Nähe, Zärtlichkeit und Gewalt als Grenzüberschreitung

in der heilpädagogischen Arbeit mit hilfsbedürftigen Menschen

AutorIn: Dieter Fischer
Themenbereiche: Psychosoziale Arbeit
Schlagwörter: Begleitung, Körper, Gewalt, Macht
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: Erschienen in: Behinderte Menschen, Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten, Nr. 4/5/2011, Thema: Anerkennung und Fürsorge, S. 49-61. Behinderte Menschen (4/5/2011)
Copyright: © Dieter Fischer 2011

Information

BEHINDERTE MENSCHEN, die Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten ist das Fachmagazin im deutschsprachigen Raum. Alle zwei Monate bringt es Fachwissen zu einem Schwerpunktthema. Dazu gibt es Reportagen, Meldungen, Buchbesprechungen, Fortbildungstipps und Kommentare. Produziert wird die Zeitschrift von der Reha-Druck, einer Druckerei in Graz, in der behinderte Menschen Ausbildung und Arbeit finden. Probeexemplare, Geschenkabos und Schnupperabos können auch online angefordert werden: www.behindertemenschen.at

Nähe, Zärtlichkeit und Gewalt als Grenzüberschreitung

Die Reflexion befreit,

indem sie durchschaubar macht,

was einen undurchschaubar beherrscht.

Hans-Georg Gadamer

So ist es – ist es so?

Nahezu wöchentlich informiert die Presse über gewalttätige wie auch sexuelle Übergriffe in der Arbeit mit behinderten, manchmal auch alten und pflegebedürftigen Menschen. Das Erschrecken ist mit Recht jedes Mal groß; dennoch sind diese Tatsachen trotz großer Kontrolle und vieler Appelle nicht einfach auszumerzen, selbst wenn sie als Strafgegenstand gelten. Die Täter werden meist schnell ermittelt, entsprechend verurteilt und in der Folge aus dem Dienst entfernt. Dennoch steht nicht selten der nächste bereits schon vor der Tür.

Weder durch Bücher, Vorträge oder Fachartikel noch durch Appelle und gepredigte Moral scheint man dieser Wirklichkeit beizukommen. Hier gilt es grundsätzlicher nachzudenken und Hintergründe aufzuzeigen – moralische Vorgaben oder auch Verweise auf ethisches Handeln allein genügen nicht. Die häufig vermutete Annahme, dass sich diesbezüglich gefährdete Menschen vor allem durch behinderte, also schutzbedürftige und in Abhängigkeit lebende Menschen, besonders angezogen fühlen, ist sicher ein Erfahrungs- und Erklärungsgrund. Es liegen anscheinend die Bereitschaft, Menschen mit Betreuungsbedarf zu schützen – diesen also Gutes zu tun – und die Gefahr, dabei eigene Bedürfnisse, konkret gewalttätige oder sexuelle Triebimpulse unkontrolliert auszuleben, erschreckend nahe beisammen.

Im fachlichen Kontext spricht man von Übergriffen oder bei zunehmender Gewaltanwendung auch von Grenzüberschreitungen, wobei Gewalt nie nur körperlich zu verstehen ist. Es gibt auch seelische und vielleicht sogar geistige Gewalt. Mit Recht fragt man sich, wo denn die Grenze wirklich liegt und noch grundsätzlicher, ob es denn eine solche genau zu bestimmende Grenze überhaupt gibt. Vor der Erörterung möglicher Handlungsmaximen samt notwendiger Steuerungsmomente gilt es, das Handlungs- und Begegnungsfeld von MitarbeiterInnen in der sogennanten Behinderten- und auch in der Altenhilfe zu beleuchten. Das Phänomen der Grenze ist dabei nur eines der zentralen Kristallisationspunkte in diesem Geschehen. Es geht auch um die Offenlegung möglicher Gefährdungen sowohl auf der Helfer- als auch auf der Adressatenseite. Nur mögliche Gewaltausübung zu beklagen, findet zwar schnell Zustimmung, ist aber unzureichend und vor allem langfristig nicht hilfreich. Doch wer setzt die Grenze fest? Sind Grenzen nicht auch von Mensch zu Mensch verschieden?

DienstleisterInnen, aber auch KlientenInnen können gewalttätig werden, obwohl sie nach Zärtlichkeit verlangen; deshalb sind auch beide Personengruppen bei unserem Bemühen um Transparenz zu berücksichtigen. Auch hier heißt Verstehen nicht gleichzeitig Verzeihen. Und selbst die Vorstellung, dass die Probleme gelöst wären, wenn man sowohl Zärtlichkeit als auch Gewalt lediglich reduziert, gilt es kritisch zu hinterfragen. In beiden stecken naturgegebene und lebensnotwendige Impulse, aber auch solche, die Schatten auf das Miteinanderwerfen und dieses sogar vom Ansatz her zerstören können. Dies anzuerkennen und eine gute Balance zu finden, ist unverzichtbar, um nicht die Lebensqualität für beide Partner zu gefährden.

Voraussetzung hierzu ist das tägliche Miteinander in der pflegerischen, therapeutischen und pädagogischen Arbeit mit behinderten, belasteten oder gebrechlichen Menschen zu bedenken – sei es im Rahmen ambulanter, stationärer oder auch familiärer Hilfeleistungen und Dienste. Dass hierbei gewalttätige, vielleicht sogar brutale Übergriffe alles überstrahlen, liegt in den Straftaten selbst. Doch diese sind bestenfalls die Spitze eines Eisberges, der ja bekanntlich nur einen geringen Teil seines Ausmaßes für die Betrachter frei gibt.

Intimität, Sinnlichkeit und Nähe, aber eben auch Zärtlichkeit, Grenzen und Gewalt sind Gegebenheiten, die gerade im Alltag für und mit hilfsbedürftigen Menschen bedeutsam und auch im hohen Maße konfliktanfällig sind. Viel zu wenig werden diese Phänomene in den jeweiligen Ausbildungen problematisiert. Es wird weder das Leben befeuernde noch das gefährlich lodernde Potential bedacht. Und somit übt man deren Umgang im Hinblick auf den Alltag auch nicht hinreichend. Gleichermaßen notwendig ist eine ausreichende Selbsterfahrung und Selbstreflexion der Mitarbeiter, aber auch der Eltern und Angehörigen. Nicht Formen oder Auswirkungen einer Behinderung oder Krankheit verursachen die hier zur Diskussion stehenden Probleme, sondern die sich im Umgang und in der Begegnung ergebende Nähe. Dabei ist man zusätzlich nur schwer zu erkenn- oder verstehbaren Interpretationen ausgesetzt. „Wenn du wüsstest, wie ich hier misshandelt werde!“, klagt der Vater von Arno Geiger (2011, 122). Doch dieses Problem des Missverstehens erfasst alle Beteiligten – die betreuenden wie die zu betreuenden Menschen.

So sollen in den nachfolgenden Überlegungen vier Phänomene eine Rolle spielen – die Nähe, die Grenze, die Zärtlichkeit und die Gewalt.

(1) Zur Nähe

Alle Formen des Lehrens, des Helfens, des Pflegens und des Therapierens leben von Kommunikation. Durch sie stehen sich mindestens zwei Partner gegenüber, die sich in eine Beziehung zueinander begeben bzw. sich in einer solchen befinden – und dies nicht immer freiwillig. Je nach Inhalt, Absicht oder Ziel wird sich diese Beziehung gestalten – und dennoch ist jede Art von helfender Beziehung vor allem durch nachfolgende drei Momente gekennzeichnet:

  1. von der sich in ihr entfaltenden Dynamik (Neugier; Interesse; Langeweile; Notwendigkeit usw.)

  2. von der sich einstellenden oder gegebenen Struktur (Rituale; Regeln; Gewohnheiten; professionelle Handlungsmuster usw.) – und

  3. von den jeweiligen Positionsverhältnissen der Partner zueinander

Nähe und Distanz sind solch markante Pole jener möglichen Positionsverhältnisse. Andere wären männlich–weiblich; jung–alt; gesund– krank; zur Sprache fähig und ohne Sprache lebend usw. – wenngleich man auch diese gar nicht so ganz von dem Grundmuster Nähe und Distanz abkoppeln kann.

An den Positions-Verhältnissen können beide Parteien mitwirken: jene, die Hilfe benötigen, und jene, die Hilfeleistungen erbringen. Das dabei zwischen beiden entstehende Gefälle wird ergänzt durch eine gewisse Dynamik, die sich zwischen beiden aufbaut. Entspricht z.B. der Helfer den Erwartungen des Hilfebedürftigen nicht, kann dieser seine Erwartungen verstärken und so den Druck erhöhen oder aber es können sich bei einer sich annähernden Entsprechung diese auch reduzieren und bei Erfüllung ganz zum Erliegen kommen.

Immer dann, wenn es um Beziehung zwischen Menschen und deren Gestaltung geht, ist von Nähe und Distanz die Rede. Beide Partner werden von Bedürfnissen „bewegt“ – meist aufeinander zu, um Befriedigung zu erreichen. Nähe und Distanz sind aber nicht nur Elemente der Beziehungs-Gestaltung, sondern maßgebenden für die Gestaltung des Lebens schlechthin. Dabei spielen nicht nur Personen, sondern in gleicher Weise auch Lebewesen und vor allem Sachen eine Rolle. Ohne Nähe gibt es weder Atmen noch Essen, weder Lieben noch Lernen, weder Arbeiten noch Spielen – und ohne Distanz hat man weder einen Überblick über den Augenblick noch über Situationen. Man findet auch keinen „roten Faden“ oder eine Grundstruktur, die eine Situation oder einen Prozess grundlegend meistern lassen. Allzu große Distanz erinnert an Unsicherheit bis hin zu autistischem Verhalten, allzu große Nähe vielleicht sogar an Sucht – und ein zu rasches Kippen zwischen beidem an Borderline. Grundsätzlich gilt: Zu große Nähe blendet und macht sowohl für Gefahren als auch für Schönheiten des Augenblicks blind. Zu große Distanz dagegen lässt ihn als unwichtig vergehen, ohne seine Botschaft erfasst zu haben.

Doch sowohl Distanz als auch Nähe sind nicht nur Qualitäten, die man selbst „herstellen“ kann, sondern die durch die jeweilige Persönlichkeit und ihr Befinden wie auch ihr Vermögen gegeben sind. Das, was der eine ist, was er kann, was er mag und was nicht, entfernt ihn zum einen von seinem sozialen, familiären und kollegialen Umfeld. Zum anderen aber kann es ihn natürlich auch wieder neu verbinden.

Distanz entsteht durch Selbstsein, sicher auch durch Entzug, durch Abstandnehmen und gelebte Unabhängigkeit, durch Zurücknahme, durch Vorankommen und Besitz, manchmal auch durch Krisen, Krankheit und Behinderung.

Nähe dagegen entsteht durch Verbindlichkeit, durch Beziehung, durch Verbindung, durch ein Hinzufügen, manchmal auch durch Teilen, sicher auch durch Teilnahme und Teilhaben – und weist damit Momente neu entstehender Verantwortung auf. Antoine de Saint-Exupery lässt seinen Kleinen Prinzen sagen, man sei (zeitlebens) dem verantwortlich, den man sich vertraut gemacht hat.

Aber auch ein anderes Bonmot sei hier noch zitiert: Bildung trennt Bindungen, wie auch gemeinsame Bildung neue Verbindungen zu schaffen vermag.

(2) Zum Verhältnis des Helfers zum Klienten und umgekehrt

Dieses Verhältnis ist nahezu immer ein professionelles – und damit unterliegt es den Gesetzmäßigkeiten der jeweiligen Professionalität eines Pflegers, Lehrers oder Erziehers samt den normativen ethischen Ansprüchen und Forderungen.

Ein solches Verhältnis schließt bestimmte Formen von Nähe und Distanz ein, will man das jeweils verfolgte Ziel nicht verfehlen oder gefährden, andere Formen dagegen schließt es – je nach Professionalität – mit aller Entschiedenheit aus.

Drei Aspekte sollen dieses professionelle Verhältnis beleuchten:

  1. es unterliegt wie alle mitmenschlichen „Verhältnisse“ den Kategorien mitmenschlicher Verantwortung

  2. es verfolgt sach- und fach-immanente Ziele, die ein daraus ableitendes Maß an Nähe und Distanz notwendig machen

  3. es benützt Methoden und Techniken, die dem Fach wie der Aufgabe zuzuordnen und damit legalisiert sind (Beispiele: der Friseur; die Kosmetikerin oder der Arzt)

Wir sollten bedenken:

Gerade im Hinblick auf die Frage nach möglicher Grenzüberschreitung in Form von Gewalt gibt es nie nur eine körperliche, sondern immer auch eine geistige, eine seelische und eine soziale.

Aus heilpädagogischer Sicht wollen nachfolgende Hinweise helfen, Nähe oder auch Distanz in einem sachlich ausgewogenen und menschlich verantwortbaren Sinne zu praktizieren:

  1. Heilpädagogik, die Pädagogik selbst und auch die Qualifizierung für das Leben sind nur im Kontext von Freiheit und Selbstbestimmung denkbar.

  2. Erziehung und mit ihr Bildung, ja Lernen insgesamt, Therapie und Pflege können nur „im Ansehen der Natur“ (I. Kant), „in der Würde des Gegenstandes (Inhalte und Ziele)“ (W. Klafki) und in „Wertschätzung und Respektierung der jeweiligen Person“ geschehen und gelingen.

  3. Jeder Mensch als Mann oder Frau, als Kind oder als Jugendlicher hat Anrecht auf Selbstsein und eine in unantastbarer Würde sich entfaltende wie auch zu verantwortende Persönlichkeit. Das gilt für die Helfer und Betreuer ebenso wie für jene, die Hilfeleistungen benötigen.

  4. Die häufig in den Mittelpunkt gerückten Bedürfnisse des Klienten sind nur eine der zu berücksichtigenden Maßgaben für die jeweils zu treffenden Entscheidungen und umfassen nie das gesamte Wohl eines Menschen. Oft entsprechen Wünsche bzw. sich erfüllende Bedürfnisse nicht jenem erhofften Wohl des jeweiligen Menschen.

  5. Wichtig ist zu bedenken, dass sowohl der dargebrachten Nähe als auch der eingeforderten Distanz Konsequenzen folgen, mit denen beide Partner leben müssen. Sie sind nicht immer vorauszusehen und bergen ein gewisses Risiko, dem man sich zu stellen hat.

  6. Schließlich haben sich professionelle Helfer gleichermaßen wie die Klienten zu fragen, wie viel Nähe und wie viel Distanz sie benötigen bzw. ertragen und zu erbringen imstande sind. Hier spielen lebensgeschichtliche Momente, Fragen der Entwicklung und des Alters eine Rolle, ohne die grundsätzlichen normativen Anforderungen aufzuweichen oder gar außer Kraft und in der Folge aufs Spiel zu setzen.

In diesem weiten Feld von Nähe und Distanz sind auch Zärtlichkeit und Gewalt angesiedelt. Der Grenze zwischen Personen ist dabei der alles bestimmende Dreh- und Angelpunkt.

(3) Zur Grenze zwischen Personen

Wird die Grenze des Leidens überschritten,

gerät die unerschütterlichste Tugend auf Abwege.

Victor Hugo

Jeder Mensch stellt zumindest körperlich gesehen eine erlebbare Grenze hin zum anderen dar. Selbst wenn wir diese Grenze überschritten, ihn verletzten oder bezwängen – er bleibt immer noch er selbst und gleich einer Festung unbezwingbar. Man mag dies als Chance oder auch als Ärgernis verstehen – und dies ein Leben lang. Für Guardini sind dies zum einen die „Selbstabgrenzung und Selbstbehauptung“ (1988, 111), zum anderen die Mitte. „Diese Mitte ist nicht räumlich, sondern lebendig.“ (1988, 113) Um überhaupt miteinander in ein Gespräch zu kommen oder einander zu begegnen, ist eine deutliche Positionierung der jeweiligen Partner Voraussetzung. Jegliches Verschwimmen oder gar Ineinander-Aufgehen verunmöglicht eine Interaktion oder einen Dialog. Demzufolge sind Abgrenzungen sinnvoll und unverzichtbar zugleich. Grenzen entstehen allein aus der Tatsache, dass jeder Mensch als unverwechselbare Person dem jeweils anderen gegenübertritt. Diese von Natur aus gegebene Tatsache bringt neben wertzuschätzenden Momenten des Selbstseins auch die nicht immer willkommene Vereinzelung mit sich. Wird diese als Einsamkeit oder als Vereinsamung erlebt, kann man sich unschwer das Bedürfnis nach einer Grenzüberschreitung hin zum anderen vorstellen – oft begleitet vom irren Glauben, diese aufheben oder zumindest überwinden zu können. Man hofft, an dessen Glanz, Macht oder Besitz Anteil zu haben oder aber den anderen dahingehend zu beeinflussen, dass dieser einem selbst ähnlich, wenn nicht sogar gleich wird. Die ansonsten schmerzliche Distanz bliebe bestehen und man fühlt sich neu auf sich zurück geworfen. Wenn Emanuel Levinas sagt, der Mensch könne alles tauschen, nur nicht seine Existenz, dann betont er nochmals die Vergeblichkeit eines solchen Tuns. Wir sind und bleiben trotz allem kommunikativen Bemühen auf uns als Einzelne verwiesen. Wir können lernen, uns entwickeln, uns verändern – und doch bleiben wir vom Grundsatz her wir selbst. Das, was hier fast dramatisch klingt, ist anders betrachtet aber genau unsere schier unerschöpfliche Quelle, aus der wir heraus agieren und wohin wir einladen – vorausgesetzt, wir verstehen es, mit dieser Abgrenzung hin zum anderen umzugehen und auch zu leben. „Vom Geiste her entgeht die Innerlichkeit auch der Beherrschung. Beherrscht werden können ihre Äußerungen… Der geistige Kern bleibt frei.“ (Guardini 1988, 120)

Die wichtigste Grenze einer Person hin zum anderen ist nicht nur die Haut. Vielmehr umgeben uns viele ganz unterschiedliche Schichten, die sich bei näherem Hinsehen als weitere Grenzen entpuppen. Es mag die Körpersphäre sein, unsere akustische, optische oder auch olfaktorische Grenze, die Grenze unserer Sprache und unseres Sprechens und Verstehens, unseres Befindens, unserer Träume und Erwartungen, unserer Werte und Bedeutungen und nicht zu vergessen unsere Kleidung und all die Räume, in denen wir uns aufhalten und leben.

Schichten sind dazu da, uns sowohl körperlich als auch in unserer Integrität zu schützen – vor Kälte, Regen und Sturm, vor Lärm, Licht und Geruch, aber auch vor Überforderung, Demütigung oder Vernichtung. Insofern arbeiten nahezu alle BetreuerInnen, LehrerInnen, ErzieherInnen, PflegerInnen und auch TherapeutenInnen ständig meist unmittelbar an dieser Grenze. Je näher wir einem anderen kommen, umso erfolgreicher glauben wir zu sein. Versteht mich ein alter Mensch auf Grund seiner Hörschwäche nicht, rufen oder schreien wir ihm unsere Nachricht ins Ohr. Und je mühevoller das Lesen von Buchstaben für ein sehbehindertes Kind ist, umso mehr Licht setzen wir ein zum Verdeutlichen der Schrift. Wir wollen ihm näher kommen. Und noch konkreter stellt sich die Situation im Alltag dar, wo Versorgung, Hygiene und Pflege zu leisten sind – z.B. bei Kindern und Jugendlichen mit schwerster Behinderung das Toiletten-Training, das Baden oder Duschen, das Windeln, das An- und Ausziehen, das Füttern, das Absaugen oder das Katheter-Setzen, das Richten der Haare oder das Schneiden der Nägel – immer wieder arbeiten wir an der Grenze des jeweils anderen.

Im heilpädagogischen bzw. therapeutischen Bereich sind es Situationen der Basalen Kommunikation und der Basalen Stimulation, um nur einige der Tätigkeitsfelder und Aufgaben zu nennen, die körpernahes und damit grenznahes Arbeiten notwendig machen. Behinderte Menschen sind mehr als andere Menschen gezwungen, anderen Menschen Zutritt zu ihrem Körper zu gewähren und dieses sich wiederholende Arbeiten an ihren Grenzen zu gestatten, d.h. sich diesen ihren Helfern ein Stück weit als Person in ihrer Integrität anzuvertrauen. Das, was über die Grenze hinweg schwingt – wieder auf beiden Seiten – das sind Gefühle. „Gefühlte Gefühle“ zählen zu dem Unberechenbaren in einer wie auch immer gestalteten oder sich zutragenden Situation.

Insofern unterscheiden wir objektive Grenzen von subjektiv empfundenen. Objektive Grenzen sind fast immer mit einem Tabu belegt – z.B. sexuelle Kontakte mit Minderjährigen oder Abhängigen. Subjektive Grenzen stehen im engen Zusammenhang mit persönlich erlebter Wertschätzung samt einhergehender Wohltaten (Streicheln ist doch schön!). Durch denjenigen, dem man vertraut, oder durch denjenigen, dem man wichtig ist, werden gesetzte Grenzen brüchig, manchmal unkritisch durchlässig. Nicht immer erkennen Betroffene – vor allem im Fall von sexuellem Missbrauch, dass ihnen als „Adressat“ von Helfern nur deswegen Zuneigung, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl und auch Zutrauen entgegen kommen, weil sich diese ein Terrain und einen Zugang für ihr späteres „Treiben“ verschaffen wollen. Die menschliche Gabe der Zuwendung wird hierbei in schlimmer Weise instrumentalisiert und gleichzeitig entwertet, d.h. der Betroffene letztlich in einem doppelten Sinne betrogen, um nicht zu sagen missbraucht. Man gibt, um in der Folge leichter nehmen zu können. Täuschung und Missbrauch beginnen jedoch weitaus früher: Schon wer diesbezüglich beim anderen für sich etwas sucht, hat bereits die Grenze überschritten. Dem „ausziehenden Tun“ geht nicht selten ein „ausziehender“ und diesem ein „anziehender Blick“ voraus.

Zurück zur heilpädagogischen Arbeit, die wir grundsätzlich als „Arbeit an der Grenze“ verstehen: Zwei Dimensionen verdienen hierbei besondere Aufmerksamkeit – zum einen geht es meist um funktionale, vielleicht sogar instrumentelle Aufgaben mit vorgegebenem Ziel, das zusätzlich in einem bestimmten Zeitmaß zu erreichen ist – z.B. eine nasse Hose zu wechseln, trockene Haut einzucremen oder den Schleim abzusaugen; zum anderen aber sind alle diese noch so nüchternen, weil pragmatisch daher kommenden Tätigkeiten immer auch Basis für Austausch, Mitteilung und Kommunikation. Sie sind nicht weniger mit Erwartungen und Hoffnungen angefüllt als die vorgenannten praktischen Tätigkeiten.

Jede Form von Routine schmälert die Notwendigkeit, sich mit KlientenInnen vor allem bei schwerer Behinderung hinreichend abzusprechen, um von Beginn an Missverständnisse möglichst auszuschließen und weder Fantasien noch Enttäuschungen ins Kraut wachsen zu lassen. Kommunikation lebt nicht nur von Botschaften, sondern in gleicher Weise von Interpretation des Sich-Ereignendem – und dies auf beiden Seiten. So klopft der Pfleger vielleicht behutsam an die Türe, um die zu betreuende Frau nicht zu erschrecken, diese wiederum fühlt sich nicht ernst genommen, wo sie doch „so schlecht höre“.

So wie man wohlige Atmosphäre als Inbegriff des Zuhauseseins erlebt, können optische, akustische oder olfaktorische Ereignisse als Angriffe auf die eigene Person verstanden werden. Es scheint, als agieren Helfer und Betreuer wie in einem Nebel, wo rasch der nächste Schritt zu viel sein kann. Der Hinweis von Romano Guardini schwingt immer mit, auch wenn er selten nur in dieser Klarheit zu vollziehen ist: Der erste Schritt auf den anderen zu sei, die Hände wegzunehmen. (Guardini 1988, 134)

Leider sprechen wir meist von Grenzüberschreitungen nur in einem negativen Sinne. Wie arm wären wir Menschen, gäbe es nur solche! Jedes Ereignis, jede Situation, jeder Gegenstand – konkret jede Melodie, jedes Bild oder jeder Tanz vermag uns nur deshalb so zu fesseln, weil eben dadurch die Grenze unseres bisher Gewohnten überschritten wird. Heinrich Rombach spricht dabei von einem „Ach!“ anstatt von einem „Aha“ der Hermeneutiker, wo das Verstehen im Mittelpunkt steht. Jenes emotionale Berührtsein, jede Faszination und jede Betroffenheit vermag uns Menschen in ihren Grundfesten zu erschüttern und zu überwältigen. Es müssen nicht immer gewaltige Stürme oder Pauken und Trompeten sein, die uns zu diesem Erleben führen. Auch die leisen Töne eines Instruments oder die sich ausbreitende Stille in einem Kirchenraum oder das zarte Berühren durch einen uns in Liebe verbundenen Menschen lassen innehalten und entwickeln nicht selten die gleiche Wirkung und Kraft.

Diese stete Arbeit an der Grenze des jeweils anderen setzt Bewusstheit voraus und Verantwortlichkeit frei. Zu schnell überschreitet man diese und verletzt den jeweils anderen in dessen Selbstwahrnehmung und Integrität. Aber auch das gilt: Scheut man sich grundsätzlich vor diesem Risiko, wird man auf Dauer seine aufgetragenen Aufgaben nicht erfüllen können und nur lückenhafte Leistungen vollbringen. Grenzen zu haben, reicht nicht aus, man muss sie immer wieder als solche erleben. Das schließt Betroffenheit und manchmal auch Erschrecken mit ein. Doch genau dadurch gewinnen, ja schärfen wir unser Profil und spüren meist vorreflexiv: Das bin ich oder so bin ich!

Ist jemand unfähig, persönliche Grenzen selbst zu verteidigen, obliegt es den zu Betreuenden umso mehr, diese zu achten. Von da aus ist sowohl ein Vorsichtsschild aufzustellen, ein Ausruf „Hab acht!“ (R. Wagner: Tristan und Isolde, 1. Akt), wenn Gefahr droht. Es geht wohl um ein ständiges Reflektieren dessen, was man tut oder tun muss und ein Absprechen mit dem Klienten, um möglichst Missverständnisse zu vermeiden. So ist es selbstverständlich, einen körperlich schwachen Menschen z.B. vor dem Baden zu fragen, ob er sich einen Pfleger oder eine Pflegerin wünscht. Vielleicht erbittet dieser auch nur eine bestimmte Person, während er von einer anderen nicht begleitet werden möchte. Darüber hinaus haben dann professionelle Helfer immer noch zu entscheiden, ob bestimmte Wünsche erfüllt werden können oder ob solche auch nur unausgesprochen mit der jeweiligen Situation verwoben sind.

Grenzüberschreitungen können allerdings auch rein sinnlich erfolgen entsprechend der voraus genannten mehreren Schichten (siehe das Bild der Zwiebel mit vielen Häuten). Man denke an das Erleben von Kälte oder Wärme, von intensivem Duft oder Gestank, von grellen Farben oder lauten, schreienden Stimmen. In einer Unfall-Klinik erlebte ich eine schier unerträgliche Dauerberieselung durch Musik aus dem Radio der noch in den Betten liegenden Querschnittgelähmten schier 24 Stunden lang. Man kam sich vor wie in manch nervendem Fitness-Studio oder in einem Supermarkt. Bei Arno Geiger lesen wir: „Die Musik ist etwas, das ertragen werden musste und das Mittagessen hatte eine Beschaffenheit, die ihm nicht gefiel…“ (Geiger 2011, 122)

(4) Zärtlichkeit

Zärtlichkeit und Güte drücken nicht Schwäche und Verzweiflung aus, sondern sie sind Zeichen der Stärke und Entschlossenheit.

Khalil Gibran

Zärtlichkeit weckt viele falsche Vorstellungen und veranlasst zu Verwechslungen. Begriffe wie Intimität und Sinnlichkeit stehen in enger Nachbarschaft zueinander und dennoch unterscheiden sie sich.

Während Zärtlichkeit eine Qualität menschlicher Beziehungsgestaltung darstellt – und dies nicht nur zu Menschen, sondern auch zu anderen Lebewesen, Dingen und in Situationen –, verstehen wir unter Sinnlichkeit schwerpunktmäßig ein weites Fähigkeitsspektrum, deren Ausgangspunkt neurophysiologische Gegebenheiten sind – z.B. als Wahrnehmung und Interaktion mit der Welt.

Beispiele zum Erleben von Sinnlichkeit im Alltag

  • Ich schließe meine Augen und fühle zwischen beiden Händen einen Apfel (eine Apfelsine, einen Pfirsich, eine Nuss); ich nehme durch meinen Tastsinn wahr, welche Frucht das ist und mit der Nase deren Duft

  • Ich unternehme nach Schneefall, Regen oder Sturm einen Spaziergang; mit allen Sinnen wach und offen für Luft, Feuchtigkeit, Farben, Frische, Stimmung, Gerüche und Geräusche

  • Ich schaue spielenden Katzen (Hunden) zu; ich streichle ihr Fell, ich rieche ihren Geruch und freue mich an deren Lebendigkeit

  • Ich picke mir an die Wand meines Arbeitsplatzes, meines Betts, in der Küche eine Kunstkarte, ein Plakat, ein Foto oder Bild und nehme mit dem Herzen wahr, was mir mein Auge vermittelt

  • Ich schneide aus der Zeitung einen witzigen Satz, ein Gedicht oder ein Wort aus, hänge es an ein Brett über mein Bett oder an meinen Rollstuhl und lasse mich davon inspirieren

  • Ich bewundere eine Blume, suche für sie ein passendes Gefäß und positioniere sie so, dass ihr Platz zu einem Ehrenplatz für sie wird

  • Ich streichle mit der rechten Hand sanft über den Handrücken meiner linken Hand – und umgekehrt und spüre: Da(s) bin ich!

  • Ich erlebe die lebendigen Bewegungen eines Kindes und staune über dessen Entdeckerfreude und Unermüdlichkeit

  • Ich nehme mit allen Sinnen wahr, was mir ein bestimmter Raum – eine Kneipe, ein Museum, ein Theater, ein Stall, eine Kirche – an sinnlichem Erleben bietet

  • Ich hole mir in mein Erinnern eine erlebte Zärtlichkeit und mein damaliges Empfinden zurück und verinnerliche und vertiefe so das Erlebte

  • Ich genieße die Stimme eines Menschen und höre seiner Sprache und seinem Sprechen mit offenem Ohren und Herzen zu

  • Ich erlebe die Farben eines Tuchs, einer Frucht oder einer Landschaft und freue mich daran

  • Ich mag das Parfum, die Seife, das Öl auf meiner Haut

  • Ich lasse die Schokolade, die Marmelade oder einen Schluck Wein auf meiner Zunge zergehen und genieße das Sein im Hier und Jetzt

  • …und ich spüre, dass Du mich magst!

Intimität dagegen lenkt den Fokus auf die Verortung, wo Sinnlichkeit bzw. Zärtlichkeit einen geschützten Raum finden, der zwischen den beteiligten Menschen abgesprochen bzw. von ihnen definiert ist und zu dem darüber hinaus niemand sonst Zutritt hat. Intimität gilt als Zustand tiefster Vertrautheit. Eine Verletzung der Intimität kann Personen seelisch kränken und in ihrem Selbstwerterleben schwächen. Dabei bezieht sich diese Tatsache nicht nur auf körperliche oder gar sexuelle Aktivitäten und Erlebnisse, sondern auch auf emotionales und geistiges Geschehen (z.B. ein Gespräch, ein gemeinsames Stillesein usw.). Immer aber erzeugt Intimität einen für sich geschlossenen, begrenzten Raum – auch beschrieben als Intimsphäre, den man als nicht dazugehörend nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der Beteiligten betreten kann. Anzuklopfen an der Türe, das Schließen der Türe bei Pflegehandlungen oder auch das Erfragen eines freien Platzes am Tisch, wo andere vielleicht schon sitzen, sind Beispiele aus dem Alltag. Wir öffnen auch keine verschlossenen Briefe und lesen keine Post unserer Klienten, wenn diese es nicht ausdrücklich wünschen, und wissen sie zu schützen, wenn sie dies selbst nicht mehr oder noch nicht hinreichend vermögen. (vgl. Geiger 2011; Fischer 2009, 232 ff.)

„Oft ist die Intimsphäre nur ungenügend gewahrt. Fortwährende Erlebnisse von Fremdbestimmung führen bei vielen zu angepasstem Verhalten und einem nur wenig entwickelten Selbstbewusstsein mit erlernter Hilflosigkeit, dem Gefühl sowieso nichts bewirken zu können. Der Mangel an Informationen, geistige Einschränkungen und Kommunikationsbarrieren machen es den Betroffenen noch schwerer, die Absicht des Täters oder der Täterin zu erkennen.“ (aus Wikipedia: Sexueller Missbrauch behinderter Menschen)

Beweggründe für körperliche Intimität sind entweder die gesuchte, zielführende Nähe (z.B. durch Pflegehandlungen) oder auch zufällige Umstände wie Platzmangel (z.B. Aufzug, Bus usw.). Nicht immer ist körperliche Nähe zu vermeiden (in Verkehrsmitteln, bei Dienstleistungen oder bei therapeutischen Aktionen). Wie diese empfunden wird, kann sehr unterschiedlich sein – von unangenehm bis angenehm, von erwünscht bis bedrohlich. Davon hängt dann auch ganz entscheidend die Interpretation des Erlebten ab.

Zärtlichkeit als Qualität lohnt sich nach drei verschiedenen Ausformungen hin zu betrachten – zum einen als (a) Haltung, zum anderen als (b) Verhalten und schließlich als (c) Handlung. Immer aber bleibt deren Grundmelodie das Behutsame, das Vorsichtige, das Leise und das Inspirierende als solche erhalten. Dabei gilt der Verzicht auf Macht wohl als das wichtigste Merkmal einer „gesunden“ Zärtlichkeit. Man will nichts bezwingen, sondern versucht wahrzunehmen, was es gibt, und will das geben, was dem anderen gut tut. Bereits hier gilt: Was man sich nimmt, kann einem nicht mehr geschenkt werden.

Zu (a) Zärtlichkeit als Haltung

Eine „zärtliche“ Haltung dem Leben gegenüber zielt auf grundsätzliche Offenheit und Bereitschaft zum Empfangen. Man hört die feinen und leise Töne, spürt die hellen Farben oder auch die behutsamen Bewegungen von Wellen, Wasser oder Wind und lässt sich selbst vom Unscheinbaren staunend ansprechen. Solch ein Erleben geht meist mit tiefer Dankbarkeit einher.

Zu (b) Zärtlichkeit als Verhalten

Das Bewusstsein von Zerbrechlichkeit und Störbarkeit bestimmt das Verhalten. Keinesfalls will man etwas Kostbares stören oder gar zerstören, eher dieses bewahren. Das Bewahrende der Zärtlichkeit wird gespeist von der Erfahrung, etwas zu erleben, das sich einem nicht zeigt, würde man auf ein zärtliches Verhalten verzichten. Behutsamkeit meint immer auch etwas zu behüten oder in seine Obhut zu nehmen: das müde oder von der Schule niedergedrückte Kind, den mutlosen Jugendlichen am Arbeitsplatz oder auch die erschöpfte Mutter, die von ihrem behinderten Kind in der Familie erzählt.

Zu (c) Zärtlichkeit als Handlung

Zärtlichkeit als Handlung liegt in den Händen dessen, der zärtlich sein will. Eine konkrete Hand kann streicheln, tasten, berühren oder auch festhalten – also instrumental tätig werden oder aber in einem symbolischen Sinne offen wie auch leer sein, dem anderen hinhaltend und gebend. Entspringt zärtliches Tun der oben beschriebenen Haltung, besteht nur geringe Gefahr der Grenzüberschreitung. Werden wir zärtlich tätig ohne diesen ethischmoralischen Hintergrund, besteht die Gefahr, das Instrumentelle zu überschätzen oder sich in diesem gar zu verlieren. So bedeutet zärtliches Agieren im professionellen Bereich selten ein Streicheln. Heilpädagogisch dagegen bedeutsam wie auch manchmal notwendig wäre ein Kraft-Geben, indem man die Hände auf die Schulter oder auf den Arm legt bzw. die Hand hält. „Ihr könnt tun, was ihr zu tun habt, ich werde derweil diese Hand wärmen“, schreibt Arno Geiger (2011, 187) in seinem Buch. Zärtliche Handlungen können den Alltag krönen, beruhigen, trösten oder eben auch wärmen.

Die Hand des Menschen ist nie nur Werkzeug, sondern immer auch „Bedeutungsträger“ (Klaus Prange). Mit dem gleichen Handlungsvollzug kann man dieses oder jenes beim anderen bewirken. Auf die Botschaft und auf die Haltung kommt es an. Der Verdacht, man habe es hier mit sogenanntem „Soften“ zu tun, vielleicht sogar mit Unentschiedenheit, ist strikt zurückzuweisen. Wenn es eine Sorge gibt, dann jene, sich im Funktionalen zu verlieren und gleichzeitig etwas Bedeutsames zu versäumen. Umso mehr spitzt man die eigenen Ohren und übt sich in Achtsamkeit dem Leben, konkret dem Anderen gegenüber. Menschen, die für sich diesen Weg gehen, wissen von der prägenden Kraft dank der einhergehenden, mitgängigen Zärtlichkeit. Dann geht es nicht mehr nur um das Laute, sondern auch um das Stille, nicht mehr nur um die Melodie oder den Klang, sondern auch um die Pause, nicht nur um die behutsam aufgetragenen Farben, sondern auch um die verbliebene Leere. Das Nicht-Gesagte gewinnt an Bedeutung, selbst die angedeutete Form ist schon Botschaft genug. Man ist ganz da, weil man ganz eins wird mit dem, was man tun soll – Essen reichen, Schuhe binden, Märchen hören oder ein Gedicht zusammen lesen und den anderen trösten. Heinrich Rombach (1991, 53) nennt das in einem anderen Zusammenhang „Konkreation“: Man wird mitgeschaffen vom Säuseln des Windes und vom Knistern des Feuers, vom Flüstern der Liebenden oder vom schweren Atmen der Leidenden.

Nur so kann man sich erklären, wenn Leonardo Boff „Zärtlichkeit und Kraft“ in einen schier unauflösbaren Zusammenhang bringt und dazu überzeugend einzuladen weiß. Es gibt tatsächlich jenen unnachahmlichen „Lebensstil der Zärtlichkeit“ – jedoch nur dann, wenn Zärtlichkeit Teil der Gesamtperson ist.

…die zärtliche Fürsorge ist der mit-leidende Eros, der mit dem anderen mitfühlt und kommuniziert, der sich nicht im Genuss des eigenen Impulses verausgabt, sondern sich beim anderen in Zuwendung und Liebe quasi ausruht. Deshalb wollen zärtliche Fürsorge und mitfühlende Sorge dem Mitmenschen Beachtung schenken, seine Struktur berücksichtigen, ihm Aufmerksamkeit schenken und zusammen mit ihm wachsen.

Zärtliche Fürsorge und mitfühlende Sorge müssen streng von der Sentimentalität unterschieden werden. Diese ist nämlich ein Problem der Subjektivität:

Der einzelne konzentriert sich auf sein eigenes Gefühl, das Gefühl fühlt und zelebriert sich selbst, beginnt und endet bei sich selbst.

Zärtliche Fürsorge und mitfühlende Sorge beinhalten dagegen eine De-zentrieriung des Subjekts von sich selbst und eine Kon-zentrierung auf das Gegenüber, dem Objekt ihrer Beziehung. (Hervorhebung durch den Autor)

Fühlt das Subjekt das Objekt in sich selbst, spürt der Mensch den anderen als den anderen, liebt ihn, lässt sich von ihm faszinieren und in gewisse „Ekstase“ versetzen. Das Objekt dagegen besetzt und bestimmt bzw. beeinflusst das Subjekt.

Das Subjekt lässt vom Objekt her Leidenschaft und Mitleiden in sich aufkommen. Es verweilt vor dem Gegenüber, nicht wegen des Empfindens, das dieses in ihm verursacht, sondern allein wegen des Gegenübers als dem anderen – und wegen der Faszination, die von ihm ausgeht.

Eine Beziehung zärtlicher Fürsorge und mitfühlender Sorge verursacht keine Angst, weil sie ja keinen Machtkampf und kein Streben nach Selbstverwirklichung kennt; vielmehr ist sie heiter, (fröhlich), gelassen und stark. Sie strahlt Glanz aus, der aber kein blendendes Licht ist, sondern eines, das den Umständen und den Menschen ganz angemessen ist und ihn wärmt.

Zärtliche Sorge und mitfühlende Fürsorge sind der Eros in ausgewogener Ordnung. Von ihm geht Leben aus. Es schenkt lebendig machende Impulse, die am Ende wieder zu jenem zurück fließen, von dem sie kamen.

Aus bzw. nach: Boff: Zärtlichkeit und Kraft. Düsseldorf 1983, 30/31

Hier gilt es, das Zärtliche von einem falsch verstandenen Vorsichtigen deutlich zu trennen, selbst wenn Wilhelm Busch bezüglich der Zärtlichkeit zur Behutsamkeit rät. Kraftvoll und überzeugend ist sie jedoch immer nur dort, wo sie authentisch geschieht, dem anderen bei Bedarf geschenkt wird „in der richtigen Weis’“ (so die Marshallin im „Rosenkavalier“ von R. Strauss), in Übereinstimmung mit dem Klienten erfolgt und eine gewisse subjektive „Notwendigkeit“ gegeben ist.

Allerdings müssen professionelle Helferinnen und Helfer auch mit der ihnen geschenkten, vielleicht auch anvertrauten Zärtlichkeit selbst umgehen lernen. Darf man antworten und in welcher Form? Arno Geiger erzählt von seinem Vater:

„Zwei- oder dreimal berührte er ganz leicht mit dem Handrücken und einmal mit der Handinnenseite meine Wange und bedankte sich, so glücklich machten ihn meine Auskünfte … Ich brachte es nicht übers Herz, mich zu verabschieden, wortlos ging ich weg und fühlte mich elend… Ich dachte an den Ausdruck: Man reißt sich los!“ (2011, 154)

Vielleicht kann es keine stimmigere Antwort geben! Man reißt sich los – aber berührt und mit tiefer Dankbarkeit in seinem Herzen, ganz im Sinne von Hans Kudszus: Der Abschied sei die „innigste Form menschlichen Zusammenseins“.

(5) Die eigenen Impulse

Eigene Impulse haben nichts mit jenen Aufgaben oder Anforderungen zu tun, denen ein professionell arbeitender Helfer, Pfleger oder Erzieher nachzukommen hat; vielmehr entspringen sie der eigenen Bedürftigkeit. In sie gehen Wünsche nach Macht oder Anerkennung, nach erotischen oder sexuellen Bedürfnissen, nach einem Du und erlebter Sinnlichkeit mit ein. Sie sollen das eigene Wohlbefinden stärken, das Gleichgewicht des eigenen Selbst stabilisieren und vielleicht sogar Lust im Freud’schen Sinne erzeugen.

Die sich dabei entwickelnde Dynamik befördert solche Impulse wie kleine Pfeile siegessicher genau an jenen Ort, an den man sich mit hoher Wahrscheinlichkeit deren Erfüllung erhofft – seien es bestimmte Schwächen oder Abhängigkeit, Wehrlosigkeit und Sehnsucht nach sexuellem Erleben und Lust.

Fühlen sich Menschen stabil und in ihrem Selbstsein gefestigt, wehren sie über die konkrete Hilfe hinausgehende Absichten erfolgreich ab, es sei denn, ihnen wird Gewalt angetan, der sie unterliegen, vorausgesetzt, sie erkennen solche Pfeile schnell genug. Einer der wichtigsten Widerstände ist die Scham, aber auch das Bedürfnis, sich als Person umfassend vor fremdem Zudringen zu schützen und die eigene Integrität zu bewahren.

Gelingt dies nicht, haben wir es mit Übergriffen zu tun, die sowohl Ansätze von Abwehr als auch fremdes Eigentum missachten und sich der eigenen Macht und Kraft bedienen. Schwere Verstöße sind fast immer Tabuverletzungen, die außerhalb des persönlichen Erlebens als übergreifend gelten und deren Ahndung sich jeder bis zum Beweis des Gegenteils sicher sein darf. Nicht die Gewalttätigkeit alleine ist zu verurteilen und strafwürdig, sondern im Ergebnis auch die mit einhergehenden seelischen Verletzungen auf Grund erlebter Ohnmacht und der zerstörten Integrität.

Doch nicht nur Gewalttaten können zerstören, auch Atmosphären vermögen dies, wenn sie den Kern einer Person tangieren und schlichtweg überwältigen, ja sich sogar als gewalttätig erweisen. So sah ich erst kürzlich in einem Pflegeheim mit schwer kranken und gebrechlichen Menschen alle Zimmer reichlich mit Luftschlangen und Luftballons geschmückt. Es ist schwer, hier die richtige Entscheidung zu treffen, vor allem wenn keine Abstimmung mehr möglich ist. Unter den vorwiegend bettlägerigen Bewohnerinnen und Bewohnern wird es sicher einzelne geben, die sich dadurch aufgemuntert und auch vielleicht an frühere Faschingsfeste erinnert fühlen; anderen dagegen mutet dies aufdringlich an. Sie haben sich von dieser Art von Festen schon längst verabschiedet. Ihr Blick geht woanders hin. „Eigentlich kann man hier nur als geprüfter Seiltänzer

bestehen“. (Felix Hartlaub; in: Geiger 2011, 119)

Es ist sicher richtig, immer wieder diese Gefahr für professionelle Helfer und Begleiter vor allem in pflegerischen Berufen aufzuzeigen und Formen eines gedeihlichen, auch zärtlichen Miteinanders kennenzulernen und einzuüben. Moral zu predigen allein, reicht nicht aus; vielmehr sollten sich Auszubildende für pflegerische und helfende Berufe bezüglich solcher „eigenen Impulse“ hinreichend einer immerwährenden Klärung unterziehen und Schwächen bereits vor Beginn der konkreten Arbeit für sich erkennen und bearbeiten.

(6) Was für die tägliche Arbeit wichtig ist

Aber man kann zweifeln,

ob es wohlgetan ist,

alle Handlungen der Menschen

durch eine Kette von Gesetzen

fest zu umgrenzen,

so dass sie eine Übertretung

nicht mehr wagen.

Johann Amos Comenius

Die allseits zu fordernde Professionalität schließt neben der Menschenfreundlichkeit als Grundton, gebunden an Werte und Bedeutungen, immer auch professionelles Wissen und Können mit ein. Dazu zählen einzelne Handgriffe, notwendige Handlungspläne (z.B. wie setzt man einen Katheter, wie wickelt man einen spastisch gelähmten Jugendlichen oder wie reicht man einem schwerst behinderten Kind Essen und Trinken) oder auch theoretisch ausgewiesene Methoden wie die Festhalte- Therapie, lerntherapeutisches Vorgehen oder systemisches Arbeiten.

J.A. Comenius, der große Pädagoge, bezweifelt wohl auch die Wirksamkeit von Geboten, wenn mit diesen keine inneren Verankerungen einhergehen. Verständlicherweise müssen Mitarbeiter lernen, mit anfallskranken Menschen umzugehen oder einem Menschen bei Selbstbeschädigung Einhalt zu gebieten oder auch in sich versunkenen behinderten Menschen wieder Lebendigkeit zu entlocken. Doch einer der zentralen Ansatzpunkte ist, sich mit dem zentralen Dreh- und Angelpunkt von Distanz und Nähe auseinanderzusetzen – und dies nicht nur im Hinblick auf das jeweils zu fordernde Tun, sondern in gleicher Weise und Entschiedenheit im Hinblick auf die eigene Person. Nähe und Distanz sind wie das Seil für den Artisten, auf dem er sich bewegt. Und Zärtlichkeit als Gestaltungselement ist die Melodie, mit der dieser sein risikoreiches Tun begleitet. Völlig unerwartet bringt Friedrich Nietzsche in seinen Aphorismen die Liebe ins Spiel (Internet). „Man muss lieben lernen, gütig sein lernen, und dies von Jugend auf; wenn Erziehung und Zufall uns keine Gelegenheit zur Übung dieser Empfindung geben, so wird unsere Seele trocken und selbst zum Verständnis jener zarten Empfindungen liebevoller Menschen ungeeignet.“

Zärtlichkeit in diesem kraftvollen Sinne ist letztlich eine der vielen Ausdrucksformen von Liebe. Im Hinblick auf eine vorwiegend professionelle Arbeit scheinen diese Gedanken ungewöhnlich, manchen all zu gefährlich. Es scheint zu viel Nähe mit im Spiel und ein ungeklärtes gegenseitiges Erwarten. Doch „Lieben bedeutet, die Wertgestalt im fremden Seienden zu erblicken… Sobald die Person diese Liebe aufgibt, blüht das Sein nicht mehr.“ (Guardini 1988, 126/127), konkret dem anderen aus Liebe diese Wertgestalt zu „zeigen“ (Prange), vielleicht auch konsequent zu zeigen, damit er der werden kann, der er von Anbeginn der Zeit gemeint ist…. oder auch, weitaus nüchterner formuliert, dem jeweils anderen „förderlich zu sein“ (Br. Lämmle 2009). Und dies gilt wiederum sowohl für die Helfer und Betreuer als auch für die zu betreuenden und der Hilfe bedürftigen Klienten gleichermaßen.

Weder der „liebende Blick“ noch die versöhnende Geste erübrigt den diagnostischen Zugriff bei schwierigem Verhalten, sie überglänzen aber diesen. Sie gründen in der Solidarität mit allem Lebendigen, auch wenn dieses in seiner Ausformung wie in seiner Wertebindung nicht immer dem eigenen entspricht. Um sich jeweils selbst zu prüfen und das „Maß seines Gelingens“ einzuschätzen, bedarf es einer fachkundigen Anleitung, zunehmender Authentizität und einer hinreichenden Reife. Die hier gemeinte Kontrolle tut der Freude und Leidenschaft, behinderte, alte und auch gebrechliche Menschen zu unterstützen, keinerlei Abbruch – im Gegenteil, es qualifiziert diese.

Schließen will ich mit einer kleinen Szene aus dem bereits angesprochenen Buch von Arno Geiger (2011, 184):

„Ein anderes Mal, als ich seine Hand nahm und sie drückte, fragte er mich: ‚Warum tust du das?‘ – ‚Nur so‘, sagte ich. Er schaute mich an in einer Mischung aus Neugier und Irritation, dann sagte er: ‚Du darfst meine Hand natürlich halten, so viel du willst. Aber es würde mich schon interessieren, warum du sie hältst?‘ – ‚Ich tue es, weil ich dich mag‘, sagte ich …“

„‚Das meinst du bloß‘, sagte er. ‚Natürlich mag ich dich!‘, antwortete ich verunsichert und deshalb mit wenig Überzeugungskraft.“

„Mein Vater senkte den Kopf und ließ das Thema

fallen.“

Literatur

Boff, Leonardo: Zärtlichkeit und Kraft. Düsseldorf 1983

Bovenschen, Silvia: Über-Empfindlichkeit. Spielformen der Idiosynkrasien. München 2001

Breitinger, M. / F ischer, D.: Intensivbehinderte lernen leben. Würzburg 1993 (bes. Kap. 3)

Dörr, Margret / Müller, Burkhard: Distanz und Nähe. Ein Spannungsfeld pädagogischer Professionalität. Weinheim 2006

Ehrenberg, Alain: Das erschöpfte Selbst. Frankfurt a.M. 2004

Fischer, Dieter: Am Ort der Mühe wohnen. Würzburg 1998

Fischer, Dieter: … den Dialog suchen. Würzburg 1999

Fischer, Dieter: Heilpädagogik – ein Versprechen. Würzburg 2009

Finger, G. / S imon-Wundt, T.: Was auffällige Kinder uns sagen wollen. Stuttgart 2002

Fornefeld, Barbara: Menschen mit Komplexer Behinderung. München 2008

Geiger, Arno: Der alte König in seinem Exil. München 2011

Goldstein, Martin: Zärtlichkeit ist ein körperliches Geschehen. Aus: Almanach 10 für Literatur und Theologie. Hrsg. von Adam Weyer. Wuppertal 1976

Guardini, Romano: Welt und Person. München 1988

Kast, Verena: Abschied von der Opferrolle. Freiburg i.Br.1998

Lämml e, Brigitte: Dreiecksbeziehungen. Vortrag in AK. Linz 2009

Leitner, Karl: Sehnsucht nach Sicherheit. Dortmund 2008

Müller, Wunibald: Intimität. Vom Reichtum ganzheitlicher Begegnung. München 1998

Opp / F ingerle / F reytag: Was Kinder stärkt. München 2001

Opp, Günther / U nger, Nicola: Kinder stärken Kinder. Hamburg 2006

Rombach, Heinrich: Strukturanthropologie. Auf der Suche nach dem ‚menschlichen Mensch‘. Freiburg 1993

Thimm , Walter: Helfen als Beruf. In VHN. Zürich 2005, Heft 4

Thomasky, Ingrid: Lernziel Zärtlichkeit. Weinheim 1991

Der Autor

Dr. phil. Dieter Fischer

Akad. Dir.

Universität Würzburg

(Lehrstuhl Sonderpädagogik II)

Portrait Dieter Fischer

G- und HS-Lehrer, Studium der Sonderpädagogik, Psychologie, Psychiatrie und evang. Theologie. Begründer und Rektor einer Schule für Geistigbehinderte im DW Neuendettelsau; zehn Jahre Leiter bzw. Dozent der Staatlichen Zusatzausbildung für Heilpädagogen (Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus); Leiter eines Fachseminars für das Lehramt an Schulen für Geistigbehinderte (Bayern); sechs Jahre Assistent bei Prof. Dr. Otto SPECK, Universität München. Erfahrungen im (Jugend)Strafvollzug, in einer Klinik für Rückmarksverletzte und im Reha-Bereich für schädelhirnverletzte Kinder und Jugendliche. Acht Jahre ehrenamtlich im Vorstand der „Helfenden Hände“ (München) – eine Elterninitiative für schwerst und mehrfach behinderte Menschen und einen Lehrauftrag an der FH Linz für Heilpädagogik.

Vielfache Fortbildungs- und Autorentätigkeit wie z.B. die Autorenschaft eines Geschichten- und Liederbuchs samt CD um und für (behinderte) Kinder „Ein Hund, das wär’ mein größtes Glück“ (edition bentheim); zusätzlich Entwicklung von therapeutischem Spielzeug für schwerst behinderte Kinder und Jugendliche. 2009 erschien als letztes Buch „Heilpädagogik – ein Versprechen“ (edition bentheim) neben weiteren Aufsätzen für Fachzeitschriften und Handouts für Fortbildungen (z.B. Bilden-Fördern-Erziehen im Kontext von Inklusion. Versuch einer Innensicht. Bern 2011)

Quelle

Dieter Fischer: Nähe, Zärtlichkeit und Gewalt als Grenzüberschreitung in der heilpädagogischen Arbeit mit hilfsbedürftigen Menschen

Erschienen in: Behinderte Menschen, Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten, Nr. 4/5/2011, Thema: Anerkennung und Fürsorge, S. 49-61.Bibliographische Angaben / Zweckinformation und eventuelle weitere Hinweise.

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 30.03.2016

zum Textanfang | zum Seitenanfang | zur Navigation