Ein Tag im Leben des Jens L. - oder:

Was es heißt, ein Hotel zu betreiben

Themenbereiche: Kultur, Arbeitswelt
Textsorte: Zeitschriftenartikel
Releaseinfo: erschienen in: Gemeinsam Leben 3/1995, 30-33 Gemeinsam leben (3/1995)
Copyright: © Ines Boban, Andreas Hinz 1995

Jens L. - Angestellter im Stadthaus-Hotel

Seit September 1993 gibt es in Hamburg-Altona das Stadthaus-Hotel. Es wird unter anderem von jungen Leuten betrieben, die sonst in Werkstätten oder auf Werkhöfen für Behinderte arbeiten würden.

Es ist Sonntag und süße 10 Uhr. Jens räkelt sich wohlig in den Federn. Es wird 11 werden, bevor er sein Zimmer verläßt, die Treppe im Bademantel hinunterschreitet wie ein Showstar und wie ein solcher mit großer Geste "Guten Morgen!" ruft. Dieser Morgen scheint ihm allein zu gehören, denn Mirco, Gunther und Kerstin verließen schon um halb sieben ihre Betten, um "unten im Hotel" arbeiten zu gehen. Sie sind im Frühdienst für das Frühstücksbuffet und den Zimmerservice zuständig. Jens hat heute mit Clemens Spätdienst, der um 14 Uhr beginnt. Sein Kollege scheint die freien Morgenstunden zum Bummeln zu nutzen. Fischmarkt oder Kirche? Keine Ahnung, so genau weiß Jens nicht über seinen Mitbewohner Bescheid.

Britta, soviel weiß er, verbringt dieses Wochenende mal zuhause, Dirk ist bestimmt beim Reiten und Lena trifft er gerade im Gehen an: Auch sie besucht heute ihre Familie. Denn alle leben erst seit vergangenem September hier in der Wohngemeinschaft oder da es eine rundum betreute Wohnform ist in der Wohngruppe. Alle, auch die Familien müssen sich noch eingewöhnen; alle üben noch.

Obwohl die Art wirkt überaus gekonnt, in der Jens nun seinen Frühstückstisch deckt, alles beäugt und bei Gefallen mit einem "Hoho!" auswählt, um es sodann genüßlichst - ja, man muß sagen - zu zelebrieren. Auch im Bad und beim Anlegen der Arbeitskleidung nimmt er sich Zeit und zeigt den gleichen konsequent gestenreichen Stil. Würdig ist seine Haltung, als er einen Mitarbeiter bittet, ihm seine trickreiche Fliege hinten zu verschließen. Er amüsiert sich mit dem erfolglosen Binder, der selbst eben nie weder zu Festlichkeiten noch zur Arbeitskleidung sich mit solchen Accessoires ausstattete. Das Nachziehen des Scheitels auf Wunsch gelingt da schon leichter.

Aber je mehr er aus den Freizeitkleidungsstücken in seinen feinen Anzug, das weiße Hemd und die Fliege wechselt, um so deutlicher nimmt er auch seine Arbeitshaltung ein. Die Gesten werden kleiner, dezenter, Albernheiten nehmen ab, eine höfliche Zurückhaltung greift. Ganz privat wird er aber nochmal, als die anderen zum "Schichtwechsel" kommen und auch die Post mit raufbringen. Ein dicker Brief von der Landesversicherungsanstalt ist für ihn dabei. Dieses Wortungetüm ist nun wirklich zuviel für Jens' Lesevermögen und erst recht der geheimnisvoll codierte Inhalt muß ihm vorgelesen und erklärt werden. Bei den Ausführungen zur Rente gibt er ein "Aaaha!" zum erhobenen Zeigefinger, aber bei den Begriffen "Einer, Zehner, Tausender, Zehntausender" begreift er nur eines: "Boh, zehntausend Mark, ich kauf ein Auto!"

Vielleicht ist hier die richtige Stelle zu erwähnen, daß Jens 22 Jahre alt ist und einige seiner Eigenschaften oder seiner Verhaltensweisen durch sein dreifaches 21. Chromosom beeinflußt sind. Jedenfalls sehen es andere so, die bei ihm vom Menschen mit Down-Syndrom sprechen. Wo er zur Schule ging, meinte man, hier sei eine Seele in ein falsches Leibinstrument eingezogen. Jens sieht das nicht unbedingt so. Er hält einfach fast alles für möglich und arbeitet ehrgeizig an seinen Fähigkeiten, sei es am Lesen, am Schreiben, Klavierspielen ebenso wie am allein mit Bus und U-Bahn-Fahren.

Gut, fast wäre er in Puschen zum Dienst gegangen. Sein umsichtiger Freund Mirco macht ihn auf dieses Detail aufmerksam. Dieser erhält einen dicken Schmatz für seine Unterstützung und mit einem schelmischen Augenzwinkern verabschiedet sich Jens: "Bis nachher, 18 Uhr, Abendbrot und schön gemütlich Klavierkonzert!"

Die Gäste sind momentan nicht im Haus und so erhält Jens die Aufgabe vom Hotelmanager, die Flure zu staubsaugen. Jens mag diese futuristische schwarze Kugel mit dem leisen Saugsound; offenbar erinnert ihn das Geräusch an Musik und das Saugrohr an einen Taktstock, denn es sieht ganz so aus, als komme er hier seiner Passion, dem Dirigieren, nach. Aber er dirigiert und lenkt sein Saugorchester so elegant und geschickt, daß man ihm stundenlang zugucken und über derart lustvolles Saubermachen staunen könnte.

Es sind schon sehr viele Berichterstatter hier im Hotel gewesen, und es fällt auf, wie oft und zwar ausführlichst vom ausgeklügelten Putzlappenfarbsystem geschrieben wird. Beeindruckend ist wohl auch, wenn z.B. Mirco in dunkler Robe, aber mit ellenbogenhohen quietschgelben Handschuhen und Papagenos Lied singend im Klo für Glanz und Glorie sorgt. Der Manager hat sich in der Kleidungsfrage nicht durchsetzen können, alle bestehen auf piekfeinem Outfit. Dieses Festtagsgewand verleiht offenbar etwas, das sehr hilfreich ist, mit den Alltagsanforderungen besser zurechtzukommen.

Später nimmt Jens an der Rezeption Platz und bedient den automatischen Türöffner, als Claudia klingelt. Sie hat auch so ein 21stes Chromosom mehr als die meisten Menschen, arbeitet auch hier, wohnt aber in einer eigenen Wohnung zwei Häuser weiter. Sie hatte ihr Englischbuch beim letzten Dienst liegengelassen und wollte den freien Sonntag doch zum Üben nutzen. Claudia geht montagabends beim Spastikerverein zum Sprachkurs Englisch: "Damit ich die Gäste besser verstehe!" Also guckt sie eben noch mal rein wie in einem Familienbetrieb.

So ist es auch, als Mircos Mutter kommt, die gleich im Frühstücksraum ein Bewerbungsgespräch führen wird. Der klitzekleine Verein, der diese Form des Zusammenlebens und -arbeitens erdacht und ins Leben gerufen hat, ist eine Initiative aus den Eltern der hier Lebenden und befreundeten PädagogInnen. Herzlich begrüßt Jens die vertraute, höflich distanziert die ihm fremde Person, führt zum Tisch und serviert Kaffee. Beim Rundgang durchs Hotel weist er auf alles hin, was ihm wichtig ist. Und ihm scheint alles wichtig zu sein. Gründlich erläutert er die Bestandteile des Bades und weist auch daraufhin, daß hier alles rollstuhlgerecht ist: "De Mülleimer, de Waschbecken, de Klo, de Klobürste, de Duschbecken ohne Becken für Rollstuhl."

Gelernt ist gelernt. Sowohl hier vor Ort als auch vorbereitend in der Fachschule für Hauswirtschaft und Gesundheitspflege. Dort konnte die Gruppe zwei Jahre lang auf ihre Tätigkeiten im eigenen Hotel eingestellt werden. Es war durchaus nicht ihr Traumberuf; der war eher Schauspieler oder Dirigent. Aber ihre besondere Fähigkeit, Gastgeber zu sein, gab den Ausschlag. Sollte diese zum Teil seit frühester Schulzeit existierende Gruppe erhalten werden, so mußte man an dieser herausragenden Fähigkeit ansetzen, eine positive Atmosphäre zu verbreiten. Auch und gerade um Lenas und Brittas willen - der ihnen unterstellt werden muß, da sie sich nicht selbst äußern - galt es, die eingespielte Gemeinschaft zu erhalten. Denn die jungen Männer hätten mehrere Auswahlmöglichkeiten innerhalb des gängigen Angebotes für Menschen mit Behinderungen nach der Schule gehabt. Den beiden Frauen standen mit ihrer Diagnose "schwerstmehrfachbehindert" nur wenige und wenig befriedigende Aussichten bevor. Dies war wohl der Motor für das jahrelange Durchhalten auf dem Schaffensweg dieses Projekts.

Über Wäschepflege hat Jens jedenfalls auch einiges gelernt und gemeinsam mit Clemens kümmert er sich um die Hotelwäsche. Beim Mangeln sind sie besonders bei der Sache. Die große Walze, die Hitze und die Auflage, keine Falten einzubügeln, erfordern volle Konzentration. Eingespielte Handgriffe bringen vierhändig das Wäschestück auf die Walze. Synchrone Glättebewegungen ihrer Hände sind zu bewundern. Vielleicht ist Jens schon im Geiste beim Klavierspielen.

An Ideen für noch mehr Arbeit mangelt es nicht. Aber erstmal sollen die jungen Hoteliers Routine und Sicherheit weiterentwickeln. Auch Lenas und Brittas Bereich mit den Freizeitaktivitäten der anderen stärker zu verknüpfen und hier eventuell künstlerische Talente zu stärken, ist beabsichtigt.

Erstmal ist Jens' Arbeitstag beendet. Er wechselt die Kleider und wählt für den äußeren Ausdruck seiner Absichten einen Trainingsanzug. Nach dem Abendbrot trainiert er seine Finger am Klavier. Er gewinnt Mirco als Blockflötisten und Kerstin als Trommlerin. Später verabschiedet Jens sich, um in seinem Zimmer die Zauberflöte zu dirigieren.

Die Vorgeschichte

Dieser Tag im Arbeitsleben des Jens L. hat eine achtjährige Vorgeschichte, die es in sich hatte.

Fünf der jungen Leute besuchten also seit der Vorschulzeit gemeinsam in eine antroposophische Schule für Geistigbehinderte. Es war eine Gruppe mit höchst unterschiedlichen Mitgliedern: mit zwei schwerst-mehrfachbehinderten Mädchen mit einem umfänglichen Bedarf an Betreuung in allen Lebensbereichen und drei sehr unterschiedlichen Jungen. Damals war eine solche Mischung von Kindern, die sozusagen als "normalgeistigbehindert" und "schwerstmehrfachbehindert" gelten, nicht selbstverständlich. Hier hatten die einzelnen eine sichtbare Bedeutung für die je anderen. War Jens unglücklich, suchte er Zuflucht und Trost bei Britta, bei der er sicher sein konnte, daß sie in großer Ruhe ihm schweigend lauschen und ein Lächeln schenken würde...

Dann kam die Frage, was nach der Schule werden solle. Die Eltern sahen Ihre Stadtkinder nicht in einer Lebensgemeinschaft auf dem Land oder in der sonst üblichen Aufteilung: die einen in die Werkstatt für Behinderte und in die Wohngruppe für Geistigbehinderte, die anderen in die Tagesförderstätte und Wohngruppe für Schwerstbehinderte. Vielmehr sahen sie diese kleine, aber feine Gemeinschaft mitten in ihrer Stadt etwas tun, was dem Weizsäcker-Motto von der Gesellschaft, die "den Behinderten" brauche, entsprechen könnte. Ausgangspunkt war nicht das Schwierige, Problematische, sondern die Stärken dieser Gruppe. Und die lagen eben darin, für eine angenehme Atmosphäre zu sorgen, Gastgeber und für andere wichtig zu sein.

Erste Ideen verbanden gleich Wohnen und Arbeiten mitten in der Stadt. Bald tauchte eine Teestube oder eine Pension in den Vorstellungen auf, verbunden mit Stipendien für ausländische KünstlerInnen, die für Kost und Logis die Gruppe anregen und von ihr unterstützt werden sollten (vgl. Boban & Hinz 1987).

So gründeten Eltern und PädagogInnen den Verein "Werkstadthaus Hamburg gemeinsames Wohnen und Arbeiten behinderter Bürger e.V." und führten ein erstes Gespräch mit der Sozialbehörde. Zur großen Überraschung reagierte man dort nicht skeptisch, "realistisch" oder distanziert, sondern zeigte sogleich Bereitschaft zur Unterstützung der Ideen. Offenbar war eine Marktlücke zu schließen: In Hamburg gab es neben einigen teuren, z.T. eingeschränkt rollstuhlgerechten Zimmern und dem Jugendgästehaus keine Unterkünfte für Menschen im Rollstuhl oder mit anderen Hilfenotwendigkeiten.

Aus Finanzierungserwägungen, aber auch aus Überlegungen zur Dynamik in der Gruppe galt es diese auf acht Personen zu erweitern. Zudem mußte nun ein Konzept entwickelt werden, das Eckwerte des Projekts festlegte (vgl. Bark 1990, Boban & Hinz 1994, Hinz 1994b). Diese waren und sind u.a.:

  • Das Projekt soll für die Umwelt eine sinnvolle Aufgabe leisten. Dabei sollen vorhandene Besonderheiten nicht versteckt oder in karitative Bahnen geleitet werden, sondern die Gruppe soll die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten offensiv nach außen zu tragen.

  • Die nichtbehinderten MitarbeiterInnen in Wohngruppe und Hotel verdanken den behinderten BewohnerInnen ihre Arbeitsplätze. Die Aufgabe besteht darin, sie mit den eigenen Fähigkeiten zu ergänzen, nicht aber ihre Chefs zu sein. Behinderten und nichtbehinderten MitarbeiterInnen soll es gleichermaßen gut gehen.

  • Formal gliedert sich das Projekt in zwei Bereiche: die Wohngruppe und den Arbeitsbereich (Hotel und Wäscherei).

  • Die Wohngruppe mit acht Plätzen orientiert sich an ähnlichen gemischten Gruppen zum Beispiel des Hamburger Spastikerevereins.

  • Das Hotel mit elf Betten in sieben Zimmern zielt auf den Personenkreis, für den in Hamburg bisher kaum geeignete Unterbringungsmöglichkeiten bestehen: Menschen mit Behinderungen, die Hamburg besuchen, aber auch Eltern mit einem behinderten Kind, die z.B. zur Diagnostik nach Hamburg kommen. Bei der Einrichtung wird von deren möglichen Bedürfnissen ausgegangen (breite Türen, keine Schwellen, zusätzliche Haltegriffe, Toilette über-, Waschbecken unterfahrbar, Platz zum Aufladen von E-Rollstühlen, Alarmknopf für Notfälle, genügend breiter Parkplatz). Auch die stundenweise Betreuung von behinderten Gästen wird angestrebt, dann könnten z.B. die Eltern ohne Sorgen auch einmal ohne ihr Kind in die Stadt gehen. Es ist aber kein "Behindertenhotel", denn es steht natürlich auch Menschen ohne offensichtliche Behinderung offen.

  • Die sechs "normalgeistigbehinderten" BewohnerInnen werden mit einer halben Stelle im vereinseigenen Hotel angestellt, sind sozialversichert und haben den Status von ArbeitnehmerInnen. Sie erhalten den Tariflohn des Hotel- und Gaststättengewerbes, wenngleich der größte Teil des Einkommens auf den Pflegesatz der Wohngruppe angerechnet wird und an die Sozialbehörde abgegeben werden muß.

  • Die zwei schwerstbehinderten Frauen können formal keine wirtschaftlich verwertbare Arbeit im Hotel leisten und erhalten spezielle, für sie sinn- und lustvolle Angebote im Rahmen der Wohngruppe, die auch für die anderen BewohnerInnen in ihrer Freizeit offen sind.

  • Da die Arbeit im Hotel als Teilzeitarbeit gestaltet ist, bestehen gute Möglichkeiten, den Zusammenhalt der Gruppe und die umweltbezogenen Aktivitäten der Einzelnen zu pflegen und auszubauen.

  • Die Finanzierung erfolgt für die Wohngruppe über Pflegesatz, das Hotel erhält von der Hauptfürsorgestelle eine Anschubfinanzierung für die Einrichtung von Arbeitsplätzen für schwerbehinderte ArbeitnehmerInnen und vom Arbeitsamt einen zeitlich befristeten Lohnkostenzuschuß, muß sich aber längerfristig selbst tragen.

Als die Gruppe aus ihrer Schule entlassen wurde, war das "Werkstadthaus" noch nicht fertig. In einer Berufsschule, die auch für den Unterricht für Menschen im Eingangs- und Trainingsbereich der WfB zuständig ist, wurde für die Gruppe eine Berufsvorbereitungsklasse in vollzeitschulischer Form eingerichtet. Zwei Jahre lang konnte so auf die zukünftigen Tätigkeiten im Hotel konkret vorbereitet werden (vgl. Hinz 1994a). So entstand aus einer Not heraus ein höchst sinnvoller und eigentlich nicht eingeplanter, aber im Grunde selbstverständlich notwendiger Zwischenschritt auf dem Weg von der allgemeinbildenden Schule in das Berufsleben.

Der geeignete Standort ergab sich durch die Vermittlung behördlicher Stellen. Die Wohngruppe und das Hotel konnte in ein Bauprojekt der Reichsbund Wohnungsbau GmbH in einem siebenstökigen Haus mit z.T. rollstuhlgerechten Sozialwohnungen in Hamburg-Altona einbezogen werden. Das Hotel liegt im Erdgeschoß, die Wohngruppe in der ersten und zweiten Etage.

Das Werkstadthaus ist ein kleines Beispiel dafür, wie Alternativen zu den bisher üblichen Wegen aussehen können. Damit steht es in einer zunehmend größeren Reihe von Projekten, die andere Perspektiven eröffnen wollen, als Zweckbetriebe oder mit Formen von Vermittlung und Unterstützung von Arbeitsverhältnissen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt durch Arbeitsassistenz (vgl. Doose 1994).

Zumal die Eltern behinderter Jugendlicher, die in Integrationsklassen bereits gemeinsam mit nichtbehinderten Jugendlichen aufgewachsen sind, werden nach anderen Möglichkeiten für ein Berufsleben suchen als WfBs sie bieten können. Sie werden die Erweiterung integrativer Möglichkeiten der Berufsvorbereitung, -ausbildung und -tätigkeit für ihre Kinder fordern und mitentwikeln.

Das Werkstadthaus realisiert mehrere integrative Momente: Es liegt mitten in der Stadt und sucht Kontakte im Stadtteil, behinderte und nichtbehinderte MitarbeiterInnen betreiben gemeinsam einen Hotel-Betrieb, und es eröffnet Unterkunftsmöglichkeiten für behinderte und nichtbehinderte Hamburg-BesucherInnen.

Das wichtigste ist, daß die Gäste von den "Insidern" bis zu Geschäftsreisenden gern in diesem Hotel sind und Jens und seine KollegInnen Berge von Brötchen her und von Wäsche wegzuschaffen haben. Ein belegtes Hotel ist die Bedingung für das gemeinsame Wohnen und Arbeiten. Die volle Auslastung bedeutet für den Verein und seine Mitglieder eine Entschärfung der finanziellen Hängepartie und ermöglicht die Realisierung und Fortentwicklung weiterer Vorstellungen. Im Gästebuch wird, neben den hellen, freundlichen Räumlichkeiten, immer wieder ganz besonders der überaus gute, freundliche Service gelobt. Und das ist wohl die beste Empfehlung für Jens und sein Team vom Stadthaushotel!

Literatur

Bark, C. M.: Leben und Arbeiten mit Künstlern und Gästen. Das Werkstadthaus Hamburg. Zusammen 10, 1990, H.8, 8-10

Boban, I. & Hinz, A.: Traumziel: Teestube. Zusammen 7, 1987, H.9, 10-11

Boban, I. & Hinz, A.: Menschen im Hotel. Das Band 25, 1994, H.2, 23-25

Doose, S. (Hrsg.): Reader. Alternative Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten für geistig und psychisch behinderte Menschen. Hamburg: Selbstverlag 19947

Hinz, A.: Konzeptionelle Überlegungen für die Berufsvorbereitung geistig und schwerst-mehrfachbehinderter Jugendlicher. In: Bundesvereinigung Lebenshilfe (Hrsg.): Ein Ort auch für uns! - geistig behinderte junge Erwachsene lernen in der Berufsschule. Marburg: Bundesvereinigung 1994a (im Erscheinen)

Hinz, A. (Redaktion): Konzept des Vereins Werkstadthaus Hamburg e.V.. In: Bundesvereinigung Lebenshilfe (Hrsg.): Ein Ort auch für uns! - geistig behinderte junge Erwachsene lernen in der Berufsschule. Marburg: Bundesvereinigung 1994b (im Erscheinen)

Kontakt

Stadthaus-Hotel, Holstenstraße 118, 22765 Hamburg

Tel. 040 / 38 99 20 - 0, Fax 040 / 38 99 20 - 20

Autoren

Ines Boban und Andreas Hinz sind Gründungsmitglieder des Vereins Werkstadthaus Hamburg e.V.. Hauptberuflich sind sie Mitglieder der Arbeitsstelle Integration am Institut für Behindertenpädagogik der Universität Hamburg und dort in den Wissenschaftlichen Begleitungen von Integrationsprojekten in Hamburger Schulen (Grundschule, Sekundarstufe I) tätig.

Quelle:

Ines Boban, Andreas Hinz: Ein Tag im Leben des Jens L. - oder: Was es heißt, ein Hotel zu betreiben

Erschienen in: Gemeinsam Leben 3/1995, S. 30-33,

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Stand: 22.08.2012

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