Stopp Missbrauch und Gewalt!

Eine Stellungnahme von Wibs

AutorIn: Wibs
Schlagwörter: Beratung, Unterstützung, Heim, Gewalt, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Missbrauch
Textsorte: Artikel
Releaseinfo: Dies ist eine Stellungnahme von Wibs aus dem Jahr 2014.
Copyright: © Wibs 2014

Information zu diesem Text von bidok

Diesen Text haben wir von der Internet-Seite von Wibs.

Wibs schreibt Stellungnahmen zu verschiedenen Themen.

Diese Stellungnahme ist aus dem Jahr 2014.

Das Thema heißt:

Stopp Missbrauch und Gewalt!

Stopp Missbrauch und Gewalt!

Eine Stellungnahme von Wibs

Wibs ist eine Beratungs-Stelle in Tirol.

Wir beraten Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Und das seit 12 Jahren.

Wibs heißt:

Wir informieren, beraten und bestimmen selbst.

Aus unserer Erfahrung wissen wir,

dass Gewalt und Missbrauch ein Thema ist.

Gewalt und Missbrauch kann vieles sein.

Zum Beispiel

Ein Sachwalter,

der seinen Klienten nicht entscheiden lässt.

Oder eine Mutter,

die ihre erwachsene Tochter nicht ausziehen lässt.

Oder Betreuer,

die ihre Klienten nicht zu Terminen bringen.

Oder Einrichtungen,

die ihre Klienten einfach nicht fragen,

was sie wollen.

Und über die Personen entscheiden.

Menschen in Einrichtungen

Viele Menschen mit Lernschwierigkeiten

leben immer noch in Einrichtungen.

Wenn sie in Einrichtungen leben,

dann wissen die Leute oft nicht,

was Missbrauch und Gewalt sind.

Wenn man im Heim ist und Gewalt erfährt,

dann erzählt man es vielleicht den BetreuerInnen.

Die BetreuerInnen gehören zum Heim dazu.

Die BetreuerInnen haben dann vielleicht

ein schlechtes Gewissen.

Deshalb wollen die BetreuerInnen oft,

dass niemand darüber redet.

Die Menschen mit Lernschwierigkeiten

sind abhängig von den BetreuerInnen.

Sie können nicht ungestört reden.

Im Heim ist immer jemand da, der zuhört.

Es ist wichtig, dass die Leute

über Gewalt und Missbrauch informiert werden.

Und auch aufgeklärt werden.

Was das ist, Gewalt und Missbrauch.

Und was das heißt für sie.

Es ist wichtig, dass die

Menschen mit Lernschwierigkeiten

ungestört reden können.

Es ist wichtig,

dass sie unabhängige Unterstützung bekommen.

Menschen im Heim brauchen jemanden,

der regelmäßig mit ihnen einen Austausch macht.

Und nachfragt:

Was läuft gut?

Was läuft nicht so gut?

Die Leute sollen Mut bekommen.

Und bestärkt werden.

Damit sie sich trauen zu sagen,

wenn etwas nicht gut läuft.

Oder wenn etwas passiert ist.

Die Leute mit Lernschwierigkeiten müssen wissen,

wo sie Unterstützung bekommen.

Wenn etwas passiert ist.

Sie müssen ehrlich und offen darüber reden

können mit jemandem von außen.

Sie müssen ernst genommen werden.

Sie sollen keine Angst haben.

Es soll ganz normal sein, dass alle Menschen

über Missbrauch und Gewalt offen reden.

Dann kann man etwas lernen und verändern.

Schulungen und Beratung sind wichtig

Menschen mit Lernschwierigkeiten

sollen Schulungen bekommen.

Sie sollen lernen,

was Missbrauch und Gewalt sind.

Und was sie dagegen tun können.

Sie können sich gegen Gewalt und Missbrauch wehren.

Sie können Unterstützung holen.

Es gibt Beratungs-Stellen in Tirol.

Da können sie sich hinwenden.

Aus unseren Beratungen wissen wir:

Einige Menschen mit Lernschwierigkeiten haben viel Angst.

Sie trauen sich nicht zu einer Beratungs-Stelle.

Sie haben Angst,

was dann ihre Einrichtung sagt.

Oder:

Sie haben Angst, was dann ihre Eltern sagen.

Viele Menschen mit Lernschwierigkeiten sind

abhängig von Einrichtungen oder von ihren Eltern.

Zum Beispiel:

Ein Mann mit Lernschwierigkeiten

hat oft Gewalt miterlebt.

Er ist immer wieder zu Wibs gekommen.

Er hat darüber geredet.

Er hat auch in einer Einrichtung Gewalt erlebt.

In dieser Einrichtung hat er gearbeitet.

Und er hat lange in dieser Einrichtung gewohnt.

Jetzt bekommt er von der Einrichtung immer noch

Unterstützung beim Wohnen.

Wir haben gemeinsam überlegt,

wie wir vorgehen sollen.

Einerseits wollte er sich

bei einer Beratungs-Stelle melden.

Andererseits hatte er davor zu viel Angst.

Dass es die Einrichtung erfährt,

wenn er sich bei der Beratungs-Stelle meldet.

Deswegen meldet er sich nicht.

Er hat Angst davor, wie die Einrichtung reagiert,

wenn er zur Beratungs-Stelle geht.

Zum Beispiel:

Dass es dann einen Streit gibt

mit der Einrichtung.

Davor will er geschützt werden.

Ein zweites Beispiel:

Eine Frau kommt immer wieder zu Wibs.

Die Frau ist schon erwachsen.

Die Frau hat uns erzählt:

Sie will von zu Hause ausziehen.

Sie will eine eigene Wohnung haben.

Aber sie hat einen Sachwalter.

Der Sachwalter ist der Vater.

Wir haben der Frau immer

wieder Mut gemacht.

Dass sie mit dem Vater

über ihren Wunsch redet.

Der Vater will aber nicht, dass die Tochter auszieht.

Er macht sich Sorgen und hat Angst,

was passieren kann.

Er hat dann keine Kontrolle mehr

über die Tochter.

Deswegen lässt er die Frau nicht ausziehen.

Wir haben auch mit dem Vater darüber geredet.

Der Vater sagt:

Sie hat es zu Hause schön.

Sie hat zu Hause alles.

Sie bekommt alles, was sie will.

Sie kann nicht auf sich selber schauen.

Der Vater glaubt, dass sie immer jemanden

rund um die Uhr braucht.

Der Vater traut ihr nicht zu, dass sie auszieht.

Er bestärkt sie nicht.

Er bevormundet sie.

Das macht die Frau unsicher.

Sie weiß nicht, was sie tun soll.

Die Frau bekommt Angst.

Sie fühlt sich hilflos.

Sie hat kein Selbstvertrauen mehr.

Die Frau gibt nach.

Das heißt, dass sie zu Hause bleiben muss.

Und da kann sie nichts Neues ausprobieren.

Die Frau ist machtlos.

Und wir fühlen uns auch machtlos dabei.

Nicht aufgeben und mutig sein!

Menschen mit Lernschwierigkeiten

brauchen Unterstützung.

Missbrauch und Gewalt sind verboten.

Mut haben und Hilfe holen ist wichtig!

Schauen Sie gut darauf,

wie man mit Ihnen umgeht.

Lassen Sie sich nicht entmutigen.

Gemeinsam sind wir stark.

Alle Menschen mit Behinderungen

haben ein Recht sich zu wehren.

Und sie haben das Recht zu sagen,

wenn sie schlecht oder ungerecht behandelt werden.

In Tirol gibt es Stellen, die bei Gewalt und Missbrauch unterstützen können:

Das Tiroler Frauenhaus

Eine Frau mit Behinderung erlebt Gewalt.

Sie bekommt im Tiroler Frauenhaus Unterstützung.

Ein Mädchen oder ein Bub mit Behinderung erlebt Gewalt.

Sie oder er bekommt

im Tiroler Frauenhaus Unterstützung.

Telefon: 0512 / 34 21 12

Fax: 0512 / 34 21 12

E-Mail: office@tirolerfrauenhaus.at

Die Männerberatung

Ein Mann mit Behinderung erlebt Gewalt.

Er bekommt in der Männerberatung Unterstützung.

Ein Mann mit Behinderung ist selbst gewalttätig.

Er bekommt in der Männerberatung Unterstützung.

Auch junge Männer mit Behinderung bekommen in der

Männerberatung Unterstützung.

Die Männerberatung gibt es in Tirol an drei Orten:

Innsbruck

Telefon: 0512 / 57 66 44

Fax: 0512 / 57 66 24

E-Mail: beratung@mannsbilder.at

Landeck

Telefon: 0650 / 79 01 479

E-Mail: beratung.landeck@mannsbilder.at

Wörgl

Telefon: 0650 / 57 66 444

E-Mail: beratung.woergl@mannsbilder.at

Bilder:

© Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V.,

Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013,

valuing People England

und Wibs

Quelle

Wibs: Gewalt und Missbrauch. 2014, Innsbruck

Original: http://www.wibs-tirol.at/userfiles/dateien/Stellungnahme_Missbrauch_2014.pdf

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 10.11.2017

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