Die Methode der gestützten Kommunikation bei Menschen mit autistischer Behinderung

AutorIn: Martin Bampi
Themenbereiche: Therapie
Textsorte: Diplomarbeit
Releaseinfo: Diplomarbeit zur Erlangung des akademischen Grades eines Magisters der Philosophie an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, eingereicht bei Ass.Prof. Univ.-Doz. Dr. Volker Schönwiese, am Institut für Erziehungswissenschaften, September 1997
Copyright: © Martin Bampi 1997

Kommentar

Dieser Text besteht aus dem zweiten Abschnitt der Diplomarbeit Die Methode der gestützten Kommunikation bei Menschen mit autistischer Behinderung. Sie wurde im September 1997 von Martin Bampi, bei a.o. Prof. Dr. Volker Schönwiese am Institut für Erziehungswissenschaften in Innsbruck, eingereicht.

Im ersten Abschnitt befaßt sich der Autor mit Autismus - Aus der Sicht der Wissenschaften.

Wir beschränken unsere Veröffentlichung auf den zweiten Abschnitt.

Angela Woldrich, 9. Febr. 1998

IV. Die Methode der gestützten Kommunikation

Ziel dieses Kapitels ist es, den Begriff, die Geschichte und die Funktionsweise der gestützten Kommunikation eingehend zu erörtern und sie als alternatives bzw. ergänzendes Kommunikationssystem darzustellen. Im Anschluß daran soll auf die Umstrittenheit dieser Methode eingegangen werden; der Methode entgegen-gebrachte Zweifel scheinen den für sie sprechenden Indizien allerdings nicht standzuhalten.

1. Begriffserklärung: Was ist FC?

Der Begriff "gestützte Kommunikation" wurde vom englischen, durch Rosemary Crossley geprägten Ausdruck "Facilitated Communication" - kurz FC - abgeleitet. Wörtlich übersetzt könnte man auch von einer "erleichterten" oder "unterstützten Kommunikation" sprechen, im deutschsprachigen Raum hat sich jedoch die Bezeichnung "gestützte Kommunikation" durchgesetzt.

Es handelt sich dabei um eine Kommunikationsmethode, die viele Menschen, welche sich nicht oder nur begrenzt artikulieren können, eventuell befähigt, auf Items (Bilder, Symbole, Wörter und Buchstaben) zu zeigen und sich auf diesem Wege mitzuteilen (Eichel 1996, S.54-55). Das Verfahren geht davon aus, daß manche angeblich geistig behinderte Personen über kognitive Fähigkeiten verfügen, aber unfähig sind, diese ohne fremde Hilfe auszudrücken. Die Hilfestellung, die einer Unzahl von Betroffenen ermöglicht, ihre motorischen und/oder psychischen Barrieren zu überwinden, besteht lediglich in einer minimalen körperlichen sowie emotionalen Stütze während des Zeigens (Klonovsky 1993, S.55). Der Stützer oder Facilitator darf dabei keinesfalls die Führung übernehmen, sondern nur die vom FC-Schreiber ausgehenden Impulse unterstützen. Fernziel der Methode ist eine unabhängige und selbständige Benutzung der Kommunikationstafel oder Computertastatur. Beispiele aus den USA, aber vor allem aus Australien bezeugen, daß sich dieses Ziel manchmal verwirklichen läßt (Biklen o.J., S.1, 4).

Beeindruckend ist die Tatsache, daß viele dieser Menschen mit schweren Kommunikationsstörungen unerwartete Lese- und Schreibfähigkeiten, sog. "literacy", zeigen. Diese sind aber keine Voraussetzungen für die FC; auch über das Zeigen von Bildern oder Symbolen ist eine Mitteilung möglich (Eichel 1996, S.55).

FC kann sich also für jene Menschen als hilfreich erweisen, die - obwohl durchaus intelligent - etwa durch Störungen im komplexen System der Muskel- und Gehirnkoordination daran gehindert werden, sich zu verständigen. Sie gelten aufgrund ihrer Kommunikationsprobleme als geistig behindert. "Ihre Intelligenz bleibt unter der Körperbehinderung verschüttet [...]", so Michael Klonovsky. Doch "wenn das Verfahren 'anschlägt', das heißt, wenn der behinderte Mensch entgegen dem äußeren Eindruck über intellektuelle Fähigkeiten verfügt, wird man Zeuge eines unglaublichen Phänomens: Die angeblich geistig behinderten Menschen, denen nie jemand lesen oder schreiben beigebracht hat, beginnen zu buchstabieren und führen mit ihren Eltern oder Therapeuten teilweise Dialoge auf hohem geistigen Niveau" (1993, S.55-56).

Den Betroffenen fehlen trotz einer verinnerlichten Sprache und eventueller kommunikativer Absicht die Mittel, diese zu äußern. Annemarie Sellin vergleicht die Aufgabe des Facilitators deshalb mit der sog. "Hebammenkunst" (Mäeutik): Bis dato verborgene Fähigkeiten können durch die gestützte Kommunikation ans Licht gebracht werden.[1]

Elisabeth Eichel, eine in der Ambulanz "Hilfe für das autistische Kind" (Dortmund) tätige Diplom-Pädagogin, ordnet die FC-Methode in das Spektrum der alternativen und ergänzenden Kommunikationssysteme ein (1996, S.45). Der internationale Fachausdruck dafür lautet AAC ("Alternative and Augmentative Communication") und "[...] bezeichnet den sonderpädagogischen bzw. sprachtherapeutischen Ansatz, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Kommunikationsmöglichkeiten nichtsprechender Menschen durch die Bereitstellung von Ergänzungen bzw. Alternativen zur Lautsprache zu verbessern" (Braun 1993, S.25). Es wird dabei zwischen körpereigenen (z.B. Gebärden) und externen Kommunikationsmodi unterschieden. Letztere können wiederum in elektronische (z.B. Sprachcomputer) oder nicht-elektronische Hilfsmittel (z.B. Kommunikationstafel) eingeteilt werden (ebda).

Im deutschen Sprachraum wird für AAC häufig die Bezeichnung "unterstützte Kommunikation" verwendet - nicht zu verwechseln mit der "gestützten Kommunikation". FC kann, wie bereits erwähnt, höchstens zum Fachgebiet der unterstützten Kommunikation dazugezählt werden, obwohl sie darin einen Sonderfall darstellt: Bei anderen AAC-Systemen steht von Anfang an die Selbständigkeit im Vordergrund, und wenn in Einzelfällen mit Hand- oder Armführung gearbeitet werden muß, liegt der Grund nur in der motorischen, nicht auch in der psychischen Beeinträchtigung (Kristen 1993, S.11-14).

Für FC, aber auch für alle anderen Kommunikationssysteme, scheint mir folgende Aussage wichtig zu sein: "Eine unabdingbare Forderung, die an alternative und ergänzende Kommunikationshilfen zu stellen ist, besteht [...] in deren Akzeptanz durch alle Beteiligten sowie ihrer Bereitschaft, sich mit ihnen vertraut zu machen und sie konsequent anzuwenden, ohne jedoch Kommunikationskanäle wie Mimik und Gestik zu vernachlässigen. Sie sollten im Sinne von erweiternden Mitteilungsangeboten begriffen werden, die die Chance eröffnen, das Kind über die bereits eingeschliffenen, oft 'informellen' Zeichenmuster hinaus besser zu verstehen und so neue Perspektiven des Miteinanders zu gewinnen" (Schwerdt 1993, S.98). FC soll bzw. will niemals bereits bestehende Kommunikationswege verdrängen oder ersetzen. Sie ist neben eventueller Lautsprache oder nonverbalen Mitteilungen nur eine zusätzliche Methode der Verständigung, die einer bestimmten Personengruppe angeboten wird. Im günstigsten Falle sollte für einen Betroffenen schließlich jene Kommunikationsstrategie oder Kombination verschiedener Methoden gefunden werden, die es ihm erlaubt, in unterschiedlichen Situationen mit verschiedenen Menschen so frei wie möglich zu interagieren. Sollte jemand allerdings nicht den Wunsch verspüren sich mitzuteilen und das Schweigen bevorzugen, muß diese Entscheidung voll akzeptiert werden.

Wie aus dem folgenden Abschnitt zu entnehmen sein wird, handelt es sich bei der gestützten Kommunikation um eine relativ neue Methode. Damit läßt sich erklären, warum bis heute nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema in deutscher Sprache veröffentlicht wurden: Neben einigen Aufsätzen und Seminarskripten gibt es nicht mehr als zwei selbständige Publikationen (s. Nagy 1993; s. Eichel 1996).

Zusätzlich stehen Interessierten aber FC-Erfahrungsberichte bzw. mittels FC verfaßte Autobiographien zur Verfügung (z.B. Crossley/McDonald 1994; Zöller 1992; Zöller 1995; Hertz 1995; Sellin B. 1995a; Sellin B. 1995b). Außerdem gibt es seit dem Jahre 1995 die dreimal jährlich erscheinende Zeitschrift "Bunter Vogel - Von FC-Schreibern für FC-Schreiber und für alle ihre Freunde". Wie bereits aus dem Untertitel hervorgeht, besteht diese Zeitschrift - abgesehen von einigen Leserbriefen - ausschließlich aus Texten, die auf dem Wege der gestützten Kommunikation entstanden sind. Betroffene äußern sich darin über verschiedenste Themen und gewähren einen Einblick in ihr Innenleben (s. Bunter Vogel 1995-1997).

In der Autismusliteratur wird FC (vorerst) nur spärlich, ja auch ungenau erwähnt. Rollett/Kastner-Koller schreiben z.B.: "Seit einiger Zeit machen Therapieansätze Schlagzeilen, in denen eine sogenannte 'gestützte Kommunikation' (facilitated communication) mit Hilfe eines Computerprogramms und unter Unterstützung durch eine Vertrauensperson (dem 'Facilitator') stattfindet, die den Unterarm des Autisten berührt. Angeblich können selbst Autisten, die nicht sprechen gelernt haben, auf diese Weise Texte formulieren. Leider haben eine Reihe von Studien und Erfahrungsberichten gezeigt, daß die Texte nicht von den Autisten, sondern den Trainern stammten. Die Kinder und Jugendlichen hatten offenbar nur gelernt, auf Berührungsreize hin bestimmte Tasten zu drücken" (1994, S.63). Eindeutig positiver beschreibt die Methode Hartmut Janetzke: "Falls trotz Sprachverständnis und Anregung der Äußerungsbereitschaft motorische Hürden unüberwindbar sein sollten, kann sich statt Gebärden- oder Handschriftsprache eine Facilitated Communication (durch Berührungshilfestellung an Buchstabentabelle, Schreib-maschine oder Schreibcomputer erleichterte und gestützte Kommunikation) als Ausweg erweisen" (1993, S.69). Daß es aber wesentlich mehr über diese Kommunikationsmethode zu sagen gäbe, versuche ich mit dem Folgenden zu beweisen.

2. Die Geschichte der FC

Die Benennung und Systematisierung von FC ist zwar eine neuere Erscheinung, "unerklärliche Einzelfälle" von sich schriftlich ausdrückenden Autisten hatte es aber immer wieder gegeben: Manche Eltern oder Lehrer machten sich eine körperliche Hilfestellung zunutze, bei der zunächst geführt, später nur mehr gestützt wurde, und stellten fest, daß ihre autistischen Schützlinge dadurch unerwartete Kommunikationsfähigkeiten zeigten. Der Sohn des amerikanischen Nobelpreis-trägers A.T. Schawlow teilte sich beispielsweise schon Anfang der 60er Jahre auf diesem Wege mit (Eichel 1996, S.56). Wie aus dem "Bunten Vogel" entnommen werden kann, schreibt der mittlerweile 32jährige Franz U. aus Friedberg seit 1972 mit einer Stütze (U. 1997, S.24). Von Erfolgen mit einer anfangs geführten, dann gestützten insbesondere handschriftlichen Kommunikation bei Autisten berichtete auch Rosalind Oppenheim im Jahre 1974 (Eichel 1996, S.56). Der 1969 geborene Stuttgarter Dietmar Zöller begann als Sechsjähriger sich mit dieser damals noch unbekannten bzw. unbeachteten Methode zu äußern. Als ihm seine Mutter das Schreiben beibringen wollte, bemerkte sie, daß er mit der Zeit die Führung der handgeschriebenen Texte übernahm. Er begann andere Dinge niederzuschreiben, als ihm angesagt wurden. Inzwischen benutzt er zur Kommunikation einen PC und hat bereits zwei Autobiographien verfaßt (Spudich 1997, S.9). Ähnliche selbstinitiierte Schritte unternahm die dänische Schauspielerin Lone Hertz mit ihrem Sohn Tomas. Dieser begann 1979, sich über eine elektrische Schreib-maschine zu artikulieren (Hertz 1995, S.46-52, 256). Die gestützte Kommunikation wurde also in verschiedenen Ländern bereits vor ihrer offiziellen Bekanntmachung - unabhängig voneinander - praktiziert. Wie Helmut Spudich erläutert, sind "[...] solche Parallel-Erfahrungen [...] bei neuen Entdeckungen in der Hilfe für behinderte Menschen häufig: Sobald das Eis gebrochen ist und eine neue Entwicklung dokumentiert und veröffentlicht ist, finden sich viele ähnliche Berichte von bisherigen 'Außenseitern', die gleiches erlebt hatten, aber es vorzogen zu schweigen und nicht den Widerspruch der Expertenwelt auf sich zu ziehen" (1997, S.9).

Systematisch entwickelt und benannt wurde die Methode von Rosemary Crossley. In den 70er Jahren arbeitete Crossley im St.-Nicholas-Hospital in Melbourne (Australien), einem Heim für schwer mehrfachbehinderte Kinder, und erforschte dort Möglichkeiten, diesen Menschen Kommunikationswege zu eröffnen. In kleinen, mühsamen Schritten begann sie dabei mit Anne McDonald, einem Mädchen mit Zerebralparese, die FC-Technik zu entwickeln. Um den körperlichen Auswirkungen der spastischen Lähmung entgegenzuwirken, stützte Crossley den Arm der angeblich retardierten Anne und befähigte sie damit, ihre motorischen Bewegungen zu kontrollieren, auf Items zu zeigen und damit Kontakt mit ihrer Umwelt aufzunehmen. Aufgrund dieses Erfolgs machte Crossley weitere Kinder mit FC vertraut. Bekannt wurde diese Methode durch zwei Gerichtsverhandlungen, die Annies Kommunikations- und Geschäftsfähigkeit bestätigten und ihren über FC mitgeteilten Wunsch, die Anstalt verlassen zu wollen, anerkannten (vgl. Crossley/McDonald 1994).

Ab dem Jahre 1985 erkannte Crossley schließlich, daß vor allem autistische Personen positiv auf ihr Kommunikationssystem reagieren - daß es bei Autisten aber nicht nur auf einen körperlichen Halt ankommt, werden wir später erfahren. 1986 wurde in Melbourne unter Rosemary Crossleys Leitung das DEAL-Kommunikationszentrum eröffnet. In diesem "Dignity through Education and Language Communication Centre" werden Menschen mit schweren Kommunikationsstörungen in alternative Kommunikationsmethoden, vor allem in die FC, eingeführt. Crossley ist dort selbst als Lehrerin und Koordinatorin beschäftigt (Eichel 1996, S.57).

1989 besuchte Douglas Biklen das DEAL-Zentrum, ein in Harvard ausgebildeter und an der Universität in Syracuse (USA) tätiger Professor für Sonderpädagogik. Dieser war von der Arbeit des Kommunikationszentrums fasziniert, verfaßte eine Studie darüber und "importierte" die FC nach Amerika. Dort konnte er sich, ebenso wie Crossley und ihre Mitarbeiter, mit dieser im Grunde einfachen Methode einen Zugang zu autistischen Menschen verschaffen. Er sorgte für eine rasche Ausbreitung der gestützten Kommunikation und leitet inzwischen das "Facilitated Communication Institute" an der "Syracuse University" (Nagy 1993, S.2).

Eine Mitarbeiterin Biklens, die Sprachtherapeutin Annegret Schubert, brachte das Verfahren nach Europa. Im Sommer 1990 veranstaltete sie eine Reihe von FC-Seminaren in Deutschland. Einer der ersten, der sich nach ihrem Besuch zu artikulieren begann, war der Berliner Birger Sellin (Klonovsky 1993, S.57-58).

Weitervermittelt wurde/wird das neue Verständigungssystem durch Kontakte betroffener Eltern, durch (spärliche) Fachliteratur und Seminare. Eine jener Personen, die ihre wertvollen Erfahrungen auf Fortbildungskursen weitergeben, ist Annemarie Sellin. Nützliche Hilfe für ihren autistischen Sohn fand durch sie - neben vielen anderen - die Münchnerin Christiane Nagy, spätere Verfasserin einer wertvollen FC-Schrift (Spudich 1997, S.5, 9).

Wie Eichel betont, wurde FC im deutschsprachigen Raum mit viel mehr Skepsis aufgenommen als in den USA. Mehrere Autismusexperten (z.B. Hans E. Kehrer) stehen ihr ablehnend gegenüber. Außerdem setzte - wie wir später erfahren werden - ein Medienrummel ein, der dem Ansehen der Methode nicht nur in Deutschland, sondern auch in Australien, in den USA, in Dänemark und anderen Ländern geschadet hat (Eichel 1996, S.58).

3. Über die Arbeit mit FC

In diesem Abschnitt geht es mir darum, die gestützte Kommunikation etwas genauer darzustellen und auf folgende Fragen eine Antwort zu finden: Für welche Personengruppe ist diese Methode geeignet? Welche Voraussetzungen müssen alle Beteiligten mitbringen? Was bzw. wie soll nun konkret unterstützt werden, und wie soll dieses Kommunikationssystem angebahnt, verbessert und gepflegt werden? Auch eventuelle Probleme der FC sollen hier angesprochen werden.

3.1. Zielgruppe

Die Frage nach der Zielgruppe kann mit Biklens Worten wie folgt beantwortet werden: "The method may be useful for any individuals who cannot speak or whose speech is highly echoed or in other ways limited and who cannot point independently *and* reliably" (Biklen o.J., S.3).

Gemeint sind also Menschen mit schweren Kommunikationsproblemen, denen auch alle anderen AAC-Systeme keine angemessene Kommunikation ermöglichen. Biklens Worte verdeutlichen, wie offen FC für unterschiedliche Personenkreise ist. In Deutschland wird die Methode zwar ausschließlich mit Autisten praktiziert, aber in den USA und vor allem in Australien wird zur Zeit festgestellt, daß - neben autistischen und spastisch behinderten Personen - auch Menschen mit Down-Syndrom, Rett-Syndrom oder einer unspezifischen geistigen Behinderung erfolgreich über FC kommunizieren können[2] (Eichel 1996, S.58-60; Spudich 1997, S.12).

Laut A. Sellin ist es "[immer] sinnvoll [...] FC anzuwenden, wenn durch diese Methode ein höheres Kommunikationsniveau erreicht wird. Wenn jemand durch die Stütze 'Ja' und 'Nein' eindeutig ausdrücken kann und dies ohne Stütze nicht möglich war, dann ist der Einsatz von FC gerechtfertigt, weil es eine Verbesserung der Kommunikation darstellt" (Sellin A. 1996, S.2).

Angewandt wird die Methode bei jenen, die nicht sprechen können, aber auch bei jenen, deren Sprache etwa durch Echolalie und Stereotypien begrenzt ist. Interessanterweise ist die FC-Anbahnung bei letzteren häufig schwieriger und langwieriger; vermutlich sind sie nicht derart motiviert wie Mutisten oder können sich nicht vorstellen, daß es ihnen gelingen kann, sich mit Hilfe von FC besser auszudrücken. Die häufig geäußerte Befürchtung, diese Personengruppe würde ihre verbale Verständigung wegen FC zurückentwickeln, hat sich übrigens nicht bestätigt. Es wird sogar von Fällen berichtet, in denen Betroffene versuchen, Geschriebenes auszusprechen (Nagy 1993, S.27).

Wie Biklen betont, stellt die gestützte Kommunikation aber nicht für alle Autisten mit Kommunikationsschwierigkeiten ein geeignetes Verständigungssystem dar: "Facilitated Communication Does Not Work Equally Well With Everyone. As with any method, it may not be effective with some persons and will predictably have varying success with others" (o.J., S.4). Noch ungeklärt ist, wieviele dieser autistischen Menschen es lernen können, über FC zu sprechen. Dazu Biklen: "We Cannot Say With What Percentage Of People Facilitated Communication Will Work [...] Based on our experience, however, we believe that the method will be found to be useful for most people who have difficulties with speech and who cannot point reliably" (ebda, S.3).

Das Alter der Benutzer spielt bei FC keine große Rolle. So wird z.B. in den USA die Methode schon bei Kindern im Vorschulalter eingesetzt, etwa ab dem vierten Lebensjahr - auch wenn zunächst nicht Buchstaben, sondern Gegenstände, Bilder oder Photos im Vordergrund stehen. Da viele autistische Kinder aber ein sehr frühes Interesse für Zahlen und Buchstaben zeigen, können sie oft verhältnismäßig früh eingeführt werden.

Eine Altersgrenze nach oben gibt es theoretisch nicht. Es geht vom Wesen der Methode her ja nicht - wie bei der Sprachanbahnung - darum, sensible zeitlich begrenzte Entwicklungsphasen zu nutzen, sondern darum, bereits vorhandene Kommunikationsfähigkeiten zu aktivieren, sie zu wecken und sichtbar zu machen. Doch es muß bedacht werden, daß sich ältere behinderte Menschen nicht problemlos auf neue Umgangsformen und Perspektiven einstellen können. In der Regel wurden ihnen zeitlebens geistige Fähigkeiten abgesprochen, und die wenigsten wurden altersentsprechend behandelt, geachtet und geschätzt. Viele haben sich wohl mit ihrer Situation abgefunden, vielleicht sogar resigniert. Eine Anbahnung der Methode könnte bei manchen eine seelische Erschütterung heraufbeschwören. Es muß deshalb individuell entschieden werden, ob eine späte "Öffnung" durch FC sinnvoll ist oder nicht (Nagy 1993, S.25).

3.2. Voraussetzungen

Nach Crossley ist der Erfolg eines jeden Kommunikationssystems von drei Bedingungen abhängig: Der Sender muß über die notwendigen Fähigkeiten zur Informationsvermittlung verfügen, der Empfänger muß die Nachricht entschlüsseln können und eine Gesamtinteraktion muß die Information unterstützen (Eichel 1996, S.67).

Zu den Voraussetzungen eines FC-Senders gehören demnach - nebst einem Mitteilungsbedürfnis - Sprachverständnis, eine verinnerlichte Sprache sowie einige manuelle Fähigkeiten. Wie bereits erwähnt stellt "literacy" keine Voraussetzung für einen Beginn mit FC dar (ebda, S.49, 60).

Wichtig für den FC-Empfänger ist es, laut Nagy, über eine innere Offenheit zu verfügen, also über eine Bereitschaft, etwas Neues und bisher Unerwartetes anzuerkennen. Darüber hinaus sollte man dem Behinderten mit Respekt und Anerkennung begegnen, ihn altersgemäß ansprechen und zu Botschaften ermutigen. Jeder Stützer muß sich aber darüber im klaren sein, daß man lediglich einen Weg zur Kommunikation anbietet, den der Gestützte aus eigenem Willen annehmen, aber auch ablehnen kann (1993, S.4-5).

Biklen weist außerdem darauf hin, daß jeder Stützer um die (individuellen) Probleme seines autistischen Kommunikationspartners wissen sollte und sich eingehend mit der Technik bzw. eventuell auftauchenden Problemen auseinander-setzen muß (o.J., S.3).

Auch einige äußere Bedingungen dürfen nicht außer acht gelassen werden. So wirkt es sich äußerst günstig auf die Kommunikation aus, wenn man - vor allem anfangs - für die FC einen täglichen festen Zeitpunkt einplant. Jegliche Störfaktoren sollten für den betreffenden Zeitraum vermieden werden. Dauern sollten die ersten "Sitzungen" nicht mehr als 5-10 Minuten, zeigen ja viele in dieser kurzen Zeit mehr als vorher in Jahren.

Ist man imstande festzustellen, ob die zu stützende Person die rechte oder die linke Hand bevorzugt, setzt sich der Stützer zur FC auf die entsprechende Seite an den Tisch, welcher auf die Größe des Autisten abgestimmt sein sollte (Sellin A. o.J., S.4-5).

Welches Material zu beschaffen ist, hängt sicherlich von dem sich herausstellenden Fähigkeitsniveau eines Benutzers ab. Für den Anfang genügen auf jeden Fall (auf den Benutzer abgestimmte) Bilder, Photos und Symbole (Eichel 1996, S.66). Für FC-Schreiber mit "literacy" kann zwischen Alphabettafel, Schreibmaschine, Computer und anderen elektronischen Schreibhilfen gewählt werden. Eine Alphabettafel ist kostengünstig, kann individuell gestaltet und überallhin mitgenommen werden, hat aber den Nachteil, daß das Geschriebene weder notiert noch gespeichert wird. (Auf der folgenden Seite finden sich zwei Beispiele solcher Buchstabentabellen.) Eine elektrische Schreibmaschine bzw. ein PC sind zwar teuer und kaum transportabel, machen das Geschriebene aber sichtbar und lassen Fehlbuchstaben mittels einer Korrekturtaste ausbessern. Der Druck auf die Tastatur muß dabei etwas geübt werden. Im Computer sind außerdem alle Mitteilungen speicherbar. Oft verwendet wird in den USA der sog. "Canon Communicator", ein teures, aber handliches Gerät, das den Text auf einem schmalen Papierstreifen ausdruckt. Daneben sind im Handel noch viele weitere elektronische Schreibhilfen erhältlich (Nagy 1993, S.38-39). Sollte man die Anschaffung eines dieser Geräte befürworten, muß man wohl in jedem Einzelfall entscheiden, welches sich für den Betroffenen am besten eignet.

Jene wenigen, die sich über eine gestützte Handschrift äußern können, benötigen dazu nichts weiter als einfaches Schreibmaterial.

Hier zwei Beispiele von individuell gestalteten Alphabettafeln (stark verkleinert):

(Abb.2: entnommen aus Nagy 1993, Beiblatt) Nicht verfügbar

(Abb.3: entnommen aus Eichel 1996, S.148) Nicht verfügbar

3.3. Die Technik der Methode

Die Technik der gestützten Kommunikation besteht im wesentlichen aus einer körperlichen und einer emotionalen Stütze:

Die körperliche Stütze dient - so wird von FC-Anhängern behauptet - der Kompensation neurologischer bzw. motorisch bedingter Probleme. Sie verbessert die Eigenwahrnehmung, provoziert durch Gegendruck einen Zeigeimpuls und ermöglicht dem Schreiber ein Mindestmaß an willentlicher motorischer Kontrolle, die dieser braucht, um auf Items zu zeigen. Außerdem bremst sie impulsive Bewegungen und verhindert Perseverationen, also das Verbleiben des Fingers auf einem Buchstaben. Oberstes Grundprinzip ist jeweils, nur soviel Stütze zu geben, wie für die Aufrechterhaltung der Kommunikation unbedingt notwendig ist (Nagy 1993, S.2; Eichel 1996, S.61).

Konkret kann die körperliche Stütze sehr individuell erfolgen, es gibt aber generelle Regeln, die zu beachten sind: Der Betreuer hält die Hand des anderen ca. 20cm senkrecht über dem entsprechenden Material. Sobald er einen Impuls verspürt, muß er diesem leicht nachgeben, bis der Finger des FC-Sprechers einen Buchstaben erreicht hat. Auf keinen Fall darf der Betreuer die Hand seines Partners körperlich manipulieren, also nach vorne drücken oder in eine bestimmte Richtung führen. Als günstig erweist sich in der Regel ein leichter Gegendruck; dieser trägt dazu bei, eine Gegenbewegung des Autisten auszulösen, verhindert eine "geführte" Kommunikation und verlangsamt überstürzte Bewegungen. Zieht der FC-Benutzer nach dem Zeigen seine Hand nicht selbst in die Ausgangsposition zurück, muß mit einem Rückzug nachgeholfen werden (Nagy 1993, S.5-6).

An welcher Stelle Halt gegeben wird, ist von Person zu Person verschieden. Ist der autistische Mensch allerdings (noch) nicht in der Lage, den Zeigefinger zu isolieren, muß - zumindest für den Anfang - die Stütze an der Hand angesetzt werden. In der Anfangsphase ist es bei manchen auch notwendig, zusätzlich mit der freien Hand deren Handgelenk bzw. Unterarm zu stützen.

Rosemary Crossley erwähnt folgende Arten der körperlichen Stütze:

1. Stütze der Hand (s.Abb.4-6)

2. Stützung über einen Stab (s.Abb.7)

3. Stütze am Handgelenk (s.Abb.8)

4. Stütze am Unterarm oder Halten am Ärmel (s.Abb.9)

5. Stütze am Ellbogen

6. Stütze am Oberarm

7. Berührung der Schulter mit Druck

8. Berührung der Schulter ohne Druck

9. Berührung einer anderen Körperstelle (Bein, Rücken usw.)

10. Keine Berührung

Jeder Benutzer benötigt eine andere Form körperlicher Unterstützung, wobei diese je nach Verfassung, Umgebung, Stützer u.v.m. variieren kann (Eichel 1996, S.62-63).

(Abb.4: entnommen aus Nagy 1993, Bild 1) Nicht verfügbar

(Abb.5: entnommen aus ebda) Nicht verfügbar

(Abb.6: entnommen aus ebda) Nicht verfügbar

(Abb.7: entnommen aus ebda) Nicht verfügbar

(Abb.8: entnommen aus ebda) Nicht verfügbar

(Abb.9: entnommen aus ebda) Nicht verfügbar

Eine besonders ungewöhnliche, aber durchaus mögliche Variante erwähnt Hanni Berghammer. Sie berichtet von einem autistischen Mädchen namens Denise, das bei Kommunikationsbedarf mit ihrer Hand den kleinen Finger der Mutter umschließt, selbst ihren Zeigefinger isoliert und damit auf Buchstaben zeigt. Diese Stützgewohnheit könnte so manchem Skeptiker seine Gewißheit rauben (Berghammer 1993, S.60). Bei Kindern, die handschriftlich mit Stütze schreiben, etwas aufgrund der Schwungbewegungen viel Schwierigeres, wird die Stütze wieder anders aussehen. (Frau Sellin weist in ihren Seminaren aber darauf hin, daß jenen auch die Zeigmethode gelehrt bzw. angeboten werden sollte).[3] Bei Menschen, die sich nicht gerne berühren lassen, erweisen sich Stäbe oft als hilfreich. Auch mit Bandagen kann das eventuelle Problem der Ablehnung von Körperkontakt umgangen werden (Nagy 1993, S.8).

Für viele Menschen bedeutet die FC eine erstmalige Möglichkeit des Ausdrucks ihrer Person. Fehlendes Selbstvertrauen, Unsicherheit und Ängstlichkeit sind, insbesondere zu Beginn, häufige Begleiter dieses Vorgehens. Die emotionale Stütze stellt deshalb einen wesentlichen, nicht zu unterschätzenden Bestandteil der FC-Technik dar.

Eichel definiert diese emotionale Stütze als "Grundeinstellungen und Fähigkeiten, über die ein Stützer verfügen sollte". Dazu zählt sie einen respektvollen, altersgemäßen Umgang mit den Betroffenen, entgegengebrachtes Vertrauen in deren Fähigkeiten, Ermutigung und Geduld. Außerdem sollte jeder Stützer auch auf seine eigene Kommunikation achten, Interesse und Aufmerksamkeit für seinen Kommunikationspartner besitzen und sich, wenn notwendig, in den Kommunikationsprozeß einbringen. Gewarnt wird jedoch vor verbaler Beeinflussung, vor überflüssigen, kontrollierenden Fragen - auch wir müssen unsere Kommunikationsfähigkeiten nicht permanent unter Beweis stellen - sowie vor eigenen Interpretationen/Spekulationen undeutlicher Botschaften (1996, S.64-65).

Nagy berichtet davon, daß ihr Sohn Christoph und viele andere FC-Benutzer zwar deutlich signalisieren, über ein bestimmtes Thema schreiben zu wollen, aber beim Schreiben von körperlicher Unruhe begleitet oder durch impulsartige Ausbrüche unterbrochen werden. Der Stützer hat die Aufgabe, sie zu beruhigen, ihre Aufmerksamkeit auf die FC zurückzulenken und ihr zielgerichtetes Handeln zu unterstützen (1993, S.4).

Einen weitaus größeren Wert mißt Peter Rödler der emotionalen Unterstützung bei. Er schreibt: "Die reine Anwendung der Methode [...], der reine Bezug auf die Sicherheit der Verfahrensregeln ohne den Inhalt einer echten Begegnung, ohne evtl. die Jahre der Suche davor, die das Vertrauen in diese Begegnung vorbereitet haben mögen, bleibt leer und wird mit großer Sicherheit scheitern" (1994, S.4).

3.4. Anbahnung

Die Anbahnung der gestützten Kommunikation kann in unterschiedlicher Weise erfolgen. Bestimmte Stufen sollten bei einer FC-Einführung allerdings beachtet werden:

Sehr wichtig ist eine einführende Erklärung der Methode. Stützer sind auf die aktive Mitarbeit der autistisch Behinderten angewiesen und sollten sie deshalb über die Technik sowie den Zweck dieses Unternehmens informieren. Als hilfreich erweisen sich dazu Photos, Videos oder Texte von Personen, die bereits erfolgreich über FC kommunizieren können. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, daß Kinder und Jugendliche, welche diese Kommunikationsmethode schon bei ihren Kameraden beobachten konnten, keine langen Erklärungen benötigen.

Damit der Betroffene Vertrauen fassen kann, sollte man offen darüber sprechen, daß man ihn bisher möglicherweise unterschätzt hat, dies bedauert und neu beginnen möchte.

In einer sog. "diagnostischen Phase" versucht man festzustellen, auf welcher Stufe sich das Kind befindet, ob es mit Stütze zeigen kann und ob es - wie in vielen Fällen - sogar über Buchstabenkenntnisse und Lesefähigkeit verfügt:

Mit Hilfe der Stütze fordert man den Kandidaten auf, auf einen Gegenstand oder ein Bild zu zeigen, wobei es hauptsächlich um das Üben dieser bisher ungewohnten Form des Ausdrucks geht (Nagy 1993, S.8-9, 13). Die Bewegung muß dabei vom Gestützten ausgehen und sowohl gezielt als auch eindeutig sein. Der Facilitator begleitet diese Impulse, läßt sich vom FC-Sprecher führen. A. Sellin dazu: "Wenn keine gezielte und eindeutige Bewegung vom Schreiber kommt, ist Gestützte Kommunikation nicht möglich" (1996, S.1). Verfügt der Kandidat aber, mithilfe der Stütze, über diese Fähigkeit, kann man ihn schließlich bitten, auf Wortkarten zu zeigen. Von großer Bedeutung sind Karten mit der Aufschrift "Ja" und "Nein", mit denen bereits viele Entscheidungen getroffen werden können. Jede Antwort bzw. getroffene Auswahl des Schreibers muß selbstverständlich als Kommunikation angenommen und respektiert werden. Nur wenn der Betroffene merkt, daß er mit FC etwas bewirken kann, mitbestimmen kann, ist er wirklich motiviert sie anzuwenden.

Sollte der Lesetest ergeben, daß die Schriftsprache noch nicht beherrscht wird, sollte sie auf normalem Wege, wie bei allen Kindern, eingeführt werden. Bei positivem Ausgang dieses Tests wird auf das Üben des Buchstabierens übergegangen. Beim Zeigen auf (Wort)bilder steht dem Benutzer nämlich nur eine begrenzte, vorselektierte Anzahl von Items zur Verfügung, ein Problem, das mithilfe der Buchstaben beseitigt werden kann. Das Zusammensetzen von Buchstaben zu neuen Wörtern ist zwar ein weitaus schwierigerer Prozeß als das Erkennen von Wortbildern, bietet aber die Möglichkeit, sich frei auszudrücken. Wird das Buchstabieren zu Beginn an einfachen Beispielen (z.B. Namen) geübt, geht man schrittweise zu komplexeren Dingen über. Das Ziel ist dabei - vor allem anfangs - nicht fehlerlose Rechtschreibung, sondern Kommunikation (Nagy 1993, S.9-10). Festzuhalten ist, daß das Niveau der verbalen Fähigkeiten eines FC-Schreibers äußerst unterschiedlich sein kann. Während manche in ihrem Wortfluß kaum zu bremsen sind, geben sich andere ziemlich wortkarg. Daneben zeigen sich Unterschiede in der Themen- und Wortwahl sowie im Schreibstil (Spudich 1997, S.3-4, 10; Biklen o.J., S.4).

Ein wichtiger Tip von Annemarie Sellin: Zur Überprüfbarkeit für alle Beteiligten, aber auch für Außenstehende, sollte die Anbahnung der gestützten Kommunikation mittels Tagesprotokolle, Sammlung der geschriebenen Texte und regelmäßiger Videoaufnahmen genauestens festgehalten werden. Die Miteinbeziehung mehrerer Personen ist ebenso von großem Vorteil.[4]

3.5. Alltäglicher Umgang mit FC

Die Methode der FC verlangt von beiden Kommunikationspartnern sehr viel Übung. Auch wenn sie in der Regel auf autodidaktisch erworbenen Kenntnissen aufbaut, gibt es vieles, was trainiert bzw. verbessert werden kann.

So sollte man nach der Einführungsphase, bei der nur wenige Schreibimpulse verlangt werden (z.B. Multiple-choice-Verfahren), zu Schwierigerem, also zu mehr Schreibimpulsen übergehen. Daneben sollten die Zeigebewegungen, wenn notwendig, zunehmend genauer werden.

Doch nicht nur die Technik kann verbessert werden, sondern auch die wechselseitige Kommunikation. Während viele Facilitators sich erst mit der Zeit über das Innenleben ihrer Partner bewußt werden und dementsprechend anders mit ihnen umzugehen beginnen, haben FC-Benutzer häufig Schwierigkeiten, aus sich herauszugehen und ihre Gefühle und Gedanken preiszugeben. Schrittweise soll deshalb versucht werden, den Weg zu einer für beide Seiten fruchtbaren Interaktion zu ebnen. Ist der Schreiber z.B. fähig, mit Kurzantworten zu kommunizieren, sollten Fragen gestellt werden, die längere, zuerst inhaltlich bekannte, dann inhaltlich unbekannte Antworten verlangen. Erstrebenswertes Ziel wäre schließlich eine Konversation, bei der der Stützende nicht mehr automatisch der Fragende ist und der Gestützte von sich aus zu erzählen beginnt (Nagy 1993, S.13-17). Dieser Aufbau von freier Kommunikation ist kein eindimensionaler Prozeß. Je nach Verfassung beider Partner, Thema und anderen Einflußfaktoren kann das Gespräch über verschiedene Stufen der Kommunikationsleiter variieren (Eichel 1996, S.68).

Daß sich das Schreiben zu einem ganz normalen Bestandteil des Lebens entwickelt, ist es wichtig, an möglichst vielen Orten über möglichst viele Themen zu kommunizieren, aber vor allem den Kreis der Stützer zu erweitern und die Methode auf möglichst viele Bezugspersonen eines FC-Sprechers zu übertragen. Gelassenheit ist dabei eine wichtige Voraussetzung, aber besonders für Eltern der Betroffenen nicht immer einfach. Trotzdem sollten sie sich als Stütze immer wieder versuchen, da sie auf lange Sicht diejenigen sind, die das Kind am längsten begleiten (Nagy 1993, S.18-20, 33).

Größter Wert wird auf den Abbau der körperlichen Stütze gelegt. Dieser Prozeß wird durch Crossleys Stufen der Stützung[5] verdeutlicht, ist aber niemals stetig oder unumkehrbar. Das notwendige Mindestmaß an Unterstützung ist von mehreren Einflußfaktoren abhängig und kann von Tag zu Tag, von Gespräch zu Gespräch verschieden sein. Ein erfolgreicher Ausblendungsprozeß kann sehr lange dauern; die ersten autistischen FC-Benutzer des DEAL-Zentrums erreichten erst nach sechs Jahren die Fähigkeit, unabhängig und selbständig zu tippen. Manche erreichen diese Fähigkeit überhaupt nicht, einige nur auf Kosten fehlerhafter oder verlangsamter Mitteilungen (Eichel 1996, S.61-63).

Nicht zu unterschätzen ist die Frage, wie mit dem Inhalt des Geschriebenen umgegangen werden soll. Soll das Geschriebene beispielsweise korrigiert werden? Wie Nagy sehr richtig betont, soll zunächst nur die Kommunikation im Vordergrund stehen. Erst wenn eine gewisse Sicherheit erreicht wurde, kann man eventuell auf Rechtschreib-, Wortwahl- und Satzbaufehler hinweisen und eine allgemein verständlichere Ausdrucksweise anbahnen. Von diesen Korrekturen sollten aber nur schulische Texte betroffen sein. In der persönlichen Kommunikation soll die ungewöhnliche und oft poetische Ausdrucksweise auf jeden Fall akzeptiert werden (1993, S.17-18).

Wichtig ist zudem ein vertraulicher Umgang mit den Texten. Bevor man sie weitergibt, sollte der Autor selbstverständlich um Erlaubnis gefragt werden - genauso wie es mit Texten von Ohne-Stütze-Schreibenden geschieht.

Hüten sollte sich jeder Facilitator vor Über- bzw. Unterbewertungen sowie eigenmächtigen Interpretationen der über FC mitgeteilten Botschaften.

3.6. Eventuelle Probleme

Verständigung ist für Autisten auch mittels FC kein leichter Prozeß. "Aus den Beschreibungen, die heute autistische Menschen selbst über ihre Erfahrungen liefern, wird klar, daß Kommunikation und das Zurechtfinden in der sozialen Welt für Autisten ein hartes Stück Arbeit bleibt, mit Rückschlägen, Frustration und fortdauernder alltäglicher Mühe von früh morgens bis spät abends", so Spudich (1997, S.3).

Zu den persönlichen Mühen der Betroffenen gesellen sich noch viele andere Probleme. Ihre Mitteilungen werden z.B. - auch wenn damit sensibel umgegangen wird - oftmals mißverstanden. Wortfindungsprobleme - eine bei Autisten ziemlich häufige Erscheinung - (Eichel 1996, S.70-71), Fehlbuchstaben oder unübliche Satzkonstruktionen führen dazu, daß ihre Botschaft nicht so aufgenommen wird, wie sie sie verstanden haben wollten. Mißverständnisse dann aus der Welt zu schaffen ist immer ein schwieriges Unterfangen - auch bei Redegewandtheit.

Eines der größten Probleme stellt die mögliche Beeinflussung von Seiten des Stützers dar, die in einigen Experimenten sogar nachgewiesen werden konnte. Grundsätzlich muß man sich klar darüber sein, daß ein bestimmtes Maß an wechselseitiger Beeinflussung Teil jeder Kommunikation ist. Man stellt sich auf das Gegenüber ein, wartet auf dessen Signale und reagiert dementsprechend. Die gegenseitige Einflußnahme ist für jeden Kommunikationsprozeß wichtig, ohne sie würden so manche Dialoge ins Stocken geraten. Problematisch wird eine Situation aber dann, wenn die Beeinflussung eines Partners so stark ist, daß der andere - in unserem Falle der FC-Schreiber - sich nicht mehr ausdrücken kann, wie er möchte, also manipuliert wird. Bei FC ist die Gefahr einer Manipulation natürlich viel größer als bei einem Gespräch: Neben dem verbalen bzw. sozialen Einfluß ist der Benutzer der körperlichen Kontrolle seines Ansprechpartners ausgeliefert. Verhindern läßt sich Manipulation durch eine ständige Selbstkontrolle der (körperlichen und emotionalen) Stütze, aber auch durch Ermutigung, eigene Gedanken zu äußern und eventuell zu widersprechen (Nagy 1993, S.28; Eichel 1996, S.71-72).

4. Wieso "funktioniert" diese Kommunikationsmethode?

Jeder Beobachter, der erstmals mit FC konfrontiert wird, stellt sich natürlich die Frage, warum autistisch Behinderte durch eine Stütze zu Mitteilungen befähigt werden. Vielen ist unklar, warum sie einen körperlichen Halt benötigen; in der traditionellen Autismusliteratur ist zwar von Unbeholfenheit oder graziösen Bewegungen, aber niemals von einem körperlichen Handicap die Rede.[6] Warum zeigen Autisten also nicht von selbst auf Items? Darüber hinaus ist manchen unverständlich, wie autistische Menschen lesen und schreiben lernen können, wo sie laut Experten doch zum Großteil als geistig behindert eingestuft werden.[7]

Eine wissenschaftlich fundierte Erklärung zur Funktionsweise der FC gibt es bisher noch nicht. Es existieren aber einige Vermutungen dazu, die allerdings mit den gängigen Autismustheorien nicht konform gehen:

Obwohl die autistische Störung kaum mit Beeinträchtigungen des motorischen Outputs in Zusammenhang gebracht wird, gehen FC-Anhänger davon aus, daß viele Autisten nicht imstande sind, selbständig ihr Denken, Fühlen und Verstehen zu zeigen. Man nimmt an, daß ihnen die Möglichkeit fehlt, den eigenen Körper dementsprechend zu organisieren und zu kontrollieren. Einige Aufsätze unterstreichen diese Ansicht. Maurer und Damasio glauben z.B., bei Autisten Anzeichen von Initiationsproblemen (Akinesie) und Problemen im Stoppen und Wechseln von Bewegungen (Bradykinesie) zu erkennen, während Biklen und Ayres von Störungen in der Bewegungsplanung (Apraxie oder Dyspraxie) berichten. Crossley erstellte sogar eine ganze Liste motorischer Störungen, von denen häufig eine, meist aber mehrere bei autistischen Patienten festzustellen sind - obwohl sie in der Regel nicht diagnostiziert werden. Crossley spricht von einer schlechten Auge-Hand-Koordination, zu niedrigem oder zu hohem Muskeltonus, Problemen bei der Streckung/Isolierung des Zeigefingers, Perseveration, Zittern, Initiations-problemen, Impulsivität u.a. (Eichel 1996, S.75-78).

All diese Störungen hindern den Großteil der Autisten am Ausdruck, machen sie aber keineswegs bewegungsunfähig; sie laufen, klettern, balancieren u.v.m. Hill & Leary sprechen in diesem Zusammenhang von habitualisierten und automatisierten Bewegungen, die leider auch gegen den Willen der Person auftreten können (ebda, S.123).

Bei der FC kompensiert die Unterstützung also bestimmte Störungen im Output bzw. hilft, diese durch Übung zu überwinden.

Auch über das Innenleben der Autisten herrscht bei Vertretern von FC eine andere Meinung als bei vielen Experten. Die traditionelle Autismusforschung geht von kognitiven und affektiven Defiziten dieser Menschen aus;[8] FC-Anhänger sind jedoch überzeugt, daß Autisten durch eine Störung der willentlichen Motorik lediglich nicht imstande sind, ihr eigentliches Wesen zu offenbaren. So behauptet Biklen, die bisherige Charakterisierung von Autisten sei unzutreffend; er glaubt an ihre kognitiven und affektiven Fähigkeiten und sieht ihre Kommunikationsprobleme als reine Ausdrucksschwierigkeit an. Auch Schubert schreibt ihnen Intelligenz zu, die sie wegen mangelnder Körperkontrolle nur nicht ausdrücken können (ebda, S.79-80). Diese Ansichten mögen auf eine große Zahl von Autisten zutreffen, lassen sich meiner Meinung nach aber nicht derart verallgemeinern.

Daß aber zumindest viele autistisch Behinderte intelligent sind, beweist allein die Tatsache, daß FC-Schreiber meist auf schriftsprachlichem Niveau kommunizieren können - trotz der immer noch verbreiteten Annahme, man könne nur auf der Basis von Lautsprache "literacy" erwerben. Außerdem haben sich erstaunlich viele das Lesen bzw. Schreiben ohne formale Unterrichtung, also autodidaktisch beigebracht (ebda, S.80). Erklären kann man sich dieses Phänomen folgendermaßen: Im Gegensatz zu früher leben wir heute in einer Welt, in der wir ständig von Buchstaben umgeben sind. Wir werden mit ihnen in Zeitschriften, Büchern, im Fernsehen, auf Produkten, ja sogar auf der Straße konfrontiert. Daher gibt es eine Reihe von Kindern, die bereits im Vorschulalter von selbst auf die Bedeutung der Buchstaben kommen. Auch autistische Menschen haben Zugang zur Schriftsprache und "so wie sich der Graf von Monte Christo in Alexander Dumas gleichnamigen Roman in jahrelanger Kleinarbeit einen Tunnel grub, um seinem Kerker zu entfliehen, oder wie der Ägyptologe Jean Francois Champollion in vierzehnjähriger Grübelei die Hieroglyphen entschlüsselte, so könnte auch der autistische Behinderte die Buchstabensprache enträtseln, indem er sich seines quasi unbegrenzten Zeitvorrates und Beschäftigungszwanges bedient" (Klonovsky 1993, S.58). Das Blättern in Büchern ist bei Autisten tatsächlich keine Seltenheit. Kehrer führt dieses Verhalten sogar in seiner Symptomliste an.[9] Doch während viele Fachleute davon ausgehen, autistische Menschen würden Bücher und Zeitschriften viel zu hastig durchblättern, als daß sie etwas aufnehmen könnten, berichten sie selbst über FC, daß ihre visuelle Wahrnehmung anders funktioniert und sie mithilfe eines photographischen Gedächtnisses eine Buchseite in Sekundenschnelle zu erfassen imstande sind (Nagy 1993, S.3). Sollten Eltern also ernstlich Aarons' und Gittens' Rat befolgen und ihr Kind am Durchblättern oder an der Buchstabenfixierung hindern?[10]

Ich möchte an dieser Stelle aber auch anmerken, daß nicht alle Autisten "literacy" besitzen oder erwerben können. Für jene ist eventuell das gestützte Zeigen auf Bilder u.ä. möglich (Eichel 1996, S.84).

Das Funktionieren der FC kann man sich also damit erklären, daß manche autistische Menschen neben ihren Input-Problemen - die oftmals gar nicht so gravierende Auswirkungen haben wie zunächst angenommen - zusätzliche Probleme im Output haben, welche mit einer Unterstützung bewältigt werden können. Aus einer Mischung von körperlichem und emotionalem Beistand schöpfen sie Kraft, die Barrieren ihrer Behinderung zu überwinden und Botschaften in die Hand des anderen zu legen - ähnlich wie in jenen Situationen, wo sie die Hand eines Erwachsenen ergreifen und ihn statt ihrer eine Handlung ausführen lassen.[11] Sie sind teils körperlich unfähig, teils psychisch blockiert (durch ein "Unvertrauen" in ihre Fähigkeiten?) selbständig und autonom gewisse Vorhaben durchzuziehen. Zur Verdeutlichung meiner Worte möchte ich Dietmar Zöller, einen FC-Schreiber, aus seinem zweiten Buch zitieren: "Autismus ist eine Behinderung, die zur Folge hat, daß man das, was man denkt oder sich vorstellt, nicht oder nur mit Hilfe durchführen kann. Es ist eine Einschränkung im Handlungsbereich, sofern man infolge gezielter Förderung gelernt hat zu denken, was voraussetzt, daß man die Reize, die auf einen einströmen, sortieren kann" (1995, S.65). Ergänzend möchte ich noch hinzufügen, daß jene autistischen Personen, die sich lautsprachlich und ungestützt schriftsprachlich mitteilen können, Probleme im (motorischen) Output möglicherweise kaum kennen.

Eine ganz andere Erklärung für die Funktionsweise der gestützten Kommunikation findet sich bei ihren Kritikern. Diese akzeptieren keine erweiternden Perspektiven zur Autismustheorie und betrachten das Zustandekommen von FC-Texten als reine Manipulation durch den Facilitator. Auf ihre Argumentation werde ich im folgenden etwas näher eingehen.

5. Wissenschaftliche Studien

Eine erste kritische Stellungnahme zur FC fand sich 1989 im Bericht des australischen "Intellectual Disability Review Panel (IDRP)". Jene Aussagen unterstützen weder Gegner noch Befürworter der Methode, werden aber den eigenen Belangen entsprechend ausgelegt (Eichel 1996, S.86).

Klare, auch in den Studien sich widerspiegelnde Oppositionsgruppen bildeten sich ab 1990/91. Insbesondere in den USA wurden nämlich von einigen FC-Sprechern Anklagen des sexuellen Mißbrauchs erhoben. Dieser Aspekt führte zu einer Emotionalisierung der Debatte und zog einen Medienrummel, kritische Fragen sowie eine Verurteilung der FC als manipulatives Kommunikationssystem nach sich. Schubert berichtet allerdings von einer Studie, laut welcher von 1076 Mißbrauchsvorwürfen 13 über die gestützte Kommunikation mitgeteilt wurden, wovon sich elf durch zusätzliche Beweismittel bestätigten - also weit mehr als dies normalerweise der Fall ist (ebda, S.86). Biklen stellt in dieser Hinsicht folgendes fest: "Some individuals have made allegations of abuse, but there is no evidence that the numbers of allegations by individuals using facilitation is proportionally different than the numbers of allegations made by speaking people" (o.J., S.2). Außerdem betont er, daß sich zahlreiche über FC mitgeteilte Anschuldigungen nachweisen lassen. Daneben gibt es natürlich einige, die sich - genauso wie bei mündlich geäußerten Vorwürfen des Mißbrauchs - als unbeweisbar bzw. unbegründet herausstellen (ebda). Man darf eben nicht vergessen, daß auch Autisten falsche Mitteilungen machen, provozieren oder phantasieren können. Deshalb ist noch lange nicht die Methode der FC zu verdammen. Um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, wird in der FC-Literatur stets dazu geraten, schwerwiegende Beschuldigungen sorgfältig zu prüfen und einen weiteren, unabhängigen Stützer hinzuzuziehen (ebda; Nagy 1993, S.31-32; Eichel 1996, S.86-87).

Durch jene Fälle, in denen sich ein Verdacht als unbegründet erwies, geriet die gestützte Kommunikation - trotz oben erwähnter Argumente - stark in Mißkredit. Die Kontroverse um FC begann damit zum Teil auf unwissenschaftlichem Niveau zu verlaufen.

Anhänger der Methode machten voller Euphorie auf deren Wert aufmerksam, bezeichneten sie als "[...] das kleine Wunder, das [Betroffenen] ein Tor zur Welt geöffnet hat" und "[...] plötzlich, fast über Nacht, innerhalb weniger Wochen [...]" die Isolierung autistischer Menschen durchbricht (Spudich 1991, S.23). Doch so einfach, wie sich das anhört, ist Kommunikation per Stütze auch nicht. Viele Mühen, Probleme, ja sogar Rückschläge und Mißerfolge sind mit FC in Verbindung zu bringen.

Vor allem aber die "Contra-Seite" ließ sich zu reißerischen Darstellungen verleiten. Die gestützte Kommunikation wurde in den Medien zu einem Riesenschwindel hochgespielt; Facilitators wurden beschuldigt und beleidigt. In einer "Frontline"-Sendung des US-Sendernetzes PBS wurde das breite Publikum mit dem pauschalen Vorwurf konfrontiert, alle FC-Texte seien gefälscht und die Stützer selbst würden durch körperliche Manipulation für das Schreiben sorgen. Ausgestrahlt wurde diese mit "Prisoners of Silence" betitelte Sendung erstmals am 19. Oktober 1993 (Spudich 1997, S.5).

Anfang 1994 war im "Profil" unter der Schlagzeile "Verlangt keine Wunder" folgendes zu lesen: "Den letzten Flop hat jetzt das gern gläubige Amerika produziert. 'Facilitated Communication' (FC), gestützte Kommunikation, heißt die Methode, die für kurze Zeit aus Tausenden amerikanischen Autisten scheinbar alphabetisierte, kommunikationsfähige Menschen machte" (Menasse 1994, S.71).

Auch die Zeitschrift "Psychologie heute" nahm Stellung zu diesem Thema. "Gestützte Kommunikation: Wer schreibt denn hier? Verantwortungsloser Medienrummel um eine längst widerlegte Methode", so der Titel dieses Artikels, der sich eindeutig gegen die Anwendung von FC ausspricht: "Obwohl zahlreiche kontrollierte Tests (Doppel-Blind-Studien) gezeigt haben, daß die Behauptungen der Gestützten Kommunikation nicht zutreffen, hält man mit Leidenschaft daran fest. Obwohl es ganz offenkundig die Betreuer selbst sind, die für die angeblichen Mitteilungen der autistischen Kinder verantwortlich sind. Sie sind es, die die Handbewegungen der Kinder unbewußt steuern [...] Die Darmstädter Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) kritisiert den derzeitigen Umgang der Medien mit dem Thema als schlicht verantwortungslos. Es sei unerträglich anzusehen, wie eine bereits widerlegte Technik durch Presse und Fernsehen hoffähig gemacht werde. Bei vielen Eltern würden hierdurch falsche Hoffnungen geweckt, die unweigerlich zu Enttäuschung und Schmerz führten. Andererseits würden ernsthafte Bestrebungen untergraben, behinderten Menschen die für sie jeweils optimale Förderung zu gewähren und sie auf beste Weise in Familie und Gesellschaft zu integrieren" (Goldner 1994, S.8-9).

Kritiker können die FC-Methode nicht mit ihrem "Wissen" über Autismus vereinbaren; sie berufen sich auf unsachgemäß durchgeführte Studien und bevorzugen es, den ganzen "Zauber" mit einer un-/bewußten Manipulation durch den Stützer zu erklären. Es mag sicher Eltern geben, die sich der Hoffnung, ein intelligentes Kind zu haben, nur allzu bereitwillig hingeben und unbewußt die Führung bei FC übernehmen; dies muß aber noch lange nicht gegen das grundsätzliche Funktionieren der Methode sprechen.

Auch der von Kritikern oft vorgebrachte Einwand, Eltern könnten bei Mißerfolg arg enttäuscht sein, ist zweifellos berechtigt, doch - wie Klonovsky im Nachwort von Birgers Aufzeichnungen schreibt - "daß solche Wohlmeinende den Umkehrschluß nicht ziehen, entlarvt sie als simple Dogmatiker. An die in ihrem autistischen Kerker eingemauerten Unglücklichen, die tatsächlich über Intelligenz und Artikulationsvermögen verfügen, denken manche Verfechter der reinen Lehre nie [...] Soll man, um eine Parallele zu ziehen, Krebstherapien nicht mehr propagieren, weil die meisten Patienten doch sterben?" (in Sellin B. 1995b, S.244).

Weitere Gegenargumente entsprechen erst gar nicht den Tatsachen. So wird FC-Anhängern vorgeworfen, andere Förderprogramme zu sabotieren bzw. falsche Hoffnungen zu wecken, indem Heilung und Normalität versprochen wird - Dinge von denen niemals die Rede war (Eichel 1996, S.106-107).

Folgen einer negativen Einstellung zur FC sind manchmal Einschränkungen bzw. Verbote, sie in Schulen und anderen Einrichtungen anzuwenden (ebda, S.139).

Die Vorwürfe der Kritiker basieren zum Teil auf Ergebnissen von quantitativ-experimentellen Studien. Befürworter berufen sich hingegen auf qualitative Untersuchungen. Durchgeführt wurden sie alle ab dem Jahre 1992, kurze Zeit nachdem einige Autisten über FC Anschuldigungen des Mißbrauchs erhoben. Um diese Kommunikationsmethode besser zu verstehen, aber auch um ihre Gültigkeit nachzuweisen, führen FC-Anhänger seit 1994 zusätzlich quantitative Studien mit alternativen Settings durch (ebda, S.87-88).

5.1. Quantitativ-experimentelle Studien

Bei den sog. Doppel-Blind-Studien wird der Stützer durch eine visuelle, auditive oder zeitliche Barriere daran gehindert, die an den Schreiber gegebene Information zu registrieren. Er selbst kann die gleiche, eine überschneidende oder andere Mitteilung erhalten, weiß aber nicht, ob sie jener entspricht, die dem Benutzer zugetragen wurde. Manchmal wird der Facilitator sogar daran gehindert, auf die Tastatur oder Buchstabentabelle zu schauen. Unter diesen Umständen wird von Menschen mit autistischer Störung verlangt, Objekte und Bilder richtig zu benennen, erhaltene Informationen niederzuschreiben und Fragen zu beantworten. Die Vorbedingungen der Versuchsteilnehmer sind bei solchen Tests meist unterschiedlich: Während einige der Schreiber bzw. Stützer bereits vorher über FC kommunizierten, werden andere erstmals mit dieser Methode konfrontiert. Wie Eichel feststellt, fehlen manchen Studien auch wichtige Angaben, z.B. die genaue Aufgabenstellung, Zeitfaktoren, Stützlevel und Bewertungskriterien. Die Aus-wertungen und Interpretationen vieler Ergebnisse erscheinen schon allein deshalb ziemlich zweifelhaft (ebda, S.88-89).

Wheeler/Jacobson/Paglieri/Schwartz (1993), Datlow Smith/Belcher (1993), Datlow Smith/Haas/Belcher (1994) und viele andere, die quantitativ-experimentelle Studien durchführten, kamen zu äußerst negativen Schlußfolgerungen: Bis auf wenige Ausnahmen wären autistische Menschen nicht in der Lage, sich über FC mitzuteilen; außerdem konnte in mehreren Fällen die Einflußnahme von Stützern nachgewiesen werden (ebda, S.89-93).

Bei einer generellen kritischen Hinterfragung dieser Form von Studien stößt man allerdings auf gravierende Mängel. Prof. Artur Schawlow, selbst betroffener Vater, äußert sich hierzu wie folgt: "Die sogenannten Validationsstudien sind so dumm, daß sie den Namen Forschung nicht verdienen [...] Als Physiker weiß ich, daß man darauf achten muß, nicht das System zu stören, das ich messen will. Aber genau das taten viele dieser Experimente" (zit. nach Eichel 1996, S.93). Eine fehlende Kontrolle von Störvariablen kann also dafür verantwortlich gemacht werden, daß autistische FC-Schreiber in Tests ihre Fähigkeiten nicht beweisen können und eventuell den Impulsen ihrer Stützer folgen.

Bereits die Testsituation an sich kann so manchen irritieren oder gar blockieren. Dem Benutzer wird die Infragestellung seiner Kompetenzen vermittelt; eine notwendige vertrauensvolle Atmosphäre zwischen ihm und seinem Stützer ist daher kaum möglich (Eichel 1996, S.93-94). Wie Christiane Nagy bemerkt, sind FC-Sprecher zusätzlich dem enormen Druck ausgesetzt, unbedingt etwas beweisen zu müssen. Manche müssen sogar ihre Kommunikationsfähigkeit nachweisen, um weiterhin gestützt schreiben zu dürfen. Solche Faktoren wirken sich natürlich auf das Leistungsvermögen eines Menschen aus (1993, S.28). Dazu Spudich: "[...] es geht vielfach [...] nicht um akademische Neugier, sondern um handfeste Interessen der Zuteilung von Fördermitteln für verschiedene soziale Dienste. In einem Bundesstaat, in Massachussetts, wurde sozialen Diensten von der Behörde die Anwendung gestützter Kommunikation per Bescheid untersagt" (1997, S.7-8).

Bei quantitativ-experimentellen Studien wird auch nicht berücksichtigt, daß durch Testsituationen die normale Gesamtinteraktion unterbrochen wird. Der Kontext bei Untersuchungen entspricht keinesfalls dem einer normalen Kommunikation und kann extrem verunsichern. Auch die für den anstrengenden Schreibprozeß wichtige Konzentration kann unter äußeren Einflüssen leiden, und Wortfindungsprobleme können unter den gegebenen Umständen vergrößert werden.

Unbeachtet bleibt häufig die Tatsache, daß sich nicht alle autistischen Menschen auf demselben Niveau befinden. Obwohl laut FC-Literatur nicht jeder Autist mit Kommunikationsschwierigkeiten für diese Methode geeignet ist und nicht jeder Benutzer "literacy" besitzt oder erwerben kann, werden sogar Personen ohne Vorerfahrung direkt auf ihre Lese- und Schreibfähigkeiten geprüft.

Da viele autistische FC-Schreiber ständig Schwankungen in ihren Leistungen zeigen, dürften sich Studien nie mit einer einmaligen Testung begnügen. Sie müßten sich über mehrere Sitzungen bzw. einen längeren Zeitraum erstrecken.

R. Crossley betont außerdem, daß die für den Test angesetzte Zeit oft viel zu knapp bemessen ist. Darüber hinaus fordert sie, daß eine Untersuchung nur bei jenen Benutzern durchgeführt werden soll, die bereits flüssig kommunizieren können und mit ihrem Stützer Testsituationen mehrmals geübt haben (Eichel 1996, S.94-96).

Meiner Ansicht nach sind die Ergebnisse solcher Studien vor allem auch deshalb negativ, weil eine augenscheinliche Trennung zwischen beiden Kommunikations-partnern stattfindet. Die symbiotische Beziehung des Teams wird aufgelöst und der FC-Schreiber wird sich darüber bewußt, auf sich selbst gestellt zu sein. Er kann die Verantwortung für seine Botschaften nicht mehr mit seinem Facilitator teilen. Lone Hertz hat diese Situation sehr gut beschrieben: "Damit hat man der Testperson die Sicherheit genommen, die Verantwortung nicht ganz allein tragen zu müssen. Die gewöhnliche Voraussetzung, daß die Aufgabe 'gemeinsam' gelöst wird, durch eine gemeinsame Erfahrung, ist für den Schreibenden nicht länger gegeben. Die beiden können sich zwar sehen und berühren, aber die psychische Beruhigung, die durch die Überzeugung entsteht, bei der Fahrradtour jedenfalls einen Finger am Sattel zu haben und einen Menschen, auf den man sich verlassen kann - der aufpaßt -, geht verloren. Der Anblick des kleinen Fingers, der einen begleitet, das entscheidende Bewußtsein, daß es ein paar Augen mehr gibt, die die Verantwortung dafür übernehmen, daß das Fahrrad nicht zu dicht an den Bordstein oder mit dem Gegenverkehr in Berührung kommt, wurde von den Kontrolleuren eliminiert. Dadurch sind die Versuche [oftmals, B.M.] von vornherein zum Scheitern verurteilt" (1995, S.61-62).

5.2. Quantitative Studien mit alternativen Settings

Neuerdings besteht bei Befürwortern der FC-Methode die Tendenz, bei quantitativen Studien einige der obgenannten Störvariablen auszuschalten. Man will feststellen, unter welchen Testbedingungen es Autisten gelingen kann, ihre Kommunikationsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Eine dieser Studien stammt von Crossley und Mitarbeitern (1994). Hierbei verhinderte eine visuelle Abschirmung zwar, daß der Stützer die an den Benutzer gerichteten Informationen erkennen konnte, aber alle getesteten Personen gaben ihre Einwilligung zur Untersuchung und hatten eine langjährige FC-Erfahrung sowie Übungstests hinter sich. Für die Beantwortung der Fragen gab es keine Zeitlimits. Allen Teilnehmern wurde außerdem klar gemacht, daß das Testergebnis keine negativen Auswirkungen haben würde. Das Testmaterial wurde den Benutzern individuell angepaßt und konnte sogar von ihnen mitbestimmt werden; es beinhaltete auch Aufgaben, die keine "literacy" erforderten. Unter diesen Umständen waren sechs von sieben über einen längeren Zeitraum beobachteten FC-Schreibern imstande, kommunikative Fähigkeiten zu validieren. Zu ähnlichen, überaus positiven Ergebnissen kamen bei derartigen Untersuchungen auch Berger/Ramsden (1994), Cardinal/Hansen (1994) u.a. (Eichel 1996, S.96-98).

Insgesamt kann bei rund 85% aller Teilnehmer alternativer Testverfahren eine Manipulation durch den Stützer ausgeschlossen werden. Und dies bedeutet noch lange nicht, daß alle anderen nicht über FC kommunizieren können. Jene haben wohl nur noch nicht die Fähigkeit, unter diesen Bedingungen zu bestehen. Es soll zu denken geben, daß einige Personen im DEAL-Zentrum durch alle Tests fielen, heute aber ohne jede Stütze schreiben (ebda, S.98-99).

5.3. Qualitative Studien

Normalerweise suchen FC-Anhänger in der täglichen Interaktion nach Kom-munikationsbeweisen. Sie versuchen mittels verschiedener Validationskriterien, auch ohne die Durchführung eines Tests Aufschluß über die Kommuni-kationsfähigkeit eines Benutzers zu geben.

Zu diesen Validationskriterien gehört in erster Linie die Ausblendung der körperlichen Stütze. Ist ein Autist nämlich imstande, ohne jeglichen Körperkontakt auf Items zu zeigen, ist dies der beste Beweis für "echte" Kommunikation. Auch über die Berührung einer Schulter, eines Beins oder des Rückens kann - zumindest physisch - nicht manipuliert werden (ebda, S.100).

Weitere Beweise für eigenständiges Schreiben liefern sprachliche Formen eines Benutzers, die auch bei verschiedenen Stützern erhalten bleiben. Nagy C. berichtet uns von ihrem Sohn, der für ihn typische Rechtschreibfehler wiederholt (z.B. "f" statt "v"); seine Wortfolge ist manchmal fehlerhaft, weist Lücken und Adjektivhäufungen auf. Christoph leidet außerdem an Wortfindungsschwierigkeiten und ersetzt übliche durch ungewöhnliche Begriffe (z.B. "jede minute" statt "immer"). Er zeigt eine Vorliebe für bestimmte Ausdrücke und Fremdwörter, prägt einige selbst und verfaßt manchmal Texte von poetischer Qualität ("kupferfarbene feierrosen blühen in mir").

Auch Inhaltliches kann oft als Beleg für die Validität von FC gewertet werden. Schreiber gehen beispielsweise nicht immer auf gestellte Fragen ein, richten unverständliche Botschaften an ihren Stützer, beschimpfen ihn, widersprechen, offenbaren individuelle Empfindungen und Ängste, eine eigene Art von Humor usw. Besonders aussagekräftig sind Mitteilungen von Informationen, die dem Stützenden zuvor nicht bekannt waren (Nagy 1993, S.29-30).

Auf diesen Grundlagen basieren mehrere qualitative Studien. FC-Schreiber werden dabei über einen längeren Zeitraum systematisch beobachtet und Validationsdaten aus spontanen oder vorgeplanten Kommunikationsprozessen entnommen. Eine großangelegte Studie wurde 1992 unter der Schirmherrschaft des "Intellectual Disability Service" in Zusammenarbeit mit dem DEAL-Zentrum (Australien) durchgeführt: 24 Personen mit schweren Kommunikationsstörungen (14 hiervon autistisch) wurden beobachtet; 21 (87,5%) davon lieferten Beweise für die "Echtheit" ihrer Mitteilungen. Über erstaunliche Untersuchungsergebnisse berichten auch Biklen u.a. (1992), Biklen (1993) und Crossley (1992; 1994) (Eichel 1996, S.101-104).

5.4. Abschließende Bemerkungen zu den Studien

Viele qualitative und alternativ-quantitative Untersuchungen können FC-Erfolge bei autistischen Menschen nachweisen - ganz im Gegensatz zu quantitativ-experimentellen Studien. Letztere sind nämlich nicht geeignet, die Kommunikationsfähigkeit von FC-Benutzern zu erforschen; zu viele Störfaktoren bringen die Methode zum Scheitern. Nachdenklich stimmen sollte allerdings das bei quantitativen Studien festgestellte hohe Manipulationspotential dieses Systems. Jeder Betreuer muß demnach seine Unterstützung, seinen Halt und Beistand ständig unter Kontrolle halten.

Sicher soll man die Methode der gestützten Kommunikation nicht unkritisch idealisieren und für jeden autistisch Gestörten euphorisch befürworten, doch meines Erachtens stellt FC für einen Teil der Autisten mit Kom-munikationsschwierigkeiten eine funktionalealternative bzw. ergänzende Kommunikationsmethode dar. Eine globale Ablehnung und Verdammung der FC finde ich unverantwortlich. Manchen ist anscheinend die eigene Ideologie wichtiger als das Wohl der Betroffenen. Kritiker müssen sich vor Augen halten, daß nicht alles, was zunächst schwer zu begreifen ist, gleich unmöglich sein muß.



[1] Sellin Annemarie, Gedächtnisprotokoll zum Fortbildungsseminar "Gestützte Kommunikation" im Beratungs- und Therapiezentrum "Verein EULE" in Innsbruck am 08./09.11.1996

[2] Im folgenden werde ich mich allerdings auf die FC bei Menschen mit autistischer Behinderung beschränken.

[3] Sellin Annemarie, Gedächtnisprotokoll zum Fortbildungsseminar "Gestützte Kommunikation" im Beratungs- und Therapiezentrum "Verein EULE" in Innsbruck am 08./09.11.1996

[4] Sellin Annemarie, Gedächtnisprotokoll zum Fortbildungsseminar "Gestützte Kommunikation" im Beratungs- und Therapiezentrum "Verein EULE" in Innsbruck am 08./09.06.1996

[5] Siehe dazu S.62-63

[6] Vgl. dazu S.29-30

[7] Vgl. dazu S.35-36

[8] Siehe dazu die Abschnitte "Gestörtes Sozialverhalten" (S.31-32), "Probleme im Weltverständnis" (S.32-33), "Probleme im Gefühlsleben" (S.34) und "Geringe Intelligenz?" (S.35-37), wobei ich bereits Kritik an einigen Stellen durchschimmern ließ.

[9] Siehe dazu S.21

[10] Vgl. dazu S.40

[11] Vgl. dazu S.29

V. Die Methode der gestützten Kommunikation am Beispiel Birger Sellin

"Lang ist der Weg durch Lehren, kurz und wirksam durch Beispiele", schrieb bereits der römische Dichter und Philosoph Lucius Annäus Seneca (4 v.Chr.-65 n.Chr.).[12] In diesem Sinne möchte ich die bisherigen Aussagen zur gestützten Kommunikation mit einem konkreten Beispiel verdeutlichen.

(Abb.10: entnommen aus Sellin B. 1995b, S.4) (Foto von Birger Sellin) Nicht verfügbar

Warum ich mich dazu ausgerechnet für den FC-Schreiber Birger Sellin entschieden habe, ist rasch erklärt: Birger ist einer der ersten deutschsprachigen Autisten, die sich mittels FC geöffnet haben. Außerdem wurden Auszüge aus seinen Mitteilungen in zwei Büchern veröffentlicht (s. Sellin B. 1995a/b). Dies hatte zur Folge, daß der junge Mann zu einer Figur wurde, auf dessen Rücken man den Meinungsstreit über die Methode öffentlich austrug; also auch mit der Kontroverse um FC läßt sich der Name Sellin in Verbindung bringen.

Zu Beginn dieses Kapitels werde ich einiges über das (äußerliche) Leben von Birger berichten. In einem weiteren Abschnitt werde ich auf seine mittels FC getätigten Äußerungen eingehen und den Autismus aus der Sicht eines Betroffenen zu beschreiben versuchen. Den Abschluß dieses Kapitels bildet eine Auseinandersetzung mit den öffentlichen Reaktionen auf Birgers Werke.

1. Biographisches

Wie der Herausgeber beider Sellin-Schriften berichtet, kam Birger am 1. Februar 1973 in Berlin zur Welt. Er war das erste Kind der Psychologin Annemarie Sellin und des Juristen Dankward Sellin. Anfangs entwickelte sich der Junge - allem Anschein nach - völlig normal. Er war aufgeschlossen, vergnügt und begann sehr früh zu sprechen.

Erste Auffälligkeiten bemerkten seine Eltern, als sie Birger Ende 1974 probehalber in einen Kindergarten brachten. Dort schrie er wie am Spieß und war äußerst schwer zu beruhigen. Kurze Zeit darauf erkrankte er, litt wochenlang an wiederkehrenden Mittelohrentzündungen und Brechanfällen. Nach einigen Monaten schien er die Krankheit überstanden zu haben, war jedoch verändert: Birger brüllte nach jedem Mittagsschlaf und beim Verlassen des Hauses; er zeigte panische Angst vor anderen Kindern, wich sämtlichen Kontaktangeboten seiner Eltern aus und hörte auf zu sprechen. Viele Arztbesuche blieben ohne Ergebnis, weshalb sich die Sellins im Oktober 1975 dazu entschlossen, ihren Sohn zur Untersuchung in die Berliner Kinder- und Jugendpsychiatrie "Wiesengrund" zu geben. Nach einer halbjährlichen Behandlung lautete dort die Diagnose, der Junge leide vermutlich an einer postenzephalitischen Retardierung, also an einer geistigen Rückbildung infolge einer Gehirnzellenentzündung.

Birgers abnorme Verhaltensweisen kamen inzwischen immer deutlicher zum Vorschein; er saß teilnahmslos im Zimmer und reagierte auf niemanden, ließ Murmeln, Glasperlen und Sand durch seine Hände rieseln oder schaukelte ununterbrochen mit seinem Oberkörper. Viel Zeit verbrachte er mit Büchern aus der elterlichen Bibliothek. Er blätterte sie ruckartig durch und zerknickte oder zerstörte sie dabei. Annemarie und Dankward hatten oftmals den Eindruck, als wollte sich ihr Sohn geradezu hinter Bücherstapeln einmauern.

Im Alter von viereinhalb Jahren wurde der Junge in der Klinik der Berliner Freien Universität untersucht. Dort fiel erstmals der Begriff "Autismus" - für die Eltern ein niederschmetternder Befund.

Birger wuchs heran, lebte aber wie ein geistig zurückgebliebenes Kleinkind. In verschiedenen Tagesstätten des Vereins "Hilfe für das autistische Kind" wurden ihm zwar Fähigkeiten wie selbständiges Essen, Waschen, Anziehen und zur Toilette gehen beigebracht, sprachlich und geistig zeigte er allerdings keine Fortschritte. Er hielt sich meist im Wohnzimmer unter dem Eßtisch auf, blieb unauffällig und beschäftigte sich mit seinen Murmeln. Daß in dem Jungen vielleicht doch Intelligenz schlummern könnte, vermuteten seine Eltern manchmal, als sie ihn bei der Suche nach einer verlorenen Murmel ertappten - obwohl sein Besitz aus einer Unzahl von Glasperlen bestand. In Zusammenhang mit seiner Leidenschaft sprach Birger auch seinen bisher einzigen Satz; nachdem ihm sein Vater im Scherz eine Kugel weggenommen hatte, sprach der Achtjährige klar und deutlich: "Gib mir die Kugel wieder!".

Problematischer wurde der Umgang mit Birger nicht - wie befürchtet - nach der Geburt seines Bruders Jonas (1983), sondern in der Pubertät. Er legte ein zwanghaftes Verhalten an den Tag, wurde hektisch, keuchte, bekam Schrei- bzw. Tobsuchtsanfälle und schlug oder biß sich bis aufs Blut. Er begann, nachts einzunässen und unmäßige Mengen von Lebensmitteln in sich hineinzustopfen. Birger geriet immer mehr außer Kontrolle. Seine Eltern waren verzweifelt und wagten kaum, über die Zukunft ihres als unheilbar geisteskrank geltenden Kindes nachzudenken (Klonovsky in Sellin B. 1995a, S.169-174, 197-199; Klonovsky in Sellin B. 1995b, S.8-9).

Eine entscheidende Wende im Leben der Sellins trat im Jahre 1990 ein. Durch eine Vortragsreihe der Sprachtherapeutin Annegret Schubert erfuhren Birgers Eltern von der Möglichkeit, autistische Menschen durch die Methode der FC eventuell zur Kommunikation zu bewegen.

Am 27. August 1990 setzte sich Mutter Annemarie, ohne große Hoffnungen, zum ersten Mal mit ihrem Sohn an einen Computer. Die ersten Tippversuche waren besonders mühevoll, doch dem dabei entstandenen Buchstabensalat war eindeutig zu entnehmen, daß Birger über "literacy" verfügte (Klonovsky in Sellin B. 1995b, S.10). In den ersten Wochen beschrieb er vornehmlich ihm gezeigte Bilder, Fotos und Gegenstände, tippte kurze diktierte Wortfolgen in den PC und beantwortete einfache Sachfragen aus dem Alltagsleben (Klonovsky in Sellin B. 1995a, S.201). Mit welchen Schwierigkeiten Birger anfangs zu kämpfen hatte, verdeutlicht seine Mitteilung vom 16. Oktober 1990:

"binn ein tcrcbjkl

bin ein trajokmkjk

tramgtttjkllö

trrswrtt

treckvbink

drecvinjhkkk

dreckfink" (Sellin B. 1995a, S.23).

Mit der Zeit wurde Birger dann sicherer. Seine Tippfehler reduzierten sich auf ein kaum erwähnenswertes Maß und er bewies zur Genüge, daß er die deutsche Orthographie und Grammatik ausgezeichnet beherrscht. Manchmal fehlen zwar Füll- und Bindewörter, Wörter sind unausgeschrieben oder Passagen stehen nicht im korrekten grammatikalischen Fall, doch hängt dies meist mit den Erregungszuständen bzw. Anfällen des Autors zusammen. Das Schreiben bedeutet für ihn nämlich eine große Anstrengung - auch heute, nach jahrelanger FC-Erfahrung.

Mittlerweile verfaßt der junge Mann bis zu mehreren Seiten am Tag. Meist wird er dabei von seiner Mutter, aber auch von anderen Personen am Unterarm gestützt; phasenweise tippt er sogar ohne jegliche Unterstützung. Über die Aussagekraft und bizarre sprachliche Schönheit seiner Texte werden wir im nächsten Abschnitt mehr erfahren (Klonovsky in Sellin B. 1995a, S.201, 211-212).

Da die FC-Methode nur die Benutzung einer Hand vorsieht, sind Sellins Mitteilungen in Kleinbuchstaben verfaßt, wie bei den meisten FC-Benutzern. Auch auf Satzzeichen verzichtet Birger völlig. Wie seine Mutter betont, wird ihm diese Freiheit zugestanden; er kann dadurch schneller schreiben und kommt mit dieser Form dem Mündlichen etwas näher. Im Unterricht paßt sich Birger allerdings den schriftsprachlichen Regeln an, gebraucht Satzzeichen und verwendet mithilfe seiner linken ungestützten Hand sogar Großbuchstaben.[13]

Die Veröffentlichung von Birgers Botschaften nahm 1992 erste Gestalt an. Der Journalist Michael Klonovsky nahm Kontakt zu den Sellins auf, die nicht abgeneigt waren, den Fall bekannt zu machen. Das äußere Erscheinungsbild des autistischen Autors, das in schreiendem Widerspruch zu dessen Intellekt steht, beschreibt Klonovsky in Zusammenhang mit der ersten Begegnung: "Mit einem kräftigen Ruck geht plötzlich die Tür auf, und Birger stürmt ins Zimmer. Als er mich sieht, erschrickt er und hält kurz inne. Groß und wuchtig, zugleich aber seltsam in sich verkrümmt, mit aus der Hose hängendem, bekleckertem Pullover, steht er ein paar Schritte vor mir. Sein unsteter, wirrer Blick hat mich sofort wieder fallengelassen und irrt im Zimmer umher. Dann dreht er schnaufend eine Runde um den Tisch, an dem ich sitze, und wirft sich auf das Sofa. Ohne eine weitere Notiz von mir zu nehmen, versetzt er seinen Oberkörper in monotone Schaukelbewegungen und stiert irgendwohin ins Leere. Aus dem vorgeschobenen Unterkiefer bläst er sich stoßweise Luft ins Gesicht. Sein Atem wird dabei immer heftiger und geht allmählich in ein lautstarkes Keuchen über. Nach einer Weile rutscht er auf den Fußboden hinunter, wo einige hundert Murmeln und Glasperlen verstreut liegen. Birger schaufelt eine Handvoll davon in einen Plastikbecher und läßt sie durch seine merkwürdig verkrümmten Finger zur Erde rieseln - ein Vorgang, den er ständig wiederholt. Mitunter mischt sich ein tiefes Stöhnen, irgendwo zwischen Wollust und Schmerz angesiedelt, in seine keuchenden Atemzüge, während die Murmeln unausgesetzt auf den Fußboden prasseln [...] Während ich irgendwelche Banalitäten referiere, wird Birger immer unruhiger. Plötzlich schlägt er sich seinen rechten Handballen mehrfach ins Gesicht und beginnt zu schreien. Hilflos schaue ich zu, wie er immer lauter schreit und sich dabei in die Hände beißt. Dann verläßt Birger fluchtartig das Zimmer. Die Tür schlägt hinter ihm zu, und seine hohen, schrillen Schreie tönen durchs ganze Haus" (ebda, S.163-166).

Klonovsky M. verfaßte einen längeren Artikel über den Jungen, gespickt mit dessen Äußerungen, welcher am 31. Juli 1992 im Hamburger "Zeit-Magazin" erschien. Unter dem Titel "ich ertrinke in einsamkeit" war dort zu lesen: "Birger ist Autist, unfähig, Kontakt zu seinen Eltern oder seiner Umwelt aufzunehmen. Bis der Computer für ihn zum Schlüssel wurde, sein Inneres zu öffnen. Seitdem schreibt Birger über seine Isolation und den verzweifelten Wunsch, aus dem Gefängnis seiner Ängste ausbrechen zu können" (1992, S.28).

Diesem Bericht folgten Dutzende von Briefen und Geschenken sowie mehrere Verlags- und Filmangebote. Birger wünschte sich nachdrücklich die Herausgabe eines Buches. Klonovsky wurde somit autorisiert, eine Auswahl der vom ersten Tag an gespeicherten Niederschriften des Jungen zu treffen. 1993 erschien das erste Buch unter dem Titel "ich will kein inmich mehr sein - botschaften aus einem autistischen kerker". Es beinhaltet eine chronologisch geordnete Mischung aus persönlichen und familiären Mitteilungen, Zustandsbeschreibungen, Gedichten, Briefen und Gedanken und erstreckt sich über den Zeitraum vom Sommer 1990 bis Ende 1992 (Klonovsky in Sellin B. 1995a, S.167-168, 210-211). Diese Textsammlung avancierte über Monate zu einem Topthema in deutschen Medien; Birger wurde einerseits als erster autistischer Dichter der Welt gefeiert, andererseits wurde seine Autorenschaft in Zweifel gestellt. Das Werk wurde über 80.000mal verkauft und inzwischen in sieben Sprachen übersetzt. Mehrere Theater veranstalteten Sellin-Lesungen. Der "neugeborene" Autor selbst erhielt ganze Berge von Fanbriefen (Klonovsky in Sellin B. 1995b, S.7, 11, 225).

Zugleich mit dem Erscheinen von "ich will kein inmich mehr sein" wurde unter der Leitung von Felix Kuballa, Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk in Köln, ein Dokumentarfilm über Birger gedreht - natürlich nur mit dessen Einverständnis. "wie ein wuchernder erdklumpen auf der seele", so der Titel des Films, erhielt 1995, im Rahmen der Verleihung des 31. Adolf-Grimme-Preises, den Sonderpreis des Kultusministers von Nordrhein-Westfalen (ebda, S.250-251).

Kurz nach Abschluß der Dreharbeiten, im November 1993, erhielt Birger erstmals die Möglichkeit, eine "normale" Schule zu besuchen. Obwohl er vorher noch nie Unterricht hatte, nahm ihn ein Kolleg für Erwachsenenweiterbildung gleich in die elfte (!) Klasse auf. Sieben Stunden pro Woche besuchte er die Schule, parallel dazu erhielt er Einzelunterricht bei Privatlehrern. Nach zweieinhalb Monaten teilte der autistische Schüler allerdings mit, daß ihm die Art des Unterrichts in der Schule nicht liege, und entschied, nur mit dem Einzelunterricht fortzufahren. Ziel des jungen Mannes ist es, als externer Kandidat das Abitur zu machen (ebda, S.247-249).

Die Fortsetzung von Birgers autobiographischen Texten kam 1995 heraus. In "ich

deserteur einer artigen autistenrasse - neue botschaften an das volk der oberwelt" sind die Jahre 1993/94 im Leben des Autors festgehalten (s. Sellin B. 1995b).

Ein weiterer Meilenstein in der bisherigen Lebensgeschichte von Birger Sellin ist sein Auftritt in der von Günther Jauch moderierten "Stern-TV"-Sendung vom 30. August 1995. In einer Live-Übertragung gab Birger ein Interview mithilfe der gestützten Kommunikation.[14]

"Geheilt" ist Birger keinesfalls. Er ist nach wie vor schwer autistisch, lernte es aber, sich durch die FC mitzuteilen und sein eigentliches Wesen zu offenbaren bzw. zu befreien. Durch seine Öffnung machte er gleichzeitig Fortschritte in seinem Verhalten - bis auf einige Rückschläge im Frühjahr 1991. "[...] Birger hat eine Entwicklung begonnen, sozusagen als Beginn langer Lehr- und Wanderjahre, die auf eine allmähliche Eliminierung autistischer Verhaltensweisen hinausläuft", so Birgers Herausgeber und Freund Michael Klonovsky. "Birgers Entwicklung läuft auf zwei Ebenen: der geistig-kognitiven und - ich weiß dafür kein anderes Wort - der verhaltenstechnischen. Zum einen stillt er seinen Hunger nach Wissen und Bildung, zum anderen sucht er Zusammenhänge zu erkennen und Kontrolle über sein Verhalten zu gewinnen. Die beiden Ebenen treffen sich an jenem Punkt, den er sich als Zielvorstellung gegeben hat: Selbständigkeit. Das heißt für ihn, die Mechanismen der Gesellschaft verstehen zu lernen und sich in diesem Rahmen ohne fremde Hilfe bewegen zu können" (in Sellin B. 1995b, S.244-246).

2. Birgers Äußerungen oder Autismus - aus der Sicht eines Betroffenen[15]

Was Birger mit seinen Botschaften bezweckt, laß ich ihn am besten selbst erklären: "ich will es tatsächlich daß ihr wißt wie es da innen in autistischen kindern aussieht" (a, S.29), und "eine antwort geben kann man nur von innen heraus" (a, S.66). Er wehrt sich dagegen, daß Autisten stets "von außen", also nur deren Symptomatik betrachtet wird. Dies führt zu falschen Schlußfolgerungen. Wie Birger über FC mitteilt, "[stimmen] die aussagen ueber autisten [...] meistens nicht / ich erlebe das leider immer wieder und will so nicht interpretiert werden / ich will dass wir selbst zu wort kommen wie wir es koennen / unsere innere welt soll aufgedeckt werden [...]" (b, S.20). An einer anderen Stelle wird Birger noch deutlicher: "ich werde ihnen aufdecken wie weit eine forschung von der wirklichkeit entfernt ist / eine wirkliche schande was ueber uns gesagt wird" (b, S.139).

Damit die Welt der Autisten besser verstanden wird, stellt er sich bereitwillig als Informant zur Verfügung. Er schreibt: "[...] ich will gern helfen unsere unsinnige unterwelt den erleuchteten oberweltlern persönlich zu erklären / ich danke für die ehre" (a, S.107).

Tatsächlich liefert uns Sellin wissenschaftlich verwertbare Informationen über seine Störung. Er "[...] will dazu beitragen daß eine autismusforschung betrieben wird in einer weise daß man die inneren stadien der autismusentwicklung erkennt und reichlich neue methoden findet um immer mehr menschen rauszuholen aus ihrem kastendasein" (a, S.122).

Die "Autistenwelt", von der uns der junge Autor berichtet, bezeichnet er abwechselnd als "autistische[...] inselwelt" (b, S.60), "keinmenschenland" (b, S.96), "nichtniemandland" (b, S.31) oder "urwaldwelt" (b, S.34). Er spricht von einer Welt, "[...] in der alles endlos innerlich saltoschlagend durcheinandergeht" (b, S.170) und "[...] in der alles einsam wird wenn es mit ihr in berührung kommt / sobald ein mensch in diese ohnesich welt eintaucht verliert er die kontrolle über sich selbst und über die umwelt / über die zeit über das handeln / so wie ein aus diversen atomen bestehendes uferahnendes außerirdisches rausgeworfenes gedankengebilde / es bildet löcher wo es landet und hinterläßt spuren von angst und einsamkeit / so viel angst daß die erde es kaum tragen kann / in dieser welt kann es kein lachen geben / und die traurigkeit hat keine tränen" (a, S.102). Die Welt der Autisten scheint mit der unseren wenig gemeinsam zu haben. Birger erklärt: "ohngleichen tief ist der vernichtende abgrund zwischen mir und der normalenwelt / sagenhaft immens tief das auseinanderklaffen der welten" (a, S.121).

Sich selbst, Bürger jener Welt, nennt er einen "inselmenschen" oder "undressierte[n] affenmensch[en]" (a, S.144), einen "arme[n] chaot[en]" (a, S.52), "sibirischen eisbären" (a, S.53) und "kastenmensch[en]" (a, S.121). Er sieht sich als "ohneich seiender" (b, S.29), "unsinnswusel" (b, S.66) und "terrorperson" (b, S.71). Am 6. Oktober 1993 schreibt er: "das ist buerger sellin / ein sogenannter denkender nichtsnutz / ein minderwertiger schreiberling / einer der schreibt aber tennis kann er nicht spielen / einer der schreibt aber auto kann er nicht fahren / er schreibt und schreibt kann denken und dichten / sieht alles und hoert alles / niemals sagt er ein wort / doch endlos ist sein stimmenversmuster / sind seine grunzlaute / sein stossender atem / sein wirres gelaechter / aussen und innen heillose feilschende welten erdenken sich wege diametral entgegengesetzt zu gehen" (b, S.97). Seiner Mutter stellte der Junge die Frage: "reut es dich wirren idiotischen total bekloppten birger einmal in die wichtige wirre welt gesetzt zu haben" (a, S.75), und schließlich wollte er von ihr wissen: "wieso liebst du mich eigentlich" (a, S.81).

Trotz eines empfindlich gestörten Selbstwertgefühls hält Birger seine Existenz für wichtig, denn "wer sonst sollte darauf verweisen / dass wesen wie wir aber auch menschen sind" (b, S.183).

Über die Ursache des Autismus ist sich der junge Autor genauso wenig im klaren wie die Experten. Manchmal vermutet er den Ursprung im psychischen Bereich (a, S.145, 158), zieht aber auch einen organischen Schaden, also eine Hirnschädigung in Erwägung (b, S.162).

Genaueres berichtet er uns über seine Wahrnehmung: "eine überempfindlichkeit ist einfach auf allen gebieten da ich kann ein wenig zu viel hören und zu viel sehen aber die sinnesorgane sind ok einfach innen geht ein durcheinander leider los wörter sätze ideen werden so auseinandergerissen und zerrissen die einfachsten dinge werden aus dem zusammenhang der wichtigen wirklichen einzelnen anderen außenwelt gerissen ein gedanke ist so schwer wie ein richtiger innerweltskasten" (a, S.71-72). Birger kann trotzdem alles Gesagte verstehen. Der gutgemeinte Rat von L. Wing, man sollte mit Autisten aufgrund ihres begrenzten Sprachverständnisses nicht so sprechen, als seien sie normal,[16] hätte bei Sellin besser nicht beachtet werden sollen. "ich bin oft erschreckt worden", so der Jugendliche, "denn die leute haben nicht gewußt daß ich alles verstehe so haben sie einfach alles gesagt was ich nicht hören sollte" (a, S.26). Gesprochene Sprache und viele Geräusche sind für ihn allerdings zu laut und nur schwer zu ertragen. Er benötigt oftmals anstrengende Abwehrmechanismen, um die ihn umgebende Geräuschwelt auszuhalten. Er bevorzugt Gespräche aus einer gewissen Entfernung, Flüstern, tiefe Stimmen, Kinderstimmen oder Gesang (b, S.171-172).

Ebenso die visuelle Wahrnehmung ist für Birger oft schmerzhaft: "ich sehe alle dinge raeume auch erregende wirre farben wie andere menschen aber ich denke manches sehe ich deutestaerker / das heisst schaerfer und es arbeitet staerker in mir / wieder andere daseinsformen haben lebenden charakter obwohl sagenhaft einfache dinge es sind / auch astrohe affenaehnelnde tiere wirken auf mich unberechenbar und angstausloesend / aber wesentlich schlimmer wirken alle irren wirklichen beherrscher einer erde die menschen / aus ihren riesigen muendern / namenlosen gesichtern / wechselhaften insichtweisen / sehe ich woerter kommen / erahnen kann ich nur wie ein sehender sieht ohne zu leiden" (b, S.176-177).

Um sich vor besonders belastenden Reizüberflutungen zu schützen, hat sich Birger eine Art Filter zurechtgelegt. "inwendig kann ich einfach eine ausschaltung einschalten", erzählt er, und "[...] richtig in dingen weitläufig ausufernd verlieren kann ich auch aber eine rückkehr in die alltagswelt scheint dann wieder unheimlich erdrückend" (a, S.90-91).

Wie sich herausstellte, war/ist Birger aber nicht nur imstande, sein Umfeld zu registrieren - seit seinem fünften Lebensjahr kann er auch lesen und schreiben. Alle durchgeblätterten Bücher hat er in Wirklichkeit gelesen. Wie er berichtet, funktioniert sein Gedächtnis nämlich auf eine andere Art und Weise. Ihm genügt ein rascher Blick, um den Inhalt eines Textes zu erfassen bzw. ihn zu speichern und zu einem späteren Zeitpunkt aufzuarbeiten (b, S.113, 143). Was Birger dazu getrieben hat, sich autodidaktisch "literacy" anzueignen, beantwortet er selbst: "[...] das lohnende geschäft des lesens ist für einen stummen ohnegleichen wichtig / ich denke du wirst begreifen daß wir alles suchen weitere allgemeine kenntnisse über unsere erde zu bekommen eine möglichkeit war das lesen / ich habe viele außerordentlich eindrucksvolle bücher gelesen seit meinem fünften lobenswerten lebensjahr / und all diese wichtigen inhalte bewahre ich wie kostbare schätze in mir" (a, S.138). Was Birger alles in seinem Kopf gespeichert hat, weiß wohl nur er allein. Bisher zauberte er "lediglich" Hauptstädte aus allen Erdteilen sowie die Namen Kafka, Brecht, Nietzsche, Galilei und Darwin hervor, schüttelte englische Sätze aus seinem Ärmel, bewies Biologie- oder Bibelkenntnisse u.v.m. Nicht ohne Grund ärgert er sich deshalb über viele Autismusforscher: "kannst du dir vorstellen wie es ist in einem sozialen system zu leben daß dich auf immer für verrückt erklärt es ist die inkarnation solcher auswüchse elementarer bösigkeit daß es keine beschreibung gibt [...] ich will daß jeder weiß daß autistische kinder nicht dumm sind wie es oft angenommen wird" (a, S.29). "quatsch ist ich sei ein irrer ohne verstand / ich bin ein irrer mit verstand was noch schlimmer ist" (a, S.146).

Ziemliche Probleme hat Birger mit der präzisen Schilderung von konkreten Situationen: "ich bin ein beobachter aber ein beobachter der inneren erlebnisstrukturen / eine biedere beschreibung etwa eine einfache begebenheit kann ich nicht schreiben [...] es ist nicht nur mangelnde übung und fehlendes fragen sondern es ist ein grundsätzlicher mangel in meiner geistigen substanz / ich schaffe es nicht aus meiner autistischen sichtweise in realistische überzuwechseln" (a, S.128-131). Auch Zeit- und Raumzusammenhänge kann Birger nur schwer begreifen (a, S.135). Außerdem hat er Schwierigkeiten, sich Einsichten und Erkenntnisse über viele Dinge zu verschaffen: "ich viehischer mensch verstehe alles / aber es findet keine wirkliche sachbezogene / einsehenserkenntnis statt" (b, S.112); "eines sehe ich es dauert sehr lange / sich musterhaft masstaebe im wissenschaftlichen sinne zu erdenken / bis einsicht formuliert wird" (b, S.184).

Als äußerst belastend erlebt Birger seine Unruhezustände, die ihn oft ganz plötzlich überfallen, auch in Situationen, in denen er überhaupt nicht damit rechnet. "es ist eine unruhe da die unbeschreiblich ist und ohne geeigneten ausdruck sein muß weil außenmenschen es nicht kennen und ihr keine bezeichnung haben geben können ich nenne es unruhemachtuntiefe", so Birger; "ich habe selten zeiten ohne diese unruhe / solange ich zurückdenken kann ist diese unruhe da in einer macht wie keiner sie nachfühlen kann ich werde fast wahnsinnig davon / einmal dachte ich eine ohnmacht würde mich ergreifen als ich noch kleiner war konnten die stereotypien ein wenig lindern / jetzt hilft nichts mehr nur schreiben [...]" (a, S.114). Mit dieser Unruhe gehen zermürbende Angstgefühle einher. "angst", schreibt er, "ist etwas was sich nicht so leicht fassen läßt es ist eine störung leider so außerordentlicher wuchtigkeit daß ich es nicht so einfach beschreiben kann einen eindruck geben meine autistischen verhaltensweisen wie zum beispiel das schreien das beißen und alle anderen unsinnigkeiten" (a, S.72). Schrei- und Tobsuchtsanfälle, die oftmals auf Panikattacken folgen, bezeichnet Birger tiefsinnig als "irre außermiranfälle" (a, S.94). Natürlich gibt es für ihn auch angstfreie Zeiten, doch "[...] die angst erweist sich als üble symbiotische klette und will mich nicht einfach frei lassen" (a, S.149). Außerdem berichtet uns Sellin von einer Angst vor der Angst (a, S.94) bzw. einem "angstsuchtgedanke[n]", der ihn stets begleitet (a, S.134).

In Momenten, in denen sich der Junge besser fühlte, tippte er z.B.: "tiefer frieden erfuellt mich so wie selten / lebenswert und scheinend schoen erscheint mir das leben" (b, S.114) oder "heute wieder sensationell albern einfach eine grosse freude am eisigen leben" (b, S.147).

Zu Birgers Gefühlswelt zählen neben eventueller Unruhe und Panik aber noch viele andere Empfindungen. "[...] ich [habe] gefühle [...] wie alle menschen / ich kann sie nur nicht zeigen / sie sind in mir eingesperrt und können nicht heraus / ich empfinde freude schmerz und auch traurigkeit / alles wie normale menschen / und ich habe mitempfinden für anderere" (a, S.94-95). Der letzte Punkt wird manche Experten in Erstaunen versetzen, doch Birger betont seine Mitleidensfähigkeit und sein Einfühlungsvermögen an mehreren Stellen. "unsinn ist / ich koenne nicht einmal fuehlen / eisig sind solche ausserordentlich dummen behauptungen / eine empfindung geht bei mir tiefer als bei den meisten menschen / ein sogenannter fachmann sollte das wissen / ich will einem solchen fachmann sagen / dass wir ganz anders sind als er schreibt / wir sind menschen mit allen gefuehlen wie normale sie auch haben" (b, S.41).

Ein wesentlicher Aspekt beider Sellin-Bücher ist der stets wiederkehrende Hinweis, daß das äußere Erscheinungsbild von Autisten nicht mit deren Innenleben übereinstimmt. Birger betont: "infantil finde ich die vorstellung innerlich seien wir autisten buschmenschen und totalchaotisch / aber das ist nur das äußere bild / innen sind wir erwachsen und wirksam" (a, S.89). In einer gedichtartigen Mitteilung versucht Birger, die Dissonanz in seinem Wesen zu beschreiben: "ich wuensche mir frieden und richte chaos an / ich wuensche mir ausdauer und halte nichts aus / ich wuensche mir anerkennung und terrorisiere die menschen / ich wuensche mir wahrheit und sage unsinn / ich wuensche auch lachen und schreie" (b, S.23-24). Er will uns damit begreiflich machen, daß Autisten "[...] aussen und innen getrennte wesen sind". Mitmenschen sollten sich dies stets vor Augen halten, denn "aussen sehen sie nur entsetzliche wirre verhaltensweisen wir sind aber innen seinesgleichensuchende wirklich empfindsame wesen voller ideen / einer sehr ausgepraegten gefuehlswelt / einem unbaendigen hunger nach sachen wie wahrheit kenntnissen auf allen gebieten" (b, S.71).

Birger fühlt sich in seinem eigenen Körper gefangen. Er "[...] möchte gut sein / aber immer kriegt das böse übermacht" (a, S.152). All sein Streben ist darauf gerichtet, sich aus seinem "kasten" (a, S.87) oder "hundekäfig" (a, S.91) zu befreien und "innerlich und aeusserlich eine person" zu werden (b, S.120). Doch dieses Ziel läßt sich nur schwer verwirklichen. Es gelingt ihm nicht, seine Vorhaben in die Tat umzusetzen, seine Handlungen zu kontrollieren. Nicht er, sondern der Autismus beherrscht die Hülle von Birger Sellin. "in meinem kopf kann ich klar inhaltlich denken und fühlen kann ich auch", erklärt Birger, "wenn ich aber in dieser ausderkisteumwelt sogenannte einfachste handlungen atemberaubend in die tat umsetzen will kann ich es nicht" (a, S.89). "ich dirigiere mein inneres ohne in aeusseren bereichen einfluss auf mein einfaches benehmen nehmen zu koennen / diese unfaehigkeit erscheint mir ein hauptproblem des autismus [...]" (b, S.31). Ein andermal beschreibt er seine Output-Probleme so: "aus den tiefen einer komischen inneren eiternden zuständigen kommandozentrale erhalte ich essigsaure irrsinnsbefehle" (a, S.142).

Zur Lautsprache bemerkt Birger, daß die Fähigkeit zu sprechen vorhanden wäre, er aber irgendwo blockiert sein muß. Seit Beginn seiner Schreibzeit bringt er gelegentlich einzelne Worte hervor, doch dies geschieht nur höchst selten (a, S.158; b, S.25-26). Daß Stummheit allerdings nicht mit Dummheit gleichzusetzen ist - obwohl es manche Fachleute vermuten[17] -, beweist Birger jeden Tag.

Die Möglichkeit, sich über FC mitzuteilen, ist für ihn enorm wichtig, denn "auch ein stummer will sich artikulieren / auch er hat ein recht auf sprache / ohne sprache sind wir tote isolierte ausgestoßene apparaturen eine wichtige arbeit / stummen die sprache zu bringen" (a, S.82). Seine Schreibmethode betrachtet er als "[...] eine ausserordentliche ausdrucksmoeglichkeit totgeglaubter personen wie wir es waren / inselwesen werden ohne schreiben gar nicht wahrgenommen" (b, S.27). Erst durch eine Öffnung und Befreiung mittels FC fühlt sich Birger als Mensch - auch wenn seine Kommunikation mit Mühen verbunden ist: "[...] es ist noch sehr schwer fast eine strapaze finde ich" (a, S.29). Doch "würde ich nicht schreiben würden meine einsamen gedanken ersterben auch meine sehr persönlichen geschichten einfach sterben / aber ich kann alles aufschreiben daß einfach nichts sterben kann sondern weiterlebt" (a, S.55).

Darüber hinaus hilft das Schreiben, "[...] einen weg aus dem widerlichen labyrinth" zu finden (a, S.94). "das schreiben ist mein erster schritt aus der anderen welt [...]", so Birger (a, S.159). "es kostet sehr viel energie / manchmal wuerde ich wirklich lieber schweigen / aber ich werde alles sagen / weil ich sagenmuessen aus heilsamen gruenden verstehe" (b, S.166).

In der Zeitschrift "Bunter Vogel" weist Birger darauf hin, daß FC auch Mitbestimmung am eigenen Leben bedeutet: "[...] ich denke wir hätten keine chance mitzubestimmen / wenn nicht durch unser schreiben / ich möchte dir sagen daß ich mitbestimmen will über mein leben / ich möchte mit personen die einfluß haben reden mit menschen die uns fördern können / ich fordere sie heraus / ich lasse mich nicht mehr zurückschicken in finstere stumme autismuszeiten / ich möchte zusammen mit meinen stummen freunden unser leben / neu gestalten" (Sellin B. 1996b, S.39).

Oftmals beinhalten FC-Mitteilungen sogar für die Autismusforschung relevante Informationen - laut Birger zum Leidwesen (!) vieler Experten: "autistenaussteiger sind wir / eine schreibende kleine schar die geheimnisse aergerlich aufdeckt / aergerlich fuer den autistenkenner / denn er kennt sich nicht mehr aus mit den sachobjekten den doofen autisten / das regt sie auf" (b, S.109).

(Abb.11: entnommen aus Sellin B. 1995a, S.13) (Foto von Birger Sellin) Nicht verfügbar

Mittels gestützter Kommunikation teilt uns der jugendliche Autor Sellin noch vieles andere mit. Er beschreibt seine Einsamkeit, Momente der Verzweiflung und der Trauer, berichtet aber auch von seinen Hoffnungen, seinen Zielen und seinem Kampfgeist. Er erzählt uns von seinen Beziehungen zu Mitmenschen, seinen Weltansichten und spricht über Gott. Um den von mir abgesteckten Rahmen nicht zu sprengen, kann ich auf diese Themenbereiche allerdings nicht eingehen und möchte mich auf Birgers Aussagen zu seiner primären Störung, seinen Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Handlungsproblemen, beschränken.

Hinweisen möchte ich noch darauf, daß zwar mehrere, aber nicht alle FC-Schreiber über die verbalen Fähigkeiten eines Birger Sellin verfügen. Darüber hinaus werden andere Benutzer mit ihrer individuell ausgeprägten Störung wohl nicht in jedem Bereich über dieselben Erfahrungen zu berichten haben wie unser Freund Birger.

3. Öffentliche Reaktionen auf Birgers Mitteilungen

Das Echo auf Sellins Erstlingswerk war zunächst überaus positiv. "Der Spiegel" vom 30. August 1993 berichtete: "[...] der Berliner Birger Sellin, 20, [ist] auf dem Weg, der erste autistische Dichter der Welt zu werden. Die Texte sind mysteriös und voller Rätsel. Sie dringen aus einer unheimlichen, mit Düsternis überladenen Welt herüber [...] Sie quellen aus einem Schattenreich, das keine Freude kennt. Sie sprechen eine Sprache der Qual, wie sie nach Hölderlin und Artaud nicht mehr gehört wurde [...] - bestürzende Texte in einer ungemein kompakten Sprache, die seine Notschreie in den Rang des Literarischen erhebt. Die deutsche Gegenwartslyrik kennt nichts dergleichen" (o.V. 1993, S.118, 122).

Auch die "Süddeutsche Zeitung" zeigte sich von der Gedankenschwere und der sprachlichen Schönheit dieses Buches überwältigt: "Die Texte von Birger Sellin [...] sind die ersten aus dieser fremden Welt, Innenansichten einer Krankheit, für die es bis heute keine eindeutige Erklärung gibt [...] Manches in diesen Briefen, Texten ist von seltsamer Sprachkraft, unbeholfen, die Sprache eines, der Sprache erst lernt, überlegen zugleich, weil er sie nach seinen Bedürfnissen formt [...] Zweifellos ist Birger Sellin eine Begabung, wie es sie manchmal gibt unter Autisten" (Meyhöfer 1993, S.18).

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sprach sogar von der "[...] faszinierendste[n] Publikation dieses Herbstes. In dem idiotisch schaukelnden, stundenlang dieselben Bewegungen sprachlos wiederholenden Wesen steckt nicht nur, wie eine menschenfreundliche Sozialpädagogik uns aufgeklärt hat, ein fühlender, sondern ein genau registrierender, ein denkender, ein kluger junger Mann. Er sieht, hört, riecht und fühlt seine Umwelt ebenso gut wie wir. Aber er sieht auch sich selbst: ein hilflos wippendes Bündel". Wie Birgers Aufzeichnungen zustande kommen, schien für niemanden ein Problem zu sein: "Sellin spricht. Er schreibt nicht. Er bedient sich einer Schreibmaschine, um sprechen zu können. Das ist alles" (Widmann 1993, S.L2).

Nach einer Vielzahl von äußerst positiven Pressestimmen kam es am 31. Jänner 1994 zu einer entscheidenden Wende. Ausgerechnet "der Spiegel", der Birger fünf Monate zuvor als den ersten autistischen Dichter der Welt betitelte, erhob Zweifel an der wundersamen Dichtkunst des Autisten. Plötzlich war von einem sprach- und wahrnehmungsgestörten Jugendlichen die Rede, der "[...] mit seiner Mutter auf seltsame Weise zu sprechen [begann] [...] Ein 'dunkler keinmensch' sei er [...] Fragt sich nur," - so das Blatt - "ob es wirklich Birger ist, der hier um sein Leben schreibt. Denn die Buchstaben reihen sich nur dann zu sinnvollen Sätzen, wenn Mutter Annemarie ihrem Sohn assistiert. Sie hält seinen Arm über der Tastatur, führt die Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger - was dabei herauskommt, nennen Wohlmeinende 'gestützte Kommunikation' [...] Die wundersame Geschichte des stummen deutschen Jungen, der nicht nur irgendeine Form fand, sich zu äußern, sondern anscheinend einer Sprache mächtig ist, die manche an Ingeborg Bachmann und Rainald Goetz erinnert, verstellte in der Bundesrepublik den Blick für Kritik" (o.V. 1994, S.191). Beweisen konnte "der Spiegel" seine Vermutungen nicht. Man berief sich lediglich auf negative Untersuchungsergebnisse zur FC-Methode (Doppel-Blind-Studien) und führte die Aussage einer gewissen Martina Engelmann an, frühere Betreuerin des Jungen. "Die Erzieherin hält ihren ehemaligen Schützling vor allem für einen 'stark geistig behinderten Menschen mit autistischen Symptomen'. Die Wortgefüge habe vermutlich 'die ehrgeizige Mutter' entworfen, 'ob willentlich oder unbewußt'" - so die Schlußworte dieser haltlosen Unterstellung (ebda).

Wie der Herausgeber der Sellin-Schriften berichtet, bekam Kronzeugin Engelmann seit Mitte 1990 den Jungen nicht mehr zu Gesicht, konnte seine Reaktion auf die "Facilitated Communication" also gar nicht miterleben. Den Grund für eine derart schlampige Recherche erkennt Klonovsky im Medienkonkurrenzkampf (!). Dem in vielen Printmedien angekündigten ARD-Film über Birger wollte "Spiegel-TV"-Chef Stefan Aust einen Beitrag über dasselbe Thema entgegensetzen (in Sellin B. 1995b, S.227-228). Auf dem Weg des "Media Buyings" übernahm "Spiegel-TV" des SAT.1 die bereits erwähnte PBS-Sendung "Prisoners of Silence"[18] - ohne sie zu überprüfen oder gar zu bearbeiten. Begleitet wurde dieses Unternehmen von einem dazu passenden Artikel in der "Spiegel"-Zeitschrift (Spudich 1997, S.7). Was lag näher, als auch einem bekannten FC-Schreiber Deutschlands dessen Kommuni-kationsfähigkeit abzustreiten?

"Der Spiegel" erhielt daraufhin viele Protestbriefe von Sympathisanten des angezweifelten Schriftstellers. Auch andere Zeitungen ärgerten sich über die Vorgangsweise des Magazins und ergriffen Partei des FC-Schreibers (Klonovsky in Sellin B. 1995b, S.231).

"Die Zeit" schrieb beispielsweise folgendes: "Der Spiegel hat [...] nicht mehr ganz neue[...] Enthüllungen jetzt zum Anlaß genommen, das von ihm selbst errichtete Denkmal wieder vom Sockel zu stürzen: Im vergangenen Herbst wurde Sellin als 'Dichter' gefeiert und mit Hölderlin verglichen, nun aber soll es die 'ehrgeizige Mutter' gewesen sein, die die Texte verfaßt hat. Daß es Fälle des Mißbrauchs gegeben hat, heißt aber keineswegs, daß es sich bei jedem Text, der einem Autisten zugeschrieben wird, um eine Fälschung handeln muß. Über dieses ABC der Logik, das als Anstandsregel eine Unschuldsvermutung mit einschließt, setzt sich der Spiegel rücksichtslos hinweg. Für die Behauptung, auch im konkreten Fall Birger Sellins sei Betrug mit im Spiel, wird nicht das geringste Indiz angeführt" (Kuhlmann 1994, S.60).

Als die "Spiegel"-Redaktion das Ausmaß ihrer Unterstellung begriff, entsandte sie den promovierten Biochemiker und Reporter Jürgen Neffe nach Berlin, um Birger etwas genauer auf die Finger zu sehen. Annemarie und Dankward Sellin standen einem Zusammentreffen ablehnend gegenüber, doch der Junge wollte es, um die Echtheit seiner FC-Botschaften zu beweisen (Spudich 1997, S.7). Obwohl er Angst hatte, in einer Testsituation zu versagen, teilte er seiner Mutter mit: "ich will es wirklich versuchen [...] er soll kommen [...] will aushaengeahaautist sein / sehr schwer das zu ertragen / ich tue alles fuer meine freunde / denen auch jetzt eine astreine wertsache genommen werden soll / eine hauchmoeglichkeit / ahnungsfreude / ausweg aus dem stummsein" (Sellin B. 1995b, S.139-141).

"Der Spiegel" vom 14. Februar 1994 enthielt einen ausführlichen Bericht dieser Begegnung. Neffe schilderte darin zunächst einen gescheiterten Schreibversuch des jungen Mannes: "Beim Stichwort 'Schreiben' schaut der Keuchende knapp zum Computer am Wohnzimmerfenster herüber. Wenig später beginnt er, sich mit den Handballen ins Gesicht zu schlagen und zu schreien. Seine düstere Klage tönt durch das Haus. In seinem Zufluchtsort, dem dunklen Keller, beruhigt er sich allmählich wieder. Selbständig kehrt er ins Wohnzimmer zurück. Doch nach einigen Augenblicken jagt er wieder hinaus und greift sich im Wegrennen seinen Kommunikator. Die Mutter folgt ihm, kommt mit dem Mikro-Computer zurück. Zu lesen ist: 'heute überhaupt nicht morgen besser'" (Neffe 1994, S.191). Am Abend nach diesem Vorfall wirkte Birger viel ruhiger. Sobald vom Computer die Rede war, stand er auf und setzte das Gerät selbständig in Gang. Ihm wurden einige Fragen gestellt, und Tastendruck für Tastendruck tippte er seine Antworten in den PC. Neffe hielt seine Beobachtung folgendermaßen fest: "Die Mutter hält, mal fest, mal weniger fest, den rechten Unterarm nahe am Ellbogen. Auf den ersten flüchtigen Blick ist nicht zu erkennen, ob sie eher aktiv ist oder passiv bleibt - wie beim harmonischen Tanz eines Paares, dem nicht anzusehen ist, wer 'führt' [...] Immer wieder versucht 'birgerbär' aufzuspringen, als wolle er vor einem Dämon in sich weglaufen. Entschieden hält ihn die Mutter zurück, murmelt Sätze der Aufmunterung [...] Reagiert sie zu langsam, während er die Flucht ergreift, hält er manchmal inne und ihr den Arm hin, als bettele er um Halt: Ein Eingegrabener gräbt sich aus, die Retterin gräbt ihm entgegen. Bei genauerem Hinsehen ist Birger beim Tippen allem Anschein nach der Handelnde: Er kreist mit ausgestrecktem rechten Finger über der Tastatur, der Impuls zur zustoßenden Bewegung beginnt regelmäßig in seiner Schulter. Für kurze Augenblicke schwebt sein Ellenbogen sogar über der stützenden mütterlichen Handfläche [...] Wenn sie zuwenig stützt, zieht er mit der Linken ihre helfende Hand fester heran. Zwischendurch Schreie, Handballenschläge auf den eigenen Mund, Bisse in die Hand" (ebda, S.193).

Obwohl das "Spiegel"-Magazin mit diesem Artikel seine Fälschungsvorwürfe revidierte, bleiben die von ihm aufgeworfenen Zweifel an der Autorenschaft Birgers in einigen Köpfen bestehen. Dies geht beispielsweise aus den Zeitschriften "Profil" (Menasse 1994, S.72) oder "Psychologie heute" (Goldner 1994, S.8) hervor.

Skeptikern muß jedoch entgegengehalten werden, daß sämtliche Fälschungs-vermutungen von Personen geäußert wurden, die Birger niemals beim Schreiben beobachtet haben. Außerdem wird meist unterschlagen, daß der junge Mann nicht nur seine Mutter, sondern mehr als ein Dutzend Personen - Eltern, Therapeuten, Einzelfallhelfer, Lehrer und Ärzte - als Stützer akzeptiert. Diese Menschen kennen sich zum Teil nicht. Wie sollten sie also imstande sein, anstelle des Jungen Texte in relativ konstanter Qualität zu produzieren? (Klonovsky in Sellin B. 1995b, S.233-234). Wären sie überhaupt fähig, in einer "[...] von den Narben jahrelanger Isolation gezeichnet[en] [...]" Sprache (Kuhlmann 1994, S.60) über die "[...] wirklichkeit der soandersartigen autistenwelt" (Sellin B. 1995a, S.152) zu berichten?

Den besten Beweis für seine Kommunikationsfähigkeit liefert Birger mittlerweile selbst. Seit dem Frühjahr 1994 kann der Autor manchmal ohne jede Hilfe einzelne Worte und Halbsätze tippen. Dies kann sowohl an einer gewonnenen motorischen Sicherheit als auch an gewachsenem Selbstvertrauen liegen. Bei diesen "ungestützten" Mitteilungen behält Sellin selbstverständlich seine sprachlichen und inhaltlichen Eigenheiten bei (Klonovsky in Sellin B. 1995b, S.240, 250).



[12] Zit. nach "P.M." (1996)7, S.100

[13] Sellin Annemarie, Gedächtnisprotokoll zum Fortbildungsseminar "Gestützte Kommunikation" im Beratungs- und Therapiezentrum "Verein EULE" in Innsbruck am 08./09.11.1996

[14] Sellin Annemarie, Gedächtnisprotokoll zum Fortbildungsseminar "Gestützte Kommunikation" im Beratungs- und Therapiezentrum "Verein EULE" in Innsbruck am 08./09.11.1996

[15] Aus optischen und praktischen Gründen werde ich in diesem Abschnitt nur kurze Literaturangaben verwenden: (a) steht für (Sellin B. 1995a); (b) für (Sellin B. 1995b).

Die Schrägstriche in Birgers Zitaten symbolisieren einen Absatz im Originaltext.

[16] Vgl. dazu S.29

[17] Siehe dazu beispielsweise S.27

[18] Siehe dazu S.74

VI. Auswirkungen der FC...

Das Anliegen dieses Kapitels ist es, auf mögliche Auswirkungen der FC-Methode hinzuweisen. Im ersten Abschnitt möchte ich aufzeigen, welche Bedeutung diese Kommunikationsmethode für den autistischen Menschen selber haben kann. Anschließend sollen die Auswirkungen auf das Umfeld des Behinderten besprochen werden. Zum Schluß werde ich auf ein neues theoretisches Verständnis der autistischen Störung eingehen, das sich durch das Funktionieren der FC sowie FC-Mitteilungen herauskristallisiert.

1. ...für den Benutzer selbst

Sich über FC mitteilen zu können, bedeutet für jeden Benutzer in erster Linie eine Erlösung von der Sprachlosigkeit. Viele Autisten können mithilfe dieser Methode ihre Wünsche, Gedanken und Gefühle äußern, also sich öffnen und ihr eigentliches Wesen zum Ausdruck bringen.

Kommunikation mittels FC ist allerdings ein sehr mühsamer, langatmiger und viel Geduld erfordernder Prozeß, der niemals mit der Lautsprache konkurrieren kann. Wie Eichel erwähnt, buchstabiert ein FC-Schreiber höchstens 150 Wörter in der Stunde. Im Vergleich dazu sprechen Nichtbehinderte etwa 150 Wörter in nur einer Minute (1996, S.65). Darüber hinaus ist es anfangs für manchen Benutzer nicht unproblematisch, sich mit seiner neuen Lage auseinanderzusetzen. Die gestützte Kommunikation eröffnet nämlich ganz neue Möglichkeiten und Perspektiven (Nagy 1993, S.32).

Über FC können individuelle Bedürfnisse mitgeteilt sowie Entscheidungen getroffen werden. Ein Benutzer kann die Umwelt beeinflussen und sein Leben aktiv mitgestalten. Auch Birger Sellin erreichte durch seine Botschaften ein selbst-bestimmt(er)es und würdevoll(er)es Leben. Er teilte beispielsweise seinen Wissensdrang mit, verlangte nach einer "normalen" Schule, entschied diese wieder aufzugeben und nur mit Einzelunterricht fortzufahren, spricht bei der Auswahl von Lehrern und Einzelfallhelfern mit u.v.m. (Klonovsky in Sellin B. 1995b, S.247-248, 252). Die gestützte Kommunikation ermöglichte es dem jungen Mann sogar, mehrere (Brief-)freundschaften aufzubauen und soziale Kontakte zu pflegen (vgl. Sellin B. 1995a/b). Positiv auf sein Selbstbild ausgewirkt hat sich wohl auch die Tatsache, daß Sellin mit dem Schreiben letztendlich sein eigenes Geld verdient.

Wie weit die Bedeutung der FC für das Leben eines Autisten reicht, hängt natürlich davon ab, welches Kommunikationsniveau dieser erlangt. Doch bereits durch das Zeigen auf Bilder oder "Ja"-/"Nein"-Karten kann die Lebensqualität eines Menschen mit autistischer Störung erheblich verbessert werden.

Ausdrücklich darauf hinweisen möchte ich, daß es sich bei FC "nur" um eine Kommunikationsmethode, nicht um ein Therapie- oder Heilverfahren handelt (z.B. Biklen o.J., S.4; Sellin A. 1996, S.2). Auch nach Klonovsky ist FC keine gegen die Behinderung bzw. gegen die Symptome ankämpfende Therapie: "Es geht ausschließlich darum, daß kommunikationsbehinderte Menschen in die Lage versetzt werden, zu ihrer Umwelt Kontakt aufzunehmen" (1993, S.58).

Eine "Öffnung" durch die FC-Methode zieht in manchen Fällen zwar eine Reduzierung typischer Verhaltensweisen nach sich, doch sie bleiben größtenteils bestehen. Förderprogramme - eventuell auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt - werden also nach wie vor notwendig sein (Eichel 1996, S.107, 137).

Positive Fortschritte nach mehreren Jahren gestützten Schreibens lassen sich bei Birger feststellen. Wohl durch eine psychische und soziale Öffnung mittels FC, durch soziale Anerkennung sowie ein daraus entstandenes Selbstbewußtsein gelingt es dem Schriftsteller zunehmend, Kontrolle über sein Verhalten zu gewinnen.[19] Er ist aber immer noch schwer autistisch. Birger selbst berichtet: "die albernste idee war die als ich dachte es ginge ausrasten von jetzt an brauche ich diese methode nicht mehr denn ich kann jetzt schreiben" (Sellin B. 1995a, S.26).

2. ...auf das Umfeld

Die FC verlangt von allen Bezugspersonen des Autisten - den Familienangehörigen, Freunden, Lehrern und Betreuern - ein gewisses Maß an Kooperation. Durch diese Methode eröffnet sich ihnen allerdings die Möglichkeit, den Betroffenen differenzierter kennenzulernen. Kannten sie vor der Einführung dieser Kommunikationsmethode nur sein äußeres Erscheinungsbild, gewinnen sie durch die gestützte Kommunikation Einblicke in seine Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle. Sie erfahren zudem manches über die Verhaltensweisen des autistischen Menschen, über deren Ursachen und Gründe, und lernen, den FC-Schreiber besser zu verstehen.

Damit die Kommunikation mittels FC vom Benutzer als erfolgreich erlebt wird, müssen seine Mitteilungen natürlich ernst genommen werden. Seine Wünsche müssen vom Umfeld respektiert und anerkannt werden. Man muß ihm das Recht zugestehen, seine Lebensbedingungen beeinflussen zu können. Gleichzeitig werden die Bezugspersonen von der Last befreit, auch die banalsten Entscheidungen für (oder gegen?) den autistisch gestörten Schützling treffen zu müssen.

Elisabeth Eichel weist darauf hin, daß die Familie es allerdings nicht nur als beglückend empfinden kann, plötzlich intensiver mit dem Kind zu kommunizieren. Die Erkenntnis, daß es über ungeahnte Fähigkeiten verfügt, kann auch eine seelische Erschütterung auslösen. Eltern, die viele Jahre lang in dem ehrlichen Glauben lebten, ihr Kind sei hoffnungslos geistig behindert, Eltern, denen es verwehrt blieb, seine Persönlichkeitsentwicklung mitzuverfolgen, sehen sich mit einem plötzlichen "Ausbruch" von Gefühlen und Gedanken konfrontiert. Ein Umdenken kann für manche sehr schwierig sein.

Hinzu kommen neue Schuldgefühle. Mütter und Väter erkennen, ihr eigenes Kind verkannt zu haben, seine Ängste nicht wahrgenommen, es eventuell unterfordert zu haben u.v.m. (1996, S.138).

Des weiteren ist es für Eltern oft schmerzhaft festzustellen, wie sehr das Kind unter der autistischen Störung leidet und versucht, dagegen anzukämpfen. Eine Mutter berichtet: "Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, als habe FC nur Freude und Glück gebracht. Während wir uns früher mit der - irrigen - Vorstellung trösten konnten, C. sei zwar schwer behindert, sich aber dessen wohl nicht bewußt, wissen wir es nun besser. Für ihn ist das Leiden an seiner Behinderung - so hoffen wir - vielleicht ein bißchen leichter geworden, für uns dagegen viel schmerzhafter [...] Wir sehen auf der einen Seite die geistigen Fähigkeiten, Ansprüche und Bedürfnisse, auf der anderen die lähmende Behinderung fast jeglichen selbständigen Handelns. Doch", so fügt sie hinzu, "die Vorstellung, wir hätten ihn niemals in seiner wirklichen Person kennengelernt, ist schwer zu ertragen" (Nagy 1993, S.36).

Nachdenklich stimmen Aussagen zur wachsenden Wertschätzung von Autisten aufgrund ihrer mittels FC offenbarten Fähigkeiten. Evelyne Wepil schreibt z.B.: "Der Behinderte wird durch die FC als gleichwertige Person wahrgenommen. Die Wertschätzung des Behinderten wird eine andere und damit ändert sich der Umgangston" (zit. nach Eichel 1996, S.144). Werden FC-Neulinge von ihrem Umfeld tatsächlich neu "bewertet"? Werden sie erst aufgrund ihrer Kommunikationsfähigkeit annähernd als "vollwertiges" Mitglied der Gesellschaft betrachtet?

Dies würde auf ein falsches Behindertenverständnis hinweisen. Solange die Gesellschaft nämlich nur Behinderte eines bestimmten Entwicklungsniveaus zu respektieren gedenkt, werden unter anderem jene Autisten, die nicht über FC sprechen können und/oder kognitive Defizite aufweisen, weiterhin von einer "geringen Wertschätzung" ihrer Person begleitet. Eichel stellt in dieser Hinsicht folgendes fest: "Wenn die Diskussion zur FC 'nur' [die] Funktion erfüllt hätte, mehr über die (verdeckte) Persönlichkeit autistischer Menschen nachzudenken und sie - unabhängig von ihrem Entwicklungsstand - ernst zu nehmen und zu respektieren, hätte die Methode schon viel erreicht" (1996, S.144-145).

3. ...auf die Autismusforschung

In der traditionellen Autismustheorie geht man bei unter diesem Syndrom leidenden Menschen von einer Verarbeitungsstörung kognitiver und affektiver Informationen aus. Motorische Beeinträchtigungen werden mit Autismus kaum in Verbindung gebracht.[20] Aussagen von Betroffenen sowie die Tatsache, daß FC eine funktionale Kommunikationsmethode darstellen kann, zwingen jedoch dazu, diese Theorie kritisch zu überdenken.

Gewisse Störungen in der Informationsmodulation sind sicherlich vorhanden - auch wenn sie von der FC-Literatur größtenteils unterschlagen werden. Viele autistische Menschen berichten nämlich über derartige Probleme. Diese scheinen allerdings nicht (immer) in dem zunächst vermuteten Ausmaß zu bestehen. Viele Autisten sind trotz einer phasenweise auftretenden oder bestimmte Reize betreffenden Verarbeitungsstörung imstande, Reize der Innen- und Außenwelt zu brauchbaren Informationen umzusetzen (ebda, S.121, 131, 143). Auch Birger spricht von Störungen in seinem Input, die aber nicht zu einem generellen Defizit der Informationsverarbeitung führen. Wie sonst wäre er in der Lage, über die autodidaktisch erworbene Schriftsprache zu kommunizieren, kognitive Inhalte zu erfassen und zu verarbeiten sowie schlußfolgernd zu denken? Darüber hinaus kann bei ihm auch keinesfalls von einem mangelnden Verstehen affektiver Informationen die Rede sein. Er hat Gefühle und Einfühlungsvermögen wie jeder andere Mensch auch und legt großen Wert auf soziale Kontakte (vgl. Sellin B. 1995a/b). Modulationsprobleme müssen also nicht automatisch zu Einschränkungen der Entwicklungsbereiche führen.

Bei vielen Autisten scheinen neben gewissen Input-Problemen allerdings wesentlich gravierendere Output-Probleme vorzuliegen. Die Rede ist von einer neuromotorischen Störung, die es vielen autistisch Behinderten nicht möglich macht, ihre Fähigkeiten zu zeigen, ihr Verhalten zu organisieren und sich ohne fremde Hilfe mitzuteilen (Eichel 1996, S.120, 131). Wie berichtet, stellt diese Unfähigkeit des Ausdrucks auch für Sellin ein Hauptproblem dar.[21]

Manche Autisten scheinen somit weniger im Denken und Fühlen, als in der Umsetzung verarbeiteter Reize in Sprache und Handeln gestört zu sein. Nicht sie selbst, sondern der Autismus beherrscht offenbar ihr Verhalten.

Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt basiert die Autismusforschung auf Inter-pretationen von gezeigten bzw. nicht gezeigten Verhaltensweisen - verständlich, daß sie nur einen kleinen Teil der Wahrheit erkennen konnte.

Die Methode der gestützten Kommunikation ermöglicht nun - durch einfaches Zuhören - ein neues Herangehen an die autistische Störung, eine Möglichkeit, die es unbedingt zu nutzen gilt. Eine bessere Informationsquelle als die Aussagen von Betroffenen selbst, kann es nicht geben. Derselben Meinung ist auch Dietmar Zöller: "Wir möchten, daß man nicht nur Bücher über uns schreibt, sondern uns anhört. Wenn ich manche Bücher über Autismus lese, bin ich überrascht, wie viel die Leute richtig beobachtet haben. Vieles ist aber Unsinn. Ich kann manches Phänomen besser erklären, aus eigenem Erleben" (1992, S.9-10).

Daß eine Zusammenarbeit zwischen Forschern und Betroffenen wirklich fruchtbar sein kann, verdeutlicht folgende über FC mitgeteilte Botschaft:

"unernannt sind wir eine ohnegleichen wichtige menschengruppe

unsere wahrnehmung aus widersinnigen wiederbelebten geistigen tiefen sieht diese realitaeten anders

ich meine es ist eine seite der realitaet die leider der normalen wahrnehmung verschlossen bleiben muss

ich glaube im zusammenwirken aller menschen wuerde fuer diese welt neues und heilendes entstehen

ich apelliere an alle menschen lasst uns mitarbeiten leben zu gestalten

und nehmt uns auf in eure schulen universitaeten und forschungsstaetten

denn unser wissen ist fuer alle menschen wichtig

ich glaube an die heilende kraft der umfassenden liebe" (Sellin B. 1996a, S.1).



[19] Vgl. dazu S.87

[20] Vgl. dazu S.70

[21] Siehe S.93

VII. Schlußwort

Abschließend möchte ich erneut darauf hinweisen, daß viele Fragen zur Funktionsweise der FC noch offenstehen. Es existieren bisher zu wenig Erfahrungen, um zu einer genauen Einschätzung dieser Methode zu gelangen.

Auch zur Theoriebildung der autistischen Störung scheint vieles noch unbeantwortet zu sein. Das oben angesprochene neue theoretische Verständnis von Autismus stellt sicherlich keine "endgültige" Version dar. Es handelt sich wohl eher um eine neue Theorie mit vorläufigem Charakter, um einen neuen Ausgangspunkt, der weitere Untersuchungen dringend erforderlich macht. Es muß weitergedacht und weitergeforscht werden. Wir befinden uns vermutlich inmitten eines Denkprozesses, der noch lange nicht abgeschlossen ist.

Trotz mehrerer Unklarheiten befürworte ich bei Autisten mit Kommunikationsproblemen die Anbietung der FC-Methode - eine Methode, die meiner Ansicht nach zumindest für einen Teil jener Menschen eine valide alternative bzw. ergänzende Kommunikationsmöglichkeit darstellt. Sie kann vielen autistisch Behinderten helfen, sich mitzuteilen und ihrer Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen. Im Vordergrund steht dabei nicht eine Minimierung des Fehlverhaltens oder gar eine Überwindung der Behinderung, sondern der Dialog - ein Grundrecht, das keinem Menschen vorenthalten werden darf.

Ich bin überzeugt, daß mittels gestützter Kommunikation gemachte Aussagen vieles zur Klärung des Autismus sowie zur Klärung der FC-Methode beitragen können. "Facilitated Communication" bedeutet aber vor allem - tatsächlich auch für Betroffene selbst - ein Verbindungselement zwischen ihrer und unserer Welt. Im "Bunten Vogel" teilen uns jugendliche FC-Benutzer folgendes mit:

"Schreiben verbindet uns Autisten mit der Welt Schreiben verbindet uns Autisten mit so vielen Menschen" (B. 1995, S.5).

"Verkannt war ich früher ohne FC und nun wird alles gut. FC ist meine Brücke - bringt mich den Menschen nah. Ich finde in mir einen neuen Mut, diese Brücke bald - so hoffe ich - ganz bald auch ohne Stütze zu begehen" (H. 1996, S.26).

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RUTTER Michael, "Prognose: Psychotische Kinder im Jugend- und frühen Erwachsenenalter", in: Frühkindlicher Autismus - Klinische, pädagogische und soziale Aspekte, hrsg. von John K. Wing, dt. Übersetzung von Jürgen Wendeler, 3. überarb. und ergänzte Auflage 1988, Nachdruck Beltz Verlag, Weinheim-Basel 1992b, S.105-121

SACKS Oliver, "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte", dt. Übersetzung von Dirk van Gunsteren, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1988

SCHWERDT Michael, "Ich will raus! - Prozesse im Umgang mit Kommunikationshilfen", in: Ich will, ich kann! - EDV-gestützte Kommunikation mit schwerbehinderten Kindern und Jugendlichen. Ergebnisse einer Fachtagung der Bundesvereinigung Lebenshilfe, hrsg. von der Bundesvereinigung Lebenshilfe für geistig Behinderte e.V., Lebenshilfe Verlag, Marburg 1993

SELLIN Annemarie, "Die häufigsten Fragen zur Gestützten Kommunikation", Seminarpapier, o.O. August 1996

SELLIN Annemarie, "Grundlagen: Facilitated Communication", Seminarpapier, o.O. o.J.

SELLIN Birger, "ich will kein inmich mehr sein - botschaften aus einem autistischen kerker" (KiWi, Nr.382), Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 1995a

SELLIN Birger, "ich deserteur einer artigen autistenrasse - neue botschaften an das volk der oberwelt", Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 1995b

SELLIN Birger, "unernannt...", in: Bunter Vogel - Von FC-Schreibern für FC- Schreiber und für alle ihre Freunde (1996a)4, S.1

SELLIN Birger, "wir dürfen nicht resignieren", in: Bunter Vogel - Von FC- Schreibern für FC-Schreiber und für alle ihre Freunde, 2(1996b)5, S.39

SPIEL Georg/Augustina GASSER, "Autismus in der Fachdiskussion", in: Brigitte Rollet/Ursula Kastner-Koller, Praxisbuch Autismus - Ein Leitfaden für Eltern, Erzieher, Lehrer und Therapeuten, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart-Jena-New York 1994, S.231-266

SPUDICH Helmut, "Schreiben, um zu leben", in: Der Standard (15./16. Juni 1991), S.23

SPUDICH Helmut, "Eine Tür öffnet zwei Räume - Gestützte Kommunikation: Neue Wege der Verständigung und Förderung behinderter Menschen (Facilitated Communication)", Handreichung, o.O. 1997

TINBERGEN Niko/Elisabeth A. TINBERGEN, "Autismus bei Kindern - Fortschritte im Verständnis und neue Heilbehandlungen lassen hoffen", dt. Übersetzung von Lisbeth Gombrich, Paul Parey Verlag, Berlin- Hamburg 1984

U. Franz, "für matthias in cottbus", in: Bunter Vogel - Von FC-Schreibern für FC- Schreiber und für alle ihre Freunde, 2(1997)6, S.24

WENDELER Jürgen, "Neuere Forschungsergebnisse", in: Frühkindlicher Autismus - Klinische, pädagogische und soziale Aspekte, hrsg. von John K. Wing, dt. Übersetzung von Jürgen Wendeler, 3. überarb. und ergänzte Auflage 1988, Nachdruck Beltz Verlag, Weinheim-Basel 1992, S.283-347

WIDMANN Arno, "Ich dichte direkt wie andere Dichter - Aber die Angst vernichtet alles: Aufzeichnungen aus einem autistischen Kerker", in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (15. November 1993), S.L2

WILKER Friedrich-Wilhelm, "Autismus", Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989

WING John K., "Symptome, Verbreitung und Ursachen des frühkindlichen Autismus", in: Frühkindlicher Autismus - Klinische, pädagogische und soziale Aspekte, hrsg. von John K. Wing, dt. Übersetzung von Jürgen Wendeler, 3. überarb. und ergänzte Auflage 1988, Nachdruck Beltz Verlag, Weinheim-Basel 1992, S.17-51

WING Lorna, "Das autistische Kind - Wie Erziehungsschwierigkeiten und Verhaltensstörungen überwunden werden können", dt. Übersetzung von Hannemieke Wahle, 2. Auflage, Otto Maier Verlag, Ravensburg 1976

WING Lorna, "Die familiäre Erziehung autistischer Kinder", in: Frühkindlicher Autismus - Klinische, pädagogische und soziale Aspekte, hrsg. von John K. Wing, dt. Übersetzung von Jürgen Wendeler, 3. überarb. und ergänzte Auflage 1988, Nachdruck Beltz Verlag, Weinheim-Basel 1992, S.227-249

ZÖLLER Dietmar, "Wenn ich mit euch reden könnte... - Ein autistischer Junge beschreibt sein Leben" (dtv Sachbuch, Nr.30018), 2. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1992

ZÖLLER Dietmar, "Ich gebe nicht auf - Aufzeichnungen und Briefe eines autistischen jungen Mannes, der versucht, sich die Welt zu öffnen" (dtv, Nr.30452), Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1995

Bildverzeichnis

EICHEL Elisabeth, "Gestützte Kommunikation bei Menschen mit autistischer Störung", Projekt Verlag, Dortmund 1996, Abbildung: 3

NAGY Christiane, "Einführung in die Methode der gestützten Kommunikation (Facilitated Communication-FC)", Hilfe für das autistische Kind - Regionalverband München e.V., Eching 1993, Abbildungen: 2, 4, 5, 6, 7, 8, 9

PORIZKA Anna/Lubi PORIZKA, "Freundschaft - Bilder und Gedanken", arsEdition, Zug 1990, Abbildung 1

SELLIN Birger, "ich will kein inmich mehr sein - botschaften aus einem autistischen kerker" (KiWi, Nr.382), Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 1995a, Abbildung: 11

SELLIN Birger, "ich deserteur einer artigen autistenrasse - neue botschaften an das volk der oberwelt", Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 1995b, Abbildung: 10

Lebenslauf

28.10.1970

in Bozen (Südtirol), als zweites Kind der Anny Bampi geb. Falser, Kindergärtnerin/Hausfrau, und des Alfred Bampi, Landwirt, geboren

1976 - 1981

Besuch der Grundschule in Kurtinig

1981 - 1984

Besuch der Mittelschule in Salurn

1984 - 1989

Besuch der Handelsoberschule "H. Kunter", Sektion der Programmierer, in Bozen

1990 - 1991

Militärdienst in Meran und Trient

1991 - 1993

Verschiedene Berufserfahrungen (Büroangestellter, Grund- schullehrer, Buchhändler)

seit 1993

Studium der Erziehungswissenschaften und der Gewählten Fächer anstelle einer zweiten Studienrichtung an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Quelle:

Martin Bampi: Die Methode der gestützten Kommunikation bei Menschen mit autistischer Behinderung.

Diplomarbeit zur Erlangung des akademischen Grades eines Magisters der Philosophie an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, eingereicht bei Ass.Prof. Univ.-Doz. Dr. Volker Schönwiese, am Institut für Erziehungswissenschaften, September 1997

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 05.08.2010

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