Leibsprechen und Wahrsagen

AutorIn: Michaela Ralser
Textsorte: Artikel
Releaseinfo: erschienen in: E. Dietrich Daum, H.J.W. Kuprian, S. Clementi, M. Heidegger, M. Ralser (Hg.): Psychiatrische Landschaften. Die Psychiatrie und ihre Patientinnen und Patienten im historischen Raum Tirol seit 1830. innsbruck university press 2011,S. 89-97.
Copyright: © Michaela Ralser 2011

Abbildungsverzeichnis

    Das Kürzel „Hy“ und die weibliche Stimme der Kranken um 1900

    All die plastischen Symptome, die wir heute als besondere Leiden der Seele, die den Körper zum Austragungsort nehmen, den psychosomatischen Krankheitspanoramen oder den somatischen Neurosen zuordnen würden, hatten in den Anfangsjahren der Innsbrucker Klinik für Neurologie und Psychiatrie nur einen Namen: Hysterie. Die Diagnose „Hysterie“ war – bezogen auf die Innsbrucker Klinik der Gründerjahre (1891–1918) – die weitaus häufigste Bezeichnung, welche die ‚Nervenkrankheit’ der Frau bezeugen sollte, derart, dass sie als einzige von allen Diagnosen ein Kürzel erhielt: die Silbe „Hy“.

    Abbildung 1. Abb. 29: Montage von Deckblättern von Krankenakten (1890er Jahre)

    Montage von verschiedenen Deckblättern von Krankenakten aus den
1890er Jahren.

    Über 40 Prozent der in den Anfangsjahren in die Innsbrucker Neurologisch-Psychiatrische Klinik eingewiesenen Frauen wurde mit der Diagnose „Hysterie“ oder mit einer ihrer Unterformen und Gliederungen versehen.[1] Das Kürzel „Hy“ am Aktendeckel wurde bald für so verschiedene Leiden verwendet, dass allein das weibliche Geschlecht der eingewiesenen Frauen die Sammelbezeichnung zu rechtfertigen schien. „Hysterie“ war der Name etwa für die 18-jährige „Arbeiterin“ aus Asolo, der bei der Arbeit in der Fabrik immer wieder die „Beine versagten“, ohne dass dies zu erklären gewesen wäre (Th. P. 12/1894)[2] ebenso wie für die 56-jährige „Tagelöhnerin“, die an „Verstimmtheit und Angstzuständen litt“ (A. L. 7/1893); oder auch für die 20-jährige Kreszenz R. aus Aschau bei Schwaz, bei der nach einem sexuellen Übergriff eine plötzliche „Aphonie“ (Taubheit) eintrat, nachdem „Krämpfe schon seit früher Jugend bestanden“ haben sollen (K. R. 6/1892). „Hysterie“ auch der Diagnose-Name für die 16-jährige „Bauernmagd“ Waltraud O., die über „ein Jahr an Anfällen mit völliger Bewusstlosigkeit gelitten hat, die zuletzt und über Wochen täglich auftraten“ (W. O. 1/1893) und für die „Näherin“ aus Reutte: ihr ging die Stimme nach längerer unerklärlicher Heiserkeit über Monate ganz verloren, wie auch der 40-jährigen „gewesenen Lehrerin“ aus Mieming in Tirol, bei der noch „Urinverhalten“ und eine „halbseitige Lähmung“ hinzukamen, wofür ein somatischer Grund nicht auffindbar war (M. M. 12/1891); ebenso wenig wie für das „Magenleiden“ der jungen Klosterfrau, der vor „allerlei Nahrung ekelte“ und die zuletzt nur noch ein „paar Löffel Kaffee“ zu sich nehmen konnte (M. K. 4/1895:). „Hysterie“ war auch die Diagnose für eine der wenigen überlieferten Erste-Klasse-Patientinnen, Laura T., eine „Morphinistin“, wie es hieß, aus Pergine im heutigen Trentino, die an Entzugserscheinungen litt (L. T. 7/1905).

    Darüber, was die Frauen zu diesen Körperreaktionen veranlasste, erfahren wir aus den Krankenakten der Klinik nichts. Der Plot der Krankengeschichte ist dürftig, die Erzählung karg. Was die Patientinnen dachten, was sie empfanden und sie bewegte, darüber wird nicht berichtet oder nur in knapper Parenthese. Traumatische Lebensereignisse, die eine Begründung für ihre Leiden hätten liefern können, wurden ebenso wenig berücksichtigt wie die anamnestisch erhobenen Lebensdaten der Patientinnen als Erkenntnisspur genutzt worden wären. Dafür, dass der Körper der Frauen hier nicht nur als Träger eines Nervenleidens, sondern selbst als Erzähler einer Geschichte auftritt und dass er in seiner Leibsprache die Lücke, die das sprechende Bewusstsein hinterlässt, auffüllt und ‚wahr‘ spricht, was unsagbar ist, hatte die Jahrhundertwendepsychiatrie keine Anschauung. Und dies nicht etwa, weil die Erkenntnis um 1900 nicht vorhanden gewesen wäre – Pierre Janets (1889) und Sigmund Freuds (1895) Arbeiten zur traumatischen Neurose und zur Hysterie lagen bereits vor –, sondern weil die Innsbrucker Neurologisch-Psychiatrische Klinik wie die meisten anderen Universitätskliniken der Zeit der biologischen Richtung der Psychiatrie verpflichtet war. Alle Seelenleiden galten als Krankheiten des Gehirns und des Nervensystems, alle erfolgversprechenden akademischen Unternehmungen galten der Neuropathologie und Nervenanatomie. Schließlich waren sowohl der erste Innsbrucker Klinikleiter Gabriel Anton (1858–1933), als auch der zweite und langjährige Vorstand der Abteilung, Carl Mayer (1862–1936), Schüler des Wiener Hirnanatomen Theodor Meynert (1833–1892), und beide privilegierten die vererbungs- und evolutionstheoretisch inspirierte klinische Richtung, die der Psychiatrie den Anschluss an die pathologische Anatomie verschaffen und sie als exakte, empirisch orientierte und experimentell operierende Wissenschaft ausweisen sollte. Am deutlichsten kommt diese Orientierung in der Innsbrucker klinischen Praxis wohl darin zum Ausdruck, dass an den Patienten und Patientinnen der Jahrhundertwende eine vergleichsweise große Anzahl an neuro-diagnostischen Untersuchungen vorgenommen wurde. Mit allerlei Hilfsmitteln und elektrischem Gerät wurden die Funktionen der Hirnnerven untersucht, die Reflexe getestet, die Motorik geprüft und die Sensibilität auf Reize erfasst. Durchwegs nimmt die Schilderung des „status somaticus“ gegenüber allen anderen Krankenakteneinträgen, auch gegenüber dem „status psychologicus“ (meist entfällt dieser ganz) den breitesten Raum ein. Elektrischer Strom in all seinen schwachen Formen bildete – auch und gerade bei Hysteriepatientinnen – nicht nur den Schlüssel der Diagnoseverfahren, sondern bald auch der Behandlungsmethoden. Der Erfolg der elektrotherapeutischen Faradisationen und Bäder bleibt fraglich. Die Akten geben dazu unterschiedlichste Auskunft.

    Abbildung 2. Abb. 30: Gehirnpräparate im Labor der Neurologischen Klinik Innsbruck der Gründerjahre

    Foto von Gehirnpräparaten im Labor der Neurologischen Klinik
Innsbruck.

    Eines aber änderte sich: Konkurrierte in den allerersten Jahren nach Klinikgründung (1891) noch die ältere Auffassung der Hysterie als Funktionsstörung des weiblichen Sexualapparats (den meisten Hysterie-Patientinnen wurde während ihres Psychiatrieaufenthalts eine gynäkologische Untersuchung verordnet) mit der neueren Auffassung der Hysterie als Funktionsstörung der Nerven, so verschaffte sich um 1900 die Sprache der Nerven eindeutig soziale Geltung, wie zu zeigen sein wird: bei den Behandelnden ebenso wie bei den Kranken, bis etwa ab den 1910er Jahren die „Hysterie“ dann nur noch als Ergebnis einer nervösen Disposition und als Ausdruck einer allgemeineren Degeneration des Nervensystems erscheint. Dann wird sie zu einer generalisierten Diagnose der unteren Klassen. Zum ersten Mal in der Geschichte geht das Krankheitsbild darin signifikant über das weibliche Geschlecht hinaus. Auch einige Männer der Unterklasse wurden mit der Diagnose Hysterie versehen wie später die einfachen Soldaten, die als sogenannte „Kriegszitterter“ anzeigten, dass die Front des Ersten Weltkriegs nicht zu ertragen war.

    Je deutlicher sich die Innsbrucker Klinik der modernen Psychopathologie der Nervenkrankheit anschließt, umso deutlicher verändern sich nicht nur die klinische Sprache der Ärzte, ihre Untersuchungsverfahren und Diagnosemittel, sondern es verändern sich auch die Sprachformen der Patientinnen und ihre Symptome. Beschrieben die Frauen mit der Diagnose Hysterie am Anfang der Klinik vor allem den Schmerz als herausragendes Symptom, so werden sie – sich den Zeiten anpassend – wenig später vor allem die (Nerven)Schwäche betonen. Und waren ihre Anfangsdeutungen noch der „Magie des Körpers“ (Duden 1987) verpflichtet und sie selbst dem „gefühlten Körper“ (Schmitz 1965) und einer „leibhaft vorgestellten Seele“ (Böhme 2003) verbunden, werden sie dies in den Jahren nach 1900 in den meisten Fällen bleiben lassen und den Kopf und das Gehirn, die Nerven und die Erregung für ihren Zustand verantwortlich machen. Erstreckte sich der ‚psychosomatische’ Schmerz – das häufigste Krankheitszeichen der frühen „Hysterie“ an der Innsbrucker Klinik – in den 1890er Jahren noch auf den ganzen Körper und konnte er im Verdauungstrakt, im Kreuz, in den Beinen und Armen seinen Sitz haben und diese ohne organischen Befund funktionsunfähig machen, so verlagerte er sich mit den Jahren immer mehr in den Kopf: von der „Schwere des Kopfes“ war dann die Rede, von seinem „dumpfen oder stechenden Schmerz“ und von veränderten Sinneswahrnehmungen, den vorübergehend tauben oder sausenden Ohren, dem plötzlichen Verlust der Sehkraft und der Stimme, dem großen und kleinen Schwindel etc. Entsprechend wurden bald auch die Gefühlslagen der Innsbrucker Patientinnen von diesen mit der Metapher der Nerven belegt: so sagt eine von ihnen, ihr kämen „die Nerven ganz durcheinander“, einer anderen „traten sie aus dem Kopf“, in dem „ein Gesause war, wie wenn Maschinen darin wären“, eine dritte meinte, „in den Nerven sei es ihr ganz furchtbar gewesen“, sie hätte darüber „alle (Nerven) verloren“; und eine vierte, die Nerven seien „ganz ohne Spannkraft und sie selbst deshalb kaum noch am Leben“. Viele beschrieben ab nun das Ereignis, dem sie für ihre Erkrankung Bedeutung zumaßen, als „Nervenschlag“, und nicht wenige erbaten eine – zur damaligen Zeit heftig in öffentlicher Debatte stehende – Hypnosebehandlung mit den Worten, man möge ihnen doch einen „Nervenschlaf“ verabreichen. Hier wird deutlich, dass sich die Frauen die dargebotenen Begriffe und Konzepte aneigneten und sie adaptierten; umgekehrt aber auch, dass sie ihre Erfahrung in die Sprache und damit auch in die Erfahrungswelt der psychiatrischen Klinik transferierten und den Körper – dem Wissensstand der Zeit entsprechend – als elektrische Maschine zu fassen begannen, als dessen funktionale Teile die moderne Klinik die Nerven- und Nervenzellen bestimmt, als deren organisierendes Haupt sie das Gehirn angenommen, als Verbindungsmedien in den Nerven sie die Elektrizität festgestellt und schließlich als Bewegungsmotor sie das Schema von Reiz und Reaktion (Hagner 1997) angegeben hatte.

    Abbildung 3. Abb. 31: Hörsaal mit Vorführbett in der Psychiatrischen Klinik Innsbruck (ohne Datum)

    Foto eines Hörsaales mit Vorführbett in der Psychiatrischen Klinik
Innsbruck.

    Abbildung 4. Abb. 32: Bett mit medizinischem Gerät zur Elektrodiagnostik und -therapie, Neurologische Klinik Innsbruck (ohne Datum)

    Foto eines Bettes mit medizinischen Geräten.

    Dem Wandel des Krankheitsbildes der Hysterie zur Nervenkrankheit mag strategische Bedeutung und besondere Beweiskraft zukommen. Allerdings verweist der am Beispiel der „Hysterie“ gezeigte Prozess auf einen allgemeineren Vorgang: jedes Krankheitsbild ist auf allen Ebenen, die es bilden, wandlungsfähig, seine breite Durchsetzung in der jeweils aktuellsten Fassung ist ein Prozess. Dieser Prozess verdankt sich unter anderem auch der öffentlichen Klinik, die erstmals massenhaft Interaktionen zwischen bürgerlichen Ärzten und ihrem nicht bürgerlichen Klientel erzeugte. Wie alle öffentlichen Krankenhäuser war auch die Innsbrucker Neurologisch-Psychiatrische Klinik um 1900 durch eine soziale Außen- und Binnendifferenzierung (Labisch / Spree 1996) gekennzeichnet. Wer konnte, wie etwa Angehörige der bürgerlichen Mittel- und Oberschicht, zog der öffentlichen Krankenanstalt das Privatkrankenhaus und -sanatorium vor oder beanspruchte in der Klinik das für Erste- Klasse-PatientInnen bereit stehende Einzelzimmer. Dass die soziale Schichtung an der Innsbrucker Psychiatrie nicht umstandslos zum Tragen kommt – immer wieder wurden auch MittelschichtspatientInnen aufgenommen, oft unfreiwillig – ändert nichts an der Tatsache, dass die meisten PatientInnen kleine Handwerker, Kleinstbauern und -bäuerinnen, TagelöhnerInnen und DienstbotInnen waren. Das galt ausnahmslos auch für die mit der Diagnose „Hysterie“ versehenen Frauen.

    Zwei Dinge erweisen sich in diesem Zusammenhang als besonders interessant: Am Beispiel der Innsbrucker Klinik lassen sich die Ergebnisse neuerer empirischer Arbeiten zur Hysteriegeschichte bestätigen[3] und ältere kulturgeschichtliche revidieren.[4] Dass hysterische Phänomene nur bei bürgerlichen Frauen vorkämen, ist der privilegierten Repräsentation ihrer Geschichte(n) mehr geschuldet als der historischen Realität. Auch wissen wir über die Interaktion zwischen Hysteriepatientinnen und ihren Behandlern meist nur aus den in publizierter Form überlieferten Fallgeschichten bedeutender (bürgerlicher) Patientinnen und namhafter Ärzte, die meist ausschließlich oder zusätzlich zu ihrer Arbeit in der öffentlichen Klinik eine Privatpraxis oder ein -sanatorium betrieben. Dass sich dieser ungleiche Dialog auch zwischen ärztlichem Mainsteam und nicht-bürgerlichen Patientinnen ereignete, beweisen die Innsbrucker Quellen und wurde oben am Beispiel der Hysteriepatientinnen der Innsbrucker Klinik darzustellen versucht. Und dieser Dialog ist kein Privileg der sozial Gleichen. Nicht nur, dass der psychiatrische Diskurs um 1900 weit über die Anstalt und die Klinik hinaus wirksam wurde und breite Bevölkerungsgruppen ergriffen hat, es vollzog sich mit dem Eintritt der Psychiatrie in den Kanon der Medizin ein noch entscheidender Prozess: Das Krankenhaus mit seiner sozialen Außendifferenzierung wird zur medikalen Sozialisationsinstanz der unteren Klassen, mit weitreichenden Folgen und zumindest einer Wirkung um 1900, die hier noch benannt werden soll: Krankheitsbilder wie etwa die ursprünglich (bildungs-)bürgerliche männliche „Neurasthenie“, die einzelne hysterische Krankheitszeichen auf sich vereinen und einem Geschlechterwandel unterziehen wird, wurde in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als klinische Beschreibungsform für die verschiedensten „nervösen“ Leiden auf die gesamte Population ausgedehnt. Allerdings geschah dies um den Preis einer artungs- und degenerationstheoretischen Verengung der derart generalisierten Diagnose. „Hysterie“ und „Neurasthenie“ werden in ihrer neuen Fassung und Mischform aus „hysterischer“ und „neuropathischer Persönlichkeit(sstörung)“ zu sozialen Pathologien. Galt die „Hysterie“ und „Neurasthenie“ im ausgehenden 19. Jahrhundert noch als Deutungsressource für die Konflikte einer bürgerlichen Klasse, geraten beide an der Wende zum 20. Jahrhundert und darüber hinaus immer deutlicher zu Beschreibungsformen sozialer Abweichung: gleichsam zu Negativfolien bürgerlicher Existenz.[5]

    Quelle

    Michaela Ralser: erschienen in: E. Dietrich Daum, H.J.W. Kuprian, S. Clementi, M. Heidegger, M. Ralser (Hg.): Psychiatrische Landschaften. Die Psychiatrie und ihre Patientinnen und Patienten im historischen Raum Tirol seit 1830. innsbruck university press 2011,S. 89-97.

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    Stand: 13.02.2015



    [1] Die Diagnose „Hysterie“ wurde an der Innsbrucker Psychiatrie über die gesamte Spanne des Untersuchungszeitraums (1891–1918) gestellt: Anfangs etwas häufiger als zuletzt. Etwa ab 1905 kam sie auch bei Männern zur Anwendung, wenn auch sehr selten. In den Schlussjahren wurde sie immer häufiger auch bei weiblichen Kindern und Jugendlichen eingesetzt: in einer Mischform aus „hysterischer“ und „psychopathischer Persönlichkeit(sstörung)“. Keine andere Diagnose erreichte auch nur annähernd dieselbe Häufigkeitsverteilung. Das mag u.a. auch mit der Aufnahmepolitik einer Universitätsklinik zusammenhängen. Eine entsprechende Recherche etwa an der Psychiatrischen Anstalt in Hall i. Tirol der Jahrhundertwende zeigt: Die Diagnose Hysterie kommt zwar auch in der Anstalt nicht selten vor, zum weiblichen Hauptklientel der Anstalt aber zählt die Hysterikerin im Unterschied zur Klinik nicht.

    [2] Alle Kursiv-Zitate im vorliegenden Artikel entstammen den Krankenakten der Innsbrucker Neurologisch-Psychiatrischen Universitätsklinik der Gründerjahre. Sie lagern seit einiger Zeit – nach Geschlecht und Einweisungsjahr geordnet – im Tiroler Landesarchiv. Die Namen im Fließtext sind, um die Anonymität der Betroffenen zu garantieren, verändert. Zur Auffindbarkeit der Akten dienen die Nachweise in Klammern: sie geben die korrekten Initialen der Vor- und Nachnamen der Patienten und Patientinnen an, sowie Monat und Jahr der Einweisung.

    [3] Miscale, Mark S., Approaching Hysteria. Disease and its Interpretations, Princeton 1995; Lerner, Paul, Hysterical Men. War, Psychiatry and the Politics of Trauma in Germany 1890–1930, London 2003; Nolte, Karen, Gelebte Hysterie. Erfahrung, Eigensinn und psychiatrische Diskurse im Anstaltsalltag um 1900, Frankfurt am Main 2002; Ralser, Michaela, Leibsprechen und Wahrsagen, in: Ralser, Michaela, Das Subjekt der Normalität. Das Wissensarchiv der Psychiatrie. Kulturen der Krankheit, München 2010.

    [4] Fischer-Homberger, Esther, Krankheit Frau. Zur Geschichte der Einbildung, Darmstadt 1984; Von Braun, Christina, Nicht Ich. Logik – Lüge – Libido, Frankfurt am Main 1985; Von Braun, Christina, Frauenkrankheit im Spiegelbild der Geschichte, in: Akashe-Böhme, Farideh (Hg.), Von der Auffälligkeit des Leibes, Frankfurt am Main 1995; Von Braun, Christina, Männliche Hysterie – weibliche Askese, in: Von Braun, Christina, Die schamlose Schönheit des Vergangenen, Frankfurt am Main 1989, S. 51-81; Didi-Hubermann, Georges, Erfindung der Hysterie, München 1997 [1982]; Bronfen, Elisabeth, Das verknotete Subjekt. Hysterie in der Moderne, Berlin 1998; Siedler, Günther (Hg.), Hysterie heute. Metamorphosen eines Paradiesvogels, Gießen 2001; Lamott, Franziska, Die vermessene Frau. Hysterien um 1900, München 2001; Ralser, Michaela, Die Seele ist (k)ein weites Land. Zaunreiterinnen in den Gärten der Vernunft, in: Pöder, Elfriede u.a. (Hg.), Das Geschlecht, das sich (un)eins ist, Innsbruck 1999, S. 88-109; Schaps, Regine, Hysterie und Weiblichkeit. Wissenschaftsmythen über die Frau, Frankfurt am Main 1982; Israel, Lucien, Die unerhörte Botschaft der Hysterie, München-Basel 1993 [1976]; Showalter, Elaine, The Female Malady. Women, Madness and English Culture 1830–1980, New York 1985; Showalter, Elaine, Hystorien. Hysterische Epidemien im Zeitalter der Medien, Berlin 1997; Schlichter, Annette, Die Figur der verrückten Frau. Weiblicher Wahnsinn als Kategorie feministischer Repräsentationskritik, Tübingen 2000.

    [5] Vgl. dazu im Detail: Ralser, Michaela, Das Subjekt der Normalität: Wissensarchiv der Psychiatrie. Kulturen der Krankheit um 1900, München 2010, S. 221-310.

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