Wer sind wir? - Unser Grundsatzprogramm

AutorIn: Mensch zuerst
Schlagwörter: People First, Recht, Selbstbestimmt Leben
Textsorte: Artikel
Copyright: © Mensch zuerst - Netzwerk People First Deutschland e.V. 2005-2008

Einleitung

Mensch zuerst - Netzwerk People First Deutschland hat ein Grundsatzprogramm. In unserem Grundsatzprogramm haben wir unsere Meinung über viele Dinge aufgeschrieben.

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Liebe Leserin! Lieber Leser!

Die People First Bewegung gibt es weltweit. People First heißt übersetzt Mensch zuerst. Wir haben den englischen Namen behalten, weil wir mit Menschen mit Lernschwierigkeiten aus anderen Ländern zusammen arbeiten wollen.

Das Mensch zuerst - Netzwerk People First Deutschland e.V. ist ein Verein von und für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Wir werden leider oft noch geistig behindert genannt. Wir finden, das macht uns schlecht. Wer hat das Recht zu sagen, ob wir gut oder nicht gut denken können? Was hat Denken mit dem Geist zu tun?

Den Verein Mensch zuerst - Netzwerk People First Deutschland e.V. gibt es seit dem 2. März 2001. Menschen mit Lernschwierigkeiten haben ihn gegründet. Uns ist es wichtig, die gleichen Rechte zu bekommen, wie alle anderen Menschen auch.

In unserem Grundsatzprogramm haben wir uns überlegt, was für uns wichtig ist. In unserem Grundsatzprogramm steht, was sich verändern muss, damit Menschen mit Lernschwierigkeiten ein selbstbestimmtes Leben führen können.

Wir haben zum Beispiel aufgeschrieben, was wir über Arbeit und Freizeit denken. In unserem Grundsatzprogramm stehen auch die Forderungen, die wir an die Gesellschaft haben.

Alle Menschen mit Lernschwierigkeiten haben ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, auch Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf. Für uns ist es wichtig, uns gegenseitig zu unterstützen. Denn wir sind Expertinnen und Experten in eigener Sache.

Die wichtigsten Forderungen an die Gesellschaft

Alle Menschen haben die gleichen Rechte!

Menschen mit Lernschwierigkeiten dürfen durch Gesetze und Vorschriften nicht schlechter behandelt werden als nichtbehinderte Menschen.

Der Staat hat im Jahr 2002 ein Bundesgleichstellungsgesetz für Menschen mit Behinderungen gemacht. Dieses Gesetz gilt nur für Behörden oder andere Stellen, die Geld vom Staat bekommen. Das ist nicht ausreichend.

Wir fordern deshalb: Gleichstellung muss für alle gelten.

Zum Beispiel: Auch Vermieter, Gaststätten, Banken und Versicherungen sollen behinderte Menschen nicht schlechter behandeln dürfen.

Sie sollen bestraft werden, wenn sie uns schlechter behandeln. Dafür brauchen wir ein zivilrechtliches Gleichstellungsgesetz. Für so ein Gesetz müssen die Erfahrungen und Meinungen von Menschen mit Lernschwierigkeiten beachtet werden.

Frauen und Männer mit Lernschwierigkeiten erleben oft Gewalt.

Frauen und Männer mit Lernschwierigkeiten müssen vor Gewalt geschützt werden.

Frauen und Männer mit Lernschwierigkeiten müssen zum Beispiel von der Polizei unterstützt werden, wenn sie Gewalt erleben.

Alle Menschen haben grundsätzlich ein Recht auf Leben.

Behinderung ist nichts Schlimmes.

Frauen mit Lernschwierigkeiten müssen gleich behandelt werden wie Männer mit Lernschwierigkeiten.

Menschen mit Lernschwierigkeiten werden auch älter. Sie müssen genauso unterstützt werden wie junge Menschen.

Gehörlose Menschen haben bei öffentlichen Einrichtungen, zum Beispiel Ämtern und Gerichten, das Recht auf Gebärdendolmetscher.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen bei allen öffentlichen Einrichtungen, besonders bei Ämtern und Gerichten, auch ein Recht auf Unterstützung haben und Unterstützung bekommen.

Menschen mit Lernschwierigkeiten wird oft gesagt, was sie tun oder lassen sollen. Das ist nicht richtig. Denn niemand darf zu etwas gezwungen werden.

Wenn Menschen mit Lernschwierigkeiten aber zu etwas gezwungen werden, was ihre Menschenrechte verletzt, dann muss das bestraft werden.

Menschen, die nicht sprechen können, müssen immer die gleichen Rechte haben, wie Menschen, die sprechen können.

Menschen, die nicht sprechen können, müssen Unterstützung bekommen, damit sie sich ausdrücken können.

Die wichtigsten Forderungen zu Kindergarten, Schule und Bildung

Babys und Kinder mit Lernschwierigkeiten müssen von Anfang gut unterstützt werden.

Die Eltern müssen entscheiden dürfen, was gemacht wird.

Kinder mit Lernschwierigkeiten müssen in den Kindergarten an ihrem Wohnort / Nachbarort gehen dürfen. Sie sollen in den Kindergarten gehen können, in den auch nicht behinderte Kinder gehen. Sie müssen dort die Unterstützung bekommen, die sie brauchen.

Kinder und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten müssen in die Schule an ihrem Wohnort gehen dürfen. Sie sollen in die Schule gehen können, in die auch nicht behinderte Kinder gehen. Sie müssen dort die Unterstützung bekommen, die sie brauchen.

Menschen mit Lernschwierigkeiten sollen lebenslang lernen können. Dafür müssen sie unterstützt und gefördert werden.

Das lebenslange Lernen soll auch für Menschen mit Behinderungen bezahlt werden. So wie es für andere Gruppen in der Gesellschaft schon gemacht wird.

Die wichtigsten Forderungen zu Ausbildung, Arbeit und Beruf

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen selbst bestimmen, welchen Beruf sie lernen. Sie müssen selbst bestimmen wo sie den Beruf lernen.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen zum Beispiel auch in Werkstätten für behinderte Menschen ausgebildet werden dürfen. Die Ausbildung muss anerkannt werden.

Die Werkstätten für behinderte Menschen dürfen nicht für immer sein. Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen auf dem 1. Arbeitsmarkt arbeiten dürfen.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen auf dem 1. Arbeitsmarkt die Unterstützung bekommen, die sie zum Arbeiten brauchen.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen selbst bestimmen, was sie arbeiten wollen.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen in Werkstätten für behinderte Menschen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sein. Sie müssen die gleichen Rechte haben wie nichtbehinderte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen in Werkstätten für behinderte Menschen Mitbestimmungsrechte haben. Mitwirkung reicht nicht. Werkstatträte müssen Mitbestimmungsrechte haben.

Es muss für Menschen mit Lernschwierigkeiten in allen Werkstätten für behinderte Menschen die gleichen Regeln für den Lohn geben. Es muss genug Lohn geben. Wir wollen nicht von der Sozialhilfe abhängig sein.

Die wichtigsten Forderungen zum Wohnen

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen selbst bestimmen können, wo sie wohnen. Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen selbst bestimmen können, wie sie wohnen. Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen selbst bestimmen können, mit wem sie zusammen wohnen.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen alle Unterstützung bekommen, die sie brauchen, um nicht im Heim leben zu müssen.

Mietverträge und Heimverträge müssen in leichter Sprache sein.

In einem Wohnheim sollen nicht mehr als 15 Personen leben. In einer Wohngruppe sollen nicht mehr als 5 Personen leben.

Es soll keine großen Einrichtungen mehr geben. Menschen mit Lernschwierigkeiten sollen so leben können, wie nichtbehinderte Menschen auch.

Wohnheime müssen immer wieder überprüft werden. Menschen mit Lernschwierigkeiten sollen bei der Heimaufsicht mitarbeiten.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen in Heimen für behinderte Menschen Mitbestimmungsrechte haben. Mitwirkung reicht nicht. Heimbeiräte müssen Mitbestimmungsrechte haben.

Jeder Bewohner / jede Bewohnerin hat ein Recht auf Privatsphäre. Das heißt zum Beispiel, dass andere Bewohner und Bewohnerinnen und alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen anklopfen oder klingeln müssen, bevor sie die Wohnung / das Zimmer der Person betreten.

Die wichtigsten Forderungen zu Freizeit, Sport und Kultur

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen selbst bestimmen, wo sie ihre Freizeit verbringen.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen selbst bestimmen, mit wem sie ihre Freizeit verbringen.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen selbst bestimmen, was sie in ihrer Freizeit machen.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen alle Freizeitangebote nutzen können. Sie dürfen nicht ausgeschlossen werden.

Die wichtigsten Forderungen für den Öffentlichen Nahverkehr und Verkehr

Alle öffentlichen Verkehrsmittel müssen für Menschen mit Lernschwierigkeiten gut zu benutzen sein.

Alle Fahrpläne müssen für Menschen mit Lernschwierigkeiten zu verstehen sein.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen auch Führerscheine machen können.

Die wichtigsten Forderungen für Partnerschaft, Sexualität und Kinder.

Menschen mit Lernschwierigkeiten haben das Recht, eine Beziehung zu haben.

Menschen mit Lernschwierigkeiten haben das Recht auf Sexualität.

Menschen mit Lernschwierigkeiten haben das Recht, Kinder zu haben.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen Unterstützung bekommen können, wenn sie Hilfe bei der Erziehung ihrer Kinder brauchen.

Frauen und Männer mit Lernschwierigkeiten dürfen nicht gegen ihren Willen sterilisiert werden.

Die wichtigsten Forderungen für die Medizin

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen selbst bestimmen können, zu welchem Arzt / Ärztin oder Therapeuten / Therapeutin sie gehen.

Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen als Patienten und Patientinnen ernst genommen werden. Sie müssen genauso behandelt werden wie nichtbehinderte Menschen auch.

In unserer Gesellschaft gibt es viele Krankheiten, denen man vorbeugen kann, wie zum Beispiel Probleme mit dem Herzen bei Stress. Die Krankenkassen sollen deshalb mehr Geld für die Vorbeugung von diesen Krankheiten ausgeben.

Im Jahr 2004 hat der Staat einige Gesetze die die Gesundheit betreffen geändert. Dadurch hat sich vieles verschlechtert.

Wir fordern deshalb, dass Menschen die wenig Geld haben, die Praxisgebühr von 10 € nicht zahlen müssen. Wir fordern auch, dass Menschen die wenig Geld haben, nichts für Medikamente und Hilfsmittel ,zum Beispiel Rollstühle und Brillen dazu bezahlen müssen.

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Quelle:

Mensch zuerst: Wer sind wir? - Unser Grundsatzprogramm

© Mensch zuerst - Netzwerk People First Deutschland e.V. 2005-2008

Im Internet verfügbar unter:

http://www.people1.de/wer_ziele.html

bidok - Internetvolltextbibliothek. Wiederveröffentlichung im Internet.

Stand: 07.06.2010

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