Wo werden Gewaltsituationen am häufigsten erlebt?

Die Orte, an denen am häufigsten Gewalt und Missbrauch erlebt werden, sind die,
an denen Menschen wohnen. Die meisten Gewalthandlungen werden von Menschen ausgeführt, die den Opfern bekannt sind (FITZSIMONS 2009). Pflege- und Unterstützungssituationen führen in der Realität häufig zu Grenzüberschreitungen und Gewaltgefährdungen.

Systeme, in denen am häufigsten Gewalt erlebt wird, sind geschlossene Systeme. Diese Systeme stehen in keinem oder minimalem Austausch mit anderen Systemen. Alles von außen Kommende wird als feindlich dargestellt. Außenkontakte werden eingeschränkt, verhindert, schwer zugänglich gemacht, abgewertet und/oder verboten. Es wird verhindert, dass Vertrauensbeziehungen zu Menschen außerhalb aufgebaut werden. Denn zu groß ist die Gefahr, dass diesen Menschen interne Geheimnisse anvertraut werden. Besuche werden selten oder nie eingeladen oder erlaubt.

Das Abschotten hat nicht nur das Ziel, Aussprachen unmöglich zu machen, sondern es sollen auch Vergleiche zu anderen Systemen verhindert werden. Zu diesem Zweck werden potentielle Vergleichsmodelle bereits vorbeugend als gefährlich oder schlecht bezeichnet. (PERNER 1999)

„Eine Forschungsteilnehmerin erzählte in einem Interview, dass sie aus ihrer WG ausziehen wollte und dabei auf massiven Widerstand seitens ihrer Betreuungspersonen stieß: Die benötigte Begleitung zu einer entsprechenden Beratungsstelle wurde ihr verweigert. Als sie diese 2012 letztlich heimlich und in Begleitung einer Freundin aufsuchte, durchsuchten Betreuer_innen bei der Rückkehr in die WG ihren Rucksack und zerstörten vor ihren Augen die gefundenen Informationsblätter zum Leben in der eigenen Wohnung.“ (ANONYM, in KREMSNER 2014)

„Zu den Organisationsformen der Systeme gehören alle Arten von „Spielregeln“ — von der Behauptung von Gewohnheitsrecht […] ‚Das war schon immer so!‘ — über Versprechungen, Vereinbarungen und all die Stufen der Rechtsordnung […].“ (PERNER 1999, S. 93)

Weiterführende Kaptitel

Quellen und weiterführende Literatur

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