Behindertenforschung - Was steckt dahinter?

AutorIn: Brigitte Faber
Schlagwörter: Selbstbestimmung, Menschenbild, Wissenschaft, Gleichstellung, Disability Studies, Frauen
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: Erschienen in: WeiberZEIT einfach gesagt, Ausgabe 1/ Oktober 2003, im Diskussionsteil, Seite 9. Übersetzt von Martina Puschke.
Copyright: © Verein Weibernetz e.V. 2003

Behindertenforschung - Was steckt dahinter?

Diesen Sommer haben sich in Bremen an der Universität viele behinderte Menschen getroffen. Ihr Ziel: Sie wollten voneinander lernen. Es haben viele Seminare stattgefunden. Abends gab es Filme oder Theater oder Feste. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollten auch miteinander reden. Zum Beispiel über das neue Thema Disability Studies. Disability Studies kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt Behinderten-forschung. In Deutschland wird aber nur das englische Wort benutzt. Die Forschungsrichtung ist für Deutschland noch sehr neu. In anderen Ländern wie den USA, England, Kanada, Australien, Irland, Norwegen und Frankreich gibt es die Disability Studies schon seit mehreren Jahren.

Disability Studies haben ein anderes Bild von Behinderung. Demnach ist Behinderung kein persönliches Problem, sondern wird von der Gesellschaft hergestellt. Ein Beispiel: Eine Frau mit Lernschwierigkeiten findet sich im Bahnhof nicht zurecht. Überall gibt es Schilder, die sie nicht lesen kann. Man kann jetzt sagen: "Das ist ihr Problem, wenn sie nicht lesen kann!" Die Disability Studies sagen: Es ist der Fehler des Bahnhofs, wenn sich nicht alle Menschen zurecht finden. Dann müssen im Bahnhof auch Bilder aufgehängt werden. So können auch Menschen, die nicht lesen können, den Weg finden.

Die Disability Studies sind ein Thema für alle. Für Ärzte, für Leute, die Häuser bauen wollen, für Leute, die Geschichte studieren und für Menschen, die sich mit den Rechten und mit Gesetzen beschäftigen.

Behinderte Frauen haben auch Wünsche an die Disability Studies. Sie fordern:

  • Es müssen mehr behinderte Frauen studieren.

  • Behinderte Menschen leben als Frau oder als Mann. Das muss unterschieden werden.

  • Bücher und Ergebnisse von "People First" oder der behinderten Frauenbewegung sollen im Studium genutzt werden.

  • Es soll ein Fach "Frauenforschung und Behinderung" geben.

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Kontakt:

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Fax: 0049 / 561 / 72885 - 53

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Quelle:

Brigitte Faber: Behindertenforschung - Was steckt dahinter?

Erschienen in: WeiberZEIT einfach gesagt, Ausgabe 1/ Oktober 2003, im Diskussionsteil, Seite 9. Übersetzt von Martina Puschke.

© Verein Weibernetz e.V. 2003

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Stand: 24.03.2009

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