Zur Wirksamkeit der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen im Lebensbereich Freizeit.

Modelle - Konzepte - Fallbeispiele - Praktische Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem wissenschaftlich begleiteten Modellprojekt PFiFF.

Themenbereiche: Lebensraum
Textsorte: Projektbeschreibung
Copyright: © Reinhard Markowetz 1998

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Zusammenhänge

Bereits 1973 betonte der Deutsche Bildungsrat in seinen Empfehlungen zur pädagogischen Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlicher die zentrale Funktion der Freizeitförderung im Rahmen der Rehabilitation Behinderter und gab zu erkennen, daß sich die soziale Eingliederung Behinderter zu einem wesentlichen Teil im Freizeitbereich vollzieht (vgl. Deutscher Bildungsrat 1973). Leider wurden die Empfehlungen nicht in dem erwünschten Maße umgesetzt. Bis heute wird das Freizeitangebot für Behinderte als "gravierende Mangelsituation trotz erfreulicher Initiativen an vielen Orten und in vielfältiger Form" (Zielniok/Schmidt-Thimme 1990, 21) empfunden.

In einer Zeit, in der noch nicht einmal alle Behinderte auf ein attraktives und ansprechendes Freizeitangebot blicken, geschweige denn frei wählen können, setzen noch immer Politiker, Pädagogen und Fachleute aus den unterschiedlichsten Bereichen auf den leistungsfreien Sektor Freizeit als bevorzugtes Feld der sozialen Integration von Menschen mit Behinderungen. Unter bildungs-, sozial- und gesellschaftspolitischen Gesichtspunkten betrachtet, rangiert das Anliegen der sozialen Rehabilitation im Lebensbereich Freizeit allerdings weit hinter dem der schulischen und beruflichen Rehabilitation. Noch immer wird der Rechtsanspruch auf personelle und finanzielle Hilfen im Freizeitbereich stiefmütterlich behandelt und davon ausgegangen, daß der schulischen und der beruflichen Rehabilitation in Einrichtungen der Behindertenhilfe die soziale Integration ´ohne größeres Hinzutun´ auf dem Fuße folgt.

Die Integration im Lebensbereich Freizeit sollte deshalb als eigen- und nicht randständiges Handlungs- und Erfahrungsfeld ernst genommen werden und dementsprechend sozialpolitisch in Theorie und Praxis entfaltet werden, ohne dabei die ökosystemischen Zusammenhänge (vgl. Bronfenbrenner 1989, Hildeschmidt/Sander 1990) außer acht zu lassen. Zu Recht verweist Jakob Muth (1989, 19) darauf, daß Integration als "Gemeinsamkeit von behinderten und nichtbehinderten Menschen in allen Lebensbereichen unserer Gesellschaft" verstanden werden muß. Integration als "eine Lebens- und Daseinsform" (vgl. Kobi 1990, 62) darf nicht auf einige, uns Nichtbehinderte angenehme, Lebensbereiche beschränkt werden.

Es verwundert also nicht, wenn heute nach 25 Jahren Integrationsdiskussion und bisweilen schon beachtlichen Integrationsentwicklungen im Lebensbereich Vorschule und Schule (vgl. z.B. Borchert/Schuck 1992, Preuss-Lausitz 1993) festgestellt wird, daß die Integration behinderter Kinder und Jugendlicher im Freizeitbereich nicht in dem Maße stattgefunden hat, wie sie von betroffenen Eltern eingefordert, gesellschaftlich erwünscht und von Fachleuten für möglich gehalten wird. Integrative Angebote sind noch immer die Ausnahme. Die vielen guten Ansätze haben kaum eigendynamische Entwicklungen erfahren. Eine Ausweitung und Überführung in die Normalität ist weitgehend ausgeblieben.

Dort setzt das Projekt zur Förderung integrativer Ferien- und Freizeitmaßnahmen, kurz PFiFF (vgl. Markowetz 1994 und 1995) an. PFiFF sucht nach innovativen Wegen und Möglichkeiten dem Wunsch Behinderter nach mehr Kontakten mit Nichtbehinderten im Freizeitbereich zu entsprechen. Nach dem Vorbild des Assistenz-Modells (vgl.z.B. Theunissen 1995, 106) und unter Einbezug der Erfahrungen der Hamburger Arbeitsassistenz, einem Fachdienst zur beruflichen Integration von Menschen mit geistiger Behinderung (vgl. Behncke/Ciolek/Körner 1993 und Ciolek 1995) nach dem amerikanischen Vorbild des Ansatzes "Supported Employment" (vgl. Wehmann u.a. 1992) wird seit nun mehr als einem Jahr das Konzept der "Integrationsbegleitung" in der Praxis erprobt und weiterentwickelt.

2. PFiFF - ein wissenschaftlich begleitetes Projekt zur Förderung integrativer Ferien- und Freizeitmaßnahmen

2.1 PFiFF, was ist das?

Das ´Projekt zur Förderung integrativer Ferien- und Freizeitmaßnahmen´, kurz PFiFF wurde auf Initiative einer kleinen Gruppe engagierter Personen und auf dem Erfahrungshintergrund von zehn Jahren integrativer Ferien- und Freizeitarbeit am 25. Januar 1993 mit 33 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen. PFiFF ist ein eingetragener, gemeinnützig anerkannter Verein mit Sitz in Ladenburg. Einzugs- und Wirkungsgebiet von PFiFF ist der gesamte Rhein-Neckar-Kreis, der größte Landkreis des Landes Baden-Württemberg mit den beiden Städten Heidelberg und Mannheim. Seit dem 20. September 1994 ist PFiFF e.V. anerkannter Träger der freien Jugendhilfe nach § 75 KJHG.

Der Verein selbst hat gegenwärtig über 200 passive Mitglieder. Das sind in der Mehrzahl Familien mit behinderten und nichtbehinderten Kindern, Personen mit hoher Bereitschaft zu sozialem Engagement, aber auch kompetente Fachleute aus der Sozial-, Sonder- und Regelpädagogik, Psychologie, Medizin und den verschiedensten therapeutischen Berufen. Ziel ist es durch geeignete Maßnahmen die Gemeinsamkeit zwischen behinderten und nichtbehinderten Kindern im Lebensbereich Freizeit zu fördern und neue, erkenntnisreiche Wege einer ´integrativen Kinder- und Jugendarbeit´ zu beschreiten.

PFiFF e.V. verfügt über keine Geschäftsstelle und kein hauptamtliches Personal, sondern wird ehrenamtlich vom Vorstand verwaltet. Das Arbeitskonzept steht unter dem Motto: "Soviel Ehrenamtlichkeit wie möglich - soviel Professionalität wie nötig: ein Leben in Nachbarschaften!" (vgl. Thimm 1994) und zielt darauf ab, möglichst kostengünstig soziale Diensleistungen anzubieten. Eine kleine engagierte Gruppe bestehend aus dem Vorstand, 10 Vereinsmitgliedern und durchschnittlich 20 Sonderpädagogikstudentinnen und -studenten der Pädagogischen Hochschule Heidelberg arbeitet auf der Grundlage ehrenamtlicher Tätigkeit bzw. als Honorakraft auf der Basis einer geringfügigen Beschäftigungen aktiv im Projekt mit.

Das Projekt wird aufgrund seines Modellcharakters von der JUGENDSTIFTUNG Baden-Württemberg über den Modellzeitraum von drei Jahren mit 38.000.- DM gefördert. Im Rahmen des Projektes "Initiative Bildung" des Hauptvorstandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wurde das Projekt PFiFF in die Projektliste aufgenommen und mit 2500.- gefördert. Der Rotary-Club Schriesheim-Lobdengau unterstützt das Projekt PFiFF mit weiteren 10.000.-DM pro Jahr.

PFiFF wird wissenschaftlich begleitet und ist Bestandteil des Forschungsprojektes "Stigma-Identitäts-These und Entstigmatisierung durch Integration" der Sonderpädagogischen Fakultät der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (vgl. Markowetz/Cloerkes 1995). Forschungsstrategisch arbeiten wir nach dem Konzept der Handlungsforschung. Forschungsgegenstand ist die soziale Integration behinderter Kinder und Jugendlicher im Lebensbereich Freizeit (vgl. Schoepe/Weisshaar/Markowetz 1986, Lang 1991, Markowetz/Lang 1991, Graff 1994, Jentzsch 1994, Duppel 1995, Spiegelhalder/Philipp 1995, Markowetz 1996). Als forschungsrelevant erachten wir dabei u.a. folgende Fragestellungen:

  • Welche Erfahrungen machen die Teilnehmer von integrativen Ferienfreizeiten?

  • Wie wirken sich die Erfahrungen auf die Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber dem Interaktionspartner aus?

  • Lassen sich im Handlungs- und Erfahrungsfeld Interaktionsspannungen, Vorurteile und Stigmatisierungen gegenüber Behinderten abbauen?

  • Welche Rolle spielt dabei eine sog. integrative Freizeitpädagogik?

  • Unter welchen Bedingungen können behinderte Kinder- und Jugendliche Mitglieder in ganz ´normalen´ Freizeitvereinen werden?

  • Inwieweit erweist sich das ´pfiffige´ Konzept der "Integrationsbegleitung" als Chance und einen gangbarenWeg für die Integration einzelner Behinderter in einen Freizeitverein ihrer Wahl?

  • Wie könnten solche Integrationsmaßnahmen finanziert und institutionalisiert werden?

  • Wie kann durch die Teilnahme behinderter Kinder und Jugendlicher an Freizeitangeboten von ´normalen Vereinen´ die "neue Heterogenität in den Regelgruppen" zur Zufriedenheit aller pädagogisch bewältigt werden?

  • Welche Erfahrungen machen und zu welchen Erkenntnisse kommen die Personen, die an einer Integrationsmaßnahme beteiligt sind?

  • Werden Familien, deren behinderte Kinder ein hohes Maß an sozialer Integration in wohnortnahen Vereinen erfahren, entlastet?

2.2 Erfahrungshintergrund, Ziele und Aufgaben des Projektes

Integrative Freizeiten über ein Wochenende oder in den Schulferien stellen eine besonders günstige Möglichkeit zur Förderung von Kontakten zwischen behinderten und nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen dar. Allerdings ist der bloße Kontakt noch kein Garant für eine gelungene Integration. Zuwenig wird die Frage gestellt, was behinderte aber auch nichtbehinderte Kinder und Jugendliche im Handlungsfeld Integration wahrnehmen, denken und fühlen, wie sie die gemachten situativen Erfahrungen bewerten und welchen Einfluß solche Erlebnisse auf ihr Selbstkonzept und ihr Selbstwertgefühl haben.

Anspruch einer integrativen Freizeitpädagogik ist es alle Teilnehmer/-innen etwas gemeinsam erleben zu lassen, das sich nachhaltig positiv auf die Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber Behinderten auswirkt. Alle Teilnehmer/-innen müssen an den vielfältigen Freizeitaktivitäten wie etwa Kanufahren, Segeln, Tauchen, Musizieren, abenteuerliche Exkursionen aber auch am Freizeitleben mit all seinen ´unbeliebten´ Verpflichtungen und Anforderungen, wie z.B. Putz- und Aufräumdienste oder Küchendienste, so beteiligt werden, daß die individuellen Bedürfnisse eines jeden berücksichtigt und befriedigt werden können. Dazu bedarf es bereits bei den vorbereitenden Planungen sensibler Maßnahmen der Individualisierung und Inneren Differenzierung.

Damit sich alle Kinder und Jugendliche zur Gruppe zugehörig erleben und ein Wir-Gefühl entfalten können, hat eine integrative Pädagogik darüberhinaus Situationen zu schaffen, die zur Kooperation miteinander und zum Dialog unteinander auffordern. Im Mittelpunkt steht dabei die Begegnung zwischen Subjekten, die sich in ihren Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungskompetenzen bisweilen sehr deutlich voneinander unterscheiden. Um solche Annäherungen kultivieren zu können, bedarf es Maßnahmen der Kollektivierung und der Kooperation am gemeinsamen Gegenstand (vgl. Feuser 1990, 171 und 176).

Wir von PFiFF haben in unseren integrativen Ferienfreizeiten erlebt und dokumentiert (vgl. z.B. Weißhaar/Schoepe/Markowetz 1986, Markowetz/Lang 1991, Graff 1994, Jentzsch 1994), daß Freizeitaktivitäten und -inhalte, die nach integrationspädagogischen Gesichtspunkten geplant und im Rahmen von Projekten durchgeführt werden von zentraler Bedeutung sind. Ein gemeinsamer Gegenstand schafft als "vermittelndes, katalytisch wirkendes Etwas" zwischen den Subjekten vielseitige Erlebnisse und stiftet Begegnungen, die nachhaltig wirken. Integrative Ferienfreizeiten tragen dazu bei, Vorbehalte und Vorurteile abzubauen, Interaktionsspannungen zu reduzieren und die Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber behinderten Interaktionspartnern deutlich zu verbessern. Allerdings bestehen berechtigte Zweifel über die ´Haltbarkeit´ solcher positiver Effekte. Sofern die Kinder nach solch ereignisreichen Erlebnissen einer integrativen Freizeit keine Möglichkeit zu weiteren qualitativen Kontakten haben, ihre Bekanntschaften nicht pflegen und die geschlossenen Freundschaften nicht fortsetzen können, ?was bisweilen sehr schwer ist, weil die Kinder nicht aus dem gleichen Ort kommen und auf die Fahrdienste der Eltern angewiesen sind? verlieren sich die Wege der Kinder.

Den gemachten Erfahrungen fehlt Kontinuität und Konsistenz. Die gewonnenen Einsichten und Einstellungen sind instabil. Es kann nicht erwartet werden, daß die gerade mal eben relativierte Sichtweise von Behinderung und das günstige Bild vom Behinderten aufrechterhalten bleibt. Integration im Freizeitbereich darf nicht auf wenige Tage oder Wochen im Jahr beschränkt bleiben, sondern muß zu einem verläßlichen, wohnortnahen, selbst- und interessenbestimmtes Handlungs- und Erfahrungsfeld werden, innerhalb dessen regelmäßige Kontakte möglich sind.

Deshalb möchte PFiFF in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, Institutionen, Gruppen, Clubs, Verbänden, Initiativen, Privatpersonen und Fachleuten aus Theorie und Praxis das Angebot an geeigneten Ferien- und Freizeitmaßnahmen im Rhein-Neckar-Kreis aufbauen, koordinieren und steigern helfen. Der Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten liegt dabei auf den Bestrebungen, möglichst viele Vereine, deren bestehendes Sport- und Freizeitangebot normalerweise nur an Nichtbehinderte gerichtet ist, für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen zu öffnen. Dazu versucht PFiFF zum einen, mit den Vereinen und Verbänden in Kontakt zu kommen, um durch Beratung und vielfältige Unterstützung von erfahrenen Mitarbeiter/-innen und in Zusammenarbeit mit Fachdiensten gemeinsam gangbare Möglichkeiten der Umsetzung dieses Zieles zu erarbeiten.

Zum anderen will PFiFF behinderten und/oder von Behinderung bedrohten Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern konkret bei der Suche nach passenden Ferien- und Freizeitangeboten helfen. Gemeinsam mit ihnen möchte PFiFF Kontakt zu Vereinen herstellen und den behinderten Kindern unabhängig von Art und Schweregrad ihrer Behinderung die Aufnahme und das Mitmachen bei den wohnortnahen Vereinsaktivitäten ermöglichen. Eine jede dieser Integrationsmaßnahme soll von PFiFF betreut und die Qualität der Maßnahme über einen Integrationspädagogischen Dienst, kurz IPD gesichert werden.

Der IPD ist ein Fachdienst im Aufbau, den Eltern behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder im Rhein-Neckar-Kreis beanspruchen können. Der mobile Dienst dient der sozialen Eingliederung behinderter Kinder und Jugendlicher in den Lebensbereich Freizeit. Die Integrationsbegleiter/-innen des IPD bringen den Integrationsprozess in Gang und unterstützen die Entwicklung von integrativen Prozessen in den wohnortnahen Freizeitvereinen.

Abb. 2: Vermittlung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in Vereine als subjektorientierte Aufgabe des INTEGRATIONSPÄDAGOGISCHEN DIENSTES (im Aufbau) von PFiFF e.V.

PFiFF ist deshalb zunächst Anlauf- und Kontaktstelle und koordiniert die Integrationsmaßnahmen. Darüberhinaus rekrutiert PFiFF Integrationsbegleiter/-innen, schult diese in geeigneten ein- und weiterführenden Seminaren, begleitet sie individuell in ihrer Praxis und reflektiert gemeinsam in regelmäßigen Teamsitzungen die dabei gemachten Erfahrungen. In der folgenden Abbildung sind die Aufgabenbereiche und Tätigkeitsfelder des Projektes PFiFF im Überblick dargestellt.

Abb. 3: Aufgabenbereiche und Tätigkeitsfelder des Projektes PFiFF im Überblick

PFiFF möchte Vereine für die Arbeit mit Behinderten öffnen und bietet interessierten Vereinen alle dazu notwendigen Hilfen an. Die Erwartungen, die PFiFF an die Vereine hat, gilt es stets an den eigenen Erfahrungen zu überprüfen. Nur so bleiben wir vor den angesprochenen Vereinen glaubhaft und werden in unserem Anliegen ernstgenommen. Interessierte aus anderen Vereinen können sich darüber hinaus bei PFiFF selbst ein Bild von der integrativen Praxis machen und sich leichter für oder gegen die Aufnahme einzelner Behinderter entscheiden.

PFiFF führt deshalb vorübergehend selbst modellhaft eine Reihe an integrativen Ferien- und Freizeitmaßnahmen durch und bietet an:

  • zwei integrative Kanufreizeiten in den Sommerferien

  • jährlich zwei integrative Wochenendfreizeiten

  • einen integrativen Spiel- und Freizeittreff an jedem schulfreien Samstag

  • eine integrative Spielgruppe "pfiffikus" für Kinder im Alter von 2-4 Jahren an vier Vormittagen in der Woche

  • Kooperationen mit den umliegenden Vereinen

  • Vermittlungen von behinderten Kindern in Freizeitmaßnahmen anderer Veranstalter

  • Vermittlungen von behinderten Kinder in regelmäßig wöchentlich stattfindene Sport- und Freizeitangebote von Vereinen im Rhein-Neckar-Kreis mit und ohne Integrationsbegleitung

  • vorbereitende Seminare für die Betreuer/-innen der integrativen Freizeitmaßnahmen

  • vorbereitende Seminare für interessierte Integrationsbegleiter/-innen

  • Beratung in allen Fragen, die die Integration Behinderter im Freizeitbereich betreffen

  • Informationsveranstaltungen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

An eine Ausweitung der Angebote ist nicht gedacht. PFiFF möchte kein neuer Freizeitverein werden, der überregional den Bedarf an Integrationsmaßnahmen decken könnte. Ziel und Anliegen ist es, Vereine, die bereits mit einem sehr breit gefächerten Ferien- und Freizeitprogramm den Freizeitbedürfnissen Nichtbehinderter entsprechen, in einem ersten Schritt für Menschen mit Behinderungen zu öffnen. Erst in einem zweiten Schritt gilt es diese Vereine für didaktisch-methodische Umstrukturierungen ´zur Bewältigung sehr heterogen zusammengesetzter Spiel- und Freizeitgruppen´ zu sensibilisieren und bei der Einführung einer integrativen Freizeitpädagogik in der Praxis behilflich zu sein. Dabei gehen wir von einer grundsätzlichen Vielfalt an Möglichkeiten zur Förderung von Kontakten zwischen Behinderten und Nichtbehinderten im Freizeitbereich aus.

In der Abbildung 4 sind hierzu einige Organisationsformen dargestellt. In diesem Beitrag soll lediglich einer dieser Möglichkeiten nachgespürt werden. Dem Projekt PFiFF ist besonders an der praktischen Entfaltung von Möglichkeit 4: "Aufnahme einzelner Behinderter in geeignete Vereinsangebote mit Integrationsbegleiter/-in" gelegen. Im nächsten Kapitel soll deshalb zunächst die Konzeption vorgestellt werden, bevor ich erste wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse aus der konkreten Praxis aufzeige.

Abb. 4: Möglichkeiten zur Förderung von Kontakten zwischen Behinderten und Nichtbehinderten im Lebensbereich Freizeit

3. Die Begleitung von behinderten Kindern und Jugendlichen auf ihrem Weg in einen ´normalen Verein´ durch sogenannte Integrationsbegleiter/-innen

3.1 Konzeption

Der Verein PFiFF nimmt die Anträge von Eltern behinderter bzw. von Behinderung bedrohter Kinder auf "Vermittlung und Integration ihres Kindes in einen ´normalen, wohnortnahen´ Verein" entgegen. Das weitere Vorgehen gliedert sich idealtypisch in sechs Phasen, die einen Zeitraum von 9 Monaten beanspruchen.

Phase 1: Erstgespräch mit den Eltern und Finden geeigneter Integrationsbegleiter/-innen

In einem ersten persönlichen Gespräch werden zunächst formale Aspekte des Rechtsanspruches auf Einzelfallförderung für die Finanzierung der Integrationsmaßnahme und der Integrationsbegleiter/-innen im Sinne der Aufgaben und Ziele der Eingliederungshilfe des Bundessozialhilfegesetz (BSHG) nach §§ 39 und 40 Abs. 1 Nr.8 und Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) nach § 35a besprochen und transparent gemacht (vgl. Henn 1995), so daß die Eltern einen entsprechenden Antrag bei den zuständigen Sozial- und Jugendämtern stellen können. Viel mehr aber geht es darum, die Wünsche und Vorstellungen der Eltern zu hören und ihr Kind kennenzulernen. Mit den Eltern wird vereinbart, daß PFiFF das Kind in seinem ´So-Sein´ und seinen Freizeitbedürfnissen und -wünschen den an einer Tätigkeit als Integrationsbegleiter/-in interessierten und bereits in eigens dafür von PFiFF in vorbereitenden Seminaren geschulten Personen vertraulich und im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit persönlichen Daten vorstellen darf. PFiFF interessiert aus diesen Reihen eine Person für die Integrationsmaßnahme und schließt mit ihr einen Honorarkraftvertrag ab. Der/die Integrationsbegleiter/-in wird den Eltern und dem Kind bekannt gemacht. In einem gemeinsamen Gespräch wird abschließend entschieden, ob und falls ja, zu welchem Zeitpunkt die Maßnahme gestartet wird.

Phase 2: Kontaktphase des Integrationsbegleiters/-in mit dem Kind und der Familie

Der/die Integrationsbegleiter/-in nimmt über einen Zeitraum von etwa 4-6 Wochen wöchentlich ein bis zweimal für bis zu vier Stunden Kontakt zum Kind oder Jugendlichen und seinen Eltern auf. Hier soll sich allmählich eine Vertrauensbasis zwischen den beteiligten Personen aufbauen. Alle sollen reichhaltig Gelegenheit haben, sich in vielseitigen Situationen innerhalb und außerhalb des familiären Geschehens kennenzulernen. Der/die Integrationsbegleiter/-in gewinnt einen Überblick über die "Bedürftigkeit" des Kindes, lernt mit diesem umzugehen und erkundet gemeinsam mit ihm seine Interessen und Freizeitbedürfnisse. Am Ende sollten konkrete Vorstellungen über die weitere Freizeitgestaltung des Kindes vorliegen, die hinsichtlich einer realistischen Umsetzung mit den Eltern und PFiFF diskutiert und angegangen werden sollen.

Phase 3: Suche nach einem geeigneten Verein

Dem Wunsch des Kindes entsprechend wird in den nächsten Wochen ein dahingehend geeigneter Verein gesucht. Wichtigstes Kriterium für die Auswahl des Vereins ist dessen Nähe zum Wohnort des Kindes, damit spätere Kontakte zu den anderen Teilnehmer/-innen über die Vereinsaktivitäten hinaus leichter fortgeführt werden können. Der/die Integrationsbegleiter/-in nimmt nun Kontakt zum Verein auf und signalisiert den verantwortlichen, zukünftigen Leiter/-innen und bei Bedarf der Vereinsführung, daß ein "behindertes Kind aus der Nachbarschaft" gerne Mitglied im Verein werden möchte. Es gilt, die Idee der Integrationsbegleitung zu erläutern und bestehende Vorbehalte im Gespräch dialogisch zu entkräften. Ziel ist es, mit dem aufnehmenden Verein eine "Probephase" auszuhandeln, in der das behinderte Kind mit dem/der Integrationsbegleiter/-in an den Aktivitäten teilnehmen kann.

Phase 4: Integration und Mitgliedschaft auf Probe

Der/die Integrationsbegleiter/-in assistiert dem behinderten Kind in allen Bereichen, damit eine schnelle und reibungslose Teilnahme an den Freizeitaktivtäten und am Vereinsleben möglich wird, die den Bedürfnissen des Kindes gerecht wird. Alle erdenklichen und notwendigen Hilfen sind anzubieten und zu leisten, damit sich der Verein bzw. dessen verantwortliche Leiter/-innen nicht ´unfreiwillig´ belastet und überfordert fühlen. Die permanente Anwesenheit des/der Integrationsbegleiters/-in in dieser Phase, die sich durchaus über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten erstrecken kann, erachten wir deshalb für zwingend notwendig. Die Assistenz bleibt zunächst sehr stark auf das Kind beschränkt. Und doch ist bereits darauf zu achten, daß unnötige Abhängigkeiten und Fixierungen auf die zu begleitende Person das Interesse und die Annäherung der anderen Vereinsmitglieder nicht verunmöglichen. Das bedeutet, daß auch über die ´neue Situation´ gesprochen werden sollte. Erfreuliche Erfahrungen und aufkommende Probleme sind zu besprechen, zu analysieren und zu bewerten. Die didaktisch-methodische Gestaltung der Vereinsaktivitäten sollte vorerst noch nicht kritisiert werden, selbst wenn schon zu ersehen ist, daß die Qualität der freizeitpädagogischen Arbeit reformbedürftig ist.

Phase 5: Reflektion der Mitgliedschaft auf Probe und der gemachten integrativen Erfahrungen

In Gesprächen mit allen in irgendeiner Weise Beteiligten sollte der bis dahin erreichte Stand kritisch betrachtet und der weitere Verlauf der Integrationsmaßnahme besprochen werden. Es ist zu hinterfragen, ob die Integrationsmaßnahme im Sinne aller verläuft. Hoffnungen, Enttäuschungen, Erfolge und Fortschritte sollten zwischenbilanziert und eine Entscheidung darüber herbeigeführt werden, wie es weitergehen soll. Möglich ist eine Verlängerung der "Probephase" in der Absicht, zu einem späteren Zeitpunkt neu über die Fortführung oder den Abbruch der Maßnahme zu entscheiden. Im günstigsten Fall kann bereits über die Aufnahme des behinderten Kindes als ordentliches Vereinsmitglied entschieden werden. Wird die Maßnahme abgebrochen, gilt es sorgfältig die Ursachen und Zusammenhänge zu recherchieren. In jedem Fall sollte auf der Grundlage der gemachten Erfahrungen ein zweiter Versuch, möglicherweise auch in einem anderen Verein mit sogar anderen Freizeitangeboten, unternommen werden. Entschließt sich der Verein für die Aufnahme des behinderten Kindes, folgt Phase 6.

Phase 6: Stabilisierung der Integrationsmaßnahme und Überführung in die "Normalität"

Durch die Mitgliedschaft des behinderten Kindes im Verein besteht nun ein verläßlicher, regelmäßiger Kontakt, dessen Qualität es jetzt zu sichern und zu steigern gilt. Die verantwortlichen Leiter/-innen haben damit auch ihren Willen zu integrativer Arbeit erklärt und sind jetzt freiwillig bereit, schrittweise Aufgaben zu übernehmen, die bis dato von der Integrationsbegleitung geleistet wurde. Ein Kompetenztransfer (vgl. Feuser 1990, 171) soll stattfinden, der es möglich macht, daß sich die Integrationsbegleiter/-innen langsam und zunehmend ´überflüssig´machen, bzw. in immer verstärkterem Maße zum Berater/zur Beraterin werden. Vor allen Dingen lassen sich jetzt aus der nicht mehr unmittelbar beteiligten Position heraus Vorschläge hinsichtlich der Gestaltung der Praxis nach integrationspädagogischen Gesichtspunkten leichter als zu Beginn einbringen.

Inwieweit zu einer didaktischen Reform der freizeitpädagogischen Arbeit in den einzelnen Vereinen beigetragen werden kann, hängt im wesentlichen von der Bereitschaft der Leiter/-innen ab, sich für neue, bislang wenig befahrene Wege zu begeistern und zu öffnen. Der/die Integrationsbegleiter/-in hat hierbei besonders sensibel zu reagieren und steht mitunter vor unüberwindbaren Hürden. Das Gelingen einer Integrationsmaßnahme darf deshalb nicht ausschließlich an den Veränderungen der ´bisherigen pädagogischen Praxis´ hin zu einer ´integrationspädagogischen Praxis´ gemessen werden. Die soziale Integration eines behinderten Kindes ist auch dann als gelungen zu bewerten, wenn unter ganz normalen Bedingungen Behinderte und Nichtbehinderte zueinander finden, ihr Wohlbefinden zum Ausdruck bringen und Behinderung als Kriterium für den weiteren Verbleib in der Gruppe und im Verein immer mehr an Bedeutung verliert.

In Abbildung 5 sind die sechs Phasen im Verlauf des Integrationsprozesse in der zeitlichen Abfolge und die Zielfunktionen der Integrationsmaßnahme zusammengefaßt. Der Begriff Zielfunktion beschreibt nicht nur die gegenwärtige Realisation und pädagogische Zieldimension anzustrebender sozialintegrativer Lebensverhältnisse von Menschen mit Behinderungen, sondern meint auch die Einheit der acht individuell-gesellschaftlichen Zielfunktionen der Freizeit: Rekreation, Kompensation, Edukation, Kontemplation, Kommunikation, Integration, Partizipation und Enkulturation, die es für behinderte Menschen herzustellen gilt (vgl. hierzu Opaschowski 1990, 95-96).

Die Zielfunktionen entsprechen den acht grundlegenden Freizeitbedürfnissen aller Menschen (vgl. ebd., 92-95 und Zielniok/Schmidt-Thimme 1990, 22-25). Menschen mit Behinderungen werden bisweilen solche Freizeitbedürfnisse abgesprochen. Besonders den gesellschaftlich orientierten Freizeitbedürfnissen wird kaum Rechnung getragen. Die Freizeitbedürfnisse in ihrer Gesamtheit stellen deshalb qualitative Kriterien für eine bedürfnisorientierte, integrative Erziehungs- und Bildungsarbeit im Lebensbereich Freizeit dar.

Abb. 5: Zielfunktionen der Integrationsbegleitung

Eine Integrationsmaßnahme erstreckt sich insgesamt über einen maximalen Zeitraum von neun Monaten. Die Dauer und Intensität der einzelnen sechs Phasen der Integrationsbegleitung hängt sehr stark vom Einzelfall ab. Mit den beteiligten Personen sollte ein Zeit- und Hilfeplan erstellt werden, der alle notwendigen Freiheiten garantiert und ein zielgerichtetes Vorgehen über die einzelnen Phasen und über den vorgesehenen Gesamtzeitraum von neun Monaten ermöglicht. Konnten in dieser Zeit keine zufriedenstellenden integrative Prozesse in Gang gebracht werden, gilt es sich mit allen Beteiligten darüber auszutauschen und eine Klärung bezüglich des Abbruchs der Maßnahme oder einer sinnvollen Fortsetzung unter veränderten, günstigeren Bedingungen herbeizuführen.

Zur Ausübung der Tätigkeit als Integrationsbegleiter/-in steht ab 1997 voraussichtlich ein PKW des Vereins PFiFF zur Verfügung, der den mobilen Einsatz im gesamten Rhein-Neckar-Kreis gewähren soll. Auf die komplexen Aufgaben werden die Integrationsbegleiter/-innen in vorbreitenden und fortlaufenden Seminaren von PFiFF geschult. Alle Integrationsbegleiter/-innen treffen sich regelmäßig zu individuellen Aus- und Absprachen und beratenden Sitzungen mit den beiden gesamtverantwortlichen Projektleiterinnen. In den Teamsitzungen werden die gemachten Erfahrungen zusammengetragen, diskutiert und kommunikativ validiert.

Die über einen Honorarkraftvertrag geregelte Tätigkeit wird mit 15.-DM pro geleisteter Stunde vergütet. Die Honorarkräfte führen einen Nachweis über die geleisteten Stunden und stellen dem Verein PFiFF monatlich eine Rechnung. Solange von den zuständigen Ämtern und Behörden keine Gelder für die Eingliederungsmaßnahmen gewährt werden, versucht PFiFF die Finanzierung der Integrationsbegleiter/-innen über Spendengelder zu sichern. Im günstigsten Falle beginnt die Integrationsmaßnahme dann, wenn der Antrag der Eltern auf Eingliederungshilfe von den zuständigen Behörden und Ämtern genehmigt wurde und die Kostenübernahme garantiert ist.

3.2 Praktische Erfahrungen und Erkenntnisse - Zwischenbilanz.

Nach einem vorbereitenden Wochenendseminar im Dezember 1994 stand PFiFF erstmalig eine Gruppe aus 12 grundlegend qualifizierten Personen, in der Regel Studierende der Sonderpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, für den Einsatz als Integrationsbegleiter/-in zur Verfügung. Mit Beginn des Jahres 1995 konnten wir die integrationspädagogische Arbeit mit 6 behinderten Kindern und Jugendlichen aufnehmen. Bis zum Februar 1996 haben wir insgesamt 28 Anträge von Eltern behinderter bzw. von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlicher auf Vermittlung und soziale Integration in einen geeigneten, wohnortnahen Verein entgegengenommen. Davon konnten wir bis heute konkret 18 bearbeiten und praktisch umsetzen. Derzeit verhandeln 6 Integrationsbegleiter/-innen mit Vereinen, um eine Mitgliedschaft und Integration auf Probe. 14 behinderte Kinder bzw. Jugendliche nehmen bereits gemeinsam mit dem/der Integrationsbegleiter/-in regelmäßig an den gewünschten Aktivitäten und Angeboten des Vereins teil.

In 8 Fällen konnte die Integrationsmaßnahme zur Zufriedenheit aller Beteiligten erfolgreich abgeschlossen werden (vgl. hierzu Duppel 1995). Das bedeutet, daß die behinderten Kinder bzw. Jugendlichen ohne Assistenz auskommen und von den verantwortlichen Personen im Verein wie ein nichtbehindertes Kind auch selbstverständlich mitbetreut und begleitet werden. Trotzdem stehen wir mit diesen Vereinen und der Familie weiterhin in Kontakt und stehen beratend zur Verfügung. Die Vereine begrüßen diese Art von ´Nachbetreuung´ sehr und machen durchaus davon Gebrauch.

Drei Anträge wurden von den Eltern wieder zurückgezogen, bevor wir Ihnen eine/n Integrationsbegleiter/-in vermitteln konnten. Als Gründe hierfür sind zu nennen: zu lange Wartezeiten für die Eltern, eigene Zweifel über den erhofften Erfolg und die Unklarheit der Finanzierung der Maßnahme. Vielen Eltern ist in erster Linie an einer sofortigen Familienentlastung gelegen. Ihnen ist bewußt, daß trotz ihres Wunsches nach mehr gesellschaftlicher Teilhabe und nach mehr sozialer Integration ihres Kindes im Lebensbereich Freizeit, enorme Schwierigkeiten zu bewältigen sind, die ihnen Zeit, Engagement und bisweilen sogar ein Eigenanteil an den Kosten abverlangt, ohne daß die gewünschten Erfolge garantiert werden.

Für 7 behinderte Kinder bzw. Jugendliche konnte PFiFF aus dem Pool an den zur Verfügung stehenden, grundsätzlich positiv interessierten und einsatzbereiten Personen keine Integrationsbegleiter/-innen finden. Als Gründe für die Ablehnung werden von den potentiellen Mitarbeiter/-innen in erster Linie Mobilitätsprobleme angegeben, die sich durch das Fehlen eines eigenen bzw. vereinseigenen Kraftfahrzeuges und wegen unverhältnismäßig langer Anfahrtswege mit öffentlichen Verkehrsmitteln ergeben. In Gesprächen mit den Integrationsbegleiter/-innen wurde aber auch deutlich, daß eigene Interessen und Vorlieben, ebenso wie Abneigungen bezüglich Hobbys, Freizeitbedürfnissen und eigene Vorstellungen und Erwartungen von Vereinsstrukturen und Vereinsleben eine große Bedeutung spielen, sich für oder gegen ein Kind bzw. Jugendlichen zu entscheiden.

Die Abbildung 6 gibt, unter Berücksichtigung der Behinderungsarten einen zusammenfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Integrationsmaßnahmen.

Abb. 6: Integrationsmaßnahmen ?IM? im Rahmen des IPD mit und ohne Einsatz von Integrationsbegleitern/-innen ?IB? seit Januar 1995 (n = 28)

Integrationsbegleiter/-innen sehen sich nicht als professionell tätige, sondern als weitgehend ehrenamtlich Personen, die sich gegen eine geringes Entgeld freiwillig sozial engagieren wollen. Sie können deshalb auch nur Assistenzdienste im Rahmen des ihnen Möglichen anbieten und realisieren. Der Ort, der Zeitpunkt, die Dauer, die Häufigkeit und die Art der Freizeitbetätigung laufen dadurch Gefahr, mehr von den Interessen des/der Integrationsbegleiters/-in als von den Interessen des zu betreuenden behinderten Kindes/Jugendlichen bestimmt zu werden. In solchen Fällen war es besonders wichtig, in den gemeinsamen Teambesprechungen über die Interessen und Bedürfnisse des Kindes zu sprechen, um diese wieder in den Mittelpunkt unserer praktischer Bemühungen zu rücken. Als äußerst positiv bleibt zu erwähnen, daß kein/e Integrationsbegleiter/-in wegen der Art und des Schweregrades einer Behinderung die Betreuung und Begleitung eines Kindes bzw. Jugendlichen abgelehnt hat. Allerdings ist anzumerken, daß Eltern von Kinder mit schwersten Behinderungen (vgl. Fröhlich 1989, 179) bislang noch keinen Antrag auf Integrationsbegleitung gestellt haben (vgl. hierzu auch Abb. 6).

Jene Integrationsbegleiter/-innen, die für PFiFF aktiv wurden und die Begleitung eines Kindes übernommen haben, geben zu erkennen, daß ihnen die Kontaktaufnahme zum Kind und der Familie keine Probleme bereiteten. Die Eltern wurden durchweg als kooperativ und von der Notwendigkeit und Wichtigkeit der Maßnahme überzeugt erlebt. Auf die Vorstellungen und gezielten Vorschläge, die die Integrationsbegleiter/-innen einbringen und im Kontakt mit dem Kind herausarbeiten, gehen die Eltern in der Regel gerne ein.

Die Integrationsbegleiter/-innen haben in Erfahrung gebracht, daß die behinderten Kinder auch unabhängig von den Eltern sehr wohl eine konkrete Vorstellung davon haben, welcher Freizeitbeschäftigung bzw. welchem Hobby sie nachgehen wollen und was sie daran fasziniert. Die Eltern äußern zwar, was ´für ihr Kind gut wäre´, zeigen sich aber insgesamt offen für das, was der/die Integrationsbegleiter/-in auf Vorschlag des Kindes exemplarisch erprobt hat und hinsichtlich der Möglichkeiten einer realistischen Umsetzung vorschlägt. In vielen Fällen deckt sich der Wunsch des Kindes tatsächlich mit den Vorstellungen der Eltern. Behinderte Kinder (siehe Abb. 6) haben sehr vielfältige sportliche Interessen und hegen den Wunsch, Mitglied in einem entsprechenden Sportverein zu werden. Sie bleiben aber nicht darauf beschränkt. Der Vielfalt an Interessen sind keine Grenzen gesetzt. Behinderte Kinder wollen genauso wie nichtbehinderte Kinder in die freiwillige Feuerwehr, in einen Modelleisenbahn-Club, in einen Karnevalsverein, in einen Schachclub, zu Umwelt und Naturschutzorganisationen, zu einem Spielmannszug, zu Töpferkursen, ein Instrument erlernen usw...

Abb. 7: Erfolgreich angefangene, erfolgreich abgeschlossene und erfolglos abgebroche Integrationsmaßnahmen ?IM? mit und ohne Einsatz eines/r Integrationsbegleiter/-in ?IB? in Vereinen (n=18); (? t =14 Monate)

Die Elternarbeit gestaltet sich aus der Sicht der Integrationsbegleiter/-innen positiv. Den meisten Eltern ist an einer regelmäßigen Betreuung durch einen Integrationsbegleiter als Bezugs- und Vertrauensperson gelegen. Sie und die Kinder akzeptieren es aber auch, wenn gelegentlich ein/e Vertreter/-in aus den Reihen von PFiFF einspringt. Ingesamt nehmen die Eltern die Integrationsmaßnahme ernst. Vor allem die Mütter erleben die Assistenz als echte Hilfe, die sie entlastet und ihrem behinderten Kind Perspektiven eröffnet. Die Eltern begreifen eine Integrationsbegleitung als Chance, die einerseits mit viel Hoffnungen verbunden sind, andererseits sehr kritisch bewertet wird, was das Gelingen, die Dauer und die Stabilität der Integrationsmaßnahme angeht.

Optimistisch gestimmte Eltern, denen es wichtig ist, daß ihr behindertes Kind entsprechend seinen Neigungen, Bedürfnissen und Interessen im Freizeitbereich sozial integriert etwas unternehmen kann, beteiligen sich aktiv am Integrationsprozeß und leisten ihren Beitrag am Gelingen der Maßnahme z.B. dadurch, daß sie ihr Kind regelmäßig und verläßlich zu den Vereinsaktivitäten fahren und abholen. Allerdings liegt nicht allen Familien soviel an der Freizeit ihres Kindes. Für nicht wenige Eltern behinderter Kinder fängt die Freizeit erst nach den Hausaufgaben, der Nachilfe und nach der Förderung durch Therapien an. Oft fehlt ihnen und den Kindern dann die Zeit für die Gestaltung der Freizeit außerhalb der Familie. In solchen Fällen erleben wir es immer mal wieder, daß Termine verschoben, den Integrationsbegleiter/-innen kurzfristig abgesagt werden und die Kinder nur unregelmäßig zu den Vereinsaktivitäten kommen. Hier leistet PFiFF viel Aufklärungsarbeit und versucht den Eltern behinderter Kinder die wichtige Funktion der Freizeit (vgl. Opaschowski 1990, 95-96) für ihr behindertes Kind bewußt zu machen.

Im Rahmen des Projektes konnten wir im wesentlichen jedem behinderten Kind bzw. Jugendlichen seinen Freizeitbedürfnissen und -interessen individuell entsprechen und einen geeigneten Verein finden. Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, daß es nicht immer möglich ist, das Prinzip der Wohnortnähe durchgehend einzuhalten. So muß beispielsweise ein körperbehinderter Jugendlicher, dessen sehnlichster Wunsch es war, sich sportlich mit Bogenschießen zu betätigen, jetzt eine Fahrtstrecke von 30 Kilometern in Kauf nehmen, weil es einfach keinen nähergelegenen Verein gibt, der diese Sportart anbietet.

Des weiteren hängt die wohnortnahe Vermittlung und Integration eines behinderten Kindes bzw. Jugendlichen in einen Verein seiner Wahl sehr stark von der Einstellung und Bereitschaft der Leiter/-innen der angefragten Vereine ab. Vereine lehnen die Aufnahme behinderter Kinder und Jugendlicher nicht durchgängig und grundsätzlich ab. Einzelne verantwortliche LeiterInnen von Freizeitangeboten signalisieren durchaus eine hohe Bereitschaft, auch behinderte bzw. leistungsschwächere und problematischere Kinder sowie ausländische Kinder und Jugendliche bzw. Kinder von Asylbewerbern aufzunehmen und teilhaben zu lassen.

Wir haben aber auch von den Ängsten und Nöten im Umgang mit Behinderten erfahren. Von den Vereinen wurde uns bestätigt, daß die personellen und materiellen Hilfen, wie sie ihnen von PFiFF angeboten und zur Verfügung gestellt werden, als entlastend und darüber hinaus als sehr lehrreich und effektiv empfunden werden. Es gibt aber auch Vereine, die den/die Integrationsbegleiter/-in als störend wahrnehmen. Sie sehen in ihm zunächst einmal eine Person, die ´vieles besser weiß´, ´Kontrolle ausübt´, über eine ´verfeinerte Pädagogik´ und bessere ´didaktisch-methodische Kenntnisse´ verfügt und verändernd in die Praxis, ´die jetzt schon über so viele Jahre hinweg funktioniert hat´ eingreifen möchte. Gelingt es beiden Interaktionspartnern, in einen vernünftigen Dialog zu kommen und die bestehenden gegenseitigen Ängste zugunsten eines kooperativen, gleichberechtigten Verhältnisses abzubauen, beurteilen beide Seiten ihre Zusammenarbeit als Bereicherung, die den integrativen Prozeß innerhalb des Vereins voranbringt.

In den Vereinen selbst gestaltet sich die Begegnung zwischen dem behinderten Kind und den nichtbehinderten Interaktionspartnern erfreulich positiv. Aus exemplarisch durchgeführten soziometrischen Erhebungen unter den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen in den einzelnen Vereinen, die allerdings erst wenige Monate Kontakt zueinander haben, ist vorläufig festzuhalten, daß die aufgenommenen behinderten Kinder und Jugendlichen keinen tieferen soziometrischen Status besitzen. Unter den nichtbehinderten Teilnehmern gibt es eher Kindern, die schon länger in der Gruppe sind, aber aufgrund negativ bewerteter Verhaltensweisen wie Aggression, motorischer Unruhe und vulgären verbalen Entgleisungen weitaus unbeliebter eingeschätzt werden.

Die Aussage deckt sich weitgehend mit den Beobachtungen, die die Integrationsbegleiter/-innen in der Praxis machen. Sie berichten, daß nach wenigen gemeinsamen Veranstaltungen die ´formale Integration´ eine deutliche Wende nach ´innen´ erfährt. Die Kinder und Jugendlichen beginnen, sich füreinander zu interessieren. Die sozialen Kontakte werden häufiger, vielseitiger und intensiver. Eine ganze Reihe dieser Kontakte werden allerdings über die Integrationsbegleiter/-innen vermittelt. Bisweilen können wir noch nicht beurteilen, ob und inwieweit sich die Anwesenheit des/der Integrationsbegleiters/-in und dessen Assistenz förderlich oder hemmend auf das Zustandekommen von selbstbestimmten Sozialkontakten auswirkt. Sicher ist, daß sie sehr stark von der Persönlichkeit des/der jeweiligen Integrationsbegleiters/-in und dessen/derer Art und Weise die Interaktionsdynamik zu gestalten, abhängt.

Integrationsbegleiter/-innen spielen eine wichtige Rolle als Vermittler/-in zwischen den Subjekten. Wir haben durchaus beobachtet, daß die Anwesenheit des/der Integrationsbegleiters/-in das behinderte Kinder zunächst davon abhält, intensiver mit den anderen Kindern in Kontakt zu kommen. Umgekehrt wurde aber auch festgestellt, daß das Kontaktbedürfnis der nichtbehinderten Interaktionspartner durch die Anwesenheit des/der Integrationsbegleiter/-in geweckt wird, was durchaus zu qualitativen Kontaktsituationen mit der Möglichkeit freundschaftlicher Beziehungen führen kann.

Aus einzelnen Aussagen von Eltern, deren nichtbehinderte Kinder an der integrativen Gruppe teilnehmen, entnehmen wir keine grundsätzlich ablehnenden Haltungen. Ernste Bedenken gegen solche Integrationsmaßnahmen werden nicht geäußert. Man ist sich bewußt, daß "das mit der Integration Behinderter sicher alles nicht sehr leicht, aber eine gute Sache ist". In Gesprächen wird zwar immer wieder deutlich, daß man sich nicht vorstellen kann, alle Behinderten unabhängig von Art und Schweregrad zu integrieren, aber man räumt der Integration mehr Chancen ein, wenn eine kompetente Person dem Verein und dem Behinderten behilflich ist.

Im Rahmen einer Diplomarbeit der Fachrichtung Sozialpädagogik der Evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen in Ludwigshafen wurde die rechtliche Grundlage für die Finanzierung der Integrationsbegleiter/-innen untersucht (vgl. Henn 1995). Die Arbeit der Integrationsbegleiter/-innen ist eine Leistung die den Aufgaben und Zielen der Eingliederunghilfe nach §§ 39 und 40 Abs. 1 Nr. 8 des BSHG und nach § 35a des KJHG enstpricht, auf die ein Rechtsanspruch besteht, sofern ein Hilfeempfänger anspruchs- und leistungsberechtigt ist. Es gilt also bei den zuständigen Sozial- und Jugendämtern einen entsprechenden Antrag auf Einzelfallförderung zu stellen und den Behörden einen amtsärztlichen Nachweis vorzulegen, aus dem der Grad der Behinderung und die Zugehörigkeit zum anspruchsberechtigten Personenkreis hervorgeht. Die Ämter sind zwar grundsätzlich dazu verpflichtet Eingliederungshilfe zu leisten, behalten sich aber vor nach pflichtgemäßem, fachlich begründeten Ermessen über Art und Umfang im Einzelfall zu entscheiden.

In allen Entscheidungen über die Notwendigkeit der Maßnahme sollte zukünftig mehr als das bisher der Fall ist, die Eltern mit ihrem behinderten Kind einbezogen werden. Unserer Erfahrung nach sollten die Sozial- und Jugendämter und alle an den Entscheidungen beteiligten Behörden in ihren Bedarfsplanungen und -feststellungen dem Wunsch der Eltern nach mehr gesellschaftlicher Integration im Lebensbereich Freizeit stärker als bisher berücksichtigen. Dazu ist es notwendig, daß Ämter und Behörden auf innovative integrationsstarke Träger der freien Jugendhilfe schneller und mit einer besseren Budgetierung als bislang reagieren.

3.3 Zusammenfassung und Ausblick

Zusammenfassend haben wir in der Kooperation mit sehr unterschiedlichen und breit gefächerten Freizeitvereinen erfahren, daß es weniger ein Problem ist behinderte bzw. von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendliche in einen ´normalen´, wohnortnah gelegenen Verein zu vermitteln, der ihren Freizeitbedürfnissen und -interessen entgegenkommt. Aus sozialpädagogischer Sicht beurteilen wir deshalb unsere geleistete Arbeit durchweg positiv. Unabhängig von Art und Schweregrad konnten alle behinderten Kinder und Jugendliche in einen Verein vermittelt werden. Die Probleme beginnen eigentlich erst nach der Vermittlung.

Die Integrationsbegleiter/-innen machen bei der Betreuung der Behinderten in den Vereinen die Erfahrung, daß es zahlreiche interne Vereinstrukturen und freizeitpädagogische Gepflogenheiten, z.B. interne personelle Querelen, strenge Disziplin, monotone, überlange Übungs- und Lernphasen, in denen sich die Kinder im wesentlichen selbst überlassen sind, kein gemeinsamer Beginn bei den Treffen im Verein, häufiger Wechsel der Übungs- bzw. Gruppenleiter etc. gibt, die die personale und soziale Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen erschweren. Aus integrationspädagogischer Sicht beurteilen wir unsere geleistete Arbeit deshalb deutlich negativer. Es ist uns noch nicht annähernd gelungen die Praxis in den Vereinen in Richtung einer Praxis zu verändern, die nach integrationspädagogischen Gesichtspunkten, also nach Grundsätzen wie dem Prinzip der Individualsierung, dem Prinzip der Inneren Differenzierung und dem Prinzip der entwicklungslogischen Kooperation am gemeinsamen Gegenstand geplant, organisiert und durchgeführt wird. Die "Einführung der Integrationspädagogik" in die gegenwärtige Freizeitpädagogik ist eine besondere Herausforderung, derer wir uns zwingend in Theorie und Praxis anzunehmen haben.

Nach etwas mehr als einjähriger Erfahrung mit unserem Konzept der Integrationsbegleitung nach dem Assistenzmodell ergeben sich mit Blick auf die Integration von Menschen mit Behinderung im Lebensbereich Freizeit zukunftsweisende Perspektiven. Wir können uns durchaus vorstellen, daß PFiFF als Träger der freien Jugendhilfe das Konzept zu einem integrationspädagogischen Fachdienst für behinderte und von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlicher im Freizeitbereich verdichtet und professionalisiert, den Eltern im Rhein-Neckar-Kreis in Anspruch nehmen können. Hierfür wären vor allem die infrastrukturellen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zu schaffen. Das Leistungsangebot ist klar umschrieben und zeitlich befristet. Die damit verbundenen Hoffnungen, daß sich für einzelne behinderte bzw. von Behinderung bedrohte Kinder und Jugendliche durch die Integrationsmaßnahme eine stabile, wohnortnahe sozialen Integration einstellt, die in den Familien zu einer spürbaren Entlastung führt, sind berechtigt. Mit der Finanzierung solcher Eingliederungshilfen könnte zum Ausdruck gebracht werden, daß Integration unverzichtbarer Bestandteil einer zeitgemäßen Jugend- und Sozialpolitik ist.

Das erprobte Konzept ließe sich durchaus auch auf andere Träger der Jugendhilfe, aber auch auf Einrichtungen der Behindertenhilfe übertragen. Insbesonders denken wir dabei an die sogenannten ´Familienentlastende Dienste´ (FED), die dank ihrer sehr breit gefächerten Hilfen und Dienste ohnehin schon große Bedeutung für Familien mit behinderten Kindern haben (vgl. z.B. Thimm 1994, 131-137). Den Familienentlastenden Diensten dürfte es am wenigsten schwer fallen, ihre Dienstleistungen um eine Variante zu erweitern, die vor allen Dingen jene Eltern anspricht, die nach integrativen Lösung im Freizeitbereich suchen.

4. Fallbeispiele: Untersuchungen zur Wirksamkeit unserer Integrationsbemühungen in einer Pfadfindergruppe und einer Voltigiergruppe

4.1 Methodisches Vorgehen und Schwierigkeiten bei der Erfassung und Bewertung unserer Integrationsbemühungen

Bis heute stehen wenige Untersuchungen zur Integration behinderter Kinder und Jugendlicher im Lebensbereich Freizeit zur Verfügung, die über den Erfolg und das Gelingen der Eingliederungsmaßnahme Auskunft geben. Dieser Mangel ist sicher auf die Schwierigkeiten des methodischen Vorgehens zur Erfassung von Dimensionen des sozialen, emotionalen und leistungsmotivationalen Integriertseins (vgl. hierzu Haeberlin et al. 1989 und Hildeschmidt/Sander 1995, 21), die Anhaltspunkte über die Qualität und damit über den Integrationserfolg unserer praktischen freizeitpädagogischen Arbeit auf der Grundlage des unter 3.1 vorgestellten Konzepts, zurückzuführen.

Während im schulischen Bereich viele Merkmale, wie z.B. Altershomogenität, Lehr- bzw. Bildungsplan, Ausbildung der Lehrer, zeitlicher Rahmen, Gruppengröße uvm., in verschiedenen Klassen übereinstimmend festgestellt werden können, findet man nur wenig übereinstimmende Merkmale in den unterschiedlichen Freizeitgruppen. Es gibt sowohl eher altershomogene (wie das Beispiel der Pfadfinder in diesem Beitrag: 12-16 Jahre) als auch sehr altersheterogene (wie das Beispiel der Voltigiergruppe in diesem Beitrag: 5-13 Jahre) Gruppen. Die Aktivitäten und Ziele der Gruppen unterscheiden sich gravierend. Die Gruppenleiter besitzen eine sehr unterschiedliche Ausbildung, von der professionell ausgebildeten Reitlehrerin bis zu jugendlichen Vereinsmitgliedern ohne spezielle Ausbildung. Die Häufigkeit und die Dauer der Gruppentreffen variiert ebenso erheblich wie die Gruppengröße. Dadurch wird die Vergleichsmöglichkeit der Ergebnisse stark eingeschränkt.

Ein weiteres Problem, eine aussagekräftige Untersuchung durchzuführen liegt in der grundsätzlichen Freiwilligkeit der Mitglieder einer Freizeitgruppe ihre freie Zeit gemeinsam zu gestalten. Eine Schulklasse setzt sich meist aus den Kindern eines bestimmten Einzugsgebietes zusammen. Entspricht eine Freizeitgruppe nicht oder nicht mehr den Erwartungen eines Teilnehmers, kann er die Gruppe verlassen oder in eine andere Gruppe wechseln. Diese Möglichkeit besteht in der Schule aufgrund der Schulpflicht nur in wesentlich geringerem Maße. Bei einer Untersuchung im Freizeitbereich muß deshalb davon ausgegangen werden, daß Interesselosigkeit, größere Meinungsverschiedenheiten, Ausgrenzungen, Über- oder Unterforderungen usw. bereits durch das Fernbleiben von der Gruppe quittiert wurden. Dadurch sind diese Dimensionen im Freizeitbereich kaum oder gar nicht zu erfassen. Die Ergebnisse müßten daher insgesamt positiver als im schulischen Bereich ausfallen.

Bei den untersuchten Gruppen entschieden sich die Gruppenmitglieder bzw. die Gruppenleiter für die Integration eines behinderten Kindes. Diese Entscheidung setzt eine positive, weitestgehend vorurteilsfreie Einstellung gegenüber dem behinderten Kind voraus, dadurch kann die Bereitschaft zur Integration als positiv angenommen werden. Dies führt wiederum zu einer positiven Beeinflußung der Untersuchungsergebnisse.

Eine Untersuchung in einer Freizeitgruppe beansprucht die gemeinsam verbrachte Freizeit der Gruppenmitglieder. Die Bereitschaft einer Gruppe ihre Dispositionszeit für eine Untersuchung zu opfern darf nicht überbeansprucht werden, da sonst die Antworten eventuell manipuliert abgegeben werden, um weiteren Untersuchungen zu entgehen. Deshalb darf der Untersuchungszeitraum und -aufwand nicht zu umfangreich ausfallen.

Aus den aufgeführten Gründen erlauben die Untersuchungsergebnisse lediglich qualitative Aussagen über die Wirkungen der Integration in den beiden untersuchten Gruppen. Vergleiche können nur auf der interpretativen Ebene gezogen werden.

4.2 Die Anlage der Untersuchung

In der Durchsicht verschiedener Untersuchungsmethoden kristallisierten sich zwei Möglichkeiten zur Untersuchung einer integrativen Gruppe heraus. Soziometrische Untersuchungsmethoden und Fragebogenerhebungen sind häufig angewandte Verfahren in der schulischen Integrationsforschung. Um diese Ergebnisse interpretierbar zu machen, wurden zusätzlich gezielte, teilnehmende Beobachtungen in den Gruppen durchgeführt. Parallel haben wir Informationen von den Eltern, den Gruppenleitern und den Integrationsbegleitern durch Interviews bzw. Fragebögen eingeholt.

4.2.1. Soziometrische Untersuchung, eine begründete Methode

Für die Methode der Soziometrischen Untersuchung haben wir uns aus mehreren Gründen entschieden. Die Einfachheit der Anwendung bei relativ geringem Zeitaufwand kommt nicht nur der wissenschaftlichen Begleitung, sondern auch der zu untersuchenden Gruppen entgegen, da sie nur wenig ihrer Zeit für diese Untersuchung opfern müssen. Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens scheint der zu sein, daß das Interesse nicht auf das Kind mit einer Behinderung gelenkt wird, wie dies mit gezielten Fragen zweifelsohne der Fall wäre. Durch eine relativ schnelle und unkomplizierte Auswertung lassen sich "auffallende Phänomene" als Beobachtungsanlaß und mögliches Interventionsfeld in die Gruppe einbringen.

Die Auswertung wird durch ein Computer-Auswertungsprogramm, das von Hans Wocken entwickelt und von ihm anläßlich der Jahrestagung der Integrationsforscher und -forscherinnen 1993 in Ludwigsfelde bei Potsdam vorgestellt wurde, erheblich erleichtert. Dadurch können Soziogramme, Typenbildung, Faktorenberechnung und vieles mehr vom Computer erstellt und berechnet werden. Soziometrische Verfahren wurden bereits von mehreren Forschungsgruppen (z.B. Wocken, H. 1983/1987; Heyer, P./Preuss-Lausitz, U./ Zielke, G. 1990; Hildeschmitt/Sander, A. 1995) zur Erhebung des sozialen Integriertseins in integrativen Schulklassen und Schulen verwendet. Dadurch wird ein Vergleich mit anderen Ergebnissen möglich.

Ein großer Nachteil scheint uns in der Einschränkung der Kriterien auf ein Wahlkriterium pro Untersuchung zu liegen, dadurch besteht die Gefahr, soziale Beziehungen auf ein Kriterium zu reduzieren. Preuss-Laussitz u.a. (1990), wie auch einige andere Untersuchungen bezogen deshalb drei Wahlkriterien in ihre soziometrische Untersuchung ein (ebd. S. 101). Wird das Wahlkriterium schlecht gewählt, oder erweist es sich als unbedeutsam, so kann kein aussagekräftiges Ergebnis erzielt werden. Obwohl Kron soziometrische Verfahren zur Erfassung innerer Vorgänge für nicht geeignet hält, hoffen wir aus äußeren Beziehungen Rückschlüsse auf die inneren Identitätsaspekte ableiten zu können. (vgl. Kron, M. 1988, 59).

Bei der Soziometrie "werden die Schüler gebeten, erwünschte bzw. unerwünschte Mitschüler nach einem bestimmten Kriterium (z.B. Arbeitspartner bei Gruppenarbeit) auszuwählen." (Petillon, H. 1980, S. 82). Es muß jedoch klar sein, daß es sich lediglich "um die Wiedergabe eines augenblicklichen Zustandes, der sich recht schnell wieder ändern kann" handelt (ebd. S. 83). Damit ist die Soziometrie nur für den Untersuchungszeitpunkt und das bestimmte bzw. die bestimmten Kriterien aussagekräftig. Aussagen über andauernde soziale Beziehungen lassen sich erst durch wiederholte soziometrische Untersuchungen unter möglichst gleichen Bedingungen (Gruppe, Motivation, Wahlkriterium, Zeit) machen.

Methodisch war noch die Frage zu klären, ob die Anzahl der Wahlen oder Ablehnungen begrenzt werden soll. Jeder Befragte sollte sich frei entscheiden, welche Gruppenmitglieder er wählt oder ablehnt, dabei würde eine Begrenzung der Entscheidungsmöglichkeiten keinen Sinn machen (vgl. ebd. S. 84 und 85). Durch das Vorfühlen der Integrationsbegleiter und eine motivierende Instruktion hofften wir, auf die Mitarbeit der Kinder zählen zu können.

Eine schwierigere Frage ist die nach den Wahlkriterien. Übliche Fragestellungen wie z.B. nach dem Sitznachbarn o.ä. entfielen für die Untersuchung in Freizeitgruppen. Das Wahlkriterium sollte immer eine bedeutsame Entscheidung für oder gegen ein Gruppenmitglied beinhalten. Nach Petillon sind folgende Eigenschaften eines Kindes wichtig, um von anderen Kindern in Interaktionen eingebunden zu werden:

  • gute Beziehungen zu Betreuern

  • gute Begabung

  • soziale Kompetenz

  • ein positives Selbstbild

  • interaktionsförderndes Sozialverhalten

  • diszipliniertes Verhalten in der Gruppe

  • Lernbereitschaft

  • Herkunft aus gepflegtem sozialen Milieu

  • Ähnlichkeit in bezug auf das Selbstideal der Mitschüler

(vgl. Petillon 1978, 80)

Es mußten also Wahlkriterien gefunden werden, die in Bezug auf diese Eigenschaften, in der zu untersuchenden Gruppe als bedeutsam erachtet werden. Da in den zwei völlig unterschiedlichen Gruppen, wie sie hier vorgestellt werden, mußten die Wahlkriterien jeweils variiert werden. Die Wahlkriterien werden deshalb zusammen mit den Ergebnissen dargestellt.

4.2.2 Fragebogen FDI - für Kinder und Jugendliche in Freizeitaktivitäten

Ein weiteres Untersuchungsinstrument stellte ein Fragebogen dar. Ausgangspunkt dafür war der FDI von Haeberlin u.a. (1989), der auch schon von Hildeschmidt/Sander (1995) in der schulischen Integrationsforschung eingesetzt wurde. Allerdings ist festzuhalten, daß die Fragen eindeutig auf den Schulbereich bezogen sind. Im Rahmen des Forschungsprojekts "Stigma-Identitätsthese und Entstigmatisierung durch Integration" (vgl. Markowetz 1996´b) wurde deshalb ein abgewandelter Bogen entworfen. Da die Untersuchung in unterschiedlichen Gruppen stattfand, mußte dieser Bogen jeweils angepaßt werden, wobei der Sinn der Fragen erhalten blieb. Durch diesen Fragebogen hofften wir uns gezieltere Informationen über Dimensionen des sozialen, emotionalen und leistungsmotivationalen Integriertseins (Haeberlin u.a., 1989) zu erhalten. Diese Dimensionen sind mit dem Selbstkonzept in den jeweiligen Bereichen gleichzusetzen (vgl. Hildeschmidt/Sander 1995, 21).

Die Fragen konnten jeweils auf einer vierstufigen Skala, von "stimmt genau" bis "stimmt gar nicht" angekreuzt werden. In einer möglichst kurzen Instruktion wurde betont, daß es keine richtigen oder falschen Antworten gibt und vor allem ehrliche Antworten wichtig sind. Die Vorgehensweise war durch ein Übungsbeispiel und erklärende Hinweise auf der Titelseite beschrieben und wurde in der Gesamtgruppe nochmals erläutert.

Die Auswertung erfolgte durch Berechnung der echten Werte, der prozentualen Mittelwerte und der durchschnittlichen Abweichung der jeweiligen Gruppe. Ein Vergleich mit der Eichstichprobe von Haeberlin u.a. (1989) ist durch die unterschiedlichen Bedingungen und die Veränderung des Fragebogens nicht möglich und wäre auch nicht sinnvoll. Erst auf der Interpretationsebene sind Vergleiche möglich.

Da der Fragebogen vorher nur in einer integrativen Freizeitgruppe getestet werden konnte, entsprechen die Ergebnisse nicht den üblichen Validitäts- und Reliabilitätskriterien. Die Items wurden vorher nicht auf ihre Trennschärfe überprüft, was sich bei manchen Items negativ bemerkbar machte. Allerdings wird das vergleichbare Ergebnis innerhalb einer Gruppe durch mangelnde Trennschärfe nicht verfälscht, sondern die Punktzahlen aller Testteilnehmer steigen oder fallen gleichermaßen. Die Ergebnisse können aus diesen Gründen lediglich zur Aufklärung einer bestimmten Gruppensituation herangezogen werden. Ein Vergleich der Werte mit den Vergleichswerten des FDI ist nicht möglich.

4.2.3 Gezielte, teilnehmende Beobachtung

Als drittes Instrument diente die gezielte, teilnehmende Beobachtung eines direkt in die Praxis nicht mit eingebundenen Beobachters und der jeweiligen konkret für die Begleitung des behinderten Kindes verantwortliche und aktiv tätige Integrationsbegleiterin. Diese qualitative Methode gewinnt in der Integrationspädagogischen Forschung immer größere Beachtung. Kron (1988) bedient sich dieser Methode um "sinnhafte Sequenzen von Interaktionen zwischen den Kindern" zu eruieren (vgl. Kron 1988, S. 60). In aktuellen Forschungsdesigns werden häufig Beobachtungsmethoden miteinbezogen (vgl. Benkmann 1995).

Vor der Untersuchung wurde abgesprochen auf welche Situationen besonders geachtet werden soll. Das Hauptaugenmerk richtete sich auf soziale Interaktionen zwischen dem behinderten Kind und anderen Gruppenmitgliedern. Desweiteren achteteten wir auf Stimmungslagen der Gruppe und des behinderten Kindes, soweit diese für uns wahrnehmbar waren. Während und nach den Gruppentreffen wurden die Beobachtungen in Gesprächen ausgetauscht. Dabei nahmen meist auch die GruppenleiterInnen teil und konnten dabei manche Beobachtungen bestätigen oder revidieren.

Da die beiden anderen Untersuchungen zeitlich parallel stattfanden, konnten erste Ergebnisse, vor allem aus der soziometrischen Untersuchung als Rückmeldung an die Gruppenleiter weitergegeben werden. Diese Ergebnisse schärften unseren Blick für problematische Beziehungen und Situationen. Dadurch entstand auch die Möglichkeit einer pädagogische Einbeziehung der Ergebnisse in die Gruppe durch die Gruppenleiter.

4.2.4 Informationen von Gruppenleitern, Eltern und Integrationsbegleitern

Eine weitere Informationsquelle stellten die Informationen der beteiligten Erwachsenen Personen dar. Dabei wurden die Gruppenleiter und die Integrationsbegleiter durch einen Fragebogen befragt. Die Eltern bzw. die Erziehungsberechtigten wurden interviewt. Die Interviews wurden auf Tonband mitgeschitten und für eine besser Auswertung in ein Gesprächsprotokoll transkipiert. Diese Informationen ermöglichen eine Interpretation der gewonnen Ergebnisse aus verschiedenen Blickwinkeln. Durch den Vergleich dieser Aussagen mit den Testergebnissen der beiden Untersuchungen in den Gruppen soll die Aussagekraft und Interpretationsmöglichkeit der Ergebnisse erhöht werden. Außerdem ergeben sich aus den Informationen unterschiedliche Motive und Ziele der Beteiligten in Bezug auf die Integrationsmaßnahme.

4.2.5 Untersuchungsdesign für das methodische Vorgehen

Für die Evaluation der integrativen Prozesse und zur Erfassung der Wirksamkeit der integrativen Bemühungen im Rahmen des Modellprojektes PFiFF nach dem Konzept der "Assistenz durch Integrationsbegleiter/-innen" haben wir für die wissenschaftliche Begleitforschung im Gesamtrahmen der Handlungsforschung einige Methoden der qualitativen Sozialforschung miteinander kombiniert und versucht den Ansprüchen der wissenschaftstheoretischen Postion des "wertgeleiteten Methodenpluralismus" (vgl. Haeberlin 1996, 212-232) zu genügen. Aus der folgenden Abbildung 8 können die Informationsquellen und die Vorgehensweise in Form einer Übersicht der Untersuchungsanlage ersehen werden.

Abb. 8: Übersicht der Untersuchunganlage

4.3 Kurzbeschreibung der untersuchten Gruppen

Die Untersuchung wurden in zwei Freizeitgruppen durchgeführt. In beiden Gruppen wird versucht ein behindertes Kind zu integrieren. Dabei waren die Integrationsbegleiterinnen in wesentlichem Maße beteiligt. Beide Kinder waren zu Beginn der Untersuchung erst kurze Zeit in der Gruppe.

4.3.1 Pfadfinder-Gruppe

Die erste Gruppe ist eine Gruppe der deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). Die Gruppe trifft sich an einem Abend pro Woche von 19. °° Uhr bis 21. °° Uhr. Sie wird von einer Gruppenleiterin und einem Gruppenleiter betreut, wobei sich diese mehr und mehr zurückziehen, da die Gruppe ihre Aktivitäten zunehmend selbständiger planen und durchführen soll. Die 14 Jugendlichen, 8 Mädchen und 6 Jungs, im Alter von 12 - 16 Jahren sind erst seit Dezember 1995 in dieser Gruppenzusammensetzung beisammen. Fast gleichzeitig mit der Neubesetzung der Gruppe begann die Integrationsmaßnahme für Doris (Name geändert) ein 13 jähriges Mädchen mit einer Körperbehinderung, welches den Lernbehindertenzweig einer Körperbehindertenschule besucht.

Die Untersuchung fand zwischen dem 13. Februar und dem 5. März an 4 Gruppentreffen statt, wobei die Soziometrische Untersuchung und der Fragebogen am vorletzten Termin, also am 27. Februar durchgeführt wurde. Während der anderen Termine versuchten wir durch Beobachtungen und in Gesprächen mit den Jugendlichen, den Gruppenleitern und der Integrationsbegleiterin Informationen über das Gruppengeschehen zu sammeln.

4.3.2 Voltigier-Gruppe

Die zweite Gruppe trifft sich einmal wöchentlich von 16.45 Uhr bis 17.45 Uhr zum Voltigieren. Unter Anleitung einer ausgebildeten Reitlehrerin lernen dabei 8 Mädchen, im Alter von 5 - 9 Jahren, verschiedene gymnastische bis akrobatische Übungen auf einem Pferd. Die Gruppe besteht in dieser Zusammensetzung seit April 1995. Seit November 1995 besucht Armin (Name geändert), ein 13 jähriger Junge mit einer körperlichen und geistigen Behinderung zusammen mit einer Integrationsbegleiterin die Voltigier-Gruppe.

Die Untersuchung in dieser Gruppe fand zwischen dem 26. Februar und dem 25. März 1996 an 5 Gruppenterminen statt. Die Soziometrische Untersuchung und der Fragebogen wurde an den letzten beiden Terminen (18. u. 25. März) durchgeführt.

4.4 Darstellung der Ergebnisse

An dieser Stelle möchten wir vor allem die Ergebnisse der Soziometrischen Untersuchung und der Fragebögen darstellen, da sie zur Erfassung der sozialen Beziehungen sowie des `sich integriert Fühlens´ innerhalb der Gruppen dienten. Dabei fokussieren wir die Ergebnisse auf die Kinder mit einer Behinderung, die integriert werden sollen. Die Aussagen der Eltern, der GruppenleiterInnen, der IntegrationsbegleiterInnen und unsere eigenen Beobachtungen werden wir als Interpretationshilfen im nächsten Abschnitt heranziehen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden an dieser Stelle die Ergebnisse nicht näher erläutert und auch nicht interpretiert. Hier geht es uns in erster Linie um eine überschaubare Datenaufbereitung, mit deren Hilfe man sich einen schnellen Überblick über die gewonnenen Zahlenwerte verschaffen kann.

4.4.1 Die Soziometrischen Untersuchungsergebnisse

4.4.1.1 Die Pfadfinder-Gruppe

In der Pfadfinder-Gruppe wurde als Wahlkriterium die Frage gestellt: "Mit wem würdest du im Zeltlager ein Zweimannzelt teilen?"

Den Ergebnissen zu Folge, konnte das integrierte Mädchen (Doris), schon nach der relativ kurzen Zeit in dieser Gruppe ein positive und gefestigte soziale Stellung innerhalb der anderen Mädchen dieser Gruppe einnehmen. Dies wird durch die reziproken (beidseitigen) Wahlen zwischen allen Mädchen und Doris deutlich. Allerdings war das Wahlverhalten der Mädchen allgemein sehr hoch (Ø 83,9%). Lediglich zwei Mädchen (Nr. 7 u. 8) erhielten weniger als fünf beidseitige Wahlen. Innerhalb der Mädchengruppe gab es nur eine einzige Ablehnung.

Etwas auffälliger wird das Bild, wenn man den Vergleich zwischen den Geschlechtern heranzieht. Von den Jungs erhält Doris jeweils zwei Wahlen und zwei Ablehnungen, was im Vergleich zu den anderen Mädchen eine eher niedrige Einstufung ist. Auch hier nehmen die beiden Mädchen (Nr. 7 u. 8) eine noch niedrigere Position ein. Die Unterschiede scheinen hier enorm. Es gibt 5 "Stars" (Nr. 1-5), mit jeweils 4 Wahlen und keiner Ablehnung und 3 "Außenseiterinnen" (Nr. 6-8), mit jeweils 2 Wahlen und 2 bzw. 3 Ablehnungen, wobei Doris zu den Außenseiterinnen zu rechnen ist.

Durch die enorm hohe Wahlbereitschaft und die seltenen Ablehnung, vor allem im eigenen Geschlecht, kann ein sehr positives Beziehungsmuster in Bezug auf dieses Wahlkriterium für die gesamte Gruppe abgeleitet werden.

Abb. 9: Soziografiken von Wahlen in der Pfadfindergruppe

Abb. 10: Soziografiken von Ablehnungen in der Pfadfindergruppe

4.4.1.2 Die Voltigier-Gruppe

In der Voltigier-Gruppe konnte die Soziometrische Untersuchung weniger Aufschluß über die Sozialen Beziehungen liefern. Hier lautete das Wahlkriterium: "Mit wem reitest du gerne zusammen auf einem Pferd?" Im Nachhinein würden wir eine anderes Wahlkriterium verwenden, da dieses Kriterium hauptsächlich in Bezug auf die Leistung eines Partners bedeutsam erscheint. Trotzdem kann das Ergebnis in gewisser Weise Aufschluß über die sozialen Beziehungen in dieser Gruppe geben.

Auch hier steht der relativ hohen Wahlbereitschaft eine sehr niedrige Ablehnungsbereitschaft gegenüber. Obwohl der integrierte Junge gerne mit allen Mädchen der Gruppe auf einem Pferd reiten würde, sind sich die Mädchen unsicher und stimmen dem weder zu, noch lehnen sie es ab. In der Gruppe bilden sich lediglich drei Paare, die miteinander reiten wollen. Alle anderen Wahlen werden nicht erwidert. Ablehnungen erhält Armin keine. Ein neu in die Gruppe gekommenes Mädchen (Nr. 5) erhält zwei Ablehnungen von insgesamt drei abgegebenen Ablehnungen. Eine Statusberechnung und eine Typenbildung erscheint bei einer Gruppe von sieben Kindern wenig sinnvoll.

Abb. 11: Soziografiken von Wahlen und Ablehnungen in der Voltigiergruppe

4.4.2 Die Ergebnisse der Fragebogenauswertung

Einen Überblick über die verwendeten Fragen bzw. Items kann vom Autor angefordert werden. Aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichte wir an dieser Stelle auch auf die Darstellung der einzelnen Items und die dazugehörigen Ergebnisse. Die Ergebnisse werden wir jedoch in die Interpretation einfließen lassen.

Die Auswertung der "Fragebögen zur Erfassung von Dimensionen des Integriert-seins im Freizeitbereich" (FDI-F) fiel insgesamt sehr positiv aus. Zum einen lag dies an den unter 4.1 angeführten Verzerrungen einer Untersuchung im Freizeitbereich. Zum anderen aber auch daran, daß die Fragen bzw. Items vorher kaum auf ihre Tauglichkeit überprüft werden konnten.

4.4.2.1 Pfadfinder-Gruppe

In der Pfadfinder-Gruppe verzichteten wir auf die Dimension des leistungsmotivationalen Integriertseins, da dieser Bereich in der Pfadfinder-Gruppe keine bzw. nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt und daher wenig Aussagekraft über das Selbstkonzept einer/s Jugendlichen in dieser Gruppe hat.

Die Abb 12 zeigt die Gesamtpunktzahlen in den Bereichen `Soziales Integriertsein´, `Emotionales Integriertsein´ sowie die daraus berechneten Prozentwerte und die Abweichung vom durchschnittlichen Prozentwert der Gruppe. Zusätzlich werden die durchschnittlichen Gesamtpunktzahlen, die dazu gehörenden Prozentwerte und die durchschnittliche Abweichung in Prozent angegeben. Dabei wurden die Werte zusätzlich für die Gruppe der Mädchen und die Gruppe der Jungen berechnet. Die Ergebnisse von Doris, dem integrierten behinderten Mädchen sind dickgedruckt.

Abb. 12: Ergebnisse des Fragebogen zur Erfassung von Dimensionen des Integriertseins im Freizeitbereich (FDI-F) in der Pfadfindergruppe

Betrachtet man die Gesamtpunktzahlen, so fällt deutlich auf, daß Doris im Selbstkonzept `Soziale Integration´ nur die niedrigste Punktzahl erreicht. Im Vergleich zum Gruppendurchschnitt weicht ihr Ergebnis um fast 10 Punkte (16,31%) ins negative ab. Die Differenz zum Durchschnitt der Mädchen beträgt sogar über 12 Punkte (20,42%). Selbst wenn die durchschnittliche Abweichung von +/- 9,43 % abgezogen wird, bleibt ihr Ergebnis um 11 % unter dem unauffälligen Bereich (75,99% - 94,85%).

Im Selbstkonzept `Emotionale Integration´ läßt sich ein ähnliches allerdings nicht ganz so auffälliges Ergebnis erkennen. Doris erreicht hier 43 Punkte und weicht somit um -7,7 Punkte vom Gruppendurchschnitt bzw. um -10,6 Punkte vom Durchschnitt der Mädchen ab. Nach Abzug der durchschnittlichen Abweichungen (+/- 8,95% bzw. +/-8,06%) bedeutet dies, daß Doris um 3,9% unter dem unauffälligen Bereich der Gesamtgruppe und um 4,79% unter dem unauffälligen Bereich der Mädchengruppe bleibt.

Da die Abweichungen aller Gruppenmitglieder in beiden Bereichen sehr breit gestreut sind, können die errechneten, durchschnittlichen Abweichungen lediglich als grobe Orientierung dienen.

4.4.2.2 Die Voltigier-Gruppe

In der Voltigier-Gruppe konnten alle drei beschriebenen Dimensionen des Integriertseins ermittelt werden. Allerdings hielten wir es für sinnvoll, die Anzahl der Fragen in jedem Bereich von fünfzehn auf zehn Fragen zu reduzieren, um die z.T. sehr jungen Teilnehmerinnen (ab 5 Jahre) nicht zu überfordern. Außerdem bekamen die Kinder Unterstützung durch einen Erwachsenen, der ihnen die Fragen vorlaß und wenn nötig erklärte. Die folgende Abb 13. zeigt die gewonnenen Ergebnisse:

Abb. 13: Ergebnisse des Fragebogen zur Erfassung von Dimensionen des Integriertseins im Freizeitbereich (FDI-F) in der Voltigiergruppe

Die Ergebnisse von Armin, dem integrierten behinderten Jungen zeigen ein insgesamt als positiv zu bezeichnendes Bild. Obwohl er im Selbstkonzept `Soziale Integration´ mit -5,7% einen eindeutig negativen Wert erreicht, liegt dieser noch innerhalb der durchschnittlichen Abweichung von +/- 6,3%. Trotzdem muß gesagt werden, daß dies der zweitschlechteste Wert in dieser Gruppe ist.

Im Bereich `Emotionale Integration´ erreicht er in der Abweichung vom Gruppendurchschnitt einen sehr positiven Wert von +11,4%. Damit liegt er um 2,6% über der durchschnittlichen Abweichung (+/- 8,8%) der gesamten Gruppe. Er scheint sich also in der Gruppe insgesamt sehr wohl zu fühlen.

Auch im Selbstkonzept `Leistungsmotivationale Integration´ schätzt sich Armin positiv ein. Hier erreicht er 32 von 40 Punkten und liegt somit um 1,14 Punkte über dem Gruppendurchschnitt. Betrachtet man die prozentuale Abweichung so liegt er zwar mit +2,9% über dem Gruppendurchschnitt, bleibt aber eindeutig im unauffälligen Bereich (+/- 7,7%).

Aus den dargestellten Ergebnissen lassen sich keine Signifikanzwerte ableiten, da aus diesen Einzeluntersuchungen unterschiedlicher Gruppen keine objektivierbaren Werte gewonnen werden können. Die sehr hohen durchschnittlichen Abweichungen deuten auf die Notwendigkeit einer genaueren Itemanalyse hin. Die gefundenen Ergebnisse sind daher sehr interpretationsbedürftig und müssen durch die gemachten Interviews, Fragebögen und gezielten Beobachtungen ergänzt und kritisiert werden.

4.5 Zusammenfassung, Interpretation und Folgerungen aus den Ergebnissen

In diesem Abschnitt möchten wir versuchen, alle erhaltenen Informationen, Beobachtungen und Ergebnisse auf die wesentlichen Aussagen zu konzentrieren. Dabei werden wir die Quellen jeweils nennen, aus denen wir bestimmte Ergebnisse und Aussagen ableiten. Uns ist durchaus bewußt, daß dies eine sehr verkürzte und dadurch reduzierte Darstellung ist. Es erscheint uns jedoch sinnvoller die Quintessenz der umfangreichen Informationsquellen zusammenfassend aufzuzeigen, als uns in Einzelaspekten und speziellen Problemfeldern zu verlieren.

Bei der Interpretation der Ergebnisse erscheint es sinnvoll, die Unterscheidung zwischen den von beteiligten Personen gewonnenen Ergebnissen, die auf das Fremdbild der Integrationskinder hinweisen, und den tatsächlichen Aussagen und Ergebnissen der Integrationskinder, die auf das soziale und private Selbst (vgl. Markowetz 1996a) schließen lassen, nicht aus den Augen zu verlieren.

4.5.1 Die Pfadfinder-Gruppe

Bevor Doris über PFiFF versuchte in eine Freizeit-Gruppe zu kommen, sammelte sie eigene Erfahrungen. Aus dem Gespräch mit der Mutter geht hervor, daß Doris schon zweimal versucht hat in eine Gruppe von nichtbehinderten Kindern aufgenommen zu werden, um dort Freunde zu finden. Einmal ging sie mit anderen Kindern auf eine Freizeit mit. Da auf dieser Freizeit keine zusätzliche Betreuungskraft dabei war, war Doris völlig auf sich alleine gestellt und war damit überfordert und kam ziemlich frustriert und deprimiert aus der Freizeit zurück. Ein anderes mal scheiterte die Integration an der Überforderung einer 18 jährigen Gruppenleiterin einer kirchlichen Jugendgruppe. Sie war nicht in der Lage ihre Gruppenaktivitäten so zu planen, daß auch Doris immer mitmachen konnte. In beiden Fällen hätte ein/e IntegrationsbegleiterIn das Verlassen der Gruppe vielleicht verhindern können. Deshalb setzen Doris und ihre Mutter große Hoffnungen in die Integrationsbegleitung durch PFiFF in die Pfadfinder-Gruppe.

In der soziometrischen Untersuchung konnte eine sehr positive soziale Stellung von Doris gefunden werden. Lediglich in der Gruppe der Jungen wird Doris als Zeltnachbar zweimal abgelehnt. Dieses, unseres Erachtens positive Ergebnis erstaunte uns etwas, da wir in unseren Beobachtungen immer wieder Unsicherheit und Zurückhaltung der anderen Jugendlichen im Umgang mit Doris feststellen konnten. Auch die GruppenleiterInnen und die Integrationsbegleiterin bestätigten uns diese Beobachtung. Die GruppenleiterInnen gaben selbst auch zu, die Fähigkeiten und Interessen von Doris nicht immer richtig einschätzen zu können. Um so erfreulicher scheint das gefundene Ergebnis zu sein, da die Unsicherheit anscheinend keinerlei Ablehnungstendenzen zur Folge hat. Im Gegenteil deutet es eher darauf hin, daß die Jugendlichen eine sehr hohe Kontaktbereitschaft zeigen und ihre bisherige Unsicherheit überwinden wollen. Diese Kontaktbereitschaft sollte von den GruppenleiterInnen und der Integrationsbegleiterin genutzt werden, um Unsicherheiten abzubauen und freundschaftliche Kontakte anzubahnen.

Die Ablehnungen von einzelnen Jungs der Gruppe sind Doris relativ egal, da sie selbst kein gesteigertes Interesse an einem engeren Kontakt mit den Jungen der Gruppe zeigt. Die Jungs sind ihr meist "viel zu laut", "zu angeberisch" und "zu blöde" (Zitat: Doris).

Aus dem Gespräch mit der Mutter und den Informationen der Integrationsbegleiterin geht hervor, daß sich Doris sehr viele Gedanken über die Gruppe und ihre Erfahrungen in dieser Gruppe macht. Doris weiß, daß sie von allen Mädchen akzeptiert wird, auch wenn sich noch keine dicken Freundschaften entwickelt haben. Die Mutter und Doris hoffen jedoch, daß sich aus der Pfadfinder-Gruppe engere Freundschaften ergeben, die auch außerhalb der Gruppe fortgeführt werden. Dabei nennen beide die Sonderschule als Haupthindernis für solche Freundschaften.

Die anderen Mädchen beziehen Doris bisher nicht in ihre Freizeitaktivitäten außerhalb der Pfadfinder-Gruppe ein. Auch dies führen wir z.T. auf den getrennten Schulbesuch von Doris zurück. Dieses Hindernis wird auch von anderen Untersuchungen immer wieder beschrieben (vgl. z.B. Preuss-Lausitz u.a. 1990). Die eingeschränkte Mobilität von Doris ist, unseres Erachtens, ein weiterer Grund, der Kontakte zu den Jugendlichen außerhalb der Gruppe erschwert.

Das Gesamtergebnis der Fragebogen Aktion erscheint für Doris auf den ersten Blick eher negativ auszufallen. Eine genauere Betrachtung der einzelnen Fragen gibt jedoch Auskunft über Gründe, die zu diesem Ergebnis geführt haben. Zunächst ist festzustellen, daß Doris nur sehr selten eine volle Zustimmung oder eine komplette Ablehnung der Fragen ankreuzte, während die meisten der anderen Jugendlichen sehr leicht ihr Kreuz bei "stimmt genau" bzw. "stimmt gar nicht" machten. Dadurch sinkt ihr Gesamtergebnis um mindestens fünf Punkte pro Bereich. Dies deutet jedoch wiederum darauf hin, daß sich Doris viele Gedanken über die Pfadfinder-Gruppe macht und daß ihr ihre Teilnahme an dieser Gruppe sehr wichtig ist.

Manche Fragen waren für Doris zum Zeitpunkt der Erhebung noch nicht zu beantworten, da sie noch nicht lange genug in der Pfadfindergruppe war. Sie konnte z.B. noch kein anderes Kind überzeugen mit ihr in die Pfadfinder-Gruppe zu gehen (Frage Nr. 11 -> 1 Punkt; Markowetz 1996b). Auch die Frage ob ihr die Aktivitäten der Gruppe gefallen, konnte sie noch nicht eindeutig beantworten (Frage Nr. 6 >2 Punkte; Markowetz 1996b). Auf Geburtstagsfeiern wurde sie in dem kurzen Zeitraum ebenfalls noch nie eingeladen, allerdings feierte auch noch niemand eine Party seit Doris in die Pfadfinder-Gruppe geht (Frage Nr. 22 > 1 Punkt; Markowetz 1996b). Doris fühlt sich in der Pfandfinder-Gruppe nicht immer wohl (Frage Nr. 30 > 2 Punkte, Markowetz 1996b). Diese Frage bezog Doris (nach Rückfrage) hauptsächlich auf das Verhalten der Jungs, die ihr meist zu laut und rüpelhaft sind. Insgesamt ist das Ergebnis des Fragebogens deshalb nur wenig aussagekräftig.

Doris hat es geschafft innerhalb der kurzen Zeit, die sie in der Pfadfinder-Gruppe ist eine gefestigte soziale Stellung einzunehmen. Sie wird von den anderen Jugendlichen akzeptiert und nahezu wie jedes andere Mitglied der Gruppe behandelt. Zum Teil ist diese positive Entwicklung freilich der Arbeit der GruppenleiterInnen und der Integrationsbegleiterin zu verdanken.

Ein wesentlich größerer Anteil an der bisher erfolgreichen Integration ist sicherlich Doris selbst zuzuschreiben. Durch ihr Bemühen Anschluß an die Gruppe zu finden, konnte sie sich sehr schnell in diese Gruppe integrieren. Dabei wirkten sich die folgenden, beobachteten Selbstdarstellungen und Identitätsstrategien von Doris besonders positiv auf diese Entwicklung aus:

  • Doris versucht ihre Körperbehinderung nicht zu vertuschen, weder gegenüber sich selbst, noch gegenüber anderen. Dadurch können die nichtbehinderten Gruppenmitglieder lernen mit der Behinderung richtig umzugehen und sie als eines von vielen Merkmalen von Doris zu akzeptieren, sowie Doris ihre Körperbehinderung selbst auch akzeptiert.

  • Manchmal kann Doris sich nur schwer, z.B. in einem Gebäude, orientieren. Diese Orientierungsstörungen konnte Doris bisher erfolgreich vor den anderen Jugendlichen verbergen. Sie selbst frustriert und deprimiert diese Unsicherheit.

  • An manche gruppenspezifische Verhaltensweisen paßte sich Doris sehr schnell an, ohne dabei diese Verhaltensweisen vollständig zu übernehmen. Zum Beispiel scheint man sich in dieser Gruppe nur durch lautes Brüllen gegen das ständige Gequatsche der anderen Jugendlichen durchsetzen zu können. Obwohl Doris, nach Aussagen der Mutter und der Integrationsbegleiterin, dieses Brüllen nicht ausstehen kann, benutzt sie es in der Gruppe um ihre Meinung und ihre Bedürfnisse zu äußern, dabei übernimmt sie auch die gängigen Ausdrücke der Gruppe.

  • Doris versucht ihre Stärken in der Gruppe hervorzuheben. Vor allem in Diskussionen überzeugt sie durch wohlüberlegte Argumente. Bei Aktivitäten in der Küche versucht sie ihre hauswirtschaftlichen Fähigkeiten auszuspielen.

  • Bei Aktivitäten in denen Doris sich nicht so kompetent wie die anderen fühlt, hält sie sich mehr im Hintergrund und versucht aus dem Verhalten der anderen zu lernen. Z.B. in Gesprächen über vergangene Aktivitäten, die wiederholt werden sollen oder in Teenager Gesprächen über Popgruppen u.ä..

  • Probleme die Doris mit den Jugendlichen der Gruppe hat, bespricht Doris meist zunächst mit der Integrationsbegleiterin. Gemeinsam überlegen sie dann, welche Lösungsmöglichkeiten bestehen. Nur wenn keine andere, annehmbare Lösung gefunden werden kann, wird ein Problem in die Gruppe eingebracht. Dies kann dann allerdings auch von der Integrationsbegleiterin bzw. den GruppenleiterInnen gemacht werden. Dadurch versucht Doris die frische Beziehung zu den Gruppenmitgliedern nicht schon in der Anfangsphase zu belasten.

Manche Verhaltensweisen von Doris und den anderen Jugendlichen könnten jedoch auch negative Auswirkungen auf den Integrationsgrad von Doris in dieser Gruppe haben. Dadurch könnte die bisherige, konsistente Selbsterfahrung von Doris in dieser Gruppe gefährdet werden. Dies möchten wir im folgenden Abschnitt verdeutlichen und dabei aufzeigen wie diese Probleme angegangen werden könnten. Dabei geht es uns nicht darum die Verhaltensweisen von Doris als unangebracht zu identifizieren, sondern hier sollen Problemfelder aufgezeigt werden, die von den Beteiligten gelöst werden sollten, bevor negative Auswirkungen eintreten:

  • Die Integrationsbegleiterin wird sich in absehbarer Zeit aus der Gruppe zurückziehen. Dadurch fällt sie als Vermittlerin zwischen Doris und der Gruppe aus. Doris und die Jugendlichen sollten daher rechtzeitig lernen, ihre Probleme direkt miteinander in der Gruppe zu besprechen. Die GruppenleiterInnen können dabei zeitweise die Vermittlungsfunktion der Integrationsbegleiterin einnehmen. Nach und nach sollte jedoch eine direkte Auseinandersetzung der Jugendlichen untereinander angestrebt werden.

  • Doris wird ihre Orientierungsstörungen nicht immer verbergen können. Die Reaktion der Jugendlichen ist dabei nicht vorhersehbar. Es ist zu überlegen, ob diese Schwierigkeiten nicht besser in einem Gespräch zwischen den Jugendlichen, den GruppenleiterInnen und der Integrationsbegleiterin erklärt werden, da durch eine Vorinformation der Jugendlichen eventueller Spott und Hänselei vermieden werden kann.

  • Die von uns beobachteten Gruppentreffen verliefen meist ziemlich unstrukturiert bis chaotisch. Die Aktivitäten wurden zwar jeweils eine Woche vorher vereinbart, allerdings fand nur selten eine genauere Vorplanung statt. Die Gruppe könnte sich durch selbst vereinbarte Verhaltensregeln und einer effektiveren Vorplanung eine für alle angenehmere Atmosphäre schaffen.

  • Doris (Information der Mutter) wünscht sich, daß die in der Pfadfinder-Gruppe geknüpften Freundschaften auch auf ihre übrige Freizeit übertragen werden. Diesem Wunsch steht ein erhöhter Organisationsaufwand für diese Freizeitkontakte im Weg. Während sich die anderen Jugendlichen z.T. täglich in der Schule treffen, trifft Doris nur in den zwei Stunden pro Woche mit den anderen Jugendlichen zusammen. Auch hierauf könnte in der Gruppe aufmerksam gemacht werden. Rheker (1993, 37ff) und auch Preuss-Lausitz (1990, 120ff) stellen allerdings übereinstimmend fest, daß Kontakte in Freizeitgruppen selten auf andere Bereiche übertragen werden, während Kontakte aus der Schule sehr häufig auch im Freizeitbereich fortgeführt werden.

Die in der Pfadfinder-Gruppe gefundenen Ergebnisse und die dargestellten Interpretationen bzw. Folgerungen sind von uns bewußt auf das integrierte Mädchen mit einer Körperbehinderung konzentriert worden. Dadurch kann der Eindruck entstehen, daß viele Entwicklungen und Probleme der Integration von Doris in die Pfadfinder-Gruppe, in der Hauptsache ihr oder der Integrationsbegleiterin zuzuschreiben sind. Dieser Eindruck entsteht unberechtigterweise.

4.5.2 Die Voltigier-Gruppe

In der Voltigier-Gruppe stellt sich die Integration von Armin, einem jungen mit einer körperlichen und einer geistigen Behinderung, völlig anders dar, als in der Pfadfinder-Gruppe. Armin nimmt nicht nur durch seine Behinderung, sondern auch noch durch andere Merkmale eine besondere Stellung in dieser Gruppe ein. Er ist der einzige Junge, ist druchschnittlich 6 Jahre älter als die anderen Kinder, wohnt als einziges Kind der Gruppe in einem Wohnheim für behinderte Kinder und ist erst vor kurzem zu der schon seit längerem bestehenden Gruppe gestoßen. Trotz dieser, eher ungünstigen Integrationsvoraussetzungen konnten wir entgegen der Erwartungen sehr positive Entwicklungen ausfindig machen.

Die Ergebnisse der soziometrischen Untersuchung liefern allerdings wenig Aufschluß über die tatsächlichen sozialen Beziehungen innerhalb der Gruppe. Dies liegt vor allem an dem zugegebenermaßen ungünstig gewählten Wahlkriterium. Durch die Frage nach einem Reitpartner, mit dem man gemeinsam auf einem Pferd reiten möchte, werden eher leistungsrelevante Kriterien für die Entscheidung herangezogen. Dieses Kriterium scheint deshalb nur eine sehr geringe soziale Bedeutsamkeit für die Kinder zu haben. Umso erstaunlicher erscheint uns, daß diese Annahme durch die sehr geringe Ablehnungsbereitschaft der Kinder nicht bestätigt wird. Im Soziogramm der Wahlen zeigt sich die Tendenz, den Partner nach Leistungskriterien auszuwählen etwas deutlicher, da die beste Reiterin die meisten Wahlen erhält.

In der Voltigier-Gruppe kann der Fragebogen zur Erfassung von Dimensionen des Integriertseins differenziertere Ergebnisse liefern als in der Pfadfinder-Gruppe. Vor allem im Bereich `Soziale Integration´ (SI) können sehr kritische Antworten von Armin gefunden werden.

Bei dem Satz: "Die anderen Kinder lassen mich oft stehen." (Frage Nr. 6 > 1 Punkt; Markowetz 1996b) kreuzt Armin "stimmt genau" an. Auch die Integrationsbegleiterin und wir von der Wissenschaftlichen Begleitung konnten dies häufig beobachten. Die anderen Kinder zeigten nur wenig Interesse mit Armin näheren Kontakt aufzunehmen. Auch die eindeutige Aussage, daß sich Armin im Voltigieren nicht immer wohl fühlt (Frage 14 > 1 Punkt; Markowetz 1996b), deute wir in Übereinstimmung mit allen Beobachtern, so, daß sich Armin sozial nicht ausreichend integriert fühlt und er sich mehr soziale Kontakte zu den Kindern seiner Gruppe wünscht.

Das sehr positive Ergebnis im Bereich `Emotionale Integration´ (EI) muß leider kritisiert werden, da verschiedene Faktoren zu einer Überbewertung in diesem Bereich geführt haben:

  • Das Voltigieren stellt für Armin die einzige Freizeitbeschäftigung dar, bei der er mit Kindern außerhalb der Schule für Körperbehinderte und seinem Wohnheim zusammenkommt. Der Wunsch nach solchen selbstbestimmten und persönlichen Kontakten überdeckt daher meines Erachtens viele seiner Antworten in diesem Bereich.

  • Die Aktivität an sich übt einen hohen, positiven Einfluß auf die Gefühlslage von Armin aus. Armin voltigiert sehr gerne.

Die Beziehung zur Integrationsbegleiterin ist eine sehr freundschaftliche. Dadurch fühlt sich Armin emotional schon sehr gut integriert, da er eine Person hat, die nur für ihn da ist.

Trotz dieser kritischen Relativierung bleibt festzuhalten, daß sich Armin aus verschiedensten Gründen sehr gut emotional integriert fühlt. Dies hat selbstverständlich sehr positive Auswirkungen auf seine Selbsterfahrung. Durch diese positive Grundstimmung werden eventuelle Bedrohungen und Angriffe seiner Person bzw. seines Selbst´s in diesem Bereich, von Armin überhaupt nicht oder nur verzerrt wahrgenommen.

Im Bereich des `Leistungsmotivationalen Integriertseins´ liegt Armin eindeutig im Durchschnittsbereich. Lediglich der Satz: "Ich versuche mich vor dem Üben zu drücken." (Frage Nr. 12 > 2 Punkte; Markowetz 1996b) muß näher erläutert werden. Da die Reitlehrerin die Übungen für Armin nur sehr wenig variiert, kann sich Armin nur noch schwach dafür begeistern. Ein differenzierterer, abwechslungsreicherer Übungsplan könnte Armin sehr leicht zu vermehrtem Üben motivieren.

In der Voltigier-Gruppe konnte die Soziale Integration von Armin noch nicht vollständig erreicht werden. Daran sind zum Teil ungünstige Rahmenbedingungen schuld. Auch die Arbeit der Integrationsbegleitung, der Gruppenleiterin und der BetreuerInnen in Armins Wohnheim kann in Teilbereichen für die noch nicht abgeschlossene soziale Integration verantwortlich gemacht werden. Natürlich sind auch die Kinder und selbstverständlich auch Armin an dem Streben nach sozialer Integration beteiligt.

Die positiven und negativen Wirkungsfaktoren möchten wir wie folgt aufzählen und erläutern:

  • In der sehr kurzen Zeit (45 Minuten), in der sich die Gruppe wöchentlich trifft, steht das Voltigieren im Mittelpunkt. Die Aktivität ist somit immer dieselbe, lediglich die Übungen variieren. Von den meisten Übungen, die von den anderen Kindern gemacht werden sind nur wenige für Armin zu leisten. Meist sitzt er dann am Rand, während die anderen Kinder ihre gymnastischen Übungen auf dem Pferd einstudieren. Umgekehrt machen die anderen Kinder meist Pause, wenn Armin auf dem Pferd sitzt und neue Bewegungen ausprobiert. Hier müßte ein ausgewogeneres Miteinander, anstelle des überwiegenden Nebeneinanders, gefunden werden.

  • Mehrmals konnten wir beobachten, daß Kinder sehr neugierig und interessiert über Armins Beeinträchtigung tuschelten. Unseres Wissens wurde Armins Behinderung jedoch noch nie in der Gruppe thematisiert. Manche Kinder zeigten Unsicherheit, Scheu und eine gewisse Abneigung gegenüber Armin. Diese Verhaltensweisen könnten durch Informationen über Armin und seine Beeinträchtigung durch die Integrationsbegleiterin oder die Gruppenleiterin leicht verändert werden. Dabei sollte nicht ständig auf die besonderen Schwierigkeiten von Armin hingewiesen werden, als vielmehr auf seine enormen Leistungen trotz seiner Beeinträchtigungen geachtet werden. Ein ´Nicht-Beachten´ der Behinderung erschwert es den Kindern sich damit auseinanderzusetzen und die Behinderung als eines von vielen Merkmalen von Armin zu akzeptieren.

  • Seit Beginn der Integrationsbegleitung hat sich eine enge, freundschaftliche Beziehung zwischen Armin und der Integrationsbegleiterin aufgebaut. Diese Bindung sollte von der Integrationsbegleiterin genutzt werden, um über ihre Person Armins Kontakt zu den anderen Kindern auszuweiten. Durch die enge Beziehung zur Integrationsbegleiterin wird es für die Integrationsbegleiterin schwierig, sich nach und nach von Armin und der Gruppe zurückzuziehen.

  • Armin fühlt sich in der Voltigier-Gruppe sehr wohl. Trotzdem sollte nicht übersehen werden, daß er 4 bis 8 Jahre älter ist als die anderen Kinder. Vielleicht wäre zu überlegen, ob er in einer Gruppe von gleichaltrigen ReiterInnen besser aufgehoben wäre, in der er leichter Kontakte knüpfen könnte. Dadurch könnten auch manche

Einflußgrößen (z.B. Alter, einziger Junge), die sich eher negativ auf die soziale Integration in dieser Gruppe auswirken verringert werden. Allerdings wären die Leistungsdifferenzen zwischen den nichtbehinderten Kindern und Armin in einer Gruppe von Gleichaltrigen noch größer als bisher. Was eine noch stärkere Umstrukturierung der Lern- und Übungssituationen von der Gruppenleiterin erfordern würde.

  • Aus dem Gespräch mit einer Erzieherin im Wohnheim von Armin erfuhren wir, daß im Wohnheim zwar ein großes Interesse an einer erfolgreichen Integration in die Voltigier-Gruppe vorhanden ist. Jedoch konnte bisher kein/e MitarbeiterIn des Wohnheims die Zeit finden, Armin in seine Voltigier-Gruppe zu begleiten. Auch im Wohnheim wünscht man sich, daß die Kontakte aus der Gruppe auch auf andere Freizeitbereiche übertragen. Durch die Begleitung von Armin durch eine/n BetreuerIn könnten wichtige Informationen zwischen den Eltern der anderen Kinder, der Gruppenleiterin und der Integrationsbegleiterin von Armin ausgetauscht werden. Diese könnten dann wiederum positive Auswirkungen auf die Gruppensituation haben.

Die Integration von Armin in die Voltigier-Gruppe verläuft trotz der eher kritisch klingenden Ergebnisdarstellung sehr gut.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß

  • sich Armin in dieser Gruppe sehr wohl fühlt.

  • Armin - während der beobachteten Zeit und aus allen Informationen schließend - keinen Spott und keine Hänseleien durch andere Kinder der Gruppe erfährt.

  • diese Aktivität seinen Interessen entspricht und somit sehr motivierend für Armin ist.

  • er enorme Fortschritte im Reiten und Voltigieren gemacht hat.

  • seine Motivation durch die Leistungsfortschritte noch verstärkt wird. Dabei reflektiert er seine Leistung nicht im Vergleich mit den anderen Kindern, sondern aufgrund seiner individuellen Leistungsfähigkeit.

4.6 Kritik und Relativierung der Untersuchung

Am Schluß soll nochmals darauf hingewießen werden, daß diese Untersuchung keine repräsentative Untersuchung darstellt (vgl. 4.1). Doch auch durch die verallgemeinernde Auswertung müssen die dargestellten Ergebnisse mit Vorsicht genossen werden.

Die Mängel und Schwierigkeiten der Untersuchung möchten wir deshalb an dieser Stelle beschreiben, bevor uns vom Leser eventuelle Vorhaltungen deswegen gemacht werden:

  • Alle Ergebnisse sind nur in Verbindung mit sehr komplexen, integrativen und gruppendynamischen Prozessen zu verstehen. Diese Prozesse konnten im Rahmen der Begleituntersuchungen nicht restlos analysiert werden.

  • Die Untersuchung fand nur in zwei Freizeitgruppen statt. Die dargestellten Ergebnisse sind auch nur für diese beiden Gruppen gültig.

  • Die Untersuchungsinstrumente sind für diese Untersuchung entwickelt bzw. angepaßt worden. Sie entsprechen keinerlei Validitäts- oder Reliabilitätskriterien. Ein Vergleich mit anderen Stichproben oder Untersuchungsergebnissen ist nicht möglich. Eine weitere Anwendung wäre nur durch Änderung der Untersuchungsinstrumente möglich.

  • Bei einer Untersuchung muß der zu untersuchende Gegenstand in den Mittelpunkt der Untersuchung gestellt werden. Dadurch treten andere Gegenstände zwangsläufig in den Hintergrund. Dadurch werden Reduktionen in Kauf genommen. Für diese Untersuchung bedeutet dies, daß beispielsweise konzeptionelle, organisatorische und behinderungsartspezifische Fragen nicht berücksichtigt werden konnten.

  • Der Untersucher läuft Gefahr, jede Situation auf seinen Untersuchungsgegenstand zu beziehen. Dadurch kann der Blick für natürliche, alltägliche Lebenszusammenhänge verlorengehen. Für unser gewähltes Vorgehen bedeutet dies, daß manche Ergebnisse, Aussagen und Informationen von den Untersuchten eventuell in einem völlig anderen Kontext abgegeben wurden, wie diese von uns interpretiert wurden.

  • Als Untersucher ist man leicht geneigt, die erhaltenen Ergebnisse als unwiederlegbare Tatsachen zu akzeptieren. Die gefundenen Ergebnisse der Untersuchung stellen lediglich das Fazit der Analyse der gewonnenen Informationen dar. Pauschalisierungen und Verallgemeinerungen sind daher ungewollt und sollten nicht als solche verstanden werden.

  • Die Untersuchung wurde exemplarisch und stichprobenartig innerhalb eines Zeitraums von ca. vier Wochen durchgeführt. Die Ergebnisse können deshalb keine längerfristigen Entwicklungen aufzeigen, sondern zeigen lediglich den aktuellen Stand bzw. kurzfristige Veränderungen der Integrationsmaßnahme an. Eine Untersuchung in regelmäßigen, zeitlichen Abständen wäre sicherlich sinnvoller, um Entwicklungen und Fortschritte der Integration zu analysieren. Dabei wäre unserer Einschätzung nach ein zeitlicher Abstand von sechs Monaten sinnvoll.

Diese Aufzählung von Kritikpunkten könnte sicher noch fortgesetzt werden. Wir hoffen jedoch die kritischsten Einwände selbst erkannt zu haben und dadurch einer Überbewertung der Untersuchung zu entgehen. Trotz aller aufgezeigten Mängel der Untersuchung bleiben auch einige aussagekräftige Ergebnisse bestehen. Die Aussagekraft dieser Untersuchung kann durch folgende Aspekte bekräftigt werden:

  • Insgesamt wurden die Ergebnisse mittels sechs unterschiedlicher Erhebungsmethoden gewonnen. Dadurch konnten vergleichbare Ergebnisse parallelisiert werden um widersprüchliche Aussagen ausfindig zu machen, um diese entweder erneut zu überprüfen oder in der Auswertung außer Acht zu lassen.

  • Die Untersuchung wurde sowohl mit beteiligten Personen (Kinder, BetreuerInnen, IntegrationsbegleiterInnen) als auch mit relativ Unbeteiligten (Eltern, Erziehungsberechtigte, Wissenschaftliche Begleitung) durchgeführt. Alle an der Untersuchung beteiligten Personen haben ein unterschiedliches Interesse an der Integration. Dadurch werden, unseres Erachtens, sich überschneidende Ergebnisse, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln abgegeben wurden, bekräftigt.

  • Die Untersuchungsmethoden orientierten sich an qualitativen und quantitativen Erhebungsverfahren. Selbstverständlich konnten keine Reliabilitäts- und Validitätskriterien eingehalten werden. Jedoch konnten die Ergebnisse aus einem breiten Spektrum von Informationsquellen analysiert werden. Dabei waren sowohl abstrahierte Werte und Beziehungsmuster (FDI-F, Soziometrie) als auch relativ gering strukturierte Beobachtungs- und Gesprächssituationen von gleichrangiger Bedeutung.

Diese Nachbetrachtungen zu unserer Untersuchung sollen ausreichen, um zum einen die Ergebnisse in Frage zu stellen, zum anderen aber auch die Vorgehensweise und Ergebnisgewinnung zu untermauern und dadurch die Aussagekraft der Untersuchung zu stärken.

4.7 Kritik am Konzept aufgrund der aufgezeigten Untersuchungsergebnisse und gewonnenen Erkenntnisse

Die beiden Fallbeispiele verdeutlicht, daß die positiven Absichten, die hinter der Einführung von integrativen Maßnahmen stehen, vor allem von den Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen nicht immer positiv erlebt werden. Ein blinder Aktionismus, der lediglich die Separierung und damit die Schonraumfunktion von Sondereinrichtungen aufhebt, jedoch stigmatisierende und diskriminierende Mechanismen aufrecht erhält, ist eben keine Integration sondern eine Gleichmacherei, die an allen individuellen Bedürfnissen vorbei zielt. Solche Maßnahmen fördern Integration nicht und gefährden massiv die Identität von Menschen mit Behinderungen (vgl. Markowetz 1996a). Eher desintegrativ wirkende Maßnahmen (z.B.: zielgleiche Einzelintegration, Feste und Feiern Integration bzw. Kooperation), die Integration genannt werden, unterstützen die Argumente der Integrationsgegner und der Separationsbefürworter.

Im Lebensbereich Freizeit kann Integration mitunter tatsächlich leichter verwirklicht werden als in der Schule. In vielen Freizeitgruppen werden keine oder nur wenige zusätzliche Hilfen benötigt, damit Menschen mit Behinderungen teilnehmen können. Auf das Konkurrenzprinzip, wie es in der Schule und im Arbeitssektor vorherrscht, kann häufig verzichtet werden. Da die `freie Zeit´ durch das Merkmal `Selbstbestimmung´ gekennzeichnet ist, können unvoreingenommene, freiwillige Kontakte zwischen Menschen mit Behinderung und nichtbehinderten Menschen entstehen, die eine Veränderung von Einstellungen und Vorurteilen begünstigen. Fremdbestimmte und zweckbestimmte Tätigkeiten treten in der Freizeit in den Hintergrund.

Die Teilnahme an Freizeitaktivitäten scheitert meist an persönlichen Bedenken und vorherrschenden Ängsten der nichtbehinderten Menschen. Durch Einstellungen, Vorurteile und Informationsmangel wird Menschen mit Behinderung die Teilnahme an Freizeitaktivitäten häufig verweigert. Dabei könnten durch gezielte Information über und Begegnung mit Menschen mit Behinderung diese Hürden überwunden werden.

Die durchgeführte Untersuchung fand im Rahmen von Integrationsmaßnahmen im Freizeitbereich statt (vgl. Geiger 1996). Diese Integrativen Maßnahmen sind durch den Integrationspädagogischen Dienst (IPD) von PFiFF e.V. zustande gekommen und werden von IntegrationsbegleiterInnen betreut. Die positiven Wirkungen der Integration sind zu einem großen Teil der Integrationsbegleitung zuzuschreiben.

Damit die Integration eines Kindes oder Jugendlichen mit Behinderung in eine Freizeitgruppe erfolgreich durchgeführt werden kann, werden einige Rahmen- und Arbeitsbedingungen durch den Integrationspädagogischen Dienst von PFiFF e.V. angestrebt. Manche dieser Voraussetzungen können bislang jedoch vor allem aus finanziellen Gründen nur ansatzweise verwirklicht werden. Aus unseren Erfahrungen mit dem IPD ergaben sich einige Problemfelder, die den angestrebten Integrationsprozeß gefährden können.

Folgende Liste soll einige Rahmenbedingungen und Arbeitsprinzipien andeuten, die vom IPD zwar weitestgehend berücksichtigt werden, z.T. allerdings noch nicht vollständig erfüllt werden können. Diese Kritik am Konzept des Integrationspädagogischen Dienst soll lediglich Anregungen geben, die zukünftig in den Reihen der IntegrationsbegleiterInnen thematisiert werden könnten.

  • Die Integrationsbegleitung sollte eine kontinuierlich fortschreitende Arbeit sein. Da viele IntegrationsbegleiterInnen Studierende sind, werden die Integrationsmaßnahmen z.T. in den Semesterferien unterbrochen oder verzögert.

  • Die Bezugspersonen sollten vor allem für die zu integrierenden Kinder und Jugendlichen, aber auch für alle anderen Beteiligten möglichst dieselben bleiben. Durch Semesterferien (Praktika und Urlaub) oder Studiumsabschluß kann es passieren, daß der/die IntegrationsbegleiterIn gewechselt werden muß.

  • Die MitarbeiterInnen des IPD sollten die Bedeutung und die Tragweite des Begriffs "Integration" (vgl. Markowetz 1996c) verstanden haben. In Fortbildungen wird deshalb die Zielvorstellung immer wieder thematisiert und auf die konkrete praktische Arbeit bezogen werden.

  • Die Integrationsbegleitung verlangt meines Erachtens vielschichtigere Arbeit, als sie von einigen IntegrationsbegleiterInnen leistbar ist. Es genügt oft nicht, daß ein Kind mit einer Behinderung einmal pro Woche in eine Freizeitgruppe begleitet wird. Die IntegrationsbegleiterInnen haben auch die Aufgabe die Gruppensituation integrativ mitzugestalten, den GruppenleiterInnen Anregungen und Unterstützung zu geben, Bewußtseinsveränderungen bei allen Beteiligten in Gang zu bringen, organisatorische Fragen zu klären uvm..

  • Wenn eine Integrationsmaßnahme begonnen wird, sollte die Arbeit möglichst rasch weitergeführt werden. Häufige Unterbrechungen oder Verzögerungen erschweren den Integrationprozeß für alle Beteiligten; soziale Beziehungen können nicht gefestigt werden; und die Planung der Gruppenaktivitäten, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse aller, kann nicht weiterentwickelt werden. Außerdem wird die Sonderstellung des Kindes mit Behinderung dadurch unnötig betont.

Auch diese Aufzählung könnte noch fortgesetzt werden, jedoch besteht dann die Gefahr, daß die Arbeit des Integrationspädagogischen Dienstes überproblematisiert und kritisiert wird. Eine Vorgehensweise, wie sie das Konzept des IPD (vgl. 3.1) vorsieht, hilft diesen möglichen Gefähren auszuweichen. Selbstkritisch bleibt festzuhalten, daß trotz aller positiven Entwicklungen, einige Verbesserungsmöglichkeiten für den IPD angesagt sind.

Die sehr junge Idee des Integrationspädagogischen Dienstes steckt erst in den Anfängen ihrer praktischen Umsetzung. Welches Potential an Einflußmöglichkeiten auf integrative Prozesse im Integrationspädagogischen Dienst (IPD) von PFiFF e.V. steckt, soll abschließend nochmals angedeutet werden:

Der IPD ...

  • erleichtert durch die konkrete Mitarbeit der/des IntegrationsbegleiterIn/s, die Integration eines Kindes oder Jugendlichen mit einer Behinderung in einen Verein.

  • vermittelt Kompetenzen im Umgang mit behinderten Menschen an GruppenleiterInnen und Vereine und ermöglicht dadurch die Integration weiterer Kinder.

  • kann prinzipiell in allen Freizeitbereichen aktiv werden. Die Bedürfnisse, Interessen und Möglichkeiten des zu integrierenden Kindes können deshalb unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten beachtet werden.

  • übernimmt eine Art Pufferfunktion für alle Beteiligten. Schwierigkeiten und Probleme von Seiten der Eltern, des Vereins, der GruppenleiterInnen, der anderen Kinder und selbstverständlich auch des behinderten Kindes können über den/die IntegrationsbegleiterIn entzerrt und zu einer befriedigenden Lösung gebracht werden.

  • kann in versicherungstechnischen und finanzierungstechnischen Fragen beratend tätig werden. Durch die Erfahrungen des IPD und durch kompetente MitarbeiterInnen können viele Fragen in diesen Bereichen gelöst werden.

  • kann seine Erfahrungen durch Öffentlichkeitsarbeit weitertragen und dadurch andere Vereine und Verbände, für die Integration von Menschen mit Behinderungen, öffnen und diesen das bereits vorhandene Know-How anbieten.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der IPD Kindern und Jugendlichen mit einer Behinderung die Möglichkeit von integrativen, identitätsfördernden und positiven Selbsterfahrungen im Lebensbereich Freizeit eröffnet. Dies zu ermöglichen, charakterisiert gleichermaßen das Hauptziel und die Hauptaufgabe des IPD.

Der IPD von PFiFF e.V. stellt demnach ein tragfähiges Konzept für die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung im Lebensbereich Freizeit dar. Es besitzt, durch seine derzeitige Organisation außerdem noch ein enormes Entwicklungspotential. Durch den Kompetenztransfer auf verschiedenen Ebenen (beh. Kinder / nichtbeh. Kinder, IntegrationsbegleiterInnen / GruppenleiterInnen, Verein PFiFF / andere Vereine, Öffentlichkeitsarbeit und Mundpropaganda) kann im günstigsten Fall ein Lawineneffekt entstehen, an dessen Ende die Integration von Menschen mit Behinderungen im Lebensbereich Freizeit als Normalität realisiert ist. Dies ist derzeit jedoch noch `naive´ Zukunftsmusik, die lediglich in kleinen Erfolgen, wie wir sie hier darzulegen versucht haben, sichtbar wird.

Verallgemeinernd können durch die gelungene Integration in Freizeitgruppen durch den IPD alle Beteiligten wichtige Erfahrungen sammeln:

  • Die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung erfahren soziale Akzeptanz und emotionale Annahme, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe und persönliche Leistungsfortschritte. Sie schließen neue Kontakte und finden Freunde in ihrer Freizeitgruppe. Allerdings lernen sie auch ihre persönlichen Grenzen kennen, die durch ihre Beeinträchtigungen vorhanden sind. Sie machen positve Selbsterfahrungen und können somit ihr (privates und soziales) Selbst (vgl. Markowetz 1996a) stärken.

  • Die nichtbehinderten Kinder können Vorurteile und Einstellungen gegenüber Kindern mit Behinderung abbauen. Sie erhalten die Möglichkeit sich mit Behinderungen zu beschäftigen, Informationen zu sammeln und ihre Ängste und Vorbehalte zu überwinden. Der Mensch bzw. das Kind und nicht seine Behinderung stehen bei der gemeinsamen Interaktion im Mittelpunkt.

  • Die GruppenleiterInnen lernen den Umgang mit behinderten Kindern. Sie erfahren wie sie ihre Freizeitaktivitäten entsprechend den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung variieren und differenzieren können. Davon profitieren auch die nichtbehinderten Kinder.

  • Eltern und andere Beteiligte können von den Kindern lernen, daß eine Behinderung kein Hindernis für die Teilnahme am "normalen" Leben darstellt oder als Begründung für die Verweigerung eines "normalen" Lebens dienen kann.

  • Vereine und Organisationen merken, daß ein für Menschen mit Behinderung offenes Freizeitangebot auch für nichtbehinderte Menschen attraktiv sein kann. Durch den Verzicht auf die, vor allem in sportlichen Freizeitangeboten vorherrschenden Normen "höher, schneller, weiter" können zunehmend auch die individuellen Leistungsfähigkeiten von weniger sportlichen Menschen berücksichtigt werden. Dadurch gewinnt der sogenannte Breitensport an Attraktivität.

Der Lebensbereich Freizeit konnte hierbei als geeignetes Integrationsfeld herausgearbeitet werden. Die Arbeit des Integrationspädagogischen Dienstes, wie sie vorgestellt wurde, trägt dazu bei, daß Integration im Freizeitbereich nicht zur Gleichmacherei und auch nicht zur erneuten Ausgrenzung verkommt.

Leider muß abschließend nochmal darauf hingewiesen werden, daß Integration sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Bereich nur in sehr geringem Ausmaß praktiziert wird. Die "Segregation und Selektion" (Feuser, 1989, 11) von Menschen mit Behinderung ist immer noch vorherrschend, auch wenn mehr und mehr Forderungen nach integrativen Lösungen festzustellen sind. Der pauschale Ruf nach Integration nützt jedoch wenig, wenn nicht gleichzeitig im Kleinen damit begonnen wird, Menschen mit Behinderung zu integrieren.

Die Einzelitintegration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in Freizeiaktivitäten durch den IPD ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Die Reflektion über die integrationspädagogische Arbeit kann helfen, das anzustrebende Ziel "Integration" nicht aus den Augen zu verlieren und die Arbeit immer wieder daraufhin auszurichten.

Literatur

Behncke, R./Ciolek, A./Körner, J.: Die Hamburger Arbeitsassistenz - ein Modellprojekt zur beruflichen Integration für Menschen mit geistiger Behinderung. In: Geistige Behinderung, 32. (4), 1993, .

Benkmann, R.: Qualitative Verfahren für Lehrende im gemeinsamen Unterricht, in: ZS Heilpädagogische Forschung Bd. 21, 1/1995, 2-13.

Bracken, H. von: Vorurteile gegen behinderte Kinder ihre Familien und Schulen, Berlin 1976.

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Quelle:

Reinhard Markowetz: Zur Wirksamkeit der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen im Lebensbereich Freizeit. Modelle - Konzepte - Fallbeispiele - Praktische Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem wissenschaftlich begleiteten Modellprojekt PFiFF.

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 30.03.2006

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