Wenn es keine Sonderschulen gäbe

AutorIn: Volker Rutte
Themenbereiche: Schule
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: aus: Inclusive Education on the Agenda, Unesco 1998, übersetzt von Volker Rutte, ZIB, Beratungsstelle des LSR Steiermark. Erschienen in: erziehung heute, Sonderheft: Weissbuch Integration, Heft 3, 1998 / betrift:integration, Sondernr. 3a 1998, S. 40. Hrsg: Tiroler Bildungspolitische Arbeitsgemeinschaft, Studien Verlag Innsbruck 1998
Copyright: © erziehung heute 1998

Wenn es keine Sonderschulen gäbe

Es ist interessant darüber zu spekulieren, was wäre, wenn ein Land keine Sonderschulen hätte und alle seine behinderten Schülerinnen gleichmäßig in den Regelschulen verteilen würde.

Eine solche Analyse für Großbritannien stellte 1994 Comic Relief in seinem Bericht "Alltogether Better" (Maso & Rieser) vor.

Es waren 106.000 behinderte SchülerInnen im Alter von vier bis neunzehn Jahren in England und Wales im Jahr 1992. Wenn man sie vollständig integriert hätte, wären im Durchschnitt pro Schule:

  • zwei bis drei SchülerInnen mit leichter Lernbehinderung (53% der behinderten SchülerInnen)

  • eine SchülerIn mit schwerer Lernbehinderung (24% der behinderten SchülerInnen)

  • weniger als eine SchülerIn mit Körper- oder Sinnesbehinderung (16% der behinderten SchülerInnen)

  • ein bis drei SchülerInnen mit Verhaltensstörungen (8% der behinderten SchülerInnen)

Die Daten von Mason & Rieser geben ein theoretisches und utopisches Bild davon, was in England und Wales wäre, gäbe es keine Sonderschulen. Aber sie sind auch eine nützliche Gedankenübung und scheinen die mehr reaktionären Argumente gegen die Entwicklung eines integrativen Schulsystems zu Grabe zu tragen, die üblicherweise lauten, das "würde die Schleusen öffnen" und Chaos im Regelschulwesen verursachen sowie die Leistungen verringern.

Es liegt auf der Hand: Eine Regelschule, die eine derart geringe Zahl von Kindern, wie aus obiger Aufstellung hervorgeht, nicht einschließen kann, müßte als brauchbare Umgebung für jedes Kind in Frage gestellt werden.

Quelle:

Volker Rutte: Wenn es keine Sonderschulen gäbe

aus: Inclusive Education on the Agenda, Unesco 1998, übersetzt von Volker Rutte, ZIB, Beratungsstelle des LSR Steiermark

Erschienen in: erziehung heute, Sonderheft: Weissbuch Integration, Heft 3, 1998 / betrift:integration, Sondernr. 3a 1998, S. 40

Hrsg: Tiroler Bildungspolitische Arbeitsgemeinschaft, Studien Verlag Innsbruck 1998

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 23.11.2005

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