Persönliche Assistenz für behinderte Frauen in ganz Europa!

AutorIn: Martina Puschke
Themenbereiche: Selbstbestimmt Leben
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: erschienen in: WeiberZEIT, Zeitung des Projektes "Politische Interessenvertretung behinderter Frauen" des Weibernetz e.V. Ausgabe Nr. 07, April 2005, Seite 3. WeiberZeit (07/2005)
Copyright: © Verein Weibernetz e.V. 2005

Persönliche Assistenz für behinderte Frauen in ganz Europa!

Vom 9.-10. April trafen sich ca. 100 Frauen mit unter-schiedlichen Behinderungen aus 16 europäischen Ländern in Paestum, südlich von Neapel in Italien. Eingeladen hatte Disabled Peoples International - DPI Italia, um zum einen die Ergebnisse ihres Europa-Projektes vorzustellen und zum anderen den europäischen Austausch und die Vernetzung zum Thema Assistenz zu fördern.

Abb.1: Einladung von Disabled Peoples International - DPI Italia

Aus Deutschland konnten 9 behinderte Frauen an der Konferenz teilnehmen. Neben Vertreterinnen vom Weibernetz -Projekt fuhren Mitfrauen des Bayerischen, des Nieder-sächsischen und des Dresdner Netzwerks behinderter Frauen sowie eine Mitarbeiterin eines ambulanten Hilfsdienstes nach Italien, zum Teil ermöglicht durch die Finanzierung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Abb.2: Die Vertreterinnen vom Weibernetz

In dem dreijährigen europäischen Projekt zwischen Italien, Deutschland und Frankreich wurde bestätigt, dass persönliche Assistenz der Schlüssel für Unabhängigkeit, gleiche Chancen der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Lebensqualität ist. Gleichwohl ist es von großer Bedeutung, die Beziehung zwischen der behinderten Frau, die Assistenz bekommt und der Person, die Assistenz leistet, positiv zu gestalten, da es ansonsten zu gewaltvollen Situationen kommen kann. Im Rahmen des Projekts wurden Strategien entwickelt, um Gewalt in dieser brisanten Beziehung zu verhindern. Zum einen wurden Schulungen als wichtig erachtet, in denen die behinderten Frauen Grundlagen eines Managements lernen, und üben, ihre Bedürfnisse klar zu äußern. AssistentInnen hingegen müssen durch die behinderte Frau selber geschult und eingewiesen werden. Auch müssen beide Parteien respektvoll miteinander umgehen. AssistentInnen äußerten zudem den Wunsch, dass es Ausbildungen mit anerkannten Abschlüssen geben müsste.

Arbeitsassistenz nach dem SGB IX als Vorzeigeleistung für Europa

Auf großes Interesse stieß das von Martina Puschke vorgestellte Modell der Arbeitsassistenz nach dem SGB IX. Seit Einführung des SGB IX hat sich die Anzahl der NutzerInnen von Arbeitsassistenz bis zum Jahr 2003 verdreifacht. Es ist jedoch auffällig, dass wesentlich weniger Frauen als Männer die Möglichkeit der Arbeitsassistenz nutzen. Erste Teilergebnisse des Forschungsprojekts "Arbeitsassistenz zur Teilhabe" des Landschaftsverbands Rheinland zeigen, dass von 445 schwerbehinderten Menschen, die mit Arbeitsassistenz arbeiten, nur 165 Frauen sind. Die unterschiedliche Nutzung mag daran liegen, dass Frauen seltener erwerbstätig sind. Bulgarien hat derzeit ganz konkrete Umsetzungspläne nach dem Vorbild des deutschen Modells, wobei sie schauen werden, gleich zu Beginn eine gute Lösung für die notwendige Unterstützung von Menschen mit Lernschwierigkeiten zu finden.

Abb.3: Martina Puschke

In Arbeitsgruppen und zwischen den offiziellen Parts fand ein reger Austausch statt. Einigen Teilnehmerinnen war z.B. gar nicht bewusst, dass es mit dem ArbeitgeberInnenmodell, den verschieden organisierten Assistenzdiensten und der Arbeitsassistenz verschiedene Wahlmöglichkeiten der Nutzung von Assistenz gibt, um selbstbestimmt leben zu können - ohne familiäre Abhängigkeiten. Vorausgesetzt natürlich, die Assistenz wird finanziert.

Abb.4: Teilnehmerinnen

Abb.5: Teilnehmerinnen

In einer Abschlussresolution wurde entsprechend u.a. ein Gesetz für alle europäischen Staaten gefordert, welches die Finanzierung der persönlichen Assistenz nach dem Vorbild des schwedischen Modells garantiert.

Martina Puschke

Literatur:

Progretto "I Care"(Hg.): Disabled Women and Personal Assistance. Personal Assistance as an instrument to guarantee equal opportunities and a life of quality (zu beziehen über DPI Italia, Tel.: +39 (0)968 463 - 499, Fax: - 568, e-mail: dpitalia@dpitalia.org)

Leicht Lesen

Diesen Text gibt es auch in leichter Sprache: http://bidok.uibk.ac.at/library/wzl-7-05-puschke-assistenz.html

Quelle:

Martina Puschke: Persönliche Assistenz für behinderte Frauen in ganz Europa!

erschienen in: WeiberZEIT, Zeitung des Projektes "Politische Interessenvertretung behinderter Frauen" des Weibernetz e.V. Ausgabe Nr. 07, April 2005, Seite 3.

http://www.weibernetz.de/weiberzeit.html

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 21.04.2009

zum Textanfang | zum Seitenanfang | zur Navigation