Datenbericht „Jobcoaching“

Zur Studie „Lebensverläufe von Schulabgängern von Sonderschulen für Lernbehinderte (NRW)“

AutorIn: Lisa Pfahl
Themenbereiche: Schule, Arbeitswelt
Textsorte: Bericht
Releaseinfo: Working Paper 1/2003; Selbständige Nachwuchsgruppe „Ausbildungslosigkeit: Bedingungen und Folgen mangelnder Berufsausbildung”, Independent Research Group “Lack of Training: Employment and Life Chances of the Less Educated”; Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Copyright: © Lisa Pfahl 2003

Abbildungsverzeichnis

    1. Einleitung: Die Projekte zum „Jobcoaching

    Die Nachwuchsgruppe „Ausbildungslosigkeit: Bedingungen und Folgen mangelnder Berufsausbildung“ des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung (Berlin) führte von April bis September 2001 unter Leitung von Dr. H. Solga (unter Mitarbeit von J. Powell und S. Wagner) in Kooperation mit Prof. Dr. F. Masendorf der Heilpädagogischen Fakultät der Universität Köln eine Befragung von Sonderschülern und Sonderschulabgängern durch. Befragt wurden die jugendlichen Teilnehmer zweier Projekte zum „Jobcoaching“ der Universität Köln in standardisierten Interviews zu ihrer Person, sozialen Herkunft, Schullaufbahn, Zukunftsvorstellungen und beruflichen Perspektiven. Gleichfalls wurden die Studierenden, die als Jobcoaches die Jugendlichen betreuten, mit standardisierten Fragebögen zu ihrer Person und zur Arbeit mit den von ihnen betreuten Jugendlichen interviewt.

    Die Forschungs- und Modellprojekte zum „Jobcoaching“ von benachteiligten Jugendlichen wurden Anfang 2000 an der Universität zu Köln eingerichtet. Sie verfolgten zwei Ziele: a) die individuelle Förderung und Begleitung von Jugendlichen von Lernbehindertenschulen beim Übergang von der Schule in den Beruf durch studentische Mitarbeiter, mehrheitlich Studierende des Fachbereiches Heilpädagogik, um eine Vermittlung der Jugendlichen in den ersten Arbeitsmarkt bzw. in eine Berufsausbildung zu bewerkstelligen. Dies erfolgte über eine Begleitung der Jugendlichen in Beruf, Familie und Freizeit, das Vermitteln in ein Praktikums- oder Ausbildungsverhältnis, das Training der sozialen Kompetenzen und des induktiven Denkens der Jugendlichen. Zweites Ziel b) war die Ausbildung von Studierenden zu Jobcoaches sowie die Evaluation des Modellprojektes. Dazu gehörte, die Studierenden in der Anwendung diagnostischer und pädagogischer Methoden zu schulen und ihre praxisrelevanten Kompetenzen zu erweitern. Die diagnostischen Methoden und pädagogischen Interventionen wurden durch die Projektleitung wissenschaftlich evaluiert.

    Durchgeführt wurden die Projekte zum „Jobcoaching“ an der heilpädagogischen Fakultät der Universität Köln im Raum Köln und Dortmund. Das Dortmunder Projekt wurde durch Drittmittel der Alfred Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung finanziert. Das Kölner Projekt wurde vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf finanziert. Die unterschiedliche Finanzierung hatte Auswirkungen auf die Zielgruppen der Projekte. Aus formal-rechtlichen Gründen durften in Köln nur Jugendliche gecoacht werden, die die Sonderschule für Lernbehinderte bereits verlassen hatten, während im Dortmunder Projekt Schüler und Schülerinnen gecoacht wurden, die die Sonderschule für Lernbehinderte noch besuchten. Beide Projekte starteten im Frühjahr 2000, allerdings mit unterschiedlichen Laufzeiten. Das Dortmunder Projekt war auf 3 Jahre angelegt und endete im Dezember 2002. Es beschäftigte über 45 studentische Mitarbeiter, die jeweils 2 Jugendliche coachten. Bis September 2001 wurden in Dortmund und Umgebung insgesamt 94 Projektteilnehmer betreut. Das Kölner Projekt lief über 2 Jahre und endete im Dezember 2001. Es beschäftigte 20 Studenten, die jeweils 3 Jugendliche coachten. Das Projekt betreute bis September 2001 insgesamt 59 Jugendliche.

    Tabelle 1: Überblick zu den einzelnen Projekten

    Kölner Projekt

    Dortmunder Projekt

    Laufzeit

    1/2000 - 12/2001

    1/2000 - 12/2002

    Anzahl der Teilnehmer

    59 Schulabgänger/innen von Lernbehindertenschulen

    94 Sonderschüler/innen im letzten Schuljahr von Lernbehindertenschulen

    Anzahl der Coaches

    20 Student/innen der Fachbereiche Psychologie, Sonder- und Lernbehindertenpädagogik

    Ca. 45 Student/innen des Fachbereichs Sonder- und Lernbehindertenpädagogik

    Betreuungs-Schlüssel

    1 Student/in betreute 3 Jugendliche, die Arbeitszeit betrug 40 Stunden monatlich

    1 Student/in betreute 2 Jugendliche, die Arbeitszeit betrug 40 Stunden monatlich

    Finanzierung

    Arbeitsministerium des Landes NRW

    Stiftung Krupp von Bohlen und Halbach

    Projektleiter

    Prof. Dr. F. Masendorf

    Dr. Matthias Grünke

    Dipl. Psych. Armin Castello

    Prof. Dr. F. Masendorf

    Dr. Matthias Grünke

    Dipl. Psych. Steffen Tullip

    Teamleiterinnen

    Dipl. Julia Josten

    Dipl. Kristina Krauer

    Dipl. Monika Beck

    Im Rahmen der „Jobcoaching“-Projekte erhielt jeder Sonderschüler bzw. Sonderschulabgänger einen persönlichen Coach zugewiesen. Die Jobcoaches wurden für die Dauer von 2 bzw. 3 Jahren als studentische Mitarbeiter (à 40 Stunden monatlich) eingestellt und in Blockseminaren für das „Jobcoaching“ geschult. Die Blockseminare umfassten die Bereiche Beratung/Consulting, soziales Kompetenztraining, induktives Denktraining, räumlich-technisches Denken, Mathematik und Deutsch.

    Die wesentliche Aufgabe der Jobcoaches bestand darin, durch kontinuierliche und individuelle Begleitung ein tragfähiges Vertrauensverhältnis zu ihren Jugendlichen aufzubauen, um den beruflichen Eingliederungsprozess lenken und den Jugendlichen emotional unterstützen zu können. Dies beinhaltete beispielsweise, mit den Jugendlichen ermutigende Gespräche zu führen, sie zu Ämtern und Behörden zu begleiten, sie bei der konkreten Arbeits- oder Ausbildungsplatzsuche zu unterstützen, bei auftretenden Konflikten zwischen ihnen und ihrem jeweiligen Arbeitgeber als Vermittler zu fungieren und die Bemühungen aller sonst am Übergangsprozess beteiligten Personen oder Einrichtungen zu koordinieren.

    Zusätzlich zur pädagogischen Arbeit führten die Jobcoaches mit den Sonderschülern psychologische diagnostische Tests zur besseren Begleitung des Übergangs in den Arbeitsmarkt bzw. Ausbildungsmarkt durch und unterstützten mit Hilfe des Petermann-Trainings die Erweiterung der sozialen Kompetenzen ihrer Jugendlichen.

    2. Die Teilnehmer der „Jobcoaching“-Projekte

    Von Beginn des „Jobcoaching“ bis zum September 2001 (dem Ende des Befragungszeitraumes) wurden insgesamt 153 Jugendliche in den „Jobcoaching“-Projekten betreut. Während des Befragungszeitraumes wurden 136 dieser 153 Jugendlichen in den Projekten betreut. 106 Jugendliche beteiligten sich an der Befragung.

    Tabelle 2: Übersicht über Projektteilnehmer, Grundgesamtheit und Stichprobe

    153

    Von Beginn des „Jobcoaching“ bis zum Ende des Befragungszeitraumes (September 2001) jemals in den Projekten anwesende Jugendliche

    Projektteilnehmer

    136

    Während des Befragungszeitraumes (April bis September 2001) in den Projekten anwesende Jugendliche

    Grundgesamtheit

    106

    Jugendliche, die an der Befragung teilgenommen haben

    Stichprobe

    Von den 153 jemals betreuten Jugendlichen waren 107 Jugendliche ohne Unterbrechungen dabei (69,9%), 17 (11,1%) sind vor dem Befragungszeitraum ausgeschieden und 29 (19%) sind während des Befragungszeitraums ausgeschieden. Von den 107 ohne Unterbrechung anwesenden Jugendlichen haben 90 (84,1%) an der Befragung teilgenommen. Von den insgesamt 46 „Abbrechern“ haben 16 (34,8%) an der Befragung teilgenommen.

    Von den 153 Projektteilnehmer leben 94 (61,4%) Jugendliche im Raum Dortmund und 59 (38,6%) in Köln. Von den 106 befragten Jugendlichen leben 63 (59,4%) im Raum Dortmund und 43 (40,6%) in Köln.

    Abbildung 1. Übersicht über die Zusammensetzung der Stichprobe

     Grafik zum vorhergehenden Text

    109 der 153 Projektteilnehmer besuchten zu Beginn des „Jobcoaching“ eine Schule (71,2% Schüler) und 44 hatten die Schule bereits verlassen (28,8% Schulabgänger).

    Es beteiligten sich 73 der 109 Schüler (67%) und 33 der 44 Schulabgänger (75%) an der Befragung. Von den 73 befragten Schülern haben 15 Jugendliche (20,5%) die Projekte während dem Befragungszeitraum verlassen und 58 Jugendliche (79,5%) verblieben in den Projekten. Von den 33 befragten Schulabgängern hat ein Jugendlicher (3%) die Projekte während dem

    Befragungszeitraum verlassen und 32 Jugendliche (97%) verblieben in den Projekten. Die Gründe für das Verlassen der Projekte waren der Übergang der Jugendlichen in Fördermaßnahmen (n=12), Umzug der Jugendlichen (n=2) und ein Wechsel des Jobcoaches (n=2).

    Von allen Projektteilnehmern beteiligten sich 36 Jugendliche (33%), die zu Beginn des „Jobcoaching“ zur Schule gingen, und 11 Jugendliche (25%), die Schulabgänger waren, nicht an der Befragung. Von den 36 nicht befragten Jugendlichen, die zu Beginn der „Jobcoaching“-Projekte zur Schule gingen, sind 15 Jugendliche (41,7%) vor dem Befragungszeitpunkt ausgestiegen und weitere 8 Jugendliche (22,2%) sind während des Befragungszeitraumes ausgeschieden. Insgesamt 13 Jugendliche (36,1%), die zu Beginn des „Jobcoaching“ zur Schule gingen, sind nicht aus den Projekten ausgeschieden und haben sich trotzdem nicht an der Befragung beteiligt. Von den 11 nicht befragten Jugendlichen (25%), die zu Beginn des „Jobcoaching“ die Schule bereits verlassen hatten, sind 2 Jugendliche (18,1%) vor und 5 Jugendliche (45,5%) während dem Befragungszeitraum aus den Projekten ausgeschieden. 4 der 11 nicht befragten Schulabgänger (36,4%) sind in den Projekten verblieben. Die Gründe für das Verlassen der Projekte waren Wechsel der Jobcoaches (n=5), mangelnde Motivation (n=1) und das Verbot der Teilnahme durch die Eltern des Jugendlichen (n=1).

    Bei den befragten Jugendlichen überwiegen „neutrale“ Gründe für das Verlassen der Projekte. Nur in einem Fall wurde ein Jugendlicher aufgrund von Motivationsmangel aus den Projekten entlassen. Bei den nicht befragten Jugendlichen hingegen sind „Ausstiegsgründe“, die mit negativen Verhaltensweisen korrelieren, stärker vertreten.

    Bei den 30 nicht befragten Jugendlichen, die die Projekte vorzeitig verlassen haben bzw. verlassen mussten, lagen folgende „Ausstiegsgründe“ vor: ohne spezifischen Grund, aber auf Wunsch des Jugendlichen (n=7), Wechsel des Jobcoach (n=5), Übergang in eine Fördermaßnahme (n=4), Motivationsmangel (n=3), Suspension aufgrund von Aggressivität oder Desinteresse (n=3), Beendigung der Kooperation zwischen der Schule der Jugendlichen und den „Jobcoaching“-Projekten (n=2), Delinquenz (n=2), erhebliche soziale Probleme (n=1), Schulwechsel (n=1) und ein Verbot der Eltern (n=1).

    Im Vergleich dazu sind die 107 Jugendlichen, die ohne Unterbrechung von Anfang an im Projekt waren, eher Jugendliche, die sich im Verhalten bewährt haben – zumindest soweit, dass ihr Verhalten nicht Anstoß für einen unfreiwilligen Ausschluss bot oder ein freiwilliges Aussteigen provozierte. Die Befragung von 16 (55,2%) der 29 während des Befragungszeitraumes ausgeschiedenen Jugendlichen erlaubt jedoch, zu untersuchen, ob sich eine Korrelation zwischen einem vorzeitigen Ausstieg und dem Verlauf des „Jobcoaching“ tatsächlich zeigt.

    3. Die Fragebögen

    Es wurden 106 Jugendliche (davon 73 Schüler und 33 Schulabgänger) sowie 48 Jobcoaches befragt. Die Befragung der Jugendlichen fand in der Zeit von April bis September 2001 statt und wurde von den Jobcoaches durchgeführt.[1] Mit den Jobcoaches der Projekte in Köln und Dortmund wurde im März 2001 eine eintägige Interviewerschulung durch Projektmitglieder der Nachwuchsgruppe durchgeführt. Außerdem erhielten die Jobcoaches bei Rücklauf eines durchgeführten Interviews mit einem ihrer Jugendlichen und bei gleichzeitigem Rücklauf ihres beantworteten Jobcoach-Fragebogen ein Honorar. Für Jugendliche unter 18 Jahre wurde für das Interview eine schriftliche Einwilligung der Eltern eingeholt. Beide Fragebögen enthalten geschlossene und offene Fragen. Sie wurden beide durch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Nachwuchsgruppe konzipiert.

    Die Face-to-Face-Interviews mit den Jugendlichen dauerten im Durchschnitt 43 Minuten (das Kürzeste 10 Minuten und das Längste 125 Minuten) und umfassten 70 Fragen zu verschiedenen Themen wie Familie und familiäre Unterstützung, Schullaufbahn, Freizeitgestaltung, Berufs- und Zukunftsvorstellungen. Die Schulabgänger wurden darüber hinaus gefragt, was sie seit ihrem Schulabgang in Bezug auf Ausbildungs- und Erwerbstätigkeit gemacht haben (ihr Fragebogen umfasst 71 Fragen). Die Jobcoaches wurden schriftlich zu ihrer Person und ihrer sozialen Herkunft befragt. Ihr Fragebogen umfasst 21 Fragen, die ihre Person betreffen, und jeweils 20 Fragen, die die von ihnen betreuten Jugendlichen betreffen. Dabei handelt es sich zum Teil um Fragen, die den Betreuungsprozess selbst betreffen. Einige Fragen wurden allerdings aus 3 Gründen den Jobcoaches und nicht den Jugendlichen gestellt: 1) um die Interviewzeit für die Jugendlichen zu reduzieren und ihre Aufmerksamkeit nicht zu überanspruchen, 2) wenn es sich um sehr brisante Frage (wie dramatische Lebensereignisse) gehandelt hat, um einen Abbruch des Interviews zu vermeiden, 3) wenn „soziale erwünschte Antworten“ zu erwarten waren (z.B. hinsichtlich ihres Alkoholkonsums). Zudem ging es bei diesen Fragen auch weniger um das Faktum selbst, sondern um die „Beobachtbarkeit“ (hier durch die Jobcoaches) abweichenden Verhaltens und die Außenwahrnehmung ihres Verhaltens. Es folgt eine detaillierte Übersicht über das Frageprogramm.

    Die für die Erhebung verwendeten Fragebögen für die Jungendlichen in der Schule, die Jugendlichen aus der Schule und die Jobcoaches können unter http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/forschung/nwg/arbeitsberichte.htm eingesehen, oder als pdf-Datei heruntergeladen werden.

    3.1. Übersicht über den Jugendlichenfragebogen (in der Schule und aus der Schule)

    Thema Fragen Nummer
    Interview

    Interviewtag, Interviewmonat

    Persönliche Daten

    Geburtstag, Geschlecht

    Frage 1, 2

    Leben am Heimatort, Umzüge, Geburtsort

    Frage 3, 4, 5

    Seit wann in Deutschland, Sprechen der Muttersprache

    Frage 6, 7a, b, c

    Zukunftsvorstellungen

    Berufswunsch

    Frage 8, 9, 10

    Aussichten, Bemühungen, Unterstützung bei der Lehrstellensuche

    Frage 11, 12, 13, 14, 15

    Lebensvorstellungen

    Frage 16

    Erwerbstätigkeit, Tätigkeit nach Beendigung der Schule

    Frage 17, 18

    Rückblick auf Schulzeit

    Besuch Kindergartens/ Vorschule, Alter bei Einschulung

    Frage 19, 20

    Klassenstufe und Alter bei Beginn der Sonderschule, Gründe

    Frage 21, 22, 23

    Anzahl enger Freunde, Kontext der Freundschaft

    Frage 24, 25

    (Voraussichtlicher) Schulabschluss, Einschätzung der Schule

    Frage 26, 27, 28, 29

    Mathematik- und Deutschnote, Schulerfolg, Hilfe der Eltern

    Frage 30, 31, 32, 33, 34

    Freizeit

    Freizeitaktivitäten, Besitz wichtiger Konsumgüter, Bezahlung der Handyrechnungen

    Frage 35, 36, 37

    Vertrauensperson

    Frage 38

    Familienleben

    Personen im Haushalt, Alter und Anzahl der Geschwister

    Frage 39, 40, 41, 42, 43,

    Geschwister an der Sonderschule, Stiefgeschwister

    Frage 44, 45, 46, 47

    Familiensituation des Jugendlichen, Lebensform der Eltern

    Frage 48, 49, 50, 51

    Soziale Herkunft

    Arbeitslosigkeit der Eltern

    Frage 52

    Alter, Erwerbstätigkeit, (Aus-)Bildung der Mutter

    Frage 53, 54, 55, 56, 57

    Alter, Erwerbstätigkeit, (Aus-)Bildung des Vaters

    Frage 58, 59, 60, 61, 62

    Lebensgefühl

    Zufriedenheit mit dem derzeitigen Leben

    Frage 63

    Gefühl der Benachteiligung, Wunsch nach Besuch einer anderen Schulform

    Frage 65, 66

    Moralische Einstellung

    Frage 67

    Wünsche für die nächste Zeit, gewünschte Unterstützung

    Frage 68, 69, 70

    Tätigkeit nach Schulabgang (nur Schulabgänger)

    Ab letztem Schultag: monatlich Inhalt der Tätigkeit, institutionelle Form der Tätigkeit

    Frage 71

    3.2. Übersicht über den Jobcoachfragebogen

    Thema Fragen Nummer
    Interview

    Interviewtag, Interviewmonat

    Persönliche Daten

    Geburtstag, Geschlecht

    Frage 1, 2

    Geburtsort, Sprache des Herkunftslandes

    Frage 3

    Ausbildung

    Erwerb der Hochschulreife, Fachrichtung, Gründe, Fachsemester

    Frage 5, 6, 7, 8

    Berufsausbildung, Erwerbstätigkeit, Fremdsprachen

    Frage 9, 10, 11

    Ehrenamtliches Engagement, Erfahrung mit benachteiligten Jugendlichen

    Frage 12, 13

    Soziale Herkunft

    Schul- und Ausbildungsabschluss der Mutter und des Vaters

    Frage 14, 15, 16, 17

    Arbeitslosigkeit der Eltern, Alter und Anzahl der Geschwister

    Frage 18, 19

    Jobcoaching“-Projekt

    Beginn der Tätigkeit, Erfahrungen und Probleme

    Frage 20, 21

    Zum betreuten Jugendlichen

    Name, Fragebogennummer, Beginn der Betreuung

    Frage 22, 23, 24

    Geschlecht des Jugendlichen, Wohnort

    Frage 25, 26

    Berufsberatung in der Schule, im Berufsberatungszentrum

    Frage 27, 28

    Sprache der Betreuungsgespräche

    Frage 29

    Haushalt mit pflegebedürftiger Person

    Frage 30

    Einschätzung des Jugendlichen, dramatische Lebensereignisse

    Frage 31, 32, 33

    Alkoholkonsum des Jugendlichen und in der Familie, Drogenkonsum

    Frage 34, 35, 36, 37, 38

    Problem des Jugendlichen

    Frage 39



    [1] Von den 106 Jugendlichen befanden 3 Jugendliche sich während des Befragungszeitraumes bereits in den Projekten zum „Jobcoaching“, sie wurden jedoch erst im Rahmen einer qualitativen Studie im Juni bzw. Juli 2002 befragt. Alle 3 Jugendlichen besuchten während des Befragungszeitraumes (April bis September 2001) noch die Sonderschule und werden im Datensatz als Jugendlicher in der Schule (JS) geführt.

    4. Der Datensatz

    Die Angaben der Jugendlichen sind im „Datensatz_Jugendliche“ abgelegt. Neben der Identifikationsnummer (id-Nummer) geben die Variablen „js“ und „jas“ Auskunft darüber, ob die Jugendlichen zum Projektbeginn noch in der Schule waren oder die Schule bereits verlassen hatten. Die Angaben der Jobcoaches, über die von ihnen betreuten Jugendlichen, befinden sich ebenfalls im „Datensatz_Jugendliche“ (Variablen: t150-t195).

    Die Daten der Jobcoaches sind im „Datensatz_Jobcoaches“ abgelegt. Die detaillierten Angaben der Schulabgänger über die (Berufs)Tätigkeit seit dem Schulabgang liegen im „Datensatz_Kalendarium_Schulabgang“.

    Der „Datensatz_Jugendliche“ umfasst alle jemals an den Projekten beteiligten Jugendlichen, insgesamt 153 Fälle. Für diese 153 Fälle liegen 14 Variablen vor, die mit Präfix „JC_Variable_“ gelabelt sind. Diese Variablen (id, geschlec, geburtso, geburt1, projekt, schüler_, beginn, ende, grund_en, sws, sws1, sws2, status01 und tätig01)[2] wurden durch die Projektleitung in Köln bzw. in ihrem Auftrag von den Jobcoaches erhoben, und stellen eine Zugangs- und Abgangsstatistik der Projekte dar. Diese ist jedoch im Bezug auf Alter und Geburtsort leider unvollständig.

    Die System-Missings in vielen Variablen betreffen die 47 nicht befragten Fälle, die im Datensatz enthalten sind. Die zusätzlich generierte Variable „Befragte“ ist der Filter, ob eine Person befragt wurde (befragte=1) oder nicht (befragte=0).

    Durch die Verknüpfung unseres Datensatzes mit der Zugangs- und Abgangsstatistik der „Jobcoaching“-Projekte enthält der „Datensatz_Jugendliche“ Informationen über den Verbleib der jugendlichen Projektteilnehmer/innen. Damit lassen sich Aussagen über die Stabilität der Teilnahme treffen.[3]



    [2] Erklärung der Variablen: id = Identifikationsnummer, geschlec = Geschlecht des Jugendlichen, geburtso = Geburtsort des Jugendlichen, geburt1=Geburtsort der Eltern, projekt = Teilnehmer im Projekt Dortmund bzw. Köln, beginn = Beginn der Teilnahme, Ende= Ende der Teilnahme, grund_en = Grund des Verlassens der Projekte, sws = Selbstwertskala, sws1 = Selbstwertmessung zu Projektbeginn, sws2 = Selbstwertmessung zum Ende des Projektes, status01 = Status der Ausbildung- bzw. Erbwerbstätigkeit im November 2001, tätig01 = Inhalt der Tätigkeit im November 2001.

    [3] Für eine Vervollständigung dieser Längsschnittperspektive fehlen der Nachwuchsgruppe jedoch die Angaben über den Status der Jugendlichen zum Ende des Kölner bzw. Dortmunder Projekts (Ursache dafür sind Personalbewegungen in den Projekten in Köln und Dortmund).

    5. Deskription des Datensatzes

    5.1. Ausschöpfungsraten

    Zum Zeitpunkt der Befragung wurden 136 Jugendliche in den beiden Projekten betreut, 17 Jugendliche hatten das Projekt vor der Befragung verlassen. Unsere Befragung richtete sich an diese 136 in den Projekten anwesenden Jugendlichen, sie stellen den Befragungspool bzw. die Grundgesamtheit dar. Von den 136 angefragten Jugendlichen haben 106 einen Fragebogen ausgefüllt. Die Ausschöpfungsrate ist 106/136 (77,9%).

    Die Ausschöpfungsquoten einzelner Merkmalsträger sind Folgende (im Bezug auf den Befragungspool von 136 Jugendlichen):

    73 von 94 Schülern haben den Fragebogen beantwortet (77,7%).

    33 von 42 Schulabgängern haben den Fragebogen beantwortet (78,6%).

    46 von 55 Frauen haben den Fragebogen beantwortet (83,6 %).

    60 von 80 Männern haben den Fragebogen beantwortet (75%).[4]

    63 von 80 Dortmunder Jugendlichen haben den Fragebogen beantwortet (75%).

    43 von 56 Kölner Jugendlichen haben den Fragebogen beantwortet (76,8%).

    Unter den 106 Befragten befinden sich 73 Schüler (68,9%) und 33 Schulabgänger (31,1%). Dieses Größenverhältnis repräsentiert die 109 Schüler und 44 Schulabgänger, die sich zu Beginn im „Jobcoaching“ Projekt befanden gut (siehe oben).

    Der Anteil an Frauen und Männern im Projekt entspricht grob einem Verhältnis von 40/60: Nach Angaben der Projektleitung wurden in den „Jobcoaching“-Projekten 89 Männer (58,2%) und 62 Frauen (40,5%) gecoacht, für 2 Jugendliche fehlten die Angaben (1,3%). Unter den 106 befragten Jugendlichen befinden sich 60 Männer (56,6%) und 46 Frauen (43,4%). Das Verhältnis von Männern und Frauen in den „Jobcoaching“ Projekten wird durch das erhobene Geschlechterverhältnis gut repräsentiert.

    5.2. Verteilung nach Alter und Geschlecht

    Von den 106 befragten Jugendlichen waren die meisten Jugendlichen am Ende des Befragungszeitraumes[5] 17 Jahre alt (37,7% bzw. 40 Fälle), dann folgen die 18-Jährigen (34% bzw. 36 Fälle), die 19-Jährigen (17% bzw. 18 Fälle), die 16-Jährigen (8,5% bzw. 9 Fälle) und die 20-Jährigen (2,8% bzw. 3 Fälle). Damit waren 8,5% der befragten Jugendlichen 15 oder 16 Jahre alt, weitere 71,7% waren 17 oder 18 Jahre alt und 19,8% waren 19 oder 20 Jahre alt.

    In der Gruppe der mittleren und älteren Jugendlichen sind Frauen und Männer ungefähr - entsprechend dem groben 40/60-Verhältnis – verteilt, das für die Gesamtstichprobe (alle 153 Fälle) vorzufinden ist. Lediglich in der Gruppe der jüngeren Jugendlichen weicht die Altersverteilung zwischen Frauen (22,2%) und Männern (77,8%) von dem 40/60-Verhältnis ab.

    Die folgende Tabelle gibt Aufschluss über die Geschlechterverteilung innerhalb der Altersgruppen der befragten Jugendlichen.

    Tabelle 4: Geschlecht und Altersgruppen der Jugendlichen
    Geschlecht der Jugendlichen
    Altersgruppen weiblich männlich Gesamt
    Jüngere J. (15+16 Jahre) absolut

    2

    7

    9

    In Prozenten

    22,2

    77,8

    100

    Mittlere J. (17+18 Jahre) absolut

    36

    40

    76

    In Prozenten

    47,4

    42,6

    100

    Ältere J. (19+20 Jahre) absolut

    8

    13

    21

    In Prozenten

    38,1

    61,9

    100

    Gesamt Anzahl absolut

    46

    60

    106

    In Prozenten

    43,4

    56,6

    100

    5.3. Ausländische und deutsche Jugendliche und die Stabilität ihrer Projektteilnahme

    Von den 106 befragten Jugendlichen sind 89 (84%) in Deutschland und 16 (15,1%) im Ausland geboren, für eine Jugendliche (0,9%) fehlen diesbezügliche Angaben.[6]

    Der Migrationshintergrund der Jugendlichen wird im Folgenden genauer bestimmt:[7]

    1 = Jugendlicher wurde im Ausland geboren

    2 = Jugendlicher wurde in Deutschland geboren, ein Elternteil wurde im Ausland geboren

    3 = Jugendliche wurde in Deutschland geboren, beide Elternteile wurde im Ausland geboren

    4 = Jugendlicher ist deutscher Herkunft

    Von den 106 befragten Jugendlichen wurden 16 (15,1%) im Ausland geboren (Kategorie 1); 16 Jugendliche (15,1%) haben Eltern, die beide im Ausland geboren wurden (Kategorie 2); 12 (11,3%) haben einen Elternteil deutscher und einen Elternteil nicht-deutscher Herkunft (Kategorie 3) und 61 (57,5%) sind deutscher Herkunft (Kategorie 4). Für einen Fall (0,9%) fehlt die Angabe des Geburtsort der Jugendlichen und/oder deren Eltern.

    In der nachfolgenden Tabelle wird der Zusammenhang der ausländischer Herkunft der Jugendlichen mit der Stabilität ihre Projektteilnahme dargestellt. Die Stabilität der Teilnahme am Projekt ist in 2 Gruppen klassifiziert:

    1. Der Jugendliche hat im gesamten Zeitraum (Beginn des Projektes bis Ende des Befragungszeitraumes) teilgenommen

    2. Der Jugendliche ist während der Befragung aus dem „Jobcoaching“ ausgeschieden.

    Tabelle 5: Zusammenhang zwischen der Stabilität der Teilnahme und dem Migrationshintergrund der Jugendlichen
    Stabilität der Teilnahme am Projekt
    Migrationshintergrund der Jugendlichen a) Immer im Projekt b) Während der Befragung ausgeschieden Gesamt
    J. mit fehlenden Angaben 1 1
    % der Gesamtzahl 0,94 0,94
    Jugendlicher im Ausland geboren 12,0 4

    16

    Zeilenprozente 75,0 25,0 100
    Spaltenprozente 13,3 25,0 15,1
    Beide Elternteile des J. im Ausland geboren 14 2 16
    Zeilenprozente 87,5 12,5 100
    Spaltenprozente 15,6 12,5 15,1
    Ein Elternteil des J. im Ausland geboren 11 1 12
    Zeilenprozente 91,7 8,3 100
    Spaltenprozente 12,2 6,3 11,3
    J. deutscher Herkunft 52 9 61
    Zeilenprozente 85,3 14,8 100
    Spaltenprozente 57,8 56,3 57,6
    Gesamt Anzahl 90 16 106
    Zeilenprozente 84,9 15,1 100
    Spaltenprozente 100 100 100

    Die befragten Jugendlichen sind hinsichtlich ihrer Herkunft aus Migrantenfamilien und der Stabilität ihrer Teilnahme wie folgt zusammengesetzt. Innerhalb der 4 abgestuften Kategorien des Migrationshintergrunds der Jugendlichen zeigen sich leichte Unterschiede in ihrem Teilnahmeverhalten. Die Jugendlichen mit dem größten Anteil an „stabil beteiligten Jugendlichen“ (91,7%) ist die Gruppe, die ein Elternteil besitzt, dass im Ausland geboren wurde. Dann folgt die Gruppe der Jugendlichen, deren Eltern beide im Ausland geboren wurden (87,5%). Hinsichtlich der Stabilität ihrer Teilnahme stehen die Jugendlichen deutscher Herkunft an dritter Stelle (85,3%). Die geringste Stabilität zeigen die Jugendlichen, die selbst im Ausland geboren sind (75%). Für eine Jugendliche fehlt die Angabe der Herkunft der Jugendlichen und ihrer Familie.



    [4] Für einen Jugendlichen fehlt die Angabe des Geschlechts.

    [5] Als Stichtag wurde das Ende des Befragungszeitraumes (der 30.09.2001) gewählt.

    [6] Für die Gesamtstichprobe liegen keine Daten vor. Lediglich für das Teilprojekt Dortmund existiert eine „Ausländervariable“. Von den 94 in Dortmund betreuten Jugendlichen wurden 80,9% (76 Fälle) in Deutschland geboren und 16% (15 Fälle) im Ausland. Für 3,2% (3 Fälle) der Jugendlichen liegen keine Angaben vor. Von den 63 befragten Dortmunder Jugendlichen wurden 82,5% (52 Fälle) in Deutschland geboren und 17,5% (11 Fälle) im Ausland.

    [7] Die Kategorien schließen sich gegenseitig aus und dienen einer hierarchischen Bestimmung der Stärke des ethnisch-kulturellen Einflusses. Der stärkste Einfluss wird für die Kategorie 1 angenommen, d.h. für Jugendliche, die selbst im Ausland geboren wurden.

    6. Schlussbemerkung

    Es gibt wenige Erhebungen zur sozio-ökonomischen Herkunft, der Schulkarriere und dem Suchverhalten von Jugendlichen bei der Berufsorientierung, weshalb der vorliegende Datensatz eine Bereicherung der sozialwissenschaftlichen Daten- und Forschungslandschaft darstellt.

    Der Datensatz repräsentiert die Stichprobe der 136 während des Befragungszeitraumes im Projekt anwesenden Jugendlichen gut. Hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses ist auch die Gesamtstichprobe der 153 jemals im Projekt anwesenden Jugendlichen gut repräsentiert.

    Der Datensatz bietet aufgrund der Erhebung sozialstruktureller Daten der Jugendlichen und ihrer Familien die Möglichkeit die sozio-ökonomische Situation der Jugendlichen zu analysieren. In Kombination mit den zahlreichen Fragen zur Freizeitgestaltung kann der Datensatz Aufschluss über materielle und kulturelle Möglichkeiten und Restriktionen der Jugendlichen geben. Darüber hinaus können, aufgrund der Fülle an detaillierten Informationen zur Berufsorientierung, die Suchstrategien von Sonderschulabgängern beim Übergang von der Schule in den Beruf untersucht werden.

    Grenzen des Datensatzes bestehen darin, dass lediglich eine unvollständige Längsschnittvariable vorliegt: Die Tätigkeit der Jugendlichen im November 2001. Jedoch gibt die Einschätzung der Jugendlichen durch die Coaches einen Einblick in die Problemlage der Jugendlichen.

    Die der Projektteilnahme der Jugendlichen vorausgehenden Auswahlstrategien der Schulleiter und Lehrer orientierten sich an unterschiedlichen Kriterien. Zum einen wurden besonders förderungsbedürftige Schüler ausgewählt um ihnen eine zusätzliche Hilfestellung zukommen zu lassen, zum anderen befinden sich in der Stichprobe Jugendliche mit relativ hohen Chancen auf einen Hauptschulabschluss.

    Das Motiv für die Auswahl der letzteren Jugendlichen, lag nach Auskunft der „Jobcoaching“-Projektleitung in der Annahme der Lehrer, dass diese Jugendlichen mit Hilfe einer zusätzlichen Förderung die Integration in den Arbeitsmarkt wirklich schaffen könnten. Die Anwendung beider Auswahlstrategien spricht dafür, dass die Stichprobe weder positiv noch negativ verzerrt wurde.

    Quelle

    Lisa Pfahl: Datenbericht „Jobcoaching“. Zur Studie „Lebensverläufe von Schulabgängern von Sonderschulen für Lernbehinderte (NRW)“

    bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

    Stand: 14.12.2017

    zum Textanfang | zum Seitenanfang | zur Navigation