Peking + 10

Gleichberechtigung der Frau - weltweit

AutorIn: Brigitte Faber
Themenbereiche: Recht, Geschlechterdifferenz
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: erschienen in: WeiberZEIT, Zeitung des Projektes "Politische Interessenvertretung behinderter Frauen" des Weibernetz e.V. Ausgabe Nr. 07, April 2005, Seite 1 - 2 WeiberZeit (07/2005)
Copyright: © Verein Weibernetz e.V. 2005

Peking + 10 Gleichberechtigung der Frau - weltweit

Peking plus zehn, so der Titel verschiedener Angebote und Aktionen, die dieses Jahr sowohl in Deutschland als auch weltweit stattfinden. Anlass ist der zehnte Jahrestag der 4. (und bislang letzten) internationalen Frauenkonferenz, die 1995 in Peking stattfand. Mit rund 10.000 Gesandten aus 189 Ländern sowie über 30.000 weiteren Teilnehmerinnen aus Nichtregierungsorganisationen war sie eine der größten internationalen Konferenzen, die überhaupt jemals stattfanden.

Abb.1: Logo

Hauptergebnis der Konferenz war die einstimmige Verabschiedung von "Pekinger Erklärung" (Beijing Declaration) und "Pekinger Aktionsplattform" (Beijing Platform for Action). Die Inhalte von Erklärung und Aktionsplattform werden oftmals als Meilensteine der weltweiten Gleichberechtigungsbestrebungen betitelt. Dennoch sind sie - auch in Frauenkreisen - weitestgehend unbekannt geblieben.

Die Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen

Um den Umsetzungsprozess von Erklärung und Aktionsplattform zu beurteilen und zu begleiten aber auch voranzubringen, tagt einmal im Jahr die Frauenrechtskommission der Vereinten Nationen. Beteiligt sind jeweils die VertreterInnen der Regierungen sowie ausgewählter Nicht-Regierungsorganisationen. Die diesjährige Sitzung fand vom 28.02 - 11.03. im UN-Hauptquartier in New York City statt. Erklärter Auftrag war es, die in Erklärung und Aktionsplattform formulierten Ziele und Aufgaben auf ihre aktuelle Gültigkeit zu überprüfen und gegebenenfalls zu bestätigen. Nachdem die Bestätigung erfolgt war, wurden 10 Resolutionen verabschiedet, die sich mit aktuellen Problemen befassen wie z.B. "Menschenhandel", "Situation von Frauen der Ursprungsbevölkerungen" oder "GenderAspekte in Hilfsmaßnahmen bei Naturkatastrophen".

Aus Anlass des zehnten Jahrestages war diese Sitzung für weitere VertreterInnen aus Nicht-Regierungsorganisationen geöffnet. Diese Chance haben rund 2600 TeilnehmerInnen genutzt, um den Prozess kritisch zu begleiten, aber auch um die Bedeutung von Pekinger Erklärung und Aktionsplattform für die weltweite Gleichberechtigung der Frau zu verdeutlichen. In rund 170 Angeboten fand dabei ein reger Austausch statt.

Themenschwerpunkte lagen auf den Bereichen "Gewalt gegen Frauen und Mädchen", "Frauenhandel im Zusammenhang mit Prostitution", "HIV / Aids", sowie "Zugang zu Bildung" und "zu natürlichen Ressourcen" wie z.B. Wasser.

Abb.2: Flaggen der Vereinten Nationen

Frauen mit Behinderung

Auf der 4. internationalen Frauenkonferenz 1995 ist es erstmals Frauen mit Behinderung gelungen, eine breitere Berücksichtigung ihrer Belange zu erreichen. So werden sie als Zielgruppe sowohl in der Erklärung als auch in 10 der insgesamt 12 "Kritischen Bereiche" der Aktionsplattform ausdrücklich genannt.

An der diesjährigen Sitzung der Frauenrechtskommission konnten dank der Finanzierung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zwei Frauen mit Behinderung aus Deutschland teilnehmen. Dinah Radtke (im Bild li.), Vizepräsidentin von DPI (Disabled Peoples' International) und lang-jährige Aktivistin in der Behindertenbewegung und Brigitte Faber (im Bild re.), Projektkoordinatorin beim Weibernetz sowie Vorstandsfrau im Deutschen Frauenrat, brachten in Workshops und Vernetzungstreffen zu den unterschiedlichsten Themen die Belange von Frauen und Mädchen mit Behinderung ein. Dabei wurde in New York wieder einmal deutlich, wie wichtig es ist, dass Frauen mit Behinderung in allen Bereichen, die Frauen betreffen, dabei sind und für die Berücksichtigung ihrer Belange eintreten. Denn zu vielen Themen lagen weder in den Berichten der einzelnen Regierungen noch in denen der Nicht-Regierungsorganisationen Aussagen darüber vor, in welchem Umfang Frauen und Mädchen mit Behinderung von der jeweiligen Problematik betroffen sind; oder ob durchgeführte Maßnahmen auch von ihnen in vollem Umfang genutzt werden können. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen immer wieder, dass Frauen und Mädchen mit Behinderung mit Schwierigkeiten konfrontiert sind, die bei allgemeinen Programmen für Frauen und Mädchen nicht "automatisch" berücksichtigt werden - was letztendlich nicht selten zu Zugangsbarrieren führt.

Abb.3: Dinah Radtke und Brigitte Faber

Da in der Regel in Statistiken Frauen und Mädchen mit Behinderung nicht ausgewiesen sind, fehlen sowohl bei der grundlegenden Problemerfassung als auch bei der Auswertung von Förder-Programmen Aussagen für diese Zielgruppe. Womit anschliessend die Möglichkeit einer entsprechenden Korrektur bzw. Anpassung der Angebote fehlt. Auf genau dieses Problem wird auch von den Ländern der Vereinten Nationen in ihrem Bericht über die Umsetzung der Aktionsplattform von 2005 hingewiesen.

Abb.4: Zwei Frauen im Rollstuhl

In diesem Zusammenhang wird auch noch einmal die Bedeutung der Nennung von Frauen und Mädchen mit Behinderung in der "UN-Konvention zum Schutz der Menschenrechte behinderter Menschen" deutlich. Auch hier besteht die große Gefahr, dass sie als Gruppe "durch die Maschen fallen", sofern ihre Belange - zum Beispiel in den Bereichen Gewalt aber auch Bildung, Arbeit oder Armut - nicht ausdrücklich benannt werden und die entsprechenden Statistiken nicht nach Geschlecht differenzieren. Für Frauen und Mädchen mit Behinderung würde dies bedeuten, dass ihre Belange weder in den entsprechenden Frauenrechtskonventionen (z.B. Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women, CEDAW) oder den Konventionen für Menschen mit Behinderung ausreichend verankert sind.

Brigitte Faber

Zur UN-Konvention siehe auch WeiberZEIT Nr. 5, S. 3-6

Eine Auflistung der ausdrücklichen Benennung behinderter Frauen in der Aktionsplattform und Texte wie z.B. die Pekinger Erklärung und Aktionsplattform sowie viele nützliche Links gibt es auf unserer Homepage. Für Menschen ohne Internet-Zugang: bitte bei uns im Büro nachfragen.

Leicht Lesen

Diesen Text gibt es auch in leichter Sprache: http://bidok.uibk.ac.at/library/wzl-7-05-faber-gleichberechtigt.html

Quelle:

Brigitte Faber: Peking + 10, Gleichberechtigung der Frau - weltweit

erschienen in: WeiberZEIT, Zeitung des Projektes "Politische Interessenvertretung behinderter Frauen" des Weibernetz e.V. Ausgabe Nr. 07, April 2005, Seite 1 - 2

http://www.weibernetz.de/weiberzeit.html

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Stand: 21.04.2009

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