Auswirkungen musikalischer Förderung in der frühen Kindheit auf die Ausbildung schulrelevanter Basiskompetenzen - ein präventiver Ansatz zur Vermeidung von drohenden Lernschwierigkeiten

AutorIn: Martina März
Themenbereiche: Rezension
Textsorte: Rezension
Copyright: © Martina März 2007

Inhaltsverzeichnis

Buchinformationen:

AutorIn/Hrsg.: Martina März

Titel: Auswirkungen musikalischer Förderung in der frühen Kindheit auf die Ausbildung schulrelevanter Basiskompetenzen - ein präventiver Ansatz zur Vermeidung von drohenden Lernschwierigkeiten.

Infos: Kovac 2007; 431 Seiten; Preis: 88.- €.

Rezension

Die vorliegende Veröffentlichung bewegt sich in einem Wissenschafts- und Handlungsfeld, das von den Eckpunkten Sonderpädagogik (hier insbesondere Lernschwierigkeiten im Umfeld des Schulanfangs und deren Prävention), Musikpsychologie und - pädagogik und Elementare Musikerziehung (auf der Grundlage der Erkenntnisse und Erfahrungen von Carl ORFF und Emile JAQUES-DALCROCE) bestimmt ist.

Ausgehend von einem veränderten Verständnis von Lernen auf der Basis des Konstruktivismus werden Schüler mit gravierenden Lernschwierigkeiten in ihren Erscheinungsformen und deren Auswirkungen beschrieben und präventive individuelle und institutionelle Möglichkeiten und Maßnahmen aufgezeigt. Hier wird deutlich, dass viele Kinder bei Schulbeginn über unzureichende Leistungen in grundlegenden Entwicklungsbereichen wie Wahrnehmung und Motorik verfügen. Solche fehlenden Basiskompetenzen können den Schulanfang erheblich erschweren. Frau MÄRZ entwickelt in der Folge dieser Überlegungen die These, dass elementare musikalische Förderung in der frühen Kindheit die Ausbildung bestimmter schulrelevanter Kompetenzen unterstützt.

Das Buch erbringt überzeugende empirische Belege für die Beeinflussbarkeit schul-relevanter Kompetenzen durch eine gezielte musikalische Förderung. Im theoretischen Teil werden zuerst Zusammenhänge zwischen schulrelevanten Basiskompetenzen und drohenden Lernschwierigkeiten dargestellt. Erstere werden in fach-unabhängige, fach-relevante und fach-spezifische Kompetenzen unterteilt. Dann werden Zusammenhänge zwischen Elementarer Musik und basalen Entwicklungsbereichen und die daraus resultierenden Fördermöglichkeiten aufgezeigt. Dabei wird ausführlich auf die Bedeutung elementaren Musizierens eingegangen.

Im Rückblick auf frühe Konzepte der Heil- und Sonderpädagogik, Rhythmik bei Kindern mit Behinderungen einzusetzen (z.B. SCHEIBLAUER) und den Bemühungen KELLERs und KIPHARTs, das ORFF-Instumentatium zur Förderung schwerst- und körperbehinderter Menschen heranzuziehen, verortet die Autorin die Elementare musikpädagogische Erziehung bei Risikokindern in der Anlehnung an eine Musikalische Früherziehung (MFE), von der sie Lehrplanziele und Inhalte übernimmt und dem Einbau von Methoden aus dem sonderpädagogischen Repertoire. Anschließend wird im praktischen Teil anhand konkreter Beispiele das Förderpotenzial Elementarer Musik herausgearbeitet.

Das letzte Kapitel des Buches referiert eine empirische Studie. In der Untersuchung wird ein klar definiertes Spektrum aus der breiten Palette schulrelevanter Basiskompetenzen untersucht. Aus verschiedenen Gründen, wie beispielsweise Alter und vorherrschende Entwicklungsverzögerung der Kinder, werden fach-unabhängige und fach-relevante Kompetenzen einbezogen, fach-spezifische Kompetenzen werden dagegen vernachlässigt. Zu den fach-unabhängigen Kompetenzen zählen auditive und visuelle Diskriminations- und Gedächtnisleistungen, motorische Fertigkeiten, Reihenbildungen u.a.m.. Als fach-relevante Kompetenzen werden die Sprachwahrnehmungsleistungen nach BREUER und WEUFFEN herangezogen, die mit ihren fünf Differenzierungsleistungen (optischgraphomotorisch, phonematisch-akustisch, kinästhetischartikulatorisch, melodischintonatorisch, rhythmisch) ein Bindeglied zwischen fach-unabhängigen und fach-spezifischen Kompetenzen bilden. Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich die Beeinflussbarkeit dieser Kompetenzen und stimmen hoffnungsfroh, dass eine elementare musikalische Förderung, verbunden mit förderpädagogischen Maßnahmen, in der frühen Kindheit einen wirksamen Beitrag zur Vermeidung drohender Lernschwierigkeiten leisten kann.

Vor einer Generalisierung der Ergebnisse sind selbstverständlich die bei einer Dissertation mit Pilotcharakter zu erwartenden Einschränkungen zu machen, die auch von der Autorin herausgestellt werden: Kleine Stichprobengröße, ausgewählte schulrelevanten Basiskompetenzen, begrenzter Förderzeitraum. Doch gerade diese Beschränkungen sollen Anlass sein, den viel versprechenden Förderansatz unter erweiterten Bedingungen zu erproben.

Frau März lenkt in dem vorliegenden Buch den Blick auf die Bedeutsamkeit eines geleiteten elementaren Musizierens bei jungen Kindern mit Entwicklungsverzögerungen. Sie legt auf der Basis theoretisch fundierter Überlegungen zur elementaren musikalischen Förderung von Vorschulkindern mit drohenden Lernschwierigkeiten zudem gut nachvollziehbare Beispiele für förderpädagogisch gestalteten Musikunterricht vor.

Dr. Manfred Höck

Akad Dir. i.R.

Departement für Pädagogik und Rehabilitation

Abt. Präventions-, Integrations- und Rehabilitationsförderung

an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Quelle:

Rezensiert von Dr. Manfred Höck

bidok-Rezensionshinweise

Stand: 09.09.2008

zum Textanfang | zum Seitenanfang | zur Navigation