Erst Angebotsvielfalt eröffnet Wunsch- und Wahlrecht

AutorIn: Michael Bader
Themenbereiche: Arbeitswelt
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: erschienen in: impulse Nr. 33, März 2005, Seite 17 - 20. impulse (33/2005)
Copyright: © Michael Bader

Erst Angebotsvielfalt eröffnet Wunsch- und Wahlrecht

Zurzeit gibt es für Menschen mit starken Lernschwierigkeiten und anerkannter Schwerbehinderung kaum ein alternatives Angebot zur Ausbildung und Beschäftigung in der Werkstatt für behinderte Menschen. Vor kurzer Zeit äußerte sich ein Reha-Berater der Agentur für Arbeit überzeugt, dass alle behinderten Menschen, die in der WfbM beschäftigt sind, richtig beraten und ausgewählt wurden. Somit hätten sie den geeigneten und optimalen Beschäftigungsort gefunden. Dies könne man daran erkennen, dass kaum jemand aus der Werkstatt heraus möchte.

Auch Menschen mit starken Lernschwierigkeiten sind in der Lage, sich weiter zu entwickeln und zu lernen. Entscheidend für den Lernerfolg sind die Lernmotivation, die adäquate Didaktik und die Form der Präsentation der Lerninhalte. Nur unternehmensnahe Lernfelder können stark lernbeeinträchtigte Menschen darin unterstützen, ihren beruflichen Platz in der allgemeinen Arbeitswelt und somit innerhalb der Gesellschaft zu finden.

Integrative Beschäftigung könnte für viele Menschen zu einem alternativen Beschäftigungsangebot werden, wenn die

  • Beratung und Unterstützung der Unternehmen langfristig und bedarfsgerecht erfolgt

  • kontinuierliche, individuelle Personalentwicklung die Einsatzmöglichkeiten der MitarbeiterInnen erweitert

  • individuelle Verhaltensauffälligkeiten, die zur Reibung im Unternehmen oder gar zur Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses führen könnten, konsequent angesprochen und bearbeitet werden

  • Qualifizierung für die betrieblichen Tätigkeiten im und bei Bedarf auch außerhalb des Unternehmens erfolgen kann

  • individuelle Lernmotivation ausreichend vorhanden ist

  • Bezahlung ausschließlich leistungsgerecht erfolgt

  • unbürokratische Finanzierung aller flankierenden Maßnahmen, die zum Erhalt des Beschäftigungsverhältnisses erforderlich sind gesichert ist. (Schulung, Assistenz, Einzelberatung, etc.)

Konzept Füngeling Router e.V. - Füngeling Router gGmbH

Modellprojekt für berufliche und soziale Integration von jungen Menschen mit Behinderung

Das Füngeling Router-Projekt ist angetreten mit dem Ziel, alternative Beschäftigungs- und Arbeitsangebote für behinderte Menschen zu schaffen, für die andernfalls "nur" die Werkstatt oder alternativ Langzeitarbeitslosigkeit in Frage käme. Das Füngeling Router-Projekt ist als eingetragener Verein im Jahre 2004 gestartet. Der Verein ist alleiniger Gesellschafter der Füngeling Router gGmbH. Die Anerkennung als Integrationsunternehmen ist beantragt. Zu den Kernaufgaben des Integrationsunternehmens gehören der Einsatz von behinderten Menschen im Rahmen der Erfüllung von Werkverträgen und die Arbeitnehmerüberlassung in Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes.

In Zusammenarbeit mit der Füngeling Industriegruppe werden im Laufe der Projektphase bis zu 30 Arbeitsplätze für junge Menschen bei der Firma Füngeling entstehen. Weitere 20 bis 30 Arbeitsplätze entstehen in weiteren Kooperationsunternehmen.

Die Unternehmensbereiche der Industriegruppe Füngeling sind vielfältig: Palettenbau, Garten- und Landschaftspflege, Forstwirtschaft, Baustoffe, Waschstraße, Baustoffe und Logistik. Viele Tätigkeiten im Unternehmen können von angelernten Menschen mit Handicap ausgeführt werden. Neuen Kooperationsunternehmen kann am Beispiel der Füngeling Industriegruppe gezeigt werden, welchen Nutzen insbesondere Unternehmen von der beruflichen Integration behinderter Menschen haben können

Logo: Füngeling Router

Das Projekt Füngeling Router entwickelt zusammen mit Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes integrative Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen mit Behinderung. Füngeling Router berät Unternehmen und behinderte Menschen. In Kooperation mit Partnern bei sozialen Unternehmen vernetzen wir Bestehendes in den Bereichen Bildung, Freizeit und Wohnen, entwickeln Modelle und setzen Impulse für bedarfsgerechte Angebote.

Die in den herkömmlichen WfbM Beschäftigten haben häufig einen sehr hohen und kostenintensiven Unterstützungsbedarf. Ihre Produktivität ist verhältnismäßig gering. Im Gegensatz hierzu werden Erwerbstätige im allgemeinen Arbeitsmarkt in der Regel nur beschäftigt, wenn ihre Produktivität sehr hoch ist und sie keiner/kaum der Unterstützung bedürfen. Bei schwer behinderten Erwerbstätigen, die im allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden, kann gegebenenfalls durch staatliche Förderungen eine individuell vorliegende, geringere Produktivität ausglichen werden.

Füngeling Router entwickelt Beschäftigungsformen zwischen der herkömmlichen WfbM und dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Die Beschäftigungsmodule zielen auf die integrative Beschäftigung von behinderten Menschen im allgemeinen Arbeitsmarkt. In Abhängigkeit von Produktivität und individuellem Unterstützungsbedarf können die behinderten Menschen in den verschiedenen Beschäftigungsmodulen tätig sein. Wichtig ist hierbei, dass diese Module, die den jeweils passenden rechtlichen Rahmen für die Beschäftigung bieten, offen und somit durchlässig sind für die positiven aber auch negativen Entwicklungsschritte der Beschäftigten. Die individuell erwartete Produktivität und die Einschätzung des jeweiligen Unterstützungsbedarfs entscheiden darüber, in welchem Modul des Füngeling Router-Projektes geeignete Bewerber ihre Arbeit in Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes aufnehmen können. Ziel der einsetzenden Qualifizierung und Unterstützung ist stets die sozialversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit, auch wenn dieses Ziel selbstverständlich nicht von allen MitarbeiterInnen erreicht werden kann. Der Reiz des Konzeptes des Füngeling Router-Projektes liegt darin, dass den integrativ beschäftigten MitarbeiterInnen in Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes individuell passende Beschäftigungsrahmen zugestanden werden und diese potenziell die Möglichkeit haben, sich in Richtung der sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit zu entwickeln. Insofern werden bestehende Förderinstrumente und Unterstützungssysteme verbunden und ergänzt durch die Beschäftigung im Rahmen von Werk- und Arbeitnehmerüberlassungsverträgen der Füngeling Router gGmbH mit Unternehmen.

Neben der Unterrichtung über finanzielle Anreize zur Beschäftigung von behinderten Menschen sieht das Router-Projekt in der kontinuierlichen und bedarfsgerechten Begleitung und Unterstützung der Unternehmen seine vordringliche Aufgabe.

Grundsätze für die Beschäftigung von behinderten Menschen außerhalb der WfbM

  • Die Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt entspringt dem Wunsch des behinderten Menschen.

  • Die Unternehmen haben einen objektiven Nutzen von der Beschäftigung. Behinderte Menschen sind meist hoch motiviert und außerordentlich zuverlässig. Die Transaktionskosten für das Unternehmen sind überschaubar. Die Kosten für das Unternehmen liegen maximal in Höhe dessen, was von dem behinderten Mensch erwirtschaftet werden kann.

  • Die Beschäftigung wird flankiert von bedarfsgerechten Beratungsangeboten und Schulungsangeboten für das Unternehmen und den behinderten Menschen.

  • Enge Kooperation mit den zuständigen PartnerInnen der IFD.

Unterstützte Beschäftigung in Unternehmen

Beschäftigungsmodule

Modul A - virtuelle WfbM / ausgelagerte Werkstattplätze

Behinderte Menschen, die nicht den engen Betreuungsrahmen der herkömmlichen Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) benötigen, können auch bei geringer Produktivität im Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes beschäftigt werden. Dies wird möglich, wenn sich die behinderten Menschen die Tätigkeit in einem Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes wünschen und gleichzeitig ein Unternehmen gefunden wird, für das dieses Beschäftigungsverhältnis nützlich ist. Die Beschäftigten sind zunächst weit davon entfernt einen im jeweiligen Bereich geltenden Mindestlohn zu erwirtschaften.

In der Einarbeitungsphase ist die Unterstützung intensiver und erfolgt bei Bedarf durch Arbeitsassistenten. Begleitet werden diese Beschäftigungsverhältnisse von wöchentlichen, zweiwöchentlichen oder monatlichen Schulungen, deren Ziel es ist, die persönliche, fachliche und soziale Kompetenz des Beschäftigten zu verbessern. Darüber hinaus dienen diese Fortbildungen dem Aufbau und der Verbesserung von tragfähigen sozialen Beziehungsnetzen in den Bereichen Freizeit, Wohnen, Partnerschaft usw.

Die Beschäftigten in diesem Modul behalten wie bei ausgelagerten Werkstattplätzen den sozialversicherungsrechtlichen Status der WfbM-MitarbeiterInnen. Sie erhalten wie in der WfbM einen Mindestlohn, der erhöht wird bis zur Höhe des Betrags, den das Unternehmen an die virtuellen WfbM für die geleistete Arbeit zahlt.

Die virtuelle WfbM ist konzipiert als Dienstleistungsangebot für behinderte Menschen und Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes. Es soll den behinderten Menschen im Bezug auf seinen Beschäftigungsort größere Wahlmöglichkeiten einräumen.

Für die Kostenträger entfallen hohe Investitions- und Betriebskosten, da die virtuelle WfbM über keine eigene Betriebsfläche verfügt. Die Betreuungs- und Anleitungskosten sind gemäß dem Personenkreis auf Dauer niedriger, da die Betriebe einen Teil dieser Aufgaben übernehmen. Die Akquise von Produktionsaufträgen (wie in der herkömmliche WfbM) wird ersetzt durch die Akquise möglichst wohnortnaher Unternehmen, die bereit sind, einem behinderten Menschen gemäß seiner Fähigkeiten und Neigungen eine dauerhafte Beschäftigungsperspektive zu eröffnen. Die Netto-Lohnkosten werden im günstigen Fall komplett von den Unternehmen übernommen.

Da die in diesem Modul Beschäftigten auf Dauer voll erwerbsgemindert sind, d.h. auf Dauer nicht in der Lage sind auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mehr als drei Stunden erwerbstätig zu sein, bestreiten sie analog zu den Beschäftigten in der herkömmlichen WfbM meist ihren Lebensunterhalt aus ihrem Lohn und den Leistungen der Grundsicherung (SGB XII).

Modul B - Zuverdienst im Rahmen von AÜ / Werkverträgen

Die behinderten Menschen in diesem Modul sind produktiver und benötigen weniger Unterstützung. Für ihre berufliche Integration benötigt diese Gruppe flankierende Lernangebote und eine kontinuierliche Fachanleitung. Der von diesem Personenkreis erwirtschaftete Lohn bzw. die Leistungsfähigkeit ist jedoch so niedrig, dass die Bezahlung bei der Beschäftigung in Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes unter den dort jeweils geltenden tariflichen oder ortsüblichen Mindestlöhnen liegen würde. Daher können/wollen Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes diese Menschen nicht selbst beschäftigen. Diese MitarbeiterInnen werden zur Erfüllung von Werkverträgen die Füngeling Router gGmbH mit Unternehmen vereinbart hat oder im Rahmen der gemeinnützigen, integrativen Arbeitnehmerüberlassung des Integrationsunternehmens Füngeling Router gGmbH eingestellt und im jeweiligen Unternehmen eingesetzt. Bei der Arbeitnehmerüberlassung vereinbart die Füngeling Router gGmbH mit den Unternehmen für die entliehenen MitarbeiterInnen einen Stunden bzw. Monatsverechnungssatz. Im Bedarfsfall erhält die Füngeling Router gGmbH als Integrationsunternehmen Betreuungs- und Minderleistungszuschüsse. Flankierend bietet Füngeling Router diesen MitarbeiterInnen und dem Unternehmen bedarfsgerechte Unterstützungsangebote, um die dauerhafte Beschäftigung zu sichern und möglichst den Übergang in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis mit dem Unternehmen zu lancieren.

Die in diesem Modul Beschäftigten sind nicht auf Dauer voll erwerbsgemindert und erhalten daher zum Lohn, falls dieser zu gering ist, aufstockend Sozialleistungen. (SGB III)

Beschäftigung

im Integrationsunternehmen

  • Praktika /Arbeitserprobung

  • Betriebliche Qualifzierung (Quali-TM)

  • Probearbeitsverhältnis

  • Arbeitsverhältnis

  • AU (Arbeitnehmerüberlassung)

  • Werkverträge

  • Virtuelle WfbM/Kooperation WfbM -soziale Unternehmen (ausgelagerte WfbM-Plätze)

Modul C - Beschäftigung im Rahmen von Werkverträgen der Füngeling Router

Die Füngeling Router gGmbH schließt mit Kooperationsunternehmen langfristige Werkverträge ab. Unter der betrieblichen Anleitung eines handwerklich ausgebildeten Mitarbeiters des Projektes werden behinderte Menschen zur Erfüllung dieser Werkverträge eingesetzt. Der Lohn für diesen Personenkreis entspricht dem, was sie erwirtschaften können. Die Produktivität der Beschäftigten dieses Moduls ist so hoch, dass sie meist aus diesem Lohn ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Behinderte Menschen, die in diesem Modul eingesetzt werden, können ihre Leistungsfähigkeit noch steigern. Wenn diese optimal entwickelt ist und zugleich eine hohe Selbständigkeit und "betriebstaugliche", kommunikative Kompetenz entwickelt wurde, können diese im Rahmen der integrativen Arbeitnehmerüberlassung bei Partnerunternehmen eingesetzt werden.

Modul D - Beschäftigung im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung

Sehr selbständige und leistungsfähige behinderte Menschen werden im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung der Füngeling Router gGmbH bei Unternehmen eingesetzt. Ziel der integrativen Arbeitnehmerüberlassung bleibt die dauerhafte Beschäftigung unmittelbar im Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes. Die Arbeitnehmerüberlassung erfolgt unbefristet, wobei die Übernahme durch die Partnerunternehmen gewünscht ist. Die Arbeitnehmerüberlassung ermöglicht es den Unternehmen zunächst ohne zu hohe Verpflichtung behinderte Menschen in ihrem Unternehmen zu erproben.

Auch im Falle der Übernahme durch Unternehmen bestehen die Beratungsangebote der Füngeling Router gGmbH für die Unternehmen weiter. Diese werden im Rahmen von Beratungshonoraren verrechnet.

Praktika und Qualifizierungen

Füngeling Router bietet in ihren unterschiedlichen Modulen die Möglichkeit zur betrieblichen Arbeiterprobung, zu Praktika und zu betrieblichen Qualifzierungsmaßnahmen.

Beratungsspektrum

Das Füngeling Router-Projekt berät und begleitet Unternehmen, die behinderte Menschen beruflich integrieren wollen. Es berät die Vorgesetzten und KollegInnen von behinderten Menschen. Es besteht eine enge Kooperation mit den Integrationsfachdiensten.

Beratung

  • Beratung von Unternehmen

  • Betriebssozialarbeit für Unternehmen

  • Persönliches Management

  • Impulse für Freizeitangebote

  • Wohnen-Vermittlung an Träger

  • Unterstützung sozialer Netzwerke

  • Bildungsangebote

Darüber hinaus werden junge behinderte Menschen in ihren betrieblichen und persönlichen Belangen im Rahmen von Einzel- und Gruppengesprächen beraten und unterstützt. Bei Bedarf finden auch Gespräche mit den engen Bezugspersonen der Beschäftigten statt.

Bestehende Angebote in den Bereichen Freizeit, Wohnen und Bildung werden vernetzt und gegebenenfalls werden in Kooperation mit Partnern aus dem Sozialbereich Impulse für ergänzende, bedarfsgerechte Angebot gegeben. Im Bereich der Freizeitangebote initiierte das Füngeling Router-Projekt z.B. in Kooperation mit der Caritas Köln, der Lebenshilfe Köln und ihren Kontakt-, Koordinierungs- und Beratungsstellen für Menschen mit geistiger Behinderung (KoKoBe) sowie der Mülheimer Selbsthilfe e.V. im rechtsrheinischen Köln ein erstes offenes Freizeit- und Begegnungsangebot für Menschen mit Lernschwierigkeiten ab 16 Jahre. Einige Mitarbeiter der Füngeling Router gGmbH gehören zu den regelmäßigen Gästen dieses Angebotes.

Das Füngeling Router bietet seinen Kooperationsunternehmen betriebliche Sozialarbeit für behinderte und nicht behinderte Beschäftigte.

Füngeling Router unterstützt aufgrund persönlicher Kontakte die Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland (Spitzenverband der deutschen Wohlfahrtspflege) bei dem Aufbau neuer Angebote für die behinderten Mitglieder der jüdischen Gemeinden.

Schulungsspektrum

Um den betrieblichen und lebenspraktischen Anforderungen gerecht zu werden, müssen Menschen mit Lernschwierigkeiten darin unterstützt werden, sich unterschiedliche Lernfelder zu erschließen. Um in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes bestehen zu können, müssen sowohl fachliche Fähigkeiten wie auch Schlüsselqualifikationen erworben, trainiert und gefestigt werden. Ziel ist in hohem Maße die Schulung des Wahrnehmungsvermögen, der Anpassungsfähigkeit und der Flexibilität.

Die individuelle fachliche Anleitung und Schulung muss sich an den konkreten Erfordernissen des jeweiligen Arbeitsplatzes ausrichten. Im geeigneten Bereich platziert, sollte vor Ort sowie ergänzend in anderen Schul- und Lehrräumen für die jeweiligen Tätigkeiten qualifiziert werden. Dies setzt voraus, dass die Anlerntätigkeiten in ihre Teile zerlegt, die Lernanforderungen für kleine Arbeitsschritte festgelegt und die individuell erforderlichen Qualifizierungsprozesse eingeleitet werden. Bei Veränderungen des Arbeits- oder Einsatzfeldes müssen flexibel Anpassungsfortbildungen greifen können.

Die Hamburger Arbeitsassistenz[1] hat mit ihrer Seminarreihe "kukuk - Kommunikation und Konfliktbewältigung und Kooperation" zentrale Themenbereiche des Arbeitslebens aufgegriffen und einen methodisch-didaktischen Weg beschrieben, wie Menschen mit Lernschwierigkeiten Schlüsselqualifikationen erwerben und trainieren können.[2] Es sind übergeordnete Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Flexibilität, Verantwortungsbewusstsein, Kooperations- und Konfliktfähigkeit, die darüber entscheiden, ob Menschen mit Lernschwierigkeiten eine dauerhafte Beschäftigung in Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes finden können.

Präsentation: "10 Jahre BAG UB" auf der Fachtagung 2004 in Leipzig

Menschen mit Lernschwierigkeiten benötigen, um in Unternehmen bestehen zu können, dauerhaft adäquate Beratungs- und Lernangebote, die gleichzeitig die behinderungsbedingten Einschränkungen wie auch die betrieblichen Erfordernisse berücksichtigen. Daher setzt sich das Füngeling Router Projekt dafür ein, für die eigenen MitarbeiterInnen und MitarbeiterInnen in anderen Unternehmen adäquate Fort- und Weiterbildungsangebote zu schaffen.



[1] Hamburger Arbeitsassistenz, Schulterblatt 36, 20357 Hamburger; www.hamburger-arbeitsassistenz.de

[2] Siehe auch den Beitrag zu KUKUK in dieser impulse-Ausgabe auf Seite 35.

Kontakt:

Füngeling Router e.V. / gGmbH

Dr. Michael Bader

Lupusstr. 22, 50670 Köln

Telefon: 0221-2943-555

Fax: 0221-2943-559

Mobil: 0163-8680851

eMail: michael.bader@projekt-router.de

Literaturtipp:

Arbeitslosigkeit und Integrationschancen schwerbehinderter Menschen.Schröder, Helmut; Steinwede, Jacob

Kurzbeschreibung:

Auf der Grundlage mehrerer Teiluntersuchungen werden Hintergründe und Ursachen der Arbeitsmarktprobleme Behinderter untersucht. Im Zentrum steht eine Befragung von arbeitslosen schwerbehinderten Menschen aus dem Bestand der Bundesagentur für Arbeit und solchen, die wieder in das Erwerbsleben eingemündet sind. Der Vergleich zwischen beiden Gruppierungen lässt Faktoren erkennen, die den Vermittlungs- und Wiedereingliederungsprozess verzögern, wenn nicht sogar verhindern. Parallel zu der Erhebung bei den Betroffenen wurde eine repräsentative Stichprobe von beschäftigungspflichtigen Unternehmen über die Beschäftigung von schwerbehinderten Mitarbeitern befragt. Im Fokus standen die Möglichkeiten, Hindernisse und Voraussetzungen für die Beschäftigung dieser Zielgruppe. Ergänzt wird die Perspektive der beiden Arbeitsmarktseiten durch die Erfahrungen von Arbeitsagenturen, Integrationsämtern, Integrationsfachdiensten sowie Berufsbildungs- und Berufsförderungswerken. Im Ergebnis stellt die Studie realistische Einschätzungen der Arbeitsmarktlage schwerbehinderter Menschen zur Verfügung, legt eine Bewertung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente vor und gibt Hinweise auf mögliche Verbesserungen der Eingliederungsbemühungen." (Autorenreferat, IAB-Doku)

Arbeitslosigkeit und Integrationschancen schwerbehinderter Menschen. Schröder, Helmut; Steinwede, Jacob (2004):Nürnberg: 195 S. Reihe / Serie: Beiträge zur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Nr. 285. Preis: 12,50

Diesen Artikel können Sie online bestellen unter http://www.iab.de/asp/internet/dbdokShow.asp?pkyDoku=k040728f03

Quelle:

Michael Bader: Erst Angebotsvielfalt eröffnet Wunsch- und Wahlrecht

erschienen in: impulse Nr. 33, März 2005, Seite 17 - 20.

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 09.07.2007

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