Stellungnahme zum Thema Unterstützte Elternschaft

Schlagwörter: Eltern, Familie, Gleichstellung, Recht, Inklusion, UN-Konvention
Textsorte: Artikel
Releaseinfo: Dies ist eine Stellungnahme von dem Netzwerk Selbstvertretung Österreich. Die Stellungnahme ist aus dem Jahr 2019.
Copyright: © Netzwerk Selbstvertretung Österreich 2019

Information von bidok

Der Text ist von:

Dem Netzwerk Selbstvertretung Österreich.

Der Text ist aus dem Jahr 2019.

Das Thema heißt:

Stellungnahme zum Thema Unterstützte Elternschaft.

Stellungnahme zum Thema Unterstützte Elternschaft

Inhaltsverzeichnis

Sehr geehrte Damen und Herren.

Mein Name ist Oswald Föllerer.

Ich bin ein Vater mit Lernschwierigkeiten und habe zwei Söhne.

Ich arbeite im Selbstvertretungszentrum Wien.

Ich bin Selbstvertreter für Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Und ich bin Teil von der Kerngruppe Netzwerk Selbstvertretung Österreich.

Das Thema Unterstützte Elternschaft ist dem Netzwerk

Selbstvertretung Österreich sehr wichtig.

Es ist nicht gut, wenn die Kinder- und Jugendhilfe die Kinder

von Eltern mit Lernschwierigkeiten wegnimmt.

Kinder werden bereits im Spital ihren Eltern weggenommen.

Kinder werden aus dem Kindergarten ohne das Wissen der

Eltern weggenommen.

Kinder werden aus der Schule ohne das Wissen der Eltern

weggenommen.

Die Kinder werden ohne Absprache mit den Eltern zu

Pflegeeltern oder in ein betreutes Wohnen gegeben.

Die Kinder wohnen dann oft in einem anderen Bundesland.

Eltern mit Lernschwierigkeiten können ihre Kinder nur schwer

besuchen.

Wenn die Kinder weit weg sind, können sie es sich oft nicht

leisten.

Fahrtkosten werden von der Kinder- und Jugendhilfe nicht

übernommen.

Und wenn sie die lange Fahrt machen, haben sie trotzdem nur

wenig Zeit mit ihren Kindern.

Eltern mit Lernschwierigkeiten werden so von ihren Kindern

ferngehalten.

Die UN-Konvention für Menschen mit Behinderung sagt:

„Kein Mensch darf wegen seiner Behinderung schlechter

behandelt werden. Menschen mit Behinderungen dürfen

wegen ihrer Behinderung nicht schlechter behandelt werden.

Sie dürfen keine Nachteile haben.

Jeder Mensch mit Behinderungen hat vor dem Gesetz die

gleichen Rechte.

Sie dürfen vom Gesetz nicht anders behandelt werden als

Menschen ohne Behinderung.

Jeder Mensch mit Behinderung darf Kinder haben.

Und jeder darf selber entscheiden, wie viele Kinder er haben

möchte.

Und wann er die Kinder bekommt.

Oft wird Menschen mit Behinderungen noch verboten, dass sie

Kinder haben dürfen.

Sie werden sogar unfruchtbar gemacht.

Das bedeutet: Menschen mit Behinderungen werden einfach

operiert, damit sie keine Kinder bekommen können. Das ist

verboten!

Kein Mensch mit Behinderungen darf gegen seinen Willen

unfruchtbar gemacht werden.

Menschen mit Behinderungen können gute Eltern sein.

Dann darf ihnen niemand das Kind wegnehmen.

Manchmal können Eltern aber nicht so gut alleine für ihre

Kinder sorgen. Österreich muss den Eltern mit Behinderung

dann helfen.

Zum Beispiel können die Eltern dann Unterstützer bekommen,

die ihnen mit dem Kind helfen.

Jeder Mensch mit Behinderung hat das Recht auf eine Familie.

Niemand darf ohne wichtigen Grund ein Kind mit

Behinderungen von seiner Familie trennen.

Wenn es geht, darf das Kind in der Familie leben. Den Kindern

muss es in der Familie aber gut gehen.

Österreich muss den Eltern von behinderten Kindern helfen.

Zum Beispiel muss es die Eltern informieren.

Oder die Eltern müssen Unterstützung für das Kind bekommen

können.“

(Auszug aus UN-Konvention, Erklärt in Leichter Sprache, Herausgeber: Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz)

Menschen mit Lernschwierigkeiten haben auch ein Recht

darauf gute Eltern zu sein.

Dafür brauchen Eltern mit Lernschwierigkeiten im Alltag eine

gute Unterstützung.

Damit sie Unterstützung haben, wenn sie mit den Kindern an

eigene Grenzen stoßen.

Wir vom Netzwerk Selbstvertretung Österreich fordern:

Sinnvolle Unterstützung für Eltern mit Lernschwierigkeiten und

ihre Kinder.

Zum Beispiel Wohngemeinschaften für die ganze Familie mit

Begleitung.

So werden Eltern mit Lernschwierigkeiten gefördert und können

in ihre Rolle als Eltern hineinwachsen.

Wenn alles funktioniert kann die Familie in eine eigene

Wohnung wechseln und mit weiterer Unterstützung gut leben.

Damit das klappt fordern wir auch Schulungen für die Eltern, die

Unterstützer_innen und die Mitarbeiter_innen von der Kinderund

Jugendhilfe.

Im Namen vom Netzwerk Selbstvertretung Österreich

Unterschrift Oswald Föllerer

Oswald Föllerer

Unterschrift Monika Rauchberger

Monika Rauchberger, Leiterin vom Netzwerk Selbstvertretung Österreich

Bilder:

(c) Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013

Quelle

Netzwerk Selbstvertretung Österreich: Stellungnahme zum Thema Unterstützte Elternschaft. Innsbruck 2019.

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 02.09.2019

zum Textanfang | zum Seitenanfang | zur Navigation