Meine Lebensgeschichte

Schlagwörter: Erfahrungsbericht, Selbstbestimmung, Sprachbehinderung, Arbeit
Textsorte: Artikel
Copyright: © Monika Rauchberger 2006

Meine Lebensgeschichte Monika Rauchberger

Ich wurde 1971 in der Innsbrucker Klinik geboren und war ein gesundes, kräftiges Baby. Doch zu Hause, nach ein paar Wochen, wäre ich fast erstickt. Es war ziemlich knapp. Beim Versuch mich zu retten machten die Ärzte einen Fehler. Sie schnitten meine Luftröhre auf, damit ich atmen konnte. Das rettete mein Leben, aber meine Stimmbänder wurden dabei verletzt. Ich kann deshalb nicht so deutlich sprechen wie andere Menschen.

Außerdem kann ich meine Muskeln nicht so gut steuern. Als meine Eltern das erfuhren, holten sie mich nicht mehr aus der Klinik und hauten einfach ab. Deshalb kam ich schon als Baby in ein Kinderheim.

Mit drei Jahren zog ich ins Elisabethinum nach Axams, das ist eine Einrichtung für körper- und mehrfachbehinderte Kinder. Dort ging ich in den Kindergarten und auch in die Sonderschule. In den Ferien war ich immer wieder bei verschiedenen Pflegefamilien oder im Elisabethinum.

Mit neun Jahren lernte ich ein paar Schritte zu gehen. Heute benütze ich einen Rollstuhl. Wenn ich mich daran festhalte, bin ich schnell unterwegs. Ich lernte zuerst schreiben und dann erst reden. Bis ich schreiben konnte, sprach ich mit Händen und Füßen.

Irgendwie gelang es mir immer auszudrücken, was ich wollte. Teilsweise glaubten die Leute, ich würde gar nichts verstehen. Doch ich verstand alles. Als ich mit dreizehn Jahren langsam zu sprechen lernte, war ich sehr froh. In die Sprachtherapie gehe ich immer noch.

Mit 18 Jahren schulte ich aus und zog nach Innsbruck in das Zentrum St. Franziskus.

Das ist ein Wohnheim für körperbehinderte Erwachsene. Dort lernte ich, für mich zu sorgen, z.B. selbständig zu kochen und zu essen oder mich zu waschen. Heute wohne ich in einer Wohngemeinschaft und benötige nur mehr stundenweise Unterstützung. Bald will ich mit meinem Freund in eine eigene Wohnung ziehen.

Mit 18 Jahren begann ich auch, in einer Reha Werkstätte zu arbeiten. Dort war ich mit verschiedenen Tätigkeiten beschäftigt, z. B. musste ich Holzstücke schleifen oder Seidenpapier zerreißen. Mit der Zeit wurde mir bewusst, dass die Werkstätte auf Dauer nichts für mich ist. Ich entschloss mich, eine andere Arbeit zu suchen. Seit 4.11.2002 arbeite ich bei Wibs, das ist ein People First Projekt. Hier verdiene ich richtiges Geld, bin pensions- und sozialversichert. Ich bin für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, halte mit dem Sprachcomputer Vorträge und Kurse. Meine Arbeit ist für viele Menschen mit Lernschwierigkeiten wichtig.

Es geht mir jetzt gut, viel besser als am Anfang, als ich noch ein Kind war. Ich bin stolz, wie ich meinen Lebensweg gemeistert habe.

Quelle:

Monika Rauchberger: Meine Lebensgeschichte

© Monika Rauchberger 2006

bidok - Internetvolltextbibliothek. Wiederveröffentlichung im Internet.

Stand: 24.03.2009

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