"Be - hindernde Blicke in den Medien"

Analyse der Darstellung von Menschen mit Behinderung in den Medien, mit Fokus auf die Tagespresse

Themenbereiche: Kultur
Textsorte: Diplomarbeit
Releaseinfo: Diplomarbeit zur Erlangung eines akademischen Grades einer Magistra; eingereicht bei Ao. Univ. -Prof. Dr. Schönwiese Volker; Fakultät für Bildungswissenschaften der Leopold Franzens Universität Innsbruck
Copyright: © Andrea Elisabeth Kaltseis 2009

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1. Schönwiese Volker / Mürner Christian (2008): Wolfgang Gschaidter. Innsbrucker Wahrzeichen. In: Behinderte Menschen. Zeitschrift für gemeinsames Leben. Lernen und Arbeiten. Heft 1. S. 53

Abb. 2. Garland - Thomson, Rosemarie: (2005): The Politics of Staring: Visual Rhetorics of Disability in popular Photography. In: Snyder, Sharon L. u. a. (2005) (Hrsg.): Disability Studies. Enabling the Humanities. New York: The Modern Language Association of America. S. 60

Abb. 3. Ebd., S. 62

Abb. 4. Schönwiese, Volker (2007b): Der gesellschaftliche Blick auf behinderte Menschen. In: Schönwiese, Volker (2007b): Skriptum / Textsammlung zur Lehrveranstaltung von Volker Schönwiese: Aspekte der Geschichte von Behinderung und Disability Studies. Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck.: o. V. S. S. 15

Abb. 5. Garland-Thomson, Rosemarie: (2005): The Politics of Staring: Visual Rhetorics of Disability in popular Photography. In: Snyder, Sharon L. u. a. (2005) (Hrsg.): Disability Studies. Enabling the Humanities. New York: The Modern Language Association of America. S. 60

Abb. 6. Ebd., S. 61

Abb. 7. O. A. (o. J.): o. T. Verfügbar Unter: http://picasaweb.google.com/lh/photo/MImlq7uZXq2-WY5bz9HQqQ Stand: (2008 - 02 - 04)

Abb. 8. Ebd., S. 65

Abb. 9. Ebd., S. 64

Abb. 10. Ebd., S. 73

Abb. 11. Verein BIZEPS (2008): Karikatur - Adventkalender 2008. Verfügbar unter: http://www.bizeps.or.at/advent/2008.php (Stand 2009 - 05 - 04)

Abb. 12. Körtner, Ulrich (2008): Rom, Schönborn und die teuflische Wissenschaft. In: Der Standard, o. Nr., 19. Dezember 2008, S. 31

Abb. 13. Grotter, Peter (2008): Behindert durch eine Impfung. In: Die Krone, Nr. 17.479, 29. Dezember 2008, S. 18

Abb. 14. o. A. (2008): Medikamente richtig anwenden - Folsäure schützt vor Herzfehlern. In: Die Krone. Gesund. Ihr Magazin für praktische Lebenshilfe., Nr. 17. 471, 20. Dezember 2008, S. 5

Abb. 15. o. A. (2008): Kleinkind in Klinik entdeckt. In: Die Tiroler Tageszeitung, Nr. 310 - TU, 15. Dezember 2008, S. 13

Abb. 16. Lusetzy, Lukas / Perry, Mark (2008): Mutter setzt Kind im Spital aus. In: Die Krone, Nr. 17. 466, 15. Dezember 2008, S. 8

Abb. 17. o. A. (2008): Jeder Euro bringt Licht ins Dunkel. In: Der Standard, o. Nr., 29. Dezember 2008, S. 6

Abb. 18. Caritas (2008): Spender sind Glücksengel. In: Der Standard, o. Nr., 20./ 21 Dezember 2008, K12

Abb. 19. o. A. (2008): Im Auge des Filmemachers. In: Der Standard, o. Nr., 30. Dezember 2008, S. 12

Abb. 20. Behrens, Thorsten (2008): Taube können wieder hören. In: Die Tiroler Tageszeitung. Wissen heute. Beilage zur Zeitschrift Tiroler Tageszeitung, Nr. 311 - TU, 16. Dezember 2008, S. 14 - 15

Abb. 21. Krenstetter, Florian (2008): Tenor der Herzen. In: Die Krone. Nr. 17.478, 28. Dezember 2008, S. 12 - 13

Abb. 22.o. A. (2008): Marks Weihnachtswunder. In: Die Krone, Nr. 17.469, 21. Dezember 2008, o. S

Abb. 23.o. A. (2008): Mark war Rollstuhl schnell wieder los. In: Die Tiroler Tageszeitung, Nr. 311 - TU, 16.Dezember 2008, S. 12

Abb. 24. o. A. (2008): Das war der Winter 2008. In: Die Tiroler Tageszeitung. SporTTotal, Nr. 314, S. 3

Abb. 25. Suckert, Daniel (2008): Rinn im Zeichen der Integration. In: Die Tiroler Tageszeitung, Nr. 320 - TU, 27. Dezember 2008, S. 38

Abb. 26. Suckert, Daniel (2008): Die Elite war zu Gast im Kühtai. In: Die Tiroler Tageszeitung, Nr. 315 - TU, 23. Dezember 2008, S. 32

Abb. 27.Huainigg, Franz-Joseph (2008): Aktion "Nicht ins Dunkel": In: Der Standard, o. Nr., 24./25./26. Dezember 2008, 35

Abb. 28. Huainigg, Franz-Joseph (2008): Aktion "Nicht ins Dunkel": In: Der Standard, o. Nr., 24./25./26. Dezember 2008, 35

Abb. 29.o. A. (2008): Zweimal um die ganze Welt. In: Die Tiroler Tageszeitung, Nr. 320 - TU, 27. Dezember 2008, S. 19

Abb. 30. o. A. (2008): Rat und Tat durch den Unternehmerservice. In: Die Tiroler Tageszeitung. Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, Nr. 313 - BG, 18. Dezember 2008, S. 3

Abb. 31. O. A. (2008): Aktion 500 bietet neue Chance. In: Die Tiroler Tageszeitung. Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, Nr. 313 - BG, 18. Dezember 2008, S. 4

Abb. 32. Ruzicka, Johanna (2008): Abschwung trifft auch soziales Projekt. In: Der Standard, o. Nr., 27. / 28. Dezember 2008, S. 18

Abb. 33. o. A. (2008): Wegen Krankheit Probleme im Job?: In. Die Tiroler Tageszeitung. Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, Nr. 313 - BG. 18, Dezember 2008, S. 4

Abb. 34. o. A. (2008): Behinderte Menschen in die Arbeitswelt holen. In: Die Tiroler Tageszeitung. Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, Nr. 313 - BG,18. Dezember 2008, S. 2

Abb. 35. o. A. (2008): Neue Möglichkeiten durch Coaching. In: Die Tiroler Tageszeitung. Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, Nr. 313 - BG, 18. Dezember 2008, S. 4

Abb. 36. Neuner, Philipp (2008): Jetzt geht's also doch: Treppe kommt weg. In: Die Krone, Nr. 17. 747, 23. Dezember 2008, S. 12 - 13

Abb. 37 o. A. (2008): Magischer Nachmittag des Therapiezentrums. In: Die Tiroler Tageszeitung, Nr. 317 - TU, 22. Dezember 2008, S. 21

Abb. 38 Waldner, Kathrin (2008): Therapeut auf vier Pfoten. In: Die Tiroler Tageszeitung. Nr. 317 - TU, 22. Dezember 2008, S. 22

Danksagung

Für die Unterstützung und Begleitung bei der Entstehung und Fertigstellung meiner Diplomarbeit möchte ich mich bei meinem Betreuer Univ. Prof. Dr. Volker Schönwiese herzlich bedanken. Auch meinen Eltern und meinem Partner, die mir während des Studiums zur Seite gestanden sind, möchte ich aufrichtig danken.

Einleitung

"Forschung beginnt mit einer Frage" schreiben ARTHUR DREXLER, KLAUS NIEDERMAIR und BRITTA ELISABETH SUESSEROTT. (vgl. Hug 2006, S. 6) Meine Forschungsfrage entwickelte sich erst nach der Aufarbeitung des Forschungsstandes in Bezug auf die mediale Darstellung von Menschen mit Behinderung, im Speziellen in den Printmedien. Meine forschungsleitende Fragestellung lautete somit: "Welche Blickrichtungen verfolgen die Printmedien ‚Kronen Zeitung‛, ‚Der Standard‛ und ‚Tiroler Tageszeitung‛ in Bezug auf Menschen mit Behinderung?"

Aus bisherig Gesagtem lässt sich schließen, dass sich meine Diplomarbeit in einen theoretischen und einen empirischen Teil gliedert. Der theoretische Teil meiner Arbeit besteht aus folgenden fünf Kapiteln:

  1. Medienwirkung und Medienethik

  2. Medizinisches und Soziales Modell von Behinderung

  3. Aspekte der geschichtlichen medialen Darstellung: exemplarisch betrachtet an Wolfgang Gschaidter

  4. Gegenwärtige Darstellung von Menschen mit Behinderung: Wiederkehrende Stereotypen

  5. Prinzipien für die mediale Darstellung von Menschen mit Behinderung

Im empirischen Teil meiner Diplomarbeit erläutere ich zu Beginn meine Forschungsfrage und mache anschließend meine eigenen Vorannahmen kenntlich. Meine Vorgehensweise bei der Erhebung des empirischen Materials - gemeint sind damit die drei genannten Tageszeitungen -, stelle ich dar und anschließend beschreibe ich meine methodische Vorgehensweise bei der Auswertung desselben. Abschließend interpretiere ich meine Ergebnisse in Richtung meiner Forschungsfrage bzw. der diesbezüglichen Unterfragen.

In meiner Arbeit wollte ich aufzeigen, wie Menschen mit Behinderung in den drei Tageszeitungen "Der Standard", "Tiroler Tageszeitung" und "Kronen Zeitung" dargestellt werden, welche Blickrichtungen die jeweilige Tageszeitung verfolgt und welche Sichtweisen von Menschen mit Behinderung und Behinderung im Allgemeinen dem Leser / der Leserin vermittelt werden. Gleichzeitig wollte ich, auf theoretischem Wissen basierend, beleuchten, wie eine akkurate Darstellung von Menschen mit Behinderung aussehen sollte.

1 Medienwirkung und Medienethik

1.1 Medienwirkung

"Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt wissen, wissen wir durch die Massenmedien." (Luhmann zit. n. Mürner 2003, S. 12) Aufgrund der Steuerungs- und Orientierungsfunktion beeinflussten die Medien stets den kulturellen und gesellschaftlichen Wandel. (vgl. Mürner 2003, S. 13) Unsere Gesellschaft ist laut RADTKE eine Mediengesellschaft und keiner kann sich den Medien völlig entziehen. Was wir denken und wie wir handeln, wird zum Großteil von Massenmedien bestimmt. (vgl. Radtke 2003, S. 7) Der Einfluss der medialen Darstellung in Bezug auf die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung ist laut BARNES durchaus umstritten. (vgl. Barnes 1992, S. 10) Die Mehrheit der Informationen in den Medien über Behinderung ist negativ. (vgl. Barnes 1992, S. 38 f) Kagelmann und Zimmermann stellen die These auf, dass die mediale Darstellung des Themas "Behinderung" so gut wie immer verletzend und diskriminierend geschieht. (vgl. Kagelmann / Zimmermann 1982, S. 9) Behindernde Stereotype, welche Menschen mit Behinderung bevormunden, kriminalisieren, medizinisieren und entmenschlichen, sind in Büchern, in Filmen, im Fernsehen und in der Presse vorhanden, so BARNES. "They form the bed - rock on which the attitudes towards, assumptions about and expectations of disabled people are based." (Barnes 1992, S. 39) Doch MÜRNER weist auch darauf hin, dass sich die Kritik am Menschenbild und der Darstellung von Menschen mit Behinderung in den Medien nicht auf den Satz verkürzen lässt: "Die Medien sind schuld." (vgl. Mürner 2003, S. 15)

Die Art der Darstellung hat laut Shakespeare Einfluss auf die Meinung der Öffentlichkeit von Menschen mit Behinderungen sowie auf das Selbstbild von Menschen mit Behinderungen. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 27) "I'm talking about the difference between seeing disabled people as 'medical tragedies' or 'plucky survivors', and seeing disabled people as ordinary men and women with the same hopes and fears and strengths and weaknesses as everyone else." (Shakespeare 2000, S. 27 zit. n. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 27)

Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderung entstehen meist nicht durch direkte Erfahrungen, sondern werden laut BÖS und KAUER vor allem medial übermittelt. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 30) Auch RADTKE vertritt die Auffassung, dass die Medien oft die einzige Informationsquelle über Menschen mit Behinderung sind. RADTKE stellt die These auf, dass Menschen ohne Behinderung dasjenige, was sie über Menschen mit Behinderung wissen, meist aus den Medien erfahren. Deshalb ist entscheidend, welches Menschenbild die Medien vermitteln. (vgl. Radtke 2003, S. 7) Die Medien tragen laut BARNES zur Diskriminierung und Ausbeutung, die Menschen mit Behinderung täglich erfahren, bei. (vgl. Barnes 1992, S. 38 - 43) Die stereotypen Darstellungen sind in unserer Kultur inhärent und existieren, weil sie permanent durch die Medien reproduziert werden. Laut BARNES lernen wir über Behinderung aus den Medien. Somit lernen wir auch die negativen Annahmen über Menschen mit Behinderung. Man kann die Medien nicht allein dafür verantwortlich machen, man darf aber die Auswirkungen nicht unterschätzen. (vgl. Barnes 1992, S. 10) Stautner geht davon aus, dass Vorurteile und negative Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderung durch inadäquate Medienberichte indirekt aufgebaut werden können. (Stautner 1989 zit. n. Bös / Kauer 1998, S. 30) Bös und Kauer setzen dem entgegen, dass die Medien nach der "Agenda Setting"-These nicht direkt auf Einstellungen, Meinungen und Verhalten wirken, sondern eher bestimmen, worüber Menschen nachdenken. Medien beeinflussen die Vorstellungen und das Wissen der RezipientInnen zu einem bestimmten Thema. Die RezipientInnen entwickeln dann eigene Einstellungen, eigene Meinungen und ein eigenes Verhalten. Bös und Kauer führen aber gleichzeitig an, dass, gleich wie über den persönlichen Kontakt, Vorurteile über Medieninformationen vermieden werden können. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 33) Laut Standfort waren die Medien in ihrer Gesamtheit eher Spiegelbild und Festiger der bestehenden Vorurteile als Mitstreiter im Kampf um die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung. (vgl. Standfort 1982, S. 207) BIKLEN wiederum geht davon aus, dass die Medien in der Formung unserer Gedanken, unserer individuellen Handlungen, unserer Vorurteile und unserer Positionen zu bestimmten Themen weniger mächtig sind, als angenommen. (vgl. Biklen 1987, S. 80 - 81)

Medien bedienen sich, ähnlich wie Menschen, der Stereotype, um vorhandene Informationen und Sinneseindrücke zu strukturieren. Sie greifen bestimmte Themen auf, während sie andere ignorieren, und informieren in vereinfachter Form über komplexe Sachverhalte. Stereotype können in diesem Zusammenhang als zum Vorurteil bestimmte Vereinfachung der Weltansicht, als Abwehrmechanismen gegen ungewohnte und unangenehme Informationen gesehen werden." (Bös / Kauer 1998, S. 41)

"Das grundlegende Defizit aller Überlegungen zur Medienwirkungen ist allerdings ihre empirisch kaum zu testende Überprüfbarkeit." (Bös / Kauer 1998, S. 42)

1.1.1 Informations- und Aufklärungskampagnen

Einige fordern. dem Mangel an Informiertheit über Menschen mit Behinderung entgegenzuwirken. Irrationale Vorstellungen über Behinderung sollen durch Information und Wissen verhindert werden. "Favorisiert werden massenmediale Informations- und Aufklärungskampagnen." (Cloerkes 1997, S. 111 - 112)

Cloerkes stellt sich die Frage, worauf diese Zuversicht beruht, dass Medien eine Einstellungsänderung bewirken könnten.

  • Vorurteil - als Vorausurteil: "Einstellungen bzw. Vorurteile werden gelernt, allerdings nicht durch tatsächliche Erfahrung mit dem Vorurteilsobjekt." (Cloerkes 1997, S. 112) Wenn dieser Mangel an Wissen beseitigt werden würde, wäre eine Korrektur möglich.

  • Konsistenztheorem: Wenn man die drei Komponenten (Kognitiv-, Affektiv- und Handlungskomponente), aus denen sich die Einstellung zusammensetzt, beeinflussen könnte, würde sich das auf die Einstellung gesamt auswirken und von dort aus auf das Verhalten.

Man vertraut laut Cloerkes nach wie vor darauf, dass viel Sachwissen zu einer positiven Einstellung beiträgt. Doch der Angesprochene muss sich grundsätzlich auch beeinflussen lassen. "Informationen und Faktenwissen werden insoweit festgehalten und akzeptiert, als ein Interesse daran besteht und sie nicht mit bereits vorhandenen Einstellungen kollidieren." (Cloerkes 1997, S. 113) Laut Cloerkes trifft Allport genau auf den Punkt: "Propaganda für Toleranz wird selektiv wahrgenommen. Jene, die sie nicht in ihr Inneres aufnehmen wollen, haben keine Schwierigkeit, das zu vermeiden. Jene aber, die sie aufnehmen, haben es meistens nicht nötig." (Cloerkes 1997, S. 114) Auch STANDFORT geht davon aus, dass Aufklärungskampagnen und Informationsfilme nicht verkäuflich sind und nur Personen erreichen, die sich aus privater oder beruflicher Betroffenheit mit dem Thema Behinderung befassen. Die Mehrheit der Bevölkerung nimmt diese Information nicht auf. (vgl. Stanford 1982, S. 208) Diese Ansicht teilt auch BUCHWALD, indem er darauf hinweist, dass Medienkonsumenten in den Nachrichten eigentlich nur das wahrnehmen, worauf sie in einer besonderen Weise fixiert oder in einer besonderen Weise interessiert sind. (vgl. Buchwald 1995, S. 159)

"Empirische Untersuchungen über die Darstellung von Menschen mit Behinderung in den Medien belegen jedenfalls, daß sie - wenn überhaupt - mehr in negativen als in positiven Zusammenhängen gezeigt werden, was bestehende Vorurteile eher manifestieren als abbauen dürfte." (Cloerkes 1997, S. 114) Informationen können Vorurteile auch verstärken, dies wird als Bumerang-Effekt bezeichnet.

Informationen über Massenmedien sollen laut CLOERKES latente Ängste beruhigen und dürfen keine Ängste schüren. Die mediale Darstellung von Menschen mit Behinderung darf sich keine Schuldgefühle zu Nutze machen, wie z. B. die Aktion Sorgenkind in Deutschland.

  • Mitleid bedeutet für Menschen mit Behinderung Distanzierung, Abwertung, Reduzierung von der Person und vom Menschen auf ein zu verwaltendes soziales Problem. Die ‚showgerechte Vermarktung von Behinderten' in solchen "Fernsehspektakeln" ist herabwürdigend und beleidigend.

  • In solchen Sendungen kommen keine Menschen mit Behinderung vor und es wird auch nicht über Menschen mit Behinderung informiert.

  • "Die Entlastung von Schuldangst ist für den Spender nur temporär. Bei nächster Gelegenheit wird er wieder den institutionalisierten Ausweg wahrnehmen und so die soziale Distanz zum Behinderten verewigen." (Cloerkes 1997, S. 116)

1.2 Medienethik

1.2.1 Journalistische Ethik

Der Ehrenkodex für die österreichische Presseagentur beinhaltet unter anderem den Aspekt des Persönlichkeitsschutzes. Jeder Mensch hat Anspruch auf Wahrung der Rechte und Würde der Person. Persönliche Diffamierungen, Verunglimpfungen und Verspottungen verstoßen gegen das journalistische Ethos, so der Ehrenkodex. Jede Diskriminierung aus ethnischen, religiösen, nationalen, sexuellen oder sonstigen Gründen ist unzulässig. (Österreichischer Presserat 1999, S. 3)

Der Journalist alleine kann BUCHWALD zufolge für verantwortliches gesellschaftliches Handeln nicht haftbar gemacht werden. Es gibt verschiedene Ebenen der Verantwortung:

  • die Verantwortung der Macher: Redakteure, Kameraleute, etc.;

  • die Verantwortung der Nutzer: sie sind diejenigen, die die Akzeptanz der Medien erzeugen;

  • die Verantwortung der Gesetzgeber: sie definieren die Spielregeln der Medien und darüber stehend der Verfassungsgerichtshof. (vgl. Buchwald 1995, S. 151 - 153)

Laut DEFFNER ist ein Redakteur im Normalfall für soziale Themen, Randgruppen, Menschen mit Behinderung, Obdachlose, Drogenabhängige etc. zuständig, Durch diese Vielfalt wird eine kontinuierliche Berichterstattung schwierig, erklärt DEFFNER. Er weist darauf hin, dass JournalistInnen im Regelfall keine Fachmänner bzw. Fachfrauen für diese Themengebiete sind. (vgl. Deffner 1982, S. 49) JournalistInnen sind ein Teil der Gesellschaft. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 23 - 24)

"Sie sind Teil der bürgerlichen Gesellschaft und somit beladen mit den gleichen Vorurteilen, verhaftet in den gleichen Strukturen und Regeln, bestimmt durch zwar individuell leicht abweichende, im Prinzip aber gleiche persönliche Idealbilder." (Standfort 1982, S. 210) Wie COOKE, DAONE und MORRIS erläutern, arbeiten Menschen mit Behinderungen und Behindertenorganisationen hart, um dies zu ändern. JournalistInnen müssen in ihrer Ausbildung mit Themen über Behinderung bekannt gemacht werden. Die richtige Sprache und der richtige Blickwinkel sind wichtig. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 23 - 24)

Wir müssen beachten, erläutert BIKLEN, dass es keine objektiven Berichterstattungen gibt. Die Printmedien haben Limits. ReporterInnen können nicht für alle Themen ExpertInnen sein. Sie müssen über viele Themen berichten und haben meist nicht die Zeit, bei verschiedenen Themen in die Tiefe zu gehen. JournalistInnen müssen auch die Anforderung "keep it simple" erfüllen. (vgl. Biklen 1987, S. 82 - 84) Das bedeutet für die JournalistInnen z. B. unter anderem, erläutert COOKE, DAONE und MoRRIS, niemals ein langes Wort zu verwenden, wo eine kurzes ausreicht und einfache und keine akademischen Wörter zu gebrauchen. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 25 - 26)

1.2.2 Ethik des Bildes

Darf alles bildlich dargestellt werden und wo gibt es Grenzen, bei denen die zwischenmenschliche Achtsamkeit beschädigt wird? "Bilder sind neben den Wörtern das wichtigste Mittel der zwischenmenschlichen Kommunikation." (Hilpert 1995, S. 15) Bilder können Erfahrungen und Erkenntnisse darstellen, Einstellungen, Befindlichkeiten und Gefühle ausdrücken sowie Erwartungen und Aufforderungen vermitteln. Fotografien können Geschehnisse, Schicksale, einzelne Personen, die räumlich und zeitlich weit entfernt sind, aber auch fremde Lebenswelten gegenwärtig machen, beibringen bzw. verfügbar halten. Sie können Wissen schaffen, Verständnis für Andersartigkeit ermöglichen, Betroffenheit auslösen und Wünsche erwecken. (vgl. ebd., S. 13 - 20)

Die Rolle des Betrachters

Der Betrachter nimmt nicht nur die Farben, Konturen, Figuren, etc. wahr, sondern interpretiert bzw. schreibt eine Gesamtbedeutung zu. Diese Tätigkeiten hängen stark vom kulturellen Raster ab, den man zur Verfügung hat und vom eigenen Vorwissen. (vgl. ebd., S.28 - 29) "Man kann nur sehen, was man zu sehen gelernt hat." (ebd., S. 28)

Verwendung und ihre Wirkung

Bilder können diskriminierend und herabsetzend sein, wenn sie Menschen in Posen der Ohnmacht, der Verletzbarkeit oder auch der Verfänglichkeit darstellen. (vgl. ebd., S. 30 - 31)

Inhalte und Aussagen von Bildern

Hier gilt das Gebot der Wahrhaftigkeit. "Bildnerische Darstellungen sind wie Texte auch unvermeidlich perspektivisch." (ebd., S. 31) Deshalb soll die Perspektive sichtbar gemacht werden bzw. die Betroffenen ihre eigene Perspektive darstellen. (vgl. ebd., S. 31 - 32) BOVENTER appelliert an die moralische Verantwortung und die moralische Kompetenz des Einzelnen. SAXER argumentiert, dass der Einzelne damit wohl überfordert ist. Man brauche, so SAXER, ein System, dass auf diesen ethischen Grundsätzen beruht (gemeinsame Richtlinie, entsprechende Aus- und Fortbildung usw.). (ebd., S. 33 - 35)

2 Medizinisches und Soziales Modell von Behinderung

Die Medizin, die Psychologie sowie die Heil- und Sonderpädagogik interessierten sich bis dato vor allem für das Thema Behinderung und für die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung, erläutert GEORG THEUNISSEN. Bislang ging es, laut THEUNISSEN, vorwiegend um Prävention, Therapie und Rehabilitation. (vgl. Theunissen 1996, S. 67)

2.1 Medizinisches Modell von Behinderung - eine Kritik

"[...] Behindertsein ist schrecklich, Behindertsein ist hässlich, Behindertsein ist leidvoll." (Schramme 2003, S. 53) Wie ANNE WALDSCHMIDT erläutert, wird eine Behinderung in der medizinischen Sichtweise als schicksalhaftes persönliches Unglück angesehen, dass individuell zu bewältigen ist. "Als geeigneter Lösungsansatz gilt die medizinische - therapeutische Behandlung." (Waldschmidt 2005, S. 17) Georg Theunissen spricht davon, dass bei Menschen mit "schwerer geistiger Behinderung" die Ansicht vertreten worden ist, dass aufgrund des absolut feststehenden Defektes "nichts mehr gemacht werden kann". (vgl. Theunissen 1996, S. 67) Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung wurden in Begriffen des Nicht-Könnens, des Mangels, der Abhängigkeit und der Hilflosigkeit wahrgenommen. Dadurch, dass Behinderung als Krankheit galt, wurden Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung Objekte einer ausgrenzenden Behindertenhilfe und heilpädagogischen Praxis. (vgl. ebd., S. 80)

Die Gesellschaft kommt beim medizinischen Modell kaum vor. Sie ist mit ihren vorhandenen Vorurteilsstrukturen hinderlich für das individuelle Coping-Verhalten von Menschen mit Behinderung und die Annahme einer behinderten Identität, so WALDSCHMIDT. Dominant im individuell-medizinischen Modell sind die ExpertInnen. Menschen mit Behinderung sind abhängig von Sozialleistungen, deren Empfang an soziale Kontrolle und Disziplinierung gekoppelt ist.

In der Zeit zwischen 1970 und 1980 wurde in den westlichen Industrieländern das Rehabilitationssystem massiv ausgebaut. Man glaubte, dass man über Arbeits- und Behandlungsprogramme die Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen relativ reibungslos wieder eingliedern hätte können. Optimistisch ging man davon aus, dass das Behinderungsproblem zu lösen gewesen wäre, indem der Einzelne so weit wie möglich an seine Umwelt angepasst worden wäre. Das Rehabilitationsparadigma fand weltweite AnhängerInnen.

1980 formulierte die WHO die "Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps". Die kritischen Einwände gegen diese Klassifikation war der Ausgangspunkt des sozialen Modells. Britische Wissenschaftler formulierten folgende Kritikpunkte an der "Classification of Impairments, Disabilities, and Handicaps":

  • das Modell beruht primär auf medizinischen Definitionen;

  • die individuelle Schädigung (impairment) wird als alleinige Ursache von Beeinträchtigung (disability) und Benachteiligung (handicap) angesehen;

  • dieses Modell zwingt Menschen mit Behinderung in abhängige Positionen;

  • das Modell zwingt Menschen, sich individuell anzupassen und ihre Behinderung so gut wie möglich zu "bewältigen". (vgl. Waldschmidt 2005, S. 15-17)

2.2 Soziales Modell von Behinderung - Behinderung als soziales Konstrukt

2.2.1 "Wir sind nicht behindert, wir werden behindert"

"Das soziale Modell versteht Behinderung als Phänomen, das es nicht mehr gäbe, wenn entsprechende gesellschaftliche Veränderungen herbeigeführt werden könnten." (Hollenweger 2003, S. 144). Laut WALDSCHMIDT ging die britische Union der Köperbehinderten gegen Segregation, kurz UPIAS genannt, 1976 von einer gesellschaftlichen Ursache von Behinderung aus. "In our view, is society which disables..." (Waldschmidt 2005, S. 17) Zunächst bezog man sich nur auf Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung, später wurden auch Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung miteinbezogen. Der Kerngedanke des sozialen Modells lautet, dass Menschen nicht aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen behindert sind, sondern aufgrund des sozialen Systems, das Barrieren gegen ihre Partizipation errichtet. (vgl. Waldschmidt 2005, S. 18)

"It is not because of our bodies that we get carted off into segregated residential institutions - but because of the way help is organized. It is not because of our bodies that we are segregated into special schools - but because of the way education is organized." (Leaman, 1981 o. S. zit. n. Finkelstein 2004, S. 14)

Entsprechend dieser Auffassung, wird laut WALDSCHMIDT soziale Verantwortlichkeit erwartet und nicht der Einzelne, sondern die Gesellschaft hat sich zu ändern. Barrieren gegen die Teilhabe von Menschen mit Behinderung müssen abgebaut werden, so die Sichtweise des sozialen Modells. (vgl. Waldschmidt 2005, S.18 - 19) "Behinderung ist nichts Absolutes, sondern erst als soziale Kategorie begreifbar. Nicht der Defekt, die Schädigung ist ausschlaggebend, sondern die Folgen für das einzelne Individuum." (Cloerkes 1997, S. 8)

2.2.2 Kritik am sozialen Modell

WALDSCHMIDT kritisiert am sozialen Modell unter anderem den Stellenwert des Körpers. Für sie ist nicht erklärbar, warum der Körper im sozialen Modell der Medizin überlassen wird; sie nennt dies eine Körpervergessenheit des sozialen Modells. (vgl. Waldschmidt 2005, S. 19 - 24) Der Kritikpunkt, dass das soziale Modell die Realität einer Beeinträchtigung ignoriert oder unfähig ist, adäquat damit umzugehen, basiert laut OLIVER auf dem Missverständnis, dass es dem sozialen Modell um die persönliche Erfahrung geht, beeinträchtigt zu sein. Das soziale Modell fokussiert die kollektive Erfahrung von "disablement". OLIVER ist der Ansicht, dass die subjektiven Erfahrungen des Schmerzes der Beeinträchtigung und Behinderung im sozialen Modell nicht ignoriert werden. Denn das soziale Modell entstand aufgrund der Erfahrung von AktivistInnen in den 1970ern. (vgl. Oliver 2004, S. 8 - 9)

Der Kritikpunkt, dass das soziale Modell als soziale Theorie von "disablement" inadäquat ist, hat für OLIVER keine Bedeutung. Denn das soziale Modell war nicht als Theorie geplant. (vgl. Oliver 2004, S. 8-9) WALDSCHMIDT kritisiert, dass das soziale Modell die gesellschaftliche Behinderung als zu lösendes Problem wahrnimmt: etwas "Störendes" - nämlich die gesellschaftlichen Barrieren - muss "behoben" werden. (vgl. Waldschmidt 2005, S. 19 - 24)

2.3 Exkurs: Kulturelles Modell von Behinderung

"Aus kulturwissenschaftlicher Sicht genügt es nicht, Behinderung als individuelles Schicksal oder diskriminierte Randgruppenposition zu kennzeichnen." (Waldschmidt 2005, S. 25). WALDSCHMIDT möchte weggehen von der Perspektive, dass Menschen mit Behinderung als Randgruppe anzusehen sind, stattdessen soll die Mehrheitsgesellschaft zum eigentlichen Untersuchungsfeld werden. Nicht nur Behinderung, sondern auch Normalität soll analysiert werden. Das kulturelle Modell lässt Ausgrenzung- und Stigmatisierungsprozesse ersichtlich werden. Die Gesellschaft, wie Wissen über den Körper produziert wird, wie Normalitäten und Abweichungen konstruiert werden, etc. wird zum Untersuchungsgegenstand des kulturellen Modells von Behinderung. Laut Waldschmidt sieht das kulturelle Modell von Behinderung Menschen mit Behinderung nicht als zu integrierende Minderheit, sondern als integralen Bestandteil der Gesellschaft an. (vgl. Waldschmidt 2005, S. 24 - 28)

2.3.1 Was ist mit "sozialer Konstruktion" von Behinderung gemeint?

Mit sozialer Konstruktion von Behinderung kann SCHRAMME zufolge gemeint sein, dass...

  • Behinderung durch die negative Bewertung der Gesellschaft konstruiert wird. Dies ist eine Kritik an der gesellschaftlichen Zuschreibung von Behinderung. (vgl. Schramme S. 59). GOFFMAN nennt diesen Prozess der Zuschreibung - ‚virtuelle soziale Identität'. Trifft eine Person auf eine ihr fremde Person, kann diese die Eigenschaften und die "soziale Identität" des Fremden / der Fremden vorwegnehmend erkennen, so Goffman. Diese Vorannahmen basieren auf normativen Erwartungen gegenüber dem Unbekannten. Man charakterisiert im Effekt. Die "soziale Identität" und die Eigenschaften, die dem unbekannten Individuum tatsächlich bewiesen werden können, bezeichnete Goffman als "akute soziale Identität". (vgl. Goffman 1967, S. 10)

  • Behinderungen werden durch die Gesellschaft oder gesellschaftliche Institutionen kausal hervorgebracht. "Ein Mensch, der in seinen Fähigkeiten eingeschränkt ist, bloß weil gesellschaftliche Umstände ihn an der Ausübung hindern, ist nicht behindert, sondern wird behindert." (Schramme 2003, S. 59) Schramme findet diese These plausibel, aber für ihn können nur die allerwenigsten Behinderungen ausschließlich gesellschaftlich aufrechterhalten werden. Die Mitverursachung bestreitet Schramme keineswegs. (vgl. Schramme2003, S. 59)

  • Kategorien wie "Normalität", "Abweichung", "Krankheit" oder "Behinderung" sind menschliche Konstruktionen. Im "radikalen Konstruktivismus" ist die gesamte Realität Folge menschlicher Konstruktion.

  • "Ohne bestimmte gesellschaftliche Werte und Normen gäbe es auf der Welt keine Behinderung." (Schramme 2003, S. 60)

Die Ideale, Strukturen und Regeln dieser Gesellschaft machen Menschen mit Behinderung zu AußenseiterInnen und nicht die Beeinträchtigung dieser, erläutert STANDFORT. (vgl. Standfort 1982, S. 207 - 208) "Wenn wir schließlich Behinderung als Begrenzung der Gesellschaftsstruktur erforschen, dann wird sich unsere Aufmerksamkeit darauf richten, Barrieren gegen die gesellschaftliche Partizipation von behinderten Menschen zu identifizieren und abzubauen." (Priestley 2003, S. 7. zit. n. Waldschmidt 2005, S. 19) Menschen mit Behinderung entsprechen STANDFORT zufolge nicht dem Idealtypus der Gesellschaft: jung, leistungsfähig, männlich, dynamisch, gesund, etc. Menschen mit Behinderung werden zum Negativbild der Gesellschaft. Das Wissen darum, das man selbst jederzeit behindert werden kann, erzeugt Angst. Angst erzeugt Verdrängung und das ist wiederum das Synonym für Aussonderung. (vgl. Standfort 1982, S. 207 - 208)

"Das soziale Modell wurde von Aktivisten der Behindertenbewegung in den 80er Jahren ‚erfunden', es sollte vor allem dem Kampf um mehr Gerechtigkeit dienen, die eigene Position im Politischen stärken und Betroffenen eine neue Perspektive ihrer Situation bieten [...]" (Hollenweger 2003, S. 143) HOLLENWEGER weist darauf hin, dass anstelle des Individuums die Rolle der Gesellschaft fokussiert wird. Die Disability Studies beschäftigen sich mit der Weiterentwicklung des Sozialen Modells von Behinderung. Das Ziel des Sozialen Modells ist die Inklusion von Menschen mit Behinderung. Dies sollte sich abheben vom Integrationsgedanken, der die Veränderung des Individuums als Kriterium genommen hat. (vgl. Hollenweger 2003, S. 153)

SCHRAMME führt vier Strategien an, die davon ausgehen, dass Behinderung ein "soziales Konstrukt" ist.

2.3.1.1 Aufwertungsstrategie

Man deutet die negative Bewertung von Behinderung zu einer positiven um. "Behindertsein ist schön." (KLEE 1974)

2.3.1.2 Differenzstrategie

"Es ist normal, verschieden zu sein", lautet ein Slogan der Behindertenbewegung. Die Schädigung wird zu einer Differenz, zu einem Anderssein ohne negative Wertung uminterpretiert. (vgl. Schramme 2003, S. 55)

Die ersten beiden Strategien beinhalten die Botschaft: wo nichts Negatives vorliegt, da kann auch keine Behinderung sein, so SCHRAMME. Die nächsten beiden Strategien bestreiten, dass tatsächlich ein negativ zu bewertender Zustand vorliegt.

2.3.1.3 Gleichheitsstrategie

Eine Behinderung hängt nicht von einer körperlichen oder geistigen Verfassung ab, sondern von benachteiligenden Lebensumständen. "Behindert ist man nicht, behindert wird man." Auch hier wird die medizinische Schädigung nicht abgestritten. Das Negative des Behindertseins gehört nicht intrinsisch zu behinderten Person selbst, sondern wird durch die Lebensumstände konstruiert. (vgl. Schramme 2003, S. 56 - 57) "Der Begriff der Behinderung löst sich hier zumindest als Bezeichnung für ein Merkmal von Personen auf." (Schramme 2003, S. 57) Nach Ansicht von Goffman ist ein Stigma, in diesem Falle das Stigma Behinderung, kein Wesensmerkmal einer Person, sondern eine negative Identitätszuschreibung, die von Außen auf die Person übertragen wird. Je nach dem Wertesystem einer Gesellschaft ändern sich die Stigmata, so Goffman. Ein und dieselbe Eigenschaft kann dazu führen, dass ein Mensch stigmatisiert wird, während durch diese die Normalität des Anderen bekräftigt wird. Ein Stigma ist eine besondere Art von Beziehung zwischen Eigenschaft und Zuschreibung. (Vgl. Goffman 1967, S. 11 - 30)

2.3.1.4 Radikale Strategie (Radikaler Konstruktivismus)

Die Existenz von Behinderung wird bestritten, es wird davon ausgegangen das Behinderung ein soziales Konstrukt ist. Die Kategorie der medizinischen Schädigung wird hinterfragt. Die Behauptung "Es gibt gar keine Querschnittslähmung" wird von diesen TheoretikerInnen ganz ernst gemeint. SCHRAMME widerspricht sich hier aber selbst, wenn er einige Seiten zuvor davon ausgeht, dass diese TheoretikerInnen nicht bestreiten, dass es Menschen gibt, denen ein Bein fehlt. Es wird der Begriff Behinderung in Frage gestellt. (vgl. Schramme 2003, S. 53 - 54) Schramme ist gegen das Bestreiten von objektiv existierenden Behinderungsformen. (vgl. Schramme 2003, S. 77) Diese Theorie findet vor allem bei Menschen mit einer Körperbehinderung weniger AnhängerInnen. (vgl. Schramme 2003, S. 57) Cloerkes geht davon aus, dass die "Soziale Konstruktion von Behinderung" nicht mit der Vorstellung gleichgesetzt werden kann, dass es eine Behinderung oder Menschen mit Behinderung nicht gibt. Beides gehört zur gesellschaftlichen Wirklichkeit. (vgl. Cloerkes 2003, S. 7 - 11)

Die Entdeckung, dass wir unsere Wirklichkeiten selbst erschaffen, beendet die Annahme des So-Seins der Welt. "Nun steht vor uns nicht nur die Möglichkeit völliger Verantwortung für uns selbst, sondern auch für unsere Erfindung und Herstellung von Wirklichkeiten für andere." (Watzlawick 1997, S. 107)

2.3.2 Die "Soziale Konstruktion von Behinderung" wird von den Medien nicht beachtet

DARKE kritisiert, dass die Beeinträchtigung von Menschen mit Behinderung fokussiert wird. Zudem werden die soziale Konstruktion von Behinderung und die politische Bedeutung von Behinderung nicht berücksichtigt. Dies gilt für alle Medienformen: Fernsehen, Filme, Radio und die Presse. In den letzten fünf Jahren ist laut DARKE die mediale Darstellung mehr als je zuvor, verknüpft mit Wohltätigkeit oder der "Freak-Philosophie": fundamental, voyeuristisch und ausbeuterisch. "In fact, disability, the social process of exclusionary practices of society against disabled people, has not been ‚mainstreamed': impairment has." (Darke 2004, S. 101) Die eigentliche Absicht in Zusammenhang mit dem Sozialen Modell, nämlich das Verständnis für die kulturelle Unterdrückung aufzuzeigen, wurde durch die Sensationalisierung der Vergangenheit und die Objektivierung der Individuen ersetzt. (vgl. DARKE 2004, S. 100 - 105)

In Zusammenhang mit der "Independent Living-Bewegung" setzten sich Menschen mit Behinderung für die gleichen Rechte ein und gegen die kulturelle Fehlrepräsentation von Menschen mit Behinderung. Später erreichte dieser Ansatz auch die Medien. Es sollten positive Bilder von Menschen mit Behinderung in den Medien vorhanden sein. (vgl. Barnes 1992, S.11) Man wollte den Blick nicht länger auf die Beeinträchtigung richten, sondern auf die wirklichen Ursachen der Unterdrückung von Menschen mit Behinderung. Es sollten die Sichtweisen von Menschen mit Behinderung und deren Organisationen erfasst werden. (vgl. Barnes 1992, S.12) Im internationalen Diskurs sind die linear gedachten Figuren "behindert / krank", "diskriminiert / benachteiligt" und "arm / ausgeschlossen" immer noch vorhanden. Dies folgt dem Denken der "Defizitorientierung", dem "Reduktionismus" oder dem "Medizinischen Modell". (vgl. Hollenweger 2003, S. 142)

Das, was Menschen mit Behinderung zurückhält, ist die Einstellung anderer und die Barrieren, die ausschließlich die Gesellschaft den Menschen mit Behinderung in den Weg stellt. Die Presse verstärkt diese Einstellungen und Barrieren und trägt nicht zum Abbau dieser bei. Für Menschen mit Behinderung ist die gesellschaftliche Verhaltensweise das Hauptproblem und nicht die medizinische Beeinträchtigung. Die Rolle der Medien ist von entscheidender Bedeutung. Die Sichtweise von Menschen mit Behinderung ist im 21. Jahrhundert zu ändern. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 27)

3 Aspekte der geschichtlichen medialen Darstellung: exemplarisch betrachtet an Wolfgang Gschaidter

Inhaltsverzeichnis

Mit den Flugblättern, erklärt MÜRNER, begann um 1500 die Ära der Massenmedien. Wenn die Texte ausführlicher waren und sich die Meldungen auf mehrere Seiten verteilten, sprach man von Flugschriften. Diese Flugschriften waren die Vorläufer der modernen Presse. Die Flugblätter vertraten bereits vorgefasste Anschauungen und trugen zur Meinungsbildung bei. Schon damals galt, je ungewöhnlicher und grausamer, desto besser die Meldung des Flugblattes. Viele Flugblätter berichteten in Wort und Bild von so genannten Wundergeburten, also von Geburten von Neugeborenen mit Behinderung oder Totgeburten. In der Bezeichnung der Wundergeburten überschnitten sich positive wie negative Bezeichnungen, Schock, Anteilnahme, Angst und Faszination. (vgl. Mürner 2003, S. 16 - 21)

3.1 Wolfgang Gschaidter

Wolfgang Gschaidter wurde 1620 zum Innsbrucker Wahrzeichen erklärt, so MÜRNER und SCHÖNWIESE. Gschaidter wurde auf einem Flugblatt aus der frühen Neuzeit dargestellt. Sein Blick ist eher traurig, vielleicht ängstlich, ein wenig erwartungsvoll, so die beiden Autoren. Er hat, so die beiden Autoren, einen verzagten und leidvollen Gesichtsausdruck und wirkt stark abgemagert.

Abb.1. Mürner, Christian / Schönwiese, Volker 2008, S. 53

Auf dem Flugblatt unter dem Kupferstich druckte man einen lateinischen Text ab, der von Christine Lehne folgendermaßen übersetzt wurde:

"Du siehst einen heilen Geist in einem wahnsinnigen Körper.

So gekrümmt wie der Fuß, so gekrümmt sind auch die Hände.

Ist er ein Opfer magischer Künste, wurde er verzaubert?

Ist's die Natur oder sein eigner Fehler?

Doch er weiß, dass er seit fünfzehn Jahren an sein Bett gefesselt (ist).

Und die Hände der Ärzte nicht bei ihm vermögen.

Wenn du einen lebenden Leichnam nie gesehen hast, schau hin!

Was er zu Lebzeiten ist, wirst du im Tode sein."

(Schönwiese, Volker / Mürner, Christian 2007, S. 247)

Drei Gründe für seinen gekrümmten Körper werden genannt: Magie, Natur oder Fehlverhalten. (vgl. Schönwiese / Mürner 2007, S. 244 - 257) "Am körperlichen Zustand ließe sich auch von ärztlicher Seite nichts ändern, deshalb entspreche er der Veranschaulichung des Todes für die Lebenden, dem barocken ‚Memento mori" (Gedenke des Sterbens!)." (Schönwiese / Mürner 2008, S. 55) Dies, so SCHÖNWIESE und MÜRNER, ist eine schwerwiegende Verknüpfung von Tod, Krankheit und Behinderung. (vgl. ebd., S. 55)

Inhaltlich wird auf dem Flugblatt noch erwähnt, dass er Tischler oder Schreiner ist und eine Familie hat. Es wird geschildert, dass er an Kopf- und Zahnschmerzen erkrankte und nach drei Tagen gekrümmt und gelähmt war. Des Weiteren wird darauf verwiesen, dass man für den "armen Krüppel", der außer seinen Augen und seiner Zunge nichts mehr bewegen konnte, eine Spende in der Dreiheiligenkirche in Innsbruck tätigen konnte. Der Mitleidsappell verknüpft mit dem "armen Krüppel" und dem am Anfang genannten "Totlebendigen" stellt sein Leben als belanglos dar. Ein Leben das zur Last falle. Die Bildinterpretationen des Flugblattes können mit heutigen Darstellungsformen von Menschen mit Behinderung in Massenmedien und deren Kritik verbunden werden, so SCHÖNWIESE und MÜRNER:

  • projektive Funktion: man wird beim Anblick des Wolfgang Gschaidter dazu aufgerufen, über sich selbst und insbesondere den Tod nachzudenken. Die Sichtweise von Wolfgang Gschaidter wird nicht deutlich;

  • massenmediale Verbreitung

  • dramatisierende Inszenierung: dies wird durch die Köper- und Geist-Trennung als massenmediale Strategie bewirkt;

  • Spenden: als individualisierende bzw. entlastende Handlungsstrategie;

  • institutionelle Funktion: die institutionellen Interessen der Klinik und der Kirche werden sichtbar;

  • politische Funktion: mittels des Flugblattes wird eine gegenreformatorische und politische Propaganda durchgeführt;

  • Etablierung eines alltagswirksamen Topos: "armer Krüppel".

"Damit ist das Flugblatt wahrscheinlich ein erstes Zeugnis einer Spendenkampagne, wie wir sie in der aufgezeigten Struktur bis heute kennen." (vgl. Schönwiese / Mürner Christian 2007, S. 244 - 257).

4 Gegenwärtige Darstellung von Menschen mit Behinderung: wiederkehrende Stereotypen

"Jedesmal wenn irgendeiner mit einem bestimmten Stigma sich dadurch spektakulär espiniert, daß er ein Gesetz bricht, einen Preis gewinnt oder erster seiner Art wird, kann eine lokale Gemeinschaft klatschhafte Notiz davon nehmen; diese Ereignisse können sogar Nachrichten in den Massenmedien der größeren Gesellschaft werden." (Goffman 1967, S. 40) Menschen mit Behinderung werden laut MÜRNER oft auf das Merkmal Behinderung reduziert oder auf ein Stigma, das zur selben Zeit verunsichert und fasziniert. Menschen mit Behinderung sind von zentraler Bedeutung, wenn Aufsehenerregendes, Besonderes, Bizarres, Schicksalhaftes oder Außergewöhnliches präsentiert wird. Menschen mit Behinderung werden in eine Rolle gedrängt. (vgl. Mürner 2003, S. 12 - 13) DEVEREUX geht ebenso davon aus, dass für Menschen, die von der Norm abweichen, Rollen zur Verfügung gestellt werden. Devereux nennt dies "Modelle des Fehlverhaltens", die die Kultur für das Individuum bereit hält. "Hüte dich, verrückt zu werden, aber wenn du es wirst, dann führe dich in der und der Weise auf ...' Jede Gesellschaft hat ganz feste Vorstellungen darüber, 'wie die Verrückten sich benehmen'." (Devereux 1982, S. 59)

COOK, DAONE und GWYLIM führten 1999 acht Wochen eine Erhebung durch.

Ein Ergebnis der Studie ist unter anderem, dass die Themen Behinderung oder Menschen mit Behinderung nicht objektiv und akkurat bearbeitet werden. Es besteht immer noch ein Ungleichgewicht zwischen der Realität der Menschen mit Behinderungen, ihrem Leben, ihren Hoffnungen und Bestrebungen und der Art, wie über sie geschrieben wird. Allzu oft werden Stereotypen verwendet und falsche Annahmen fortgesetzt. Es gab jedoch auch viele Beispiele für gute Arbeitsweisen. Vor allem lokale Zeitungen präsentieren oft qualitätsvollen Journalismus über SportlerInnen, KünstlerInnen und MusikerInnen mit Behinderung, so die AutorInnen. Ebenso hat es eine starke Zunahme der Gesamtzahl der Artikel in Bezug auf Menschen mit Behinderung gegeben. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 10 - 13)

4.1 Das Elend Behinderung

Der Leser / die Leserin kann nichts daran ändern und ihm wird die eigene Lage erträglicher, so erläutert STANDFORT diese Sichtweise von Behinderung. (vgl. Standfort 1982, S. 208 - 210) MÜRNER geht davon aus, dass die "Elendsberichte" im 20. Jahrhundert hinter sich gelassen werden. (Mürner 2003, S. 27)

4.1.1 Baby Jane Doe und Elizabeth Bouvia

Im Fall von Baby Jane Doe und Elizabeth Bouvia werden medial Stereotypen wie Verzweiflung, Schmerz, Trauer und Niederlage präsentiert. (vgl. Biklen 1987, S. 82 - 84) Elizabeth Bouvia bat ein Hospital, ihr Tabletten zu geben, die ihr den Selbstmord ermöglichen. Sie begründet diesen Wunsch folgendermaßen: "People are saying I've given up hope. That's not it. I'm just being realistic. I had high ideals. I thought I could succeed. But little by little I realized that supporting myself and living an independent life is impossibility. No I know what it will take. I'm more realistic." (Biklen 1987, S. 80-81)

Über Elizabeth Bouvia wurde folgendermaßen berichtet: "[...] the 26-year-old cerebral palsy victim who says she wants to starve to death to end a lifetime of severe disability." (Biklen 1987, S. 84). Eine weitere Schlagzeile lautete folgendermaßen: "Paralytic Choosing Death Over Life of Pain." (Biklen 1987, S. 84)

Das Baby Jane Doe wurde mit verschiedenen Behinderungen geboren. Die Reporter interessierte das Drama zwischen den Eltern, die einen lebensverlängernden chirurgischen Eingriff ablehnten, und den Ärzten. Im Fall Baby Jane Doe berichteten die JournalistInnen in folgender Weise: "Without surgery, doctors say, she will die within two years; with it, she could survive into her 20's but would be severely retarded and bedridden." (Biklen 1987, S. 80) (zurückgeblieben und bettlägerig) Die Berichte über Baby Jane Doe waren von solchen Aussagen gekennzeichnet:

  • hoffnungslos krank;

  • sie wird niemals Liebe erfahren;

  • ist so ein Leben, lebenswert? (vgl. Biklen 1987, S. 84 - 85) Diese Frage erinnert an die Lebenswertdebatte der 80er und den so genannten "Vernichtenden Blick", den die Ausstellung "Der [im-]perfekte Mensch" herausgearbeitet hat.

4.2 "Der vernichtende Blick"

SCHÖNWIESE verweist auch auf Dimensionen der Darstellung von Menschen mit Behinderung, welche die Ausstellung "Der [im] perfekte Mensch" heraus gearbeitet hat. Der "vernichtende Blick" wurde SCHÖNWIESE zufolge aufgrund der Propagandabilder der nationalsozialistischen Rassenpolitik bekannt. Es wurde mit dokumentarischem Material, das man im Rahmen der Euthanasiepraxis erstellt hatte, gearbeitet. Bildlich wurde ein Vergleich zwischen athletisch Gesundem und rassisch Minderwertigen, fast Tierischem, produziert. (Schönwiese 2007b, S. 14 - 15) Heute findet man diese Gedanken in der Euthanasie-Debatte von Bioethikern, wissenschaftlich weiterentwickelt, wieder: "Die realen Probleme der behinderten Menschen werden mit projektiven und vorurteilsbeladenen Vorstellung des ‚Leidens‛ von behinderten Menschen systematisch vertauscht. Das drückt sich z. B. so aus, dass geglaubt wird, man könne sich im Interesse von behinderten Kindern dafür entscheiden, sie zu töten." (Schönwiese 2006/07, S. 81) Psychologisch benannt, ist dies eine Leidensprojektion. Leidensprojektion ist die Methode, Menschen mit Behinderung gesellschaftlichen Vorurteilen auszuliefern, eigene existentielle und gesellschaftlich produzierte Probleme auf Menschen mit Behinderung zu übertragen, an ihnen abzuhandeln und abzuwehren. Das "Leiden" wird im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung geschaffen. (vgl. Schönwiese 2006 /07, S. 81) "Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung ist eine Annahme oder Voraussage, die rein aus der Tatsache heraus, daß sie gemacht wurde, das angenommene, erwartete oder vorhergesagte Ereignis zur Wirklichkeit werden läßt und so ihre eigene ‚Richtigkeit' bestätigt." (Watzlawick, 1997, S. 91) Diese gedanklichen Konstruktionen können laut WATZLAWICK einschneidende Wirkungen auf unsere Mitmenschen haben. (vgl. Watzlawick 1997, S. 98) WATZLAWICK führt auch an, dass Diagnosen im Sinne selbsterfüllender Prophezeiungen konstruiert werden. (vgl. Watzlawick, S. 101)

Bettina Schöne-Seifert schrieb in der Zeitschrift "Zeit" vom 1. Jänner 1984 zum Fall von Baby Jane Doe: "Muss man trostloses Leben mit allen Mitteln verlängern?" Schöne-Seifert verwendete Terminologien wie "hochgradig geistig schwer retardiert" und "neurologisch schwer geschädigt". Weiters schreibt Schöne Seifert:

"Wer aus Humanität befürwortet, Neugeborene mit schwersten Mißbildungen nicht am Leben zu erhalten, ist ganz und gar kein Sozialdarwinist. Das Argument entspringt der Überzeugung, technische Möglichkeiten verantwortlich einsetzen zu müssen; nicht jemanden zu einem Leben verdammen zu dürfen, das keiner von uns freiwillig führen möchte. Und: Es ist schon zu viel Elend in der Welt, als daß wir gedankenlos-feige noch neues hinzufügen sollten." (Schöne-Seifert 1984, im INTERNET)

Kann man wirklich in einem so frühen Lebensstadium davon ausgehen, dass Baby Jane Doe immer Schmerzen haben wird? Warum geht man davon aus, dass sie keine Liebe erfahren wird? Auch dass sie ihr Leben lang bettlägerig sein wird, ist eine äußerst pessimistische Sichtweise. Medienanalyst Steven Bear sagt, dass dies nur die halbe Geschichte ist. In den Berichten werden keine Themen wie Integration, Independent Living, Support Services, Disability Rights Movement, etc. aufgezeigt. Biklen spricht von einer "disability ignorant and disability denying society." (vgl. Biklen 1987, S. 84 - 85)

Michell Fine and Adrienne Asch bringen einen anderen Blickwinkel auf die Geschichte von Baby Jane Doe:

"Further it is absolutely essential to understand that the pain and 'tragedy' of living with an advisability in our culture, such as it is, derives primarily from the pain and humiliation of discrimination, oppression and anti - disability attitudes, not from disability itself." (Biklen 1987, S. 92)

4.3 Menschen mit Behinderung als Objekt von Gewalt

Parallelen zu den Sichtweisen von "Behinderung als Elend" und dem "Vernichtende Blick" kann man den von BARNES herausgearbeiteten Stereotyp von Behinderung "als Objekt von Gewalt" erkennen.

"Throughout History disabled people have been the victims of violence." (Barnes 1992, S. 20) Während des 19. Jahrhunderts hat die Wissenschaft die Gewalt gegen Menschen mit Behinderung legitimiert: Darwinismus und Eugenik. Die Menschheit musste gerettet werden, indem die Reproduktion von Defekten mittels Sterilisation und Segregation verhindert werden konnte. Ihren Höhepunkt erreichte das eugenische Denken im 2. Weltkrieg mit der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderung. In Großbritannien forschte man mit menschlichen Föten, um die Geburt von Menschen mit Behinderung zu verhindern. Kinder mit Behinderung haben weniger Chancen, adoptiert zu werden, erläutert BARNES weiter. Physischer und sexueller Missbrauch kommt häufiger vor.

Die Medien unterstützten das Klischee, dass Menschen mit Behinderung nicht so gut auf sich selbst aufpassen können und deshalb "empfänglich für Gewalt sind". In Fernsehfilmen sind Menschen mit Behinderung mit dreimal so großer Wahrscheinlichkeit am Ende tot, stellt BARNES fest. Die Rollen als Selbstmörder, Kriminelle und Mörder werden ebenfalls Menschen mit Behinderung zugeschrieben. Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung werden in Zeitschriften als Opfer dargestellt. Bilder von Hilflosigkeit und Abhängigkeit helfen diese Gewalt zu verewigen. (vgl. Barnes 1992, S. 20 -21)

4.4 "Der ausschließende Blick"

Dieser Blick wurde in der Ausstellung "Der [im]perfekte Mensch" herausgearbeitet. Babys mit Behinderung sind z. B. in Ratgebern für werdende Mütter nicht vorhanden. (vgl. Schönwiese 2007 b, S. 14 - 15)

4.5 Menschen mit Behinderung: "finster und böse"

BARNES lieferte diese Darstellungsweise aufgrund seiner empirischen Studie über die mediale Darstellung von Menschen mit Behinderung. "[...] in ‚The Bible' there are over forty instances in which 'the cripple' is connected to sin and sinners'[...]" (Barnes 1992, S. 22) Die Annahme, dass Menschen mit Behinderung böse sind, wird vor allem in Filmen favorisiert. (vgl. Barnes 1992, S. 22 - 23) MÜRNER weist darauf hin, dass das Thema Behinderung allgemein in Filmen in Mode kommt. (vgl. Mürner 2003, S. 160) Zeitschriften sensationalisieren die Verbindung zwischen intellektueller Beeinträchtigung und Kriminalität. Dabei wird den LeserInnen vermittelt, dass jenen Menschen nicht vertraut werden kann. Sie seien gefährlich für Kinder und sollten eingesperrt werden. (vgl. ebd., S. 22 - 23) "Mitten in Nürnberg - Verrückter schoß auf Passanten". (Eder 1992, S. 13)

4.6 "Der staunende Blick"

Die Ausstellung "Der [im]perfekte Mensch" präsentierte diesen Blick. Menschen mit Behinderung wurden in "Freakshows" etc. zur Schau gestellt und bestaunt. (vgl. Schönwiese 2007b, S. 14 - 15) "Sensationsgier" und "Schaulustigkeit" sind oft das Motiv für Menschen, die in keinen Zusammenhang mit Menschen mit Behinderung stehen, dies anzusehen. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 94). ROSMARIE GARLAND-THOMSON analysierte Fotografien, die Menschen mit Behinderung darstellten. Überschneidungen erkennt man dabei mit dem "staunenden Blick" und ihrer Kategorisierung: "die außerordentliche Repräsentationsweise von Behinderung".

4.7 Die außerordentliche Repräsentationsweise von Behinderung

"Die außerordentliche Repräsentationsweise von Behinderung", so übersetzt RENGGLI, eine der vier, von Rosmarie Garland-Thomson aus dem Englischen herausgearbeiteten Repräsentationsweisen. (vgl. Renggli 2006, S. 99 - 100) Diese Darstellungsweise produziert in der Fotografie, so GARLAND-THOMSON, Staunen und Bewunderung. In Zusammenhang mit dieser Darstellungsweise wurden physische Differenzen präsentiert. Die sogenannten Monster der Antike, die z. B. durch Wahrsagerei Ehrfrucht erzeugten und die so genannten Freaks, welche im 19. Jahrhundert in Vorstellungen zur Schau gestellt wurden, waren dieser Darstellungsweise voraus gegangen. (vgl. Garland-Thomson 2005, 59 - 63) Früher wurde laut RENGGLI Behinderung als etwas Außerordentliches betrachtet, Außergewöhnliches wurde hervorgehoben und Behinderung als Ausnahmeerscheinung charakterisiert. (vgl. Renggli 2006, S. 100)

Abb.2. Garland-Thomson 2005, S. 60

"Die außerordentliche Repräsentationsweise entspringt aufgrund der Unterscheidung von ‚gut und böse‛, ‚normal - anormal‛", erläutert GARLAND-THOMSON. Ein Beispiel dafür war Charles Tipp(Abb.2); er lebte im 19. Jahrhundert. Tipp wurde berühmt als das "armlose Monster". Die Abbildung Nr. 2 zeigte Tipp beim Tee trinken. Dies sollte darauf aufmerksam machen, wie unterschiedlich die Lebensweise eines Menschen sein kann und wie beeindruckend Charles Tipps Leben war. Seine Papierfiguren, die er ausgeschnitten hat, die Füllfeder und Schere, die er benutzt hat, um jene "bemerkenswerten" Dinge zu schaffen, wurden aufbewahrt. Damit versuchte man den ZuseherInnen Ehrfurcht zu entlocken. Dieses Bild schuf zwischen Charles Tipp und den BetrachterInnen Identifikation und zu gleich Distanz, er wirkte fremd und zu gleich vertraut, erläutert GARLAND-THOMSON. Die ZuseherInnen sahen einen typischen Mann beim Tee trinken, essen, etc. doch, dass er mit den Füßen aß, machte die Situation unverwechselbar. Indem man die ZuseherInnen auf die Beeinträchtigung fokussieren ließ, wurde diese zur Ausnahmeerscheinung. Dieses Starren gab der Beeinträchtigung Bedeutung. In der Gegenwart ist die "außerordentliche Repräsentationsweise" die von so genannten "Supercrips" (siehe 4. 13). (vgl. ebd., S. 59 - 63)

4.8 Menschen mit Behinderung als Objekt von Spott

"But laughing at disability is not new, disabled people have been an source of amusement for non - disabled people for centuries." (Barnes 1992, S. 27) "During the seventeenth and eighteenth centuries keeping 'idiots' as objects of humor was common among those who had the money to do so, and visits to Bedlam and other 'mental' institutions were a typical form of entertainment for the 'able but ignorant'." (Barnes 1992, S. 27) Heute ist der Hohn gegenüber Menschen mit Behinderung Hauptmerkmal von vielen Komödien und Fernsehshows, stellt BARNES in seiner empirischen Studie fest. Die negativen Implikationen für Menschen mit Behinderung sollten nicht unterschätzt werden. Sicherlich werden einige Leute sagen, dass alle Gemeinschaften manchmal Ziel des populären Humors sind und dass Menschen mit Behinderung nicht ausgeschlossen werden sollen. Aber ausgespottet zu werden, ist nur akzeptabel, wenn diese negativen Bilder durch positive ersetzt werden können, oder wenn sich diese Menschen selbst dagegen wehren können. Aber zurzeit gibt es keine virtuellen positiven Bilder von Behinderung und Menschen mit Behinderung haben diese Ressourcen nicht und den legalen Rahmen, um gegen diese Diskriminierungen zu kämpfen.

Es gibt behinderte Entertainer, welche es geschafft haben, einen Humor zu kreieren, welcher darauf fokussiert, wie absurd die Gesellschaft mit Menschen mit Behinderung umgeht. Aber dieses Material wird von den Medien ignoriert. (vgl. BARNES 1992, S. 28 - 29)

4.9 "Der fremde Blick"

"Der fremde Blick verwendet körperliche und geistige Besonderheiten auf der Grundlage mythologischer oder religiöser Interpretationen, sie können Wesenszüge von Gottheiten annehmen. Dies war von den ägyptischen Kulturen bis zur Antike und abendländischen Kulturen der Fall." (vgl. Schönwiese 2007b, S. 14 - 15)

4.10 Menschen mit Behinderung: bemitleidenswert, pathetisch und bedauernswert, aber nicht hoffnungslos

"Der mitleidige Blick" aufgezeigt in der Ausstellung "Der [im]perfekte Mensch" ist im 20. Jahrhundert ein vertrauter Blick, der mittels Spendenaktionen Distanz schafft. (vgl. Schönwiese 2007b, S. 14 - 15) STANDFORT benennt diese Darstellungsweise von Menschen mit Behinderung als "bedauerlich, aber nicht hoffnungslos". Vor allem Aktionen, wie die "Aktion Sorgenkind" in Deutschland, arbeiteten mit dieser Strategie und ermöglichten den ZuseherInnen durch Spenden in Distanz "Gutes zu tun." Diese Berichte, so STANDFORT, verkünden was für Menschen mit Behinderung alles getan wird. Durch diese "frohe Botschaft" wird das Gewissen der MediennutzerInnen erleichtert (vgl. Standfort 1982, S. 208 - 210), denn jetzt wird etwas für diese Menschen mit ihrem "schweren Los" getan. Es wird zum Beispiel, so EDER, ein Heim am Strand gebaut. (vgl. Eder 1992, S. 13) Diese Berichte verkaufen sich. (vgl. Standfort 1982, S. 208 - 210) Laut BARNES gibt es eine alarmierende Zahl an Wohltätigkeitssendungen im Fernsehen. Sie fördern Bedauernswertigkeit und ermöglichen Menschen ohne Behinderung, großzügig zu sein. Menschen mit Behinderung werden so gezeigt, damit Sentimentalität entsteht, im Gegensatz zu echtem Mitgefühl. BARNES bezeichnet diese Darstellungsweise als "bedauernswert und pathetisch". (vgl. Barnes 1992, S. 15)

Wie HEILER erläutert, wird vor allem im Zusammenhang mit Spendenaktionen mit dem Aspekt des Mitleids gearbeitet. Im Jahr 1964 begann die "Aktion Sorgenkind" zur Unterstützung der Behindertenhilfe, insbesondere der Sondereinrichtungen derselben. "Spots im Werbefernsehen, Wohltätigkeitsschallplatten und ähnliche Mittel verstärken geschickt - von einer Werbeagentur professionell durchorganisiert - den Druck auf das schlechte Gewissen und damit auf den Geldbeutel der Fernsehnation." (Heiler 1982, S. 14) Menschen mit Behinderung brauchen manchmal Hilfe, die "Aktion Sorgenkind" vermittelt jedoch die Vorstellung vom "hilflosen" behinderten Menschen, der auf die "guten Taten" von Menschen ohne Behinderung angewiesen ist. Alle anderen Eigenschaften von Menschen mit Behinderung werden ausgeklammert. (vgl. Heiler 1982, S. 17)

"Natürlich ist es nicht die ‚Aktion Sorgenkind' allein, die so vorgeht, natürlich ist diese Reduzierung der Behinderten auf das Behindertsein eine Tendenz, die in vielen Bereichen der Gesellschaft zu finden ist, aber die ‚Aktion Sorgenkind' verstärkt sie mit jeder Sendung und mit jedem Jahr ihres Bestehens in den Köpfen der Zuschauer." (Heiler 1982, S. 17)

Laut BARNES gestaltet sich die mediale Darstellung so, dass Menschen mit Behinderung abhängig von der Wohltätigkeit von Menschen ohne Behinderung sind. Behinderung wird synonym mit Krankheit und Leiden dargestellt. Dies verhindert, dass soziale Faktoren, welche behindern, von der Öffentlichkeit ferngehalten werden. Um Geld zu sammeln, werden Menschen mit Behinderung als mutige, tapfere und bedauerliche Opfer dargestellt. Zwei Drittel aller Berichte der Zeitungen in Großbritannien sind Geschichten über Gesundheit und Spendensammlungen. Menschen mit Behinderung werden als bedauernswert, passiv und abhängig gezeigt. Menschen mit Behinderung werden meist auch nur bei ihrem Vornamen genannt und nicht bei ihrem vollen Namen. "‛The Multiple Sclerosis Society‛ beschrieb sich selbst als ‚hope in hell'." (Barnes 1992, S. 16 - 18) "Moreover, although a great deal of public mis-information about disability comes from the overwhelming majority of impairment specific charities and none are controlled or run by disabled people." (Barnes 1992, S. 19) Franz Joseph Huainigg schrieb im Jahr 2007 zur Spendensammlungsaktion von "Licht ins Dunkel", die als österreichische Parallele zur "Aktion Sorgenkind" gesehen werden kann: "Was duftet hier so weihnachtlich nach Mitleid? - die ORF-Aktion ‚Licht ins Dunkel' ... "(Huainigg 2007, im INTERNET) GABY EDER bezeichnet dies passend als Mitleidsberichte über die, "die im Dunklen stehen." (vgl. Eder 1992, S. 13) Huainigg fordert Gleichstellung statt Almosen, Selbstbestimmung statt Fürsorge und Integration statt Mitleid. Weiters, so HUAINIGG, soll eine Neuausrichtung der Medienkampagne stattfinden:

  • die behindertenfreie Kampagne soll aufgelöst werden;

  • ein "neues Bild" von Menschen mit Behinderung soll geschaffen werden. Folglich sollen eine Moderatorin im Rollstuhl, eine Sängerin die blind ist und ein/e GebärdendolmetscherIn nicht unvorstellbar sein;

  • soziales Engagement soll nicht nur in Spendenrekorden gemessen werden, sondern auch in nachhaltig gelebter Integration, in Form neuer Berufe und Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderung.

Dabei soll nicht der Eindruck entstehen, dass soziales Engagement durch Spenden abzulehnen ist, erläutert HUAINIGG. Die Spendensammlung muss so gestaltet werden, dass jene Personen, denen dadurch geholfen wird, nicht in ihrer Würde verletzt werden. (vgl. Huainigg 2008, S. 4) EDER ist der Ansicht, dass man mit der Forderung nach Rechten, keine Spenden erhält. (vgl. Eder 1992, S. 13)

Lokale Zeitungen lieben Geschichten über Spendenaktionen in Verbindung mit Menschen mit Behinderung. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 19 - 20) Diese Artikel lassen sich in zwei Bereich trennen:

  • eine "brave" behinderte Person überwindet alle Schwierigkeiten, um für eine wichtige Sache Geld zu sammeln;

  • nichtbehinderte Menschen sammeln für Menschen mit Behinderung und/oder ihre Familien.

Man findet sehr wenige Stellungnahmen, weshalb Menschen mit Behinderungen und ihre Familien abhängig von Wohltätigkeit sind. In allen Fundraising-Geschichten gibt es einen hohen Einsatz von Worten wie "tragisch", "Not", etc. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 19 - 20)

4.10.1 Die rührselige Repräsentationsweise von Behinderung

Als "die rührselige Repräsentationsweise von Behinderung" übersetzt RENGGLI eine der vier, von Rosmarie Garland-Thomson ausgearbeiteten Repräsentationsweisen aus dem Englischen. Diese Darstellungsweise in der Fotografie ist dadurch gekennzeichnet, dass voller Mitleid auf Menschen mit Behinderung herabgesehen wird; sie werden als hilflose und leidende Opfer dargestellt, welche Schutz und Unterstützung benötigen. (vgl. Renggli 2006, S. 100)

"Die rührselige Repräsentationsweise" operierte oft mit Bevormundung, mit Kindern und Anspielungen auf die Tapferkeit, das lange Leiden und die Courage von Menschen mit Behinderung. Dies alles wurde vereint dargestellt im "poster child" (Abb. 3.) um 1950 in Amerika, so GARLAND-THOMSON. Hierbei handelte es sich um eine Wohltätigkeitskampagne.

Abb. 3. Garland-Thomson 2005, S. 64

Dieses Kind brachte aufgrund der verwundbaren Darstellung in seinem Gitterbett Herzen zum Schmelzen. Dieses "Join the March of dimes"-Poster präsentierte das Thema Behinderung den Medienkonsumenten als ein zu lösendes Problem und einen Kampf, der zu führen ist. Die Beeinträchtigung bekam die Zuschreibung des Leidens. Menschen ohne Behinderung wurden zum moralischen Retter befähigt. Die Spenden transformierten das gefangene Kind im Gitterbett in ein lächelndes und lebendiges Kind. Das Kind schritt nun mit Entschlossenheit voran und ist den "Rettern" dankbar. Diese Darstellungsweise macht laut GARLAND-THOMSON Menschen mit Behinderung zu sympathischen, hilflosen Kindern und ermächtigt Andere zu handeln. Das Leiden des Jungens stand nicht im Mittelpunkt. Das vordergründige Ziel war die Wiederherstellung von Normalität, welche dann durch die Geldspenden gelang.

"Diese rührselige Repräsentationsweise von Behinderung" entstand aus dem Prinzip der Wohltätigkeit und ist nun im Wirtschaftsystem des Kapitalismus zu finden. Als Beispiel dafür nannte GARLAND-THOMSON die Broschüre der Firma Benetton im Jahr 1998. Das Mädchen mit Downsyndrom (Abb. 4) mit dem "modernen" Benetton-Hut, vereinigte sentimentale Tapferkeit mit moderner Mode. Das Unternehmen Benetton wollte überzeugen, dass es humaner als andere Verkaufsketten ist. Das Marketing des "poster childs" war eher noch kühl. Die Firma Benetton "bewahrte" das Mädchen mit Behinderung davor, aufgrund ihrer Kleidung stigmatisiert zu werden; außerdem wurde ihre Schule unterstützt. (vgl. Garland-Thomson 2005, S. 63 - 65)

Abb. 4. Schönwiese, Volker 2007b, S. 15)

SCHÖNWIESE kritisiert an der Analyse von GARLAND-THOMSON, dass sie die Dominanz des Lächelns des Mädchens und den Titel "Die Sonnenblumen" nicht näher betrachtet. Ein Lächeln kann nicht nur eine "harmonische Vermischung" mit der Umwelt sein, sondern auch eine Transformation zu einem verzweifelten Lächeln, erläutert SCHÖNWIESE. Eine Frau mit Behinderung erzählte:

"Eine Botschaft drängt sich klar und unmissverständlich in mein Unbewusstes, nämlich dass es den Leuten lieber wäre, wenn ich stürbe ... Ich bin jetzt 30 Jahre alt. Erst jetzt fange ich an zu merken, dass ich nicht die ganze Zeit lächeln muss und dass ich durchaus mittelmäßig sein kann, ohne dass ich das Gefühl habe, jemand würde daherkommen und 'mich aus meinem Elend befreien'." (Schönwiese 2007, S. 17)

Mit dem Titel "Die Sonnenblumen" waren Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung gemeint und durch diese Verbindung von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung und Pflanzen, Natur, usw. wurden diese entmenschlicht. Im Rahmen der neuen Euthanasiedebatte wurden ebenso Tier- und Pflanzenmetaphern aufgegriffen, man sprach von "human vegetables" (menschliches Gemüse). SCHÖNWIESE weißt ebenso darauf hin, dass die in der Werbekampagne ausgesprochene Verbindung von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung und Engeln ebenso wie der Titel "Die Sonnenblumen" als Transformationssymbol für das Jenseits gesehen werden kann. Symbolisiert wurde dies durch das Lächeln des Mädchens. (vgl. Schönwiese 2007, S. 15 - 20) Mürner schrieb zusätzlich, dass die Reaktion auf diese Kampagne in den Medien die doppelzüngigen Fragen hervorbrachte, "Darf man das?" und "Sind die Modemacher nur auf der Suche nach neuen Randgruppen und Aufsehen erregenden `unverbrauchten Menschen' oder zeigt die Selbstbestimmt-Leben-Bewegung im Endeffekt tief greifende Wirkung?" (Mürner 2003, S. 150)

Der Fotograf Oliviero Toscani hatte bereits provokante Plakate zu den Themen Aids und Krieg gemacht. Er wies darauf hin, dass er eine neue Auffassung von Foto- und Werbeindustrie vertreten würde. Damit wollte er den Vorwurf entkräften, dass Krieg, Tod, Krankheit und Behinderung dazu benutzt werden, mehr Profit zu machen. Seine Werbungen wurden zensiert und prämiert. "Profit mit Leid" war einer der Haupteinwände gegen die Werbekampagne. (vgl. ebd., S. 150 - 152) Peter Radtke, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien in München, kommentierte die Benettonbilder folgendermaßen: "Nicht die Tatsache, Werbeträger zu sein, diskriminiert behinderte Menschen, dies geschehe eher durch das Gegenteil, durch den Ausschluss als Werbeträger in Frage zu kommen." (ebd., S. 152) Nach HILPERT bringt die Benettonkampagne ein Stück leidvolle, katastrophale Wirklichkeit ins Bild. Sie schockiert und nötigt zur Aufmerksamkeit. Ein Sterbender und ein Aids-Kranker werden gezeigt ... HILPERT kritisiert, dass der soziale Kontext der Bilder fehlt und fordert deshalb, eine Ethik des Bildes. (vgl. Hilpert 1995, S. 38 - 40)

4.11 Schicksal Behinderung

Während des Nationalsozialismus wurde das Bild verbreitet, dass Menschen mit Behinderung als "unnötiges Schicksal" "ausgerottet" werden müssen. BARNES zufolge werden noch heute ähnliche Bilder in den Medien präsentiert. Die Darstellungsweise von "Behinderung als Schicksal" ist mit der Sichtweise verbunden, dass Menschen mit Behinderung hilflos sind und das für sie immer gesorgt werden muss. Diese Fürsorge übernehmen Menschen ohne Behinderung. Es wird ignoriert, dass Menschen mit Behinderung mit der entsprechenden Unterstützung gleich autonom und unabhängig sein können, wie Menschen ohne Behinderung. (vgl. Barnes 1992, S. 30)

Darstellungen von Behinderung als konstantes Schicksal findet man vor allem in Zusammenhang mit Kampagnen von Pflegeeinrichtungen. Diese wollen mit dieser Darstellungsweise finanzielle Unterstützung bekommen. Aufgrund dieser medialen Inszenierung werden Pfleger als aufopfernd und märtyrerhaft wahrgenommen und Menschen mit Behinderung als leidend und unglücklich. (vgl. ebd., S. 30 - 33)

Die Berichterstattung folgte dem Ziel, Mitleid und Mitgefühl zu erregen. HelferInnen, BetreuerInnen und Angehörige werden heroisiert und gleichzeitig mit Distanz betrachtet. (Deffner 1982, S. 49 - 52)

BÖS und KAUER stellen ebenso fest, dass Aussagen, wie "das Schicksal schlug erbarmungslos zu", vor allem in der Sportberichterstattung der Boulevardpresse zu finden sind. Die latent vorhandene Angst vor Missbildungen und Behinderungen wird für die Berichterstattung ausgenutzt. Die Berichterstattung wird auf Einzelportraits individualisiert. Es wird von Schicksalen berichtet und nicht über stichhaltige Informationen zum Behindertensport. Menschen mit Behinderung werden in der Berichterstattung oft zum passiven Empfänger von Mildtätigkeit und Mitleid. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 23 f)

Diese Stereotypen vermitteln der Gesellschaft den Glauben, dass es besser wäre, wenn Menschen mit Behinderung gar nicht existieren würden. (vgl. Barnes 1992, S. 30 - 33) Menschen mit Behinderung dürfen nicht auf eine abstrakte Leidvorstellung von Menschen ohne Behinderung reduziert und als mediale "Schicksale" präsentiert werden. (Firlinger o.J., im INTERNET)

"Wurde über Behinderte berichtet, war das allein schon eine gute Tat", (Deffner 1982, S. 49) erklärt der Journalist DEFFNER. Vor allem in der Weihnachtszeit, berichten meist überregionale Blätter von Benefizaktionen zu Gunsten von Menschen mit Behinderung. Der Zuwachs an redaktionellem Raum birgt zwei Hintergedanken, so DEFFNER:

  • man kann ausführlich über Schicksale berichten;

  • die Zeitung kann sich als Wohltäter darstellen, der zum Spenden aufruft.

Für viele reicht diese Berichterstattung dann auch einmal pro Jahr aus. Dies muss aber nicht sein, wie andere Zeitschriften zeigen. ( vgl. Deffner 1982, S. 49 - 52)

4.12 Sind Menschen mit Behinderung mit schuld an ihrem Leiden?

BARNES zufolge stellen die Medien Menschen mit Behinderung manchmal individuell so dar, als könnten sie ihre Behinderung überwältigen, wenn sie damit aufhören würden, sich selbst zu bemitleiden, und stattdessen positiv denken und kämpfen würden.

Insbesondere in Zusammenhang mit HIV wurden und werden Menschen als selbst verantwortlich für ihre Beeinträchtigung dargestellt. Dieses Denken fällt in Zusammenhang mit dem Medizinischen Modell von Behinderung. Die Behinderung wird als individuelles Problem gesehen. Dass dieses aufgrund sozialer Barrieren, etc. entstehen kann, wird nicht angenommen. (vgl. Barnes 1992, S. 29 - 30)

4.13 "Der bewundernde Blick" - "Dynamische Elitebehinderte" - "Superkrüppel"

"Der bewundernde Blick" ist dadurch gekennzeichnet, dass Menschen mit Behinderung ihre Behinderung überwinden und irgendwelchen Leistungen und Rekorden nachjagen. (vgl. Schönwiese 2007b, S. 14 - 15) STANDFORT arbeitete die Darstellungsweise der "dynamischen Elitebehinderten" heraus, die inhaltlich mit der von BARNES erstellten Kategorie der "Superkrüppel" sowie mit dem "bewundernden Blick" - erarbeitet durch die Ausstellung ‚Der [im]perfekte Mensch' - übereinstimmt. Deshalb kam es mir schlüssig vor, diese Darstellungsweisen zusammenfassend zu erläutern.

Durch Fleiß, Anstrengung, etc. haben laut STANDFORT Menschen ihre Behinderung überwunden und ihr Schicksal gemeistert. Die Verantwortung dafür bleibt beim Individuum. (vgl. Standfort 1982, S. 208 - 210) Es wird den Medienkonsumenten vermittelt "[...] Wenn Behinderte wollen, dann können sie auch. Behinderung ist wegtrainierbar." (Eder 1992, S. 13) Die Überanpassung wird positiv dargestellt und zur Norm für alle anderen Menschen mit Behinderung erhoben. (vgl. Standfort 1982, S. 208 - 210). "[...] the disabled person is assigned super human almost magical abilities." (Barnes 1992, S. 25) GOFFMAN verweist ebenso darauf, dass eine gute persönliche Anpassung ein Ziel von stigmatisierten Menschen sein sollte, ohne dass sie ihr Stigma als peinlich empfinden oder dieses verstecken. Jene Menschen, die diese persönliche Anpassung nicht leisten, hält man für eine "beschädigte Person", die starr und defensiv ist. Mittels harter Arbeit sollen stigmatisierte Personen gewöhnliche Standards erfüllen können. Gleichzeitig sollen sie sich dort zurückhalten, wo es den Anschein machen kann, dass sie ihre Andersartigkeit verheimlichen. (vgl. Goffman 1967, S. 140 - 144) "Und weil auch Normale ihre Sorgen haben, sollte das stigmatisierte Individuum weder Bitterkeit und Groll noch Selbstmitleid fühlen. Eine heitere, ergebene Art sollte kultiviert werden." (ebd., S. 144)

Personen die blind sind werden als Visionäre mit einem sechsten Sinn und einem extrem sensibilisierten Gehör dargestellt. Diese Darbietungen sind immer mit Personen, die ihre Behinderung überwältigt haben, in Verbindung gebracht, damit sie ein "normales" Leben führen können. Häufig findet man diese Darstellungsweise im Fernsehen und der Presse. (vgl. Barnes 1992, S. 25 - 26)

SIMI LINTON weist darauf hin, dass die Willenskraft der Person sie dazu befähigt, ihre Behinderung zu überwinden und die Behinderung nicht mehr als Hindernis zu sehen. Es ist nicht möglich, seine Behinderung zu überwinden. Das Einzige, was hier laut LINTON überwältigt worden ist, ist das soziale Stigma, eine Behinderung zu haben. (vgl. Linton 1998, S. 17 - 22) MÜRNER argumentiert ähnlich: wenn ein Nachteil ausgeglichen, sprich kompensiert wird, bleibt die Beeinträchtigung trotzdem weiter bestehen; sie wird unter Umständen lediglich verdeckt oder zurückgestellt. Bei der Propagierung der Kompensation geht es um kulturelle Stabilität, konservative Bewahrung und Vereinfachung der Mehrdimensionalität. Die Kompensationstheorie folgt, so wird kritisiert, einem heimlichen Normativismus. (vgl. Mürner, S. 87)

Wie COOKE, DAONE und GWILYM in ihrer Studie "Stop Press" belegen, nimmt dieser "Triumph über die Tragödie" viel an Platz in den Zeitschriften ein. Eine gute Geschichte muss sich von selbst verkaufen und kann auf diese Darstellungsweise verzichten. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 23 - 24)

BARNES zufolge exkludiert auch dieser "Triumph über die Tragödie" den zentralen Punkt, dass Behinderung ein soziales Thema ist und nicht an individuelle Beeinträchtigungen adressiert werden kann. Die Annahme, dass Menschen mit Behinderung ihre Behinderung überwinden können, verwehrt ihnen so manche Unterstützung: Menschen die blind sind brauchen nun einmal die Brailleschrift, Menschen mit Gehörlosigkeit benötigen die Gebärdensprache, etc. Auch verlangt diese Kompensierung der Behinderung unwahrscheinliche Anstrengungen. (vgl. Barnes 1992, S. 26) Wie LINTON feststellt, ist die Überwindung einer Behinderung der Wunsch von außen. Wenn kein Dolmetscher für Gebärdensprache da ist, sollen die SchülerInnen lernen, von den Lippen zu lesen und früher aufzustehen, damit sie die Mitschrift von den SchulkollegInnen kopieren können. Wenn jemand eine Behinderung überwältigen kann, ist er auch dafür verantwortlich, dass dies geschieht. Wenn wir von diesem Ansatz ausgehen, muss sich auch gegenwärtig nichts ändern, weder in den Zivilrechten noch sonst irgendwo. (vgl. Linton 1998, S. 17 - 22)

MÜRNER spricht von Obwohl- oder Trotzdem-Menschen, von Menschen, die trotz ihrer Behinderung etwas geschafft haben. Vor allem in Zeitungen und Zeitschriften ist diese Darstellungsweise häufig anzutreffen. (vgl. Mürner 2003, S. 27 - 29) RADTKE führt an, dass Menschen mit Behinderung auch dort, wo außergewöhnliche Leistungen dargestellt werden, als defizitäre Wesen präsentiert werden. (vgl. Radtke 2003, S. 10)

GARLAND-THOMSON spricht in unserer heutigen Zeit von so genannten "supercrips", die sie als Darstellung einer "außerordentlichen Repräsentationsweise von Behinderung" benennt. "Supercrips" beeindrucken durch ihre Aktivitäten. Menschen ohne Behinderung können nicht nachvollziehen, wie man das trotz Behinderung schaffen kann. Diese Darstellung erzeugt Bewunderung. (vgl. Garland-Thomson 2005, S. 59 - 63) Wie GOFFMAN erläutert, fehlt gegenüber Stigmatisierten der Aspekt der Akzeptierung, des Respekts und der Beachtung. Der Stigmatisierte erwartet jedoch dieses Verhalten ihm gegenüber und reagiert darauf mit der Annahme, dass einige seiner Eigenschaften diese Verweigerung rechtfertigen. Nun, so GOFFMAN, wird die Person versuchen, dies zu korrigieren. "Das stigmatisierte Individuum kann auch versuchen, einen Zustand indirekt zu korrigieren, indem es viel private Anstrengung der Meisterung von Tätigkeitsbereichen widmet, von denen man gewöhnlich annimmt, dass sie für jemanden mit seiner Unzulänglichkeit aus akzidentellen und physischen Gründen verschlossen ist." (Goffman 1967, S. 19)

Abb. 5. Garland-Thomson 2005, S. 61

Ein Beispiel hierfür ist jener Mann, der mit seinem Rollstuhl Berge bestieg (Abb. 5). Der Zuseher / die Zuseherin blickt ehrfürchtig auf den Bergsteiger im Rollstuhl. Diese Darstellungsweise lässt den Mann außergewöhnlich und anormal erscheinen, so GARLAND-THOMSON. Dies kann den Betrachter / die Betrachterin vom Mann im Rollstuhl entfremden. Der couragierte Mensch mit Behinderung, der diese überwindet, ist das favorisierte Modell in Amerika.

Ein weiteres Beispiel hierfür ist der Arbeiter mit Behinderung, der freiwillig ein Haus baut (Abb. 6). Der Mann ist alltäglich portraitiert, bis auf das Detail der fingerlosen Hände, die einen Hammer halten. Dies weckt das Interesse und lädt zum Starren ein. Die Überschrift dazu beschreibt, wie man das Bild sehen kann: "Extraordinary Volunteer, Unstopable spirit". Dieses Bild verknüpft die Überwindung der Behinderung und die Forderung nach Gleichberechtigung - das Recht auf einen Arbeitsplatz. (vgl. Garland-Thomson 2005, S. 59 - 63)

Abb. 6. Garland-Thomson 2005, S. 62

4.13.1 "Superkrüppel" & Sport

MÜRNER schreibt, dass die Berichterstattung in Zusammenhang mit Menschen mit Behinderung und Sport zugenommen hat, aber die Klischees kaum überwunden sind: "[...] Trotz ihrer Behinderung zeigten die Athleten bemerkenswerte Leistungen. Behinderte als Trotzdem-Athleten, als Trotzdem-Menschen. Die Sportreporter trotzen vor Andacht und Betroffenheit." (Mürner 2003, S. 157) Der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan nannte die TeilnehmerInnen der "International Games for the Disabled" BIKLEN zufolge "champions of the heart". Menschen mit Behinderung siegen über Traurigkeit, überwältigen physische Limits und Unfähigkeiten, zeigen Mut und Entschlossenheit sowie Willenskraft. "See what they can do" sind typische Formulierungen der Berichterstatter. (vgl. Biklen 1987, S. 82 - 84) BÖS und KAUER weisen darauf hin, dass in der Sportberichterstattung die Behinderung in den Vordergrund gestellt wird. Sie werden als Trotzdem-Athleten dargestellt; "trotz" ihrer Behinderung haben sie diese oder jene Leistungen erbracht. Es wird vom "zwanghaften Leistungswillen, um das Handikap psychisch zu kompensieren" oder vom "Triumph über die Behinderung" berichtet. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 15) Die besonderen Leistungen von Menschen mit Behinderung werden hervorgehoben, als ob Menschen mit Behinderung dadurch ihre Daseinsberechtigungen bewiesen hätten. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 23) Attraktiver für die Berichterstattung wird der Behindertensport in Zusammenhang mit Rekorden und sensationellen Höchstleistungen. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 24) Wird über Menschen mit Behinderung berichtet, dass sie "trotz" Behinderung jene Leistungen erbracht haben, dann meist in anderen Abschnitten der Zeitschrift und nicht im Sportteil, erklären COOKE, DAONE und MORRIS.

Lokale Papiere haben jedoch im Zusammenhang mit Menschen mit Behinderung und Sport einen gerechteren Ton. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 21) BÖS und KAUER fanden in einer Studie, bei der MedienrezipientInnen und JournalistInnen mittels Fragebogen befragt wurden, Folgendes heraus:

  • "Bei Sportjournalisten wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Nichtberichten über Behindertensport und der Einstellung der Fremdartigkeit nachgewiesen." (Bös / Kauer 1998, S. 91)

  • "Durch Berichte über Behindertensport scheint die Unsicherheit gegenüber behinderten Sportlerinnen und Sportlern bei Zuschauern herabgesetzt werden zu können." (Bös / Kauer 1998, S. 91)

Ein Problem von Fragebogenuntersuchungen ist bei konfliktbeladenen Feldern die "Soziale Erwünschtheit" von Antworten, die gerade bei physisch abweichenden Personen ein hohes Ausmaß erreichen würde, so Cloerkes. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 60) Andere ForscherInnen haben hier wiederum weniger Bedenken. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 61)

4.13.2 "Passing"

SIMI LINTON erläutert neben dem "overcoming disability" das "passing". Wenn Menschen mit Behinderung ihre Behinderung verbergen können, oder jene Aktivitäten vermeiden, die Behinderung sichtbar machen, ist dies "passing". Menschen mit Behinderung wollen damit Diskriminierungen umgehen. (vgl. Linton 1998, 17 - 22) Ist die "Andersartigkeit" einer Person nicht von vornherein bekannt und sichtbar, stellt sich die Frage, ob die Person diese verheimlicht oder nicht, schreibt Goffman. Die Konsequenz einer Verheimlichung wäre, dass die Behandlung der Person auf falschen Voraussetzungen basiert. (vgl. Goffman 1967, S. 56 - 67) Laut LINTON bezahlen Menschen mit Behinderung aber meist einen enormen emotionalen Tribut, wenn sie ihre Behinderung verbergen. So werden z. B. Prothesen versteckt. Viele wollen ihren Familien "normaler" erscheinen. Kann die Behinderung nicht mehr so einfach versteckt werden, verwendet man andere Strategien. Kinder werden bei Familienfotos aus ihren Rollstühlen genommen und so fotografiert. Oft ist auch so fotografiert worden, dass man den Rollstuhl nicht sehen kann. Es ist auch vorgekommen, dass Kinder mit Behinderung überhaupt nicht fotografiert worden sind. Dies zeigt, dass die Behinderung nicht akzeptiert wird, oder schlimmer noch die Person selbst. Es könnte auch sein, dass die Fotos unter dem Aspekt gemacht werden, dass Menschen mit Behinderung gleich sind wie alle anderen auch. Linton: "Du bist nur solange normal, solange deine Behinderung so wenig wie möglich sichtbar ist." (vgl. Linton 1998, 17 - 22)

GOFFMAN geht ebenso davon aus, dass Zeichen, die als Stigma-Symbole identifiziert werden können, versteckt oder gemieden werden. (vgl. Goffman 1967, S. 120) So verbarg z. B. der ehemalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt täglich seinen Rollstuhl. (vgl. Garland-Thomson 2005, S. 69 - 75) Der Rollstuhl des Präsidenten wird bei diesem Denkmal unter seinem Umhang verborgen.

Abb. 7. o. A. (o.J.): o. T. Verfügbar unter: http://picasaweb.google.com/lh/photo/MImlq7uZXq2-WY5bz9HQqQ Stand: (2008 - 02 - 04)]

GOFFMAN erklärt eine andere Strategie des Täuschens, indem er darauf hinweist, dass ein Individuum die Menschen in seiner Umgebung in zwei Gruppen einteilt. Nämlich in eine große Gruppe, die nichts über das Stigma weiß und eine kleine informierte Gruppe, die das stigmatisierte Individuum unterstützt. Ein weiterer Weg, das Stigma geheim zu halten, besteht darin, Kontakte möglichst zu verweigern. (vgl. Goffman 1967., S. 123 - 126) Als "normal" angesehen zu werden, ist für viele dermaßen verlockend, dass nahezu alle Personen, die die Möglichkeit haben zu täuschen, dies auch absichtlich tun. (vgl. ebd., S. 94 - 116) Eine andere Möglichkeit ist, dass das Individuum das Stigma nicht mehr verheimlicht, sondern dieses freiwillig enthüllt. (vgl. ebd., S. 126) DEVEREUX stellt fest, dass ein gewisses Maß an äußerer Anpassung für das "Überleben des Individuums in der Gesellschaft" notwendig ist. Menschen, die sich an kulturelle Normen anpassen können, sind DEVERUX zufolge privilegiert. (Devereux 1982, S. 9 - 20)

"Passing and Overcoming" kosten ihren Tribut, so LINTON und GOFFMAN. Der Verlust an Gemeinschaft, die Angst, die Sorge und die Selbstzweifel begleiten diese unklare soziale Position. (vgl. Linton 1998, 17 - 22; vgl. GOFFMAN, S. 94 - 116) Es ist nicht verwunderlich, erläutert LINDTON, dass Menschen mit Behinderung von einem "coming out" sprechen, wenn sie ihre Behinderung nicht länger verstecken. (vgl. Linton 1998, S. 17 - 22)

4.14 "Der medizinische Blick"

Die Ausstellung "Der [im]perfekte Mensch" hat den "medizinischen Blick" herausgearbeitet. Dieser Blick beinhaltet die wissenschaftliche Analyse von Krankheiten und Deformationen. Die Strategie der "nüchternen" Sektion und der Suche nach Gesetzmäßigkeiten wurde entwickelt. Ein objektivierender Blick, der z. B. über medizinische Lexika in bildlichen Darstellungen allgemein bekannt ist, ist erkennbar. (Schönwiese SoSe 2007, S. 14)

Der größte Anteil der Berichterstattung in Zeitschriften ist gekennzeichnet durch die medizinische Sichtweise von Behinderung. Dies fanden COOKE, DAONE und MORRIS in ihrer Studie "Stop Press" heraus. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 29 - 30) Geschichten von "kranken Kindern" werden in vielen Zeitungen formuliert. Man verwendet Terminologien wie "brav" und "mutig" und es wird mit überemotionalen Schlagzeilen gearbeitet. (vgl. ebd., S. 23 - 24) Die Behinderung wird als medizinische Ursache dargestellt und Therapiemöglichkeiten werden genannt, so BÖS und KAUER. Die Darstellung erfolgt so, dass Menschen mit Behinderung nur über die Eigenschaft Behindertsein verfügen. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 24). Der soziale Kontext fehlt. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 29 - 30) DEFFNER kennt die Problematik der medizinischen Sichtweise von Behinderung, geht aber davon aus, das Ursache und Wirkung einer Behinderung zu einer sorgfältigen Berichterstattung dazugehören. (vgl. Deffner 1982, S. 47 - 54)

Sowohl die 1991 als auch die 1999 durchgeführten Erhebungen von COOKE, DAONE und MORRIS zeigen das Interesse der nationalen Zeitungen an Menschen mit Behinderungen und an Gesundheit. Diese hohe Artikelzahl steht in Zusammenhang mit der Annahme, dass Menschen mit Behinderung krank oder immer auf der Suche nach Heilung sind. Symptome wurden in unangemessenen Details dargestellt; zudem war die Berichterstattung von einem Stil geprägt, der die Leser erschrecken und schockieren sollte. Wenn wir uns zwei gegensätzliche Schlagzeilen ansehen, können wir sehen, wie Zeitungen die "Bewertung" von Menschen mit Behinderung beeinflussen:

  • "Doctors can let hopeless patients die."

  • "Docs deny guide is a charter for killing."

(vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 14)

Medizinische Forschung

Die Zahl der veröffentlichten Artikel über die medizinische Forschung spiegelt das rasche Tempo der Entwicklung auf dem Gebiet der Genetik wider. Dieses große Gebiet ist für die nationalen Zeitungen und nicht so sehr für die lokalen Blätter von Interesse. Es gab sehr wenige Kommentare von Menschen mit Behinderung, in welcher Art sie Forschung präferieren würden. (vgl. ebd., S. 15-16)

Medizinische Fahrlässigkeit

Artikel mit medizinischer Fahrlässigkeit, die ihren Schwerpunkt auf der Ebene der Entschädigung haben, findet man ebenso. (vgl. ebd., S. 17)

4.15 Behinderung als Skandal nach Standfort

"Bürger verhindern WG geistig Behinderter." (Eder 1992, S. 13) Wenn der Journalist über Skandale in Einrichtungen berichtet, steht ihm eine Mauer des Schweigens entgegen, denn Menschen in direkter Abhängigkeit wagen keine Stellungnahmen; erläutert DEFFNER. Schwierig ist die Berichterstattung in psychiatrischen Anstalten und Heimen für Menschen mit Lernschwierigkeiten, die kaum artikulationsfähig sind. Objektivität wird oft nur dadurch erreicht, indem ehemalige Mitarbeiter und Klienten befragt werden. (vgl. Deffner 1982, S. 47 - 54) Bei der Veröffentlichung einer skandalösen Behandlung einer behinderten Person wird der Täter zum Mittelpunkt der negativen Darstellung. Diese Darstellungsweise ist medial erfolgreich, weil sie die mögliche Mitschuld der Medienkonsumenten ausblendet. (vgl. Schönwiese 2007, S. 44) MÜRNER stellt fest, dass Skandale in gleicher Weise zum Thema gemacht werden wie das Thema Selbstbestimmung. (vgl. Mürner 2003, S. 27)

4.16 "Der instrumentalisierende Blick"

Blicke des Mitleids und der Abschreckung werden inszeniert um z. B. auf die Wichtigkeit von Impfungen oder die Gefährlichkeit atomarer Technologie hinzuweisen. (vgl. Schönwiese 2007b, S. 14 - 15) "Die Kinder von Tschernobyl" galten laut MÜRNER in den letzten 15 Jahren als Symbol der Warnung und Abschreckung vor den Gefahren der Atomkraft. (vgl. Mürner 2003, S. 179) Die Hamburger Pharmafirma Wyeth propagierte den Pneumokokken-Schutz für Säuglinge mit einem Plakat, auf dem ein reizend bang blickendes Babygesicht zu sehen war. Auf ihm stand: "Taub macht stumm. Die Folgen - teils katastrophal. Babys bleiben taub, gelähmt, geistig behindert. Oder sie sterben. Trotz Antibiotika." (ebd., S. 179)

4.17 Menschen mit Behinderung als "Atmosphäre oder Kuriosität"

BARNES hat in seiner empirischen Studie folgende Darstellungsweise als ein Ergebnis seiner Forschung herausgearbeitet: Menschen mit Behinderung werden in Filmen eingesetzt, um eine Atmosphäre von Mystik, Bedrohung und Deprivation zu erzeugen. Menschen mit Behinderung werden zu Objekten der Kuriosität reduziert. Menschen mit Behinderung wurden früher in Freakshows gezeigt. 1992 wurde etwa in der Sunday Newspaper "The People" Werbung für einen 630 Seiten umfassenden Bildband mit medizinischen Kuriositäten gemacht. Der Titel lautet gar "Freaks off Nature". Die Darstellung wurde so realisiert, als wäre das Erscheinungsbild mit dem persönlichen moralischen Charakter und Wertebild der Person verknüpft. Diesem Stereotyp ähnlich ist die exotische Darstellungsweise von Menschen mit Behinderung. (vgl. Barnes 1992, S. 25 - 26)

4.18 Die exotische Repräsentationsweise von Behinderung

RENGGLI übersetzt aus dem Englischen eine der vier, von Rosmarie Garland-Thomson ausgearbeiteten Repräsentationsweisen als "die exotische Repräsentationsweise von Behinderung". (vgl. Renggli 2006, S. 101) "Die exotische Darstellung" in der Fotografie wirkt GARLAND-THOMSON zufolge fremd, entfernt, distanziert, oft sensationell, erotisiert oder unterhaltend in ihrer Differenz zur "Normalität". Die Darstellung ist durch Kuriosität oder Objektivität charakterisiert.

Behinderung als etwas Exotisches findet man gegenwärtig im Modemarkt wieder. Werbungen und Magazine präsentieren Models mit Behinderung, um damit einen neuen Markt zu erobern und Körper darzustellen, die früher auf diesem Markt ausgeschlossen waren. Alexander McQueen arbeitete mit acht behinderten Models und stellte diese in einem Kontext von Exotik dar.

Abb. 8. Garland-Thomson 2005, S. 68

Das Covergirl war Aimee Mullins (Abb. 7.), welche zwei Beinprothesen hat. Dargestellt wurde Mullins als eine Art "hightech bionik Mannequin". Laut GARLAND-THOMSON parodieren und verspotten ihre Prothesen stolz den perfekten Körper, welcher bislang der Inbegriff der Modewelt gewesen ist. Die Parodie gelingt deshalb, weil der Oberkörper von Aimee Mullins der Norm eines perfekten Körpers entspricht. Diese Fotos nutzen die traditionelle Stigmatisierung von Behinderung, um dem immerwährenden Versuch entgegenzuwirken, ein neues Bild von Behinderung zu kreieren. Diese Nebeneinanderstellung von Mode und Behinderung produziert Exotik, welche die Identität von Behinderung neu definiert. (vgl. Garland-Thomson 2005, S. 65 - 69)

Der Designer Alexander McQueen wies jede Absicht der Provokation zurück, indem er sagte: "Die Idee war zu zeigen, dass wahre Schönheit von innen kommt." (Mürner 2003, S. 152) Aimee Mullins nahm folgendermaßen dazu Stellung: "Ich will nicht, dass die Leute denken, ich sei schön trotz meiner Behinderung, sondern wegen meine Behinderung. Es ist für mich eine Herausforderung, die herrschende Meinung darüber, was schön ist und was nicht, in Frage zu stellen." (ebd., S. 153). Ein andere Teilnehmerin äußerte sich folgendermaßen dazu: "[...] Natürlich werden einige das hier als Freak-Show empfinden. Das lässt sich nicht vermeiden. Auf jeden Fall sind wir hier, weil wir es so wollten." (ebd., S. 153)

Abb. 9. Garland-Thomson 2005, S. 67

Behinderung besitzt einen Marktwert und dies ist erkannt worden. Auf der einen Seite hat man die Möglichkeit, dem / der KäuferIn ohne Behinderung das Gefühl zu geben "gut" zu sein, wenn er oder sie dieses Produkt kauft und auf der anderen Seite kann man damit Menschen mit Behinderung als Kunden anwerben. Die Abbildung Nr. 8 zeigt eine Rollstuhlwerbung. Diese Werbung präsentiert einen starken, tätowierten Mann, der einen Hockeyschläger in der Hand hält. In dieser Werbung wird Sexualität vermittelt. Dies ist gegensätzlich zur Darstellung des unmuskulösen, invaliden Mannes mit Behinderung und einer femininen Seite. Die Übertreibung ist charakteristisch für die exotische Darstellungsweise. Man provoziert den Betrachter mit dem anzüglichen Kommando "Lick this". (vgl. Garland-Thomson 2005, S. 65 - 69)

4.19 Menschen mit Behinderung als sexuell Anormale

"Wenn es um Sexualität geht, werden Menschen mit Behinderung vielfach noch aufgrund gesellschaftlich falsch geprägter Bilder und Phantasien stigmatisiert." (o. A. 2008, S. 10) BARNES weist aufgrund seiner durchgeführten Studie darauf hin, dass Menschen mit Behinderung sehr häufig in einer geschlechtsneutralen Art und Weise dargestellt werden. (vgl. Barnes 1992, S. 33) "Die Erfahrung, gesellschaftlich in erster Linie als behindert wahrgenommen zu werden, als geschlechtloses Neutrum, und bestenfalls in zweiter Linie als Mann oder Frau, ist für Menschen mit Behinderung wohlbekannt." (Boll et all 1992, 7f zit. nach Pfeifenberger 2007, S. 66) Fehlerhafte Annahmen über die Sexualität von Menschen mit Behinderung waren üblich in der Literatur und Kunst, erläutert BARNES. Die Mehrheit der Darstellungen beschäftigt sich mit Erfahrungen der Männer und nur wenige, wenn überhaupt welche, mit Erfahrungen der Frauen bezüglich ihrer Sexualität. Menschen mit Behinderung wurden mit wenigen Ausnahmen dargestellt, als wären sie unfähig, sexuell aktiv zu sein. Diese weitläufige Annahme findet man in der Popmusik, in Filmen, in TV-Dramen und in der Presse. In Filmen wird häufig sexuelle Impotenz dargestellt. "The message is clear; disabled people are sexually dead and therefore their lives are not worth living." (Barnes 1992, S. 33) Abgesehen von der Gefährlichkeit dieser impliziten Aussage, ist sie als ungenau zu bezeichnen. Manche Beeinträchtigungen hemmen vielleicht den "normalen" Geschlechtsverkehr, jedoch ist sexuelles Verhalten nicht von spezifischen Formen physikalischer Aktivität abhängig. Im Fernsehen und in der Literatur wird die Asexualtität von Frauen mit Behinderung als perfektes Alibi für den Ehebruch des Mannes präsentiert. Dies reduziert den Status von Frauen mit Behinderung, ihnen wird die Rolle als Frau und Mutter abgesprochen. In der Boulevardpresse ist die Verbindung zwischen "mentally illness" und sexueller Perversion regelmäßig dargestellt.

Männer, die sich geringe Beeinträchtigungen z. B. im Krieg zugezogen haben, werden manchmal als besonders sexy und mutig angesehen. Für Frauen mit Behinderung gibt es keine äquivalenten Rollen. Sie werden im Fernsehen oft recht unglamourös dargestellt. (vgl. Barnes 1992, S. 33 - 34) Auch COOKE, DAONE und MORRIS weisen in ihrer Studie "Stop Press" darauf hin, dass Sexualität und Behinderung nicht thematisiert werden. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 27)

"Man kann ja Behinderte als vollwertige Menschen in dieser Gesellschaft akzeptieren. Man kann ihnen Rechte auf Arbeit und Wohnen zugestehen und auch finanzielle Sicherheit. Man kann sogar versuchen, sie als vollwertige Menschen zu behandeln. Aber genau bei der Sexualität zeigt sich, wie tief diese Akzeptanz geht." (Renggli 2008, zit. n. o. A. 2008, S. 11)

4.20 Menschen mit Behinderung: "unfähig voll an der Gemeinschaft zu partizipieren"

"Kann ein Krüppel Kanzler werden?" Diese Frage stellt sich die deutsche Zeitschrift "Stern" in Zusammenhang mit der möglichen Kanzlerkandidatur Wolfgang Schäubles. (vgl. Mürner 2003, S. 179) Menschen mit Behinderung werden BARNES zufolge kaum als integrierte und produktive Mitglieder der Gemeinde, als StudentInnen, LehrerInnen, als Teil der Arbeitswelt oder als Eltern gezeigt. (vgl. Barnes 1992, S. 34). Auch COOKE, DAONE und MORRIS erzielten in ihrer Studie "Stop Press" die Ergebnisse, dass nationale Zeitschriften dazu neigen, das Thema Beschäftigung in Zusammenhang mit Menschen mit Behinderung zu ignorieren. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 20 - 21) Wenn es um Bildungsthemen geht, sind Kinder mit Behinderung in der nationalen Presse nicht vorhanden. Es gab viel Berichterstattung über die Eltern, die vor Gericht gingen, um für die Rechte ihres Kindes zu kämpfen, aber wenig über die tägliche Bildung von Kindern mit Behinderung. Auch die lokalen Zeitungen berichten über den individuellen Kampf von Eltern für die Rechte ihrer Kinder.

(Cooke / Daone / Morris 2000, S. 22) Dieses Fehlen der Darstellung füttert die Annahme, dass Menschen mit Behinderung minderwertige Menschen sind, die segregiert werden sollen. (vgl. Barnes 1992, S. 34)

Werden Menschen mit und ohne Behinderung zusammen portraitiert, befinden sich Menschen mit Behinderung zu meist auf einem niedrigeren Status. (vgl. Barnes 1992, S. 35) In der Presse und im Rundfunk werden Berichte über die Antidiskriminierungskampagne und der Mangel an Rechten für Menschen mit Behinderung übersehen. (vgl. Barnes 1992, S. 34) COOKE, DAONE und MORRIS wiederum haben in ihrer Studie "Stop Press" in Großbritannien das Ergebnis dargelegt, dass es während des Erhebungszeitraumes mehrere große Kampagnen gab, an denen Menschen mit Behinderung beteiligt waren. (Cooke / Daone / Morris 2000, S. 17 - 18)

Auch Wohltätigkeitsveranstaltungen geben selten Hinweise auf den Mangel an Rechten von Menschen mit Behinderung. Eine der wenigen Ausnahmen war die Spastic Society auf deren Poster zwei Babies waren. (S. 34 - 35). Darauf stand: "[...] One has Cerebral Palsy. The Other has full Human Rights" (Barnes 1992, S. 36). Barnes kritisiert, auch wenn hier auf die fehlenden Rechte von Menschen mit Behinderung hingewiesen wird, dass es eine individuelle Sichtweise auf Behinderung ist und die sozialen Barrieren nicht miteinbezogen werden. Eine Alternative für einen qualitativen Protest wären Organisationen, die von Menschen mit Behinderung geführt werden. (vgl. Barnes 1992, S. 36)

4.21 "Normale" Menschen mit Behinderung

Vor allem in TV-Dramen und TV-Soaps werden Menschen mit Behinderung als "ordinary" oder "normal" dargestellt. Diese Präsentation fördert die Integration und muss willkommen geheißen werden, aber sie weist in der Entfernung von Diskriminierung auf. Ein wichtiger Schritt vorwärts ist die Darstellung von Rollen durch Menschen mit Behinderung selbst. Aber immer noch sind Menschen mit Behinderung im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil unterrepräsentiert.

Die Darstellungsweise von Menschen mit Behinderung gestaltet sich immer noch in einer überwältigenden Mehrheit so, dass die Beeinträchtigungen in der Mobilität, im Verhalten oder im Erscheinungsbild liegen. Der Rollstuhl und der Blindenhund symbolisieren die Erfahrung von Behinderung. Dies, so Barnes, ignoriert die weitläufigen Realitäten von Beeinträchtigungen. (vgl. Barnes 1992, S. 36- 45)

Goffman spricht davon, dass soziale Informationen über Zeichen, auch Symbole genannt, vermittelt werden. Im Gegensatz zu Stigmasymbolen, stehen Status- und Prestigesymbole. Als Beispiele für Stigmasymbole nennt GOFFMAN Handgelenksmale, die auf einen Selbstmord schließen lassen oder Einstichnarben an den Armen von Drogenabhängigen. Mittels positiver Symbole kann man sein persönliches Gesamtbild in die gewünschte Richtung lenken; ein Beispiel wäre hierfür das Tragen einer Brille, um den Intellekt zu betonen. Andere Symbole, wie z. B. militärische Zeichen oder Schmisse, werden zur Informationsmitteilung verwendet. Verschiedene Symbole können für verschiedene Gruppen unterschiedliche soziale Informationen bedeuten. (vgl. Goffman 1967, S. 58 - 64)

4.22 Die alltagsnahe Repräsentationsweise von Behinderung

Als "die alltagsnahe Repräsentationsweise von Behinderung" übersetzt RENGGLI eine der vier, von Rosmarie Garland-Thomson ausgearbeiteten Repräsentationsweisen aus dem Englischen. (vgl. Renggli 2006, S. 101) "Die alltagsnahe Darstellung" in der Fotografie ist laut GARLAND-THOMSON minimalisiert, Distanz und Differenz sind vorherrschend. (vgl. Garland-Thomson 2005, S. 69 - 75) Dieser Darstellungsweise kommt die größte politische Kraft zu, weil sich die Behinderung als eine menschliche Erfahrung zeigt. "Durch das Schaffen von Vertrautheit und Nähe wird die Differenz zwischen Betrachtenden und Betrachten reduziert, was zu einer Normalisierung der Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung führt." (Renggli 2006, S. 101)

Nach 1990 erscheint die Thematik der Behinderung in Amerika nicht nur in Zusammenhang mit Sensationen, sondern kommt auch in der üblichen visuellen Kultur vor. Kaufhäuser und Kataloge werben Menschen mit Behinderung als KäuferInnen an. Sie haben diesen Markt entdeckt und werben dabei auch für eine Ethik der Inklusion. Walmart (Kaufhauskette) und andere Geschäfte präsentieren Models mit Behinderung. Barbie nutzt nun einen Rollstuhl. Eine solch routinierte Darstellung von Behinderung ermöglicht es Menschen mit Behinderung, sich als Teil der gewöhnlichen Welt wahrzunehmen und keiner speziellen Klasse anzugehören. Vertraute Bilder von Behinderung, auch wenn es banal erscheinen mag, können den Effekt von Unterdrückung und diskriminierender Einstellungen reduzieren, so GARLAND-THOMSON. Sie analysiert das Foto von Judith E. Heumann (Abb. 11). Sie arbeitete als assistierende Staatsekretärin im Department of Education, während Bill Clinton US-Präsident war.

Abb. 10. Garland-Thomson 2005, S. 73

Dieses Bild reflektiert Würde und Autorität und die Wichtigkeit ihrer Position. Diese Darstellungsweise ist noch eher die Ausnahme, merkt GARLAND-THOMSON gleichzeitig an. Das Foto zeigt eine real erkennbare Person, die für eine spezielle öffentliche Aufgabe verantwortlich ist. Der Rollstuhl ist ein klarer Aspekt ihrer Identität, ein integriertes Element der Aussage des Fotos und ihrer Persönlichkeit. Der Blick auf ihren Rollstuhl ist so fundamental wie die Form ihres Kinns, ihr Haarschnitt oder die Farbe ihrer Haut. Das Starren wird hier entmutigt ohne das Verbot dazu. Dieses Bild ermöglicht, dass sich Menschen mit und ohne Behinderung mit Judith E. Heumann identifizieren können. Das Bild vermittelt auch nicht, dass sie eine "Superfrau" ist, die ihre Behinderung überwunden hat. Die wichtigste Aussage des Bildes ist, dass eine Frau mit Behinderung eine solche Position einnehmen kann. (vgl. Garland Thomson 2005, S. 69 - 75)

DARKE kritisiert die geforderte positive, realistische Darstellung von Menschen mit Behinderung. Denn in diesen Bildern werden oft jene Menschen mit Behinderung dargestellt, die physisch fähig sowie bildungsmäßig kompetent sind und ein "normales" gesundes Leben führen können. Es gibt Menschen mit Behinderung, die arm und ungebildet sind, die einen Mangel an Möglichkeiten und keine Aussicht auf Arbeit haben. Diese Darstellung vermittelt Menschen mit Behinderung, sie müssen dieses oder jenes erreichen, um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Viele können diese Ziele nicht erreichen und viele wollen diese Ziele auch nicht erreichen. Darke geht davon aus, dass die positive Darstellung Menschen mit Behinderung noch viel mehr unterdrückt als die negative. (vgl. Darke 2004, S. 100 - 105)

4.23 "Das Portrait"

"Das Portrait wird anhand von Beispielen vom 18. Bis ins 20. Jahrhundert als eine an Personen und inneren Prozessen orientierte Darstellungsweise beschrieben." (Schönwiese 2007b, S. 14 - 15)

4.24 "Der eigene Blick"

Bilder geschaffen von Menschen mit Behinderung, die persönlich-biografisch wertvoll sind. (Schönwiese 2007b, S. 14 - 15)

5 Prinzipien für die mediale Darstellung von Menschen mit Behinderung

WAILIM WONG schreibt, der beste Ansatz für qualitativ hochwertige Berichterstattung ist, mit vielen Menschen mit Behinderung zu sprechen. (Cooke / Daone / Morris 2000, S. 28 - 29) FIRLINGER erläutert, dass die Gründsätze "Betroffene berichten über Betroffene" - Menschen mit Behinderung sind Experten in eigener Sache - erfüllt werden müssen. (Firlinger o.J., im INTERNET)

5.1 Sprache als Spiegel unserer Gesellschaft

Die von uns genutzte Sprache spiegelt die Art wieder, wie wir denken und sie beeinflusst sie. Die Sprache ist eine wichtige Möglichkeit, unsere eigenen und gesellschaftlichen Einstellungen zu Behinderung zu verändern. (Cooke / Daone / Morris 2000, S. 29 - 30) Nach Auffassung von RADTKE ist es nicht egal, welche Begriffe, Bezeichnungen und Satzkonstruktionen in den Medien verwendet werden. (vgl. Radtke 2003, S. 8) "Hieraus resultieren nämlich Assoziationen, die sich im ungünstigsten Fall fatal für das Verständnis von Menschen mit Behinderung auswirken können." (Radtke 2003, S. 8) Doch RADTKE warnt auch vor einer Überstrapazierung des korrekten Sprachgebrauchs. (vgl. Radkte 2003, S. 9) "Hierdurch kann es zu einer weiteren Verkrampfung eines an sich bereits verkrampften Verhältnisses kommen." (Radtke 2003, S. 9) "Diese Stigmatisierungen durch die Sprache beeinflussen das Denken Nichtbehinderter und Behinderter ÜBER Behinderte enorm. Es entstehen Zerrbilder." (Eder 1992, S. 13) "JournalistInnen verwenden manchmal aggressive und negative Worte in ihrer Beschreibung von Menschen mit Behinderung. Es ist schwer vorstellbar, wie die Worte ‚Freak', 'verformt', 'Krüppel', 'spastisch', 'zurückgeblieben', 'gestört' oder 'hässlich' ihren Weg in den Druck finden." (Cooke / Daone / Morris 2000, S. 7) BEATE FIRLINGER und der "Integrative Journalismus-Lehrgang" in Österreich erstellten im Jahr 2003 das "Buch der Begriffe", in dem sprachliche Diskriminierungen sowie ein nichtdiskriminierender respektvoller Sprachgebrauch erläutert werden. (FIRLINGER, 2003, S. 4) Ich habe meine Vorgehensweise, der des "Buchs der Begriffe" angelehnt und erläutere nun einige Begriffe und Sprachbilder in Zusammenhang mit Behinderung und mit Menschen mit Behinderung anhand von kurzen Texten.

Ableist und ableism

Ein hilfreicher Schritt war die Konstruktion der Begriffe "ableist" und "ableism". Die Begriffe werden verwendet, um die Sichtweisen der Nichtbehinderten über Menschen mit Behinderung aufzuzeigen. "Ableism" landete kürzlich im "Readers Digest Oxford Wordfinder", wo es als "Diskrimination bevorzugt von den Kräftigen" definiert wurde. (vgl. Linton 1998, o. S.)

An einer Behinderung leiden

Emotionale Begriffe, wie betroffen, notleidend, leidend oder Opfer in Relation zu einer Bedingung oder zu einer Beeinträchtigung, müssen vermieden werden, erläutert BARNES. (Barnes 1992, S. 43) MICHAEL NALLY fordert ebenso, dass man stereotype, stigmatisierende Begriffe, wie Opfer von ..., verkrüppelt durch, leidend aufgrund, betroffen von, Behinderte, Blinde, Gehörlose nicht verwenden soll. (Cooke / Daone / Morris 2000, S. 7) Phrasen, wie sie ist Opfer dieser Krankheit, gibt der Krankheit einen aggressiven Akt und der Person, die diese Krankheit hat, die passive Rolle des Opfers, schreibt LINTON. (vgl. Linton 1998, S. 25 - 28) Die wenigsten Menschen mit Behinderung leiden an ihrer Behinderung. Die Umwelt macht ihnen meist das Leben schwer. FIRLINGER ist der Ansicht, dass es besser ist, neutral festzustellen, dass "jemand eine Behinderung hat" oder mit einer Behinderung lebt. (Firlinger 2003, S. 22) Der Begriff Mensch mit Behinderung in Verbindung mit dem Aspekt des Leidens beinhaltet, laut LINTON, dass es für sie keine zufriedenen und angenehmen Momente gibt. Man sollte die Aspekte des Leidens nicht wegstreichen, aber diese nicht überziehen. (vgl. Linton 1998, S. 25 - 28)

An den Rollstuhl gefesselt

Auch Phrasen, wie "an den Rollstuhl gefesselt", müssen vermieden werden, erklärt BARNES. Menschen mit Behinderung ziehen es vor, dass man sagt, jemand nutzt einen Rollstuhl. (Barnes 1992, S. 43) Dies verleiht der Person eine aktive Rolle und der Rollstuhl wird zum Hilfsmittel für Mobilität, erläutert LINTON. Menschen mit Behinderung verlassen auch ihren Rollstuhl, um Auto zu fahren, schwimmen zu gehen, auf der Coach zu sitzen oder Sex zu haben. (vgl. Linton 1998, S. 25 - 28) "Wheelchairs empower rather than confine - they are mobility aid just like a pair of shoes." (Barnes 1992, S. 43) COOKE, DAONE und MORRIS weisen darauf hin, dass viele Journalisten schreiben, als ob ein Rollstuhl ein Gefängnis ist, aus dem es kein Entrinnen gibt. (Cooke / Daone / Morris 2000, S. 7) RADTKE spricht auch an, dass der Zusammenhang von "im Rollstuhl gefesselt" und "Gefängnis" Assoziationen eines unglücklichen Daseins hervorruft. (vgl. Radtke 2003, S. 8)

Behinderte

"In erster Linie bin ich Mensch und erst viel später behindert." (Firlinger 2003, S. 22) Menschen mit Behinderung sind gegen diese Reduzierung und Verallgemeinerung auf die Behinderung. (vgl. Firlinger 2003, S. 22)

Behinderung

In vielen Wörterbüchern steht der Begriff Behinderung in Zusammenhang mit Unfähigkeit, Benachteiligung und Defizit. (vgl. Linton 1998, S. 14 - 17) Man sieht nicht mehr das Individuum, sondern nur noch den Mangel. (vgl. Eder 1992, S. 13) Diese Definitionen sind in der Öffentlichkeit und der wissenschaftlichen Gemeinschaft gebräuchlich. (vgl. Linton 1998, S. 14 - 17)

Disability

Dieser Begriff sollte ebenfalls helfen, die politische Wichtigkeit dieser Thematik in den Vordergrund zu stellen. Ein Hauptziel des "Britisch Council of Organisation of Disabled People" (BCODP) und der "Disability Rights Movement" ist es, eine behindernde Sprache in Büchern, Schulen und Medien zu vermeiden. (Barnes 1992, S. 42) Die lateinische Wurzel von "dis" bedeutet nur entzwei. Behinderung (Disability) ist nicht die Bedingung, es ist die Nichtanerkennung von Fähigkeit (Ability). Dis-Ability ist eine Konstruktion. Diese Konstruktion steht für die Spaltung zwischen Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung. Man wollte die Meinungen der Gesellschaft darin widerspiegeln und kein neues Wort kreieren. In diesem Begriff wird die meist medizinische Sichtweise von Behinderung widergespiegelt. (vgl. Linton 1998, S. 29 - 32)

Disabled, disabled people, people with an accredit impairment

Die britischen Soziologen Barnes, Mercer und Shakespeare verwenden laut Felkendorff das Wort "disabled" (behindert) im Sinne des "social modell of disability". "She is disabled" wird nicht übersetzt mit "sie ist behindert", sondern "sie wird behindert". "Disabled people" werden somit "Menschen, die behindert werden." "Non disabled people" sind "Menschen, die nicht behindert werden". Die Autoren sehen den Begriff "people with impairment" kritisch, weil er meist in negativen Terminologien definiert wird. Barnes, Mercer und ShakespearE sind dafür, dass dieser Begriff in neutraler bzw. positiver Weise definiert wird. "People with an accredit impairment" sind den Autoren zu Folge, "Menschen, die unter den gesellschaftlichen Umständen behindert werden." Der Begriff "people with disability" wird von den Autoren abgelehnt. (vgl. Felkendorff 2003, S. 29)

Geistig Behinderte

NIEDICKEN ist, wie FIRLINGER berichtet, der Ansicht, "geistig behindert wird niemand geboren", sondern dies ist das Ergebnis vielfältig wirksamer kollektiver Verdrängungs-, Ausgrenzungs- und Projektionsprozesse. (Firlinger 2003, S. 25 - 26) Betroffene werden heute als Menschen mit Lernschwierigkeit oder Lernschwäche bezeichnet. Fokussiert werden gesellschaftliche Barrieren und komplizierte Texte und zudem wird eine "leichte Sprache" gefordert. (Firlinger Jahr, S. 29 - 30)

Idiot, Krüppel, Schwachsinnig, etc.

Die Begriffe "cripple', "spastic' und "idiot' haben nichts inhärent Falsches, aber sie wurden als Begriffe missbraucht. Diese trugen zum negativen Bild von Behinderung bei. (vgl. Barnes 1992, S. 42) Bezeichnungen wie "Krüppel", "Idioten", "Debile", "Irre" oder "Schwachsinnige" haben längst ihre Legitimität verloren. (vgl. Felkendorff 2003, S. 30) Der Begriff Idiotie wurde laut FIRLINGER in der Medizin zur Beschreibung einer schweren geistigen Behinderung verwendet. (Firlinger 2003, S. 26 - 27)

Invalid

Dies bedeutet im ursprünglichen Sinne die Verneinung des lateinischen Begriffes "validus", was stark bzw. kräftig oder gesund heißt. (Firlinger 2003, S. 27) "Invalide" als Bezeichnung findet man häufig auf Fahrzeugen, die Menschen mit mobilen Beeinträchtigungen transportieren. Laut LINTON werden viele Witze über diese Bezeichnung der Transporte gemacht. Diejenigen, die im Transporter sitzen, leiden unter dieser demütigenden Verkürzung, ein "Invalider" zu sein. (vgl. Linton 1998, S. 28 - 29)

Krüppel und Freak

Die Bezeichnungen Krüppel und Freak werden in der Gemeinschaft für Menschen mit Behinderung personell und politisch genutzt, um damit auf die Unterdrückung aufmerksam zu machen und ihre Erfahrungen benennen zu können. (Krüppelbewegung) Körperliche oder mentale Opfer des Nationalsozialismus wurden als Krüppel bezeichnet. Heute bezieht man den Begriff Krüppel nur noch auf Menschen, die in der Fortbewegung eingeschränkt sind. (vgl. Linton 1998, S. 4 - 17)

Menschen mit speziellen Bedürfnissen

Begriffe wie "physically challenged", "the able disabled", "handicapable" und "special people / children" werden oft verwendet, allerdings nicht von Aktivisten der Behindertenbewegung. Man versucht damit, den "Wert" von Menschen mit Behinderung zu steigern. Allgemein glaubt man, diese Begriffe seien positiv. LINTON ist der Ansicht, dass es wenig Sinn macht, ‚physisch herausgefordert zu sein'. Die Behinderung verhindert nicht die Teilnahme an der Gesellschaft, sondern die Gesellschaft an sich. Der Begriff "special" wurde von einer Hand voll Professoren in die Welt gerufen. In Wörterbüchern wird "special" übersetzt, als etwas das das Normale übertrifft. "Special" bedeutet etwas anders zu sein. (vgl. ebd., S. 14 - 16)

Menschen mit Behinderung

BARNES kritisiert auch die Terminologie "people with disability" als inkorrekt. Er sagt, Menschen haben Beeinträchtigungen, aber keine Behinderungen. Dass der Begriff "people" vor "disablity" steht, muss positiv gewürdigt werden, denn Individuen mit Beeinträchtigung sind Menschen, was historisch gesehen, verneint worden ist. (Barnes 1992, S. 43)

Normal und anormal

Normal und anormal sind problematische Begriffe, um Menschen mit Behinderung zu beschreiben. Diese Begriffe werden als absolute Kategorien zur Unterscheidung von Menschen mit und ohne Behinderung verwendet. Menschen ohne Behinderung legitimieren den Status anormal in Zusammenhang mit Behinderung. Auch in den Lehrplänen existieren Fächer, wie die anormale Psychologie, die Soziologie der Abweichung oder etwa die besondere Erziehung usw. (vgl. Linton 1998, S. 22 - 25)

Passivität

Die Sprache kann Menschen mit Behinderung in passive Rollen drängen: Menschen mit Behinderung sind abhängiger, ähneln Kindern, sind passiv, sensibel und nicht so kompetent, wie Menschen ohne Behinderung. (vgl. ebd., S. 25 - 28) Wörter und Phrasen sollen vermieden werden, die Menschen mit Behinderung als abhängig, erbärmlich oder unfähig, am Gemeinschaftsleben teilzunehmen, charakterisieren. (Barnes 1992, S. 43)

Die Sprache hat sich laut DARKE von "handicapped" und "cripple" zu "disabled" verändert, aber der politische Hintergrund nicht. Z. B. werden Institutionen nicht hinterfragt. (vgl. Darke 2004, S. 100 - 105)

5.2 Anstellung und Ausbildung von Menschen mit Behinderung

Menschen mit Behinderung sollten, erläutert STANDFORT, in den Medienorganisationen arbeiten. Behindernde Darstellungen werden nur dann verschwinden, wenn Menschen mit Behinderung auf allen Ebenen der Medien integriert sind. (Standfort 1986, S. 211 - 212) Der stellvertretende Standpunkt von Menschen ohne Behinderung verzögert, laut MÜRNER, die Idee der Selbstbestimmung. (vgl. Mürner 2003, S. 15) RADTKE plädiert dafür, Menschen mit einer körperlichen oder sensorischen Einschränkung die Ausbildung zum Journalisten, Redakteur, Kameramann, Tontechniker und ähnlichen Medienberufen zu eröffnen. (vgl. Radtke 2003, S. 12) Dabei erwähnt RADTKE Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung nicht. BARNES tritt dafür ein, dass Menschen mit Behinderung als SchauspielerInnen angestellt werden müssen. (vgl. Barnes 1992, S. 45) FIRLINGER fordert die Erfüllung des Behinderteneinstellungsgesetzes in den elektronischen Medien Radio und TV, weil durch die Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung die Inhalte und Darstellungsformen geprägt werden. (Firlinger o.J., im INTERNET)

5.3 Schulung von MedienmitarbeiterInnen

Um negative Darstellungen zu verhindern, müssen MedienmitarbeiterInnen von Menschen mit Behinderung und deren Organisationen geschult werden. (vgl. Barnes 1992, S. 45) FIRLINGER führt hier als Beispiel die Schulung von Gebärdensprache an. (Firlinger o.J., im INTERNET)

5.4 Zugängliche Medieninhalte

Medieninhalte sollten für alle Menschen mit Behinderung zugänglich sein. (vgl. Barnes 1992, S. 45) Gehörlose Menschen benötigen im Fernsehen z. B. Gebärdensprache bzw. Untertitel. Ebenso sollte durch den Zweikanaltonbereich als Erklärungsleiste auf die Bedürfnisse von blinden Menschen eingegangen werden. (Firlinger o.J., im INTERNET) Dies würde klare Signale für Menschen ohne Behinderung setzen, dass Menschen mit Behinderung wertvolle Mitglieder der Gesellschaft sind und integriert werden müssen. (vgl. Barnes 1992, S. 45) Auch sollten eigene Behindertenmagazine eingerichtet werden, in denen die Anliegen und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung thematisiert werden. (Firlinger o.J., im INTERNET)

5.5 Beratung durch Menschen mit Behinderung

BARNES weist darauf hin, dass Autoren, Drehbuchautoren, Journalisten und Reporter verantwortlich sind für die Überprüfung der Genauigkeit ihrer Arbeit, bevor sie sie öffentlich machen. Sie sollten sich Beratung von Organisationen, geführt von Menschen mit Behinderung, holen. (vgl. Barnes 1992, S. 45) Es sollte, laut STANDFORT, nichts mehr über Menschen mit Behinderung ohne Beratung und Mitsprache von Menschen mit Behinderung oder emanzipatorisch gesinnten Fachleuten veröffentlicht werden. Journalisten und Redakteure sollten sich mit der Sichtweise von Menschen mit Behinderung vertraut machen. (Standfort 1986, S. 211 - 212)

5.6 Akkurate Darstellungen

Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf eine gleichberechtigte, gleichwertige und selbstbestimmte Behandlung und Darstellung. ((Firlinger o.J., im INTERNET)

Menschen mit Behinderung und Diskriminierung

Eine qualitativ hochwertige Berichterstattung beinhaltet einen gesellschaftspolitischen Bezug und den Zusammenhang zwischen dem individuellen Leben und den gesellschaftlichen Bedingungen. (vgl. Eder 1992, S. 13) Wenn man Menschen mit Behinderung in den Medien darstellt, ist es wichtig, dass man sich daran erinnert, dass die Öffentlichkeit nur weinig Einsicht in die sozialen Barrieren hat, die es Menschen mit Behinderung verwehren, am Leben voll teilzunehmen, erläutert BARNES. Leben mit einer Behinderung heißt täglich, mit Barrieren konfrontiert zu sein. Alle Darstellungen, die den Kontext von Behinderung nicht reflektieren, sind inakkurat. (vgl. Barnes 1992, S. 46 f) In den 70ern schrieb Kenneth Jernigan, Präsident der "National Federation of the Blind":

"A reporter ... came to one of our meetings and said: 'I'd like to get pictures of blind persons bowling and of some of the members with their dogs.' I tried to explain to him that such a story would be a distortion - that we were there to discuss refusal by employers to let us work, refusal by airlines to let us ride, refusal by hotels to let us stay, refusal by society to let us in, and refusal by social service agencies to let us out. He said he was glad I had told him and that it had been very helpful and enlightening. Then he added, 'Now, could I see the dogs and he bowlers? I am in quite a rush'." (Biklen 1987, S. 82)

Menschen mit Behinderung dürfen laut FIRLINGER nicht auf ihre Behinderung reduziert werden. (Firlinger o.J., im INTERNET)

Behinderung und Wohltätigkeit

Die Darstellung von Menschen mit Behinderung als individuelle Empfänger von Wohltätigkeit muss vermieden werden. Menschen mit und ohne Behinderung sollten gleichwertig dargestellt werden. (vgl. Barnes 1992, S. 46f) Menschen mit Behinderung dürfen auf keinen Fall als bedauernswerte, nur durch Spenden lebens- und genussfähige Menschen dargestellt werden, erläutert STANDFORT. Sendungen, die nur berichten, was für Menschen mit Behinderung getan wird, sollen auch auf die Schattenseiten dieser Wohltätigkeit eingehen. (vgl. Standfort 1982, S. 211 - 212) FIRLINGER vertritt den Standpunkt, dass die Aktion "Licht ins Dunkel" inhaltlich und konzeptionell abzuändern oder in der aktuellen Form einzustellen ist. (Firlinger o.J., im INTERNET)

Menschen mit Behinderung und Individualität

Gleich wie alle anderen Menschen fühlen Menschen mit Behinderung viele Emotionen, wie Glück, Zorn, Depression, etc. und spielen eine Vielzahl an Rollen, Liebhaber, Eltern, etc. BARNES fordert, dass diese Variationen in den Medien reflektiert werden. (vgl. Barnes 1992, S. 46) Menschen mit Behinderung sollten laut CLOERKES so dargestellt werden, dass man sich mit der Person, ungeachtet der Behinderung, identifizieren kann. Die Behinderung kann als eines von vielen Merkmalen der Person sachlich dargestellt werden. (vgl. Cloerkes 1997, S. 116 - 117) "You should go beyond disability and just look at the person inside." (Shakespeare 2000, S. 27 zit. n. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 27) RADTKE weist drauf hin, dass Menschen mit Behinderung nicht ausschließlich zu Behindertenthemen interviewt werden. (vgl. Radkte 2003, S. 10)

Menschen mit Behinderung und "das Böse"

Körperliche oder intellektuelle Beeinträchtigungen dürfen nicht als Teil der Persönlichkeit dargestellt werden. Es darf keine Verbindung zwischen der Beeinträchtigung und der Eigenschaft des Bösen hergestellt werden.

Menschen mit Behinderung und Voyeurismus

Menschen mit Behinderung sollen nicht als kuriose Objekte dargestellt werden. (vgl. Barnes 1992, S. 46)

Menschen mit Behinderung und Comedy

Individuelle Menschen mit Behinderung sollten nicht lächerlich gemacht werden oder Inhalt eines Witzes sein.

Menschen mit Behinderung und Sensationalität

Die Sensationalisierung in der Darstellung von Menschen mit Behinderung soll vermieden werden. Vor allem der Stereotyp, dass Menschen mit Behinderung Opfer von Gewalt sind oder zu den Tätern zählen.

Menschen mit Behinderung als "super cripple" und "Elitebehinderte"

Man sollte darauf verzichten, Menschen mit Behinderung mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zu charakterisieren, erklärt BARNES. Dies vermittelt anderen das Gefühl, dass sie außergewöhnliche Fähigkeiten haben müssen, um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. (vgl. Barnes 1992, S. 47) Es sollten, laut STANDFORT, weniger "Elitebehinderte" gezeigt werden, die ihre Behinderung individuell überwältigt haben, stattdessen mehr Menschen mit Behinderung, die es aufgrund der sozialen Barrieren eben nicht schaffen. (Standfort 1982, S. 211 - 212) Cloerkes findet wiederum, dass prominente Menschen mit Behinderung mit beachtlicher Lebensleistung für eine gute Darstellung geeignet sind. (vgl. Cloerkes 1997, S. 116 - 117)

Menschen mit Behinderung und Willenskraft

Die Darstellung soll vermieden werden, dass Menschen mit Behinderung nur den Willen brauchen, um erfolgreich zu sein.

Menschen mit Behinderung und Sexualität

Es soll vermieden werden, Menschen mit Behinderung als sexuell anormal darzustellen. Man soll Menschen mit Behinderung in Liebesbeziehungen zeigen und als Menschen mit denselben Bedürfnissen und Wünschen wie Menschen ohne Behinderung. (vgl. Barnes 1992, S. 47)

Menschen mit Behinderung und die Behindertenbevölkerung

Menschen mit Behinderung sollen entsprechend ihrer sexuellen Orientierung, Ethnie, Geschlecht und Alter repräsentativ in den Medien vorkommen. (vgl. Barnes 1992, S. 47)

Lothar Standfort fordert des Weiteren:

  • man soll die Gegenpresse von Menschen mit Behinderung unterstützen;

  • es sollen keine Artikel veröffentlicht werden, die es Menschen ohne Behinderung ermöglichen, sich dadurch besser zu fühlen, als Menschen mit Behinderung;

  • die Denunziation unserer MitstreiterInnen soll beendet werden.

(vgl. Standfort 1982, 211 - 212)

Der Begriff der Normalität prägt die Darstellung von Menschen mit Behinderung, sei es in der "negativen" oder "positiven" Darstellung von Menschen mit Behinderung. (Darke 2004, S. 105) "Finally, it is disabled people's own ability to make imagine images of disability that ultimately gives them a power that far exceeds those of almost any other kind of imagery - they undermine the entire value system of society: normality." (Darke 2004, S. 105)

5.7 Leitfaden für Journalisten und Redakteure

Die folgenden zehn Vorschläge sind praktische, von COOKE, DAONE und MORRIS erstellte Schritte, mit denen Redakteure ihre Berichterstattung über Behindertenfragen verbessern können. JournalistInnen sollen sich vor Augen führen, dass Menschen mit Behinderung ihre LeserInnen sind und eine von vier Zeitschriften in einem Haushalt mit einer Person mit Behinderung endet.

  • Das Wissen über negative stigmatisierende Terminologien soll ständig aktualisiert werden. Regelmäßige Überprüfungen stehen für die Genauigkeit der Berichterstattung.

  • Prüfung des Kontextes: ist die Behinderung der Person ein notwendiger Bestandteil der Geschichte und damit erwähnenswert?

  • Die MitarbeiterInnen sollen mit einem guten Leitfaden zum Schreiben von Überschriften und Bildunterschriften von Fotos ausgerüstet sein.

  • Bevor persönliche Geschichten über Menschen mit Behinderung geschrieben werden, soll man sich die Frage stellen, ob man das Negative und den Verlust betont.

  • Sind alle medizinischen Details für die Geschichte erforderlich? Es ist nicht falsch, darüber zu schreiben, was eine Person als schwierig empfindet, aber Sensationalisierungen sollen vermieden werden. Vielleicht kann man den Fokus auf einen Ansatz der Lösung der Barrieren legen, anstatt die Worte, "unfähig", "abhängig", "unmöglich", etc. zu benutzen.

  • Sachlichkeit ist wichtig und man soll nicht davon ausgehen, dass die Einschätzung einer Person, der Behinderung, richtig ist.

  • Informationen über die Zugänglichkeit von Restaurants, Hotels, etc. sollen in Artikeln thematisiert werden.

  • Politik macht zwar gute Schlagzeilen, dabei soll aber nicht vergessen werden, dass das tägliche Leben von Menschen mit Behinderung durch politische Nachrichten verändert werden kann.

  • Berichte über Behinderung und Menschen mit Behinderung sind wertvoll - eine von vier LeserInnen hat ein persönliches Interesse daran. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 34)

Ein Journalist darf nur einen Verweis auf das Alter, das Geschlecht, die Herkunft, die Hautfarbe, die Behinderung, den Familienstand oder die sexuellen Orientierung geben, wenn diese Informationen sehr relevant ist. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 25 - 26)

6 Empirischer Teil

6.1 Forschungsfrage

Der Forscher / die Forscherin formuliert aus einer gegebenen Problemstellung eine Forschungsfrage. Diese soll offen sein und kann im Laufe des Forschungsprozesses modifiziert und revidiert werden, wenn sie sich als irrelevant herausstellt. (vgl. Lamnek 1993, S. 183) Mayring verweist darauf, dass "[...] die Fragestellung der Analyse vorab genau geklärt sein muss, theoretisch an die bisherige Forschung über den Gegenstand angebunden und in aller Regel in Unterfragestellungen differenziert werden muss." (Mayring 1988, S. 47 zit. n. Lamnek 1993, S. 208) Aufgrund der vorhergehenden theoretischen Auseinandersetzung mit der Thematik "Medien und Behinderung" bin ich zu folgender Forschungsfrage gekommen:

Welche Blickrichtungen verfolgen die Printmedien "Kronen Zeitung", "Der Standard" und die "Tiroler Tageszeitung" in Bezug auf Menschen mit Behinderung?

Unterfragen:

  • Welche Sichtweisen von Behinderung und Menschen mit Behinderung finden in den Tageszeitungen Verwendung?

  • Wie unterscheiden sich die "Kronen Zeitung", "Der Standard" und die "Tiroler Tageszeitung" in ihrer Darstellung von Behinderung bzw. von Menschen mit Behinderung?

  • Wie erfolgt die Darstellung von Behinderung und Menschen mit Behinderung im vorweihnachtlichen Zeitraum im Vergleich zur sonstigen Berichterstattung in den Tageszeitungen?

  • Welche Terminologien und sprachlichen Konstruktionen werden im Zusammenhang mit Behinderung und Menschen mit Behinderung verwendet?

6.2 Eigene Vorannahmen

  • Ich selbst habe angenommen, dass die Tageszeitungen, wenn sie über Menschen mit Behinderung schreiben, diese auf das Merkmal Behinderung reduzieren. Dies schließe ich aus der Forderung von BARNES, dass Menschen mit Behinderung ebenso wie alle anderen Menschen eine Vielzahl an Rollen, z. B. als Liebhaber, als Eltern, etc. einnehmen und dies auch in den Medien reflektiert werden soll. (vgl. Barnes 1992, S. 46) Die Behinderung soll CLOERKES zufolge als eines von vielen Merkmalen der Person sachlich dargestellt werden. (vgl. Cloerkes 1997, S. 116 - 117) "You should go beyond disability and just look at the person inside." (Shakespeare 2000, S. 27 zit. n. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 27)

  • Außerdem bin ich davon ausgegangen, dass die Berichterstattung auf der medizinischen Sichtweise von Behinderung beruht. Diese Annahme beruht darauf, dass COOKE, DAONE und MORRIS in ihrer Studie "Stop Press" herausfanden, dass der größte Anteil der Berichterstattung in Zeitschriften durch die medizinische Sichtweise von Behinderung gekennzeichnet ist. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 29 - 30)

  • Weiters habe ich geglaubt, dass die Anzahl der Artikel im Zeitraum vor Weihnachten signifikant höher ist, als im restlichen Jahr, und dass die Aktion "Licht ins Dunkel" den Inhalt der Berichterstattung dominiert. Diese Annahme beruht auf Michael SicherS Beitrag zur Aktion "Nicht ins Dunkel". Er schrieb als Betroffener in Zusammenhang mit dem Karikaturenwettbewerb zur Aktion "Nicht ins Dunkel":

Abb. 11. Verein Bizeps 2008, im INTERNET

"[...] Unterstützung für Menschen mit Behinderung sollte mehr sein, als zu Weihnachten Geld zu spenden und darüber zu reden. Gerade das Fernsehen kann durch die Integration von Menschen mit Handicap in Sendungen - im Publikum, als TeilnehmerInnen oder ModeratorInnen - ganzjährig dazu beitragen, gesellschaftliche Berührungsängste abzubauen und zeigen, dass die Eigenheiten aller Menschen auch für ‚uns' gelten." (Verein Bizeps 2008, im INTERNET)

Seinen "Bildbeitrag" zur "Aktion" beschrieb er folgendermaßen: "Bei Licht ins Dunkel laufen behinderte Menschen wie am Förderband. Am 24.12. stehen sie im Rampenlicht, doch das Band läuft weiter und danach kommt der Absturz. Upps!" (Verein Bizeps 2008, im INTERNET)

  • Insgesamt ging ich davon aus, dass das Thema Behinderung in den Tageszeitungen wenig präsent sein wird.

6.3 Erhebung des empirischen Materials

Als empirisches Material verwendete ich die Tageszeitungen "Kronen Zeitung", "Der Standard" und die "Tiroler Tageszeitung", welche ich im Zeitraum vom 15. Dezember bis zum 31. Dezember sowie vom 1. bis zum 15. März gesammelt habe. Dem "STANDARD" waren in manchen Ausgaben ausgewählte Artikel der Zeitung "New York Times" beigelegt; sie waren aber nicht Bestandteil meines empirischen Materials. Die "Tiroler Tageszeitung"-Ausgabe vom Sonntag, den 21. Dezember 2008, war als Gratiszeitung erhältlich und in meinem Umfeld zu schnell vergriffen. Auf Anfrage im Kundencenter der "Tiroler Tageszeitung" habe ich die Auskunft erhalten, dass die Sonntagsausgabe nicht archiviert wird.

6.4 Auswertung des empirischen Materials

6.4.1 Auswertungsmethode: Qualitative Inhaltsanalyse

"In dem, was Menschen sprechen und schreiben, drücken sich ihre Absichten, Einstellungen, Situationsdeutungen, ihr Wissen und ihre stillschweigenden Annahmen über die Umwelt aus. Diese Absichten, Einstellungen usw. sind dabei mitbestimmt durch das soziokulturelle System, dem die Sprecher und Schreiber angehören und spiegeln deshalb nicht nur Persönlichkeitsmerkmale der Autoren, sondern such Merkmale der sie umgebenden Gesellschaft wider - institutionalisierte Werte, Normen, sozial vermittelte Situationsdefintionen usw. Die Analyse von sprachlichem Material erlaubt aus diesem Grunde Rückschlüsse auf die betreffenden individuellen und gesellschaftlichen, nicht-sprachlichen Phänomene zu ziehen." (Mayntz et. al. 1974, S. 151 zit. n. Lamnek 1993, S. 172)

Die qualitative Inhaltsanalyse dient laut LAMNEK zur Auswertung bereits erhobenen Materials. (vgl. Lamnek 1993, S. 173) Die Inhaltsanalyse beschäftigt sich vorwiegend mit schriftlichen Kommunikationsmitteln, also Texten. Schütze versteht unter einem Text ein schriftliches Protokoll alltagsweltlicher sprachlicher Kommunikation. Darunter sind auch Dokumente, Akten und Zeitungsartikel zu verstehen. Bei einem Zeitungsartikel handelt es sich um einen monologischen Text, d. h. einen Text mit einem Kommunikator. (vgl. ebd., S. 184)

Ebenso können gesprochene Worte, Texte, Bilder und Filme das auszuwertende Material der Inhaltsanalyse sein. Bilder können analysiert werden, weil auch in einem Bild ein kommunikativer Akt festgestellt werden kann. (vgl. ebd., S. 183)

6.4.2 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring

Ziel der Inhaltsanalyse ist MAYRING zufolge die Analyse des Materials, das aus irgendeiner Art von Kommunikation stammt. (vgl. Mayring 1997, S. 11)

  • Die Inhaltsanalyse hat Kommunikation zum Gegenstand. Meistens handelt es sich um Sprache, aber auch Musik und Bilder können analysiert werden.

  • Die Art der Kommunikation liegt in einer fixierten Kommunikation, d. h. protokolliert vor.

  • "Inhaltsanalyse will systematisch vorgehen." (Mayring 1997, S. 12)

  • Das regelgeleitete Vorgehen ermöglicht es Anderen, die Analyse nachvollziehen und überprüfen zu können.

  • Die Inhaltsanalyse geht theoriegeleitet vor, dass heißt, sie analysiert ihr Material unter einer theoretisch ausgewiesenen Fragestellung. Die Interpretation der Ergebnisse erfolgt auch vor dem jeweiligen theoretischen Hintergrund (vgl. Mayring 1997, S. 12) bzw. auf dem jeweiligen Stand der Forschung. (vgl. Mayring 1997, S. 45)

  • Die Inhaltsanalyse will nicht nur das Material analysieren, sondern auch Rückschlüsse über den "Sender" und über die Wirkungen beim "Empfänger" erfahren. (vgl. Mayring 1997, S. 12)

6.4.3. Methodisches Vorgehen in Anlehnung an Mayring

Mayring entwarf ein Ablaufmodell zur Auswertung empirischen Materials, das neun Stufen durchläuft. (vgl. Lamnek 1993, S. 207) Er weist aber auch darauf hin, dass die Verfahrensweisen nicht blind von einem Gegenstand zum anderen übernommen werden können. Die vorgeschlagenen Verfahren müssen immer auf die konkrete Studie hin modifiziert werden. (vgl. Mayring 1997, S. 44) Ich habe mich in meiner Analyse am Ablaufmodell von Mayring orientiert, welches entsprechend den Bedürfnissen meiner Studie adaptiert und nicht eins zu eins übernommen worden ist.

6.4.3.1 Das empirische Material

Zu Beginn muss das Material definiert werden, welches der Analyse zugrunde liegt. (vgl. Lamnek 1993, S. 207) Das Material soll nur unter bestimmten begründbaren Notwendigkeiten während der Analyse verändert oder erweitert werden. (Mayring 1997, S. 47) Als Material für meine Analyse verwendete ich alle "Zeitungsinhalte", die sich mit dem Thema Behinderung bzw. Menschen mit Behinderung in direkter oder indirekter Weise auseinander gesetzt hatten. Diese "Zeitungsinhalte" entnahm ich den Tageszeitungen "Der Standard", "Kronen Zeitung" und der "Tiroler Tageszeitung". Unter dem Begriff "Zeitungsinhalte" verstehe ich Artikel, Leitartikel, Leserbriefe, Kommentare und Kolumnen von JournalistInnen, aber auch Werbungen und Anzeigen. Nach persönlicher Durchsicht der Tageszeitungen habe ich die für mich relevanten Inhalte heraus sortiert. Es kann trotz großer und sorgfältiger Bemühungen sein, dass ich nicht sämtliche Artikel erfassen konnte.

Mayring fordert, dass das empirische Material genau beschrieben werden muss, von wem und unter welchen Bedingungen das Material produziert worden ist. (vgl. Mayring 1997, S. 47) Die konkrete Entstehungssituation der Zeitungsinhalte entzieht sich meiner Kenntnis, daher kann ich diese auch nicht analysieren. Der emotionale und kognitive Hintergrund und der Handlungshintergrund des Verfassers waren bei den bearbeiteten Zeitungsartikeln nicht ermittelbar. Inwieweit der Blick auf die Zielgruppe die Entstehung der Zeitungsartikel beeinflusst hat, entzieht sich ebenfalls meiner Kenntnis.

Ebenso muss die Form des Materials beschrieben werden, erläutert LAMNEK die Methode von MAYRING. (vgl. Lamnek 1993, S. 207) Fast ausschließlich handelt es sich bei meinem Material um monologische Texte, d. h., die jeweiligen Texte haben nur einen Kommunikator, nämlich den jeweiligen Verfasser des Textes. Die Texte wurden des Öfteren im Zusammenhang mit Bildern dargestellt. Werbungen und Anzeigen arbeiteten überwiegend mit Bildern, die durch einen Begleittext ergänzt wurden.

6.4.3.2 Richtung der Analyse

Wie LAMNEK in der Erläuterung der Methode von MAYRING anführt, muss man sich nun die Frage stellen, was man heraus interpretieren möchte. Man kann sich in der Analyse auf das Thema konzentrieren oder auch auf die emotionale oder kognitive Befindlichkeit des Kommunikators, auf die durch den Text repräsentierten Handlungen, aber auch auf die Wirkungen der Äußerungen auf die potentiellen zur Zielgruppe gehörenden Rezipienten. (vgl. ebd., S. 207 - 208) Ich möchte in meiner Analyse herausfinden, welche "Blickrichtungen" bzw. Sichtweisen von Behinderung die jeweiligen Tageszeitungen widerspiegeln. Sind die Sichtweisen von Behinderung im medizinischen Modell oder im sozialen Modell von Behinderung verhaftet? Des Weiteren interessieren mich die sprachlichen Terminologien und Begrifflichkeiten, die die Tageszeitungen verwenden, wenn sie über Menschen mit Behinderung schreiben. Spezifisch wollte ich wissen, ob und wie sich die Tageszeitungen in ihrer Berichterstattung voneinander unterschieden. Ebenso interessierte mich, wie sich die Berichterstattung im vorweihnachtlichen Zeitraum, von der im restlichen Jahr unterschied. Ich interessiere mich nicht oder nur ganz am Rande für die Inhalte und Fakten der einzelnen Tageszeitungsartikel.

6.4.3.3 Analyse des Materials

Zusammenfassung: man reduziert das Material auf den wesentlichen Inhalt, der immer noch das Abbild des Grundmaterials widerspiegeln soll. (vgl. Lamnek 1993, S. 209) Man paraphrasiert den Text, d. h., ausschmückende Textbestandteile werden weggelassen. Inhaltsgleiche Paraphrasen können gestrichen und unwichtige weggelassen werden. Dann werden mehrere, sich aufeinander beziehende und oft über das Material verstreute Paraphrasen zusammengefasst und durch eine neue Aussage wiedergegeben. Am Ende dieses Prozesses steht ein allgemeines und knapperes Kategoriesystem. (vgl. Mayring 1997, S. 61) Da 148 Artikel, Leserbriefe, Kommentare, etc. des Monats Dezember 2008 die Grundlage meines empirischen Materials ausmachten, scannte ich zuerst alle Artikel in meinen Computer ein und druckte diese dann aus und ordnete sie der jeweiligen Tageszeitung zu. Ich habe zuerst mit den Artikeln der "Kronen Zeitung" begonnen und bei jedem einzelnen Artikel, der sich auf meine Forschungsfrage bezog, relevante Passagen markiert. Anschließend habe ich mir die markierten Passagen wiederholt durchgelesen und dann durch das Bilden induktiver Kategorien kategorisiert. Induktive Kategorienbildung bedeutet nach MAYRING, dass die Kategorien aus dem Material heraus entwickelt werden, ohne sich auf vorab formulierte Theoriekonzepte zu beziehen. (vgl. Mayring 1997, S. 74 - 75) Als ich jeden Artikel, Leserbrief, etc. den z. B. die "Kronen Zeitung" kategorisiert hatte, bildete ich auf diese Kategorien aufbauend ein Kategoriesystem. Dieses wird zur Kennzeichnung des Einzelfalls herangezogen (vgl. Lamnek 1993, S. 209) Somit hatte ich folgende drei Kategoriesysteme:

Kategoriensystem "der Tiroler Tageszeitung" (Dezember 2008)

Kategoriensystem der "Kronen Zeitung" (Dezember 2008)

Kategoriensystem des "Standards" (Dezember 2008)

Die Aussagen der Einzelfälle können nach diesem Schritt, so MAYRING, nun fallübergreifend generalisiert werden. (vgl. Mayring 1997, S. 71) Ich ging nun so vor, dass ich mit Hilfe des Kategoriesystems z. B. der "Tiroler Tageszeitung", den Kategorien die entsprechenden Textstellen der Artikel, Leserbriefe, etc. zugeordnet und diese dann ausformuliert habe. Bei den beiden verbleibenden Tageszeitungen wendete ich dasselbe Procedere an. Dabei habe ich mich an der inhaltlichen und vor allem an der typisierenden Strukturierung MAYRINGS orientiert. Man möchte laut MAYRING eine bestimmte Struktur aus dem Material herausfinden: (vgl. Lamnek 1993, S. 213)

  • inhaltliche Strukturierung: "Ziel der Strukturierung ist es, bestimmte Themen, Inhalte, Aspekte aus dem Material herauszufiltern und zusammenzufassen." (Mayring 1997, S 89). Theoriegeleitet werden inhaltliche Haupt- und Unterkategorien festgelegt. (vgl. ebd. 1997, S. 89)

  • typisierende Strukturierung: besonders markante Bedeutungsgegenstände werden herausgefiltert und genauer beschrieben. Es können somit extreme Ausprägungen beschrieben werden oder solche, die von besonderem theoretischen Interesse sind. Oder auch jene, die besonders häufig vorkommen. Diese "Protopyen" werden dann genau beschrieben. (vgl. ebd., S. 90 - 91)

Nun analysierte und interpretierte ich jede Tageszeitung einzeln. Der Forscher / die Forscherin soll, so MAYRING, die Einzelfälle fallübergreifend generalisieren und auf diesem Weg zu einer Gesamtdarstellung kommen. (vgl. Lamnek 1993, S. 215) Somit habe ich am Schluss, die Einzelfälle, sprich die einzelnen Tageszeitungen, fallübergreifend generalisiert, in dem ich die Interpretationen der einzelnen Tageszeitungen zu einer zusammengefügt habe. Da mich aber auch die Unterschiede der Tageszeitungen interessierten, arbeitete ich auch diese spezifisch heraus, indem ich mich an den Unterschieden des jeweiligen Kategoriesystems sowie den einzelnen Interpretation orientierte.

  • Vorgehensweise der Analyse des Unterschiedes der Berichterstattung in der vorweihnachtlichen Zeit im Vergleich zum März 2009

Die Vorgehensweise war nahe zu identisch mit der zuvor beschriebenen Analyse der drei Tageszeitungen im Monat Dezember, welche ich in Anlehnung an MAYRING durchgeführt hatte. Als Vergleichsmonat habe ich den März 2009 ausgewählt und im Zeitraum vom 1. bis zum 15. März die Tageszeitungen gesammelt und jene Artikel als empirisches Material verwendet, die in direktem oder indirektem Zusammenhang mit Menschen mit Behinderung oder mit Behinderung im Allgemeinen stehen. Zuerst habe ich mit einer Tageszeitung begonnen und die zuvor in meinem Computer eingescannten Artikel ausgedruckt. Anschließend habe ich mittels induktiver Kategoriebildung begonnen, die Artikel zu kategorisieren. (vgl. Mayring 1997, S. 74 - 75) Als ich die drei Kategoriesysteme der einzelnen Tageszeitungen erstellt hatte, interessierte ich mich nun nur noch für jene Kategorien, die sich von dem Kategoriesystem der Tageszeitungen im Dezember unterschieden. Ich habe den entsprechenden Kategorien die dazugehörigen Textstellen der jeweiligen Zeitungsartikel, Leserbriefe, etc. zugeordnet und diese dann ausformuliert und anschließend in Anlehnung an MAYRINGS typisierende und inhaltliche Strukturierung beschrieben und anschließend interpretiert. (vgl. ebd., S. 89 - 91)

  • Vorgehensweise der Analyse der sprachlichen Konstruktionen

Um diese interpretieren zu können, habe ich alle Terminologien in Zusammenhang mit Menschen mit Behinderung in allen drei Tageszeitungen aufgeschrieben und sie anschließend in Verbindung mit dem theoretischen Wissen interpretiert.

6.5 Interpretation der drei "Tageszeitungen" in Richtung der Forschungsfrage

Bei der Interpretation werden MAYRING zufolge die Ergebnisse in Richtung Hauptfrage interpretiert. Der Forscher / die Forscherin soll die Einzelfälle fallübergreifend generalisieren und so zu einer Gesamtdarstellung kommen. (vgl. Lamnek 1993, S. 215) Somit möchte ich an dieser Stelle noch einmal meine Forschungsfrage in Erinnerung rufen und die erste meiner Unterfragen, weil diese meiner Ansicht nach thematisch zusammengehören:

Welche Blickrichtung verfolgen die Printmedien "Kronen Zeitung", "Der Standard" und "Tiroler Tageszeitung" in Bezug auf die Darstellung von Menschen mit Behinderung?

Unterfrage:

  • Welche Sichtweisen von Behinderung und Menschen mit Behinderung finden in den Tageszeitungen Verwendung?

Somit möchte ich nun die Ergebnisse meiner Interpretation in Richtung meiner Forschungsfrage erörtern. Auf die weiteren Unterfragen meiner Forschungsfrage möchte ich später eingehen.

6.5.1 "Blickrichtungen" der drei Tageszeitungen in Bezug auf die Darstellung von Menschen mit Behinderung im Dezember 2008

In der, auf der nächsten Seite folgenden Tabelle sind alle "Blickrichtungen", die die Tageszeitungen im Monat Dezember 2008 in ihrer Darstellung von Menschen mit Behinderung einfließen haben lassen, aufgelistet. Als Kriterium für die Reihenfolge der Abfolge der Blickrichtungen in der Tabelle habe ich das Vorkommen in den Tageszeitungen genommen. Somit beginne ich mit jenen Blickrichtungen, die in allen drei Tageszeitungen zu finden sind (dunkelblau i. d. Tabelle) und ende mit jenen, die spezifisch in einer Tageszeitung vorkommen (d. hellste Blau i. d. Tabelle).

"Kronen Zeitung"

"Der Standard"

"Tiroler Tageszeitung"

"Der medizinische Blick"

"Der medizinische Blick"

"Der medizinische Blick"

"Der mitleidige Blick"

"Der mitleidige Blick"

"Der mitleidige Blick"

Kosten & Nutzen

Kosten & Nutzen

Kosten & Nutzen

"Der ausschließende Blick"

"Der ausschließende Blick"

"Der ausschließende Blick"

Behinderung als Leiden

 

Behinderung als Leiden

Menschen mit Behinderung "hilflos"

 

Menschen mit Behinderung "hilflos"

Behinderung als Schicksal

 

Behinderung als Schicksal

Fokussierung der Behinderung

Fokussierung der Behinderung

 

Normal & anormal

Normal & anormal

 

Menschen mit Behinderung wahrgenommen als Kinder

 

Menschen mit Behinderung wahrgenommen als Kinder

"Superkrüppel", "Der bewundernde Blick"

 

"Superkrüppel"

Behinderung als eines der vielen Merkmale der Person

Behinderung als eines der vielen Merkmale der Person

 
 

soziale Sichtweise von Behinderung

soziale Sichtweise von Behinderung

 

Skandal und Behinderung

 
 

"Der vernichtende Blick"

 
 

"Realistischer Blick"

 
 

"Exotische Sichtweise"

 
 

"Eigene Blick"

 
   

"Behinderung & Sensation"

Dominanz der ExpertInnen

   

"Elend Behinderung"

   

"Der instrumentalisierende Blick"

   

6.5.1.1 "Der medizinische Blick"

In ihrer Studie "Stop Press" fanden COOKE, DAONE und MORRIS heraus, dass die Behinderung in der Berichterstattung der Presse als medizinische Ursache dargestellt und Therapiemöglichkeiten genannt wurden. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 14) Die Darstellung erfolgte so, dass Menschen mit Behinderung nur über die Eigenschaft "Behindertsein" verfügten. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 24) Der soziale Kontext fehlte. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 29 - 30) Dies war meines Erachtens auch in den drei Tageszeitungen "KroneN ZEITUNG", "DER STANDARD" und "TIROLER TAGESZEITUNG" der Fall. Wobei "DER STANDARD" und die "TIROLER TAGESZEITUNG" wiederum in anderen Artikeln die soziale Sichtweise von Behinderung in ihre Darstellung von Menschen mit Behinderung einfließen ließen.

Das traditionelle Behinderungsbild (Defizitwesen) muss, laut THEUNISSEN, überwunden werden. (vgl. Theunissen 2007, S. 12) Meiner Ansicht nach berichtete die "TIROLER TAGESZEITUNG" defizitorientiert über einen vier Jahre alten Buben mit Behinderung. Der Bub wurde alleine im Landesklinikum St. Pölten aufgefunden und man suchte nun nach den Eltern, so der Artikel. Das Kind wurde folgendermaßen beschrieben:

"Der etwa vier Jahre alte Bub asiatischer Herkunft ist geistig und körperlich behindert. [...]Der Bub, der weder selbstständig stehen noch sprechen kann, war am Freitag im Lift des Hauses ‚M' auf dem Rücken liegend gefunden worden. [...] Er ist 100cm groß und stämmig, hat dunkles, kurzes Harr und einen auffallend flachen Hinterkopf." (Die Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 12)

COOKE, DAONE und MORRIS stellten in ihrer Studie "Stop Press" fest, dass Symptome in unangemessenen Details dargestellt wurden, um den Leser / die Leserin zu erschrecken und zu schockieren. (vgl. Cooke / Daone / Morris 2000, S. 14) Nahezu dieselben defizitorientierten Inhalte über den Buben wurden im Artikel "Kleinkind in Klinik entdeckt" der "TIROLER TAGESZEITUNG", am Tag zuvor, wiedergegeben. (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 15. Dezember 2008, S. 13)

Der Artikel "Ratgeber für Menschen mit Asperger Syndrom" warb für das Buch "Ein ganzes Leben mit dem Asperger-Syndrom. Alle Fragen - alle Antworten." In diesem Buch werden die Ursachen, die Diagnose sowie das Syndrom selbst genau beschrieben. Als Merkmale des Syndroms werden folgende Aspekte aufgezählt "[...] verzögerte soziale Reife, intensives Interesse für ein bestimmtes Thema, begrenzte Fähigkeit, ein wechselseitiges Gespräch zu führen." (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 22. Dezember 2008, S. 42) Beschrieben wurden auch die Chancen und Probleme, die sich durch die Andersartigkeit im Beruf und in Beziehungen ergeben. (vgl. ebd., S. 42)

Prävention

In einem Artikel der "KRONEN ZEITUNG" wurde damit geworben, dass Folsäuremedikamente für "[...] die fehlerlose Entwicklung von Gehirn und Rückgrat des Ungeborenen unterlässlich [...]" (vgl. Gesund. Ihr Magazin für praktische Lebenshilfe 20. Dezember 2008, S. 5) sind und diese vor Missbildungen des Herzens und einer inkorrekten Bildung des Neuralohres schützen. Prävention von Fehlbildungen mit Hilfe der Medizin. (vgl. ebd., S. 5)

Therapie

Die Wichtigkeit von Therapien in Zusammenhang mit Behinderung unterstrich meiner Ansicht nach ein Leserbrief der "KRONEN ZEITUNG", der die sensationelle Genesung des Skifahrers Matthias Lanzinger auf die hervorragende Unterstützung der Ärzte und Therapeuten zurückführte und diese Betreuung auch für ein nichtprominentes Mädchen einforderte. (vgl. Die Krone 17. Dezember 2008, S. 28) Besonders aussagekräftig für das hohe Ansehen von Therapien war, meines Erachtens, folgendes Beispiel aus der "KRONEN ZEITUNG": "Wir haben den Buben von einer Therapie zur nächsten gebracht. Aber genützt hat das alles nichts." (vgl. Die Krone 29. Dezember 2008, S. 18) MILANI schreibt laut SCHÖNWIESE, dass die Vorstellung durch therapeutische Maßnahmen die Situation verbessern oder das Kind heilen zu können, für Eltern in der Abwehr der realen Situation besondere Bedeutung gewinnt. MILIANI nennt diesen Prozess "wilde Rehabilitation", der den realen Prozess der Entwicklung von Selbstbestimmung und Kooperation mit der sozialen Umwelt verhindert. (vgl. Schönwiese 2006 / 07c, S. 66)

In einem Artikel des "STANDARDS" wurde davon gesprochen, dass für eine entsprechende Therapie und das notwendige Pflegegeld, eine Diagnose wichtig ist. Die Autorin des Artikels kritisierte, dass es zu wenige spezifische Therapeuten gibt. Impliziert wurde in diese Aussage, dass sich nur wenige eine Therapie leisten könnten und "Das sei sozial gesehen, eine Katastrophe, sagt Kurz: ‚Über 90 Prozent der Eltern mit autistischen Kindern sind alleinerziehend‛." (Der Standard 18. Dezember 2008, S. 9)

In einem anderen Artikel des "STANDARDS" wurde die Musiktherapie der Medizin und Heilpädagogik zugeordnet und mit folgender Aussage näher erläutert: "Musik ist eine Möglichkeit, die seelisch-geistig-körperliche Ordnung wieder herzustellen." Musik ist Medizin, war in den nächsten Zeilen zu lesen. Für gesunde Menschen, so der Artikel ist Musik eine Form der Prävention und für "kranke" die Möglichkeit der Rehabilitation. (vgl. Der Standard 22. Dezember 2008, S. 18)

Die "TIROLER TAGESZEITUNG" warb in einer Anzeige mit einem magischen Nachmittag im Therapie- und Förderzentrum für Kinder mit Entwicklungsproblemen. (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 22. Dezember 2008, S. 21) In dem Artikel "Therapeut auf vier Pfoten" wurde in der "TIROLER TAGESZEITUNG" beschrieben, dass die Vierbeiner den Bewohnern den Alltag erleichtern und versüßen. Der Mops Maschekk wurde zum Therapiehund ausgebildet. Denn, so der Artikel, wissenschaftliche Studien belegen, dass Hunde die menschliche Stimmungslage merkbar verbessern und den Blutdruck senken können. "Mops ist der Liebling. So bemühen sich die Bewohner um die Aufmerksamkeit des Mops' und genießen die Kuscheleinheiten mit dem drolligen Vierbeiner." (Die Tiroler Tageszeitung 22. Dezember 2008, S. 22) Auch die Hippotherapie "verschönert" den "Patienten" den Alltag. Muskelverspannungen lösen sich und die Gleichgewichtsreaktionen und die Koordination der Personen verbessern sich. (vgl. ebd., S. 22)

Heilung

Sowohl die 1991 als auch die 1999 durchgeführten Erhebungen von COOKE, DAONE und MORRIS zeigten, dass viele Artikel die Annahme beinhalteten, dass Menschen mit Behinderung krank oder auf der Suche nach Heilung sind. (vgl. Cooke / Daone / Morris, 2000, S. 14) Dies war meines Erachtens auch in den drei Tageszeitungen "TIROLER TAGESZEITUNG", "KRONEN ZEITUNG" und "DER STANDARD" der Fall.

"Gelähmtes Kind kann wieder gehen. Ärzte sprechen von Weihnachtswunder", so lautet die Titelseite der "Kronen zeitung" vom 16. Dezember 2008. Sie schrieb, dass der siebenjährige Bub jetzt wohl die schönsten Feiertage hat, weil er vor kurzem im Rollstuhl gesessen ist und jetzt wieder gehen kann. (vgl. Die Krone, am 21. Dezember 2008, o. S.) Die "TIROLER TAGESZEITUNG" sprach von keinem Weihnachtswunder in Bezug auf den siebenjährigen Buben, sondern von einem unerwarteten Regenerationsvermögen des Buben, der zuvor ein "komplett querschnittgelähmtes Kind" gewesen ist und nun wieder gehen kann. Die Prognose zuvor, so der Artikel, war schlecht. "Nun braucht der Junge den Rollstuhl nicht mehr, teilte die Grazer Uniklinik mit. Nach zwei Monaten und physiotherapeutische Trainingseinheiten, konnte der Junge wieder gehen. Der Mediziner Eder betonte das große Potenzial zur Selbstheilung bei Kindern und führte die Wichtigkeit von neurochirurgischen Eingriffen bei Kindern an, um Genesungsprozesse öfter herbei führen zu können." (Die Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 12) "DER STANDARD" berichtete, meiner Ansicht nach, am selben Tag sehr ähnlich wie die "TIROLER TAGESZEITUNG" von diesem Fall. Es wurde davon berichtet, dass ein Bub mit Querschnittlähmung, nachdem ihm eine Zyste aus dem Rückenmark entfernt wurde "[...] völlig unerwartet" (Der Standard 16. Dezember 2008, S. 10) aus seinem Rollstuhl aufstand. Die ÄrztInnen haben dem Jungen zuvor keine Hoffnung gemacht. Der Arzt der ihn operiert hat, spricht von einem gewaltigen Regenrationspotential bei Kindern. Das Sensationelle in diesem Artikel wurde meines Erachtens nicht übermäßig betont, doch die Adjektive "verblüffend" und "völlig unerwartet" verleihen dem Artikel dennoch etwas Sensationelles. (vgl. ebd., S. 10)

Von einem Wunder wurde auch in einem anderen Artikel der "KRONEN ZEITUNG" gesprochen, bei dem eine Frau davon berichtete, dass sie durch das rezeptfreie Naturprodukt namens CORAL-CARE knapp dem Rollstuhl entgangen war und nun wieder ein "normales", "gesundes" Leben führen könnte. (vgl. Die Krone 27. Dezember 2008, o. S) Keine Heilung brachte das kleinste Hörgerät der Welt, doch dadurch, dass es fast unsichtbar im Ohr verschwand, war das Stigma der Beeinträchtigung ebenfalls beseitigt worden. (vgl. Die Krone 16. Dezember 2008, S. 30) Anders der Artikel der "TIROLER TAGESZEITUNG", der die Überschrift trug: "Taube können wieder hören". Dies, so der Artikel, war das Ergebnis intensiver wissenschaftlicher Forschung. Das Chochlea-Implantat ermöglicht es "hochgradig Schwerhörigen" oder gehörlosen Menschen, wieder hören zu können. Herr W. wurde folgendermaßen beschrieben: "Er wirkt fröhlich und hat auch allen Grund dazu: ‚Vor ein paar Jahren war ich noch fast taub, jetzt kann ich wieder Geige spielen‛." (Wissen heute. Beilage zur Zeitschrift Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 14 - 15). "Ein uralter Traum des Menschen ist es, seinen Körper zu verbessern, zu vervollkommnen und vorhandene Mängel zu kompensieren, um ihn auf diese Weise von seinen biologischen Unzulänglichkeiten zu befreien, die ihm von Natur aus gegeben sind." (Zoglauer 2003, im INTERNET). Das Cholea-Implantant ermöglicht es Menschen mit einer so genannten "Innenohr-Taubheit", die wichtigsten Alltagsgeräusche nach viel Training zu unterscheiden und ein deutlich artikuliertes Gespräch zu verstehen. (vgl. ebd., im INTERNET) Einige Absätze spätere äußerte sich Herr W. folgendermaßen: "Damit konnte ich wieder hören und war wieder Teil der Gesellschaft." (Wissen heute. Beilage zur Zeitschrift Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 14 - 15., S. 14 - 15) Dieser "Triumph über die Tragödie" lässt den wichtigen Punkt, dass Behinderung ein soziales Thema ist, außen vor, erläutert BARNES. Die Annahme, dass Menschen mit Behinderung ihre Behinderung überwältigen können, verwehrt ihnen Unterstützung: Menschen die blind sind brauchen etwa die Brailleschrift, Menschen mit Gehörlosigkeit benötigen die Gebärdensprache, etc. (vgl. Barnes 1992, S. 26) Eine Behinderung zu überwältigen, ist der Wunsch von außen, stellt LINTON fest. Wenn dieser Ansatz beibehalten wird, so LINTON, muss sich gegenwärtig nichts ändern, weder in den Zivilrechten noch sonst irgendwo. (vgl. Linton 1998, S. 17 - 22 )

Ein anderer Artikel der TT berichtete darüber, dass Forscher einen "Bypass" für das Gehirn entwickeln, um falsche Verdrahtungen zu beheben. Als Ziel dieser Bypässe wurde die Behebung von Seh-, Hör-, Geschmacks- oder Bewegungsstörungen genannt sowie möglicherweise die Verbesserung kognitiver Fähigkeiten. (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 24. / 25. / 26. Dezember 2008, S. 43) Derselbe Inhalt wurde in einem Artikel des "STANDARDS" tags zuvor veröffentlicht. (vgl. Der Standard 23. Dezember 2008, S. 14)

6.5.1.1.1 Dominanz der ExpertInnen

Die medizinische Sichtweise von Behinderung, in der die Macht der ExpertInnen dominiert, so WALDSCHMIDTH (vgl. Waldschmidt 2005, S. 15 - 17), war auch in der "KRONEN ZEITUNG" wieder zu finden.

  • "Sofort alarmierten sie [...] einen Arzt." (Kronen Zeitung 15. Dezember 2008, S. 8)

  • "[...] hervorragende Unterstützung seitens der Ärzte und Therapeuten erhalten." (Kronen Zeitung, am 17. Dezember 2008, S. 28)

  • "Monatelang wird Petra Trauner daraufhin mit ihrem Moritz von Arzt zu Arzt und von einem Prothesen-Experten zum nächsten geschickt [...]" (Kronen Zeitung 15. Dezember 2008, S. 6)

  • "Grazer Ärzte-Team gelingt medizinisches Weihnachtswunder." (Kronen Zeitung, am 16. Dezember 2008, S. 15)

6.5.1.2 Menschen mit Behinderung: bemitleidenswert, pathetisch und bedauernswert, aber nicht hoffnungslos

  • "Licht ins Dunkel"

Huainigg fordert eine neue Ausrichtung der Medienkampagne "Licht ins Dunkel". Gleichstellung statt Almosen, Selbstbestimmung statt Fürsorge und Integration statt Mitleid. Menschen mit Behinderung sollen, so HUAINIGG, in der gesamten Produktion mitarbeiten. Soziales Engagement soll nicht nur in Spendenrekorden gemessen werden, sondern in nachhaltig gelebter Integration. Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass soziales Engagement durch Spenden, abzulehnen ist. Die Aktion muss so gestaltet werden, dass jene Personen, denen dadurch geholfen wird, nicht in ihrer Würde verletzt werden. (vgl. Huainigg 2008, S. 4)

Der Artikel "Alle Jahre wieder wird gespendet", veröffentlicht am 24. Dezember 2008, zeigte die Botschaft der "Kronen Zeitung" im Rahmen der Spendenaktion "Licht ins Dunkel" meiner Ansicht nach in konzentrierter Form. Menschen mit Behinderung kommen weder zu Wort noch wird über sie geschrieben. Vor Weihnachten unterhalten prominente Gäste und rufen dabei die Bevölkerung auf, zu spenden. Als Highlight wurde am Ende der Sendung das Spendenergebnis verkündet, dass zeigt wie wohltätig die ÖstereicherInnen waren. (vgl. Die Krone 24. Dezember 2008, o. S.) Im Artikel "Unterstützung für Moritz" der "KRONEN ZEITUNG" wird die Wichtigkeit von "Licht ins Dunkel" hervorgehoben, denn "erst durch die Unterstützung von ‚Licht ins Dunkel‛ wurde sein schwieriges Alltagsleben ein wenig leichter." (vgl. Die Krone 15. Dezember 2008, S. 6) "DER STANDARD" berichtete davon, dass der Leiter der ORF-Spendenaktion "Licht ins Dunkel" Jörg Ruminak die SpenderInnen lobte. Im Rahmen der ORF-Spendenaktion wurden 5,486.080,97 Euro "eingespielt". Die Spendenaktion trotzte der Wirtschaftskrise. (vgl. Der Standard 27., 28. Dezember 2008, S. 8) Die "TIROLER TAGESZEITUNG" berichtete ebenso davon, dass trotz Wirtschaftskrise die ÖstereicherInnen um 457.000 Euro mehr als im Vorjahr spendeten. "Geholfen hat dem ORF sicherlich die Ankündigung von Finanzminister Josef Pröll (ÖVP), dass mildtätige Spenden künftig steuerlich absetzbar sein sollen." (Die Tiroler Tageszeitung 27. Dezember 2008, S. 5) "'Spenden-Weltmeister' ist ein Ehrentitel, den sich die Östereicherinnen und Österreicher gerne selber umhängen", dies war in einem Artikel der "TIROLER TAGESZEITUNG" zu lesen. (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 17. Dezember 2008, S. 2) Olympiasieger Thomas Geierspichler bekam vom Hauptsponsor der "Aktion Licht ins Dunkel" ein Auto der Marke Lacetti. Geierspichler bedankte sich für die "großartige Unterstützung". (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 20. Dezember 2008, S. 6) "Essen, trinken, helfen auf der Hochzillertaler Kristallhütte" (Die Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 22) lautete die Überschrift eines Artikels der "Tiroler Tageszeitung". Der Starkoch Tim Mälzer begeisterte den limitierten Gästekreis. "In drei Jahren konnten mehr als 30.000 Euro für gute Zwecke ‚serviert' werden." (ebd., S. 22) Der Gesamterlös dieses "außergewöhnlichen Charity-Events" ging an "Licht ins Dunkel" und an den Verein Achse (Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen). (vgl. ebd., S. 22) Die Spende der Malerei Hosp in der Höhe von 3000 Euro an "Licht ins Dunkel" wurde in einer Kurznachricht erwähnt. (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 22. Dezember 2008, S. 24)

  • Wohltätigkeit nicht in Zusammenhang mit "Licht ins Dunkel"

Ein Artikel des "STANDARDS" hatte die Überschrift: "Weihnachtsbaum auf Rädern", auch "der Grazer Charity-Bus" genannt. Man konnte mit dem weihnachtlich dekorierten Bus gratis fahren und wurde um eine freiwillige Spende für Kinder mit Behinderung gebeten. (vgl. Der Standard 20., 21. Dezember 2008, S. 10) Ein anderer Artikel der "TIROLER TAGESZEITUNG" trug die Überschrift "Benefizspiel in Wattens für behinderte Kinder". Der Erlös dieses Spieles ging an das "Sonderpädagogische Zentrum" in Wattens "[...] zur Unterstützung von therapeutischen Mitteln für behinderte und lernschwache Kinder." (Tiroler Tageszeitung SporTTotal 19. Dezember 2008, S.9)

THEUNISSEN tritt für eine Überwindung von separierenden Einrichtungen, wie z. B. sonderpädagogische Zentren, ein und ebenso für Integration bzw. Inklusion als handlungsleitendes Paradigma. (vgl. Theunissen 2007, S. 14).

  • Spendenabsetzbarkeit: "Wo Menschen Menschen helfen" & "Mildtätigkeit"

Das dominierende Thema des "Standards" im Zeitraum vom 15. bis zum 31. Dezember war die Diskussion rund um die Spendenabsetzbarkeit. "Wer spendet, darf die Kosten dafür von der Steuer absetzen - allerdings nur, wenn das Geld an ‚mildtätige‛ Organisationen fließt." (Der Standard 17. Dezember 2008, S. 6)

Mildtätigkeit ist laut Paragraf 37 der Bundesabgabenordnung folgendermaßen definiert: "Mildtätig (humanitär, wohltätig) sind solche Zwecke, die darauf bedacht sind, solche Zwecke, die darauf gerichtet sind, hilfsbedürftigen Personen zu unterstützen." (vgl. ebd., S. 6)

Im Vergleich dazu beschrieb die "Tiroler Tageszeitung" das Funktionieren der Spendenabsetzbarkeit folgendermaßen: von der Steuer absetzbar sind jene Spenden an "mildtätige" Organisation im in und Ausland sowie für Entwicklungshilfe. "Mildtätig sind Vereine, die Personen bei materieller Not oder einem körperlichen, geistigen oder seelischen Gebrechen unterstützen." (Die Tiroler Tageszeitung 17. Dezember 2008, S. 2) Unter Mildtätigkeit versteht man laut "Kronen Zeitung":

"Es sollen Menschen gefördert werden, die materiell, körperlich, geistig und seelisch hilfsbedürftig sind". ( Die Krone 17. Dezember 2008, S. 5)

THEUNISSEN spricht sich gegen Paternalismus und Mildtätigkeit aus. Im Rahmen des Empowermentkonzeptes, haben alle Menschen Rechte - "rights to security, dignity, economic opportunity, not any vague undefined entitlement to a charitable favour bestowed by a government or benevolent agency." (Skegg 2005, S. 669 zit. n. Theunissen 2007, S. 46)

Lisa Nimmervoll, Autorin des "STANDARDS", kritisierte, meines Erachtens, in einem Artikel den Zeitraum der Verlautbarung der Spendenabsetzbarkeit vor Weihnachten, in dem sie schreibt: "Eine weltliche Frohbotschaft vor Weihnachten also." "Belohnt" sollen jene werden: "[...] wo Menschen Menschen helfen [...]". (Der Standard 15. Dezember 2008, S. 2) Nimmervoll stellte in einem anderen Artikel fest, dass finanzielle Spenden eine höchstpersönliche Form von zivilgesellschaftlichem Engagement und individueller Umverteilung sind - und sei es durch den symbolischen ‚Kauf' eines erleichternden Gewissens. Sie kritisierte, dass die Spendenabsetzbarkeit nur von "Mensch zu Mensch" gilt. (vgl. DER STANDARD 15. Dezember 2008, S. 24)

6.5.1.2.1 Exkurs: Menschen mit Behinderung: "hilflos"

Menschen mit Behinderung brauchen laut HEILER manchmal Hilfe, aber die Vermittlung der Vorstellung vom "hilflosen" Menschen mit Behinderung, der auf die "guten Taten" von Menschen ohne Behinderung angewiesen ist, darf nicht stattfinden. Alle anderen Eigenschaften von Menschen mit Behinderung werden damit ausgeklammert. (vgl. Heiler 1982, S. 17) Die Definitionen, welche Organisationen, Vereine, etc. "mildtätig" sind, stellen meines Erachtens Menschen mit Behinderung als "hilflos" dar.

  • "Mildtätig (humanitär, wohltätig) sind solche Zwecke, die darauf bedacht sind, solche Zwecke, die darauf gerichtet sind, hilfsbedürftigen Personen zu unterstützen." (Der Standard 17. Dezember 2008, S. 6)

  • "Mildtätig sind Vereine, die Personen bei materieller Not oder einem körperlichen, geistigen oder seelischen Gebrechen unterstützen." (Die Tiroler Tageszeitung 17. Dezember 2008, S. 2)

  • "Es sollen Menschen gefördert werden, die materiell, körperlich, geistig und seelisch hilfsbedürftig sind." ( Die Krone 17. Dezember 2008, S. 5)

Die Annahme, dass Menschen mit Behinderung "hilflos" sind, spiegelte sich meiner Ansicht nach in der Kurznachricht der "TIROLER TAGESZEITUNG" mit der Überschrift "Wehrloser im Rollstuhl bestohlen" wieder. (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 29. Dezember 2008, S. 12)

6.5.1.3 Kosten & Nutzen

GALTUNG geht davon aus, dass Menschen immer dort, wo sie von Entscheidungen betroffen sind, ein Recht auf Mitbestimmung haben. (vgl. Theunissen 2007, S. 43) In der Berichterstattung rund um die Debatte der Spendenabsetzbarkeit machte es, so fand ich, nicht den Anschein, dass Menschen mit Behinderung ein Recht auf Mitbestimmung hatten. Es war kein Artikel, kein Leserbrief, etc. zu finden, in dem Menschen mit Behinderung zu dieser Debatte Stellung nahmen.

Gotthard Guggenmoos gründete im 19. Jahrhundert eine "Schwachsinnigenbildungsanstalt" zur Beschulung von so genannten Kretinen. (vgl. aus der Schmitten 1985, S. S.105 - 120) Die Bevölkerung bezeichnete diese Menschen als "Fexen". Die Gründung der "Schwachsinnigenbildungsanstalt" war, so AUS DER SCHMITTEN, die früheste "Kosten & Nutzen"-Rechnung. Mittels dieser Schule sollte man Kretinismus vorbeugen. (vgl. aus der Schmitten 1985, S. S.105 - 120) Der Begriff Kretinismus bezog sich nicht auf eine klar zu identifizierende Personengruppe. Alle Menschen die zu dieser Zeit einen ungewöhnlichen Fehler, eine körperliche Auffälligkeit, Auffälligkeiten im Sprech- oder Denkvermögen hatten, wurden von der Bevölkerung als "Fexen" bezeichnet. (vgl. ebd., S. 32 - 40) Laut PETER MALINA gehören Rentabilitätsrechnungen bis heute zum Arsenal der gesellschaftlichen Diffamierung und Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung. (vgl. Malina 1989, im INTERNET)

Spendenabsetzbarkeit: Wer profitiert? Wer zahlt drauf?

LISA Nimmervoll stellte in einem Artikel des "STANDARDS" die Frage: "Muss sich der Staat vor der Mildtätigkeit seiner Bürger fürchten?" (Der Standard 15. Dezember 2008, S. 2) IHS-Experten entwarnen und rechnen mit einer überschaubaren Erhöhung der Spendenbereitschaft bei Unternehmen und Privatpersonen. Sie haben folgende Szenarien berechnet:

"Angenommen, 400 Millionen Euro werden privat gespendet und 27 Prozent davon werden steuerlich abgesetzt, dann wäre das ein Steuerentfall von 42 Millionen Euro. In der Maximalvariante - die Hälfte von angenommenen 560 Millionen Euro Privatspenden wird abgesetzt - würden dem Staat 90 Millionen Euro Steuern entgehen. Zum Verglich: 2008 haben die Österreicher 430 Millionen Euro gespendet." (Der Standard 15. Dezember 2008, S. 2)

In einem anderen Artikel wird geschrieben: "Mildtätige Vereine profitieren [...]" und es wird mit einem Steuerausfall von 50 bis 80 Millionen gerechnet. (Der Standard 17. Dezember 2008, S. 1) Auch die "TIROLER TAGESZEITUNG" schrieb darüber, dass der Finanzminister dadurch 50 bis 80 Millionen Euro verlieren würde. (Die Tiroler Tageszeitung 17. Dezember 2008, S. 2) In der "KRONEN ZEITUNG" war Folgendes zu lesen: "[...] die steuerliche Absetzbarkeit droht zu einem Fass ohne Boden zu werden." (Die Krone 17. Dezember 2008, S. 5) Andras Szigetvari sah ebenso die wortwörtlich genannte Gefahr im staatlichen Steuerverlust. Er stellte aber gleichzeitig die Schlussfolgerung auf, dass weniger Steuern ein höheres Spendenaufkommen nach sich ziehen würden und Hilfsbedürftige davon profitieren würden. (vgl. Der Standard 15. Dezember 2008, S. 24) Die "KRONEN ZEITUNG" schrieb ebenfalls: "[...] Spenden-Absetzbarkeit gewiss ein Anreiz wäre, mehr Hilfsgelder lukrieren zu können." (Die Krone 16. Dezember 2008, S. 13) In einem Leserbrief wird die Grenzziehung, welche Spenden für welche Organisationen absetzbar sein sollen, als Öffnung der Büchse der Pandora bezeichnet. DORA und ERWIN PANOFSKY schrieben über den Mythos der Pandora. Pandora ist der Überlieferung zu Folge die erste Frau. Sie öffnete eine verbotene Büchse und jedes erdenkliche Übel kam heraus, nur die Hoffnung blieb zurück. Pandora brachte damit Krankheit und Laster über die Welt. (Panofsky / Panofsky 1992, S. 17 - 26) Es ist interessant, dass der Leserbriefschreiber mittels dieses Begriffes, Übel und Krankheit und Mühen in Zusammenhang mit der Spendentätigkeit bringt. Er warnt davor, dass für die PrivatspenderInnen durch den bürokratischen Aufwand die Gefahr der Demotivation besteht und sich der Staat die budgetäre Ausuferung erst einmal leisten muss. Die staatlichen Leistungen müssen, so der Leserbriefschreiber, kontrolliert und "[...] gedeckelt werden." (Die Krone 18. Dezember 2008, S. 34)

"Der Standard" zog einen internationalen Vergleich bezüglich der Absetzbarkeit von Spenden. Fokussiert wurde, welche Spenden in welchem Land von der Steuer absetzbar sind und wie viel der Einzelne davon profitiert. "Wer in Deutschland spendet, hilft immer auch sich selbst. Denn alle Spenden - ohne Gegenleistung - an gemeinnützige Vereine oder Kirchen können von der Steuer abgesetzt werden." Die Franzosen können sehr viel von der Steuer absetzen. "Nutznießer sind [...] Behinderte [...]." (vgl. ebd., S. 2)

Gudrun Ostermann, Autorin des"Standards", sprach in einem Interview davon, dass man eigentlich wegen der Sache spendet und nicht wegen der Absetzbarkeit. (vgl. Der Standard ‚Karrieren Standard' 20. / 21. Dezember 2008, S. K22) Ein Autor eines Leserbriefes war auch der Ansicht, dass der Staat weiterhin die soziale Verantwortung trägt und die Rechtsansprüche der sozial Schwachen gewahrt bleiben müssen. (Die Tiroler Tageszeitung 23. Dezember 2008, S. 31)

"Kosten & Nutzen-Rechnungen" außerhalb der Diskussion um die Spendenabsetzbarkeit

"Schon einmal, so Doppel, habe EU-Recht die ÖBB zu ‚kostspieligen Umbauten' verpflichtet: ‚In die Wiesel-Doppelstockzüge müssen aufgrund des Gleichbehandlungsrechts' jetzt Behinderten-WCs hinein." (Der Standard 23. Dezember 2008, S. 10). Die "kostspieligen" Umbauten wurden aufgrund des EU-Rechts durchgesetzt und meines Erachtens nicht aufgrund einer sich verändernden gesellschaftlichen Sichtweise. Diese Sichtweise beinhaltet, meiner Ansicht nach, nicht, dass die gesellschaftlichen Barrieren Menschen mit Behinderung "behindern" und nicht ihre Beeinträchtigung. Diese Aussage erkennt auch, meiner Meinung nach, den Menschen mit Behinderung nicht an, wenn hier von Behinderten-WCs gesprochen wird und nicht von WCs für Menschen mit Behinderung bzw. WCs für Bahnkunden mit Behinderung. (vgl. ebd., S. 10)

Im Artikel "Pflegegeld steigt bis zu 6 Prozent" wurde unter anderem beschrieben, dass der Kostenanteil bei Heilbehelfen von 26, 20 auf 26, 80 Euro steigt. Bei Kindern und Jugendlichen mit intensiver Behinderung wird ein höherer Pflegebedarf angenommen, was die Einstufung in eine höhere Pflegestufe zur Folge hat. (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 27. Dezember 2008, S. 2)

Im Falle des Extrembergsteigers Andy Holzer wurde explizit auf die Kosten für das Tandem, welches 3300 teuer war, für das Training und für die Expedition verwiesen. "Die Expedition wird ungefähr 80.000 Euro verschlingen." (Die Krone 18. Dezember 2008, S. 28) Wobei das Wort "verschlingen", doch sehr negativ konnotiert ist. Auch im Artikel "Behindert durch eine Impfung" ging es im Wesentlichen darum, wer die Behandlungskosten übernehmen sollte. (vgl. Die Krone 29. Dezember 2008, S. 18)

6.5.1.4 "Der ausschließende Blick"

Dieser Blick wurde in der Ausstellung "Der [im]perfekte Mensch" herausgearbeitet. Babys mit Behinderung sind z. B. in Ratgebern für werdende Mütter nicht vorhanden. (vgl. Schönwiese 2007b, S. 14 - 15)

Die ÖBB warb in der "KRONEN ZEITUNG" mit einem regionalen Busterminal, der gerade für blinde und sehbehinderte Menschen frei von Barrieren ist. (Die Krone 21. Dezember 2008, S. 16 - 17) Alle anderen Behinderungsformen wurden von der ÖBB nicht miteinbezogen. Die Identische Werbung der ÖBB war in der "Tiroler Tageszeitung" wiederzufinden. (Die Tiroler Tageszeitung 20. Dezember 2008, S. 7) Der "ausschließende Blick" war meines Erachtens auch Im Artikel des "STANDARDS" "Abschwung trifft auch soziales Werkstatt - Projekt" vorhanden. An diesem Projekt können "nur" Menschen mit einer Körper-, Sinnes- oder Lernbehinderung "[...] mit etwa ‚50 Prozent Restleistungsfähigkeit'" teilnehmen. (Der Standard 27. / 28 Dezember, S. 18) Dabei werden Menschen mit Behinderung ausgeschlossen, die diesem Prozentsatz nicht entsprechen. Der Verein BIZEPS nimmt dazu folgendermaßen Stellung: "Demgegenüber wird die Notwendigkeit der Benutzung eines Rollstuhles in den meisten Fällen mit einem Grad der Behinderung von 100 % einzuschätzen sein, an ihrem Schreibtisch ist die Buchhalterin dadurch aber in ihrer Leistung in keiner Weise eingeschränkt." (Verein BIZEPS. o. J., im INTERNET)

6.5.1.5 Behinderung als Leiden

In der Berichterstattung der "KroneN Zeitung" dominierte die Sichtweise, die Behinderung mit Leiden gleichgesetzte. "[...] Besserung des Leidens." (Die Krone 29. Dezember 2008, S. 18) "[...] leiden unter [...]" (Die Krone 16. Dezember 2008, S. 30) "[...] Leidensweg [...]" (Die Krone 27. Dezember 2008, o. S) "[...] wie viel hat es schon gelitten [...]" (Die Krone 15. Dezember 2008, S 10)

In dieser letzten Aussage kam meiner Ansicht nach nicht nur der Aspekt des Leidens zum Vorschein, sondern auch die Entmenschlichung von Menschen mit Behinderung. Mit "es" meinte M. S. in ihrer Kolumne einen vier Jahre alten Jungen mit einer körperlichen und intellektuellen Behinderung, der in einem Krankenhaus allein aufgefunden wurde. M. S. bezeichnete den Jungen fortlaufend mit "es".

PETER SINGER geht davon aus, dass es Menschen gibt, die bestimmte Kriterien für Personaliät nicht erfüllen. "Für Menschen, die nach SINGER die Kriterien eines Person-Seins nicht erfüllen, ist die ethnische Frage nach der Euthanasie zu stellen." Zur Zeit des Nationalsozialismus rechtfertigte man den "Gnadentod" mit dem Leid Betroffener. (vgl. Schönwiese 2006 / 07 b, S. 76 - 81)

M. S. hob den Aspekt des Leidens hervor und fragte sich, ob der Bub schon einmal gelächelt hat, ob er schon mal gestreichelt wurde und ob er überhaupt schon einmal eine schöne Geschichte erlebt hatte. Sie versuchte, sich selbst als "behindertenfreundlich" darzustellen, indem sie den Eltern zuschrieb, ihr Kind als "ein absolut unbrauchbares Kind" anzusehen und dies der Grund gewesen sein dürfte, weshalb sie ihn im Krankenhaus ausgesetzt hatten. Doch gleichzeitig bezeichnete sie den Jungen mit "es", betonte in einer sehr defizitorientierten Weise, dass das Kind nicht sprechen und nicht gehen kann, dass es "körperlich und geistig behindert" ist. Auch verfiel sie in einem Satz in eine sehr kindgerechte Sprache, bei der sie meines Erachtens, die intellektuelle Behinderung des Buben als Anlass nahm: "Aber fühlen kann das Kind bestimmt. Die Traurigkeit, dass der Mensch der MAMA bedeutet hat, nicht mehr da ist." (Die Krone 15. Dezember 2008, S 10) In der Aussage schwang, meiner Ansicht nach, ein gewisser Zweifel mit, ob das Kind fühlen kann. Ein Kriterium des Nichterfüllens des Person-Seins nach der Argumentation von PETER SINGER ist, das "schwer beeinträchtigte Menschen", kein Empfindungsvermögen haben. (vgl. Schönwiese 2006 / 07b, S. 77)

Ich denke, dass M. S. ihre ironisch wirkende Art zu schreiben, doch ganz ernst meinte. Dies konnte man meines Erachtens nach anhand folgender Zeilen ablesen: "Wer braucht so ein Kind? Wer nimmt jetzt dieses Kind? Wer nimmt dieses Kind in den Arm und in ein ZUHAUSE? Schwierig, sehr schwierig." Die Fragen mögen ironisch gemeint gewesen sein, doch die Aussage "schwierig, sehr schwierig" finde ich sehr authentisch und sehe sie als ihren ernsthaften Gedanken an.

Die "TIROLER TAGESZEITUNG" setzte in zwei Artikeln eine Behinderung mit Leiden gleich: "Tony Attwood ist seit über 25 Jahren klinischer Psychologe und hat mit mehr als 2500 Menschen, die an dem Asperger-Syndrom leiden, gearbeitet." (Die Tiroler Tageszeitung 22. Dezember 2008, S. 42) Im Rahmen der Diskussion um die Spendenabsetzbarkeit argumentierte dieser auch im Interesse der "Leidtragenden." (Die Tiroler Tageszeitung 23. Dezember 2008, S. 31)

6.5.1.6 Behinderung als Schicksal

FIRLINGER spricht sich dafür aus, dass Menschen mit Behinderung nicht auf eine abstrakte Leidvorstellung von Menschen ohne Behinderung reduziert werden und nicht als mediale "Schicksale" präsentiert werden dürfen. (Firlinger o.J., im INTERNET)

Die Darstellung von Behinderung als Schicksal kam in der Berichterstattung der "Kronen Zeitung" selten vor. "Das Schicksal Behinderung" war in der Berichterstattung "meist schwer" und die vom "Schicksal Getroffenen" ließen sich dennoch nicht unterkriegen und "meisterten ihr Schicksal mit bewundernswerter Kraft und Ausdauer".

  • Das "[...] Schicksal der Familie Ploner: Mutter und Vater müssen ihre schwerbehinderte Tochter (13) über die Stufen tragen [...]" (Die Krone 23. Dezember 2008, S 12 - 13)

  • "Drei Schicksale, hinter denen drei Menschen stehen, die sich nicht unterkriegen lassen [...]" (Die Krone 21. Dezember 2008, o. S.)

  • "Hier geht es um ein menschliches Schicksal [...]" (Die Krone 21. Dezember 2008, S 18)

  • "Wie sie mit bewundernswerter Kraft und Ausdauer das schwere Schicksal meistern." (Die Krone 21. Dezember 2008, S 18)

Aussagen, wie "das Schicksal schlug erbarmungslos zu", sind laut BÖS und KAUER vor allem in der Sportberichterstattung der Boulevardpresse zu finden. Die Schicksale rücken ins Zentrum der Berichterstattung und nicht die Informationen zum Behindertensport. Menschen mit Behinderung werden in dieser Form der Berichterstattung oft zum passiven Empfänger von Mildtätigkeit und Mitleid. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 23 f). Dies geschah, so finde ich, auch im Artikel "Tumor: Im Schicksal vereint" der "TIROLER TAGESZEITUNG", in dem beschrieben wurde, wie ein Mann nach einer Operation einen Rollstuhl nutzen musste. Ihm wurde in einer "harten Lektion des Lebens" (Die Tiroler Tageszeitung 22. Dezember 2008, S. 42) gezeigt, wie er sein Schicksal trotzdem meistern kann. Der ehemalige Skirennläufer fährt jetzt Monoski und mittlerweile "macht Skifahren genauso Spaß wie vorher." (ebd., S. 42) "Der bewundernde Blick", so SCHÖNWIESE, ist dadurch gekennzeichnet, dass Menschen mit Behinderung ihre Behinderung überwinden und irgendwelchen Leistungen und Rekorden nachjagen. (vgl. Schönwiese 2007b, S. 14 - 15) Diese Ansicht fließt meines Erachtens in der Berichterstattung über den ehemaligen Skirennläufer mit ein.

6.5.1.7 Fokussierung der Behinderung

"In erster Linie bin ich Mensch und erst viel später behindert." (Firlinger Jahr, S. 22) Menschen mit Behinderung sind gegen diese Reduzierung und Verallgemeinerung auf die Behinderung. (vgl. Firlinger Jahr, S. 22)

In vielen Artikeln der "KRONEN ZEITUNG" wurde die Behinderung ins Zentrum der Berichterstattung gerückt. "Blinder Bergsteiger will auf den Cho Oyu" lautet die Titelüberschrift eines Artikels. (vgl. Die Krone 18. Dezember 2008, S. 28) Eine andere Titelüberschrift lautete "Gelähmtes Kind kann wieder gehen." (vgl. Gesund. Ihr Magazin für praktische Lebenshilfe 16. Dezember 2008, S. 1) Die beiden Überschriften fokussieren schon im ersten Wort die Behinderung der beiden Personen und man könnte noch viele weitere Beispiel dafür anführen. Ähnlich war die Situation meiner Ansicht nach in Artikeln des "Standards": "Gelähmter Bub stand aus seinem Rollstuhl wieder auf." (Der Standard 16. Dezember 2008, S. 10) "Kaum Betreuung für Autisten" (Der Standard 18. Dezember 2008, S. 9)

6.5.1.8 Normal & anormal

SIMI LINTON weist darauf hin, dass die Begriffe normal und anormal problematisch sind, um Menschen mit Behinderung zu beschreiben. Diese Begriffe werden als absolute Kategorien zur Unterscheidung von Menschen mit und ohne Behinderung verwendet. Menschen mit Behinderung legitimieren den Status anormal im Zusammenhang mit ihrer Behinderung. (vgl. Linton 1998, S. 22 - 25)

Der Vergleich zwischen normal und anormal wurde in der Berichterstattung der "Kronen Zeitung" immer wieder ersichtlich. "Nach dem Kindergarten war klar, er würde nie eine normale Schule besuchen können." (Die Krone 29. Dezember 2008, S 18) Es wurde hierbei gleich der Schluss gezogen, dass bei Menschen mit einer intellektuellen Behinderung der Besuch einer Sonderschule die Konsequenz sein wird. Es wurde nicht auf eine integrative bzw. inklusive Schulausbildung hingewiesen. Es wurde auch der Aufenthalt im Behindertenheim und in der Behindertenwerkstätte nicht hinterfragt und andere Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung aufgezeigt.

In einem weiteren Artikel war zu lesen: "Sie können sich heute wieder völlig normal bewegen, bücken und gehen." (Die Krone 27. Dezember 2008, o. S.) Als anormal wurde hingegen die Nutzung eines Rollstuhls angesehen. (vgl. Die Krone 27. Dezember 2008, o. S) Die "TIROLER TAGESZEITUNG" zog den Vergleich zwischen normal und anormal folgendermaßen: "Nach der Operation wirst du wieder ganz normal laufen können', beruhigten die Ärzte den damals 13jährigen. Wenig später saß der Söller im Rollstuhl." (Die Tiroler Tageszeitung 30. Dezember 2008, S. 34) Des Weiteren stand im Artikel der "KRONEN ZEITUNG": "Nun ist es über ein Jahr her, dass ich wieder ein normales Leben führen darf, [...]" (Die Krone 27. Dezember 2008, o. S.)

Der Artikel "In Jogginghose mit weißen Streifen" arbeitete indirekt mit einer Gegenüberstellung von Normalität gegenüber einer Frau mit Behinderung. Der Frau mit einer Gehbehinderung wurde ein junger Mann in Jogginghose mit weißen Streifen und einem Tennisschläger in der Hand "gegenübergestellt". Die Frau ging so schnell sie konnte und er war jung, sportlich, weiß und männlich und erwies sich als Retter, der die Frau davor bewahrte, dass ihr Auto abgeschleppt wurde. (vgl. Die Krone 22. Dezember 2008, 13)

6.5.1.9 Infantilisierung von erwachsenen Menschen mit Behinderung

Theunissen verweist darauf, dass Selbsthilfeorganisationen die "Pädagogisierung" eines Lebens mit Behinderung im Erwachsenenalter und im Alter kritisieren. Dieser "Pädagogisierung" wird mangelndes Zutrauen, Infantilisierung, Fremdbestimmung, Verdinglichung, Respektlosigkeit und Verschleierung von Macht nachgesagt. (Theunissen 2007, S. 15)

In einem Artikel der "KRONEN ZEITUNG" wurde für eine "Disco für Jedermann" geworben. Als Discobesucher werden "[...] Behinderte, Kinder, Eltern, Freunde [...]" (Die Krone 22. Dezember 2008, S 19) genannt. Dies zeigt meiner Ansicht nach, dass erwachsene Menschen mit Behinderung als Kinder wahrgenommen werden, weil sie am Sonntagnachmittag von 16 bis 19 Uhr gemeinsam mit Kindern, Eltern und Freunden eine Disco besuchen und nicht abends in eine Disco ihrer Wahl, die nicht von der Lebenshilfe unterstützt wird, gehen sollen. (vgl. Die Krone 22. Dezember 2008, S 19) Der identische Artikel war in der TIROLER TAGESZEITUNG wiederzufinden. (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 19)

6.5.1.10 Bewundernder Blick, Superkrüppel

BÖS und KAUER weisen darauf hin, dass in der Sportberichterstattung die Behinderung in den Vordergrund gestellt wird. Sie werden als "Trotzdem-Athleten" bezeichnet: "trotz" ihrer Behinderung haben sie diese Leistungen erbracht. Es wird vom "zwanghaften Leistungswillen, um das Handikap psychisch zu kompensieren" oder vom "Triumph über die Behinderung" berichtet. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 15) Die besonderen Leistungen von Menschen mit Behinderung werden hervorgehoben, als ob Menschen mit Behinderung dadurch ihre Daseinsberechtigungen bewiesen hätten. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 23) Attraktiver für die Berichterstattung wird der Behindertensport in Zusammenhang mit Rekorden und sensationellen Höchstleistungen. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 24)

Andy Holzer bereitete sich, so die "KRONEN ZEITUNG", bereits auf seine nächste Expedition vor, d. h., er hat bereits trotz seiner Behinderung Leistung erbracht. Der Berg Cho Oyu war nicht weit vom Mount Everest entfernt, sprich er bestieg einen Berg, der in der Nähe des höchsten Berges der Welt lag. Seine Leistung wurde als außergewöhnlich und zugleich lebensgefährlich beschrieben. "Der Osttiroler Holzer will den ‚Riesen' dennoch in Angriff nehmen." (vgl. Die Krone 18. Dezember 2008, S. 28) Der Vergleich mit dem Berg als Riesen versinnbildlichte meiner Ansicht nach den Kampf zwischen dem "David" Holzer und dem "Goliath" Cho Oyu. (vgl. ebd., S. 28)

In einem Artikel der "Tiroler Tageszeitung" wurde vom RollRinn-Event berichtet, bei dem SkisportlerInnen mit und ohne Behinderung teilnehmen. "Durch diesen Vergleichswettkampf soll aufgezeigt werden, welche sportlichen Höchstleistungen Behindertensportler vollbringen." Dieser Event wird als Integrationsevent bezeichnet, der Menschen mit und ohne Behinderung zusammenführen soll. (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 27. Dezember 2008, S. 38) DANIEL SUCKERT berichtete in der "TIROLER TAGESZEITUNG" davon, dass die Elite im Kühtai zu Gast war. 160 SportlerInnen mit Behinderung "geizten nicht mit ihrem Können. Die Österreicher sorgten für Erfolge [...] konnten gewinnen [...] eroberten einen Sieg im Slalom und den zweiten Platz im Riesentorlauf [...] und [...] schafften mit Rang sieben und vier ebenso zwei Top-Ten-Erfolge." (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 23. Dezember 2008, S. 32) Ex-US-Präsident Reagan, so BIKLEN, bezeichnete die TeilnehmerInnen der "International Games for the Disabled" als "champions of the heart". (vgl. Biklen 1987, S. 82 - 84) Meiner Ansicht nach findet sich diese Sichtweise von Behinderung in folgendem Kommentar im Sportteil der "Tiroler Tageszeitung" wieder: "Jeder war ein Sieger! Bei den Special Olympics standen die Teilnehmer und nicht Punkte und Sekunden im Mittelpunkt." (Die Tiroler Tageszeitung. SporTTotal 19. Dezember 2008, o. S.)

Menschen mit Behinderung siegen über Traurigkeit, überwältigen physische Limits und Unfähigkeiten, zeigen Mut, Entschlossenheit und Willenskraft, so BIKLEN. "See what they can do" sind typische Formulierungen der BerichterstatterInnen. (vgl. Biklen 1987, S. 82 - 84) Einen ähnlichen "Triumph über die Behinderung" erreichte Andrea Bocelli. Bocelli "triumphierte in Neapel mit ‚Incanto' [...]", so die "KRONEN ZEITUNG". (Die Krone 28. Dezember 2008, S. 32) Er erhielt besonders bewundernde Worte des Lobes als "Tenor der Herzen", der bereits 55 Millionen Tonträger verkauft hat. Doch so eindeutig ließ sich dieser Artikel nicht als "Triumph über die Behinderung" einordnen, weil seine Behinderung mit keinem Wort erwähnt wurde.

Ich denke aber nicht, dass es sich hierbei um einen Artikel handelte, der die Blindheit des Sängers nicht als notwendiges Detail der Berichterstattung ansah und dies deshalb nicht erwähnte. Wenn dies der Fall gewesen wäre, könnte man von einem vorbildhaften Artikel sprechen. Es kann aber auch sein, dass das Wissen über die Blindheit von Bocelli so verbreitet ist, dass dies in diesem Artikel keiner weiteren Erläuterung bedurfte.

Ich argumentiere damit, dass dieser Artikel in die "bewundernde Sichtweise" von Behinderung gehört, weil:

  • Bocelli triumphierte in Neapel. Die Wortwahl ließ doch, wenn auch nur indirekt darauf schließen, dass er über seine Behinderung triumphierte;

  • bisher hat er 55 Millionen (Tonträger) geschafft: er hat Leistung erbracht, die bewundert wird;

  • Konzert der Sonderklasse: Behinderung ist häufig in Verbindung mit dem Wort sonder, besonders, sonderbar, Sonderschulen, etc. zu finden.

  • man hat für ihn besonders bewundernde Worte des Lobes gefunden: der "bewundernde Blick" auf Menschen mit Behinderung, die ihre Behinderung kompensiert und überwunden haben;

  • sensibler, begnadeter Interpret: Menschen die blind sind wird oft ein besonders sensibles Gehör und Gefühl zugeschrieben.

(vgl. Die Krone 28. Dezember 2008, S. 32)

Der "bewundernde Blick" ist auch im Leserbrief über Matthias Lanzinger zu erkennen, in dem seine schnelle Genesung als wirklich bewundernswert bezeichnet wurde. (vgl. Die Krone 17. Dezember 2008, S. 28) Auch eine weitere Frau berichtete darüber, wie sie alle ihre Schmerzen ganz ohne Medikamente besiegt hatte. "Sie fasste Mut und Willen, um ihr Leiden zu überwinden und ist somit knapp dem Rollstuhl entgangen und konnte wieder ein ‚normales‛ Leben führen." (vgl. Gesund. Ihr Magazin für praktische Lebenshilfe 22. Dezember 2008, S o. S:)

6.5.1.11 Die "Behinderung" als eines der vielen Merkmale der Person

BARNES fordert von den Medien, dass die Vielzahl an Rollen, die Menschen mit Behinderung einnehmen, wie z. B. jene als Liebhaber, Eltern, etc. in den Medien reflektiert werden. (vgl. Barnes 1992, S. 46) CLOERKES tritt dafür ein, dass Menschen mit Behinderung so dargestellt werden, dass man sich mit der Person, ungeachtet der Behinderung, identifizieren kann. Die Behinderung kann als eines von vielen Merkmalen der Person sachlich dargestellt werden. (vgl. Cloerkes 1997, S. 116 - 117)

FRANK HERRMANN berichtete im "STANDARD" über die Neubesetzung des US-Senates und nannte dabei unter anderem als Nachfolgerin "[...] Tammy Duckworth, eine Kriegsveteranin, die im Irak beide Beine verlor, und Jan Schakowsky, eine Kongressabgeordnete." (Der Standard 15. Dezember, o. S.) Ich bin der Ansicht, dass diese Darstellungsweise von Tammy Duckworth den LeserInnen ermöglicht, sich mit ihr zu identifizieren und sie in erster Linie als Person wahrzunehmen und die Behinderung als ein Merkmal ihrer Persönlichkeit anzusehen. Diskutieren könnte man darüber, ob das Detail, dass sie beide Beine verloren hat, für die Berichterstattung notwendig war oder nicht.

Eine andere "Rolle" als Filmemacher zeigte ein Artikel der "TIROLER TAGESZEITUNG" auf. "Die Kamera schweift, holpert, saust quer durch M. B.s Wohnung, nie steht sie still, jede Einstellung ist ein Schwenk oder eine Fahrt." (Die Tiroler Tageszeitung 27. Dezember 2008, S. 1) So warb der Artikel "Hochmobiler home.movie" in der "TIROLER TAGESZEITUNG" für das Filmprojekt von M. B. der an Multiple Sklerose erkrankt ist. (vgl. ebd., S. 1) Die Multiple Sklerose-Erkrankung ist meiner Ansicht nach ein Teil der Persönlichkeit von M. B. und wird in diesem Artikel als solches dargestellt.

6.5.1.12 Skandal und Behinderung

"Die Untersuchungskommission zu Missständen der Wiener Psychiatrie geht in die Endrunde." (Der Standard 18. Dezember 2008, S. 9). Bei der Veröffentlichung einer skandalösen Behandlung von Menschen mit Behinderung wird der Täter zum Mittelpunkt der negativen Darstellung, so SCHÖNWIESE. Diese Darstellungsweise ist deshalb in den Medien erfolgreich, weil sie die mögliche Mitschuld der Medienkonsumenten ausblendet. (vgl. Schönwiese 2007, S. 44) "DER STANDARD" berichtete von Missständen in der Psychiatrie. Betroffen davon waren dem Artikel zufolge Menschen mit Autismus. Als Zeugen zur Verhandlung wurden "mittlerweile gesunde Psychiatrie-Patienten" geladen. Somit wurde, meiner Ansicht nach, den "kranken" PatientInnen die Fähigkeit abgesprochen, sich zu den Missständen zu äußern. (vgl. Der Standard 18. Dezember 2008, S. 9)

6.5.1.13 "Der vernichtende Blick"

Der "vernichtende Blick" findet sich momentan in Gedanken der von Bioethikern geführten Euthanasie-Debatte, wissenschaftlich weiterentwickelt wieder: "Die realen Probleme der behinderten Menschen werden mit projektiven und vorurteilsbeladenen Vorstellung des ‚Leidens‛ von behinderten Menschen systematisch vertauscht. Das drückt sich z. B. so aus, dass geglaubt wird, man könne sich im Interesse von behinderten Kindern dafür entscheiden, sie zu töten." (Schönwiese 2006/07, S. 81)

Der Autor des "STANDARD"-Artikels "Rom, Schönborn und die teuflische Wissenschaft" vermittelte den LeserInnen, dass die katholische Kirche die moderne Biomedizin ablehnt und dies mit den Argumenten "ganz und gar verwerflich", "Mitwirkung am Bösen", etc. untermauert. Der Autor schrieb, dass die katholische Kirche die Präimplantationsdiagnostik als Ausdruck eugenischer Mentalität ansieht, die "niederträchtig und höchst verwerflich" ist. Der katholischen Kirche wurde die Vernunft abgesprochen und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die evangelische Kirche, das Judentum und der Islam die Reproduktionsmedizin befürworten. (vgl. Der Standard 19. Dezember 2008, S. 31)

Bei der Präimplantationsdiagnostik, kurz PID, stehen laut SYBYLLE VOLZ vor dem Beginn der Schwangerschaft mehrere künstlich befruchtete Embryonen für die Diagnostik zur Verfügung. Die Embryos werden auf genetische oder chromosomale Merkmale, die auf eine Krankheit oder Behinderung des zukünftigen Kindes schließen können, untersucht. Das Ziel der PID ist Selektion. Die Durchführung der PID wird Paaren vorgeschlagen, die Träger einer genetisch bedingten Krankheit bzw. Behinderung sind, um zu verhindern, dass die Krankheit bzw. Behinderung auf das Kind übertragen wird. "Die Technik der Präimplantationsdiagnostik ist (...) untrennbar mit den Fragen verbunden: was ist krank, was ist gesund, was ist behindert, was nicht, was sind minderwertige, was sind hochwertige Embryonen. (Geisler 2001, S. 16 zit. n. VOLZ 2003, im INTERNET). Bei der PID geht es um die Verhinderung der Existenz des Merkmalsträgers, so VOLZ.

"Die mit der Anwendung der PID [...] verbundenen Werturteile über Behinderungen stellen eine Diskriminierung derjenigen Menschen dar, die bereits mit denselben Merkmalen leben. Die genetischen Testverfahren sind Ausdruck der bestehenden Diskriminierung von Menschen mit Behinderung und der in diesem Zusammenhang existierenden diskriminierenden Einstellungen." (Volz 2003, im INTERNET)

Der Autor des Artikels kritisierte die katholischen Grundpositionen, fand dies bedauerlich und befürwortete die Biomedizin. Die Kritik der katholischen Kirche bezüglich der PID und der damit verbundenen eugenischen Mentalität nahm er nicht ernst. Der Autor des Artikels trat meines Erachtens für den biomedizinischen Fortschritt ein und stellte diese eugenische Mentalität der PID, wie sie von der katholischen Kirche bezeichnet wurde, in Abrede. Der Autor hat an der katholischen Kirche kritisiert, dass sie gegen eine Adoption von "überzähligen" Embryonen ist, hat aber nicht bemängelt, dass bei der PID Embryonen mit z. B. dem Merkmal Trisonomie 21 vernichtet werden. Liegt es vielleicht daran, dass es sich bei den Einen um gesunde und bei den Anderen um Embryonen mit dem Merkmal Trisonomie 21 handelt?

Deshalb bin ich der Ansicht, dass dieser Artikel den "vernichtenden Blick" von Behinderung widerspiegelt. Der Autor befürwortete die Reproduktionsmedizin, Stammzellenforschung, Präimplantationsdiagnostik, therapeutisches und reproduktives Klonen und die Erzeugung von Hybriden oder Zybriden. Abschließend anzumerken ist, dass die vehemente Kritik des Autors an der katholischen Kirche, meines Erachtens daher kommt, dass er selbst evangelischer Theologe ist. (vgl. Der Standard 19. Dezember 2008, S. 31)

6.5.1.13.1 Bildanalyse zum beigefügten Bild des Artikels "Rom, Schönborn und die teuflische Wissenschaft"

"Reproduktionsmedizin gilt der katholischen Amtskirche als ‚Mitwirkung am Bösen' - Foto aus: ‚Der Exorzist'.", dies war unterhalb des Bildes zu lesen. Meiner Ansicht nach verstärkt dieses Bild die Botschaft des Autors, dass die katholische Kirche die Reproduktionsmedizin als "teuflische Wissenschaft" ansieht.

Abb. 12 Der Standard 19. Dezember 2008, S. 31

6.5.1.13.2 Kritischer Blick in Bezug auf die NS-Euthanasie

"Der Standard" beschäftigte sich aber auch, so finde ich, in den zwei Artikeln "Kein Euthanasiegedenken am Soldatengrab warnen Veteranen" und "Es fehlt das klare Zeichen, dass das Unrechtsurteile waren" kritisch mit dem Thema Euthanasie. Im ersteren Artikel wurde das Buch "Nationalsozialismus im Bregenzerwald" von Andreas Hammerer, Wolfgang Weber und Kurt Bereuter vorgestellt. Dieses Buch dokumentiert Schulprojekte zum Thema NS-Euthanasie und umfassende Daten zum Nationalsozialismus im Bregenzerwald. Der Historiker Wolfgang Weber räumte mit der Ausrede auf, dass der Nationalsozialismus "von außen" gekommen war.

"So war die Basis für das Funktionieren der Mordprogromme an Behinderten die Mitarbeit der Ärzte. Die Hälfte aller Vorarlberger Ärzte war Parteimitglieder, im Bregenzerwald gehörte nur einer der Gemeindeärzte nicht der Partei an. 118 Menschen aus der Region wurden wegen ihrer Behinderung oder Krankheit ermordet." (Der Standard 16. Dezember 2008, S. 10)

Der Artikel berichtete davon, dass nun Gedenkstätten errichtet werden sollten. Dabei konnte die jeweilige Gemeinde selbst entscheiden, ob sie neue Gedenktafeln anbringt oder die Kriegerdenkmäler dazu nutzen möchte, so Anton Wirth, Obmann der Regionalplanungsgemeinschaft. Der Kameradschaftsbund äußerte sich dazu folgendermaßen: "Hände weg vom Soldatengrab und Kriegerdenkmal!" (vgl. ebd., S. 10) Anton Wirth würde persönlich auch nicht die Kriegerdenkmäler "angreifen". Der Kameradschaftsbund wurde zur Mitarbeit eingeladen und ideologische Unstimmigkeiten befürchtete er nicht. (vgl. ebd., S.10)

Der Artikel war meiner Meinung nach kritisch in Bezug auf die Vergangenheit der NS-Euthanasie. Es wurden die Nazi-Täter im eignen Land, unter ihnen die Mehrzahl aller ÄrztInnen, aufgezeigt. Kritisch würde ich an diesem Artikel sehen, dass Menschen mit Behinderung nicht zur Mitarbeit an diesem Projekt eingeladen wurden, damit sie sich dazu äußern könnten, welche Form der Erinnerungskultur sie bevorzugen würden. Die Sicht des Kameradschaftsbundes empfinde ich als ein Akzeptieren des Erinnerns und Gedenkens an die NS-Euthanasie, aber nicht in Zusammenhang mit den Kriegerdenkmälern. Separates Erinnern ja, inklusives nein. (vgl. ebd., S. 10)

Differenziert mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigte sich auch der Artikel von Peter Mayr, denn er verwies in seinem Artikel auf die Forderung der Grünen, die für ein NS-Aufhebungsgesetz plädierten, denn es sind noch immer nicht alle NS-Justizopfer rehabilitiert. Peter Mayr verweist darauf, dass mindestens 400.000 Männer und Frauen zwischen 1934 und 1945 zwangssterilisiert wurden. Kritisch merkte er auch an, dass es nach 1945 weder eine öffentliche Entschuldigung noch eine symbolische Wiedergutmachung gab. Ihm fehlte das Zeichen, dass es sich hier um Unrechtsurteile handelte. (vgl. Der Standard 20. / 21. Dezember 2008, S. 6) Interessant bei diesem Artikel war, dass Menschen mit Behinderung als "Opfer" der Zwangssterilisation nicht genannt wurden. Stattdessen wurde als Beispiel eines exemplarischen Urteils für Zwangssterilisation eine einundzwanzigjährige Frau, die die Nazis der Geheimprostitution verdächtigten, ausgewählt. (vgl. ebd., S. 6)

6.5.1.14 "Der eigene Blick"

Franz Joseph Huainigg ermöglichte den LeserInnen des "STANDARDS" mit seiner Stellungnahme zur Aktion "Licht ins Dunkel" und der Vorstellung der Aktion "Nicht ins Dunkel" eine kritische Betrachtung der Spendenaktion. Zudem sollte man den Blick von Menschen mit Behinderung erkennen. Die einleitenden Worte des Artikels waren: "Gut gemeint ist ‚Licht ins Dunkel‛ gewiss, aber auch gut gemacht? Behinderte fühlen sich vorgeführt und fordern Teilhabe statt Almosen, Motto: ‚Nicht ins Dunkel‛." Es wurde die Rührseligkeit, mit der "Licht ins Dunkel" arbeitet, kritisiert. Außerdem prangerte der ÖVP-Abgeordnete zum Nationalrat die fehlende Mitarbeit von Menschen mit Behinderung von Anfang an. Selbstbestimmung, Normalisierung, Integration und Partizipation haben keinen Eingang in die Aktion "Licht ins Dunkel" gefunden, so HUAINIGG. Die Opferklischees mit denen die Aktion arbeitet, ist ebenso wie die fehlende reale Darstellung der Lebenswelten von Menschen mit Behinderung kritisiert worden. Huainigg forderte Arbeitsplätze und Lehrstellen, anstatt überdimensionaler Firmenschecks. Menschen mit Behinderung sollen nicht Almosenempfänger, sondern gleichberechtigte Mitglieder unserer Gesellschaft sein. (vgl. Der Standard 24. / 25. / 26. Dezember 2008, S. 35)

6.5.1.15 Behinderung & Sensation

Menschen mit Behinderung werden laut MÜRNER oft auf das Merkmal Behinderung reduziert, das zur selben Zeit verunsichert und fasziniert. Menschen mit Behinderung sind von zentraler Bedeutung, wenn Aufsehenerregendes, Besonderes und Bizarres präsentiert wird. (vgl. Mürner 2003, S. 12 - 13) Dies war meiner Ansicht nach auch in folgendem Artikel der "TIROLER TAGESZEITUNG" der Fall:

"Es wurde an der Uniklinik Graz von einem ‚unglaublichen Krankheitsverlauf‛ gesprochen, als ein Junge mit Querschnittlähmung nach einer Entfernung einer Zyste im Rückenmark wieder gehen konnte. Trotz der perfekten Operation war dieses postoperative Ergebnis in diesem Ausmaß nicht vorhersehbar und ist tatsächlich eine Sensation." (Die Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 12)

6.5.1.16 Elend Behinderung

M. S. schrieb, dass bei einem zweckorientierteren Arbeiten mancher Hilfsorganisation man "[...] viele, viele Menschen aus dem Elend retten" (Die Krone 16. Dezember 2008, S. 17) kann. STANDFORT beschreibt diese Sichtweise von Behinderung, als das "Elend Behinderung". Dabei wird dem Leser vermittelt, dass dieser an dieser Situation nichts ändern kann und dabei wird die eigene Lebenslage erträglicher. (vgl. Standfort 1982, S. 208 - 210) Diese Sichtweise spiegelte meiner Ansicht nach die Aussage von M. S. wieder, in der sie erstens wortwörtlich vom Elend sprach und die Verantwortung für eine Änderung der Situation in die Hände der Hilfsorganisationen legte. CLOERKES, so SCHÖNWIESE, geht davon aus, dass der Mensch nach Gleichgewichtszuständen strebt und dass alles Fremde und Andersartige tendenziell gemieden wird. Die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung kann zu Dissonanzen führen und z. B. Spenden für Menschen mit Behinderung. Spenden erleichtern diese Spannungen im Vergleich zum direkten Kontakt. (vgl. Schönwiese 2006 / 07, S. 21)

6.5.2. Sprachliche Konstruktionen der drei Tageszeitungen im Dezember 2008

FIRLINGER äußert sich folgendermaßen: "In erster Linie bin ich Mensch und erst viel später behindert." (Firlinger Jahr, S. 22) Sie ist gegen eine Reduzierung und Verallgemeinerung auf die Behinderung. (vgl. Firlinger Jahr, S. 22) Folgende Terminologien, die Behinderung fokussieren, waren, meiner Ansicht nach, im "Standard", in der "Krone" und in der "Tiroler Tageszeitung" wiederzufinden:

STANDARD

KRONE

TIROLER TAGESZEITUNG

Behinderte (Der Standard 15. Dezember 2008, S. 2)

 

Behinderte (Die Tiroler Tageszeitung 30. Dezember 2008, S.4), (Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, 18. Dezember 2008, S. 4), (Die Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 22)

Behinderte Menschen (vgl. Der Standard 24. / 25. / 26. Dezember 2008, S. 35)

 

Behinderte Menschen (Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, 18. Dezember 2008, S. 2), (ebd., S. 3), (ebd., S. 4)

   

Behinderte Person (Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, 18. Dezember 2008, S. 3)

   

Behinderte Arbeitskräften (Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, 18. Dezember 2008, S. 3)

   

Behinderte Mitarbeiter (Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, 18. Dezember 2008, S. 3), (ebd., S. 4), Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Behinderung (ebd., S. 4),

   

Behindertenskirennläufer H. E. (Die Tiroler Tageszeitung 30. Dezember 2008, S. 34)

   

Behindertensportler (Die Tiroler Tageszeitung 23. Dezember 2008, S. 32)

Gelähmter Bub (Der Standard 16. Dezember 2008, S. 10)

Gelähmtes Kind (vgl. Die Krone 16. Dezember 2008, S. 1)

Querschnittsgelähmtes Kind (Die Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 12)

Querschnittgelähmter Bub (Der Standard 16. Dezember 2008, S. 10)

   

Behinderte Kinder (Der Standard 20. / 21. Dezember 2008, S. 10)

Behindertes Kind (vgl. Die Krone 21. Dezember 2008, S. 18), (vgl. Die Krone 23. Dezember 2008, S. 12)

Behinderte Kinder (Tiroler Tageszeitung SporTTotal 19. Dezember 2008, S.9)

Der Blinde (Der Standard 27. / 28. Dezember 2008, o. S.)

Blinde und sehbehinderte Menschen (vgl. Die Krone 17. Dezember 2008, S. 17)

Blinde und sehbehinderte Menschen (Die Tiroler Tageszeitung 20. Dezember 2008, S.7)

 

Blinder Bergsteiger bzw. blinder Extrembergsteiger (vgl. Die Krone 18. Dezember 2008, S. 28)

 
 

Sehbehinderte Damen (Die Tiroler Tageszeitung 23. Dezember 2008, S. 32)

 
   

Unterschenkelamputierter ÖSV-Skirennläufer Matthias Lanzinger (Die Tiroler Tageszeitung 23. Dezember 2008, S. 31)

 

"Mein Kind ist Autist" (vgl. Die Krone 16. Dezember 2008, S. 15)

 

Schwerbehinderte Kinder (Der Standard 31. Dezember / 1. Jänner 2008, S. 2)

Schwerbehinderte Tochter (vgl. Die Krone 23. Dezember 2008, S. 12 - 13),

Schwerbehinderte Kinder und Jugendliche (Die Tiroler Tageszeitung 27. Dezember 2008, S. 2)

   

Jugendliche mit schweren Behinderungen (Die Tiroler Tageszeitung 27. Dezember 2008, S. 2)

   

Jugendliche und Erwachsene mit zum Teil schwersten Mehrfachbehinderungen (Die Tiroler Tageszeitung 22. Dezember 2008, S. 22)

 

Gehbehinderte Dame (vgl. (vgl. Die Krone 22. Dezember 2008, S. 13)

 
   

Rollstuhlfahrer (Die Tiroler Tageszeitung 29. Dezember 2008, S. 12)

Betroffenen (vgl. ebd., S. 35)

Betroffene Moderatoren (vgl. ebd., S. 35)

 

Betroffene (Die Tiroler Tageszeitung 22. Dezember 2008, S.42), (Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, 18. Dezember 2008, S. 4)

Gehörlose Arbeiter (Der Standard 27. / 28. Dezember 2008, S. 18)

Schlecht hörende Menschen (vgl. Die Krone 16. Dezember 2008, S. 30)

Taube (Die Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 14 -15)

   

Hochgradig schwerhörige oder taube Personen (Die Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 14 - 15)

BARNES kritisiert die Terminologie "people with disability". BARNES meint, Menschen haben Beeinträchtigungen, aber keine Behinderungen. Dass der Begriff "people" vor "disablity" steht, muss positiv gewürdigt werden, denn Individuen mit Beeinträchtigung sind Menschen, was historisch gesehen verneint worden ist. (vgl. Barnes 1992, S. 43)

Folgendes Beispiel war dazu im "Standard" zu finden:

  • Menschen mit Behinderung (Der Standard 27. / 28. Dezember 2008, S. 18)

In der "TIROLER TAGESZEITUNG" konnte man dazu unter anderem jene sprachlichen Konstruktionen wieder finden:

  • Menschen mit und ohne Behinderung (Die Tiroler Tageszeitung 20. Dezember 2008, S. 5), (Die Tiroler Tageszeitung 27. Dezember 2008, S. 38)

  • Sportler mit und ohne Behinderung (Die Tiroler Tageszeitung 27. Dezember 2008, S. 38)

  • Kinder mit Entwicklungsproblemen (Die Tiroler Tageszeitung 22. Dezember 2008, S. 21)

Und folgendes Beispiel in der "KRONEN ZEITUNG":

  • Kinder mit Lern- und Konzentrationsstörungen (vgl. Die Krone 15. Dezember 2008, S. 9)

Simi LinTon stellte fest, dass die Sprache Menschen mit Behinderung in passive Rollen drängen kann. (vgl. Linton 1998, S. 25 - 28) Wörter und Phrasen, die Menschen mit Behinderung als abhängig, erbärmlich oder unfähig am Gemeinschaftsleben teilzunehmen, charakterisieren, sollen, laut BARNES, nicht verwendet werden. (Barnes 1992, S. 43) Folgende Terminologien. die im "Standard" und in der "TIROLER TAGESZEITUNG" verwendet wurden, drängten meiner Ansicht nach Menschen mit Behinderung klar in die passive Rolle der Hilfsbedürftigkeit:

  • Hilfsbedürftige Menschen (Der Standard 20. / 21. Dezember 2008, K. 22)

  • Hilfsbedürftige (Der Standard 15. Dezember 2008, S. 24)

  • Wehrloser (Die Tiroler Tageszeitung 29. Dezember 2008, S. 12).

Die Begriffe "physically challenged", "the able disabled", "handicapable" und "special people / children" werden nicht von Aktivisten der Behindertenbewegung benutzt, so LINTON. Damit möchte man den "Wert" von Menschen mit Behinderung steigern. Man glaubt diese Begriffe sind positiv. In Wörterbüchern wird "special" übersetzt, als etwas das das Normale übertrifft. "Special" bedeutet etwas anders zu sein. (vgl. Linton 1998, S. 14 - 16) Folgendes Beispiel dazu war in der "TIROLER TAGESZEITUNG" zu finden.

  • Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen und sonderpädagogischem Förderbedarf (Die Tiroler Tageszeitung 20. Dezember 2008, S. 15)

Die Bezeichnung von Menschen mit Behinderung war, meines Erachtens, in der "Kronen Zeitung" fast ausschließlich negativ. Der Fokus bei der Benennung von Menschen mit Behinderung lag fast immer auf der Behinderung: die Benennung "schwerbehinderte Tochter" war sehr defizitorientiert, wobei die Steigerung auf "schwerstbehindertes Kind" (vgl. Die Krone 21. Dezember 2008, S. 18), dies noch im negativen Sinne übertraf. Auch die "TIROLER TAGESZEITUNG" und "DER STANDARD" verwendeten Begrifflichkeiten, wie "schwerbehinderte Kinder" (Der Standard 31. Dezember / 1. Jänner 2008, S. 2) und "Jugendliche und Erwachsene mit zum Teil schwersten Mehrfachbehinderungen" (Die Tiroler Tageszeitung 22. Dezember 2008, S. 22), sprachen aber gleichzeitig tendenziell häufiger von Menschen mit Behinderung. (Der Standard 27. / 28. Dezember 2008, S. 18), (Die Tiroler Tageszeitung 20. Dezember 2008, S.5), (Die Tiroler Tageszeitung 27. Dezember 2008, S. 38), usw. Die "Kronen Zeitung" reduzierte Menschen mit einer Behinderung auf das Behindert-Sein durch die Bezeichnung "behindert" (vgl. Die Krone 29. Dezember 2008, S. 18) und "Behinderte". (vgl. Die Krone 22. Dezember 2008, S. 19) Die "Kronen Zeitung" verwendete Begriffe, wie "geistig [...] behindert". (vgl. Die Krone 15. Dezember 2008, S. 8) Dies war ebenso in der "TIROLER TAGESZEITUNG" der Fall. (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 12) "Betroffene" bezeichnen sich heute als Menschen mit Lernschwierigkeit oder als Menschen mit Lernschwäche, so FIRLINGER. (Firlinger Jahr, S. 29 - 30)

Die medizinische Sichtweise von Behinderung durch die "KRONEN ZEITUNG" ließ sich, meiner Ansicht nach, in der Terminologie der "kleine Patient" erkennen, auch wenn diese nur einmal den Weg in den Druck fand. (vgl. Die Krone 15. Dezember 2008, S. 8) Auch die Terminologie "knapp dem Rollstuhl entgangen" (vgl. Gesund. Ihr Magazin für praktische Lebenshilfe, am 22. Dezember 2008, S o. S) verleiht dem Rollstuhl und dem Nutzen eines Rollstuhls etwas sehr Negatives. "Wheelchairs empower rather than confine - they are mobility aid just like a pair of shoes." (Barnes 1992, S. 43)

Die medizinische Sichtweise von Behinderung war meiner Ansicht nach auch in den Terminologien der "TIROLER TAGESZEITUNG" zu erkennen, wenn von "Leidtragenden" (Die Tiroler Tageszeitung 23. Dezember 2008, S. 28) berichtet wurde. SCHRAMME beschreibt die medizinische Sichtweise als jene Annahme, die das Behindert-Sein als schrecklich und leidvoll ansieht. (vgl. Schramme 2003, S. 53) Spezifisch für die "TIROLER TAGESZEITUNG" waren auch Begrifflichkeiten, wie "begünstigte behinderte Personen" (ebd., S. 2), "begünstigte Behinderte" (ebd., S. 2), (ebd., S. 3) und "sogenannte begünstigte Behinderte." (ebd., S. 2)

6.5.3. Bildanalyse der drei Tageszeitungen im Dezember 2008

Jene Bilder, die Menschen mit Behinderung abbildeten oder durch ihre Aussagekraft von großer Bedeutung waren, wurden von mir zur Bildanalyse herangezogen. Nicht verwendet habe ich jene Bilder, die z. B. in Zusammenhang mit der Diskussion um die Spendenabsetzbarkeit PolitikerInnen darstellten.

6.5.3.1 "Der transformatorische Blick"

Schönwiese möchte in einer Analyse der Darstellungen nicht nur manifeste Inhalte erklären, sondern latente Inhalte durch die Analyse herausfinden, indem man nach dem tieferen Sinn und der Struktur von Darstellungen sucht.

6.5.3.2 Die Triade und das Zwischen

"Der transformatorische Blick ist dadurch charakterisiert, dass behinderte Personen als Zwischenwesen gesehen werden, die Identität nur darüber erhalten, dass sie für bestimmte (alltags-)kulturelle Zweck zur Verfügung zu stehen. Der medialen Inszenierung des Zwischen ist besondere Aufmerksamkeit zu widmen." (ebd., S. 60)

Zwischenobjekte der medialen Inszenierung sind z. B. der Rollstuhl, das Lächeln, die Pflanze und die Abdeckung beim behinderten Mann. Durch diese mediale Inszenierung treten der Betrachter und die Personalität der Person in den Hintergrund und übrig bleibt die Inszenierung, das Medium, das Ritual, der Mythos Behinderung. Dies wird wiederum inhaltlich z. B. über die Vorstellung der Notwendigkeit von Heilung, Legitimierung von Distanz, Verarbeitung von Angst, religiöse Motive (Gott nahe) oder eugenische Motive (Pflanzen nahe) symbolisiert.

Schönwiese geht davon aus, dass mit Hilfe des transformatorischen Blicks die gesellschaftliche Inszenierung analysiert werden kann. Die Kategoriesysteme, wie zum Beispiel "der mitleidige Blick", "der vernichtende Blick", "der medizinische Blick", etc. sind als Analysehilfen bedeutsam.

Ideal wäre es, wenn sich Menschen mit Behinderung selbst medial präsentieren könnten. Durch die Darstellung der Person kann ein Dialog zwischen Betrachter und Beobachtetem stattfinden und dies die Behinderung sozial relativieren. Selbstdarstellungen von Menschen mit Behinderung, die geeignet sind, den transformatorischen Blick zu durchbrechen, findet man vereinzelt in den traditionellen Medien wieder. (vgl. Schönwiese 2007a, S. 43 - 65)

6.5.3.3 "Der instrumentalisierende Blick"

Abb. 13. Die Krone 29. Dezember 2008, S. 18)

"Eine Impfung eines kleinen Buben soll schuld an seiner schweren Erkrankung und Behinderung sein", so lautete die Bildunterschrift. (vgl. Die Krone 17. Dezember 2008, S. 28) Blicke des Mitleids und der Abschreckung werden laut SCHÖNWIESE inszeniert, um z. B. auf die Wichtigkeit von Impfungen hinzuweisen. (vgl. Schönwiese 2007b, S. 14 - 15) In diesem Fall wurde, meiner Ansicht nach, auch auf die Gefährlichkeit einer Impfung hingewiesen und ein Bild der Abschreckung kreiert. Auf dem Bild ist ein Baby zu erkennen, welches die Zunge aus dem Mund herausstreckt. Es liegt auf einem blauen Handtuch und der Bildhintergrund ist ebenso in Blau gehalten. Dies unterstreicht die Tatsache, dass es sich um einen Jungen handelt. Die Schulter des Kindes wurde gerade, so scheint es, desinfiziert. Die Schulter wurde deshalb desinfiziert, weil, so wie man deutlich erkennen konnte, auf der rechten Seite des Bildes, zwei Hände eine Spritze hielten. Die weißen Ärmel, die zu erkennen waren, ließen darauf schließen, dass es sich hier um medizinisches Personal, wahrscheinlich um einen Arzt / eine Ärztin handelte. Der Junge lehnte sich jedoch in die andere Richtung, als in die wo die Spritze hinzeigte. Dies wurde zusätzlich durch die herausgestreckte Zunge symbolisiert. Wenn er sich nicht auf diese Impfung einlassen würde, wusste er um die Gefahr, dass er durch sie eine "schwere Erkrankung und Behinderung" bekommen könnte. Interessant fand ich bei diesem Bild, dass bei Berücksichtigung der bisherigen Berichterstattung, medizinisches Personal, Ärzte, Therapeuten und Pharmazeuten bislang in Zusammenhang mit Heilung, Therapie und Rehabilitation bedeutend und anerkannt waren. Hier aber davor gewarnt wurde, dass eine Impfung eine Behinderung nach sich ziehen kann. (vgl. Die Krone 17. Dezember 2008, S. 28)

Deshalb konnte man nur durch die Hände und die weißen Ärmel auf einen Arzt schließen. Dieses Bild steht im Gegensatz zu jenem Bild, in dem ein Pharmazeut für die fehlerlose Entwicklung eines Neugeborenen warb; in ihm wurde der akademische Grad, der Beruf und der Name des Apothekers genannt. (vgl. Gesund. Ihr Magazin für praktische Lebenshilfe, 20. Dezember 2008, S. 5)

Abb. 14. Die Krone. Gesund. Ihr Magazin für praktische Lebenshilfe., S. 5)

6.5.3.4 Elend Behinderung

Abb. 15. Die Tiroler Tageszeitung 15. Dezember 2008, S. 13

Abb. 16. Die Krone 15. Dezember 2008, S. 8)

STANDFORT beschreibt diese Sichtweise von Behinderung als das "Elend Behinderung". Dabei wird dem Leser vermittelt, dass dieser an dieser Situation nichts ändern kann und dabei wird die eigene Lebenslage erträglicher. (vgl. Standfort 1982, S. 208 - 210) In der "TIROLER TAGESZEITUNG" stand zu folgendem Bild im dazugehörigen Artikel geschrieben:

"Der etwa vier Jahre alte Bub asiatischer Herkunft ist geistig und körperlich behindert. [...] Der Bub, der weder selbstständig stehen noch sprechen kann, war am Freitag im Lift des Hauses ‚M' auf dem Rücken liegend gefunden worden. [...] Er ist 100cm groß und stämmig, hat dunkles, kurzes Harr und einen auffallend flachen Hinterkopf." (Die Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 12)

"Ohne seine Mama: das kleine Findelkind" stand unterhalb des Bildes geschrieben. Der Junge blickte traurig ins Leere, seine Mundwinkel waren gesenkt. Er sah nachdenklich aus. Als wären seine Gedanken an einem anderen Ort, fernab der Gitterstäbe, die sein Bett umgaben. Die Gitterstäbe verstärkten das Bild der Einsam- und Traurigkeit. Das Spielzeug auf seinem Schoß schien sein Interesse nicht geweckt zu haben. Der dazugehörige Artikel betonte die Behinderung des Jungen aus einer sehr defizitorientierten Sichtweise, das Bild vermittelte meines Erachtens die Traurigkeit eines Buben, der vermeintlich von seiner Mutter ausgesetzt wurde. (vgl. Die Krone 15. Dezember 2008, S. 8)

6.5.3.5 "Der mitleidige Blick"

"Der mitleidige Blick" nach der Ausstellung "Der [im]perfekte Mensch" ist ein vertrauter Blick, der mittels Spendenaktionen Distanz schafft. (vgl. Schönwiese 2007b, S. 14 - 15) Wohltätigkeit fördert Bedauernswertigkeit und ermöglicht Menschen ohne Behinderung, großzügig zu sein. (vgl. Barnes 1992, S. 15) Menschen mit Behinderung brauchen manchmal Hilfe, die "Aktion Sorgenkind" vermittelt jedoch z. B. die Vorstellung vom "hilflosen" Menschen mit Behinderung, der auf die "guten Taten" von Menschen ohne Behinderung angewiesen ist. Alle anderen Eigenschaften von Menschen mit Behinderung werden ausgeklammert (vgl. Heiler 1982, S. 17) Huainigg fordert Gleichstellung statt Almosen, Selbstbestimmung statt Fürsorge und Integration statt Mitleid und eine Neuausrichtung der Medienkampagne.

"Jeder Euro bringt Licht ins Dunkel", war auf einer Werbung im "STANDARD" für die Aktion "Licht ins Dunkel" zu lesen. (vgl. Der Standard 29. Dezember 2008, S. 5) Diese Aussage vermittelt, meiner Ansicht nach, die Bedauernswertigkeit von Menschen mit Behinderung und ermöglicht es Menschen ohne Behinderung, großzügig zu sein, so wie BARNES dies erläutert hat. (vgl. Barnes 1992, S. 15) Es teilt, so wie Heiler festgestellt hat, dass Menschen mit Behinderung auf "gute Taten" angewiesen sind, mit. (vgl. Heiler 1982, S. 17)

Diese Vorstellung des "hilflosen" Menschen vermittelt meiner Ansicht nach die Werbung der Caritas, in dem dort zu lesen ist: "Ohne ihre Hilfe sind wir hilflos". Sowie mit der Botschaft, dass Spender "Glücksengel" sind. (vgl. Der Standard 20. / 21 Dezember 2008, K12)

Abb. 18. Der Standard 20./ 21. Dezember 2008, K12

6.5.3.6 Exotische Darstellung

Die visuelle exotische Darstellung von Menschen mit Behinderung wirkt laut GARLAND-THOMSON fremd, entfernt, distanziert, oft sensationell, erotisierend oder unterhaltend in ihrer Differenz zur "Normalität". Kuriosität oder Objektivität kennzeichnen die Darstellung. (vgl. Garland-Thomson 2005, o. S. )

Abb. 19. Der Standard 30. Dezember 2008, S. 12

Ich bin der Ansicht, dass dieses Bild des Filmemachers Rob Spence und der dazugehörige Artikel "Im Auge des Filmemachers" eine exotische Darstellung ist, wie sie GARLAND-THOMSON erläutert hat. Rob Spence möchte seine Augenprothese durch eine Drahtloskamera ersetzen. (vgl. Der Standard 30. Dezember 2008, S. 12)

Für den Leser / die Leserin ist dies meiner Ansicht nach fremd, entfernt und doch unterhaltend. Ich denke dieses Bild ist kurios und sensationell. Im Vordergrund ist die Augenprothese zu erkennen, die Rob Spence offensichtlich in seiner Hand hält und daneben liegt ein schwarzes kleines Ding, dass ich als technisches Hilfsmittel für das Funktionieren der Drahtloskamera im Auge ansehe. Die Augenpartie seines Gesichtes erkennt man schlecht, seine Augen liegen im Dunklen und deshalb scheint es so, als hätte er ein Auge geöffnet und das andere geschlossen. Diese kaum zu erkennende Augenpartie könnte meines Erachtens auch die Funktion erfüllen, dass fehlende Auge nicht erkennbar zu machen. Im dazugehörigen Artikel wird davon gesprochen, dass die Perspektive, mit der Spence seine Beobachtungen aufnehmen wird können, bisher einzigartig ist. (vgl. ebd., S. 12) Ich bin der Ansicht, dass hier die Verbindung zu etwas Sensationellem, einer Kuriosität, hergestellt wird; genauso wie GARLAND-THOMSON die exotische Darstellung kennzeichnet. (vgl. Garland-Thomson 2005, o. S.)

Der Artikel ließ mich auch sofort an die Cyborgisierung des Menschen denken. THOMAS ZOGLAUER erläutert im Artikel "Der Mensch als Cyborg" die philosophischen Probleme dieser Entwicklung. "Ein uralter Traum des Menschen ist es, seinen Körper zu verbessern, zu vervollkommnen und vorhandene Mängel zu kompensieren, um ihn auf diese Weise von seinen biologischen Unzulänglichkeiten zu befreien, die ihm von Natur aus gegeben sind." (Zoglauer 2003, im INTERNET) Die Neurobionik wird laut ZOGLAUER bei der Therapie von Krankheiten und Behinderungen eingesetzt. Innenohr-Hörprothesen oder Cochlea-Implantate ermöglichen es Menschen mit Gehörlosigkeit, die auf eine so genannte "Innenohr-Taubheit" zurückzuführen ist, die wichtigsten Alltagsgeräusche nach einem intensiven Training zu unterscheiden und ein deutlich artikuliertes Gespräch zu verstehen. Das Einsatzgebiet, so ZOGLAUER, lässt sich beliebig erweitern und so arbeitet man zurzeit an Retina-Implantaten, die die Funktion der Netzhaut von Menschen die blind sind übernehmen sollen. Denkbar wäre auch bei Menschen, deren Sehnerv geschädigt ist, die optische Information direkt ins Hirn zu senden. Dadurch könnte man die Sehfähigkeit nicht nur wieder herstellen, sondern auch verbessern. ZOGLAUER kritisiert zwar die Austauschbarkeit und Ersetzbarkeit, dass das materialistische Menschenbild im Zuge des technischen Fortschritts mit sich bringt, führt aber gleichzeitig an, dass "Parkinson-Patienten, Blinde, Taube und Gelähmte", dass Recht auf Selbstbestimmung hätten, ihre verlorengegangenen Fähigkeiten wiederzuerlangen und ein unbehindertes Leben führen zu können. ZOGLAUER führt weiters an, dass das Vermeiden von Leiden Vorrang haben soll, aber eine Verbesserung des Menschen nicht Ziel der Neurotechnik sein soll. (vgl. Zoglauer 2003, im INTERNET) SCHÖNWIESE bezeichnet diese Annahme des Leidens bei Menschen mit Behinderung als Leidensprojektion. (vgl. Schönwiese 2006/07, S. 81)

Für mich stellt sich auch die Frage, ob dieser Zeitungsartikel in die Darstellungsweise des so genannten "Superkrüppels" fallen könnte? Kompensiert hier Rob Spence seine Behinderung durch eine Drahtloskamera im Auge und ermöglicht bislang Unmögliches, eine neuartige Form der Beobachtung? Mürner schreibt, dass die Kompensationstheorie einem heimlichen Normativismus folgt. (vgl. Mürner 2003, S. 87) Geht es hier nicht um Kompensation und Normativismus, wenn die Drahtloskamera, dass "verlorene" rechte Auge ersetzt?

6.5.3.7 "Der bewundernde Blick"

Um Kompensation und Normaltivismus geht es meiner Ansicht nach im folgenden Bild, dass folgende Bildunterschrift aufweist: "Dank des Cochlea-Implantates kann W. W. wieder hören und sogar Geige spielen" (Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 14 - 15) Diese Bildunterschrift kennzeichnet meines Erachtens, wiederum den uralten Traum, den ZOGLAUER bereits angesprochen hat, nämlich den Körper zu verbessern, zu vervollkommnen und vorhandene Mängel zu kompensieren, um ihn so von den biologischen Unzulänglichkeiten zu befreien, die ihm von Natur aus gegeben sind. (vgl. Zoglauer 2003, im INTERNET).

Abb. 20. Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 14 - 15)

BARNES beschreibt die Darstellung des "Superkrüppels" folgendermaßen: "Diese Darstellungen sind immer in Verbindung damit, dass Personen ihre Behinderung überwältigt haben, damit sie ein ‚normales‛ Leben führen können." (Barnes 1992, S. 25 - 26) MÜRNER geht davon aus, dass es bei der Propagierung der Kompensation, um kulturelle Stabilität, konservative Bewahrung und Vereinfachung der Mehrdimensionalität geht. (vgl. Mürner, S. 87). Diese Art der Darstellung exkludiert laut BARNES die soziale Sichtweise von Behinderung. Die Annahme, dass Menschen mit Behinderung ihre Behinderung überwältigen können, verwehrt ihnen so manche Unterstützung (Gebärdensprache, etc.) Nicht außer Acht lassen sollte man auch die Tatsache, dass die Kompensierung der Behinderung von Menschen mit Behinderung Anstrengung bedeutet. (vgl. Barnes 1992, S. 26)

Personen die blind sind werden unter anderem dargestellt, als hätten sie ein extrem sensibilisiertes Gehör, erläutert BARNES. Diese Darstellungen beschreiben die Personen mit Behinderung dahingehend, dass sie ihre Behinderung überwunden haben, damit sie ein "normales" Leben führen können. (vgl. Barnes 1992, S. 25 - 26)

Abb. 21 Die Krone 28. Dezember 2008, S. 12 - 13

Auf dem Bild ist der Tenor Andrea Bocelli zu erkennen. Andrea Bocelli ist blind und ich bin der Ansicht, dass dies durch diese Darstellung unterstrichen wird. Er hat seine Augen geschlossen und die eine Hand am Ohr, als würde er sich allein auf sein Gehör und sein Gefühl verlassen. Seine rechte Hand, welche sich am Klavier befindet, ist hervorgehoben und betont den Gefühlssinn des Tenors. Die MusikerInnen, die sich hinter ihm befinden, sind nur schwer zu erkennen, der Fokus des Bildes liegt auf Andrea Bocelli. (vgl. Die Krone 28. Dezember 2008, S. 12 - 13)

Die Darstellung der "Kompensierung von Behinderung", findet sich meiner Ansicht nach auch in den Bildern über den siebenjährigen Jungen Mark wieder. Die Bildunterschrift hier lautete: "Der 7jährige geheilte Mark mit Mama und Vera." Dadurch, dass der Junge beim Küssen seiner Mutter von der Bank aufstand, wurden die Tatsache der Heilung und das so genannte "Weihnachtswunder", wie es die "KRONEN ZEITUNG" bezeichnet hatte, unterstrichen. (vgl. Die Krone 21. Dezember 2008, o. S.) Auch das, in der "TIROLER TAGESZEITUNG" abgebildete Foto unterstreicht die Überwindung der Behinderung, in dem er nun nicht mehr seinen Rollstuhl nutzt, sondern herum turnt. (vgl. Die Krone 16. Dezember 2008, S. 12)

Abb. 22. Die Krone 28. Dezember 2008, S. 12 - 13

Abb. 23 Die Krone 16. Dezember 2008, S. 12

GARLAND-THOMSON spricht in unserer heutigen, modernen und säkularisierten Welt von so genannten "Supercrips", die sie als Darstellung "des Wundersamen" benennt. Diese Menschen beeindrucken durch ihre Leistung, welche Menschen ohne Behinderung nicht nachvollziehen können; sie haben sie trotz Behinderung geschafft. Diese Darstellung erzeugt mehr Bewunderung als Erstaunen. Sentimentalität beeinflusst die Darstellung der "Supercrips". (vgl. Garland-Thomson 2005, o. S.) MÜRNER schreibt, dass die Sportberichterstattung ihre Klischees in Bezug auf den Behindertensport kaum überwunden hat: "[...] Trotz ihrer Behinderung zeigten die Athleten bemerkenswerte Leistungen. Behinderte als Trotzdem-Athleten, als Trotzdem-Menschen. Die Sportreporter trotzen vor Andacht und Betroffenheit." (Mürner 2003, S. 157). Ich bin der Ansicht, dass folgende ausgewählte Bilder die SportlerInnen mit Behinderung zeigen, dieser Sichtweise der "Supercrips", wie sie GARLAND-THOMSON beschreibt, angehören:

Abb. 24. Die Tiroler Tageszeitung SporTTotal, S. 3

Abb. 25. Die Tiroler Tageszeitung 27. Dezember 2008, S. 38

Abb. 26. Die Tiroler Tageszeitung 23. Dezember 2008, S. 32

6.5.3.8 "Der eigene Blick"

"Der eigene Blick" wird nach SCHÖNWIESE auf Bilder gerichtet, die von Menschen mit Behinderung erstellt worden sind und die persönlich-biografisch wertvoll sind. (Schönwiese 2007b, S. 14 - 15)

Abb. 27. Der Standard 24. / 25. / 26. Dezember 2008, S. 35

"Lachen verändert die Welt ... vielleicht auch 'Licht ins Dunkel'" schrieb FRANZ-JOSEF HUAINIGG als Ankündigung der Aktion "Lachen verändert die Welt", die in Kooperation mit BIZEPS, SLI-Wien und der Zeitschrift "Behinderte Menschen" durchgeführt wurde. Dabei wurden KarikaturistInnen und Menschen mit Behinderung eingeladen, ihre Sichtweise der Spendenaktion mit Humor, Witz und Ironie zu zeichnen. (vgl. BIZEPS 2008, im INTERNET) Der Cartoon dazu war von Siegfried Kerstein im "STANDARD" abgebildet und auf der Homepage von BIZEPS folgendermaßen näher erläutert worden:

"Weihnachten naht. Der Weihnachts-Businessman - inzwischen hat er seine eigene Reality-Show - motiviert seine behinderten Mitarbeiter mit dem jährlichen "Losbastel-Kommando". Niedrige Löhne hin, persönliche Interessen her: "Alle auf ihre Posten!", für eine Kundschaft, die gerade jetzt ein bisschen Behinderung braucht, um sich beim Einkauf gut fühlen zu können!"

[...] "Vor meiner Tätigkeit als freiberuflicher Designer habe ich eine Druckerei für behinderte Jugendliche in Graz mit aufgebaut. Ich kenne daher recht gut das Problem, das viele behinderte Menschen mit ihrer Darstellung in einer Aktion wie 'Licht ins Dunkel' hatten und haben. Es verwundert nach wie vor, wie hartnäckig Bilder der 'Hilfsbedürftigen', 'An-den-Rollstuhl-Gefesselten', der 'Dankbaren' medial gezeichnet werden. Der jährlich stattfindende 'Barmherzigkeits-Supergau', einer sich mittels immer neuer Rekordsummen im Großzügigen beweihräuchernden Nation, ist für viele Betroffene und 'geistig Mitfühlende' schwer zu verdauen. Diese 'Aktion' (wenn eine solche schon gebraucht werden muss) gehört reformiert; die Gesprächsverweigerung der ORF-Verantwortlichen mit den von der Betroffenheit Betroffenen zeigt, wie wenig Licht über all die Jahre tatsächlich ins Dunkel mancher Köpfe gedrungen ist." (vgl. Verein BIZEPS 2008, im INTERNET)

Abb. 28. Der Standard 24./25./26. Dezember 2008, 35

Als biografisch wertvoll, so ein Kriterium des "eigenen Blickes", sehe ich das nachfolgende Bild an, dass eine Momentaufnahme des Filmes des Künstlers M. B. zeigt. Es spiegelt meiner Ansicht nach eine Momentaufnahme des Lebens des M. B. wider. (Der Standard 27. Dezember 2008, S.1)

Abb. 29. Die Tiroler Tageszeitung 27. Dezember 2008, S. 19)

6.5.3.9 "Der realistische Blick"

Die realistische Darstellung minimalisiert laut GARLAND-THOMSON Distanz und Differenz. Das Ziel ist dabei die Herstellung einer Identifikation zwischen Seher und Dargestelltem. Solche routinierten Darstellungen von Behinderung ermöglichen es Menschen mit Behinderung, sich als Teil der gewöhnlichen Welt wahrzunehmen und keiner speziellen "Klasse" anzugehören. Vertraute Bilder von Behinderung können den Effekt von Unterdrückung und Diskriminierung reduzieren. (vgl. Garland-Thomson 2005, o. S.) Diese Bilder machen es, meiner Ansicht nach, möglich, so bin ich der Auffassung, dass sich Menschen mit und ohne Behinderung mit den ArbeiterInnen identifizieren können. Ich denke, die wichtigste Aussage dieser Bilder ist, dass Menschen mit Behinderung in Berufsfeldern gezeigt werden, die außerhalb von "Geschützten Werkstätten" liegen.

Abb. 30 Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, 18. Dezember 2008, S. 3

Abb. 31. Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, 18. Dezember 2008, S. 4

Abb. 32. Der Standard 27. / 28. Dezember 2008, S. 18

Abb. 33. Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, 18. Dezember 2008, S. 4

Abb. 34. Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, 18. Dezember 2008, S. 2

Abb. 35. Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, 18. Dezember 2008, S. 4

6.5.3.10 "Soziale Sichtweise von Behinderung"

"Mutter [...] muss Ihre Tochter [...] (13) über die Stufen tragen - auch im Winter, wenn der Schnee nicht geräumt ist." Die Stufen wurden in den Vordergrund des Bildes gerückt, man sieht deutliche Fußspuren im Schnee. Dies vermittelte, dass nur Menschen, denen es möglich war, sich gehend fortzubewegen, diese Stufen überwinden können. Unterstrichen wird dies durch die Tatsache, dass die Mutter mit ihrer Tochter am Beginn der Treppe steht und damit die Unmöglichkeit, dieses Hindernis zu überwinden, sichtbar gemacht wird. Das Gesicht der Tochter verschwindet hinter dem Anorak. Ich finde dieses Bild qualitätsvoller als alle anderen der "Kronen Zeitung", weil es auf die Tatsache hinweist, dass die Stufen unüberwindbare Barrieren für RollstuhlfahrerInnen sind, die es in Zeiten des "Gleichstellungsgesetzes" bzw. Diskriminierungsverbotes nicht geben dürfte. (vgl. Die Krone 23. Dezember 2008, S. 12 - 13) Folgt man STANDFORT machen die Ideale, Strukturen und Regeln dieser Gesellschaft Menschen mit Behinderung zu AußenseiterInnen und nicht die Beeinträchtigung dieser. (vgl. Standfort 1982, S. 207 - 208). "Wenn wir schließlich Behinderung als Begrenzung der Gesellschaftsstruktur erforschen, dann wird sich unsere Aufmerksamkeit darauf richten, Barrieren gegen die gesellschaftliche Partizipation von behinderten Menschen zu identifizieren und abzubauen." (Priestley 2003, S. 7. zit. n. Waldschmidt 2005, S. 19)

Abb. 36. Die Krone 23. Dezember 2008, S. 12 - 13

6.5.3.11 "Medizinische Sichtweise von Behinderung"

WALDSCHMIDT stellt fest, dass die medizinische Sichtweise von Behinderung sie als schicksalhaftes, persönliches Unglück ansieht, dass individuell zu bewältigen ist. Die therapeutisch-medizinische Behandlung wird als geeigneter Lösungsansatz herangezogen. (Waldschmidt 2005, S. 15 - 17) Ich bin der Ansicht, dass die Abbildung Nr. 37 der medizinischen Sichtweise zuzuordnen ist, weil der zentrale Inhalt des beiliegenden Artikels und des Bildes der "Therapeut auf vier Pfoten" ist, nämlich der Mops Maschekk. Das Bild unterstreicht, meiner Ansicht nach, die im Artikel getätigte Aussage, dass der Vierbeiner den Bewohnern den Alltag versüßt und erleichtert. Vor allem, wenn man die den Mops haltende und freudig lächelnde Dame im Vordergrund mit den anderen Bewohnern im Hintergrund des Bildes vergleicht. Diese Menschen im Hintergrund wirken, meines Erachtens, bei Weitem nicht so glücklich, wie die Dame mit dem Mops. Zwei Bewohner haben ihre Köpfe gesenkt und eine Frau hält sich die Hand schützend vor das Gesicht. (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 22. Dezember 2008, S. 22) Damit wird, so bin ich der Ansicht, die Wichtigkeit und der Erfolg von therapeutischen Maßnahmen hervorgehoben.

Abb. 37 Die Tiroler Tageszeitung, 22. Dezember 2008, S. 22

6.5.4 Vergleich der drei Tageszeitungen vom Dezember 2008

Die "Kronen Zeitung" folgte, meiner Ansicht nach, in ihrer Berichterstattung der "medizinischen Sichtweise" von Behinderung. Menschen mit Behinderung und Behinderung im Allgemeinen wurden als Schicksal, als Tragödie, als Leid gesehen. Die ExpertInnen, vor allem ÄrztInnen und TherapeutInnen, wurden in der Berichterstattung der "KRONEN ZEITUNG" hervorgehoben. Die Ursachenforschung in Bezug auf Behinderung und vor allem die Heilung von Behinderung wurden thematisiert. Der Vergleich zwischen Normalität und Anomalität, zwischen gesund und krank, wurde einige Male gezogen. Auch die Kompensierung der Behinderung durch die Anstrengungen der Individuen wurde in einigen Zeitungsinhalten aufgegriffen. Die soziale Sichtweise von Behinderung, die Rolle der Gesellschaft und die Ansicht "Wir sind nicht behindert, wir werden behindert" waren in der "Kronen Zeitung" nicht zu finden und Menschen mit Behinderung haben in der "Kronen Zeitung" nicht die Möglichkeit, ihre Sichtweise zu präsentieren. Die "Tiroler Tageszeitung" hatte quantitativ gesehen die meisten Artikel in den Zeiträumen vom 15. bis zum 31. Dezember sowie vom 1. bis zum 15. März. Sie präsentierte in einigen Artikeln, im Unterschied zur "KRONEN ZEITUNG" die "soziale Sichtweise" von Behinderung. Am 18. Dezember war eine umfassende Sonderbeilage zum Thema "Behinderung darf kein Hindernis sein" (Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, 18. Dezember 2008, S. 1) beigelegt. Die Sonderbeilage thematisierte die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung (vgl. ebd., S. 1 - 4) Die "Tiroler Tageszeitung" schrieb auch zum Thema "Eine Schule für Alle" (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 20. Dezember 2008, S. 15) und griff das Thema der Barrierefreiheit (vgl. Die Tiroler Tageszeitung 16. Dezember 2008, S. 6) für Menschen mit Behinderung auf. Auch die Berichterstattung des "Standards" repräsentierte die "soziale Sichtweise von Behinderung", indem z. B. die Integration von Menschen mit Behinderung am allgemeinen Arbeitsmarkt thematisiert wurde. (Der Standard 27./28 Dezember, S. 18) Menschen mit Behinderung war es möglich, ihre eigene Sicht der Dinge zu präsentieren und dabei ihre Sichtweise der Aktion "Licht ins Dunkel" darzustellen. (Der Standard 24./25./26. Dezember, S. 35) Andererseits war im "STANDARD" und auch in der "TIROLER TAGESZEITUNG" die medizinische Sichtweise von Behinderung vorhanden. Alle drei Tageszeitungen schrieben von Prävention, Therapie und Heilung. Alle drei Tageszeitungen thematisierten in ihren Artikeln die Diskussion der Spendenabsetzbarkeit. Der Aspekt der Wohltätigkeit und die Aktion "Licht ins Dunkel" waren vor Weihnachten ein präsentes Thema in allen drei Tageszeitungen.

"DER STANDARD" hatte zur Thematik der Spendenabsetzbarkeit quantitativ am meisten Artikel. "DER STANDARD" war auch die einzige Tageszeitung, die es Menschen mit Behinderung ermöglichte, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Sie war aber auch die einzige Zeitung, die den "vernichtenden Blick" beinhaltete. (Der Standard 18. Dezember 2008, S. 9)

6.5.5 Vergleich der Berichterstattungen der drei Tageszeitungen zwischen den Monaten Dezember 2008 und März 2009

Wenn man sich die nachfolgende Tabelle ansieht, kann man erkennen, dass im Dezember 2008 doppelt so viele Artikel in den jeweiligen Tageszeitungen veröffentlicht wurden als im März 2009. Zudem ist ersichtlich, dass die "TIROLER TAGESZEITUNG" im Vergleich zu den beiden anderen Zeitungen die meisten Artikel veröffentlichte. "DER STANDARD" veröffentlichte die wenigsten Zeitungsartikel in den beiden Monaten.

Dies bestätigte die Aussage von MICHAEL SICHER, der davon sprach, dass Menschen mit Behinderung unter anderem im Zusammenhang mit der Aktion "Licht ins Dunkel" im Rampenlicht standen und im restlichen Jahr nicht mehr. (vgl. Verein Bizeps 2008, im INTERNET)

6.5.5.1 Spezifische Unterschiede der drei Tageszeitungen in den Monaten Dezember 2008 und März 2009

Das interessante Detail des Vergleichs der drei Tageszeitungen zwischen den Monaten Dezember 2008 und März 2009 ist, so bin ich der Ansicht, ist dass der Aspekt der Wohltätigkeit (Spenden, etc.) im März 2009 nur mehr peripher wieder zu finden war. So wurde z. B. in dem Artikel "Dinner with ... Thomas Geierspichler und Heinz Kinigadner" von der Stiftung "Wings of life" berichtet. Der Fokus der Geschichte lag jedoch darauf, dass diese Stiftung die medizinische Forschung zur Heilung von Rückenmarksverletzungen unterstützt. (vgl. die Tiroler Tageszeitung. Beilage: The Red Bulletin. Ein fast unabhängiges Monatsmagazin. 3. März 209, S. 78 - 80) Im Artikel "Mit Mut und ohne Stufen in die Zukunft" ging es, meines Erachtens, ebenso in erster Linie um die Kompensierung der Behinderung des ehemaligen Showspringers und heutigen Behindertenskisportlers. Im Artikel war zu lesen: "Aus dem Dorf haben sie für mich Geld zusammengetragen und mir geholfen, diese Situation zu meistern." (Die Tiroler Tageszeitung 8. März 2009, S. 77) Dies war auch bei der "KRONEN ZEITUNG" der Fall. In ihr wurde im Artikel "Verrückte Mutterliebe" nur am Rande davon berichtet, dass bei publicityträchtigen Mehrlingsgeburten Windeln, Nahrung und ein größeres Auto gespendet würden. (Die Krone 1. März 2009, S. 28) "DER STANDARD" hingegen wies im Vergleich zu seiner geringen Anzahl an Artikeln zwei Artikel und eine Werbung, die sich mit der Thematik des Spendens auseinandersetzten, auf. Die Überschriften lauteten "Prominente kritisieren Spendengesetz" (Der Standard 19. März 2009, S. 3) und "Die Details der Steuerreform" (Der Standard 12. März 2009, S. 6). Die Werbung wurde für das "Haus der Barmherzigkeit" gemacht; sie appellierte an die Solidarität der Gesellschaft und nannte das Spendenkonto. (vgl. Der Standard 6. März 2009, S. 8).

Über die Aktion "Licht ins Dunkel" wurde in den drei Tageszeitungen im März 2009 nicht berichtet.

6.5.5.1.1 "Tiroler Tageszeitung": Vergleich zwischen Dezember 2008 und März 2009

Ich bin der Auffassung, dass sich die "TIROLER TAGESZEITUNG" im März 2009 vom Dezember 2008 spezifisch dadurch unterschied, dass Menschen mit Behinderung als "finster und böse" dargestellt wurden und der "vernichtende Blick" kritisiert wurde. Auffallend war die Dominanz des "bewundernden Blickes" in vielen Artikeln.

  • Menschen mit Behinderung: "finster und böse"

BARNES lieferte diese Darstellungsweise aufgrund seiner empirischen Studie über die mediale Darstellung von Menschen mit Behinderung. "[...] in ‚The Bible' there are over forty instances in which 'the cripple' is connected to sin and sinners'[...]" (Barnes 1992, S. 22) Die Annahme, dass Menschen mit Behinderung böse sind, wird vor allem in Filmen favorisiert. (vgl. ebd., S. 22 - 23) Zeitschriften sensationalisieren die Verbindung zwischen intellektueller Beeinträchtigung und Kriminalität, erläutert EDER. (vgl. EDER 1992., S. 13)

Im Artikel "Die Sprache des Verbrechens von Amstetten" wurde darüber geschrieben, dass jedes Verbrechen seine Sprache hat und man aus der Art der Taten und deren Ablauf bestimmte Rückschlüsse auf Persönlichkeit und Motivation des Täters ziehen kann. Am Ende des Artikels war dann Folgendes zu lesen: "Man kann aus der Sprache des Verbrechens also folgern, dass J. F. weder behindert noch geisteskrank ist, dass aber seine Persönlichkeit durch Züge, wie extreme Machtbezogenheit, völlige Rücksichtslosigkeit und starke Sexualisierung geprägt ist." (Die Tiroler Tageszeitung 10. März 2009, S. 12) Dieser Artikel beinhaltet, so denke ich, die implizite Aussage, dass in diesem Fall der Täter nicht behindert war, aber das es andere Fälle gibt, wo dies der Fall ist.

In einem anderen Artikel wurde davon berichtet, dass ein 18jähriger Mann seinen Nachbarn wegen seiner kinderpornografischen Neigung zur Rede gestellt hat und als dieser geantwortet hat, dass er wegen seiner Behinderung nicht bestraft werde, hat der 18jährige zugestochen. (Die Tiroler Tageszeitung 4. März 2009, S. 13) In der Buchvorstellung wurde in der "TIROLER TAGESZEITUNG" das Buch "Doppelmoral" vorgestellt. Die Figur des Buches war Blue Gene, der seit einem Verkehrsunfall behindert ist. "Blue Gene zählt zum Abschaum, der jeden Kontakt zur Familie, der führenden Tabak-Dynastie der stolzen Nation, abgebrochen hat." (Die Tiroler Tageszeitung 8. März 2009, S. 48)

  • Kritik am "vernichtenden Blick"

In einem Artikel der "Tiroler Tageszeitung" wurde berichtet und gleichzeitig kritisiert, dass zwei US-Kliniken in einem halben Jahr künftigen Eltern den Wunsch nach Babys mit dem gewünschten Aussehen erfüllen können. Kritisiert wurde dabei die Aussage des Mediziners Jeff Steinberg, der davon sprach, dass Paare mit skandinavischem Erbgut die größte Aussicht auf Erfolg hätten, weil deren Genpool am wenigsten "verwässert" wäre. Die "Tiroler Tageszeitung" hob hervor, dass Steinberg für diese Aussage heftig kritisiert wurde, denn sie würde dem Streben nach einer Herrenrasse ähneln. (Die Tiroler Tageszeitung 5. März 2009, S. 13) Auch der Artikel "Vermessen" in derselben Ausgabe der "Tiroler Tageszeitung" kritisierte die "Designerbabys" auf Bestellung. (vgl. ebd., S. 21) Der "vernichtende Blick" wurde laut SCHÖNWIESE aufgrund der Propagandabilder im Nationalsozialismus bekannt. Es wurde der bildliche Vergleich zwischen athletisch Gesundem und rassisch Minderwertigem hergestellt. (vgl. Schönwiese 2007b, S. 14 - 15)

  • "Der bewundernde Blick" - Dynamische Elitebehinderte - "Superkrüppel"

Das vorrangige Thema der "Tiroler Tageszeitung" war, so stellte ich fest, im März 2009 der "bewundernde Blick" auf die "Superkrüppel", vor allem im Zusammenhang mit Sport. BÖS und KAUER weisen darauf hin, dass in der Sportberichterstattung Menschen mit Behinderung als "Trotzdem-Athleten" dargestellt werden. "Trotz" ihrer Behinderung haben Menschen mit Behinderung diese und jene Leistungen erbracht. Es wird unter anderem vom "Triumph über die Behinderung" berichtet. Die besonderen Leistungen von Menschen mit Behinderung werden hervorgehoben, als ob Menschen mit Behinderung dadurch ihre Daseinsberechtigungen bewiesen hätten. (vgl. Bös / Kauer 1998, S. 15 - 23).

Der Artikel "Nach mulmiger Rückkehr wird wieder Gas gegeben" (Die Tiroler Tageszeitung 6. März 2009, S. 32) berichtete z. B. davon, dass Matthias Lanzinger ein Jahr nach seinem "verhängnisvollen" Sturz, aufgrund dessen eine Beinamputation erfolgte, an den "Unglücksort" zurückkehrte. Dabei wurde mit einem Bild unterstrichen, dass er nun wieder auf Skiern fährt. (vgl. ebd., S. 32). Insgesamt wurde in vielen Artikeln über die sportliche Leistung von Menschen mit Behinderung geschrieben. Die Schlagzeilen lauteten beispielsweise "Sungwoo: Abfahrts-Silber für Harald Eder" (Die Tiroler Tageszeitung 1. März 2009, S. 80), "Integration auf Langlaufloipe" (Die Tiroler Tageszeitung 2. März 2009, S. 31) und "Auf eisigen Untergrund zu WM Silber geschlittert." (Die Tiroler Tageszeitung 2. März 2009S. 37)

6.5.5.1.2 "Der Standard": Vergleich zwischen Dezember 2008 und März 2009

Die Berichte im "STANDARD" unterschieden sich meiner Ansicht nach dadurch, dass im März 2009 im Gegensatz zum Dezember 2008 erstmals die "bewundernde Sichtweise" von Behinderung in einem Artikel wiederzufinden war.

  • "Der bewundernde Blick" - Dynamische Elitebehinderte - "Superkrüppel"

Im Artikel "Obama erleichtert embryonale Stammzellforschung" wurde davon berichtet, dass US-Präsident Barack Obama die Finanzierung der Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen gewährleistet. Um zu symbolisieren, was dies für die Praxis bedeutet, wurde Roman Reed eingeladen. Roman Reed ist von der Hüfte abwärts gelähmt. "'Ich weiß, dass ich eines Tages aus diesem Rollstuhl herauskomme', sagte der Kalifornier, die Stammzellforschung werde es ihm ermöglichen, wieder laufen zu können." (Der Standard 6. März 2009, S. 34) Die Stammzellforschung, so der Artikel, soll helfen zu heilen. (vgl. ebd., S. 34) Bei der Propagierung der Kompensation geht es um kulturelle Stabilität, konservative Bewahrung und Vereinfachung der Mehrdimensionalität, erklärt MÜRNER. Wie weiters kritisiert wird, folgt die Kompensationstheorie einem heimlichen Normativismus. (vgl. Mürner, S. 87)

6.5.5.1.3 "Kronen Zeitung": Vergleich zwischen Dezember 2008 und März 2009

In der "KRONEN ZEITUNG" war im März 2009 im Vergleich zum Dezember 2008 der "vernichtende Blick" und die Verknüpfung von "Behinderung und Skandal" sowie "Behinderung und Sensation" verstärkt zu finden.

  • "Vernichtender Blick"

"'Designerbabys' nur bei Gen-Defekt" so lautet die Überschrift der Kurznachricht. Dr. Jeff Steinberg hat nach heftigen Protesten sein Angebot nach Babys mit Augen- und Haarfarbe nach Wunsch widerrufen. Die Kurznachricht endet jedoch mit folgender Aussage: ‚Embryoselektion gibt es nur im Fall von Gendefekten‛." (Die Krone 6. März 2009, S. 8) VOLZ kritisiert mit Nachdruck die Selektion von Embryonen. Hierbei geht es um die Verhinderung der Existenz des Merkmalsträgers. (vgl. Volz 2003, im INTERNET) Der "vernichtende Blick" findet sich momentan in der von Bioethikern geführten Euthanasie-Debatte, wissenschaftlich weiterentwickelt wieder. (vgl. Schönwiese 2006 / 07, S. 81)

  • "Behinderung & Skandal"

Bei der Veröffentlichung einer skandalösen Behandlung von Menschen mit Behinderung wird der Täter, laut SCHÖNWIESE, zum Mittelpunkt der negativen Darstellung. (vgl. Schönwiese 2007, S. 44) Der Artikel "Obwohl Oberstgericht zustimmt, verhindert Gemeinde Reitstall" hebt meiner Ansicht nach das "skandalöse" Verweigern des Reitstalles für Therapiepferde der Gemeinde hervor. "Zweimal gab der Verwaltungsgerichtshof den Stöttingers Recht - und die Gemeinde verweigert nun zum dritten Mal die Baugenehmigung." (Die Krone 4. März 2009, S. 37) Am Ende des Artikels äußerte sich Frau S. folgendermaßen dazu: "Wir durften den Grund zwar kaufen, aber wir dürfen ihn nicht sinnvoll nutzen. Ohne Gebäude ist es unmöglich, unser Betriebsziel zu erreichen. Wenn ich über mein Eigentum nicht verfügen kann, komm das einer Enteignung gleich." (ebd., S. 37)

  • "Behinderung & Sensation"

MÜRNER weist darauf hin, dass Menschen mit Behinderung oft auf das Merkmal Behinderung reduziert werden oder auf ein Stigma, das zur selben Zeit verunsichert und fasziniert. Menschen mit Behinderung sind zentrale Figuren, wenn Aufsehenerregendes, Besonderes, Bizarres, außergewöhnliche Leistungen oder Schicksalhaftes dargestellt werden. (vgl. Mürner 2003, S. 12 - 13)

Diese Darstellungsweise von Menschen mit Behinderung war meines Erachtens in dem Artikel "Riad: Siamesische Zwillinge getrennt" wieder zu finden. An und für sich wurde der Artikel sehr sachlich, mit vielen medizinischen Details versehen geschrieben. "Seit ihrer Geburt vor neuen Monaten in Ägypten waren Mahmud und Hassan an den Unterleibern zusammengewachsen. [...] Am Wochenende wurden die Geschwister in einer neunstündigen Operation erfolgreich getrennt. [...] der Zustand ist stabil." (Die Krone 3. März 2009, S. 5) Das Sensationelle an diesem Artikel lässt sich meiner Ansicht nach daran erkennen, dass in der Überschrift des Artikels bereits von den neunstündigen Operation gesprochen wurde und dies im weiteren Verlauf des Artikels noch zweimal erwähnt wurde. Außerdem wurde besonders betont, dass ein weiterer notwendiger Eingriff nochmals drei Stunden dauern würde. Das Sensationelle an dieser Geschichte sollte meines Erachtens auch die Anmerkung hervorheben, dass 70 Ärzte und HelferInnen an dieser Operation beteiligt waren. (vgl. ebd., S. 5)

7 Resümee

BARNES geht davon aus, dass die Mehrheit an Informationen über Behinderung in den Medien negativ ist. (vgl. Barnes 1992, S. 38f) Kagelmann und Zimmermann sind der Ansicht, dass die mediale Darstellung von Menschen mit Behinderung und Behinderung im Allgemeinen fast ausschließlich in einer verletzenden und diskriminierenden Art und Weise geschieht. (vgl. Kagelmann / Zimmermann 1982, S. 9) "Behindernde Stereotype" sind in den Medien vorhanden. (vgl. Barnes 1992, S. 39)

Als Resümee meiner Diplomarbeit muss ich die Aussage von BARNES bestätigen. In der Berichterstattung der drei Tageszeitungen "KRONEN ZEITUNG", "DER STANDARD" und "TIROLER TAGESZEITUNG" waren die Mehrheit der Artikel, Leserbriefe, etc. während des von mir gewählten Erhebungszeitraumes durch stereotype Darstellungen von Menschen mit Behinderung gekennzeichnet. Gleichzeitig möchte ich aber auch darauf hinweisen, dass die "TIROLER TAGESZEITUNG" und "DER STANDARD" mit qualitätsvollem Journalismus in einigen Artikeln aufwarteten und über Selbstbestimmung, Integration bzw. Inklusion, Partizipation, Normalisierung und Barrierefreiheit berichteten.

Im abschließenden Satz meiner Diplomarbeit möchte ich den Gedanken von MÜRNER noch einmal aufgreifen und festhalten, in dem er darauf hinweist, dass die Kritik am Menschenbild und der Darstellung von Menschen mit Behinderung in den Medien, sich nicht auf den Satz verkürzen lässt: "Die Medien sind schuld". (vgl. Mürner 2003, S. 15)

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Anhang

Zeitung

Datum

Titel

Seite

Rubrik

1. Krone

15. März 2009,

Nr. 17.555

11/2009

"Designerbaby" rettet Bruder

Seite 10

Ausland

2. Krone

15. März 2009,

Nr. 17.555

11/2009

Gute Gründe für eine klassische Lebensversicherung

Seite 7, In: Weltmeister-Journal. Unser Skistar Manfred Pranger.

 

3. Krone

15. März 2009,

Nr. 17.555

11/2009

Verein Sicheres Tirol: Anpassbare Wohnungen - die Zukunft!

Seite 12, In: Panorama. Das Tiroler Wochenmaga-zin.

Panorama: Bauen & Wohnen

4. Krone

14. März 2009,

Nr. 17.554

Wir müssen reden. Welche Alarmzeichen auf Sprachstörungen hindeuten und was Eltern tun können

Seite 18: In Gesund. Ihr Magazin für praktische Lebenshilfe.

Nr. 995

Reportage

5. Krone

12. März 2009,

Nr. 17.552

Mit neuer Technologie können heute sogar Taube wieder hören

Seite 20

Österreich

6. Krone

12. März 2009,

Nr. 17.552

Discospaß für alle

Seite 45

Freizeit

7. Krone

8. März 2009,

Nr. 17.548

Ein elektrischer Rollstuhl

Seite 9

Ausland

8. Krone

8. März 2009,

Nr. 17.548

Diözese in Innsbruck bietet auch heuer tolle Familienurlaube an

Seite 16

Österreich

9. Krone

6. März 2009,

Nr. 17.546

"Designerbabys" nur bei Gendefekt

Seite 8

Ausland

10. Krone

6. März 2009,

Nr. 17.546

Schöne Kinder haben's leichter

Seite 16

Österreich

11. Krone

6. März 2009,

Nr. 17.546

Invalidenpension: 3000 pro Jahr

Seite 18

Österreich

12. Krone

6. März 2009,

Nr. 17.546

Kleiner Mann ganz groß

o. S. In: Live. Das Star Magazin der Krone

Info Sport

13th Krone

5. März 2009,

Nr. 17.544

Warum höre ich von der FIS kein Wort

o. S.

Sport

14. Krone

4. März 2009,

Nr. 17.544

Haar- und Augenfarbe bei Babys aussuchen?

Seite 6

Österreich

15. Krone

4. März 2009,

Nr. 17.544

Obwohl Oberstgericht zustimmt, verhindert Gemeinde Reitstall!

Seite 37

Ombudsfrau: Barbara Stöckl kämpft für Sie!

16. Krone

3. März 2009,

Nr. 17.543

Riad: Siamesische Zwillinge getrennt

Seite 5

Ausland

17. Krone

2. März 2009,

Nr. 17.543

"Es ist mir egal, dass ihr behindert seid"

Seite 8

Österreich

18. Krone

1. März 2009

Verrückte Mutterliebe

Seite 28, Sonntagsbeilage

 

19. Krone

1. März 2009,

Nr. 17.542

Für Matthias wurde Traum wahr: Neben Lokführer durchs Oberland

Seite 16

Österreich

20. TT

1. März 2009

Nr. 59 - TU

63 Jahrgang

Auszeit für Angehörige

Seite 71

 

21. TT

1. März 2009

Nr. 59 - TU

63 Jahrgang

Sungwoo: Abfahrts-Silber für Harald Eder

Seite 80

Sport

22. TT

2. März 2009

Nr. 60 - TU

63 Jahrgang

Integration auf Langlaufloipe

Seite 22

Tirol Lokal

23. TT

2. März 2009

Nr. 60 - TU

63 Jahrgang

Auf eisigen Untergrund zu WM Silber geschlittert

Seite 37

Sport Leben

24. TT

3. März 2009

Nr. 61 - TU

63 Jahrgang

Betreutes Reisen

Seite 38

Sport Leben

25. TT

3. März 2009

Nr. 61 - TU

63 Jahrgang

Einmal um die Welt

Seite 3: In: The Red Bulletin. Ein fast unabhängiges Monatsmagazin. März 2009.

 

26. TT

3. März 2009

Nr. 61 - TU

63 Jahrgang

Dinner with ... Thomas Geierspichler und Heinz Kinigadner

Seite 78 - 80: In: The Red Bulletin. Ein fast unabhängiges Monatsmagazin. März 2009.

 

27. TT

4. März 2009

Nr. 62 - TU

63 Jahrgang

18-Jähriger ersticht Kinderpornosammler

Seite 13

Inter National

28. TT

4. März 2009

Nr. 62 - TU

63 Jahrgang

Kapfinger für WM Bronze geehrt

Seite 34

Sport Leben

29. TT

5. März 2009

Nr. 63 - TU

63 Jahrgang

Angebot für Maßbaby

Seite 13

InterNational

30. TT

5. März 2009

Nr. 63 - TU

63 Jahrgang

Vermessen

Seite 21

Tirol Lokal

31. TT

6. März 2009

Nr. 64 - TU

65 Jahrgang

Invalide Kosten 2,9 Milliarden

Seite 10

Wirtschaft

32. TT

6. März 2009

Nr. 64 - TU

65 Jahrgang

Nach mulmiger Rückkehr wird wieder Gas gegeben

Seite 32

Sport Leben

33. TT

6. März 2009

Nr. 64 - TU

65 Jahrgang

Großer Bahnhof für Medaillengewinner

Seite 34

Sport Leben

34. TT

7. März 2009

Nr. 65 - TU

65 Jahrgang

Internationale Medien fallen in St. Pölten ein

Seite 13

InterNational

35. TT

7. März 2009

Nr. 65 - TU

65 Jahrgang

Die Kinder und nicht die Lehrer sollten im Vordergrund stehen

Seite 34,

Leserbrief

Wetter & Leseforum

36. TT

7. März 2009

Nr. 65 - TU

65 Jahrgang

Lanzinger verklagt FIS und Veranstalter

Seite 36

Sport Leben

37. TT

7. März 2009

Nr. 65 - TU

65 Jahrgang

Oliver Anthofer kehrte erfolgreich zurück

Seite 38

Sport Leben

38. TT

7. März 2009

Nr. 65 - TU

65 Jahrgang

Zukunfts - Show der Forscher

Seite 42

Sport Leben

39. TT

7. März 2009

Nr. 65 - TU

65 Jahrgang

Die Krankheit darf nicht den Job kosten

Seite 1: In Beilage: Chancen & Karriere

 

40. TT

8. März 2009

Nr. 66 - TU

63 Jahrgang

Lehrer nicht so diskriminieren

Seite 26, Leserbrief

Forum

41. TT

8. März 2009

Nr. 66 - TU

63 Jahrgang

Doppelmoral

Seite 48, Buchbesprechung

Kultur

42. TT

8. März 2009

Nr. 66 - TU

63 Jahrgang

Mit Mut und ohne Stufen in die Zukunft

Seite 77

Sport

43. TT

1. März 2009

Nr. 59 - TU

63 Jahrgang

"Sie spüren, dass ich glücklich bin"

Seite 5

Leben

44. TT

10. März 2009

Nr. 78 - TU

65 Jahrgang

Die Sprache des Verbrechens von Amstetten

Seite 12

InterNational

45. TT

10. März 2009

Nr. 68 - TU

65 Jahrgang

Kampf um Sekunden

Seite 20

Tirol Lokal

46. TT

10. März 2009

Nr. 68 - TU

65 Jahrgang

Vom Versuch, normal zu leben

Seite 33

Sport Leben

47. TT

10. März 2009

Nr. 68 - TU

65 Jahrgang

Mobil trotz Handicap: MitBehindertengerechten Fahrzeugumbauten

Seite 13: In: Retterwerk. StarReport Spezial. (Werbebeilage in TT)

 

48. TT

11. März 2009

Nr. 69 - TU

65 Jahrgang

Eigenständigkeit der Behinderten durch finanzielle Hürden bedroht

Seite 22

Tirol Lokal

49. TT

11. März 2009

Nr. 69 - TU

65 Jahrgang

Platzierung war Nebensache

Seite 22

Tirol Lokal

50. TT

12. März 2009

Nr. 70 - TU

65 Jahrgang

Blinder Musiker in der Pfarrkirche

Seite 24

Tirol Lokal

51. TT

14. März 2009

Nr. 72 - TU

65 Jahrgang

Janine Schulhundassistentin

Seite 8, in: Service &Termine

Service & Termine

52. TT

14. März 2009

Nr. 72 - TU

65 Jahrgang

Ganz Stimme sein

Seite 4, in: Service &Termine

Service &Termine

53. Stan-dard

28. Feb. / 1. März

Auf Sri Lanka droht humanitäre Katastrophe

Seite 6

International

54. Stan-ard

2. März 2009

Leserforum

Seite 25

Kommentar der Anderen

55. Stan-dard

6. März 2009

Haus der Barmherzigkeit. Mitte Mensch

Seite 8,

Werbung

 

56. Stan-dard

6. März 2009

Spaß ohne Ende

Seite 16

Automobil

57. Stan-dard

6. März 2009

Hörspielpreis der Kriegsblinden an Paul Plamper

Seite 28

Kultur

58. Stan-dard

6. März 2009

Prominente kritisieren strenges Spendengesetz

Seite 6

Inland

59. Stan-dard

6. März 2009

US - Labor zieht Angebot von Designer - Babys zurück

Seite 16

NetBusiness / Wissenschaft

60. Stan-dard

7./8. März2009

Auge um Auge

Seite 6

International

61. Stan-dard

7./8. März2009

Interdisziplinär und projektorientiert

o. S.

FH Joanneum

62. Stan-dard

9. März 2009

Neues über multiple Sklerose

Seite 18

Med Standard

63. Stan-dard

10. März 2009

Obama erleichtert embryonale Stammzellenforschung

Seite 35

Wissenschaft / Kommunikation

64. Stan-dard

10.März

Wiener Lehrer befürchten Ausländerklassen

Seite 9

Chronik

65. Stan-dard

11. März

Tshi Pi, Medea und ihre etwas andere Schule

Seite 7

Inland

66. Stan-dard

12. März 2009

Die Details der Steuerreform

Seite 6

Inland

67. Stan-dard

12. März 2009

Verklumpte Füße und ein erfrorenes Herz

Seite 24

Kultur / Kommunikation

68. Krone

15. Dezember 2008

Nr. 17.466

Spendengelder dürfen nicht mit zweierlei Maß gemessen werden

Seite 9

Österreich

69. Krone

15. Dezember 2008

Nr. 17.466

Lernstörungen Schuld an schlechten Noten

Seite 9

Österreich

70. Krone

15. Dezember 2008

Nr. 17.466

Mutter setzt Kind in Spital aus

Seite 8

Österreich

71. Krone

15. Dezember 2008

Nr. 17.466

Absolut unbrauchbar, dieses Kind

Seite 10

Österreich

72. Krone

15. Dezember 2008

Nr. 17.466

Unterstützung für Moritz

Seite 6

Fernsehen

73. Krone

16. Dezember 2008

Nr. 17.467

Gelähmtes Kind kann wieder gehen

Titelseite

 

74. Krone

16. Dezember 2008

Nr. 17.467

Spenden - Spagat

Seite 13

Österreich

75. Krone

16. Dezember 2008

Nr. 17.467

Gelähmter Bub stieg plötzlich aus Rollstuhl und konnte wieder gehen

Seite 15

Österreich

76. Krone

16. Dezember 2008

Nr. 17.467

Der gute Zweck und die Steuer

Seite 17

Österreich

77. Krone

16. Dezember 2008

Nr. 17.467

Bessere Lebensqualität für schlecht hörende Menschen

Seite 30

Gesundheit

78. Krone

17. Dezember 2008

Nr. 17.468

Fischers Treffen mit Überlebenden im Zeichen versöhnenden Gedankens

Seite 2

Politik

79. Krone

17. Dezember 2008

Nr. 17.468

Die Spenden für karitative Zwecke absetzbar!

Seite 4 - 5

Politik

80. Krone

17. Dezember 2008

Nr. 17.468

Häupl-Dinner um stolze 24.000 Euro

Seite 33

Stargeflüster

81. Krone

17. Dezember 2008

Nr. 17.468

Lanzinger ...

Seite 28

Das freie Wort. Briefe an den Herausgeber

82. Krone

18. Dezember 2008

Nr. 17.469

Soziale Netze

Seite 5

Politik

83. Krone

18. Dezember 2008

Nr. 17.469

Ein Finanzamt ist bundesweit für absetzbare Spenden zuständig!

Seite 5

Politik

84. Krone

18. Dezember 2008

Nr. 17.469

Umweltschützer wollen weiter für ihre "Spenden" kämpfen

Seite 12

Österreich

85. Krone

18. Dezember 2008

Nr. 17.469

Blinder Bergsteiger will auf den Cho Oyu

Seite 28

Österreich

86. Krone

18. Dezember 2008

Nr. 17.469

Absetzbarkeit von Spenden ...

Seite 34

Das freie Wort. Briefe an den Herausgeber

87. Krone

19. Dezember 2009,

Nr. 17.470

Lieber Billigblattmacher, Wolfgang Fellner

Seite 14

Österreich

88. Krone

19. Dezember 2009,

Nr. 17.470

Ich hab' einen neuen Freund. Die neuen Fahrpläne für Bus und Bahn sind da.

Seite 22 - 23

Anzeige

89. Krone

19. Dezember 2009,

Nr. 17.470

Spendenabsetzbarkeit: Auf Ärmste vergessen?

Seite 30

Das freie Wort. Briefe an den Herausgeber

90. Krone

19. Dezember 2009,

Nr. 17.470

"Melodien der Berge" - Weihnachten

Seite 34

 

91. Krone

20. Dezember 2008

Nr. 17.471

Medikamente richtig anwenden - Folsäure schützt vor Herzfehlern

Seite 5, in:

Gesund. Ihr Magazin für praktische Lebenshilfe. Nr. 983

 

92. Krone

20. Dezember 2008

Nr. 17.471

"Du alter Schwede"

o. S.

Sport

93. Krone

21. Dezember 2008

Nr. 17.472

"Im Dienste der Menschlichkeit"

Seite 5

Politik

94. Krone

21. Dezember 2008

Nr. 17.472

Ich hab' einen neuen Freund. Die neuen Fahrpläne für Bus und Bahn sind da.

Seite 16 - 17

Anzeige

95. Krone

21. Dezember 2008

Nr. 17.472

Treppenwitz

Seite 18

Österreich

96. Krone

21. Dezember 2008

Nr. 17.472

Drei Stufen machen Innsbrucker Familie Leben unnötig schwer

Seite 18

Österreich

97. Krone

21. Dezember 2008

Nr. 17.472

Marks Weihnachtswunder

o. S.

Fünf Seiten täglich für ein besseres Fernsehen

98. Krone

22. Dezember 2008

Nr. 17.473

In Jogginghose mit weißen Streifen

Seite 13

Österreich

99. Krone

22. Dezember 2008

Nr. 17.473

Disco für Jedermann!

Seite 19

Österreich

100. Krone

23. Dezember 2008

Nr. 17.474,

Treppe wird doch entfernt!

Titelseite

 

101. Krone

23. Dezember 2008

Nr. 17.474,

Jetzt geht's also doch: Treppe kommt weg

Seite 12 -13

Österreich

102. Krone

24. Dezember 2008

Nr. 17.475,

Alle Jahre wieder wird gespendet

o. S.

Fünf Seiten täglich für ein besseres Fernsehen

103. Krone

25. Dezember 2008

Nr. 17.476

Weihnachtsfest wurde Rückkehr zu den wahren Werten

Seite 4

Politik

104. Krone

27. Dezember 2008

Nr. 17.477

Bitte an Regierung!

Seite 24

Das freie Wort. Briefe an den Herausgeber

105. Krone

27. Dezember 2008

Nr. 17.477

Konsequenzen!

Seite 26

Das freie Wort. Briefe an den Herausgeber

106. Krone

27. Dezember 2008

Nr. 17.477

Rheumatismus: "Wie ich alle meine Schmerzen ganz ohne Medikamente besiegte"

o. S. In: Gesund. Ihr Magazin für praktische Lebenshilfe. Nr. 984

Gesund

107. Krone

27. Dezember 2008

Nr. 17.477

Heilende "Waisenkinder"

S. 6 - 7. In: Gesund. Ihr Magazin für praktische Lebenshilfe. Nr. 984

Gesund

108. Krone

28. Dezember 2008

Nr. 17.478

Tenor der Herzen

Seite 32

Kultur

109. Krone

29. Dezember 2009,

Nr. 17.479

Behindert durch eine Impfung

Seite 18

Gericht

110. Krone

30. Dezember 2009,

Nr. 17.480

"Gesundheitssprengel müssen 2009 neu strukturiert werden"

Seite 10

Österreich

111. Krone

31. Dezember 2009,

Nr. 17.481

Absetzbarkeit von Spenden

Seite 28

Das freie Wort. Briefe an den Herausgeber

112. TT

15. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.310 - TU

Kleinkind in Klinik entdeckt

Seite 13

Nachrichten

113. TT

15. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.310 - TU

Behinderten - Skisport

Seite 35

Sport Leben

114. TT

15. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.310 - TU

Jackson todkrank ?

Seite 36

 

115. TT

16. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.311 - TU

Freie Wahl für Spender (Leitartikel von Wolfgang Sablatnig)

Seite 3

 

116. TT

16. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.311 - TU

Neuer alter Zugang zur Notaufnahme

Seite 6

 

117. TT

16. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.311 - TU

Proteststurm vor dem Spendengipfel

Seite 11

 

118. TT

16. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.311 - TU

Mark war Rollstuhl schnell wieder los

Seite 12

 

119. TT

16. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.311 - TU

Keine Spur von Eltern

Seite 12

 

120. TT

16. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.311 - TU

Disco-Spaß für alle

Seite 19

 

121. TT

16. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.311 - TU

Essen, trinken, helfen auf der Hochzillertaler Kristallhütte

Seite 22

 

122. TT

16. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.311 - TU

Taube können wieder hören: In: Wissen heute. Beilage zur Zeitschrift Tiroler Tageszeitung

Seite 14 - 15

 

123. TT

17. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.312 - TU

Nicht alle Spenden absetzbar

Seite 1

 

124. TT

17. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.312 - TU

Menschen kommen vor Tieren und der Umwelt

Seite 2

Thema des Tages: Steuerbonus für Mildtätigkeit

125. TT

17. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.312 - TU

Großer Schritt aber mit einem Wehrmutstropfen

Seite 2

Thema des Tages: Steuerbonus für Mildtätigkeit

126. TT

17. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.312 - TU

So funktioniert die Absetzbarkeit von Spenden

Seite 2

Thema des Tages: Steuerbonus für Mildtätigkeit

127. TT

17. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.311 - TU

Österreicher spenden heuer 430 Millionen Euro

Seite 2

Thema des Tages: Steuerbonus für Mildtätigkeit

128. TT

17. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.311 - TU

Die Spenden - Sammler

Seite 2

Thema des Tages: Steuerbonus für Mildtätigkeit

129. TT

17. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.311 - TU

Eine Million Euro für sozialen Markt

Seite 4

Tirol

130. TT

17. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.311 - TU

Viele Möglichkeiten bei Arthrose

Seite 39

Sport Leben

131. TT

17. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.311 - TU

Betreuter Fahrdienst. Wieder rund um dir Uhr mobil. In: Zeitschrift für das Rote Kreuz Tirol - gemeinsam im Zeichen der Menschlichkeit. Zeichen. Sonderbeilage der TT

Ausgabe Nr. 6

Seite 2

 

132. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313

Blanik kritisiert die Spendenabsetz-barkeit

Seite 4

 

133. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313

Kiwanier spendeten für Lebenshilfe

Seite 22

Lokales

134. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313

Absetzbarkeit auch für Umwelt - Spenden

Seite 30

Wetter & Leser

135. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

BEHINDERUNG DARF KEIN HINDERNIS SEIN

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 1

 

136. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Ohne Titel

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 1

 

137. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Ganz nah an den betreuten Menschen

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 2

 

138. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Behinderte Menschen in die Arbeitswelt holen

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 2

 

139. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Einschätzung der Behinderung

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 2

 

140. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Finanzielle Unterstützung für Pflegende Angehörige

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 2

 

141. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Neue Perspektiven am Arbeitsmarkt

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 3

 

142. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Wir sind mehr als ein Amt - wir helfen

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 3

 

143. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Der Behindertenpass bringt viele Vorteile

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 3

 

144. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Rat und Tat durch den Unternehmensservice

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 3

 

145. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Die NOVA kann rückvergütet werden

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 3

 

146. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Wegen Krankheit Probleme im Job?

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 4

 

147. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Aktion 500 bietet neue Chancen

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 4

 

148. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Ein Preis für besonders engagierte Menschen

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 4

 

149. TT

18. Dezember

2008

64. Jahrgang

Nr.313 - BG

Neue Möglichkeiten durch Coaching

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 4

 

150. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Bestes Umfeld in den GW

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 4

 

151. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Integrative Ausbildung in den Geschützten Werkstätten

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 4

 

152. TT

18. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.313 - BG

Arbeitsassistenz: Schlüssel in die Arbeitswelt

Sonderbeilage der TT: Behinderung darf kein Hindernis sein

Seite 4

 

153. TT

19. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.314

Das war der Winter 2008

Seite 2 - 3: In: SporTTotal

Nummer 314

Sport

154. TT

19. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.314

Benefizspiel in Wattens für behinderte Kinder

Seite 9: In: SporTTotal

Nummer 314

Sport

155. TT

20. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.315 - TU

Ich hab' einen neuen! Die neuen Fahrpläne für Bus und Bahn sind da

Seite 7

Tirol

156. TT

20. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.315 - TU

Die Neue Mittelschule - eine Schule für alle Kinder ab 10 Jahren

Seite 15

Nachrichten

157. TT

20. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.315 - TU

Wissenschaftler fordern Hirn-Pillen als Kick für gesunde Menschen

Seite 16

Nachrichten

158. TT

20. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.315 - TU

Ein Verein für Menschen in Grenzsituationen

Seite 5

Service & Termine

159. TT

20. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.315 - TU

Chevrolet Lacetti für Olympiasieger

Seite 6

Auto & Motor

160. TT

22. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.317 - TU

Magischer Nachmittag des Therapiezentrums

Seite 21

Tirol Lokal

161. TT

22. Dezember

2008

64.Jahrgang

Nr.317 - TU

Therapeut auf vier Pfoten

Seite 22

Tirol Lokal

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Hosp mit Scheck für Licht ins Dunkel

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Ratgeber für Menschen mit Asperger Syndrom

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Absetzbare Spenden: Missbrauch verhindern

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Wetter & Leseforum

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Regierung verteilt Weihnachtspakete

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Pflegegeld steigt bis zu 6 Prozent

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"Wollen politische Willkür bei Spenden verhindern"

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Wehrloser im Rollstuhl bestohlen

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Sozial-LR Reheis zieht positive Bilanz

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Provokateur wird EU-Steuermann

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Tumor: Im Schicksal vereint

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Ein Dank vom Staat für die, die Gutes tun

Seite 2

Thema

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Obamas Kampf mit dem Sturm im Wasserglas

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15. Dezember 2008

Billige Wortspenden

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Zu viel Privat-Charity

Seite 24

Kommentar

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Hilfsorganisationen für volle Absetzbarkeit

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Inland

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Kein Euthanasiegedenken am Soldatengrab warnen Veteranen

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Chronik

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Gelähmter Bub stieg aus seinem Rollstuhl auf

Seite 10

Chronik

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Entwicklungshilfe als Spende absetzbar

Seite 1

 

189. Stan-dard

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Kein Spendensegen für Tiere und Umwelt

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Inland

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Liebe und Arbeit mit Robotern

Seite 27

NetBusiness

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Eine kleinliche Großtat

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Kommentar

192. Stan-dard

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Wenn das Gesetz Milde walten lässt

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Kaum Betreuung für Autisten

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Rom, Schönborn und die teuflische Wissenschaft

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Kommentar der Anderen

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"Es fehlt das klare Zeichen, dass das Unrechtsurteile waren"

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Autor: Peter Mayr

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Weihnachtsbaum auf Rädern

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21. /20. Dezember 2008

Spendendebatte: wo bitte verläuft die "vorderste Front"?

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21. /20. Dezember 2008

In Gottes Namen

Seite 40

Kommentar der Anderen

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Spendenregel bringt Zweiklassen-gesellschaft

K22

Karrieren Standard

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Spender sind Glücksengel

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Karrieren Standard

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Musiktherapie

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Sind Umweltschützer Spender zweiter Klasse?

Seite 21

Kultur

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Zuerst verschleppt, dann in der Heimat bestraft

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Cross Over

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Endstation Bahnsteig für dutzende ÖBB Kunden

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Chronik

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23. Dezember 2008

Nano-Röhrchen als Bypass fürs Gehirn

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24. / 25./ 26. Dezember 2008

Licht ins Dunkel des Spendendschungels

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Inland

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24. / 25./ 26. Dezember 2008

Banken mit mühsamen Hürden für Spendenwillige

Seite 8

Inland

208. Stan-dard

24. / 25./ 26. Dezember 2008

Ideen für Junge am geduldigen Papier

Seite 8

Inland

209. Stan-dard

24. / 25./ 26.

Dezember 2008

Aktion "Nicht ins Dunkel"

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Kommunikation

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27. / 28. Dezember 2008

Mindestsicherung soll 2009 umgesetzt werden

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Inland

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27. / 28. Dezember 2008

"Licht ins Dunkel" trotzte der Wirtschaftskrise

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Chronik

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27. / 28. Dezember 2008

Abschwung trifft auch soziales Werkstatt - Projekt

Seite 18

Wirtschaft

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27. / 28. Dezember 2008

Oh Lord, have mercy

o.S.: In DER STANDARD ALBUM

 

214. Stan-dard

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Jeder Euro bringt Licht ins Dunkel

Seite 6

 

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29. Dezember 2008

Wie ein Kopfsprung in einen leeren Pool

Seite 19

Med Standard

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Im Auge des Filmemachers

Seite 12

Chronik

217. Stan-dard

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Pflegegeld

Seite 2

Thema

218. Stan-dard

31. Dezember 2008/ 1. Jänner 2009

Spenden

Seite 3

Thema

219.

Ausgenommen: The New York Times. Articles selected for DER STANDARD

     

Eidesstattliche Erklärung

Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbstständig verfasst habe. Die aus fremden Quellen direkt oder indirekt entnommenen Gedanken sind als solche kenntlich gemacht.

Die Arbeit wurde bisher weder in gleicher noch in ähnlicher Form als wissenschaftliche Arbeit einer anderen Prüfungskommission vorgelegt.

Innsbruck, Juli 2009

Quelle:

Andrea Elisabeth Kaltseis: "Be - hindernde Blicke in den Medien" Analyse der Darstellung von Menschen mit Behinderung in den Medien, mit Fokus auf die Tagespresse

Diplomarbeit zur Erlangung eines akademischen Grades einer Magistra; eingereicht bei Ao. Univ. -Prof. Dr. Schönwiese Volker; Fakultät für Bildungswissenschaften der Leopold Franzens Universität Innsbruck

bidok - Volltextbibliothek: Erstveröffentlichung im Internet

Stand: 23.03.2010

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