Definitionen von Gewalt

Gewalt, Diskriminierung, Macht und Machtverhältnisse bedingen und bestärken sich gegenseitig. Die Begriffe sind jedoch keinesfalls austauschbar und in den Auseinandersetzungen zu Themen der Gewalt genau zu trennen. In kompakter Form werden hier die Differenzierungen von Gewalt, Diskriminierung und Macht vorgenommen und Definitionen zu Gewalt von einer Auswahl anerkannter Wissenschaftler_innen vorgestellt. Quellenangaben und weiterführende Texte sind unter Literatur angegeben.

Gewalt als Werkzeug der Macht

Hannah Arendt

Arendt trennt die Begriffe Macht und Gewalt entschieden und definiert Macht als menschliche Fähigkeit, „nicht nur zu handeln oder etwas zu tun, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln. Über Macht verfügt niemals ein Einzelner; sie ist im Besitz einer Gruppe und bleibt nur solange existent, als die Gruppe zusammenhält.“ (ARENDT 1975) Macht bedient sich im Sinne Arendts bestimmter Gewaltmittel. Gewalt hat demzufolge einen instrumentalen Charakter.

Diskriminierung als Methode der Reproduktion von Klassengesellschaften

Pierre Bourdieu

Bourdieu erstellt ein dynamisches Feld der Gesellschaft (Raum), das sich auf Kapitalformen stützt (ökonomisches, kulturelles, soziales und symbolisches Kapital). Unterschiede zwischen verschiedenen sozialen Schichten sind festgelegt und werden ständig reproduziert. Jede Klasse versucht in die nächst höhere aufzusteigen. Das ist von der angestrebten Klasse jedoch nicht erwünscht und sie legt sich immer wieder Eigenschaften (Habitus) zu, die sie abgrenzt. Ausschlüsse und in der Folge Diskriminierungen gegenüber Gruppen stehen immer in Relation zu anderen und in Beziehung zu anderen Gruppen (Machtverhälnisse).

Verletzung der Menschenwürde ist Gewalt

Georg Feuser

„Es dürfte zunehmend deutlicher geworden sein, dass es die Gewalt ist, die Menschen mit Behinderungen angetan wird, die ihre Menschenwürde zutiefst verletzt. Die in herrschaftlicher Weise gegen Behinderte gerichtete Macht der Nichtbehinderten ist die eigentliche Kraft, aus der die Zerstörung ihrer Menschenwürde resultiert.“ (FEUSER 1998)

Gewalt hat viele Formen, allen gemein ist die Verwehrung möglicher Verwirklichungen

Johan Galtung

„Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen so beeinflusst werden, dass ihre aktuell somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung.“ Galtung erstellt ein sehr differenziertes Gewaltkonzept und unterscheidet: Physische /Psychische Gewalt, Negative /Positive Einflussnahme, Gewalt, bei der ein Objekt verletzt wird /Gewaltandrohung ohne eindeutige Objektverletzung, Personale /Strukturelle Gewalt, Intendierte /Nicht intendierte Gewalt, Manifeste /Latente Gewalt. Auf die Formen der Strukturellen Gewalt geht er besonders ein. In diesem Zusammenhang definiert er folgende Formen von Interaktionen als Formen der Strukturellen Gewalt: Ausbeutung, Spaltung und Durchdringung. (GALTUNG 1982)

Verbindung von Gewalt und Staat

Max Weber

„Der Staat ist, ebenso wie die ihm geschichtlich vorausgehenden politischen Verbände, ein auf das Mittel der legitimen Gewaltsamkeit gestütztes Herrschaftsverhältnis von Menschen über Menschen.“  In der deutschen Sprache findet sich der Wortstamm von Gewalt in Worten wie Verwaltung und Staatgewalt wieder. Gesellschaftlich anerkannt und rechtlich legitimiert sind u.a. Gewaltzugeständnisse an staatliche Institutionen und Organe (Justizanstalt, Exekutive, ...) und soziale bzw. sozialwirtschaftliche Einrichtungen (Heime, Psychiatrien, Sonderpädagogische Zentren...). (WIKIPEDIA 2015, Stichwort Gewalt)

Quellen und weiterführende Literatur

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