Lebensgeschichten verstehen lernen heißt, sich selbst und andere verstehen lernen

Über Biographiearbeit, traumatische Belastungen und Neuorientierung

Themenbereiche: Theoretische Grundlagen
Textsorte: Zeitschrift
Releaseinfo: Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft Nr. 6/99. Thema: Sich erinnern. Der Vortrag wurde gehalten im Rahmen der Fachtagung: "Lebensgeschichten. Die biographische Perspektive in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung". Fachschule für Sozialpädagogik der Johannes-Anstalten Mosbach, 17. - 18. März 1999. Er wurde für die Veröffentlichung sprachlich leicht bearbeitet und mit Anmerkungen versehen, behält jedoch den Charakter vorgetragener Rede. Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft (6/1999)
Copyright: © Hilarion G. Petzold 1999

Lebensgeschichten verstehen lernen heißt, sich selbst und andere verstehen lernen

Die "Psychologie der Lebensspanne" [1] ist eine relativ neue Disziplin, die etwa 20 Jahre alt ist und versucht, den menschlichen Lebenslauf insgesamt zu betrachten. Dafür sind spezifische Forschungsinstrumente entwickelt worden[2]. Man untersucht praktisch auf zwei Ebenen, nämlich einmal, indem man eine Jahrgangsgruppe von Babys von der Geburt an beobachtet, immer wieder und immer weiter[3]. Erste Studien begannen in der Mitte der 50er Jahre, so dass wir heute schon Erwachsene haben, deren Lebenslauf wir ganz gut verfolgen können. Da Wissenschaftler aber nicht so lange warten wollen, haben sie ebenfalls angefangen, Menschen im mittleren Lebensalter longitudinal zu untersuchen. Da hat Deutschland eine ganz führende Stellung durch die "Bonner gerontologische Längsschnittstudie" [4], die auch in den 50er Jahren begonnen wurde und wo die letzten Teilnehmenden noch jetzt untersucht werden.

Aus dem Zusammenführen solcher Longitudinal-Studien, die in der Kindheit, oder die im Erwachsenenleben begonnen haben, bekommen wir einen relativ guten Überblick über die Entwicklung von Menschen im Lebensverlauf, wobei sehr deutlich wird, dass die Entwicklung natürlich nicht mit dem Jugendalter und dem jungen Erwachsenenalter aufhört, sondern dass es eine lebenslange Entwicklung ist, die im Erwachsenenalter besondere Spezifika hat und natürlich auch im Alter, ja bis ins hohe Senium, bis in die Sterbephase hinein, Entwicklungspotentiale hat, Entwicklungschancen und Entwicklungsrisiken, Themen, mit denen sich die "klinische Entwicklungspsychologie" befaßt[5].

Wenn man auf solche Untersuchungen schaut, werden insgesamt drei Perspektiven wesentlich: nämlich einmal der Blick auf die Risikofaktoren, das ist ein ganz wichtiger Blick. Er führt aber zu einer einseitigen, pathologisierenden Sicht. Die Pathogenesetheorie schaut den Menschen im Hinblick auf seine Krankheiten an, auf seine Entwicklungsrisiken, seine Beschädigungen und auf seine Defizite. Dabei müssen wir Störungen, Traumatisierungen, Konflikte von Defiziten unterscheiden[6]. Störungen oder Traumatisierungen können über das ganze Leben hin eintreten. Auch defizitäre Erfahrungen können durch das ganze Leben eintreten, aber es sei gleich gesagt, die Defizite, die sind das eigentlich Schlimme, denn sie sind oft schwer zu kompensieren.

Traumatisierungen dagegen gehören zum menschlichen Leben. Wir sind von der Evolutionsbiologie dazu ausgestattet, Traumatisierungen[7] nicht nur zu überleben, sondern auch, sie zu "verdauen" und damit umzugehen, sie in unser Selbstkonzept und in unsere Persönlichkeit zu integrieren. Sonst hätten wir die Evolution nicht überlebt. Unsere ganze Sozialgeschichte, die ja eine Geschichte von Kriegen, Pogromen und schlimmen Situationen, Nöten, Hungersnöten, Katastrophen ist, hätten wir nicht überlebt, wenn wir nicht entsprechend ausgerüstet worden wären, auch Traumata zu überwinden. Eine relativ kleine Gruppe von Menschen erleidet durch Traumatisierung, vor allen Dingen Polytraumatisierungen, schwere Schädigungen, die sogenannten posttraumatischen Stresssyndrome. Die Prävalenz liegt zwischen 8 und 15 %, d.h., 8 bis 15 % von den betroffenen Menschen werden mit diesen schweren Traumatisierungen nicht fertig, das ist natürlich noch viel zu viel. Wobei wir bei den 15 % - also im oberen Grenzbereich - vor allem Menschen finden, die von durch Menschenhand verursachte Katastrophen (man made desasters) betroffen sind, die anderen eher durch Naturkatastrophen oder Unfälle[8].

Ich weise darauf hin, weil hier für das Thema "Lebensgeschichten" eine äußerst problematische Seite liegt, nämlich die Möglichkeit, besonders ältere Menschen durch die lebensgeschichtliche Arbeit zu retraumatisieren.

Neben diesem Blick auf das Traumatische, auf das Belastende, auf die Defizite - also auf die Pathogenese insgesamt - haben wir noch eine andere Sichtweise: das ist der Blick auf die Salutogenese[9], also auf das Entstehen von gesundem Verhalten. Hier wird die medizinalisierte Optik deutlich überschritten und es wird darauf geschaut, was denn für den Menschen nährend und heilsam war. Wo waren neben den Risikofaktoren Schutzfaktoren, protektive Faktoren[10] am Werk?. Denn Sie können sich vorstellen, wenn Menschen ein schlimmes Ereignis in der Lebensgeschichte hatten oder haben und dann sind schützende Personen da, Hilfsagenturen, dann wird das besser verarbeitet, als wenn die Menschen ohne Schutz und Hilfe sind. (Ich bin vor drei Tagen zurückgekommen aus dem Kosovo - ich war da acht Tage. Ich bin dort schon seit fünf Jahren tätig, seit den Anfängen des Krieges im ehemaligen Jugoslawien, in Projekten der Traumahilfe, der Traumaverarbeitung. Auch im Rahmen einiger Projekte von jugoslawischen Kolleginnen und Kollegen, die bei mir promovieren, kommt das Thema "katastrophale Lebensgeschichte" sehr deutlich auf, auch das Nicht-über-Lebensgeschichten-Redenwollen. Diese Leute haben ein Recht darauf, über Grauenhaftes zu schweigen und es ist sehr wichtig, dass man es ihnen läßt: nicht über ihre Lebensgeschichte jetzt zu reden. Man sieht auch, wie vielfältig die Formen des Umgangs mit Vergangenheitserlebnissen sind und wie wichtig es für Menschen ist, nicht nur auf die Risikosituation, die Katastrophensituation zu blicken, sondern zu sehen, was es in meiner Situation an Heilsamem, z.B. an Solidaritätserfahrungen oder Erfahrungen wechselseitiger Hilfeleistung, gibt[11]. Interessant war für mich, Kinder in Bosnien zu beobachten, die auf Friedhöfen spielen. Sie können da unbefangen spielen und konstituieren dabei für sich offenbar heilende Welten, eine Lebenserfahrung, von denen Erwachsene angesteckt werden können. Es geht darum, das Schlimme zu integrieren, in die eigene Erlebenswelt hereinzunehmen, so dass man nicht nur einseitig im Bereich der Katastrophen lebt, sondern auch sieht - und das ist sehr deutlich im ehemaligen Jugoslawien -, dass Menschen in sozialen Netzwerken als "Weggeleit" (convoy) überleben können[12], wenn sie Solidarität[13] generieren. Dazu gehört auch, dass diese Netzwerke "Erzählgemeinschaften" werden - Gesprächs- und Erzählgemeinschaften[14].

Es geht aber nicht nur darum, Solidarität zu generieren, sondern aktiv an die Gestaltung der eigenen Situation zu gehen - d.h., die Menschen müssen herausgenommen werden aus der Opferrolle, aus der Hilflosigkeitsrolle, hinein in den Raum einer aktiven Gestaltung, so dass der "Ort der Kontrolle" nicht nur aussen liegt. (Ist der "locus of control", das ist ein wichtiges sozialpsychologisches Konzept[15], external, also von den Betroffenen nicht zu beeinflussen, so kann "erlernte Hilflosigkeit" [16] entstehen.) Der "Ort der Kontrolle" sollte deshalb bei den Handelnden, bei den Menschen selbst liegen.

Zumindest muss man das versuchen, denn wir sehen aus der Forschung deutlich, dass neben der traumatischen Situation noch etwas anderes wichtig ist, was die Lebensgeschichte prägt, nämlich ob man der traumatischen Situation hilflos ausgeliefert ist oder ob man noch agieren kann. Soldaten z.B., die im Unterstand sind, beschossen werden und im Trommelfeuer nichts tun können, sind wesentlich traumagefährdeter, als welche, die - man muss es so hart sagen - im Bajonettkampf kämpfen können. Schwestern, die im Frontlazarett die zerrissenen Menschen versorgen mußten, sind wesentlich traumagefährdeter, als welche, die aktiv im Frontbereich tätig waren. Ohnmacht plus Trauma ist eine ganz schlimme Sache in Lebensgeschichten und Ohnmacht ohne einen stützenden, helfenden Menschen oder eine Gruppe stützender, helfender Menschen wird als besonders schlimm erfahren. Das heißt also, wir brauchen, wenn wir Gesundheit generieren wollen, protektive Menschen. Der wichtigste Schutzfaktor für Menschen ist ein bedeutsamer, sorgender Anderer, bei Kindern ist dies ein "significant caring adult", also ein umsorgender Erwachsener[17]. Die Erwachsenen dagegen brauchen sich selber - also andere Erwachsene - als bedeutsame Andere und die alten Menschen brauchen möglichst valide junge Menschen als bedeutsame Andere. Obwohl sie auch füreinander Helfer und "caring others" sein können, müssen wir immer eine Intergenerations-Perspektive haben.

Ich hatte mir überlegt, wie ich diesen Vortrag aufbaue und ich dachte, es ist vielleicht ganz wichtig, bevor man in generationshistorische Fragen hineingeht, einmal zu überlegen: Was sind die Grundlagen dafür, dass mit Lebensgeschichten gearbeitet werden soll oder nicht gearbeitet werden soll?

In die Biographiearbeit hineingekommen bin ich 1964, während meines Studiums in Paris. Ich habe in einem Altenheim gearbeitet, habe 1965 das erste Mal über Arbeit mit Lebensgeschichten geschrieben[18]. Ich bin zu dieser Arbeit gekommen, weil ich erzählende alte Menschen im russischen Altersheim in Villemoisson gesehen habe[19]. Die saßen da - die Validen noch ein bißchen draussen auf der Bank - und haben miteinander erzählt, wie es so war damals, im alten Rußland. (Meine Familie kommt aus diesem Bereich.) Andere saßen in ihren Sesseln oder lagen auf ihren Betten, waren ganz zurückgezogen und introvertiert. Wenn man sie dann ansprach, bekam man oft erzählt, wo sie gerade waren: Sie waren in einem "dwelling on the past" [20], in vergangenen "Gedanken-Räumen", sie waren in der Erinnerung. Je älter der Mensch wird, je kürzer der Lebenshorizont wird, desto mehr muss er die Generierung von Lebenssinn aus der Reflexion der Vergangenheit entwickeln[21], besonders dann, wenn die Möglichkeit der Teilhabe am Leben eingeschränkt ist, wie das für viele alte Menschen der Fall ist und wie man es auch bei vielen "behinderten" Menschen findet.

Dieses "dwelling on the past", also das Wiederkehren insbesondere der frühen Kindheit, hat eine neurophysiologische Grundlage: das Kurzzeitgedächtnis nimmt im Alter in seiner Aktivität, in seiner Fähigkeit zu speichern, ab. Damit können die Inhalte des Langzeitspeichers in den Vordergrund kommen. Es kann nun sein, dass diesen Menschen, die zwei Weltkriege oder drei Kriege durchgemacht haben (oder womöglich vier Kriege, wie jetzt die Leute im vierten Balkankrieg), sehr viele böse Geschichten aufkommen[22]. Meistens puffert unsere Biologie das aber auch ein bißchen ab, vor allem, wenn diese Menschen insgesamt kräftig sind und ein gutes Erwachsenenleben durchlaufen hatten. Gar nicht so wichtig ist die frühe Kindheit, die wird allgemein überschätzt, (unter dem Schatten der Psychoanalyse, die diese Ereignisse überbewertet)[23]. Wenn wir ein erfolgreiches Erwachsenenleben haben, dann gibt es auch die Chance auf ein erfolgreiches Altern. Aber wenn eine Kette von Schädigungen vorliegt, Ketten von feindseligen Erlebnissen bei Abwesenheit von protektiven Erfahrungen, dann kann es sein, dass diese alten Menschen in dem Wiederaufkommen der alten Geschichten sehr stark belastet werden. Sie entwickeln dann z.B. Dunkel-Ängste. Und diese Dunkel-Ängste sind z.T.das Aufkommen von frühen Ängsten aus Kinderzeiten, ein Aufkommen von Ängsten aus Bombennächten oder von der Flucht. Das darf man nicht unterschätzen. Und je geringer die Integrationsfähigkeit des zerfallenden Gehirns ist, desto schwerwiegender werden die Angstzustände und Depressionen oder es kommt sogar zu psychosomatischen Reaktionen. Wir sprechen da von einer protrahierten Traumatisierung. Die traumatischen Ergeinisse damals, in der Kriegszeit, wurden von den jungen Erwachsenen noch gut verarbeitet. Aber wenn bei schwachen und kranken alten Menschen die Identität abnimmt und das Ich schwächer wird, die Selbstregulationskräfte abnehmen, die neuronalen Kapazitäten des Gehirns nicht mehr so stark sind, auch das Immunsystem schwächer wird, da kommen diese Dinge mit dem Altgedächtnis hoch und können jetzt nicht mehr so abgepuffert werden wie bei validen alten Menschen - für diese steht die "goldene Jugendzeit" im Vordergrund. ("Schön war die Jugendzeit, sie kommt nicht mehr." Aber schön war sie!)

Wenn diese Tendenz, in der Erinnerung auch das Schlimme vergolden zu können, bei geschwächten alten Menschen nicht da ist, dann heißt das: hier müßten wir für die Arbeit mit Lebensgeschichten äußerst vorsichtig sein. Ich habe da sehr Schlimmes gesehen und in meiner Naivität bis in Mitte der 70er Jahre, als ich die neurowissenschaftliche Sicht noch nicht rezipiert hatte, da habe ich - das muss ich leider sagen - auch Fehler gemacht, mit Erzählprojekten, die hier nicht differenziert genug waren.

Diese Sache mit der "biographischen Arbeit" und mit dem "Erzählen von Lebensgeschichten" [24] ist ja in den letzten Jahren in die Mode gekommen, und immer, wenn etwas in die Mode kommt, muss man sich fragen: "Was steht denn dahinter?" Und wenn etwas in die Mode kommt, etwa im Behindertenbereich, oder in der Gerontopsychiatrie, im gerontologischen Bereich, muß man sich fragen: "Wieso ist das denn so?" Geht es hier nicht eher um die Not der Helfer, die ihre eigene Geschichte und ihre Geschichte mit Behinderung in den Griff bekommen wollen, die ihre eigene Identitätsprozesse über Biographiearbeit stabilisieren wollen in einer Zeit, wo es um die Identität der Helfer schlecht bestellt ist? Es geht mir hier nicht um die "hilflosen Helfer" [25] - ich halte das für ein Märchen - die Helfer sind in der Regel sehr valide und sehr, sehr kräftig und sehr effektiv, auch wenn sie in Krisen kommen können[26]. Also das ist nicht der Punkt. Aber die Helfer werden oft von aussen beschädigt - etwa durch Ressourcenverknappung: In dem Moment z.B., wo die Ressourcen massiv verknappt werden und ich einen schlechten Personalschlüssel bekomme und dann noch plötzlich "Kundenorientierung" machen soll[27]. Dabei können geistig Behinderte natürlich keine "Kunden" sein; ich halte das - soziologisch gesehen - für absoluten Unfug.

Ich arbeite nebenbei, das darf ich erwähnen, seit vielen Jahren in der Industrie. Dabei berate ich auch das Top-Management und habe z.B. das interne Weiterbildungssystem von Skoda aufgebaut. Ich kenne mich also im beratenden Bereich - mit Kundenberatung und Kundenkonzepten - aus. Sie müssen sich das einmal vorstellen: Jemand, der nicht geschäftsfähig ist und keine Kundensouveränität hat, kann kein Kunde sein, das geht nicht. Es ist dazu noch so, daß er die Leistungen nicht einmal selber bezahlt. Dies ist eine Sache zwischen Kostenträger bzw. Leistungsträger und der Einrichtung. Da ist keine Kundensouveränität möglich. Er kann auch nicht raus aus dem Altenheim oder der Behinderteneinrichtung und sagen: "Tschüß, ich such mir einen anderen Laden!" Wenn diese Menschen jetzt zu Kunden gemacht werden, dann ist dies eine Form von struktureller Gewalt, d.h. also, man weist ihnen eine Identität zu, die nicht stimmt. (Und genauso ist das mit den alten Leuten, die wollen ein "Heim", nicht in ein "Seniorenhotel".)

Auf der anderen Seite gilt dies auch für die Schwestern und Pfleger, die wollen keine Verkäufer sein, die eine schlecht definierbare Dienstleistung erbringen, sondern sie sind Pfleger und Betreuer. Sie haben ihre berufliche Identität nicht im Verkauf von Dingen. Daher stimmt dies auch nicht mit dem Gegenüber des "Kunden", das ist genauso falsch. Die "Verkäuferideologie" stimmt hinten und vorne nicht und ist letztlich ein Angriff auf die Identität der Sozialberufe; und das ist nur ein identitätsschmälerndes Moment.

Ein weiteres identitätsbedrohendes Moment für Helfer könnte die Bioethik sein, man müßte darüber intensiv diskutieren, denn bioethische Perspektiven sind keineswegs rundweg abzulehnen, weil der "Wert des Lebens" mit einem korrespondierenden Wert, nämlich der "Qualität des Lebens" in Ko-respondenz[28] gebracht werden muß. Hier gälte es zu spezifizieren, um im Gesetzesentwurf eine differenziertere Sicht zu erreichen, denn wahrscheinlich bekommt man dieses Gesetz nicht weg, mit 100 Menschenketten nicht. Sie haben dieses Thema nicht umsonst auf Ihrer Tagung so intensiv diskutiert, denn mögliche Angriffe auf die Integrität Ihrer Klienten und Schutzbefohlenen müssen immer auch als Angriffe und als biographische Einflüsse auf Ihre eigene Identität gesehen werden, genauso wie die Helfer und ihre Institutionen von der Stigmatisierung ihrer Klienten mit stigmatisiert werden[29]. Auch der Zeitgeist[30], makrosoziale Einflüsse, der Zusammenschluß Europas, die Globalisierung, das Faktum, daß wir am Ende des Jahrhunderts stehen, ja sogar am Ende des Jahrtausends, all das sind Dinge, die auf unsere Identität in den helfenden Berufen drücken, und das seit etwa 10 Jahren.

Seit 10 Jahren kommen nun auch diese biographieorientierten Themen auf, in der Forschung, aber zunehmend auch in der Praxis[31]. Das ist nur zum Teil zu begrüßen. Denn man muss metareflektieren, warum man jetzt ein solches Interesse an der Biographie hat, um dann nach Hintergrundmotivationen zu schauen. Unmittelbare Biographiearbeit mit hochdementen oder schwer geistig Behinderten ist ja praktisch nicht möglich, sondern es geschieht eine vikarielle[32] Biographiearbeit. Wir als Helfer vollziehen diese Arbeit mit diesen Menschen und für diese Menschen. Und wenn man das gut macht, bezieht man ihre Familien ein, denn die Betroffenen haben ja Geschichte mit ihren Familienmitgliedern. Ein Stückchen der Rekonstruktion der individuellen Geschichte muß auch immer - ich habe das auch auf ihrem Programm gesehen - Rekonstruktion der kollektiven Geschichte und ihrer Diskurse sein[33]. Es gibt immer ein kollektives Erinnern[34], das zeigt die Goldhagen-Debatte[35] und das Erscheinen der Bücher von Viktor Klemperer[36], und nicht zu vergessen das Erscheinen der Tagebücher von Göbbels[37], das alles sind Anstöße und Möglichkeiten zu einem "kollektiven Erinnern". Es hat offensichtlich 50 Jahre gebraucht, bis man bestimmte Sachen kollektiv erinnern konnte[38], obwohl das, was im Dritten Reich z.B. mit behinderten oder auch mit alten Menschen, Hochbetagten gemacht wurde, ja bekannt ist, seit langem bekannt[39]. Aber das alles ist nicht in die Identitätsarbeit[40] der Helfer herein gekommen und auch nicht in die Identitätsarbeit der Institutionen. Es braucht bei solchen "kollektiven Traumatisierungen" und den sich daran anschließenden kollektiven Verdrängungen offenbar eine lange Zeit, bis das zur Sprache kommen kann. Dies sind kusorische Überlegungen von mir zu der Frage, warum Sie jetzt eine solche Tagung machen oder warum ich vor vier Jahren in Graz eine der ersten Tagungen zu Biographiearbeit organisiert habe[41].

Das heißt also, wir müssen unsere Selbstbetroffenheit, unsere verdeckten Motive und unsere Involviertheit mit reflektieren, damit wir den betroffenen Menschen gerecht werden. Es gibt Bereiche der persönlichen Geschichte, die kann man nicht so einfach angehen und sagen: "Lass mich mal in Deine Lebensgeschichte blicken!" Das müssen wir erkennen und höchst individualisiert vorgehen.

Besonders zu berücksichtigen ist auch, wie das "dwelling on the past" bei alten Menschen oder wie die fragmentierte Memoration eines z.B. durch Unfall cerebral geschädigten Menschen funktioniert. Wir müssen zu erfassen suchen, wie die defizienten Memorationsprozesse bei einem langzeitig geistig behinderten Menschen ablaufen. Wir müssen also sehr differenziert schauen, denn Erinnerung ist nicht gleich Erinnerung.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich einmal klar zu machen, was denn eine "Lebensgeschichte" ist. Wir haben dabei zwei Komponenten: einmal die sog. "Biosodie" ("òdos", griech. Weg) als der lebendig vollzogene Lebensweg, und zum anderen die "Biographie", die im Gedächtnis aufgezeichnete, in ihm eingegrabene und niedergeschriebene (griech. "graphein") Lebensgeschichte[42]. Für Menschen beginnt ein Lebensweg "virtuell" mit dem Entschluss von Eltern, ein Kind zu zeugen, vielleicht noch etwas früher, nämlich mit der Tradition dieser Familie, zwei Kinder zu haben oder sieben. Wir haben also auch eine Mehrgenerationen-Familien-Perspektive - gegebenenfalls auch eine kulturelle Perspektive -, soziohistorische und familiengeschichtliche Perspektiven als Hintergrund mitzusehen und können nicht nur mit der Zygote, der befruchteten Eizelle, anfangen. Die Matrix für eine Lebensgeschichte beginnt früher. Und die Matrix bleibt auch weiter wirksam. Wir bleiben also immer in soziale und kulturelle Räume eingebunden und deswegen müssen wir, wenn wir Biosodien betrachten und Biographien, immer das Zusammenwirken von neurowissenschaftlichen, biologischen, entwicklungspsychologischen Sachbeständen mit den soziologischen und soziohistorischen berücksichtigen. Es ist eine ganz wichtige Sache beim Betrachten einer Lebensgeschichte, diese Verschränkung zu bedenken, die unserer individuellen Biologie mit der kollektiven Sozialgeschichte, die auch immer eine Geschichte ökonomischer Bedingungen ist, verbindet. Man kommt also nicht irgendwie nackt auf die Welt, sondern angezogen von der Bekleidung, von den Mustern, den Rollen, den Statuspositionen, der Kultur, der man zugehört.

Trotzdem ist es nützlich, sich auch einmal auf diese Biologie zu richten, denn wir müssen uns klar machen: vom ersten Schwangerschaftstertial an ist der menschliche Organismus ein lernender Organismus. Vom dritten Schwangerschaftstertial an haben wir "cerebrales" Lernen. Das periphere und das zentrale Nervensystem entwickeln sich dissynchron[43]. Mit "vorgeburtlichen Erinnerungen" aus den ersten beiden Schwangerschaftstertialen, von denen PatientInnen manchmal berichten, sollte man also sehr vorsichtig sein: da haben wir nichts! Jedenfalls nichts gespeichert in der neocortikalen Ebene. In den letzten Schwangerschaftswochen hingegen können Kinder lernen. Wenn man eine einfache Melodie eingibt, können sie diese in der ersten postnatalen Woche erinnern. Allerdings nur, wenn man die Melodie innerhalb von 12 Tagen darbietet, danach ist sie unwiederbringlich verloren[44]. Wir haben also keinen effektiven Langzeitspeicher, und das ist für das ganze erste Lebensjahr charakteristisch. Wir haben zwar kurzzeitige Engrammierungen oder wir haben Engrammierungen auf einer sehr basalen Ebene, etwa im sensomotorischen Bereich, aber wir können nicht "szenisch" erinnern. Man sprach früher von der frühkindlichen Amnesie, also des Unvermögens, kohärent zu erinnern. Das hat etwas damit zu tun, wie sich unser neuronales Gewebe entwickelt. Sie müssen sich vorstellen, daß bei der Geburt zunächst eine ganz geringe Vernetzung vorhanden ist, und erst im neunten postnatalen Monat ist der Hipocampus voll ausgebildet[45]. Das bedeutet also, daß man dann erst anfangen kann, in einer komplexeren Weise zu erinnern. Bis Kinder verbal erinnern, szenisch erinnern können oder sogar ganze Scripts erinnern können, vergeht einige Zeit. Aber diese Fähigkeit ist im Gehirn biologisch disponiert. Wir können das aus den Einschlafmonologen von Kindern sehr gut erkennen. Ein Tonband wird laufen gelassen: die Eltern geben dem Kind einen Gute-Nacht-Kuß, dann gibt es vielleicht noch eine kurze Gute-Nacht-Geschichte, und dann gehen sie. Man lässt das Tonband weiterlaufen, hört die Kinder so vor sich hinbrabbeln[46]. Man kann so sehr schön sehen, wie sich Innenwelten konstituieren, wie sich eine gewisse Logik des Denkens entwickelt, wie Biographie entsteht. Aus der Biosodie, dem sich vollziehenden Leben, destilliert unser Gehirn in unseren Gedächtnisspeichern und in unseren Verarbeitungsprozessoren beständig Biographie. Es ist eine ganz spannende Sache, durch diese "Einschlafmonologe" beobachten zu können, wie sich gegen Ende des zweiten Lebensjahres das sog. "autobiographische Memorieren"entwickelt, auf dessen Grundlage wir dann eine Biographie für uns haben können. Wenn Sie Kleinkinder haben und die sind so zwischen drei und vier Jahre alt, dann kommen sie und sagen: "Ach Papi oder Mami, erzähl mir noch mal, wie ich so ganz klein war", und dann sind sie absolut gierig auf ihre Babybilder. Warum? Weil sie sich nicht an ihre Babyzeit erinnern können. Es gibt sehr wohl Erinnerungen, aber die sind auf einem so basalen Niveau der propriozeptiven und sensomotorischen Erfahrungen oder eventuell des emotionalen Gedächtnisses, daß sie niemals eine bildhafte oder szenische Gestalt bekommen können. Zu der Zeit nämlich, als diese Erfahrungen gemacht worden sind, war die Speicherkapazität noch nicht gut genug oder es wurde mit Programmen geschrieben, die man jetzt nicht mehr lesen kann. (Stellen Sie sich vor, Sie haben da irgend so 'ne alte Computer-Kiste von vor 10 Jahren und wollen da was runterladen auf, sagen wir mal auf Windows 95, also auf ein viel komplexeres Programm. Das geht aber nicht, es läßt sich nicht konvertieren, Überschreibungsmöglichkeiten sind nicht da. So ähnlich müssen Sie sich das vorstellen: unser früher Biocomputer ist mit anderen Programmen gefahren und das ist auch gut so.)

Das erste Lebensjahr ist dadurch sehr gut abgepuffert und geschützt. Es ist eigentlich ein Schutz vor der Reizüberflutung. Das ist evolutionsbiologisch ganz sinnvoll, da wir als "phylogenetische Frühgeburt", wie Portmann[47] das genannt hat, zur Welt kommen. Wir sind also intrauterin ganz gut abgepuffert, und im ersten Lebensjahr ist das ebenfalls noch so. Ganz entgegen der Annahme des psychoanalytischen Denkens haben Belastungen und Schäden im ersten Lebensjahr in der Regel keine gravierenden, langfristigen Auswirkungen[48]. Das haben wir als Babyforscher und Längsschnittforscher, gerade auch in Notgebieten[49], zeigen können. Weil im ersten Lebensjahr die Menschen sehr gut abgepuffert sind, wird das - selbst wenn es zu physischen Schäden (Unterernährung, Bewegungsdepravation usw.) kommt - in der Regel in einer guten Weise wieder aufgeholt, als sogenanntes "catch up", wenn diese Kleinchen dann wieder rechtzeitig in gute Hände kommen und wenn die Deprivationen nicht so langzeitig gravierend waren, dass dadurch eine cerebrale Unterentwicklung erfolgt ist. Insgesamt sind wir also gut für das Leben ausgerüstet.

Vom zweiten Lebensjahr an werden wir uns bewusster, weil sich aus dem "archaischen Ich" allmählich ein "reifes, reflexives Ich" entwickelt[50]. Mit 18 Monaten erkennen wir uns selbst im Spiegel[51]. Im zweiten/dritten Lebensjahr allerdings merken Kinder bewußt, wenn sie schlecht behandelt werden, ihnen etwas angetan wird. Das tut "psychisch" weh, und so haben wir von diesem Alter an in der Tat eine höhere Vulnerabilität[52]. Auch bei der Arbeit mit geistig schwerstbehinderten Menschen müssen wir unterscheiden, ob wir ein "reflexives Ich" vorfinden. Ist dieser Mensch fähig, zu merken und wahrzunehmen - wie rudimentär auch immer: "Mir wird was Böses angetan und ich werde nicht gut behandelt," oder finden wir einen Status der Ich-Entwicklung vor, der geringer ist. Dies gibt es sowohl bei geistig behinderten Kindern als auch bei Erwachsenen, vor allen Dingen auch bei den finalen Phasen der Alzheimer Erkrankung oder bei Morbus Pick, also schweren geronto-psychiatrischen Erkrankungen, wo es zu einem so gravierenden Abfall der kognitiven Kompetenz kommt, dass die Patienten nicht einmal mehr wissen, wer sie sind, und fast keine Selbstreflexion mehr da ist. Dann muss man natürlich in der Betreuung anders arbeiten als mit kognitiv bzw. reflexiv kompetenten Behinderten, nämlich gar nicht mehr auf Erinnern zentriert. (Die besuchende Tochter auf unserer gerontopsychiatrischen Station begrüßt ihre Alzheimer-erkrankte Mutter, worauf diese antwortet: "Guten Tag, Clarissa." "Nicht Clarissa, ich bin doch Deine Tochter." - "Ach ja, Clarissa." - Clarissa ist aber ihre Schwester. Dann sagt die Tochter, die Klara heisst, "Ich bin's, ich bin Dein Klärchen." - "Ach ja, Klärchen," scheint es vielleicht einmal ganz kurz auf und eine Minute später fragt die Patientin wieder: "Wer bist Du denn?" - ihre eigene Tochter!)

Bei solchen PatientInnen ist Erinnerungsarbeit nicht indiziert und auch nicht sinnvoll. Bei Menschen aber, wo noch fragmentiert Biographiemomente aufscheinen, ist sie äußerst sinnvoll, z.B. in den frühen Phasen der Alzheimerschen Erkrankung. In meiner gerontotherapeutischen Bewegungstherapiegruppe[53] ist eine achzigjährige Frau, die immer sagt: "Jetzt muss ich aber zu meiner Mutter." Sie hat also diesen Sektor ihres Gedächtnisses ganz gut präsent, und ich sage dann: "Jetzt bleibe noch ein bisschen, die Mutti kommt dann nachher, bleib noch ein bisschen, wir machen noch ein wenig weiter." Dann machen wir noch etwas Gedächtnistraining, wir lassen von der Mutter erzählen, von Zuhause, da weiß die Patientin noch eine ganze Menge. Auch das Hier-und-jetzt-Gedächtnis funktioniert noch in bestimmten Bereichen, z.B. mit Bezug auf das Essen, aber der ganze mittlere Teil der Lebensgeschichte ist weg. Wir trainieren das "sektorielle Altgedächtnis" in biographischer Erzählarbeit, indem wir versuchen, möglichst viel von der Patientin zu erfahren und - wie unkoordiniert die Erzählfragmente auch sind - ihre Motivationen zu aktivieren.Natürlich trainieren wir auch das Kurzzeitgedächtnis mit Blick auf rezente Ereignisse - ein Fest, das vor einiger Zeit war - wiederum in Narrationen, weil wir feststellen, daß "kontextualisierte", d.h. in Geschichten eingewobene Dinge, besser behalten werden, ist doch der Mensch "in Geschichten verstrickt" [54]. Auch Antizipationsarbeit wird einbezogen: Sind wir im Winter, wird nach dem Frühling gefragt. Im November sprechen wir über Weihnachten, und steht ein Geburtstag bevor, wird dieser zum Thema. So werfen wir für das im Strom chaotisierter Gedächtnisfragmente treibende Selbst, dessen Steuermann, das Ich[55], nicht mehr richtig navigieren[56] kann, immer wieder Anker. Besonderen Wert legen wir auf personenbezogene Memoration, persönliche Eigenschaften, Gefühle, Wahrnehmungen, Lieblingsgerüche, -speisen, -farben, also alles, was die Identität stützt und stärkt. Von Verwandten lassen wir uns Materialien, alte Kleider, Gegenstände, aber auch Fotos mitbringen, um das "Abrufgedächtnis" [57] zu aktivieren. Wir machen Erinnerungsarbeit mit ähnlicher Zielsetzung wie in der Erinnerungsarbeit in der Kindertherapie oder der Erwachsenentherapie, nämlich der Konstituierung und Erhaltung einer Identität.

Das "autobiographische Memorieren" [58] hat im wesentlichen die Funktion der Konstituierung einer Identität. Wir als Menschheit haben evolutionsbiologisch überlebt, obwohl wir relativ schwach sind, (wir haben ja keine großen Klauen und Zähne), weil wir mulitple Intelligenzen produziert haben, also eine Vielfältigkeit der Individuen. Jeder ist eine kleine Erfindungsmaschine. Jeder ist ein kleiner Erfinder und Kulturproduzent und dadurch kann unsere Kultur so reichhaltig sein. Dazu brauchen wir die Differenziertheit, die im zweiten Lebensjahr bei Menschen aufkommt. Im ersten Lebensjahr sind die basalen Verhaltens- und Interaktionsmuster transkulturell gleich: Die Blickdialoge sind gleich, die Intonation, also die Prosodik ("Du, Du, Du", "ei, ei ei") sind überall gleich[59]. Im zweiten Lebensjahr, wenn das "autobiographische Memorieren" einsetzt, differenzieren sich die Menschen enorm, und das ist wichtig, denn wir brauchen eine Menschheit, die vielfältig ist und plural. Daher soll man sich sehr für Pluralität einsetzen, denn Pluralität ist ein wichtiges Kriterium von Humanität[60]. Andererseits ist jede Form von Dogmatismus, Fundamentalismus[61] oder schlechter Ekklesialität, also Sektenbildung, negativ zu bewerten. Im diesem Sinne sind auch behinderte Menschen, egal ob geistig behindert oder mehrfach behindert, Teil unserer Pluralität, d.h., auch unsere Identitätsprozesse sind mit ihnen verbunden. (Leider ist es aber häufig so, daß wir meinen, wir sind die Gesunden, wir haben eine kohärente Lebensgeschichte, und "die" sind die Gestörten und da können wir uns gut abgrenzen. Aus der Abgrenzung, der Marginalisierung, definieren wir uns selbst in der Gesellschaft, über Ausgrenzung. Daß diese aber immer auch Angrenzung ist, das müssen wir sehen lernen, wenn wir uns mit der Geschichte und den Geschichten von behinderten Menschen befassen.)

In unserer Babyforschungsstation arbeiten wir z.B. mit Eltern cerebralparetischer Kinder und Babies, die einen schlechten Tonus haben, die richtig in sich zusammenfallen, und die nicht in der Lage sind, mit den Müttern und Vätern in Blickdialoge zu gehen. (Mütter und Väter und sogar ältere Kinder ab vier Jahren sind darauf "programmiert", mit Babies Blickdialoge zu machen und "Baby-talk" [62]. Dabei gehen sie bei allen Völkern mit der Stimme hoch. Wenn solche "prosodische Dialoge" [63] nicht laufen, dann ist in der Präbiographie ein wichtiger Sektor ausgefallen. Die Eltern versuchen also mit ihren Säuglingen zu kommunizieren, erzählen ihnen Geschichten, was war, was sein wird, erklären ihnen die Welt, auch wenn das Baby die komplexen Geschichten noch nicht "versteht". Gelingen solche frühen Narrationen durch die schwere Schädigung des Säuglings nicht, werden ihre Mütter nach und nach überfordert, desinteressiert, z.T. frustriert, traurig[64]. Es ist doch dieses von ihnen gewollte, gezeugte, ausgetragene, geliebte - schon in Utero geliebte -Kind. (Für das sie vielleicht schon Briefe geschrieben haben während der Schwangerschaft, oder Tagebücher angelegt. Was übrigens eine gute Sache ist: es bedeutet, sie erzählen dem Kind ihre Schwangerschaft, sie dokumentieren das.) Wenn jetzt ein behindertes Kindchen zur Welt kommt, dann kann sich das alles nicht inszenieren. Und wenn diese Eltern keine frühe Hilfe bekommen, können sich nur "beschädigte Biographien" entwickeln. Es genügt also nicht, mit den Babies neuromotorisches Training zu machen (hierzulande immer noch Bobath-Training oder Jean Ayres), nein, man muss mit den Menschen, den Eltern arbeiten, mit dem Netzwerk[65] als "Weggeleit" (convoy)[66] des Kindes arbeiten, damit sie dieses Kind in ihren eigenen biographischen Prozess hineinnehmen.

Was sind biographische Prozesse? Bei dieser Frage denken wir oft an das Wort "Autobiographie", bzw. denken an das Schreiben einer Autobiographie. Das darf uns aber nicht dazu verführen, zu glauben, dass das etwas ist, was nur in den Gehirnen des Individuums abläuft. Vielmehr findet Biographie in "sozialen Netzwerken" statt, (soziale Netzwerke, das ist die numerische Menge der Menschen, die zu einem Netzwerkmitglied gehören[67]), und die findet in sogenannten "social worlds", in sozialen Welten als "geteilten kollektiven Kognitionen, Emotionen und Volitionen" [68] statt, d.h. in komplexen Sozialisationsprozessen[69]. Dabei ist ein "soziales Netzwerk" keine "social-world", sondern enthält z.T. mehrere soziale Welten. Was heisst nun mehrere "social-worlds" in einem sozialen Netzwerk? Nehmen wir einmal ein kleines soziales Netzwerk, eine Mikrostruktur, z.B. ein familiales, soziales Netzwerk in einem großzügigen Familienhaus. In dem wohnen der Opa, die Oma, eine Mutter und ein Vater und drei Kinder. Das eine von den Kindern ist acht, das andere ist dreizehn und eines ist siebzehn - gut gestreut. In dieser Familie, die ein Netzwerk ist, haben wir auch unterschiedliche "soziale Welten": die Frau ist Hausfrau und hat ein "Kränzchen", dann arbeitet sie in der Gemeinde ein bisschen mit, das ist also "ihre Welt". Der Vater ist in der Stahlbranche Einkäufer und er hat "seine Welt".

Der sieht Stahl und die Stahlpreise genauso wie Onkel Dagobert, wenn er die Augen aufmacht und diese Dollarzeichen[70] drin hat. Der Sohn hört Techno, liest Spawn, Lobo und Micky Mouse. [Comics sind übrigens äußerst interessant. Ich habe gestern wieder ein Donald-Heft gekauft, schlage das auf und da ist dann die komische Geschichte mit den Ameisen drin von 1954. Die kannte ich natürlich schon. Das hat etwas mit Biographiearbeit zu tun. Es ist immer schön, wenn man Geschichten wiedererkennt, die alten Geschichten, von Carl Barks gezeichnet und von der Fuchs gedolmetscht. Also ich freue mich schon immer auf das neue Heft, denn da komme ich wieder mit Geschichten in Kontakt, meinen Geschichten... und die Leute, die wie ich Donald-Comics lesen, Donaldisten also, mit denen teile ich eine "social world". Ich lebe natürlich nicht nur in dieser, aber es ist nicht die schlechteste...]

Also diese inneren sozialen Welten, die die Menschen haben, treffen aufeinander: der Stahlverkäufer, der immer nur Tonnen und Preise im Kopf hat und sein Sohn, der z.B. in der Techno-Szene ist. Wenn die beiden, Vater und Sohn, aufeinandertreffen, dann ist das keine persönliche Animosität, sondern eine Frage von Rollen- und Generationskonflikt zwischen den beiden, denn "da treffen Welten aufeinander". Wir haben in uns kollektive, kognitive und emotionale Welten, also Gedächtnissysteme[71]. Eine social-world, eine soziale Welt ist eine "unit of shared perspectives" [72], eine Einheit geteilter Perspektiven auf die Welt. (Unsere Generation sieht eben anders auf die Welt als heutige Jugendliche: ich arbeite viel mit Kindertherapeuten und die verstehen oft gar nicht, was da läuft, die können z.B. nicht surfen. Kinder- und Jugendlichen-Therapeuten, die nicht im Internet surfen können oder keine Computerspiele machen, die sollten wirklich den Löffel abgeben, die gehören zu den Grufties - keinen "Down-load"-Wert[73]. (Das ist im übrigen auch eine dieser identitätsbedrohenden Veränderung gerade in unserer Zeit.)

Man muss also darauf sehen, welcher Art die sozialen Welten sind, mit denen wir kommunizieren müssen in der Herstellung einer Biographie. "Kompetente" Mütter und Väter, die mit ihren Kleinen so richtig schön spielen können, die schaffen mit ihnen eine gemeinsame Welt und greifen sehr oft auf Muster früher eigener Welten zurück. ("Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen ..." usw.) Sie holen sich das aus ihrer eigenen Biographie herauf . Und damit sind sie mit ihren Kindern in einer gemeinsamen "sozialen Welt", im "Kinderland", in einer Welt, in der die Eltern am Leben ihrer Kinder teilnehmen, auch an ihrem Seelenleben, und die Kinder am Seelenleben der Erwachsenen. Das muss dann aber auch in emotional lebendiger Interaktion gezeigt werden. (Das geht natürlich nicht mit diesen schweigenden Väter, diesen anwesend-abwesenden Vätern.) Erlebtes muß geteilt werden, und in diesem Teilen entwickeln sich soziale Welten. Die Niederschrift all dieser Interaktionen, von dem, was man erlebt, erfolgt dann in den verschiedenen Arealen unseres neuronalen Gedächtnisses[74] als Biographie.

Biographie ist also der Niederschlag des in Gemeinschaft vollzogenen, gelebten Lebens. Und das ist das, woran wir anknüpfen müssen. Also wenn wir hier z.B. eine Ausstellungen alter Bilder sehen, dann erinnert sich der Herr X noch daran, wie es damals war. Das heisst dann aber, dass auch wir uns erinnern müssen, indem wir seine Erinnerungswelt betreten. Die Musiktherapeutin z.B., die mit alten Menschen in einer Singgruppe arbeitet[75], muß eben diese alten Lieder beherrschen, ("Die Waldschänke": "Wo lind des Waldes Lüfte weh'n, in 100jährigen Bäumen, da muss auch eine Schänke stehn, zum Zechen und zum Träumen ..."). Solche Dinge muss man kennen, weil man dann in der "sozialen Welt" der Menschen ist, mit denen man zu tun hat und die Erinnerungsarbeit nicht nur unsere Erinnerungsarbeit ist, sondern das Erinnern dieser Menschen unter Einbezug ihrer Sozialgeschichte, durch die wir in unserem eigenen Geschichtsverständnis natürlich auch sehr bereichert werden können. Es wird dann eine gemeinsame Geschichte.

Wenn Geschichten erzählt werden, die der Erzählende kennt und der Zuhörende kennenlernt und beide in einem sozialen Netzwerk stehen - z.B. der Betreuer mit dem Heimbewohner -, dann geschieht etwas ähnliches wie in der erwähnten Episode, wo das kleine Kind fragt: "Ach Papa, erzähl mir das nochmal, wie ich noch ganz klein war." Die Wiederholung von lebensgeschichtlichen Erlebnissequenzen, die dem Kind im aktiven Memorieren nicht greifbar sind, werden so im Nachhinein in die Archivbestände des Gedächtnisses hereingeholt und das Kind bekommt ein Bild von seiner frühen Biographie vermittelt, betrachtet allerdings "durch die Augen" der Eltern. Eltern und Kind haben jetzt eine gemeinsame Geschichte als gemeinsamen Boden. Betreuer, die von einem alten Heimbewohner ein Stück Lebensgeschichte erzählt bekommen und dieses engagiert und mit Interesse aufnehmen, lernen so etwas von seinem Leben, seiner Identität kennen und nehmen an seinem Leben, seiner Geschichte teil, indem sie Anteil nehmen. Convoy-Qualitäten entstehen allerdings erst dann, wenn Mutualität[76] aufkommt, eine Wechselseitigkeit des Erzählens erfolgt. Auch die Betreuer müssen bereit sein, aus ihrem Leben zu erzählen, sonst entsteht eine voyeuristische Komponente in der Biographiearbeit. Die Biographie wird beschäftigungstherapeutisch "funktionalisiert". Biographiearbeit wird damit in ihrer identitätsstiftenden Qualität beeinträchtigt, denn Identität entsteht in wechselseitigen Identitätsattributionen[77], in Reziprozität.

Biographie ist immer etwas Interpretiertes, interpretiert von den Eltern, interpretiert vom Freundeskreis und natürlich interpretiert von uns selber. Aber das alles durchmischt und vernetzt sich. Insofern haben wir es bei biographischen Sachbeständen niemals mit Historie zu tun, mit "historischer Wahrheit". Es kann also keine Rehistorisierung stattfinden, das ist nicht möglich, sondern ich bekomme subjektiv interpretierte Erlebensbestände, eine "narrative Wahrheit". Das Gedächtnis ist nicht wie "FOX tönende Wochenschau". Ich kann nicht ins Archiv gehen und dann hol ich mir mal die Filmrolle von der Suez-Krise[78] raus, um zu sehen, wie das damals war. Dieses Beispiel kommt mir gerade in den Sinn. Ich habe sie miterlebt, allerdings nicht im Fernsehen, sondern über das Radio, und wenn wir mal ins Kino gingen, um Kinderfilme anzusehen, war da vorher diese "FOX tönende Wochenschau" mit der Suez-Kanal-Geschichte drin. Wenn ich mich jetzt daran erinnere, dann teile ich Ihnen etwas aus meiner Lebensgeschichte mit. Aber wie soll ich das bewerten, warum mir in diesem Kontext gerade der Suez-Kanal aufkommt? Darüber müsste ich noch nachdenken. Irgendwo haben mir meine "Archivare" das jetzt im Moment aus meinen Gedächtnisarchiven herausgesucht. Im Kopf habe ich viele Archivare und Redakteure, das ist bei jedem so. Ich denke nur zu einem Teil intentional, der andere Teil "wird gedacht". Was sie hier bei mir erleben, ist das "allmähliche Verfertigen" der Gedanken beim Reden, wie Kleist[79] das genannt hat. Wir haben ganz viele Archivare in unserem Gehirn, und das wache Bewusstsein macht nur 2 % davon aus, der Rest wird unbewusst zusammengestrickt[80]. Das muss man sich auch deutlich machen: wenn da keine Archivare mehr sind oder weniger Archivare, dann kann auch weniger gedanklich produziert und reproduziert werden. Bei dementen Alterspatienten oder bei cerebral geschädigten Menschen fehlen viele dieser Archivare. Für die Arbeit mit autobiographischem Memorieren ist es wichtig, das zu wissen. Gehen Sie einmal in ein Zeitungsarchiv hinein. Es ist immer höchst selektiv, was dort dokumentiert wird. Es sind die subjektiven Berichte von Reportern, ihre Interpretation von Situationen. Genauso ist das mit unserem autobiographischen Memorieren. Es ist nie "FOX tönende Wochenschau", eine historische Aufzeichnung, und selbst die bietet eine subjektive Sicht.

Wir haben es in der cerebralen Aufzeichnung - das sei nochmals betont - nie mit einer "historischen Wahrheit" zu tun, sondern mit einer beständigen Reinterpretation, mit einer narrativen, einer erzählten Wahrheit, nicht mit einer objektiven. Wir haben zwar in der narrativen Wahrheit[81] ein paar objektive Bestände, aber das kann u.U. relativ wenig sein.

Neben dieser narrativen Wahrheit und der historischen Wahrheit haben wir dann noch eine ästhetische Wahrheit, weil Menschen - denken wir z.B. an autobiographische Romane oder Texte wie Goethes "Dichtung und Wahrheit" - auch das Bedürfnis haben, ihre Lebensgeschichte in einer gewissen Konsistenz zu erzählen. Sie "glätten" die Geschichte unter ästhetischen Gesichtspunkten, und zwar z.T. adressatengerichtet. Ich entsinne mich gut, wie ich in Analyse bei einer älteren Analytikerin war. Ich musste immer weit zu ihr fahren. Dann sitzt man so im Zug, manchmal sitzt gegenüber ein nettes Mädchen und dann ist man mitten drin im Erzählen. Der Mensch ist ein "Geschichten erzählendes Wesen" und manchmal wird das Erzählte auch eine "Story". Nun, wir haben uns unterhalten und ich habe ihr etwas erzählt, etwas, das ich mit in die Analyse bringen wollte, irgend etwas aus meiner Biographie. Und dann lag ich eine Stunde später auf der Couch und erzählte die gleiche Geschichte meiner 68jährigen Analytikerin. Es war eine andere Geschichte und ich war in beiden Geschichten wahrhaftig. Wir "schönen" unsere Geschichten natürlich auch, das gehört dazu. Das darf sein, und das darf man nicht unter ethischen Kategorien von Wahrheit und Lüge sehen, sondern unter den Kategorien von Kreativität. (Für die frommen Leute hier: Schauen Sie, was im Alten Testament alles erzählt worden ist. Die alten Autoren hatten wirklich eine "blühende Phantasie" gehabt, und das hat nicht nur mit der alten Kultur zu tun, sondern die hatten Spaß am Erzählen.) Dadurch wird auch Wirklichkeit geschaffen. Das heißt also, wenn ich mit dieser jungen Frau im Zug zusammen reiste und erzählt habe - und sie erzählte mir ja auch etwas -, dann ist sowas wie eine gemeinsame Wirklichkeit entstanden. Mit meiner Analytikerin sah das dann wieder ein bisschen anders aus. Die saß halt hinter mir und wollte bestimmte Dinge hören, und die hat sie dann auch bekommen, denn sie war eine andere Adressatin und die situative Erwartungsstruktur des analytischen Kontextes war sehr spezifisch. Das ist ja bei Situationen wie z.B. Selbsterfahrung so, man synchronisiert sich innerlich auf das kognitive und emotionale Ritual, das inszeniert wird.

Das ist im übrigen bei der biographischen Arbeit ähnlich: Sie ist zum Teil äußerst normierend, weil die Helfer ihre Vorstellung von biographischer Arbeit und Identitätskonzeption mit hineinbringen, ohne vorher sorgfältig erforscht zu haben - und ich meine das hier nicht empirisch, sondern explorativ - auf welche Art und Weise die Leute denn memorieren wollen. Das ist die wichtige Vorarbeit, die man zu leisten hat, damit wir in ein narratives Memorieren, ein subjektives Erzählen hineinkommen, nicht in die Dokumentation von "historischen" Fakten. Das wäre gänzlich falsch, würde eine falsche Erwartung aufbauen, denn es geht um erzähltes Erleben von Situationen, die einstmals stattgefunden haben und von unterschiedlichen Situationsteilnehmern auch unterschiedlich erfahren wurden und jetzt gegenwärtig gesetzt werden, erlebbar und mitvollziehbar werden, hier und heute. Das Mädchen aus der Bahnfahrt wird sicher eine andere Erinnerung haben als ich und zu einer anderen Erzählung kommen.

Wir haben Anfang der 70er Jahre Erzählprojekte gemacht. Ich war damals Volkshochschuldirektor in Büttgen[82] und habe nebenamtlich die Dorfvolkshochschule aufgebaut. Da haben wir also in einem Projekt alte Leute angefragt, um mit ihnen die Situation vor der Flurbereinigung zu rekonstruieren. Sie wissen, was Flurbereinigung ist? Das war so eine Wahnsinnstat, die man seiner Zeit durchgeführt hatte, wo alle Felder funktional zusammengelegt wurden. Damit wurde die "Geschichte der Äcker" ausgelöscht. Wir sind dann mit alten Leuten aus der Gemeinde und mit 13-, 14-jährigen Schülern durch die Felder gegangen. Ein Geographielehrer hatte die Schüler angeleitet und dann wurden gemeinsam die alten Gewanne rekonstruiert, die alten Fluren aus dem Erinnern der Alten neu aufgezeichnet und damit auch Geschichten über die einstmaligen Besitzer, Bauern mit ihren Familien. Zu dieser Zeit war viel historisches Interesse in der Gemeinde vorhanden und auch die Erstellung einer "Ortsgeschichte" war bei einem Historiker in Auftrag gegeben worden[83], die anhand von Archivalien erstellt wurde. Diese Abeit hatte natürlich eine ganz andere Qualität als die von uns aufgrund von "oral history" [84] dokumentierte Geschichte als persönlich erlebte Lebensgeschichte von konkreten Personen, die man befragen konnte, Geschichte, die in einem besonderen "Erzählklima" in unserer "Erzählgruppe" - der Lehrer, die Schüler, die alten Leute, ich - als "Narration" lebendig wurde. Das waren keine Archivdokumente, keine Katasteramtsauszüge, auch keine Tagebuchaufzeichnungen[85], sondern in Rede, Nachfrage, von anderen Einwürfen ergänzte "lebendige" Erzählungen. Das Ganze scheint eine historische Arbeit zu sein und in einer gewissen Weise ist es das auch. Aber viel wichtiger war das exchange learning[86]. Die alten Leute waren ganz interessiert, wie das mit dem Kartographieren war, interessiert auch an dem Kontakt mit den Schülern und deren Leben. Es hat also dort ein wechselseitiges Lernen stattgefunden. Wir haben auch andere Erzählprojekte zur "erlebten Geschichte" veranstaltet: z.B. Ferien in der Zeit der 20er Jahre, oder: "Wie war das, als der Kaiser kam". Solche Projekte generieren keine historischen Dokumente im Sinne einer "exakten Historie" sondern einer "narrativen Historie", und die ist ganz wichtig, weil die exakte Historie verkürzend ist. Sie ist verkürzt um das Erleben der Menschen und das ist eine große Chance, dass mit der narrativen Qualität eben auch das Erleben der Menschen angesprochen, dann Autobiographie aktualisiert und Autobiographie gebildet wird, denn die jungen Leute, die da in Büttgen-Vorst, in Holzbüttgen und Büttgen-Dorf in einer Großgemeinde gelebt haben, die bekamen plötzlich ein Gefühl für ihren Boden, auf dem sie stehen, für die Felder ringsrum und die Bauernhöfe, die da sind. Auch wenn sie mit Bauernhöfen nicht viel am Hut hatten, erleben sie, dass es ihre Lebenswelt war. Im Austausch mit den alten Menschen drang in ihre persönliche Geschichte die kollektive Geschichte in einer positiven Weise ein, durchaus mit der Qualität der Herstellung eines Heimatbezuges. Heimat ist etwas ausgesprochen Wichtiges. Durch unsere nationale Geschichte ist in unseren Prozessen kollektiven Memorierens[87] das Heimatgefühl und der Heimatbegriff durch die Geschichte von "Blut und Boden" im Dritten Reich ziemlich beschädigt worden und man müßte intensiv daran arbeiten, daß in neuer Weise ein adäquater Heimatbezug hergestellt werden kann. Wenn die Heimat Territorialdenken ist, im Sinne von "Ausländer raus", wird es natürlich äußerst problematisch. Heimat ist etwas, wo man Gäste haben kann, wo man Menschen vermittelt: Das ist meine Heimat und Du darfst Dich bei uns beheimaten, wenn Du möchtest. Wir sind gastlich, gastfreundlich, wir bieten Dir eine Heimstatt an. Beheimatung ist eine gute Funktion von Heimat und deswegen ist die Entwicklung eines Heimatgefühles in der Biographie ein wichtiges kollektives Moment, das uns trägt und Wurzeln gibt.

Was in die Biographie hinein kommt, sind nicht nur die kleinen persönlichen Erlebnisse. Es ist also nicht nur das individuelle Memorieren wichtig, sondern dies ist immer auch eingebettet in Prozesse des kollektiven Gedächtnisses[88], welches durch gemeinsames Memorieren, "commemoratio" gepflegt wird. Für uns ist es offensichtlich wichtig, dass unsere Biographie, unsere Lebensgeschichte eingebunden ist in Kollektivität, denn Lebensgeschichte ist gemeinsam erlebte Geschichte und gemeinsam erzählte Geschichte. - Jedenfalls war das oftmals so-. Wenn Sie z.B. "Asterix auf Korsika" lesen[89]: Da sieht man dann die alten Männer auf einer Bank sitzen - so wie heute im Süden immer noch - und die gehen dann die Leute des Ortes durch: "Ist das (...) nicht der kleine Mineralogix? (...) - Der hat doch, glaub ich, die kleine Desiderata geheiratet? - Die Schwester von Maccharonix? Der zusammen mit Habenix den Palast des Prätors demoliert? (...)" usw. Also man erzählte und arbeitete und interpretierte das Leben dabei. Es geht also nicht nur um das Erzählen an sich, sondern es geht um die hermeneutische Qualität der Erzählung, d.h., Erzählung im Austausch und als Auslegung. Der eine erzählt, der andere hört zu, dann flicht der dritte ein Stückchen Erzählung ein, dann nimmt der erste das wieder auf und dann gehen sie das gemeinsam durch, das Gute und das Schlechte und auch das Gehässige. Gehässiges muss auch Raum haben, es ist wichtig, dass man gehässige Geschichten erzählen kann, denn wenn man sie erzählen kann, braucht man sie nicht zu tun, als Gehässigkeiten umzusetzen. Dabei kann man methodisch auch mit Elementen aus der Poesie- und Bibliotherapie arbeiten, indem man Texte schreiben läßt[90].

In dieser "narrativen Reflexion" der Geschichte ist die Perspektive immer auch auf die Gegenwart gerichtet ebenso wie auf die Entwicklung von Zukunft. In diesem Erzählnetz von Menschen, in dem ich Miterzählender und Zuhörer bin, wo ich aus meiner Identität etwas erzähle, gleichzeitig aber etwas über mich erzählt wird, wird Idendität kollektiviert. Wenn hier keine Zuhörer mehr wären und ich keine Studenten mehr hätte, dann wäre ich kein Professor mehr - also diese meine Identität wäre weg. Identität ist immer konfigurativ. Ich muss also erkennen, dass meine Identitätsprozesse, die im autobiographischen Memorieren festgehalten sind, eingebunden sind in Vielfalt, in Vielfalt von Erzählungen[91]. Wenn das nicht der Fall ist, verkümmern die Menschen, verarmen bis hin zu schweren psychischen und psychosomatischen Syndromen. Ich kenne das z.B. aus der offenen Altenbetreuung[92]: Da gibt es Menschen, die vereinsamen, weil ihre sozialen Netzwerke ausdünnen und absterben[93]. Zuerst führen sie Selbstgespräche und dann reden sie mit ihren Möbeln. Wenn sich dann wieder Menschen mit ihnen beschäftigen, z. B. ein Zivildienstleistender, erzählen sie häufig immer wieder die gleichen Storys, weil sie kommunikativ schon "eingefroren", kommunikativ entwöhnt sind. Im übrigen ist das auch oft bei behinderten Menschen zu beobachten, insbesondere, wenn sie sehr kustodial-bewachend aufgezogen wurden. Ihnen ist damit zum Teil sehr früh und leider oft nicht reversibel die Möglichkeit genommen worden, mit jemandem anderen Geschichten zu "stricken", wie einfach auch immer sie sein mochten. Daher müssen wir eigentlich im praktischen Umgang mit behinderten Menschen, mit denen Biographiearbeit möglich ist, sehr, sehr früh anfangen, eine "narrative Kultur" aufzubauen und zu pflegen. Wenn wir aber mit älteren oder alten geistig behinderten Menschen arbeiten, die keine konsistente Biographie mehr erschaffen können, sondern immer nur einzelne Erinnerungsfetzen produzieren, dann können wir keine wirkliche Biographiearbeit machen, sondern werden uns auf eine erlebnisaktivierende, betreuende Arbeit[94] unter Verwendung biographischer Elemente einrichten. Mir ist es sehr wichtig, dies zu differenzieren.

Entscheidende Fragen in all diesen biographisch arbeitenden Settings sind grundsätzlich: Wo ist denn meine Geschichte? Haben wir überhaupt eine Gesprächsgemeinschaft aufgebaut und ist über die Gesprächsgemeinschaft hinaus eine Erzählgemeinschaft[95] entstanden? Sind in dieser Erzählgemeinschaft Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft anwesend? Biographie hat sozialbiologisch gesehen nämlich die Aufgabe, in uns Handlungsmuster niederzulegen und festzuschreiben, die uns für das Handeln in der Gegenwart und für antizipatorisches Handeln ausrüsten. Das brauchen die Wölfe nicht, die haben ihre Kommunikationsmuster weitgehend genetisch festgelegt[96], wir aber haben da nicht mehr viel an genetischen Vorgaben. Daher müssen wir, je nach dem in welcher Sozialität wir aufwachsen, kulturelle Muster internalisieren, die Teile des kulturellen Memorierens und des kulturellen Bestandes sind. Diese werden dann Teil meines individuellen Memorierens. Das Memorieren hat dabei eine wesentliche Funktion: uns für antizipatorisches Handeln auszustatten und für effektives kommunikatives Handeln in der Gegenwart. Ein bißchen hat das Memorieren auch den Sinn, traumatische oder belastende Vergangenheit zu bearbeiten. Das geht aber nur, wenn die Gegenwart einigermaßen gut ist. Wenn die Gegenwart selbst belastend ist, kommt es zu akkumulativen Belastungen. Es geht auch nur, wenn die belastenden Dinge schon einigermaßen reflexionsfähig geworden sind. Wenn sie aber in der Abspaltung und Verdrängung liegen, muss man sie in der Dissoziation und Verdrängung liegen lassen. Das gilt im übrigen auch für viele Psychotherapien: "aufdeckendes" Arbeiten ist keineswegs immer gut, zumindest bei Traumapatienten nicht[97]. Vielmehr können dabei alte Traumaphysiologien aktiviert werden, was zu schweren, über Monate dauernden Beeinträchtigungen des Immunsystems führen kann. Forschungen, die ich selbst zum Wiedererzählen traumatischer Ereignisse gemacht habe[98], haben mich sehr betroffen gemacht und wir haben aufgrund dieser Forschungsergebnisse Vieles im Hinblick auf biographische Arbeit anders gemacht. Wir gehen heute besonders mit Menschen aus der Kriegsgeneration[99] sehr viel differenzierter um, z.B. mit Hilfe traumaspezifischer Diagnostik. Dabei schauen wir, wieviel der betreffende Mensch erzählen kann und will. Manche wollen die "Vergangenheit ruhen lassen", andere dagegen haben sogar ein zwanghaftes Bedürfnis, traumatische Erlebnisse immer wieder zu erzählen, aber das ist gar nicht gut. Wir sprechen da von "trauma-addiction" [100], das meint Leute mit einem Zwang, wieder und wieder Traumatisches zu erzählen und dabei immer wieder in Erregungszustände zu kommen. Bei solchen Menschen ist es für die Therapie und für die Betreuung dann viel besser, zu sagen: "Jetzt lassen wir die alten Geschichten mal ruhen und machen eine neue Geschichte!"

Lebensgeschichtenarbeit ist also nicht nur historisch rekonstruktiv zu sehen, sondern muß auch aktual und prospektiv, also konstruktiv gesehen werden. Wir entwickeln mit den Menschen eine neue Geschichte. Wenn wir dabei an alte, gute Geschichten anknüpfen können, ist das sehr hilfreich und wenn wir schlechte Geschichten aufnehmen müssen, weil sie uns präsentiert werden, dann nehmen wir sie an, aber wir "graben" nicht nach Traumata.

Wenn wir auf schlimme Geschichten stoßen oder auf Traumata, können wir diese empathisch wahrnehmen und dem Klienten vermitteln, für ihn ein "sigificant caring other" - ein sorgender mitfühlender Mitmensch - zu sein, denn dann wird man zu einem "protektiven Faktor" [101]. Außerdem kann es für den Klienten oder Patienten sehr hilfreich sein, wenn wir mit ihm "alternative Erfahrungen" [102] zu schaffen suchen. Das kann man durchaus im klinischen Rahmen erreichen. Wenn ich jemanden ein oder zwei Jahre in einer Einrichtung als Bewohner habe - in einer guten Einrichtung, versteht sich - dann kann er gute Erfahrungen machen. In späteren Betreuungssituationen kann man an diese guten Geschichten "im Heim" - wohlverstanden als Heimat - anknüpfen.

Exkurs zu Begrifflichkeiten und deren sich wandelnde Konotation: Es gibt Worte, deren Versprechen nicht eingelöst werden: "Heim" ist oft ein solches Wort. Es gibt eine Tendenz, dass wirklich gute Worte zerstört werden. Denken wir an "Wohlfahrt": ein unheimlich gutes Wort, das beschreibt, worum es eigentlich geht. Aber schon nach kurzer Zeit hieß es: "Dann kommt die Wohlfahrt und holt Dir die Sachen ab". Oder "Fürsorge": "Dann kommst du in die Fürsorge". So etwas geschieht mit einem von der Bedeutung her sehr gutem Begriff. Und mit dem "Kunden" [103] wird das genauso sein. Die Intention ist nicht ganz sauber, man will eigentlich nur den Mangel verdecken. Aber nehmen wir mal die gute Seite vom Kunden: "Der Kunde ist König." - Bin ich dann der Sklave? Nein, eigentlich nicht. Kunde, diese Vokabel wird nach kurzer Zeit verbraucht sein, weil das, was damit verheissen wird, eigentlich Falschgeld ist. Es wird damit nichts verbessert, es wird nur der Mangel kaschiert.

Es ist gut, wenn man über eine Heimgeschichte erzählen kann. Hatte aber jemand eine negative Heimkarriere, in einem schlechten Heim, dann muss ich sehen, dass er mit mir erlebt, dass es auch anders geht. Dann wird eine neue Geschichte geschrieben. Ich denke, auf negative Lebensgeschichten und positive Lebensgeschichten hinzuschauen, ist die eigentliche Basis einer guten, neuen Geschichte. Unter diesem Aspekt würde ich die Biographiearbeit mit Patienten immer ansiedeln. Dahin habe ich mich in den Jahren meiner Beschäftigung mit Biographie und Biographiearbeit entwickelt. In der Arbeit mit Menschen, die miteinander Lebensgeschichten teilen, weil in einem Heim zusammenleben, gibt es die Möglichkeit, dass sie eine Erzählgemeinschaft werden und es gibt auch Möglichkeiten, diese gemeinsame Geschichte zu dokumentieren, z. B. durch gemeinsam geschriebene Heimtagebücher. Damit wird eine Biographiearbeit kein herausgehobenes Ereignis, sondern sie wird eingebettet in den guten Alltag der Lebens- und Erzählgemeinschaft.

Bei schwerst geistig behinderten Menschen wird es wohl mehr eine Sache der Betreuer sein, deren Geschichte mit geistiger Behinderung zu dokumentieren, um sozusagen stellvertretend, Biographiearbeit zu leisten. Mit den Familien ist dies sowieso wichtig. Aber sehr oft sind wir in einer Situation, dass wir mit schwerstbehinderten Menschen wie auch mit langzeitig hospitalisierten Psychotikern nicht in der Lage sind, Biographiearbeit zu machen. Um diese Menschen aber anzunehmen und verstehen zu können, ist es für das Personal wichtig - das wird leider zu wenig gesehen - , dass wir ihre Geschichte, z. B. gemeinsam mit den Angehörigen, ansehen. Dabei wird leider meist auf Kindheit und Jugendzeit geschaut und nicht auf die Geschichte der Heimkarriere oder der Klinikkarriere. Das aber bedeutet, dass wir Helfer es vermeiden, uns selbst im Spiegel anzusehen oder uns den Spiegel unserer Profession oder unserer Institution vorzuhalten. Es ist leider so, dass das, was dort geschehen ist, Alltag war, über lange Jahre - nicht nur im Dritten Reich - menschenfeindlich war.

Ich gehöre ja unglücklicherweise zu den Leuten, oder war derjenige, der in einer Supervisionsgruppe 1984 die schlimmen Zustände in Lainz als erster mitbekommen und dann publiziert hat[104]. 1985 habe ich in meinem Buch "Mit alten Menschen arbeiten" [105] gesagt, hier sind verdeckte Tötungsabsichten am Werke, hier werden Menschen mißhandelt. (Ich habe mich auch an den Bürgermeister Zilk und den Gesundheitsreferenten Stacher gewandt und bin barsch zurückgewiesen worden[106]. Zwei Jahre später kam dann die Mordserie auf den Tisch.) Patiententötungen geschehen ja gar nicht so selten und im wesentlichen im Bereich schwerer Pflege mit Behinderten, im Geronto-Bereich und auf Intensivstationen[107]. In der Kindertherapie hat man das nicht, auch nicht in der Orthopädie. Wenn solche schlimmen Dinge in der der Geschichte des Heimwesens da sind, dann müssen wir uns auch mit diesen dunklen Seiten von Heimen befassen. (Das Dritte Reich ist ja eigentlich nur ein Ausdruck von solchen Vernichtungsimpulsen, die leider in Menschen grundsätzlich vorhanden zu sein scheinen, die Verbrechen sind ja nicht nur von den Nazis begangen worden. Sie hatten Helfer, genauso wie Stalin in den Gulags übertausende blutige Handlanger hatte. Auch hätten wir nicht so häufig mit Patientenmisshandlungen und -tötungen zu tun[108].) Die Heime am Rande der Städte oder draußen auf dem flachen Land - möglichst ausgegrenzt - zeigen, dass wir von den Menschen dort nichts wissen wollen. Das gehört auch zu unserer Geschichte, wenn wir da arbeiten.

Lebensgeschichtliche Arbeit auf der Seite der Helfer, und damit will ich abschließen, ist immer auch Arbeit mit dem Stigma[109], dem Stigma, das wir erhalten, wenn wir mit stigmatisierten Personen arbeiten, in stigmatisierten Institutionen[110]. Das Leben mit dem Stigma und das konstruktive Wenden einer solchen Stigmatisierung, also eine Öffnung zum Gemeinwesen hin, scheint mir eine wichtige Sache kollektiver Erinnerungsarbeit zu sein. In solchen Institutionen, Heimen, Anstalten verschränken sich immer individuelles Erinnern und kollektives Erinnern. Man sollte der kollektiven Erinnerungsarbeit Platz geben, und hier können wir auch zu einer Rehis[111]torisierung kommen, weil wir in den Archiven historische Fakten haben. Auf der subjektiven Ebene aber muss Geschichte immer wieder als "erlebte Geschichte" gemeinschaftlich erzählt, gegenwärtig gesetzt, betrauert oder beglückt erinnert werden.



[1] Baltes, Rese, Lippsitt 1980; Baltes, Eckensperger 1979; Petzold 1981g;

[2] Rutter 1988;

[3] Werner, Smith 1982; Petzold 1993c;

[4] Lehr, Thomae 1987; Thomae, Lehr 1987;

[5] Petzold 1999b; Oerter et al. 1999;

[6] Petzold 1996f;

[7] Hütter 1998; van der Kolk et al. 1996;

[8] van der Kolk et al. 1996; Märtens, Petzold 1999;

[9] Antonovsky 1979, 1987; Schüffel et al. 1998;

[10] Petzold, Goffin, Oudhoff 1993;

[11] Petzold, Laschinsky, Rienast 1979; Petzold, Schobert, Schultz 1991;

[12] Petzold 1995a; Hass, Petzold 1999;

[13] Petzold 1988n, 260ff;

[14] Petzold, Petzold 1991b;

[15] Flammer 1988, 1990;

[16] Seligman 1978;

[17] Petzold, Goffin, Oudhoff 1993; Petzold 1995a;

[18] Petzold 1965;

[19] Petzold 1985t; Petzold 1979b;

[20] Marshall 1975;

[21] Petzold, Lückel 1985;

[22] Aarts, op den Velde 1996;

[23] Petzold, Orth 1999;

[24] Osborn et al. 1997;

[25] Schmidtbauer 1977;

[26] Petzold 1993g;

[27] Petzold, Petzold, Rodriduez-Petzold 1998;

[28] vgl. Petzold 1992a, 500ff;

[29] Belardi 1991;

[30] Petzold 1989f;

[31] vgl. u.a. Osborn et al. 1997; Ruhe 1898; Gereben, Kopinitsch-Berger 1998; Bohnsack, Marotzki 1998;

[32] vikariell = stellvertretend

[33] Foucault 1969;

[34] Halbwachs 1968, 1985; A. Assmann 1999; J. Assmann 1999; Assmann, Hölscher 1989; Petzold, Petzold 1991b;

[35] vgl. dazu Dowe 1996;

[36] Klemperer 1998;

[37] Goebbels 1997ff;

[38] Petzold 1996j;

[39] vgl. dazu Klee 1997; Mitscherlich, Mielke 1997; Roer, Henkel 1996; Greve 1997; Heimannsberg, Schmidt 1992;

[40] Petzold 1991o, 1996j;

[41] Symposion 7.-9. März 1996 im Bildungshaus Mariatrost/Graz (Österr.): "Lebendige Lebensgeschichte. Biographische Arbeit in Pflege und Betreuung."

[42] zu Biosodie und Biographie vgl. Petzold, Orth 1993a;

[43] vgl. Petzold 1992a;

[44] Petzold 1992c;

[45] Moscovitch 1984;

[46] Weiss 1939; Nelson 1984;

[47] Portmann 1973;

[48] Bakeman et al. 1989;

[49] Mei 1994; Mei, Yang 1993;

[50] Petzold 1992a;

[51] Vyt 1993;

[52] Vyt 1993;

[53] vgl. Petzold, Berger 1978b;

[54] Schapp 1953;

[55] vgl. zu Selbst, Ich, Identität die "Integrative Persönlichkeitstheorie" - Petzold 1992a, 528ff;

[56] vgl. zum Konzept des "Navigierens" Müller, Petzold 1998 und Petzold et al. 1999;

[57] retrival memory vgl. Petzold 1992a, 718f;

[58] Conway 1990;

[59] Papousek 1994a,b;

[60] Petzold, Orth, Sieper 1999;

[61] Huth 1995;

[62] Petzold, van Beek, van der Hoek 1994a;

[63] vgl. Anmerk. 61;

[64] van Beek 1993;

[65] vgl. Hass, Petzold 1999;

[66] vgl. Petzold 1995a; Kahn, Antonucci 1980a;

[67] vgl. Hass, Petzold 1999;

[68] Petzold, Petzold 1993;

[69] Petzold, Ebert, Sieper 1999;

[70] Duck 1983;

[71] Assmann, Hölscher 1989; J. Assmann 1999;

[72] Unruh 1983; Petzold, Petzold 1993a;

[73] Ramin, Petzold 1987; Müller, Petzold 1998;

[74] Engelkamp 1990; Perrig et al. 1993;

[75] Müller, Petzold 1997;

[76] vgl. zu diesem Begriff "wechselseitiger Einfühlung" von Ferenczi (1988) dessen klinisches Tagebuch;

[77] Petzold, Sieper 1999;

[78] 1956

[79] Kleist 1977;

[80] Perrig et al. 1993; Marcel 1983a,b;

[81] Petzold 1991o; Spence 1982;

[82] vgl. Gestalt & Integration 2/1989 - 1/1990, 234;

[83] "Unsere Gemeinde stellt sich vor" in: Amtsblatt der Gemeinde Büttgen, 1. Jg., Nr. 1, 1970;

[84] Niethammer 1985;

[85] Petzold, Orth 1993a;

[86] Laschinsky, Petzold, Rienast 1979;

[87] Halbwachs 1985;

[88] J. Assmann 1999; A. Assmann 1999;

[89] Goscinny, R., Uderzo, A. 1997, 43;

[90] Petzold, Orth 1985a; Petzold 1985t;

[91] Petzold 1991o; Petzold, Müller 1999;

[92] Petzold, Zander 1985;

[93] Petzold 1994e; Hass, Petzold 1999; Moreno 1997;

[94] Petzold 1988f;

[95] Petzold, Petzold 1991;

[96] Zimen 1993;

[97] Raphael et al. 1996;

[98] Josic, Petzold 1999;

[99] Aarts, op den Velde 1996;

[100] van der Kolk et al. 1996;

[101] Petzold, Goffin, Oudhoff 1993;

[102] Petzold 1992e;

[103] Petzold, Petzold, Rodriguez-Petzold 1997;

[104] Petzold 1985d; vgl. Barolin 1990;

[105] Petzold 1985a;

[106] Petzold 1994e;

[107] Maisch 1996;

[108] vgl. dazu Klee 1997; Mitscherlich, Mielke 1997; Dießenbacher, Schüller 1993; Faulstich 1998;

[109] Goffman 1963; Haeberlin, Niklaus 1978; Homeier, Pohl 1978;

[110] Belardi 1991;

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Zimen, E. (1993): Der Wolf. Verhalten, Ökologie und Mythos. München: Goldmann.

Der Autor

Prof. Dr. Dr. Dr. Hilarion G. Petzold gehört zu den Pionieren der Methodenintegration in der neueren Psychotherapie und zu den Wegbereitern der nonverbalen und körperorientierten Therapieverfahren im deutschsprachigen Raum. Er begründete das Verfahren der "Integrativen Therapie" und die Methode der "Integrativen Bewegungs- und Leibtherapie. Er ist Professor für "klinische Bewegungstherapie und Psychomotorik" an der Freien Universität Amsterdam, Mitbegründer des "Fritz Perls Instituts für Integrative Therapie", Düsseldorf, und wissenschaftlicher Leiter der "Europäischen Akademie für psychosoziale Gesundheit", Hückeswagen. "Die Zeit" zählt ihn zu den "Leitfiguren der Psychotherapie".

Fritz Perls Institut

Kühlwetterstraße 49

D-40239 Düsseldorf

Quelle:

Hilarion G. Petzold: Lebensgeschichten verstehen lernen heißt, sich selbst und andere verstehen lernen - Über Biographiearbeit, traumatische Belastungen und Neuorientierung

Erschienen in: Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft Nr. 6/99; Reha Druck Graz

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 18.01.2006

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