Man muss aufpassen, was Politikerinnen und Politiker mit Inklusion meinen

Schlagwörter: Politik, Schule, Recht, Inklusion
Textsorte: Artikel
Releaseinfo: Aus dem Tagungsband in Leichter Sprache zur 25. Jahrestagung der Integrations-/Inklusionsforscher_innen in Bremen 2011. Themenschwerpunkt: „Inklusiv gleich gerecht? Inklusion und Bildungsgerechtigkeit“.
Copyright: Lebenshilfe-Verlag Marburg 2013

Information von bidok

Das ist 1 Text aus dem Buch: Ist Inklusion gerecht?

Weitere Texte aus dem Buch finden Sie hier:

bidok.uibk.ac.at/leichtlesen/bibliothek/zeitschriften.html#sammelband

Das ganze Buch können Sie hier bestellen:

www.lebenshilfe.de/de/buecher-zeitschriften/buecher/dateien/Ist-Inklusion-gerecht.php

Man muss aufpassen, was Politikerinnen und Politiker mit Inklusion meinen

Diesen Text hat Clemens Dannenbeck geschrieben.

In Schwerer Sprache heißt der Text:

Inklusion reflexiv – ein Immunisierungsversuch

gegen politische Umarmungsstrategien.

Beim Text in Leichter Sprache hat Kerstin

Hazibar mitgearbeitet.

Inklusion ist nicht nur eine Aufgabe

für Lehrerinnen und Lehrer.

Auch Politikerinnen und Politiker müssen etwas

für Menschen mit Behinderung tun.

Damit Inklusion gelingen kann.

Sie müssen zum Beispiel Gesetze ändern,

wenn es Menschen mit Behinderung schwer haben.

Oft liegt es an Gesetzen, dass Menschen

mit Behinderung Nachteile haben.

Oder nicht selbst entscheiden dürfen.

Es reicht nicht, wenn das Wort Integration

nur durch das Wort Inklusion ausgetauscht wird.

Das klingt dann vielleicht besser,

aber es ändert sich noch nichts.

Bisher war es für die meisten Kinder

mit Behinderung schwer,

in die Schule zu gehen, in die sie möchten.

Die Kinder mussten dann weit entfernt

in die Schule gehen.

Sie hatten dann keine Zeit mehr für Freunde.

Die Schulen oder Schul-Ämter haben gesagt,

dass es besser für Kinder mit Behinderung ist,

in eine besondere Schule zu gehen.

In der alle anderen auch eine ähnliche

Behinderung haben.

Die Eltern dieser Schülerinnen und Schüler

mussten dann sehr um Integration kämpfen.

Nur wenige Eltern haben das geschafft.

Jetzt gibt es die

UN-Behinderten-Rechts-Konvention,

die in Deutschland gültig ist.

Darin steht, dass Inklusion

ein Menschen-Recht ist.

Und es steht auch drin, dass es keine

Hindernisse mehr geben darf für Menschen

mit Behinderung.

Zum Beispiel sollen jetzt alle

in die Schule gehen können,

in die sie gehen wollen.

Nun muss man schauen, ob das jetzt auch so

sein wird.

Wenn nicht, sollen sich alle wehren.

Dann muss den Politikerinnen und Politikern

immer wieder gesagt werden, dass sie ihre

Haus-Aufgaben noch nicht gemacht haben.

Und dass es immer noch viel zu tun gibt

auf dem Weg zur Inklusion.

Man muss auch aufpassen, dass es nicht nur

Menschen mit ganz bestimmten Behinderungen

besser haben.

Solange nicht alle etwas von der Inklusion

haben, darf man noch nicht zufrieden sein.

Und man muss auch aufpassen,

dass sich nicht nur in der Schule

etwas verändert.

Denn Barrieren gibt es für Menschen

mit Behinderung auch außerhalb der Schule.

Barrieren sind Hindernisse.

Deshalb muss sich auch dort auf dem Weg

zur Inklusion etwas ändern.

Man muss genau zuhören,

was die Politikerinnen und Politiker sagen.

Der Autor sagt:

Man muss ihnen immer wieder

„auf‘s Maul schauen“.

Denn ganz schnell wird gesagt,

dass schon alles gut ist.

Aber das ist leider nicht so.

Nicht nur eine Behinderung kann zu Barrieren

führen.

Auch Menschen, die nicht so viel Geld

oder keine Arbeit haben, können nicht überall

da mitmachen, wo sie es wollen.

Und auch Menschen, die aus einem anderen

Land kommen oder eine andere Religion

haben, bekommen in Deutschland oder auch

in Österreich oft Schwierigkeiten.

Sie dürfen zum Beispiel nicht immer

selbst-bestimmt das tun, was sie gerne tun

möchten.

Oft entscheiden andere Menschen darüber,

was für sie gut ist.

Politikerinnen und Politiker tun das.

Aber auch Sozial-Arbeiterinnen und

Sozial-Arbeiter.

Oder Beamte in einer Behörde.

Das soll nicht mehr so sein.

Auch für diese Menschen ist Inklusion wichtig.

Wir alle müssen miteinander darüber reden,

was wir unter Inklusion verstehen.

Nicht jeder versteht das gleiche darunter.

Das ist vielleicht auch gar nicht so wichtig.

Aber wir müssen versuchen zu verstehen,

was Inklusion für andere Menschen bedeutet.

Damit es keine Miss-Verständnisse gibt.

Und wir müssen aufpassen, dass Politikerinnen

und Politiker nicht vorschreiben, was die

„richtige“ Inklusion ist.

Quelle

Clemens Dannenbeck: Man muss aufpassen, was Politikerinnen und Politiker mit Inklusion meinen. In: Simone Seitz, Nina-Kathrin Finnern, Lisa Pfahl, Katja Scheidt (Hg.): Ist Inklusion gerecht? Inklusions-Forschung in leichter Sprache. Marburg: Lebenshilfe-Verlag, 2013. ISBN 978-3-88617-541-3

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 20.04.2015

zum Textanfang | zum Seitenanfang | zur Navigation