"Hotel ist für mich was Feines"

AutorIn: Veronika Gercke
Schlagwörter: Biografie, Wohnen, Arbeit
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: Erschienen in: Impulse, Ausgabe 36/ Dezember 2005, Politik und Recht/Menschen, Reihe Lebenswege, Seite 44.
Copyright: © Impulse 2005

"Hotel ist für mich was Feines"

Ich heiße Veronika, bin 21 Jahre alt und wohne in Marburg.

In meiner Freizeit gehe ich reiten in Gisselberg, das ist ein Stadtteil von Marburg.

Reiten macht mir viel Spaß.

In Gisselberg arbeite ich auch in einem Hotel im Zimmerservice.

Hotel ist für mich was Feines.

Die Zimmer sind groß mit schönen Möbeln.

Wenn ich morgens ins Hotel komme, ziehe ich zuerst mein gelbes T-Shirt an.

Das haben alle an, die im Zimmerservice arbeiten.

Dann gehe ich zu meiner Chefin, und die gibt mir einen Zettel.

Da stehen die Zimmernummern drauf und was ich machen muss:

Bad sauber machen, Handtücher wechseln, Staub wischen, Staub saugen und Betten beziehen.

Meine Mutter arbeitet auch in einem Hotel, das ist wunderschön.

Es ist ein Schloss mit Fürsten.

Die Gräfin hat mir schon mal ein lustiges Porzellanschwein geschenkt.

Mein Freund, der Immanuel, arbeitet auch in Gisselberg in einer Gärtnerei.

Jeden morgen fahren wir zusammen im Bus zur Arbeit.

Wir haben auch fast zusammen Geburtstag.

Immanuel hat am 3. April und ich am 2. Ich wohne mit vier Mitbewohnern in einer betreuten Wohngemeinschaft.

Abends kochen wir abwechselnd und dann essen wir zusammen.

Manchmal gehen wir gemeinsam ins Kino.

Wir haben auch Wohnregeln.

Jeder muss einmal in der Woche etwas putzen.

Ich putze am liebsten die Küche und den Flur.

Außerdem wische ich nach dem Essen immer den Tisch ab und fege unter dem Tisch.

Am allerliebsten wasche und bügle ich meine Wäsche.

Bügeln kann ich sehr, sehr gut.

Deswegen habe ich auch mein eigenes Bügeleisen und mein eigenes

Bügelbrett.

Drei mal in der Woche laufe ich auf meinem Laufband fünf Kilometer.

Das Laufband steht in meinem Zimmer.

Vier Mal bin ich auch schon bei einem Mini-City-Marathon mitgelaufen,

zweimal in Frankfurt, einmal in Frankenberg und einmal in Berlin.

Montags und donnerstags gehe ich in die Volkshochschule.

Da mache ich einen Schreib- und Lesekurs.

Ich habe schon ganz viel gelernt.

Ich habe zwei große Brüder, eine kleine Kusine und eine ganz kleine Nichte.

In unserer Wohngemeinschaft haben wir im November eine Einweihungsparty gefeiert.

Ganz viele Leute waren gekommen.

Ich hatte auch viele Leute eingeladen: meinen Vater und meine Mutter, meinen Bruder mit seiner Verlobten, meine Oma, meine Tante, meine Cousine und meinen Cousin.

In meiner Familie bin ich die Jüngste und in meiner Wohngemeinschaft auch. Das finde ich gemein, aber meine Mutter sagt, ich soll froh sein,

dass ich so jung bin.

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Quelle:

Veronika Gercke: "Hotel ist für mich was Feines"

Erschienen in: impulse Ausgabe 36/ Dezember 2005, Politik und Recht/Menschen, Reihe Lebenswege, Seite 44

© Impulse 2005

bidok - Internetvolltextbibliothek. Wiederveröffentlichung im Internet.

Stand: 24.06.2009

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