • berufliche Alternativen zur Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) zu erkunden,

  • die SchülerInnen zu ermutigen - auch indem sie Beispiele für gelungene Integrationsverläufe kennen lernen,

  • betriebliche Praxis zu erleben und zu reflektieren,

  • die Berufswahlkompetenzen zu stärken und Ziele und nächste Schritte zu formulieren.

Mit Unterstützung der Aktion Mensch konnte bEO im Sommer 2004 mit einer Laufzeit von zwei Jahren starten. Die Hamburger Arbeitsassistenz kooperierte in diesem Modellprojekt mit drei Sonderschulen für Geistigbehinderte und sechs Gesamt-, Haupt- und Realschulen an denen Integrationsklassen geführt werden. Im Rahmen von bEO wurde diesen Schulen ein Angebot gemacht, in dem die SchülerInnen folgende Sequenz durchlaufen, die im Projektverlauf mehrmals erprobt und weiterentwickelt wird: eine Vorbereitungsphase, eine Projektwoche, Betriebserkundungen sowie ein dreiwöchiges Betriebspraktikum.

Darstellung einer bEO - Sequenz

Jeweils 8-10 SchülerInnen durchlaufen gemeinsam eine Sequenz. An den Sonderschulen wurden SchülerInnen aus der Abschlussstufe einer Schule zu einer Gruppe zusammen gefasst, die IntegrationsschülerInnen wiederum kamen von den genannten unterschiedlichen Schulstandorten, um im Projekt bEO zusammen zu lernen und zu arbeiten.

Vorbereitungsphase

In der Vorbereitungsphase nehmen die ProjektmitarbeiterInnen Kontakt mit den zuständigen LehrerInnen und SozialpädagogInnen auf, lernen die SchülerInnen kennen, hospitieren im Unterricht und bekommen so Informationen über Vorerfahrungen, Interessen, Neigungen, hilfreiche Lernbedingungen, den besonderen Unterstützungsbedarf usw. Nachfolgend findet für die SchülerInnen ein Vorbereitungstreffen statt, in dem noch einmal detaillierter über den Projektverlauf informiert wird und sich die SchülerInnen näher kennen lernen.

In der Vorbereitungsphase werden ebenfalls die Eltern im Rahmen von Informationsveranstaltungen oder auch Einzelgesprächen über das Projekt informiert. Es wird auch vereinbart, wie sich der Kontakt im Projektverlauf gestalten soll. Die Zusammenarbeit mit den Eltern findet dabei in enger Absprache und Kooperation mit den zuständigen LehrerInnen statt. Bei Bedarf wird hier auch über Angebote berufsvorbereitender oder berufsbildender Maßnahmen in Hamburg informiert. Den Eltern wird aber auch deutlich gemacht, dass bEO ein Element im beruflichen Orientierungsprozess der SchülerInnen darstellt, die Berufsberatung der Agentur für Arbeit aber die Entscheidung über die Zuweisung in berufsbildende Maßnahmen trifft.

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit den Eltern zeigt sich, dass es sehr wichtig ist, Befürchtungen und Unsicherheiten ernst zu nehmen, die in unterschiedlichen Bereichen existieren. Eltern haben häufig Ängste, ihre Kinder "loszulassen", beispielsweise auch hinsichtlich der geplanten Praktika in die neue Umgebung eines Betriebes an bisher unbekannte Orte. Hier gilt es einerseits, die Eltern zu ermutigen, ihren Kindern neue Erfahrungsspielräume zu ermöglichen und andererseits Sicherheit zu vermitteln und zu verdeutlichen, dass die SchülerInnen während der Praktika in den Betrieben intensiv begleitet und unterstützt werden.

Ernst zu nehmen ist ebenfalls die Angst vor Enttäuschungen, falls sich für die SchülerInnen in der Zukunft doch keine Perspektiven auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ergeben. Hier ist es wichtig, die Angebotsstruktur vor Ort auch realistisch einzuschätzen und zu benennen, keine falschen Hoffnungen zu wecken und dennoch Eltern darin zu stärken, ihren Kindern und sich selber Möglichkeiten zu erschließen, unterschiedliche Alternativen zu prüfen.

Projektwoche

Im Rahmen der Projektwoche setzen sich die SchülerInnen mit folgenden Fragen auseinander, die sie in einem persönlichen "Umrissbild" und ihrem bEO-Ordner dokumentieren:

  • Welche Berufe begegnen mir in meinem Alltag? Was kenne ich schon?

  • Welche Erfahrungen in Bezug auf Arbeit habe ich schon gemacht? Wie bewerte ich diese?

  • Was ist mir in meinem Alltag wichtig? Was mache ich in meiner Freizeit?

  • Was kann ich gut, was mache ich gerne? Wo sehe ich meine Fähigkeiten und Stärken?

  • Was ist mir in meinem Leben wichtig? Welche Träume habe ich für meine Zukunft?

Abb 1: Eine Teilnehmerin stellt ihr persönliches "Umrissbild" zu ihren Fähigkeiten, Stärken und Träumen vor, das sie in der Projektwoche erstellt hat.

Die Reflexion dieser und ähnlicher Fragen ist zunächst eine wesentliche Voraussetzung für einen Gewinn bringenden Prozess beruflicher Orientierung.

Im weiteren Verlauf der Projektwoche werden den SchülerInnen dann die Arbeitsbereiche näher gebracht, in denen - so zeigt die langjährige Erfahrung der Hamburger Arbeitsassistenz - auch reale Möglichkeiten für die berufliche Integration auf den allgemeinen Arbeitsmarkt bestehen. Das sind für diesen Personenkreis in der Regel Helfertätigkeiten, beispielsweise in der Gastronomie, als Stationshilfe im Altenheim, als Zimmerservice im Hotel, im Regalservice im Einzelhandel, im Bereich Lager und Verpackung, im Garten- und Landschaftsbau, als Betriebshelfer oder als Helfer auf der Tankstelle. Diese und ähnliche Arbeitsfelder werden vorgestellt und die SchülerInnen erarbeiten sich interessensgeleitet erste Vorstellungen über die unterschiedlichen Tätigkeiten und Anforderungen, die in diesen Bereichen gestellt werden.

Zum Ende der Projektwoche hin entwickeln die SchülerInnen Wünsche, welche Betriebe sie im Rahmen der Betriebsbesuche kennen lernen möchten und auch schon erste Ideen, in welchem Arbeitsbereich ihr Praktikum stattfinden könnte. In dieser Phase geht es also darum, auf der Grundlage der Einschätzung eigener Stärken und Fähigkeiten und erster Vorstellungen über die Anforderungen, die in bestimmten Berufsfeldern gestellt werden, Hypothesen zu entwickeln zu den Fragen:

  • Was interessiert mich und macht mich neugierig?

  • Welche Arbeitsbereiche kommen für mich in Frage? Was könnte zu mir passen?

Hier ist auch der Austausch mit den LehrerInnen von besonderer Bedeutung, damit deren Einschätzung in die weiteren Planungen mit den SchülerInnen einfließen kann.

Im Verlauf der Projektwoche kommen eine Vielzahl methodischer Angebote zum Einsatz: moderierte Gruppengespräche, Rollenspiele, Übungen zur Selbstreflexion, Kleingruppen- und Partnerarbeit und auch kreative und spielerische Angebote. In der Projektwoche werden ebenfalls Elemente aus dem Konzept der Persönlichen Zukunftsplanung eingesetzt und weiter entwickelt. Wichtig ist, dass die Auseinandersetzung mit der Thematik abwechslungsreich ist, viele Sinne anspricht und auch Spaß macht.

Betriebserkundungen

Orientiert an den Interessen der SchülerInnen werden in dieser Phase des Projektes 3-4 Betriebe besucht. In den Betriebserkundungen besteht für die SchülerInnen die Möglichkeit, unterschiedliche Arbeitsbereiche kennen zu lernen und ArbeitgeberInnen und Vorgesetzte zu interviewen. Besonders interessant ist aber für die SchülerInnen, dass sie auch ArbeitnehmerInnen mit Lernschwierigkeiten befragen können, die von der Hamburger Arbeitsassistenz in diesen Betrieben im Prozess der beruflichen Integration unterstützt werden oder wurden und jetzt in einem regulären Beschäftigungsverhältnis stehen.

In der Auswertung der Betriebsbesuche wird mit den SchülerInnen reflektiert und dokumentiert, was sie über die einzelnen Arbeitsbereiche erfahren haben und wie sie diese Einblicke in betriebliche Realitäten jeweils bewerten. Weiterhin werden jetzt die Vorstellungen für mögliche Praktikumsplätze überprüft und ggf. neue Interessen und Ideen formuliert, die dann in den folgenden Wochen konkretisiert werden.

Dreiwöchiges Betriebspraktikum

Die Hamburger Arbeitsassistenz kann aufgrund ihrer Kontakte und ihres Unterstützungsangebotes auf eine große Zahl an Betrieben zurückgreifen, die bereit sind, Praktikumsplätze für SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten zur Verfügung zu stellen. Durch die bestehende z.T. langjährige Kooperation mit den Betrieben ist so in der Regel gewährleistet, dass Vorgesetzte und betriebliche KollegInnen mit dem Personenkreis vertraut sind. Für das bEO-Projekt wurden darüber hinaus auch einige neue Praktikumsbetriebe akquiriert.

So besteht im Projekt bEO die Möglichkeit, für alle SchülerInnen individuell geeignete Praktikumsplätze nach folgenden Kriterien anzubieten: Branche und Arbeitsbereich, Erprobungsspielräume, die der Betrieb bietet, Betriebsgröße, soziales Umfeld und betriebliche Kultur, Anfahrtswege u.a. Hinsichtlich der Auswahl und Entscheidung für einen Praktikumsplatz muss also im Dialog mit den SchülerInnen ein Abgleich erfolgen zwischen den Wünschen und Vorstellungen der SchülerInnen und der Einschätzung der ProjektmitarbeiterInnen hinsichtlich geeigneter Betriebe, Rahmenbedingungen und Anforderungen.

Abb 2: Eine Praktikantin und ihre Arbeitsassistentin beim Komissionieren in einem Lager

Grundsätzlich ist hier zu betonen, dass Betriebspraktika einen besonderen Stellenwert im Rahmen beruflicher Orientierung haben. Sie bieten die Realbegegnung mit der betrieblichen Arbeitswelt und damit die Möglichkeit, Einblicke in bestimmte Arbeitsbereiche und -abläufe und das soziale Gefüge eines Betriebes und die dort herrschenden Umgangsformen und Spielregeln zu gewinnen. Praktika bieten darüber hinaus die Chance, durch praktische und konkrete Erfahrung zu lernen, was insbesondere bei dem Personenkreis der SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten eine wesentliche Rolle spielt, weil für sie besonders Lernformen geeignet erscheinen, die eine handelnde Auseinandersetzung mit konkreten Situationen und Sachverhalten ermöglichen.

Einerseits sind Praktika damit ein wesentliches Element beruflicher Orientierung, weil nur so die Möglichkeit besteht, die theoretisch entwickelten Hypothesen, welcher Arbeitsbereich einem denn liegt und den eigenen Fähigkeiten und Interessen entspricht, zu überprüfen. Andererseits stellen jedoch Praktika auf dem ersten Arbeitsmarkt insbesondere für SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten eine besondere Herausforderung dar.

So zeigen die Erfahrungen, dass sie häufig zunächst ganz praktische Probleme mit der räumlichen und zeitlichen Orientierung haben und oft nicht wissen, wie sie KollegInnen und Vorgesetzten begegnen sollen. So erschließen sich beispielsweise die betrieblichen Umgangsformen und Spielregeln nicht zwangsläufig, sie unterscheiden sich deutlich von denen der Schule, müssen aber erst erkannt und auch umgesetzt werden.

Darüber hinaus gilt es, Arbeitsaufträge und Anweisungen zu verstehen, den Mut zu entwickeln nachzufragen, wenn etwas unklar ist, Standards und Vorgaben für bestimmte Arbeitsprozesse zu verstehen und umzusetzen und eigene Fehler zu erkennen und auch zu korrigieren. Für viele SchülerInnen erscheint denn auch der erste Tag in einem Betrieb wie die Landung auf einem neuen Planeten, auf dem man sich in jeder Hinsicht (Sprache, Regeln, Verhaltensweisen usw.) neu orientieren muss.

Macht man sich diese Situation und die damit verbundenen Anforderungen an die SchülerInnen bewusst, so wird deutlich, dass die konkrete Unterstützung und Begleitung vor Ort hier das geeignete und notwendige Angebot darstellt.

Im Projekt bEO ist diese Form der Unterstützung gewährleistet. Die SchülerInnen werden in ihrem Praktikum von MitarbeiterInnen der Hamburger Arbeitsassistenz, den sog. Arbeitsassistenten begleitet, in dem Maß, in dem diese Unterstützung vor Ort notwendig ist. Dabei variieren Umfang und Dauer. In den Praktika wird angestrebt, dass die Unterstützung im Laufe des Praktikums reduziert werden kann, indem geeignete Tätigkeitsbereiche erschlossen, betriebliche Unterstützung gewonnen und so eine Verselbstständigung der SchülerInnen in bestimmten Umfang möglich wird.

Der Praktikumsverlauf wird mit den SchülerInnen sowohl im Prozess in Form von Tagesrückblicken und Gesprächen reflektiert als auch abschließend in einer ausführlichen Auswertung, in die auch die Rückmeldungen von betrieblichen KollegInnen und Vorgesetzten einfließen.

Auch mit den Eltern findet nach dem Praktikum ein Austausch statt. Häufig müssen sich Eltern noch einmal verstärkt mit der Behinderung ihres Kindes auseinander setzen, wenn sie mit den konkreten Anforderungen konfrontiert sind, die die Betriebe stellen. Hier besteht der Bedarf, erneut auf der Basis der vorliegenden Erfahrungen die jeweiligen Möglichkeiten und Grenzen beruflicher Integration zu reflektieren und mögliche nächste Schritte zu erörtern.

Methodisch - didaktische Materialien

Für alle Phasen dieser hier skizzierten Sequenz wurden neue Methoden (Rollenspiele, Übungen, kreative Angebote) und auch eine Vielzahl neuer Arbeitsmaterialien entwickelt, die ansprechend und umfassend illustriert sind, so dass sie auch für SchülerInnen mit stark eingeschränkten Schriftsprachkenntnissen gut geeignet sind. Das Material wird Anfang 2007 veröffentlicht.

Komplexe Themen werden hier so "heruntergebrochen", dass sie auch für SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten zu bearbeiten sind. Im Verlauf des Projektes erstellen die SchülerInnen einen "bEO-Ordner", der diese Arbeitsblätter und weitere Informationen z.B. über die Praktikumsbetriebe enthält und die Idee des Berufswahlpasses aufgreift.

Diese Form der Dokumentation ist ein wesentliches Element des Projektes, da so Themen, Inhalte und Prozesse für die SchülerInnen deutlich werden. Zudem verbessern sich so ihre Möglichkeiten, sich auszutauschen und anderen - z.B. MitschülerInnen oder Eltern - über die Erfahrungen im Projekt zu berichten. Diese Form der Dokumentation ist aber auch für die LehrerInnen hilfreich, weil so Entwicklungen und Bedürfnisse transparenter werden und weitere Angebote beruflicher Orientierung darauf abgestimmt werden können.

Abb 3: Ausschnitt aus den Materialien zur Praktikumsreflexion

Lehrerfortbildung

Im Rahmen von bEO werden von der Hamburger Arbeitsassistenz in Kooperation mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Fortbildungen angeboten zu den Themenbereichen "Persönliche Zukunftsplanung und individuelle Berufsfindungsprozesse", "Akquisition von Praktikumsplätzen" und "Unterstützung, Begleitung und Auswertung von Schulpraktika".

Erfahrungen und Ergebnisse

Im Rahmen des Projektes wurden fünf Sequenzen in dieser Form durchgeführt. Aufgrund der Ergebnisse sowohl der Auswertungsgespräche als auch der standardisierten schriftlichen Befragungen von TeilnehmerInnen und LehrerInnen kann festgehalten werden, dass das Angebot "bEO" von SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern sehr begrüßt und positiv bewertet wird. Darüber hinaus liegen schon mehrere Anfragen anderer Schulen in Hamburg vor.

In der Auswertung benennen alle Beteiligten zunächst die Inhalte und die Form der Auseinandersetzung mit der Thematik in der Projektwoche als geeignetes und grundlegendes Element beruflicher Orientierung. Weiterhin wird bestätigt, dass die SchülerInnen durch die Betriebserkundungen und insbesondere die Praktika an betriebliche Realitäten herangeführt werden, die Erprobungsmöglichkeiten für sich gut nutzen konnten und trotz besonderer Herausforderungen und z.T. auftretender Schwierigkeiten gerne wieder ein Praktikum machen möchten, um ihre Erfahrungsgrundlage zu erweitern.

Es wird als sinnvoll betrachtet, sowohl Praktika in der WfbM, als auch in dieser Form auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt anzubieten, um den SchülerInnen Vergleiche und eine realistische Einschätzung von unterschiedlichen Anforderungen zu ermöglichen. Deutlich wird formuliert, dass das Angebot intensiver und qualifizierter Begleitung im Betrieb (Job Coaching) ein wesentliches Qualitätsmerkmal des Projektes darstellt, ein entsprechender Bedarf wird von allen Beteiligten betont.

Für die meisten SchülerInnen hat die Teilnahme im Projekt Erfolgeserlebnisse geschaffen, die ihnen Anerkennung eingebracht und ihr Selbstvertrauen gestärkt hat. So wurde beispielsweise einem Schüler, der sein Praktikum als Helfer auf der Tankstelle absolvierte, angeboten, zukünftig auch ab und zu am Wochenende auszuhelfen und so mit einem "Schülerjob" schon Geld zu verdienen.

Wesentlich ist, dass die SchülerInnen im Projektverlauf kompetenter in ihrer Selbsteinschätzung wurden, Möglichkeiten, aber auch Grenzen klarer reflektiert haben und sich der Frage ihrer beruflichen Zukunft aktiver und bewusster stellen konnten. Dies ist hilfreich auch für die Gespräche mit der Berufsberatung, die schon jetzt in einigen Fällen die erarbeitete Dokumentation in die Beratung mit einbezieht.

Zur Zeit beginnen die ersten SchulabgängerInnen, die am bEO-Projekt teilgenommen und sich mit Perspektiven auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auseinander gesetzt haben, ihre betriebliche Berufsbildung bei der Hamburger Arbeitsassistenz auf der Grundlage des Persönlichen Budgets.

Für eine angemessene Beratung und Unterstützung für SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten zur Berufsorientierung sind folgende Eckpunkte festzuhalten:

  • Eine berufsorientierende Beratung sollte Prozesscharakter haben und kein einmaliges Angebot sein, dieser Prozess sollte frühzeitig beginnen.

  • Konkrete Praxiserfahrungen, die gut vorbereitet, begleitet und ausgewertet werden, müssen ein zentrales Element beruflicher Orientierung sein.

  • Eltern müssen in diesem Prozess einbezogen und angemessen beraten und unterstützt werden.

  • LehrerInnen brauchen Angebote, um sich die hierfür erforderlichen Kompetenzen anzueignen.

  • Eine verbesserte Vernetzung aller relevanten Akteure kann perspektivisch das Übergangsmanagement für die SchülerInnen verbessern.

Ausblick und Perspektiven

Das Projekt bEO hat als Modellprojekt die Möglichkeiten geboten, das entwickelte Konzept mehrmals zu erproben und weiter zu entwickeln. Unter verschiedenen Aspekten wäre eine konzeptionelle Weiterentwicklung des Angebotes denkbar, beispielsweise ein gestaffeltes Angebot über einen längeren Zeitraum als auch die Gestaltung einer noch intensiveren Zusammenarbeit mit den Eltern.

Darüber hinaus würde insbesondere eine stärkere Einbeziehung der LehrerInnen in alle Phasen einer Sequenz, d.h. sowohl in die Gestaltung der Projektwoche und der Betriebserkundungen als auch insbesondere in die konkrete Begleitung der betrieblichen Praktika Möglichkeiten der LehrerInnenfortbildung bieten, die über eine theoretische Auseinandersetzung mit der Thematik weit hinausgehen. Dies würde auch ein verändertes Rollenverständnis und die Entwicklung neuer Kompetenzen ermöglichen, die angesichts der geforderten Öffnung von Schule und eines veränderten Auftrags von LehrerInnen Chancen eröffnen, zukünftig die berufliche Orientierung für SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten noch gewinnbringender und praxisnäher zu gestalten.

Da bEO als Modellprojekt nur befristet bis Juni 2006 von der Aktion Mensch finanziert wurde, der Bedarf eines derartigen Angebotes aber von allen Beteiligten betont wird und großes Interesse der Schulen an einer Kooperation mit der Hamburger Arbeitsassistenz in dieser Form besteht, wird zur Zeit nach unterschiedlichen Möglichkeiten der Finanzierung einer Fortführung und Weiterentwicklung von bEO gesucht.

Kontakt

Andrea Klüssendorf - Hamburger Arbeitsassistenz - Projkt "bEO"

Schulterblatt 36, 20357 Hamburg

Tel. 040/431339-0; Fax. -22

beo@hamburger-arbeitsassistenz.de

www.hamburger-arbeitsassistenz.de

Hinweis:

Der Artikel ist in Anlehnung an eine Buchveröffentlichung verfasst worden: Heike Schnoor (Hrsg.): Psychosoziale Beratung in der Sozial- und Rehabilitationspädagogik (Stuttgart 2006, S. 175ff.)

Ankündigung:

Anfang 2007 erscheint die Veröffentlichung zum Projekt bEO, d.h. die Projektdarstellung, Beschreibung aller methodischen Angebote und auf einer beiliegenden CD-Rom ca. 60 graphisch gestaltete Arbeitsblätter und ein Verzeichnis mit ca. 250 Illustrationen mit der Möglichkeit, bedarfsgerecht neue Materialien zum Thema Berufsorientierung zu erstellen.

Quelle:

Andrea Klüssendorf: bEO - berufliche Erfahrung und Orientierung für SchülerInnen aus Sonderschulen und Integrationsklassen. Ein Projekt der Hamburger Arbeitsassistenz

erschienen in: impulse Nr. 40, April 2006, Seite 19 - 22.

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 16.04.2008

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