Lebens-Geschichten von behinderten Menschen aus Österreich

AutorIn: Tobias Buchner
Schlagwörter: Erfahrungsbericht, Politik, Schule, Diskriminierung, Arbeit, Beruf
Textsorte: Artikel
Releaseinfo: Aus dem Tagungsband in Leichter Sprache zur 25. Jahrestagung der Integrations-/Inklusionsforscher_innen in Bremen 2011. Themenschwerpunkt: „Inklusiv gleich gerecht? Inklusion und Bildungsgerechtigkeit“.
Copyright: Lebenshilfe-Verlag Marburg 2013

Information von bidok

Das ist 1 Text aus dem Buch: Ist Inklusion gerecht?

Weitere Texte aus dem Buch finden Sie hier:

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Das ganze Buch können Sie hier bestellen:

www.lebenshilfe.de/de/buecher-zeitschriften/buecher/dateien/Ist-Inklusion-gerecht.php

Lebens-Geschichten von behinderten Menschen aus Österreich

Diesen Text hat Tobias Buchner geschrieben.

In Schwerer Sprache heißt der Text:

Von Trajectories, Pathways und Turning Points:

Forschung zu den Auswirkungen makrostruktureller Kräfte auf die Lebensverläufe junger behinderter Personen.

An der Universität Wien findet ein Forschungs-Projekt statt.

Im Rahmen des Projekts erzählen behinderte Menschen

ihre Lebens-Geschichte.

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen

untersuchen die Lebensgeschichten.

Dabei wird darauf geschaut,

was behinderten Menschen in ihrem Leben

am meisten geholfen hat.

Und was sie benachteiligt hat.

Besonders wichtig ist dabei,

ob Gesetze geholfen haben.

Ob die Ideen von Politikern und Politikerinnen

gut umgesetzt wurden.

Und ob die Umsetzung behinderten Menschen

auch wirklich geholfen hat.

Eine der Lebens-Geschichten ist die von Frau Raitelsberger.

Sie wurde vor zwanzig Jahren in Wien geboren.

Frau Raitelsberger hat eine körperliche Beeinträchtigung:die Glas-Knochen-Krankheit.

Das heißt, dass ihre Knochen ganz leicht brechen können.

Von außen sieht man nicht,

dass sie die Glas-Knochen-Krankheit hat.

Sie bewegt sich wie alle anderen Menschen auch.

Frau Raitelsberger hat gute Erinnerungen an den Kindergarten.

Sie spielte gerne mit den anderen Kindern.

Ihre Mutter spielte eine sehr wichtige Rolle.

Die Mutter gab ihre Arbeits-Stelle auf.

Damit sie ihre Tochter besser unterstützen kann.

Frau Raitelsberger meint,

dass die Zeit in der Grund-Schule normal verlief.

Nach der Grund-Schule erlebte sie aber einige Probleme.

Manchmal brach sich Frau Raitelsberger die Knochen.

Dann musste sie im Krankenhaus oder zu Hause bleiben.

Sie bekam dann keine gute Unterstützung

von den Lehrern und Lehrerinnen.

Sie hat viel vom Unterricht versäumt.

Deshalb hat sie beim Lernen

nicht die gleichen Chancen gehabt

wie die anderen Kinder in der Klasse.

Sie ist dann auch zwei Mal sitzen geblieben.

Die anderen Schüler und Schülerinnen haben sie oft gehänselt.

Manche haben sie auch extra gestoßen.

Trotz der Benachteiligungen hat Frau Raitelsberger Abitur gemacht.

Danach hat sie versucht, Arbeit zu finden.

Sie wurde aber oft wegen ihrer Beeinträchtigung abgelehnt.

Deshalb hat Frau Raitelsberger bei einem Vorstellungs-Gespräch

auch nicht gesagt, dass sie die Glas-Knochen-Krankheit hat.

Dann hat sie auch die Stelle bekommen.

Eine Arbeits-Kollegin hat aber erfahren,

dass Frau Raitelsberger eine Beeinträchtigung hat.

Frau Raitelsberger wurde dann sofort gekündigt.

Frau Raitelsberger hat sehr lange Arbeit gesucht.

Von einem Politiker bekam sie dann einen Tipp.

Er sagte ihr, dass in einer Behinderten-Organisation

eine Stelle frei ist.

Frau Raitelsberger bewarb sich und bekam die Arbeit.

Hier musste sie nicht lügen wegen ihrer Beeinträchtigung.

Im Gegenteil:

Ihre Erfahrungen mit Behinderung

wurden als gut für den Job betrachtet.

Zur Lebensgeschichte kann man sagen:

Ohne ihre Mutter hätte es Frau Raitelsberger nicht geschafft,

an einer Regel-Schule zu bleiben.

Die Lehrer und Lehrerinnen haben Frau Raitelsberger

nicht gut unterstützt.

Besonders wenn sie zu Hause oder im Krankenhaus war.

Sie meinten, dass Frau Raitelsberger

an einer Sonder-Schule besser aufgehoben wäre.

Nach der Schule gab es

keine gute Unterstützung bei der Arbeitssuche.

Frau Raitelsberger wurde wegen ihrer Beeinträchtigung

in ihrem Leben oft benachteiligt.

Quelle:

Tobias Buchner: Lebens-Geschichten von behinderten Menschen aus Österreich. In: Simone Seitz, Nina-Kathrin Finnern, Lisa Pfahl, Katja Scheidt (Hg.): Ist Inklusion gerecht? Inklusions-Forschung in leichter Sprache. Marburg: Lebenshilfe-Verlag, 2013.

bidok – Internetvolltextbibliothek. Wiederveröffentlichung im Internet.

Stand: 04.05.2015

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