"Ich möchte arbeiten" - Zur Gestaltung integrativer Übergänge zwischen Schule und Berufswelt für Jugendliche mit schweren Behinderungen

Themenbereiche: Arbeitswelt
Textsorte: Zeitschrift
Releaseinfo: Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft Nr. 4/5/1998 Thema: Ich will arbeiten! Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft (4/5/1998)
Copyright: © Claudia Niedermair 1998

Entstehung von SPAGAT

Auf Initiative von "Integration Vorarlberg", einer Elterninitiative zur schulischen Integration von Kindern mit Behinderung, beauftragte das Land Vorarlberg das Institut für Sozialdienste, Fachgruppe Berufliche und Soziale Rehabilitation (im folgenden IfS Reha) im Frühjahr 1997 mit der Durchführung des Pilotprojekts SPAGAT mit dem Ziel, die berufliche Eingliederung von SchulabgängerInnen mit schweren Behinderungen zu erproben. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Landes Vorarlberg und des Europäischen Sozialfonds, bei der Umsetzung und Entwicklung arbeiten das Institut für Sozialdienste, die Schulbehörde, "Integration Vorarlberg", das Land Vorarlberg sowie die Lehrerinnen und Eltern der Jugendlichen mit Behinderung eng zusammen. Ziel des Projekts ist es, auch für jene Jugendlichen, die nach dem Schwerstbehinderten-Lehrplan unterrichtet wurden, eine Arbeit bzw. eine sinnvolle Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden um ihnen zu ermöglichen, gemeinsam mit Menschen ohne Behinderung in ihrem regionalen Umfeld zu arbeiten und zu leben. Die Rahmenbedingungen für ein solches Projekt sind in Vorarlberg besonders günstig: Bereits 1978, also vor 20 Jahren, wurde in Vorarlberg das Landeskonzept für berufliche Rehabilitation von Menschen mit Behinderung beschlossen, welches sich wesentlich von jenen anderer Bundesländer unterscheidet. Statt "Geschützte Werkstätten" einzurichten - Vorarlberg hat bis heute als einziges Bundesland noch keine derartige Einrichtung - förderte das Land schon damals die Einrichtung von "Geschützten Arbeitsplätzen" [1] in Betrieben, wobei die Betreuung und Beratung dem IfS übertragen wurde. Vorarlberg besitzt somit eine lange Tradition und reiches Erfahrungswissen im Bereich von "supported employment - Unterstützter Beschäftigung" (Badelt, 1992)[2]. Im Jahre 1997 arbeiteten 510 Menschen in mehr als 200 Betrieben in Vorarlberg auf "geschützten Arbeitsplätzen". Im Pilotprojekt SPAGAT soll die Systematik des geschützten Arbeitsplatzes weiter ausgebaut, werden, damit jene Jugendlichen, deren Leistungsfähigkeit vermutlich nicht die Hälfte der eines nicht behinderten Arbeitnehmers[3] erreicht und die Unterstützung brauchen, im ersten Arbeitsmarkt integriert werden können. Das Entwickeln individueller Lösungen, wenn nötig, ist eine zusätzliche Option. Das Projekt hat eine dreijährige Laufzeit und ist mit zehn Jugendlichen begrenzt. Anmelden konnten sich Jugendliche aus den ersten beiden Integrationsklassen in Lustenau und Egg sowie SchülerInnen mit schweren Behinderungen aus den Sonderschulen dieser zwei Gemeinden.

Vom zeitlichen Ablauf gliedert sich das Pilotprojekt SPAGAT in zwei Phasen: in die Schulphase, die bereits abgeschlossen ist, und in die nachschulische Eingliederungsphase, die mit September 1998 begonnen hat.

Der folgende Beitrag befaßt sich mit der Schulphase, eine Beschreibung der nachschulischen Eingliederungsphase ist derzeit nur in strukturellen Zügen möglich, einzelne Module werden genau erarbeitet und müssen für einzelne Jugendliche individuell adaptiert werden. Dabei tauchen laufend rechtliche und organisatorische Fragen auf, die geklärt und gelöst werden müssen. SPAGAT ist kein fertig ausformuliertes Konzept, SPAGAT ist ein Weg, den wir, die Projektpartner, Jugendliche, Eltern, Schule und IfS gemeinsam gehen. Ein erprobtes Stück, die schulische Phase, liegt erfolgreich hinter uns, das größere, wahrscheinlich auch steinigere Stück, haben wir noch vor uns.



[1] Den Begriff "Geschützter Arbeitsplatz" genau zu definieren, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, nur soviel: in der international gebräuchlichen Terminologie würde man eher von "teilgeschützten Arbeitsplätzen" sprechen.

[2] In einem Aufsatz finden Sie Beschreibung und Evaluation des Vorarlberger Modells.

[3] Nach dem Behinderteneinstellungsgesetz des Bundes können nur Lohnkostenzuschüsse gewährt werden, wenn die berufliche Leistungsfähigkeit des Menschen mit Behinderung mindestens 50 % der beruflichen Leistungsfähigkeit eines nicht behinderten Dienstnehmers in gleicher Verwendung entspricht. Diese Bestimmung schließt eine große Gruppe von Menschen mit schweren Behinderungen von der beruflichen Integration in den ersten Arbeitsmarkt aus.

Die Gestaltung des Übergangs von der Schule in die Arbeitswelt

Am Ende der Hauptschulzeit müssen alle SchülerInnen Entscheidungen treffen, die weitreichende Bedeutung für ihre Zukunft haben. Wichtige Weichen werden gestellt, ein völlig neuer Lebensabschnitt beginnt. Auch wenn Weichenstellungen später wieder korrigiert werden können und der geradlinige Weg nicht unbedingt derjenige mit den meisten Lernmöglichkeiten sein muß, so sollte doch die bestmögliche Entscheidung mit viel Sorgfalt, Behutsamkeit und Zeit gesucht werden.

Viele Hauptschulen bzw. LehrerInnen haben erkannt, wie wichtig es ist, daß Jugendliche bei dieser Entscheidung über ihre Zukunft Unterstützung und Anregungen erhalten. Sie bieten deshalb seit Jahren den Kurs "Berufsorientierung - Bildungsinformation" (= BOBI) an, der im übrigen ab dem Schuljahr 1998/99 an allen Schulen verpflichtend eingeführt werden soll. Ziel dieses Kurses ist es, SchülerInnen anzuregen, über sich selbst, seine/ihre Fähigkeiten, Neigungen und Interessen nachzudenken, Zukunftsvorstellungen zu entwickeln, Berufsfelder kennenzulernen und zu sehen, daß Zukunft nicht einfach "mit einem geschieht", sondern aktiv geplant und mitgestaltet werden kann. Es gibt mittlerweile eine ganze Fülle von didaktisierten Unterrichtsmaterialien[4], sowohl für die Hauptschule als auch für die Allgemeine Sonderschule, um diese Reflexionsarbeit interessant und anregend zu gestalten.

Auch für Jugendliche mit schwerer Behinderung beginnt nach der Schulzeit dieser neue Lebensabschnitt und auch für sie gilt, daß der Brückenbau ins nachschulische Leben rechtzeitig, also bereits in der Schule beginnen muß. Im Gegensatz zu SchülerInnen ohne Behinderung hatten sie bis jetzt jedoch kaum Wahlmöglichkeiten, ihr vorgezeichneter Weg war der in eine Fach- oder Förderwerkstätte oder ein Leben zu Hause bei den Eltern. Alternativen gab es kaum, mit Ausnahme von wenigen Personen in Vorarlberg, die trotz schwerer Behinderung einen geschützten Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt fanden. Es gibt bisher wenig Erfahrungen zu Fragen der Gestaltung des Übergangs und wenig für den Unterricht aufbereitete Materialien, auf die man zurückgreifen kann. Mit SPAGAT betraten wir Neuland.

Die Projektpartner von SPAGAT gehen davon aus, daß auch Jugendliche mit schweren Behinderungen in Betrieben erfolgreich integriert werden können, vorausgesetzt sie erhalten die notwendige individuelle Unterstützung. In der schulischen Phase ging es auch für sie um Berufsorientierung, methodisch baute SPAGAT auf dem Konzept der persönlichen Zukunftsplanung auf.



[4] Eine ausgesprochen umfangreiche und gut gegliederte Materialübersicht (Mediathek) findet sich in: Frass, Bernhard/Groyer Hans: Berufsplanung ist Lebensplanung

Persönliche Zukunftsplanung

Persönliche Zukunftsplanung ist ein methodischer Ansatz, gemeinsam mit Menschen, die einer Person nahestehen, die sie gut kennen und von dieser akzeptiert sind, über deren Zukunft nachzudenken, gemeinsam Wünsche und Vorstellungen zu entwickeln bzw. zu entdecken, sich Ziele zu stecken und nach Möglichkeiten zu suchen, diese auch umzusetzen. Entwickelt wurde diese Methode in den USA unter dem Namen "Personal Future Planning" oder "Person centered planning" (vgl. Marrone, 1996; Mount, 1994). Für die Rezeption und Verbreitung der Ideen im deutschsprachigen Raum steht eigentlich ein Name: Stefan Doose, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung, Hamburg[5], dessen Seminare in der Planungsphase sehr ermutigend und hilfreich waren.

Persönliche Zukunftsplanung unterscheidet im wesentlichen nicht zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Ziele, Grundsätze und auch Methoden sind dieselben. Es handelt sich auch nicht um ein Konzept, das spezifisch für den Brückenbau zwischen Schule und beruflicher Welt konzipiert ist. Persönliche Zukunftsplanung ist immer dann sinnvoll, wenn wichtige Entscheidungen anstehen bzw. Übergänge zu gestalten sind (z.B. Berufswechsel).

Im Mittelpunkt der persönlichen Zukunftsplanung steht der Mensch mit seinen Wünschen, Fähigkeiten, Stärken, aber auch seinen Begrenzungen, Ängsten, Widersprüchen, Hindernissen. Noch immer werden viele Berufe aus Tradition ergriffen oder vielleicht, weil gerade irgendwo eine Lehrstelle frei ist oder auch mangels Kenntnis anderer Möglichkeiten. Persönliche Zukunftsplanung geht den umgekehrten Weg: Sie geht von der Person aus, fragt nach Stärken, Vorlieben, Fähigkeiten, Interessen und leitet daraus die passenden Berufsfelder ab.

Persönliche Zukunftsplanung für Menschen mit schwerer Behinderung unterscheidet sich letztlich nur in der Auswahl der didaktischen Mittel. Neben der sprachlichen Ebene, die das wesentliche Element der Zukunftsplanung ist, müssen für Menschen mit Behinderung andere Ausdrucksformen für Wünsche, Interessen und Vorlieben gefunden werden: Arbeit mit Bildern, mit Karten, mit Fotos, mit Symbolen oder einfach Ausprobieren.

Der Ansatz von "person centered planning" ist ein ganzheitlicher und umfaßt weit mehr als die Frage nach beruflicher Integration. Es geht um eine umfassende Gestaltung der Lebenswelt des Menschen mit Behinderung, es geht um Lebensqualität: um Bildung und Schule, um Arbeit, um die Gestaltung der Freizeit, um Wohnen, um Beziehungen. Im Projekt SPAGAT steht die berufliche Integration im Mittelpunkt, allerdings werden die Fragen aus den anderen Bereichen ausgenommen das Wohnen in den Unterstützungskreisen laufend mitgedacht, sie lassen sich auch nicht von der beruflichen Integration trennen.

Anhand eines Beispiels möchte ich zusammenfassend verdeutlichen, was es heißt, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, ihn im Zentrum des Planungsprozesses zu sehen und nicht das System[6]:

Martin ist ein junger Mann mit Down-Syndrom, der Bäcker werden wollte, aber keine Möglichkeit gehabt hätte, dies in der für ihn vorgesehenen geschützten Werkstätte zu tun, da dies dort nicht angeboten werden konnte. Mit Hilfe der Hamburger Arbeitsassistenz wurde für ihn ein Arbeitsplatz in einer Bäckerei gefunden und mit Kreativität seinen Möglichkeiten entsprechend angepaßt. Weil Martin nicht zählen kann, Bleche aber immer mit derselben Stückzahl belegen muß, entwickelte der Arbeitsassistent oder 'Job-coach' (die beiden Begriffe werden sehr unterschiedlich verwendet) Sortierleisten, mit deren Hilfe Martin ohne zu zählen zurechtkommt. Oder die Waage erhielt Markierungen für Mengenangaben bei unterschiedlichen Brotsorten. Martin wurde vom Arbeitsassistenten zusammen mit Mitarbeitern des Betriebs für bestimmte Tätigkeiten angelernt, der Assistent hatte in der Anfangsphase aber auch die Aufgabe, im Verständigungsprozeß zwischen allen Beteiligten zu vermitteln. Ohne diese Unterstützung wäre Martin sicher nicht 'vermittlungsfähig' gewesen.

Martin ist ein Beispiel dafür, daß seine Wünsche nicht an den Grenzen eines bestehenden Systems scheiterten, sondern daß innerhalb der bestehenden Strukturen Arbeits- und Lebensbedingungen so organsiert werden konnten, daß sie für ihn angemessen sind und ihm ein Leben in Gemeinschaft mit Nichtbehinderten ermöglichen.

Im SPAGAT erfolgte der Planungsprozeß gemeinsam mit den Jugendlichen auf zwei Ebenen, die jedoch eng miteinander verknüpft waren: Zum einen gestalteten die LehrerInnen integrativen BOBI-Unterricht in der Schule, zum anderen wurde um jeden Schüler ein Unterstützungskreis (support circle) gebildet, welcher das zentrale Element der persönlichen Zukunftsplanung ist. Der IfS-Projektleiter begegnete den SchülerInnen im Klassenverband mit dem Ziel, die Jugendlichen in ihrem wohlvertrauten Rahmen kennenzulernen und beteiligte sich teilweise am BOBI-Unterricht bzw. gestaltete diesen mit. Die LehrerInnen ihrerseits gehörten zu den Personen des Unterstützungskreises eine doppelte Vernetzung: die Zusammenarbeit mit dem Projektleiter in der Schule und die Zusammenarbeit mit den LehrerInnen im Unterstützungskreis. Mit dieser Vorgangsweise haben die Projektbeteiligten bewußt versucht, das im schulischen System herrschende Denken "in abgeschlossenen Stufen" (vgl. Horizon Arbeitsgruppe, 1995) zu überwinden. Gemeint ist damit, daß schulische Übergänge in der Regel als aufeinanderfolgende Phasen organisiert sind, dabei jedoch kein Austausch zwischen den einzelnen Stufen Kindergarten/ Volksschule, Volks-/Hauptschule und auch kein Austausch zwischen Hauptschule und Arbeitswelt vorgesehen ist. Dabei hätte das überlappende Gestalten von Übergängen so viele Vorteile: Angst und Unsicherheit vor dem Übergang werden verringert, da das Zukünftige nicht mehr so fremd ist und die Ressourcen, Erfahrungen, Beobachtungen, das Wissen über eine Person, mit der man viel gemeinsame Zeit gelebt und gearbeitet hat, gehen nicht einfach verloren. Dieser sanft gestaltete Übergang, der in der pädagogischen Literatur immer wieder eingemahnt wird, wurde im SPAGAT strukturell verankert[7].



[5] vgl. Stefan Doose: "I want my dream" - Persönliche Zukunftsplanung. Neue Perspektiven und Methoden einer individuellen Hilfeplanung für Menschen mit Behinderungen. Zu beziehen bei: Stefan Doose, O'Swaldstraße 8, D-22111 Hamburg. In dieser Broschüre findet sich auch eine Reihe von Literaturangaben aus dem amerikanischen Raum zum Thema "personal future planning".

[6] Beispiel von Stefan Doose, erzählt bei der Fachtagung "Fertig mit der Schule, was nun?" - Lehranstalt für Heilpädagogische Berufe, Götzis 1997

[7] Damit sind keine finanziellen Regelungen gemeint. Die LehrerInnen investierten ein hohes Stundenausmaß in die Unterstützungskreise - auf ‚unbezahlter' Basis.

Der Unterstützungskreis

Der individuelle Unterstützungskreis für jeden Schulabgänger ist ein zentrales Element im Konzept der persönlichen Zukunftsplanung, das im SPAGAT in die Praxis umgesetzt wurde. Die Unterstützungskreise setzen sich zusammen aus dem Jugendlichen, um dessen Zukunft es geht, aus den Eltern, LehrerInnen, anderen professionellen BetreuerInnen (TherapeutInnen) und Menschen, die dem Jugendlichen nahestehen (FreundInnen, Verwandte, Nachbarn usw.). Der IfS-Projektleiter bereitet die Treffen vor, moderiert sie und achtet darauf, daß die geplanten Schritte umgesetzt werden und der Prozeß in Gang bleibt. Der Unterstützungskreis soll im wesentlichen folgende Aufgaben erfüllen:

Fähigkeitsprofil erstellen

In den ersten Treffen geht es darum, gemeinsam mit dem Jugendlichen die Stärken, Fähigkeiten, Begabungen, Vorlieben und Möglichkeiten zu erfassen und zu beschreiben. Unterschiedliche Perspektiven sind deshalb so wichtig, weil viele Verhaltensmuster oder Fähigkeiten nur an einem Ort, z. B. zu Hause, in der Schule oder im Umgang mit Erwachsenen, sichtbar werden, an anderen nicht. Die eigene Sichtweise engt mitunter auch ein, prägt und beeinflußt eine Person, kann Entwicklungen unterstützen oder verhindern. Verschiedene Sichtweisen führen zu einem differenzierten Bild, Stärken werden deutlicher sichtbar, auch Grenzen und Widersprüche.

Zudem ist es wichtig, sich im Unterstützungskreis Gedanken darüber zu machen, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit der Jugendliche erfolgreich sein kann. Ob ein Jugendlicher z. B. auf Lärm empfindlich reagiert, ob er lieber in einer großen Gruppe als allein arbeitet, ob er viel Bewegung braucht, all dies ist bei der Suche von Arbeitsfeldern zu berücksichtigen.

Mögliche Arbeitsfelder definieren

Eine zweite Aufgabe ist es, aufbauend auf den Ergebnissen der ersten Treffen, mögliche Arbeitsfelder zu finden, die für den Jugendlichen passen könnten. Dabei ist es nötig, der Phantasie freien Lauf zu lassen, kreativ zu sein, denn reguläre Arbeitsplätze für Menschen mit schweren Behinderungen sind in den wenigsten Fällen auf dem Markt zu finden. In der Regel müssen sie entdeckt und erfunden werden. Wenn,wie bei einem Jugendlichen in SPAGAT, das Fahrradfahren zu seinen liebsten Beschäftigungen gehört, wird man im Unterstützungskreis darüber nachdenken, in welchem Arbeitsfeld Botengänge notwendig wären bzw. ob und wo es Ideen oder Möglichkeiten gibt, das Fahrrad in eine Beschäftigung einzubauen.

Arbeitgeberkontakte herstellen

Eine weiterer Schritt besteht darin, Arbeitgeberkontakte herzustellen, zunächst Schnupperplätze ausfindig zu machen, die evtl. in eine längerfristige Arbeitserprobung führen können. Es gilt, die Ressourcen, die Beziehungen der Mitglieder des Unterstützungskreises zu nützen, denn wir wissen mittlerweile, daß der Großteil der Arbeitsplätze über informelle Kontakte und nicht über institutionelle Vermittlung gefunden wird. Deshalb kann es in dieser Phase hilfreich sein, zusätzliche Personen in den Unterstützungskreis einzuladen, um ein möglichst großes Netz zu knüpfen. Dadurch werden die Eltern entlastet, und zudem ist es für "weniger Betroffene" oft leichter, an einen Arbeitgeber heranzutreten als für Eltern, die sich dann wiederum in der "Bittstellerrolle" fühlen.

Die integrative Idee weitertragen

Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt der Unterstützungskreise liegt in der berechtigten Hoffnung, daß dadurch die integrative Idee gleich einem Schneeballsystem weitergetragen wird.

Die Unterstützungstreffen im SPAGAT dauerten in der Regel eineinhalb bis zwei Stunden, die Zusammensetzung wurde vom Projektleiter variabel organisiert, da gerade am Anfang auch sehr persönliche Gespräche mit den engeren Beteiligten nötig waren. Die Kerngruppe, Projektleiter, Jugendlicher, Eltern und LehrerIn blieb stabil und wurde je nach Wunsch und Bedarf erweitert. Im Durchschnitt fanden fünf Unterstützungstreffen pro Jugendlichem statt.

Integrative Berufsorientierung - Berufsvorbereitung in der Schule (BOBI)

Im Rahmen des BOBI-Unterrichts kann die Schule sehr wichtige Beiträge für die Zukunftsplanung erarbeiten, die über die Teilnahme einer der LehrerInnen am Unterstützungskreis in den Planungsprozeß eingebracht werden.

BOBI-Unterricht gliedert sich im wesentlichen in drei Phasen:

  • Vorbereitungs- und Orientierungsphase: Wer bin ich? Wie bin ich? - Auseinandersetzung mit der eigenen Person und Kennenlernen von Berufsfeldern, Hypothesenbildung

  • Berufspraktische Tage - Realerfahrungen: Schnuppern, Überprüfen der Hypothesen

  • Nachbereitungsphase

Vorbereitungs- und Orientierungsphase

Der Wert der Orientierungsphase ist für alle Jugendlichen, egal ob mit oder ohne Behinderung, gar nicht hoch genug zu veranschlagen und wird nicht selten unterschätzt. In einem ersten Teil geht es zunächst um die bewußte Begegnung und Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit:

  • Wer bin ich eigentlich, wie sehe ich mich, wie sehen mich andere?

  • Was kann ich gut, wo sehe ich meine Fähigkeiten und Stärken, wie sehen mich andere?

  • Welches sind meine Interessen, meine Neigungen?

  • Wie steht es um meine Arbeitshaltungen, unter welchen Bedingungen arbeite ich gut, welche Bedingungen hemmen mich?

  • Was möchte ich verändern, anders machen, noch lernen?

  • Was ist mir in meinem Leben wichtig, was sind meine Träume, Wünsche und Erwartungen?

Die Reflexion dieser und ähnlicher Fragen ist eine Grundvoraussetzung für eine qualifizierte Berufs- oder auch Schulwahl. Dies gilt auch für SchülerInnen mit Behinderung.

Für Menschen mit Behinderung geht es in dieser Phase sehr oft noch um etwas anderes: Viele Jugendliche beginnen in der Pubertät, ihr Anders-Sein oder So-Sein bewußter wahrzunehmen, auch wenn sie dies oft nicht sprachlich ausdrücken. Dies kann ein schmerzlicher Prozeß sein, begleitet von Krisen, vordergründig unverständlichem Verhalten, Veränderungen in den Umgangsformen usw. wie bei nichtbehinderten Jugendlichen in der Pubertät auch.

Eine sensible, unterstützte Auseinandersetzung mit der Frage "Wer bin ich" ist für die Identitätsentwicklung von Jugendlichen mit Behinderung von größter Bedeutung.

Beispiel:

Ein Junge in einer Integrationsklasse verliebt sich in eine nichtbehinderte Schülerin. Das Mädchen begegnet ihm freundschaftlich. Der Junge ist der Meinung, daß S. ihn wegen seiner Hand (Diplegie) nicht mag. Es bedarf vieler Gespräche, ihm aufzuzeigen, daß es häufig vorkommt, daß die Verliebtheit nicht auf Gegenseitigkeit beruht, daß seine Behinderung nicht wegoperiert werden kann, wie er es sich wünscht. Das Akzeptieren der bewußter wahrgenommenen Behinderung blieb dennoch ein schmerzlicher Prozeß. Dabei ist eine Unterstützung und Begleitung bei diesem Jugendlichen einfacher, weil er seine Gefühle sprachlich artikulieren kann.

In einem nächsten Schritt sollen die SchülerInnen Berufsfelder kennenlernen und ihre eigenen Fähigkeiten, Wünsche und Interessen dazu in Beziehung setzen. Die Leitfrage lautet:

Stimmt das, wie ich mich sehe und wie mich andere sehen, mit dem ausgewählten, angestrebten Berufsziel überein?

Für Jugendliche mit Behinderungen ist die Fragestellung dieselbe: Es geht darum, Berufe und Arbeiten aus ihrem alltäglichen Umfeld kennenzulernen, Tätigkeiten zu erkennen und zu benennen, diese einzelnen Berufen zuzuordnen und herauszufinden, welche Tätigkeiten zu ihnen passen, welche sie gerne tun und auch gut können bzw. lernen können. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen werden dann im Unterstützungskreis Berufsfelder für eine mögliche Integration gefunden. Das Definieren dieser Berufsfelder hat zu diesem Zeitpunkt im Prozeß jedoch rein hypothetischen Charakter, ob ein Berufsfeld geeignet ist oder nicht, kann nur bei Realerfahrungen, also bei längerdauernden Praktika (Arbeitserprobungen) herausgefunden werden.

Zusammenfassend könnte man sagen, daß es Ziel dieser Vorbereitungsphase ist, mit den Jugendlichen in einer für sie zugänglichen Art und Weise über die konkrete Gestaltung ihres Lebens nachzudenken und ihnen dabei Wahlmöglichkeiten zu erschließen.

Methodisch-didaktische Hilfsmittel für die Arbeit in der Schule und in den Unterstützungskreisen:

Wie bereits angeführt, gibt es zahlreiche Arbeitsmaterialien für den BOBI-Unterricht. Der Großteil der Ideen für die Einbeziehung der Jugendlichen mit schweren Behinderungen stammt aus dem reichen Erfahrungsschatz von Stefan Doose, der amerikanische Materialien für den deutschsprachigen Raum verfügbar gemacht hat (Doose, 1996). Ausgesprochen empfehlenswert und voller Ideen sind die beiden Bände "Berufsplanung ist Lebensplanung" (Fraß/Grober, 1993). Obwohl nicht für Jugendliche mit Behinderung konzipiert, haben wir viele Anregungen gefunden, die leicht zu adaptieren waren.

Themenblätter, Fragebögen, Checklisten:

Das sind Arbeitsvorlagen, die bestimmte Fragestellungen hinsichtlich der Zukunftsplanung aufgreifen,u.a.: Auflistungen, Zuordnungen, Alternativen zum Ankreuzen:

  • Was ich gerne mache, stimmt/stimmt nicht

  • Dinge, die ich allein tun kann, wo ich Hilfe brauche

  • Das kann ich gut, das möchte ich gern können

  • Was macht mir Angst

  • Lebensqualität-Mandala: Mandala mit den Dingen, die wichtig sind / weniger wichtig

Gestaltung von Plakaten - Themen visualisieren:

  • Ich-Plakate: Körperumrisse lebensgroß auf Papier zeichnen, mit Fotos, Bildern aus Zeitschriften, Schrift gestalten: Wie bin ich, was mache ich gern, wie sehen mich andere, die MitschülerInnen gestalten z. B. Kärtchen mit Eigenschaften, die sie an anderen schätzen

  • Menschen, die ich gut kenne, wer steht mir nah/fern? Arbeit mit Fotos oder Namenskärtchen oder auch Symbolen zum Legen, Kennenlernen und Nachdenken über das Beziehungsnetz

  • Wo verbringe ich meine Freizeit - Orte aufzeichnen

  • Mein Lebenslauf - Darstellung mit bildnerischen Elementen

  • Meine Träume usw.

Karten, Bilder, Photos, Symbole:

  • Fotoserien zu unterschiedlichen Themen (Freizeitmöglichkeiten, Berufe, Tätigkeiten usw.)

  • Kartensätze zu verschiedenen Themen (dream-cards, life-style-cards, Neue Hüte usw. Doose 1996)

  • Fotos aus dem eigenen Leben

Der Einsatz dieser Mittel kann sehr vielfältig erfolgen, sie müssen immer wieder individuell adaptiert werden. Ziel ist es, Formen zu finden, mit den Jugendlichen über ihre Wünsche, Möglichkeiten in einen Austausch zu gelangen, sie anzuregen, über die Gestaltung ihres Lebens nachzudenken und mitzuentscheiden.

Dokumentation

BOBI-Unterricht findet in einer Phase des Übergangs statt. Damit Ergebnisse, Ideen und Spuren nicht verlorengehen, die nächsten Begleiter des Jugendlichen nicht das Rad neu erfinden müssen, ist es notwendig, die Nachdenkprozesse zu dokumentieren. Nicht zu dokumentieren wäre eine unnötige Verschwendung von Ressourcen. Im SPAGAT hat der Projektleiter gleich am Anfang von jedem Jugendlichen eine Dokumentation erhalten, die zudem noch Förderpläne, Entwicklungsberichte, Arbeiten der SchülerInnen (beste/liebste Werke) enthielt, was eine große Einstiegshilfe darstellte.

Aus den zugegebenermaßen noch nicht großen Erfahrungen der bisherigen Integrationsklassen (Lustenau Kirchdorf, Egg) haben wir gelernt, daß diese Dokumentation nicht nur für die Begleiter, sondern auch für die Jugendlichen selbst wertvoll ist, wie stolz sie auf "ihre Mappen" sind. Sämtliche Materialien aus dem BOBI-Unterricht wurden in diesen Mappen abgelegt, die Planungsprozesse damit festgehalten.

Für den Jugendlichen kann die Mappe eine Vielzahl von Funktionen haben:

  • Erinnerungshilfe,

  • Anregung, außerhalb der Schule mit ihm nahestehenden Menschen über die Zukunft zu sprechen (sofern dies nicht ohnehin in Unterstützungskreisen erfolgt)

  • Möglichkeit, selbständig weiterzudenken

  • Unterstützung bei der Entwicklung von Identität, die Mappe als Dokumentation persönlicher Geschichte

  • Hilfe zur Strukturierung von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

  • Referenz z. B. an einen möglichen Arbeitgeber

Inhalt der Dokumentation

Bewährt hat sich das Anlegen von Ordnern bzw. Portfolios (Sammlung bester Werke in der Schule auch bekannt unter dem Titel: Direkte Leistungsvorlage) im folgenden einige Ideen:

- Sammlung aller Themenblätter, die im Laufe von BOBI bearbeitet wurden

- Sammlung der Plakate bzw. Fotos von Plakaten

- Kopien der Fotos, die zu bestimmten Themen ausgewählt wurden

-.Kommentare zu Fotos, Festhalten von Aussagen zu bestimmten Karten

-.Lebenslauf (personal history map) mittels graphischer Gestaltung

-.Personen, die mir nahestehen (Schrift, Fotos, Zeichnungen)

-.Freizeitinteressen (Schrift, Fotos, Zeichnungen) usw.

-.Förderpläne der Schule

-.Zeugnisse

-.Sammlung der besten Werke:

  • Texte

  • Rechenbeispiele

  • Zeichnungen

  • Werkstücke oder Fotos von Werkstücken

  • Kochrezepte, die man allein kochen kann

  • Videoaufnahmen mit Lernfortschritten

  • Videoaufnahmen aus dem Schulalltag usw.

Nach der Phase der bewußt herbeigeführten Auseinandersetzung mit der eigenen Person folgt nun im BOBI-Unterricht der Hauptschülerinnen das Kennenlernen von Berufsfeldern, das Überprüfen, ob die im ersten Teil erarbeiteten Vorstellungen über die eigene Person mit der Berufswahl übereinstimmen, die Erkundung von Wegen in den Beruf und die Konkretisierung von Berufsvorstellungen. Gleichermaßen geht es darum, sich in die Position eines Arbeitgebers zu versetzen, darüber nachzudenken, was vom Jugendlichen erwartet wird: Einsatz, Lernwilligkeit, Flexibilität, Verantwortungsbewußtsein usw.

Während im ersten Teil die eigenen Wünsche im Vordergrund stehen, geht es nun um eine Zusammenschau von Eigen- und Fremdsicht: Was wünsche ich mir, was wird von mir erwartet?

Die Organisation von integrativem Unterricht ist in dieser Phase sicherlich schwieriger zu verwirklichen als in der Phase, in der es um die Beschäftigung mit der eigenen Person geht. Dennoch geht es auch bei Jugendlichen mit Behinderung um dieselben Themen: Welche Berufsfelder kommen für mich in Frage, welche Tätigkeiten kann ich bzw. welche kann ich erlernen, zu welchem Berufsfeld passen sie?

Das wirkliche "Ausprobieren" mit Unterstützung und Begleitung ist in dieser Phase sicherlich weitaus wirkungsvoller und bedeutsamer als eine reflexive Auseinandersetzung.

Berufspraktische Tage - das Schnuppern

Inhaltsverzeichnis

Berufspraktische Tage gehören zum festen Angebot im Rahmen des Berufsorientierungs- und Berufsfindungsprozesses an Hauptschulen. Nachdenken über sich selbst, seine Zukunft, seine Fähigkeiten und seine Erwartungen ist Grundvoraussetzung für eine gelungene Weichenstellung, sie kann jedoch niemals die reale Begegnung mit der Berufswelt, das "Erfahren aus erster Hand" ersetzen[8].

Für Jugendliche mit schweren Behinderungen ist das Schnuppern in der realen Berufswelt neu. Es war bisher auch nicht notwendig, da es wenige bis keine Wahlmöglichkeiten bzw. Hypothesen zu überprüfen gab. Ist man jedoch von der Idee der sozialen Integration überzeugt, erhalten die berufspraktischen Tage, das sog. Schnuppern, gerade für diese Jugendlichen besondere Bedeutung.

Mit Schnupperphasen werden folgende Ziele angestrebt:

Überprüfung der Hypothesen: In den Unterstützungskreisen bzw. im BOBI-Unterricht der Schule werden mögliche Arbeitsfelder mit den betroffenen Jugendlichen gemeinsam erarbeitet, z. B. Arbeit mit Tieren, Arbeitsfeld Küche, Arbeitsfeld Autowerkstatt, Botentätigkeit usw. Erst in der realen Situation kann eingeschätzt werden, ob dieses Feld wirklich in Frage kommt und ein längerfristiges Anlernen (Arbeitserprobung) ratsam ist.

Beziehungsanbahnung: Der Arbeitgeber und auch die Mitarbeiter sollen die Möglichkeit haben, den Jugendlichen mit Behinderung kennenzulernen, eine Beziehung mit ihm anzubahnen und grundsätzlich darüber nachzudenken, ob eine längerfristige Beschäftigung in diesem Betrieb vorstellbar wäre.

Einschätzung des Betriebsklimas: Der Arbeitsbegleiter hat die Aufgabe, herauszufinden, ob die Betriebskultur mit den individuellen Möglichkeiten des Jugendlichen übereinstimmt (Beispiel: Der Jugendliche arbeitet besser in ruhiger Atmosphäre, im Betrieb geht es jedoch zeitweise sehr hektisch zu.).

Suche nach möglichen Tätigkeiten: Arbeitsplätze für Jugendliche mit schweren Behinderungen gibt es in der Regel nicht, sie müssen auf ihn "zugeschnitten"/gestaltet werden. Eine Aufgabe des Begleiters während der Schnupperphase ist, zu sehen und vielleicht schon Vorschläge zu machen, welche Tätigkeiten der Jugendliche bereits kann oder lernen könnte.

Im 2. Semester des vergangenen Schuljahres begann im SPAGAT die Phase der praktischen Berufserfahrung. Gemeinsam mit den Jugendlichen wurden in den Unterstützungskreisen Berufsfelder ausgesucht, die sich zum einen aus dem BOBI-Unterricht und zum anderen aus vielschichtigen Erfahrungen aus dem Leben und dem Umgang mit den Jugendlichen ergeben haben. Die Beteiligten der Unterstützungskreise in erster Linie Eltern oder LehrerInnen knüpften mit Betrieben in der Region erste Kontakte und konnten Schnupperplätze finden. Wir waren angenehm überrascht, wie offen die Türen waren, wie leicht es war, Schnupperplätze zu finden. Beim Schnuppern wurden die Jugendlichen entweder von LehrerInnen oder von Projekt-MitarbeiterInnen begleitet. Die Schnupperzeiten wurden sehr individuell auf die Bedürfnisse des Jugendlichen und des jeweiligen Betriebes abgestimmt. Die Schnupperphasen dauerten bis zu zwei Wochen, wobei bis zu fünf Halbtagen begleitet wurden.

Nach einer Nachbereitungsphase wird das nächste Berufsfeld, das als Möglichkeit für längerfristiges Arbeiten eingeschätzt wird, erkundet.

Nachbereitung

Die Formen der Nachbereitung können vielfältige sein. Wichtig ist es, die in den berufspraktischen Tagen gemachten Erfahrungen allen SchülerInnen verfügbar zu machen, sei dies mittels einer Ausstellung, eines Videos[9] oder einer Mappe, in der die Berufe dargestellt sind.

Für SchülerInnen mit Behinderung erfolgte die Nachbereitung auf mehreren Ebenen:

  • Auch sie leisteten einen Beitrag zur Präsentation in der Klasse.

  • In offenen Lernphasen wurden die Erfahrungen der Jugendlichen aus der Schnupperphase aufgearbeitet: Benennen der wichtigsten Geräte und Tätigkeiten, Tätigkeiten zuordnen, Arbeitsabläufe in die richtige Reihenfolge bringen usw. Hier sollte mit denselben Medien wie in der Orientierungsphase gearbeitet werden. Zusätzlich wurden Tätigkeiten aus dem Arbeitsfeld langfristig in den Unterricht eingebaut z.B. Botengänge erledigen, einfache Bürotätigkeiten ausführen wie kopieren, einordnen, sortieren.

  • Reflexion der Erfahrungen im Unterstützungskreis.

Eine gründliche Nachbereitung auf allen Ebenen ist ebenso wichtig wie eine intensive Vorbereitung.



[8] Die gesetzlichen Grundlagen finden sich in der Schulveranstaltungsverordnung 1995 - SchV-Vo (aufgrund des § 13 SchUG, geändert durch das Bundesgesetz BGBl. 468/1995)

[9] Die Lehrer machen beim Besuch der Jugendlichen in den Betrieben oft Aufnahmen der Schüler am "Arbeitsplatz". Diese Aufnahmen können als Grundlage für einen Video-Film dienen, mit Beschreibung der Berufe, usw.

Wo stehen wir jetzt? - Wie geht es weiter?

Die schulische Phase ist abgeschlossen, die Jugendlichen haben an unterschiedlichen Orten geschnuppert. Einige Jugendliche beginnen bzw. stehen kurz vor einer längerfristigen Arbeitserprobung, die von IfS-Projket-MitarbeiterInnen begleitet wird: Gestaltung und Anpassung des Arbeitsplatzes, Lernen am Arbeitsplatz (training on the job), Suche und Unterstützung einer innerbetrieblichen Bezugsperson, des Mentors insgesamt geht es nun um die praktische Umsetzung der theoretischen Grundlagen aus dem Konzept der Unterstützten Beschäftigung (Schartmann, 1995; Rennmayer, 1996; Doose, 1996). Der Weg ist sicherlich noch weit, doch wir sind alle sehr zuversichtlich. Bisher haben wir viel Offenheit erfahren, wir sind Menschen in der Wirtschaft begegnet, die bereit sind, den Jugendlichen eine Chance zu geben, die bereit sind, einen Schritt mit uns zu gehen. In einem Jahr werden wir mehr berichten.

Für weitere Auskünfte steht Ihnen der Projektleiter, Herr André Stanke, Institut für Sozialdienste, Frühlingsstraße 11, A-6850 Dornbirn, zur Verfügung.

Literatur

Badelt C. (Hrsg): Geschützte Arbeit. Alternative Beschäftigungsformen zur beruflichen und sozialen Integration behinderter Menschen. Wien 1992 (Böhlau Verlag)

Berufsorientierung und Bildungsinformation, hrsg. vom Pädagogischen Institut in Vorarlberg. Lochau 1990

Doose, S.: "I want my dream!" Persönliche Zukunftsplanung. Hamburg 1996.

Frass, B./Groyer H.: Berufsplanung ist Lebensplanung. Band 1. Wien 1993 (Jugend und Volk)

Frass, B./Groyer H.: Berufsplanung ist Lebensplanung. Band 2. Wien 1994 (Jugend und Volk)

Gstettenbauer, G.: Was nun? Berufsplanung 1. Approbiertes Schulbuch für die Allgemeine Sonderschule, 6. und 7. Schulstufe. Wien 1997 (Jugend und Volk)

Gstettenbauer, G.: Was nun? Berufsplanung 2. Approbiertes Schulbuch für die Allgemeine Sonderschule, 7. bis 9. Schulstufe. Wien 1997 (Jugend und Volk)

Horizon Arbeitsgruppe: Unterstützte Beschäftigung. Handbuch zur Arbeitsweise von Integrationsfachdiensten für Menschen mit geistiger Behinderung. Reutlingen, Hamburg, Berlin, Gelsenkirchen 1995

Marrone, J./Hoff, D./Helm, D.: Person Centered Planning for the Millennium. Boston/USA: Childrens's Hospital 1996

Mount, B.: Benefits and Limitations of Personal Future Planning. In: Bradley, Ashbaugh & Blaney (ed.): Creating individual support for people with developmental disabilities: A mandate for change at many levels, Baltimore/USA 1994

Rennmayer, E./Schwarzenbacher, P.: Arbeitsassistenz für behinderte Menschen, In: Behinderte, 6/1996

Schartmann, D.: Soziale Integration durch Mentoren, In: Behinderte, 4/1995

Fußnoten

Autorin:

Mag. Claudia Niedermair ist wissenschaftliche Begleiterin der integrativen Schulversuche im Sekundarstufenbereich in Vorarlberg, Lehrerin an der Lehranstalt für Heilpädagogische Berufe in Götzis und Lehrbeauftragte an der Pädagogischen Akademie in Feldkirch. Als Beirat im Vorstand von Integration Vorarlberg unterstützt sie die Eltern vor allem im Bereich der nachschulischen Integration.

Mähdle 43

A-6890 Lustenau

Email: claudia.niedermair@magnet.at

Quelle:

Claudia Niedermair: "Ich möchte arbeiten" - Zur Gestaltung integrativer Übergänge zwischen Schule und Berufswelt für Jugendliche mit schweren Behinderungen

Erschienen in: Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft Nr. 4/5/1998; Reha Druck Graz

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 21.02.2005

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