Was ist Sozial-Raum-Orientierung?

AutorIn: Wolfgang Hinte
Schlagwörter: Gesellschaft, Sozialpolitik, Recht, Kommunikation, Inklusion, Netzwerk, Soziale Arbeit
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: Erschienen in: impulse Nr. 67, 4/2013, S. 29-33 impulse (67/2013)
Copyright: © Wolfgang Hinte 2013

Informationen

Das ist eine Zusammen-Fassung des Vortrages:

Sozialräume gestalten statt Sondersysteme befördern.

Den Vortrag hat Wolfgang Hinte gehalten.

Herr Hinte unterrichtet an der Universität Duisburg-Essen.

Der Unterschied zwischen Integration und Inklusion:

Herr Hinte erklärt:

Wenn man einen großen Haufen rote Gummi-Bärchen hat

und daneben einen mit bunten Gummi-Bärchen.

Und wenn man dann die bunten Gummi-Bärchen in die Mitte

der roten Gummi-Bärchen legt,

dann ist das Integration.

Wenn aber von Anfang an die roten Gummi-Bärchen

zwischen den bunten Gummi-Bärchen liegen,

dann ist das Inklusion.

Die Soziale Arbeit macht viel für die Integration.

Aber:

Die Soziale Arbeit macht auch etwas gegen die Integration,

weil sie manchen Menschen einen Stempel aufdrückt:

Solche Stempel heißen zum Beispiel:

besonderer Förder-Bedarf, Verhaltens-gestört oder behindert.

Dadurch teilen wir die Menschen in Gruppen.

Und diese Gruppen trennen wir voneinander.

Das ist das Gegenteil von Integration und Inklusion.

Was ist Sozial-Raum-Orientierung?

Sozial-Raum nennen wir die Umgebung,

wo ein Mensch lebt.

  • Wie ist der Stadt-Teil?

  • Was gibt es dort?

  • Welche Menschen leben dort?

  • Welche Einkaufs-Möglichkeiten gibt es dort?

  • Was kann man dort noch machen?

Das alles ist der Sozial-Raum.

Bei der Sozial-Raum-Orientierung

geht es nicht nur darum,

dem einzelnen Menschen zu helfen.

Sondern man schaut in der Umgebung des Menschen,

welche Hilfen und Unterstützungs-Möglichkeiten es gibt.

Bei der Sozialraum-Orientierung sind 4 Punkte wichtig:

1. Den Menschen zuhören.

An erster Stelle steht der Wille der Menschen

in dem Stadt-Teil.

Dazu muss man den Menschen gut zuhören.

  • Was wollen die Menschen?

  • Was stört sie am meisten?

  • Was wollen sie erreichen?

Wenn man solche Fragen stellt, dann bekommt man

auch die Unterstützung der Menschen.

Dann werden sie mit arbeiten.

2. Den Menschen dabei helfen, etwas selbst zu tun.

Die Menschen sollen soviel wie möglich selber machen.

Wenn die Menschen nie etwas selber machen können,

dann lernen sie es auch nie.

Die Menschen sollen sich nicht zurück lehnen

und nur schimpfen.

Sondern sie sollen aktiv mit arbeiten.

Die Soziale Arbeit kann den Menschen dabei helfen.

3. Die Fähigkeiten und die Stärken erkennen.

Manchmal weiß man nicht,

was eine Stärke oder eine Schwäche ist.

Herr Hinte erzählt 2 Beispiele:

Ein Jugendlicher klaut oft.

Dieser Junge weiß am besten,

wie man auf die Gruppen-Kasse aufpasst.

Ein anderer Junge schwänzt oft die Schule.

Er kann gut Lehrer und Lehrerinnen beraten,

die Probleme mit Schul-Schwänzern haben.

Es kommt also immer darauf an,

von welcher Seite aus man den Menschen betrachtet.

Dann hat jeder Fähigkeiten und Stärken.

Aber:

Bei den Hilfen für behinderte Menschen ist das anders.

Es ist gut, wenn man seine Stärken kennt.

Aber dann kommt ein Gutachter

vom medizinischen Dienst der Kranken-Kasse.

Dann muss der behinderte Mensch sagen,

was er alles nicht kann.

Hier muss er alle seine Schwächen aufzählen.

Sonst bekommt er keine Hilfe.

4. Mit allen zusammen arbeiten.

Wir arbeiten nicht nur für einzelne Menschen.

Zum Beispiel nur für Menschen mit Behinderung

Oder nur für alte Menschen.

Sondern wir arbeiten mit

und für alle Menschen in dem Stadt-Teil.

Wenn wir wollen, dass alle Menschen gut zusammen leben,

dann müssen wir auch mit allen Menschen

zusammen arbeiten.

Darum müssen die verschiedenen Stellen

gut zusammen arbeiten.

Die Soziale Arbeit ist der Vermittler

zwischen den verschiedenen Menschen.

Und zwischen den Menschen

und den Ämtern und Behörden.

Wenn die Soziale Arbeit etwas für die Inklusion machen will,

dann darf sie nicht nur etwas für behinderte Menschen machen.

Sondern für alle Menschen in dem Stadt-Teil,

wo die behinderten Menschen leben.

Das ist Sozial-Raum-Orientierung.

Das heißt zum Beispiel:

  • Wir brauchen nicht noch bessere Werkstätten.

    Sondern: Wir müssen die Firmen dabei unterstützen,

    dass sie mehr Arbeits-Plätze für behinderte Menschen haben.

  • Wir brauchen nicht noch ein neues Wohn-Heim.

    Sondern: Wir brauchen mehr Wohnungen im Stadt-Teil,

    wo auch behinderte Menschen wohnen können.

  • Und dafür müssen wir mit allen Menschen

    in dem Stadt-Teil sprechen.

Wer soll das bezahlen?

In Deutschland gibt es viele Gesetze und Regeln dafür,

welche Hilfen es gibt.

  • Es gibt Hilfen für behinderte oder alte Menschen.

  • Es gibt Hilfen für arbeitslose oder junge Menschen.

  • Es gibt Hilfen für Frauen und es gibt Hilfen für Ausländer.

Jede Hilfe wird von einer anderen Stelle bezahlt.

Zum Beispiel:

  • die Kranken-Kasse

  • das Arbeits-Amt

  • das Sozial-Amt

Für jede Hilfe und für jede Stelle

muss man ein Antrag schreiben.

Und jede Hilfe wird von einer anderen Stelle bezahlt.

Hier muss man also etwas ändern,

damit man das besser bezahlen kann.

Was ist zu tun?

Am Ende seines Vortrages hat Herr Hinte

5 große Fragen:

1. Wie können wir dafür sorgen,

dass der Wille der Menschen im Vordergrund steht?

2. Wie können wir die gegenseitige Hilfe

der Menschen fördern?

3. Geld vom Staat gibt es nur,

wenn man zeigt,

was man nicht kann.

Was können wir dagegen tun?

4. Wie müssen die Gesetze sein,

damit man nicht nur einzelnen Menschen helfen kann?

Sondern dem ganzen Stadt-Teil?

5. Und was kann man dafür tun,

damit all die vielen verschiedenen Stellen

und Menschen gut zusammen arbeiten?

Quelle

Wolfgang Hinte: Sozial-Raum-Orientierung. Erschienen in: impulse Nr. 67/2013, Seite 29-33.

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 12.09.2016

zum Textanfang | zum Seitenanfang | zur Navigation