„Sie waren das Salz in der Suppe!“

Das Modellprojekt „Peer Counseling im Rheinland“

AutorIn: Ursula Hütte
Themenbereiche: Schule, Arbeitswelt
Schlagwörter: Beratung, Arbeitsmarkt
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: Erschienen in: impulse Nr. 73, 02/2015, Seite 19–23; Schwerpunktthema: Budget für Arbeit; impulse (73/2015)
Copyright: © Ursula Hütte 2015

Abbildungsverzeichnis

    Zusammenfassung

    Seit Juni 2014 ist der Integrationsfachdienst Bonn/ Rhein-Sieg mit seinem Hauptträger INSEL e. V. Teilnehmer am Modellprojekt „Erprobung von Peer Counseling im Rheinland“. Das Projekt ist für weitere zwei Jahre geplant. Im folgenden Praxisbericht wird die Umsetzung des Vorhabens in der Region Bonn/ Rhein-Sieg vorgestellt.

    Einbeziehung von Peer-Beratern bei der Elternarbeit an einer Förderschule

    Begeistert aufgenommen wurde von den anwesenden Eltern, Lehrern und teilnehmenden Trägern aus dem Bereich der beruflichen Eingliederung der Beitrag von Steffen Becker, einem der 12 für den Integrationsfachdienst Bonn/ Rhein-Sieg ehrenamtlich tätigen Peer-Counselors. Anlässlich eines Elternabends in einer Förderschule im Rhein-Sieg-Kreis zum Thema „Wie geht es nach der Schule weiter?“ berichtete Herr Becker von seinem persönlichen Weg als Jugendlicher mit einer Lernbehinderung in den ersten Arbeitsmarkt[1].

    Herr Becker ist selbst ehemaliger Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf und seit elf Jahren in einer Bonner Friedhofsgärtnerei beschäftigt. Nach einem Förderlehrgang im Bereich Garten- und Landschaftsbau verbunden mit verschiedenen Praktika kam er über ein Langzeitpraktikum an eine Festanstellung in diesem kleinen Familienbetrieb. Herr Becker ist gerne draußen, er arbeitet vollzeitig und ist mit seinem Job zufrieden, auch wenn bei saisonbedingten erhöhten Auftragslagen gelegentlich Überstunden anfallen. Besonders stolz ist der 32-Jährige darauf, an seinem Arbeitsplatz der einzige Mitarbeiter zu sein, der Auto fahren kann. Aufgrund seiner Schwerbehinderung kann Herr Becker nicht Lesen und Schreiben. Trotz dieses Handicaps schaffte er es, den Führerschein zu machen. Mit seinem eigenen Wagen ist er mobil und nimmt an diversen Freizeitaktivitäten teil. Unter anderem spielt der sympathische junge Mann in einer Band und nimmt mit dieser auch an öffentlichen Auftritten teil.

    Seit einigen Monaten engagiert sich Herr Becker außerdem ehrenamtlich, indem er als Peer Counselor für den IFD Bonn/ Rhein-Sieg tätig ist. Zusammen mit einer Gruppe von anderen Menschen mit einer Behinderung, die im Arbeitsleben stehen, bietet er als Experte in eigener Sache „Beratung auf Augenhöhe“ für Gleichbetroffene an. Seine Motivation dabei ist, dass er seine eigenen Erfahrungen anderen Menschen mit einer Behinderung vermitteln und ihnen helfen will, ihren Weg in den Arbeitsmarkt zu finden.

    Die Geschichte von Herrn Becker macht den betroffenen Eltern Mut und verdeutlicht, dass für SchülerInnen mit besonderem Förderbedarf durchaus Chancen auf einen Arbeitsplatz am allgemeinen Arbeitsmarkt bestehen und der Weg nicht zwangsläufig in eine Werkstatt für behinderte Menschen führen muss. Gerade für Eltern, die vor der Entscheidung stehen, wie es mit ihrem Kind nach der Förderschule weitergehen soll, bietet das Gespräch mit einem Peer Counselor die Möglichkeit, durch ein konkretes Beispiel eines gelungenen Übergangs in den Arbeitsmarkt ihre Ängste und Verunsicherungen zu verlieren. Die Peer BeraterInnen kennen mögliche Bedenken und Schwierigkeiten aus eigener Erfahrung, können wertvolle Hinweise geben, Fachwissen aus verschiedenen Arbeitsbereichen vermitteln sowie Wege und Stolpersteine aufzeigen. Das Wissen und die Erfahrung der Peer Counselors gibt Denkanstöße und trägt dazu bei, Barrieren abzubauen und individuelle Problemlösungen zu entwickeln. Positive Beispiele von SchülerInnen, die es trotz einer Behinderung geschafft haben, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, können dazu beitragen, Bedenken von Eltern auszuräumen (Wie geht Berufsausbildung mit Behinderung? Worauf muss man achten? Ist mein Kind am Arbeitsmarkt nicht überfordert?) und sie in der Auffassung zu bestärken, dass auch ihr Kind einen Platz auf dem Arbeitsmarkt finden und sich so eine berufliche und gesellschaftliche Unabhängigkeit aufbauen kann.

    Abbildung 1. Die Peer Counselor des IFD Bonn Rhein-Sieg

    Gruppenfoto

    Foto: IFD Bonn



    [1] „Sie waren das Salz in der Suppe!“ war das Fazit eines Klassenlehrers der Förderschule Windeck-Rossel (Förderschwerpunkt geistige Entwicklung) nach einem Elternabends unter Mitwirkung von Herrn Becker als Peer Counselor des IFD (April 2015)

    Peer Counseling als neues Angebot des Integrationsfachdienstes

    Die Mitwirkung als Peer Counselor an Elternabenden in den Förderschulen der Region ist nur eines der Angebote des neu geschaffenen ehrenamtlichen Beraterteams des Integrationsfachdienstes Bonn/ Rhein-Sieg. Peer-zu-Peer Beratung richtet sich an unterschiedliche Zielgruppen und etabliert sich zurzeit erfolgreich als Erweiterung des Angebotsspektrums des IFD. Vor allem in den Übergangsbereichen sowie bei der Berufsbegleitung und Vermittlung bieten sich zudem diverse Optionen zur Verzahnung von Peer Counseling mit seit langem bestehenden Beratungsmöglichkeiten.

    Neben der oben beschriebenen Elternarbeit ist an den Förderschulen die Beratung und Unterstützung der SchülerInnen ein weiteres wichtiges Einsatzfeld für die Peer-Counselors. Im Rahmen des Bundesprogramms „Initiative Inklusion“ und des Landesprogramms „STAR – Schule trifft Arbeitswelt“ werden SchülerInnen mit besonderem Förderbedarf beim Übergang von der Schule in den Beruf vom Integrationsfachdienst im Rahmen einer individuellen betriebsnahen Berufsorientierung mit verschiedenen Angeboten intensiv begleitet. Darin enthalten sind u. a. Potentialanalysen, die Entwicklung einer realistischen beruflichen Perspektive, Reflexion der eigenen Stärken und Schwächen sowie die Vermittlung und Begleitung betriebsinterner Praktika. Peer BeraterInnen werden gezielt bei ausgewählten Maßnahmen einbezogen, und stellen sich dort den Fragen der SchülerInnen. Anhand ihrer persönlichen Geschichte, durch Berichte aus ihrer individuellen Arbeitssituation oder auch Betriebserkundungen bringen sie den Jugendlichen die Arbeitsrealität näher, zeigen ihnen Wege auf und helfen bei der Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten und Wünschen.

    Auch in den Werkstätten für behinderte Menschen (WfBM) sowie in niederschwelligen Arbeitsangeboten sind Peer-Berater aktiv. Im Rahmen von Kooperationsvereinbarungen mit den Werkstätten begleitet der Integrationsfachdienst Praktika auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und steht bei der Arbeitsaufnahme zur Seite. Bei der Unterstützung von Menschen mit Behinderung, die z.B. auf Grund einer langwierigen und schweren Krankheit oder einer seelischen Erkrankung nicht in der Lage waren, sich den Bedingungen des Arbeitsmarkts zu stellen und einen (Neu-)Einstieg suchen, greifen die IFD-FachberaterInnen, RehabilitationsberaterInnen und das Fachpersonal der Werkstätten gerne auf das ehrenamtliche Beraterteam zurück. Mit ihrer Kompetenz und Erfahrung stellen die Peers insbesondere im Übergangs- und Vermittlungsbereich eine wichtige Informationsquelle und Motivationshilfe dar. Jemand, der selbst als Mensch mit einer Behinderung den Übergang in den Arbeitsmarkt bewältigt hat, kann seine eigenen Erfahrungen beim Umgang mit Ängsten und Herausforderungen während dieser Phase überzeugend weitergeben und auf bestehende Unterstützungsmöglichkeiten hinweisen. So ein Bericht „aus erster Hand“ wirkt authentisch, trägt zur Stärkung des Selbstbewusstseins der Ratsuchenden bei und gibt Hoffnung, dass man selbst diesen Weg auch schaff en kann.

    Weitere Adressaten für Beratungen von Peer zu Peer sind ArbeitnehmerInnen, die sich gerne mit jemand austauschen möchten, der wie sie selbst behindert ist und im Arbeitsleben steht. Besonders für junge Beschäftigte, die vor kurzem in Arbeit gekommen sind, z. B. aus Maßnahmen der Unterstützten Beschäftigung, ist diese Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs ein hilfreiches Angebot. Bei derartigen Gesprächen kommen Themen, wie z. B. Umgang mit der eigenen Behinderung im Arbeitsleben, Abgrenzung gegenüber ChefIn und KollegInnen sowie Möglichkeiten zur Vermeidung von Überlastung und Überforderung im Betrieb zur Sprache. Insbesondere für ehemalige Beschäftigte von Werkstätten und jüngere ArbeitnehmerInnen sind jedoch auch Kontaktsuche und Freizeitgestaltung wichtige Themen.

    Darüber hinaus stellen die Peer-BeraterInnen sich selbst mit ihrem beruflichen Werdegang und das Beratungsangebot bei öffentlichen Veranstaltungen, wie z.B. dem Tag der Begegnung, Arbeitgeberveranstaltungen oder der jährlich stattfindende regionalen Berufswahlmesse für SchülerInnen mit Förderbedarf vor und stehen für Gespräche zur Verfügung. Anlässlich eines Aktionstages gab einer der Peers sogar ein Radiointerview zu seiner ehrenamtlichen Beratertätigkeit für den lokalen Bürgerfunk; ein weiteres Mitglied des BeraterInnenteams wurde für einen Artikel in der örtlichen Tageszeitung zum Thema „Erfolgreich bewerben trotz Behinderung“ befragt.

    Aus der Mitwirkung der Peer BeraterInnen an diversen Veranstaltungen und Gruppenangeboten ergeben sich in der Folge häufig Einzelgespräche, die von den Ratsuchenden alleine oder mit einer Person aus dem privaten oder beruflichen Umfeld (z. B. Eltern, BetreuerInnen) wahrgenommen werden. Die persönlichen Beratungen (und eventuellen Folgetermine) ermöglichen gezieltes Eingehen auf spezifische Themen der Ratsuchenden und einen intensiven Erfahrungsaustausch zwischen Gleichbetroffenen.

    Das Peer Counseling Angebot des Integrationsfachdienstes Bonn/ Rhein-Sieg umfasst derzeit eine regelmäßige offene Sprechstunde im IFD, individuelle Einzelgespräche sowie Mitwirkung an Veranstaltungen rund um das Thema „Behinderung und Arbeit“. Außerdem können Tandem-Gesprächen zusammen mit dem IFD-Fachpersonal angefragt werden.

    Die Arbeit im Modellprojekt

    Ermöglicht wird die Entwicklung des Peer Counseling Angebots des Integrationsfachdienstes durch finanzielle Förderung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) im Rahmen des Modellprojekts „Erprobung von Peer Counseling im Rheinland“, an dem der IFD Bonn/ Rhein-Sieg mit neun weiteren Beratungsstellen teilnimmt. Der LVR fördert die Projektarbeit nicht nur finanziell, sondern unterstützt zudem den Erfahrungsaustausch der Projektpartner durch regelmäßige Treff en der KoordinatorInnen. Zusätzlich finden in Abständen Tagungen mit allen teilnehmenden Institutionen statt, an denen auch Peer Counselors und VertreterInnen der wissenschaftlichen Begleitforschung teilnehmen.

    Seit dem Projektstart am 1. Juni 2014 wurden durch den Integrationsfachdienst Personen, die sich möglicherweise für eine Tätigkeit als Peer Counselor interessieren könnten, gezielt angesprochen. Dies waren zum großen Teil Menschen mit einer (Schwer-)Behinderung, die mit Unterstützung des IFD in Arbeit vermittelt werden konnten bzw. ehemalige KlientInnen aus der Berufsbegleitung. Außerdem wurde mittels Öffentlichkeitsarbeit (Flyer, Website, etc.) und über Präsentationen im regionalen Netzwerk des IFD auf das Projekt und die Möglichkeit zur Teilnahme aufmerksam gemacht. Die Bekanntmachung des Projekts stieß auf großes Interesse in der Region und führte bereits in dieser frühen Phase zur Anmeldung von Beratungsbedarf aus den verschiedenen mit dem Thema Berufsfindung, Arbeitsvermittlung etc. befassten Institutionen.

    Die bei der Suche nach potentiellen Peer BeraterInnen angelegten Kriterien waren niederschwellig. Zunächst wurden mit allen Interessenten Einzelgespräche geführt, um genauer über das Vorhaben und die Spezifika des zu entwickelnden Beratungsangebots zu informieren. Ein weiteres Ziel war es, sicherzustellen, dass die ehrenamtliche Tätigkeit als Peer Counselor zur jeweils aktuellen Lebens- und Arbeitssituation passt und Überforderungssituationen auf Seiten der Teilnehmenden vermieden werden.

    Aus den Kontakten mit den BewerberInnen kristallisierte sich eine Gruppe von 12 Personen heraus, die sich vorstellen konnten, neben dem Beruf ein Ehrenamt auszuüben und als Peer Counselor tätig zu sein. Ein Berater schied wieder aus, weil die Ausübung des Ehrenamts neben seiner Berufstätigkeit zu viel Zeit beanspruchte und er sich überfordert fühlte. Ein weiterer Teilnehmer kam nach einem Einzelgespräch mit einem Peer Counselor hinzu, weil er von der Methode begeistert war und den Wunsch hatte, auf diese Weise selbst auch Gleichbetroffenen zu helfen.

    Die Gruppe der Peers ist bezüglich Alter und Geschlecht gemischt, bei den Teilnehmenden sind zudem ganz unterschiedliche Behinderungsarten vertreten. Allen Interessenten wurde die Möglichkeit geboten, an den projektinternen Fortbildungsmodulen des Zentrums für selbstbestimmtes Leben in Köln (ZSL) teilzunehmen, die u. a. zu Themen wie Auseinandersetzung mit der eigenen Behinderung, Kontaktaufnahme und Abgrenzung, Gesprächsführung, etc. angeboten werden. Außerdem findet intensive Gruppenarbeit statt, zu der sich alle Bonner Peer Berater einmal pro Monat mit der Projektkoordination im IFD treffen. Die Inhalte der Treff en sind vielfältig und richten sich nach dem Bedarf der Teilnehmenden. So können z.B. spezifische Themen aus den Beratungen vertieft, sowie exemplarische Situationen aus der eigenen Arbeitsrealität besprochen werden. Die Beratungssituationen selbst haben einen wichtigen Stellenwert bei diesen Treffen und werden in Rollenspielen immer wieder intensiv geübt. Erfolgreiche Beratungen und Präsentationen werden als positive Beispiele von allen gewürdigt und für die gemeinsame Arbeit in der Gruppe genutzt.

    Die konkreten Beratungsangebote der Peer Counselors wurden in Zusammenarbeit mit den Peers, dem Team des IFD und interessierten Netzwerkpartnern bedarfsentsprechend konkretisiert und sukzessive weiter ausgebaut. Die Abstimmung der Beratungstermine erfolgt über die Projektkoordination. Für die Ausübung ihres Ehrenamts erhalten die Peers eine Aufwandsentschädigung, etwaige Fahrtkosten etc. werden aus dem Projektbudget finanziert.

    Alle Peer Counselors waren von Beginn an sehr motiviert und sind nach wie vor begeistert bei der Sache. Ein Großteil von ihnen ist beruflich vollzeitig eingebunden und dennoch gerne bereit, einen Teil ihrer Freizeit für andere zu opfern, denn nicht alle Arbeitgeber sind bereit bzw. in der Lage, ihren ArbeitnehmerInnen für ihr Ehrenamt regelmäßig frei zu geben. Inzwischen ist die Gruppe der Peer BeraterInnen eng zusammen gewachsen und es ist eine Freude, zu beobachten, wie groß ihr Stolz ist, Gleichbetroffenen Unterstützung geben zu können und einmal nicht selbst Empfänger von Hilfen zu sein. Darüber hinaus kann auch festgestellt werden, wie die Peers selbst von ihrer Beratungstätigkeit profitieren. Sie geben sich gegenseitig Unterstützung und blühen auf, ehemals stille „Mauerblümchen“ beteiligen sich intensiv an Diskussionen und verteidigen selbstbewusst ihren Standpunkt. Eigene Ideen werden bei den Gruppentreffen eingebracht und man traut sich zunehmend, auch vor größerem Publikum zu sprechen.

    Ausblick

    Aktuell liegen noch weitere zwei Jahre Projektlaufzeit vor uns, in denen Peer Beratung im IFD erprobt wird. Noch ist viel zu tun: Das Angebot soll noch weiter ausgebaut werden und zusätzliche Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Akteuren in der Region, wie z.B. mit der Agentur für Arbeit, KoKoBe und anderen Beratungsstellen werden derzeit ausgelotet. Zudem gibt es innerhalb des Integrationsfachdienstes Überlegungen, wie sich Peer Counseling noch stärker in der Beratungsarbeit verankern lassen könnte. Jedoch zeigen sich nach Ablauf des ersten Projektjahrs auch Herausforderungen, mit denen umgegangen werden muss. Diese liegen zum einen in den zeitlich begrenzten Einsatzmöglichkeiten der ehrenamtlich tätigen Peer BeraterInnen bei steigender Nachfrage nach Terminen in der regulären Arbeitszeit; außerdem sind die Implementierung von Peer Counseling in den Regelbetrieb des IFD und eine Weiterfinanzierung des Angebots nach der Projektlaufzeit noch ungeklärt.

    Zum jetzigen Zeitpunkt kann allerdings bereits festgestellt werden, dass die Arbeit im Modellprojekt einen gemeinsamen Lernprozess ausgelöst hat, von dem alle profitieren:

    Durch die Zusammenarbeit im Projektnetzwerk lernen die teilnehmenden Beratungsstellen neue Sicht- und Arbeitsweisen kennen. Der Austausch mit den anderen Projekten vermittelt interessante Anregungen, die in die eigene Arbeit einfließen können.

    Der LVR als Träger des gesamten Modellprojekts zieht aus der Erprobung des Ansatzes in verschiedenen Bereichen und aus den Ergebnissen der Begleitforschung Erkenntnisgewinn für die Entwicklung von Projekten und weiteren Maßnahmen in diesem Bereich.

    In den Gesprächen von Peer zu Peer werden relevante Informationen und Anregungen vermittelt, die die Ratsuchenden für den Umgang mit ihrer individuellen Situation nutzen können. Sie werden unterstützt und ermutigt, ihren eigenen Weg zu finden und lernen auf diese Weise, sich selbst zu helfen.

    Die Peer BeraterInnen lernen, sich ihrer Fähigkeiten noch mehr bewusst zu werden und ihre eigenen Stärken zu sehen. Ihr Selbstbewusstsein entwickelt sich und sie erhalten Impulse zu ihrer persönlichen und ggf. beruflichen) Entwicklung.

    Die Arbeit im Integrationsfachdienst profitiert von der sich verändernden Sicht auf Behinderung: Der Blickwinkel wechselt von den Einschränkungen hin zu den Stärken jedes Einzelnen, denn die Zusammenarbeit mit den Peer Counselors macht deutlich: Jeder hat Potential, jeder kann etwas gut, egal ob mit oder ohne eine Behinderung.

    Abbildung 2. Ursula Hütte

    Portrait von Ursula Hütte

    Ursula Hütte ist Fachberaterin im Integrationsfachdienst Bonn Rhein-Sieg.

    Kontakt und nähere Informationen:

    Ursula Hütte

    Integrationsfachdienst Bonn Rhein-Sieg

    Maximilianstr. 22, 53111 Bonn

    Tel.: 0228 / 92685-213

    Mail: u.huette@ifd-bonn.de

    Quelle

    Ursula Hütter: "Sie waren das Salz in der Suppe!“. Das Modellprojekt „Peer Counseling im Rheinland“ Erschienen in: impulse Nr. 73/2015, Seite 19–23.

    bidok-Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

    Stand: 11.11.2017

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