Ich höre - nicht alles! Hörgeschädigte Mädchen und Jungen in Regelschulen.

AutorIn: René J. Müller
Themenbereiche: Rezension
Textsorte: Rezension
Copyright: © Rene J. Müller 1993

Buchinformationen:

AutorIn/Hrsg.: René J. Müller

Titel: Ich höre - nicht alles! Hörgeschädigte Mädchen und Jungen in Regelschulen.

Infos: Heidelberg: Ed. Schindele, 1994 (Heidelberger sonderpäd. Schriften; Bd. 21) Zugl.: Berlin, Techn. Univ., Diss., 1993; ISBN 3-89149-202-2

Kurzbeschreibung

René J. Müller, der Leiter der Gehörlosen- und Sprachheilschule Riehen und langjähriger Leiter der Zürcher Beratungsstelle für hörgeschädigte Kinder in der Volksschule legt ein beeindruckend breit angelegtes Buch zur Hörgeschädigtenpädagogik vor. Der Untertitel "Hörgeschädigte Mädchen und Jungen in Regelschulen" verrät sein Hauptanliegen, nämlich die integrative Schulung hörgeschädigter Kinder. Die Vorzüge integrativer Schulung für hörgeschädigte Kinder und Jugendliche werden mit vielen pädagogischen, lernpsychologischen und organisatorischen Fakten untermauert.

René J. Müller kann dafür auf umfangreiche Untersuchungen und Erhebungen zurückgreifen. So wird die Frage untersucht, wie Identität und soziale Situation hörgeschädigter Kinder in Regelklassen beeinflusst werden. Eine andere Untersuchung führt beispielsweise zum erschreckenden Befund, dass Eltern kaum als "Experten ihrer Kinder" von den aussenstehenden Fachleuten ernstgenommen werden. Alle Ergebnisse haben das eine Ziel, die Normalität hörgeschädigter Kinder aufzuzeigen und damit auch die Schulungsfähigkeit in der Regelschule. Der Autor stellt sich auch die Frage nach den Grenzen der Integration. In einem neuen Ansatz sucht er diese Grenzen aber nicht im Erscheinungsbild der Behinderung oder der Persönlichkeit des Kindes oder dem Unterstützungspotential der Familie. An die Stelle einer Liste von Voraussetzungen, die das einzelne Kind einzubringen hat, um sich an das System der bestehenden Schule anzupassen, setzt er Massnahmen, welche die Integrationsfähigkeit der Schule erweitern. Er entwickelt das Konzept eines Förderzentrums für hörgeschädigte Kinder und Jugendliche. Die Aufgaben dieses Förderzentrums lassen sich in zwei Hauptbereiche zusammenfassen:

1. Arbeit mit dem Kind: Frühförderung, behinderungsspezifische Förder- und Therapiemassnahmen. Mitentwicklung von individuellen Förderplänen.

2. Arbeit für das Kind: Ökosystemische Beratung, besonders bei Übergängen von einer Schulstufe in die nächste. Unterstützung beim Einsatz technischer Hilfsmittel, z.B. Hörgeräte oder FM-Anlagen und Koordination der schulischen und therapeutischen Angebote.

In diesen Bereich fällt auch die Beratung von Logopädinnen und Logopäden, welche integrierte Hörbehinderte betreuen. Die Wichtigkeit einer guten Zusammenarbeit zwischen Logopädie und Hörgeschädigtenpädagogik wird sehr betont. Dazu bedarf es sicher auch noch besonderer Anstrengungen von logopädischer Seite. Dieses auch sprachlich ausgezeichnet geschriebene Fachbuch sollte sich deshalb niemand entgehen lassen.

Peter Wettstein (Logopädie 1/94)

Quelle:

Rezensiert von Peter Wettstein

bidok-Rezensionshinweise

Stand:07.11.2006

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