Meine letzte Zeit in der Werkstatt

Schlagwörter: Erfahrungsbericht, Selbstbestimmung, Werkstatt für Behinderte (WfB)
Textsorte: Artikel
Copyright: © Monika Rauchberger 2006

Meine letzte Zeit in der Werkstatt

Als ich erfahren habe, dass ich an einer richtigen Arbeitsstelle anfangen könnte, war das ein Sprung ins eiskalte Wasser.

Der Werkstattleiter und auch die gesamten BetreuerInnen hatten ein ungutes Gefühl dabei.

Sie haben mir nicht zugetraut, dass ich an einem richtigen Arbeitsplatz arbeiten könnte.

Sie hatten Befürchtungen, weil ich nicht deutlich reden kann und außerdem am Computer langsam schreibe. Und sie meinten, dass ich sehr oft Hilfe brauche.

Ich wusste aus dem Vorstellungsgespräch, dass ich mir an der neuen Arbeitsstelle Unterstützung holen konnte, wenn es notwendig war.

Mir ist auch vorgekommen, dass manche von ihnen gedacht haben, ich mache einen Witz.

Der Werkstättenleiter wollte, eine Bestätigung, dass es ganz sicher ist, dass ich bei dem neuen Job anfangen kann.

Darüber habe ich mich ziemlich geärgert.

Sie haben mich immer wieder gefragt, ob das wirklich stimmt, dass ich eine richtige Arbeitsstelle bekomme und was ich tun werde, wenn ich die neuen Aufgaben nicht schaffe.

Ich hab ziemlich stark sein müssen.

Ich habe zu ihnen gesagt, warum sollte ich das nicht schaffen? Ich habe zu ihnen gesagt, am Anfang ist es bei einer neuen Arbeit immer schwer. Es dauert eben, bis man sich an alles gewöhnt. Ich habe zu ihnen gesagt, ich kann alles irgendwie lernen und ich habe bis jetzt noch alles geschafft, wenn auch mit einigen Umwegen und einem großen Aufwand.

Außerdem habe ich zu ihnen gesagt, ich möchte das große Risiko eingehen und ausprobieren bei einem richtigen Arbeitsplatz zu arbeiten.

Jetzt bin ich sehr stolz auf meinen Job, meine Ausdauer und meinen Mut. Es hat sich ausgezahlt.

Quelle:

Monika Rauchberger: Meine letzte Zeit in der Werkstatt

© Monika Rauchberger 2006

bidok - Internetvolltextbibliothek. Wiederveröffentlichung im Internet.

Stand: 24.03.2009

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