Was ist für behinderte Frauen bei einem Arztbesuch wichtig?

AutorIn: Ute Strittmater
Schlagwörter: Recht, Gesundheit, Gleichberechtigung, Frauen
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: Erschienen in: WeiberZEIT einfach gesagt, Ausgabe 7/ April 2005, Seite 5 - 6. Übersetzt von Angelika Reitz.
Copyright: © Verein Weibernetz e.V. 2005

Was ist für behinderte Frauen bei einem Arztbesuch wichtig?

In Bayern gibt es ein Netzwerk von und für Frauen und Mädchen mit Behinderungen. Einige Frauen des Netzwerkes haben behinderten Frauen Fragen über ihre Ärzte und Ärztinnen gestellt.

Diese Schwierigkeiten und Probleme haben behinderte Frauen genannt:

Viele nicht behinderte Frauen können sich nicht vorstellen, dass behinderte Frauen die gleichen Wünsche nach Partnerschaft, Sexualität und Kindern haben, wie sie selbst auch. Dies ist ein Grund, warum behinderte Frauen oft keinen Arztbesuch machen.

Ein anderer Grund ist, dass Frauen mit Behinderung gar nicht erst in die Praxis hineinkommen können: Es gibt Stufen vor dem Haus, die Klingel ist nicht für blinde Frauen beschriftet oder gehörlose Frauen können den Summer des Türöffners nicht hören.

Der Untersuchungsstuhl ist hoch und eng. Viele Frauen mit einer Körperbehinderung können ohne Hilfe gar nicht oder nur schwer auf den Stuhl kommen.

Der Frauenarzt oder die Frauenärztin plant für eine Patientin nur wenig Zeit ein. An Frauen, die wegen ihrer Behinderung länger beim Umziehen oder mehr Zeit für Erklärungen brauchen, wird dabei nicht gedacht.

Einige Frauen erzählen auch, dass ihr Arzt oder ihre Ärztin sie nicht gut behandelt haben. Hier 2 Beispiele:

Eine junge Frau war bei ihrer Frauenärztin, weil sie gerne ein Kind wollte. Ihre Ärztin hat ihr gesagt, dass das Kind bestimmt auch behindert sein wird. Das muss aber gar nicht so sein.

Eine andere Frau hat erzählt, dass sie zum Ausziehen viel Zeit benötigt. Sie kann sich nur im Liegen ausziehen und braucht Hilfe von zwei Assistentinnen. Die ganze Zeit waren die Arzthelferinnen und die Frauenärztin dabei. Das machte die Frau ganz nervös und alles dauerte noch länger. Am Ende des Besuches, sagte dann die Frauenärztin, dass diese behinderte Frau nicht mehr zur Vorsorgeuntersuchung kommen soll. Sie soll nur kommen, wenn sie Probleme hat.

Der Arbeitskreis des Netzwerkes behinderter Frauen und Mädchen in Bayern hat sich alle Antworten angeschaut und überlegt, was sich ändern muss.

Das sind die Ergebnisse:

Es soll eine Praxis mit Ärzten und Ärztinnen geben, die sich gut mit den Wünschen und Bedürfnissen von behinderten Frauen auskennen.

In der Ausbildung von Arzthelferinnen, Ärzten und Ärztinnen muss das Thema Mädchen und Frauen mit Behinderung unterrichtet werden.

Es muss Regeln geben, wenn ein Arzt oder eine Ärztin eine neue Praxis aufmachen will. Zum Beispiel, dass alle behinderten Frauen dort gut zurecht kommen.

Die Frauen des Netzwerks haben dann Ärztinnen und Ärzte angesprochen. Und Kliniken. Und andere Leute. Sie alle zusammen machen jetzt ein Projekt. Dort bieten sie Sprechstunden für Frauen und Mädchen mit Behinderung an. Da gibt es keine Treppen. Und Sachen werden einfach erklärt.

Frauen und Mädchen mit Behinderung können die Sprechstunde gut nutzen, weil es keine Barrieren gibt.

Und die Ärztinnen und Ärzte können etwas über die Probleme von Frauen und Mädchen mit Behinderung lernen.

Ute Strittmater

Übersetzung: Angelika Reitz

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Kontakt:

Weibernetz e.V.

Projekt "Politische Interessensvertretung behinderter Frauen"

Kölnische Str. 99, 34119 Kassel

Tel.: 0049 / 561 / 72885 - 85

Fax: 0049 / 561 / 72885 - 53

E-Mail: info@weibernetz.de

www.weibernetz.de

Quelle:

Ute Strittmater: Was ist für behinderte Frauen bei einem Arztbesuch wichtig?

Erschienen in: WeiberZEIT einfach gesagt, Ausgabe 7/ April 2005, Seite 5 - 6. Übersetzt von Angelika Reitz.

© Verein Weibernetz e.V.

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Stand: 07.04.2009

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