Entwicklungsorientierter Lese- und Schreibunterricht für alle Kinder.

Die nichtlineare Didaktik nach Vygotskij.

AutorIn: Christel Manske
Themenbereiche: Rezension
Textsorte: Rezension
Copyright: © Christel Manske 2004

Titelseite:

Buchinformationen:

AutorIn/Hrsg.: Christel Manske

Titel: Entwicklungsorientierter Lese- und Schreibunterricht für alle Kinder. Die nichtlineare Didaktik nach Vygotskij.

Infos: Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 2004, 146 S., 22,90 EUR

Kurzbeschreibung:

Buchsprechung von Prof. Dr. Manfred Jödecke

Dr. Christel Manske, bekannt auch unter dem Pseudonym Iris Mann, hat als Lehrerin und Psychologin jahrelang Erfahrungen mit benachteiligten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gesammelt und den "Handelnden Unterricht" als Möglichkeit zur Überwindung von Lernproblemen insbesondere für Kinder an Haupt- und Sonderschulen entwickelt. Als Leiterin des Christel- Manske- Instituts für den Aufbau funktioneller Hirnsysteme in Hamburg arbeitet sie pädagogisch- therapeutisch mit Kindern und Heranwachsenden, die (tiefgreifende) Entwicklungsstörungen, wie Trisomie 21, frühkindlicher Autismus, ADS/HKS u.a. aufweisen.

Einen Eckstein zum Gebäude der "nichtlinearen Didaktik nach Vygotskij" bildet die kritisch- konstruktive Auseinandersetzung der Autorin mit dem Selbstverständnis des Lehrer- Seins. Dabei geht es Frau Dr. Manske nicht so sehr darum zu zeigen, was "tolle Lehrer alles können und beherrschen sollen", sondern darum, potentielle und berufserfahrene Pädagogen für die Entwicklungssituation und die Entwicklungsbedürfnisse (schwieriger) Kinder und Heranwachsender zu sensibilisieren. Sie weist überzeugend nach, wie schwierige Kinder in dem von ihr und ihren Mitarbeitern konzipierten und realisierten handelnden Unterricht zu ihrem Recht kommen, "aufblühen" und im Gebrauch kultureller Mittel und Werkzeuge kompetent (gemacht) werden.

Um allen Kindern in ihren Entwicklungsbedürfnissen auf neue und entwicklungsfördernde Weise gerecht werden zu können, müssen sich Lehrer immer wieder von Neuem die Grundlagen ihrer Bildungs- und Erziehungsarbeit bewusst machen. Zu diesen Grundlagen gehört in erster Linie eine klare Vorstellung der

  • psychischen Entwicklungslogik ("menschlichen Metamorphose"), d.h. der inneren Gesetzmäßigkeiten, die jeder Altersstufe innewohnen (darüber gibt auch ein dem Buch angehängter Beitrag der Moskauer Psychologieprofessorin L.F. Obuchowa Auskunft),

  • kritischen Übergänge zwischen den Entwicklungsstufen (Lehrer sollen "Schrittmacher der Entwicklung" der Kinder von einer Entwicklungsstufe zur anderen sein) sowie

  • adäquaten Organisation der Lerntätigkeit der Kinder (im Sinne einer Entwicklungs-orientierten Lesedidaktik nach P. Ja. Galperin).

Vor allem werden dem interessierten Leser jedoch die Besonderheiten der gemeinsamen Organisation der Lerntätigkeit mit 11 Kindern mit Trisomie 21 verdeutlicht, die es ihnen über den Gebrauch von Handgebärden und eines speziell für sie entwickelten Leseunterrichts ermöglichen, der "Sprachfalle in der sensitiven Phase der Lautsprachentwicklung" zu entkommen und sich auf einen integrativ entwicklungsorientierten Unterricht in der Regelschule vorzubereiten.

Und so hat dieses Buch nicht nur bloß den Vorzug, lebendig anschaulich und theoretisch anspruchsvoll verfasst zu sein, sondern auch engagiert zu weiterführenden Auseinandersetzungen bei "der Kultivierung der einzigartigen Vielfalt der Kinder" herauszufordern.

Prof. Dr. Manfred Jödecke

Hochschule Zittau-Görlitz, Studiengang Heil- und Behindertenpädagogik

Quelle:

Rezensiert von Manfred Jödecke

bidok- Rezensionshinweise

Stand: 17.10.2005

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