Stigma

"Menschen mit Behinderungen werden per se stigmatisiert. Die betroffenen Menschen sind sich meist noch gar nicht darüber im Klaren, schon legt sich diese/r „Hülle“/„Schleier“ über sie, der sie das ganze Leben lang begleiten wird." (SANTER 2015)

„Die Betrachtung und Behandlung des Behinderten als ein defizitäres Wesen wirkt direkt zerstörerisch auf das Selbst.“ (MANG 2011)

Stigma wird heute als Prozessbegriff verstanden und verwendet. Stigma beschreibt die gesellschaftliche Dynamik, die von einem Merkmal (z.B. einer Diagnose) ausgelöst wird. Dieser Prozess kann psychologische, ökonomische, politische und kulturelle Konsequenzen nach sich ziehen und die betroffene Person oder Gruppe sozial entmächtigen. Zahlreiche Studien belegen, die durch Stigmatisierung entstehenden Benachteiligungen betreffen alle Lebensbereiche:

  • Beschäftigung/Beruf: verminderte Chancen am Arbeitsmarkt, Mobbing
  • Wohnen und Wohnungslosigkeit: Diskriminierung durch Nachbarn, Vermieter_innen, etc.
  • Gesundheitsversorgung: schlechtere Behandlung bei körperlichen Erkrankungen sowie erhöhte Sterblichkeitsraten
  • Armut und Schulden: finanzielle Not
  • Versicherungsstatus: eingeschränkte Möglichkeiten der Versicherung
  • Freizeit, Erholung, Bildung und Reisen: weniger Angebote und Mittel
  • Medien: ein verzerrtes Bild von Menschen mit Behinderungen wird produziert; der Schwerpunkt liegt auf Hilflosigkeit und Mitleid
  • Familienleben: sehr eingeschränkte Chancen zu heiraten oder auch das Sorgerecht für Kinder zu behalten
  • Sicherheit: ein höheres Risiko Opfer von Gewalt oder Sexualverbrechen zu werden; wenn etwas passiert, wird Menschen mit Behinderungen oft nicht geglaubt
  • Strafrecht: Menschen mit psychischen Erkrankungen sind in Gefängnissen überrepräsentiert, die psychiatrische Versorgung ist dort jedoch sehr eingeschränkt
  • Zivilrecht: Entmündigung, Sachwalterschaft
    (FREIMÜLLER 2012, S. 4-23)

Menschen erfahren also bereits Gewalt durch die Tatsache, wie sie leben müssen, welche Regeln für sie gelten und welche Voraussetzungen vorhanden oder nicht vorhanden sind. Diese defizitäre Vorstellung von Behinderung wird laufend in die Alltagssprache übersetzt und wird somit zu einer Form von psychischer Gewalt. (SANTER 2015)

Stigma entsteht, wenn Etikettierung, Stereotypisierung, soziale Ausgrenzung, Statusverlust und Diskriminierung gemeinsam in einer Situation auftreten, in der ein Machtverhältnis besteht. Erst die Ungleichheit an Macht führt dazu, dass diese Komponenten ihre negative Wirkung entfalten.

Antistigmakompetenz ist eine Kombination aus verändertem Wissen, Haltung und Verhalten.

  • Wie viel weiß ich über das Stigma der Behinderung?
  • Wie kann ich mich bewusst verhalten, um andere nicht zu stigmatisieren?
  • Wie kann ich stigmatisierenden Aussagen entgegentreten?

Diese Seite wurde zusammen mit Frau Teresa Santer, Park Cafe PSP erarbeitet. bidok bedankt sich für die fachliche Diskussion, Literaturhinweise, Motivationsarbeit und den Artikel 'Stigmatisierung von Menschen mit Behinderungen', siehe weiterführende Literatur.

Quellen und weiterführende Literatur


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