Greenkeeperhelfer am Golf-Resort

Ein JobBudget Praxisbeispiel

AutorIn: Edith Bartelmes
Themenbereiche: Arbeitswelt
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: Erschienen in: impulse Nr. 55, 4/2010, Seite 30-33.
Copyright: © Edith Bartelmes 2010

Greenkeeperhelfer am Golf-Resort

Herr B. ist ein junger Mann mit Lernschwierigkeiten, Sprachbehinderung und autistischen Störungen. Er besuchte eine Förderschule G und bekam eine Empfehlung für die Aufnahme in eine Werkstatt für behinderte Menschen. Nach einigen Praktika in einer WfbM entschied sich Herr B., jedoch für eine Tätigkeit am allgemeinen Arbeitsmarkt und für die Teilnahme am Projekt JobBudget.

Hierzu beantragte Herr B. bei der Agentur für Arbeit ein Persönliches Budget analog dem Berufsbildungsbereich einer Werkstatt für behinderte Menschen (zu diesem Zeitpunkt bestanden noch keine Kooperationsvereinbarungen mit einer regionalen WfbM). Mit diesem Persönlichen Budget kaufte sich Herr B. bei der ZsL - Regionalstelle Bitburg - Prüm die Unterstützungsleistungen des Modellprojektes JobBudget ein. Sein Berufswunsch war Gärtner, deshalb wurde zur dauerhaften Förderung und Qualifizierung für ihn eine Praktikumsstelle auf einem Golfplatz akquiriert.

"Ich arbeite auf dem Golfplatz Bitburger Land. Meine Aufgaben sind Rasen mähen, Hecken schneiden, den Bunker sauber halten, die Mülleimer leeren, die Pflege der Wege und des Kinderspielplatzes", erzählt Herr B. "Auch die Pflege der Golfcarts gehört zu meinen Aufgaben. Meinen Kollegen helfe ich aber auch bei anderen Arbeiten, wie Pflastern von Wegen. Mit meinen Kollegen verstehe ich mich gut und treffe mich auch manchmal in der Freizeit mit Ihnen"

Neben der betrieblichen Qualifizierung erhielt Herr B. während seiner Teilnahme an dem Projekt JobBudget regelmäßig Schulungseinheiten zu wichtigen arbeitsmarktrelevanten und lebenspraktischen Themen, wie z.B. Verhalten im Betrieb gegenüber Kollegen und Vorgesetzten, Kritik und Umgang mit Kritik, Arbeitssicherheitsregeln, etc. Innerhalb der schulischen Förderung erlernte Hr. B. auch das Lesen und Schreiben durch gezielte Einzelfallhilfe.

Herr B. wurde in der Zeit des Qualifizierungspraktikums intensiv von den Jobcoaches des ZsL angeleitet und in der Kommunikation mit den Kollegen unterstützt. Darüber hinaus erhielt Herr B. in dieser Qualifizierungszeit professionelle Einweisung in wichtige Maschinen, z.B. in das Fahren von Golfcart und Traktor oder die Bedienung von Freischneider und motorisierter Heckenschere. Herr B. hat sich in seinem Praktikum sehr gut entwickelt und wurde fester Bestandteil des Teams.

Auch der Geschäftsführer des Golfplatzes ist sehr zufrieden mit Herrn B. und dessen Arbeit. Er schätzt Herrn B. als zuverlässigen Mitarbeiter seines Teams. Aus diesem Grund bot er Herrn B. zum 01.08.2010 ein unbefristetes Arbeitsverhältnis auf dem Golfplatz an. Herr B. ist nun im Rahmen des "Budgets für Arbeit" des Landes Rheinland-Pfalz beschäftigt und verdient einen tariflich orientierten Helferlohn.

Ins Mitarbeiterteam ist Herr B. voll integriert, die Besucher des Golfplatzes schätzen seine freundliche Art und seine gründliche und zuverlässige Arbeit, die sich nicht zuletzt in den sauberen Golfcarts widerspiegelt.

Durch seine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ist Herr B. selbstständiger und selbstsicherer geworden und traut sich an neue Herausforderungen heran. So macht er zurzeit den Führerschein Klasse S, dadurch kann er in Zukunft mit einem eigenen Auto (mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 45 km/h) den Weg zur Arbeit auch selbstständig bewältigen.

Die ZsL-Beratungsstelle Eifelkreis Bitburg-Prüm

Die Beratungs- und Vernetzungsstelle des Zentrums für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen Mainz e.V. Regionalstelle Bitburg - Prüm besteht seit 2008 und hat den Schwerpunkt der Integration behinderter Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Besondere Bedeutung kommt dabei dem bundesweiten Modellprojekt "JobBudget" zu. Als weiteres Angebot in diesem Bereich bieten wir die "InbeQ" analog der "Unterstützten Beschäftigung" an.

Als Interessenvertretung von Menschen mit Behinderung verfolgen wir das Ziel der Inklusion, wonach jeder Mensch unabhängig seiner Fähigkeiten als Individuum angenommen werden soll und an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens teilhaben kann.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentrums für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen arbeiten nach dem Grundsatz "Beratung von Betroffenen für Betroffene". Dies bedeutet, dass fast alle in der Beratung und Leitung tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zentren für selbstbestimmtes Leben selbst behindert sind. Sie sprechen also aus eigener Erfahrung.

Das Angebot ist umfassend: vom persönlichen Zukunftsplan über Einzel- und Gruppenberatung, Information zu speziellen Themen wie Budget für Arbeit und persönlichem Budget und deren Antragsverfahren, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberberatungen, Arbeitsplatzausstattung, Akquise von Praktika- und Arbeitsstellen, individuelle Anleitung und Begleitung am Arbeitsplatz (Jobcoaching), Hilfe bei Antragstellungen zur Feststellung des Grades der Behinderung, Unterstützung bei der Erledigung aller Formalitäten. Seit dem 01.10.2010 verfügen wir auch über eine Trainingswohnung. Hier stehen Unterstützungsleistungen zur Verselbstständigung im Bereich Wohnen im Vordergrund. Dies ist in Eifelkreis Bitburg - Prüm von besonderer Bedeutung, da auf Grund der schlechten Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel viele Teilnehmer gezwungen sind ihr bisheriges soziales Umfeld zu verlassen und in die Nähe der Arbeits- bzw. Praktikumsstelle zu ziehen.

Durch die langjährige Arbeit des ZsL im Bereich der Arbeitsmarktintegration behinderter Menschen bringen wir vielfältige Kompetenzen und Ressourcen mit, die für die Unterstützungsleistungen im allgemeinen Arbeitsmarkt hilfreich und erforderlich sind:

Die Besonderheiten des Modellprojektes JobBudget in der Region Bitburg-Prüm

Der Eifelkreis Bitburg Prüm ist eine stark ländlich geprägte Region mit teils geringer Infrastruktur. Die Einwohner wohnen weit in der Flächenregion verteilt (mit Entfernungen von bis zu 50 km zur Kreisstadt Bitburg). Viele Orte verfügen nur über eine sehr eingeschränkte bzw. keine Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Die fehlende Mobilität muss deshalb häufig durch Fahrdienste der Mitarbeiterinnen des Modelprojektes Jobbudget erbracht werden. Die dafür aufgewendet Arbeitszeit kann im Einzelfall bis zu 2 Stunden täglich betragen. Dies stellt eine besondere Herausforderung an die Arbeit in dem Bundesmodellprojekt JobBudget dar, da es sich oftmals problematisch gestaltet wohnortnahe Praktikumsstellen für die Teilnehmer unter Berücksichtigung einer vertretbaren Arbeitszeit zu finden.

Derzeit bestehen in der Region des Eifelkreises Kooperationsvereinbarungen mit 3 Werkstätten für behinderte Menschen. Die Teilnahme an JobBudget im Eifelkreis Bitburg - Prüm ist, anders als an den anderen Standorten des Modellprojektes ausschließlich unter Nutzung des Persönlichen Budgets möglich. Die Möglichkeit Teilleistungen des externen Anbieters aus zu wählen und ein zu kaufen besteht für die Jobbudgetteilnehmer im Eifelkreis bisher nicht, da das so genannte Sachleistungsprinzip nicht angeboten wird. Entscheidet sich also ein WfbM - Beschäftigter für die Teilnahme an JobBudget so muss er einen Antrag auf persönliches Budget analog dem monatlichen Kostensatz der WfbM, bei dem örtlichen Sozialhilfeträger stellen und sich die erforderlichen Unterstützungsleistungen als "Komplettangebot" beim ambulanten Anbieter, in diesem Falle bei ZsL einkaufen. Die Budgetnehmer zahlen darüber hinaus eine monatliche Bearbeitungspauschale an die jeweilige WfbM zur Überweisung der Sozialversicherungsbeiträge. Sie können in der Regel ein Jahr den Status eines WfbM -Mitarbeiters beibehalten und erhalten den Werkstattlohn, den sich Werkstatt und ZsL - Jobbudget zu je 50% teilen. Dies gilt auch wenn der Praktikumsgeber sich an der Entlohnung beteiligt.

Der Antrag auf ein Persönliches Budget, dass je nach Beschäftigungsstatus in der WfbM bei der Agentur für Arbeit (im Berufsbildungsbereich zu Beginn des Modellprojektes) oder bei der Kreisverwaltung des Eifelkreises Bitburg - Prüm (Arbeitsbereich WfbM) gestellt werden muss, gestaltet sich eher unkompliziert. Die Kostenträger sind der Nutzung des Persönlichen Budget gegenüber aufgeschlossen und bieten kompetente Unterstützung und Beratung an.

Die ZsL - Regionalstelle Bitburg - Prüm motiviert die Teilnehmer des Projektes JobBudget dazu, selbstbestimmt an allen wichtigen Schritten des Überganges teilzunehmen. Nachdem in der ersten Phase der Berufsorientierung / Berufswegeplanung (z. T. in projektorientierter Gruppenarbeit, z. T. in der individuellen Beratung) erste Ideen zu Berufswünschen bzw. interessierenden Arbeitsbereichen entwickelt werden konnten, geht es in der weiteren Unterstützung darum, die ersten konkreten Berührungspunkte mit der realen Arbeitswelt vorzubereiten.

Die Teilnehmer werden auch hier aktiv in den Prozess der Praktikumsvorbereitung einbezogen. Dies beinhaltet, dass wir die Kompetenzen und Fähigkeiten der Teilnehmer individuell fördern und adäquate Praktikumsstellen akquirieren. Hier orientieren wir uns in erster Linie an den Interessen und Fähigkeiten der Teilnehmer.

Bei der Vielfalt an Anforderungen, die solche Praktika für die Zielgruppe des Projektes Jobbudget mit sich bringen, wird deutlich, dass eine konkrete fachliche Unterstützung und Begleitung (Jobcoach) während dieser Praktika unerlässlich ist.

Konnte ein Teilnehmer von JobBudget in ein Praktikum vermittelt und dort erfolgreich stabilisiert werden, so dass eine Übernahme in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis möglich ist, kommt in Rheinland-Pfalz das Budget für Arbeit zum Tragen. Dies garantiert eine nachhaltige Finanzierung des Arbeitsplatzes für diesen Personenkreis und somit eine zusätzliche Absicherung für die Teilnehmer an dem Projekt JobBudget.

Im ersten Jahr der Nutzung des Budgets für Arbeit wird ein sozialpädagogischer Fachdienst mit monatlich 4 Stunden finanziert.

Budget für Arbeit Rheinland-Pfalz - Finanzierungsmodell zur Arbeitsplatzsicherung

Das Budget für Arbeit ist eine Geldleistung, mit der Menschen mit Behinderung, die im Arbeitsbereich einer Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigt sind oder im Anschluss an das Eingangsverfahren und den Berufsbildungsbereich Anspruch auf Aufnahme in den Arbeitsbereich haben, der Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erleichtert werden soll. Statt aus Mitteln der Eingliederungshilfe die Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen zu finanzieren, nutzen die Träger der Sozialhilfe den Eingliederungstitel, um damit Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu fördern. Die Geldleistung wird als Budget für Arbeit statt an die Werkstatt direkt an den Arbeitgeber als Ausgleich für eine Minderleistung des Menschen mit Behinderung gezahlt. Die Budgetnehmer nehmen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf und werden tariflich entlohnt. Auf Grund ihres Status als Werkstattbeschäftigte sind sie jedoch von der Arbeitslosenversicherung befreit. Durch das Budget für Arbeit konnten bisher 144 Menschen mit Behinderung in Rheinland-Pfalz eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen.

Die Überleitung in ein Budget für Arbeit ist freiwillig und unabhängig vom Vermögen des Menschen mit Behinderung. Die Rückkehr in die Werkstatt bei einem Scheitern des Arbeitsverhältnisses auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ist sichergestellt. Im Budget für Arbeit ist es möglich eine für jeden Menschen mit Behinderung individuelle Arbeitszeitregelung zu finden. Auch Teilzeitarbeit ist möglich.

Unser Fazit: Das persönliche Budget ist eine Investition in die Zukunft behinderter Menschen die sich für Alle lohnt.

Autorin

Edith Bartelmes ist Leiterin der ZsL Regionalstelle Bitburg-Prüm

Kontakt und nähere Informationen

Edith Bartelmes

Zentrum für selbstbestimmtes Leben Mainz e.V.

ZsL - Regionalstelle Bitburg Prüm

Thilmanystr. 12, 54634 Bitburg

Tel.: 06561 / 6943147

Mail: e.bartelmes@zsl-mainz.de

Quelle:

Edith Bartelmes: Greenkeeperhelfer am Golf-Resort. Ein JobBudget Praxisbeispiel.

Erschienen in: impulse Nr. 55, 4/2010, Seite 30-33.

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 02.10.2012

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