Aus.Schluss - Barrierefrei veranstalten

AutorIn: ak moB
Themenbereiche: Lebensraum
Textsorte: Broschüre
Releaseinfo: Die Broschüre ist auf folgender Seite zu finden: http://www.ak-mob.org/
Copyright: © ak moB 2011

Barrierefreiheit: Worum geht es und weshalb?

Als linke, linksradikale und queer-feministische Menschen hätten wir gern, dass an unseren Veranstaltungen alle teilnehmen können, die an den Inhalten interessiert sind. Wir wissen aber, dem ist nicht so. Theoretisch gesagt: Orte sind nicht nur physisch, sondern auch sozial strukturiert. Es gibt viele Hindernisse, die gesellschaftlich bedingt sind. So wird z. B. die Bewegungsfreiheit von Asylbewerber_innen durch die staatliche Residenzpflicht eingeschränkt. Andere Probleme sind vielleicht weniger dramatisch, können aber ebenfalls als Hürde wirken, etwa fehlende Kinderbetreuung vor Ort oder szenetypische Informationskanäle, an denen man nicht partizipiert.

In dieser Broschüre geht es um derartige Barrieren im Allgemeinen und insbesondere um solche, mit denen Menschen mit Behinderungen konfrontiert werden. Unter Barrieren verstehen wir strukturelle Hindernisse, die Partizipation verhindern. Klassische Barrieren sind z. B. das Fehlen von Rollstuhlrampen an Gebäuden und Fahrzeugen oder fehlende Übersetzungen für taube Menschen.

Die Beseitigung von Barrieren ist keine Privatangelegenheit von Menschen mit Behinderungen, sondern eine Aufgabe aller. Sie ist kein Luxus, kein Bonus und nicht großzügig, sondern eine politische Notwendigkeit.

Barrieren beseitigen heißt, eine bestimmte Form von Herrschaft abzubauen.

"Berlin barrierefrei" lautet der Spruch auf gelben Aufklebern, die der Senat an U- und S-Bahn-Aufzügen anbringen lässt. Aufzüge nützen nicht nur Rollstuhlfahrer_innen und Gehbehinderten, sondern auch Menschen mit Kinderwagen und schwerem Gepäck. "Barrierefreiheit" ist also ein Konzept, das sich in erster Linie, aber nicht nur auf Behinderung bezieht. Wir können und wollen aber nicht warten, bis Senat und Bundesregierung sich dazu bequemen, auch jene Infrastrukturen umzurüsten, die wir in der politischen Linken nutzen. Einerseits sollten wir die Behörden so lange nerven, bis sie es tun; andererseits müssen wir die Dinge selbst in die Hand nehmen. Was uns dabei von der Senatskampagne unterscheidet, ist, dass wir viel weniger Geld zur Verfügung haben, keine Reklame für uns betreiben, Barrierefreiheit umfassender verstehen und uns vor allem auf die linke Szene beziehen.

Uns geht es nicht darum, Orte als "barrierefrei" zu labeln, sondern eher Ideen und Tipps für mehr Barrierefreiheit zu geben.

Die vorliegende Broschüre soll helfen, Barrieren zu erkennen und zu beseitigen, insbesondere bei der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen, Partys... In einer ausgrenzend strukturierten Gesellschaft kostet die Beseitigung von Barrieren oft Mühe und manchmal auch Geld. Eine perfekt barrierefreie Veranstaltung ist meist nicht zu erreichen und kann es vielleicht auch nicht geben, weil die Bedürfnisse von Menschen zu komplex und verschieden sein können. Dass nicht immer alles geht, heißt aber nicht, dass gar nichts geht. Es gibt immer etwas, das auch noch zu verbessern ist.

Wir haben versucht, in der Broschüre Themen aus verschiedenen Perspektiven zu diskutieren: aus der Sicht von Leuten, die mit Barrieren konfrontiert sind, von Assistent_innen und Unterstützer_innen und von linken Gruppen, die u.a. Veranstaltungen vorbereiten.

Diese drei Perspektiven sind auch in unserer "Broschürengruppe" vertreten. Uns verbindet, dass wir zusammen (behinderten)politisch aktiv sind und Lust haben, das Thema zu pushen und "Barrierefreiheit" attraktiver zu machen. Die Idee zur Broschüre entstand aus dem Eindruck, dass Barrieren in der Linken noch nicht in ausreichendem Maße gesehen und beseitigt werden, weil es trotz guten Willens oft an ökonomischen Mitteln, Bewusstsein und vor allem an Know-how fehlt.

Wir wollen aber nicht das "schlechte Gewissen" sein, denn wir wissen, wie schwer es ist, alle möglichen Ausschlüsse mitzudenken. Außerdem sind wir selbst keine Expert_innen für die Beseitigung von Barrieren. Aber die Broschüre soll Anregungen und Hilfen geben, Dinge auszuprobieren.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und Umsetzen. Über Anregungen, die sich vielleicht in eine nächste verbesserte Auflage einarbeiten lassen, freuen wir uns.

Barrierefreiheit ist ein teures Unterfangen! Hilfsmittel kosten enorm viel Geld, Geld das v.a. Linksradikale und queer-feministische Kneipen, Kollektive etc. nicht haben. Aber es gibt auch viele kleine Dinge, die für barriere-ärmere Veranstaltungen oder Partys getan werden.

Also, nicht frustrieren lassen!

Wir freuen uns sehr über eure Tipps, Anregungen und Ideen um an Geld zu kommen und auch Bauanleitungen für Hilfsmittel, Rampen und vieles andere zum selber machen.

Drei Mal bearrierefrei?! Eine Einleitung

Wer sich schon mal mit anderen Menschen unterhalten hat, weiß: Da lassen sich einige Dinge erfahren, von denen man vorher keine Ahnung hatte. Klatsch und Tratsch, charmante Komplimente und gute Geschichten - ohne Kommunikation müssten wir darauf verzichten. So ein Barrierefreiheitsheft ist natürlich etwas einseitig, was den Kommunikationsfaktor angeht. Den Leser_innen wird nicht zugehört, das mit der Wechselseitigkeit kommt ein bisschen kurz. Aber: Erfahrungen lassen sich ganz vorteilhaft festhalten und weitergeben.

Wir haben uns deswegen entschieden, drei Leute nach ihren Erfahrungen mit Barrieren und Barrierefreiheit zu fragen. Unser erster Ansprechpartner erzählt aus der "Teilnehmerperspektive": Immer wieder mit Barrieren konfrontiert zu werden ist nervig, vor allem, wenn sie manchmal recht einfach zu verhindern wären. Die zweite Person berichtet aus der Perspektive der Unterstützer_in. Sie macht gerade eine Ausbildung zur Gebärdensprachdolmetscherin und wird häufig gebeten, umsonst zu übersetzen. Mit solchen Anfragen umzugehen, ist aus vielen Gründen nicht einfach. Die dritte Person hat sich dafür eingesetzt, das LaDIYfest barriere-ärmer zu gestalten. Sie hat als Mitveranstalterin bisher Barrieren unbeabsichtigt mitproduziert und möchte nun bewusster mit dem Thema umgehen.

Die drei haben für das Heft Berichte über ihre Erfahrungen geschrieben. Wir bedanken und bei unseren drei Autor_innen für ihre Beiträge. Ihr werdet merken, das ist nicht alles so ganz widerspruchsfrei. Aber das muss ja auch nicht sein.

Demo / Party

Seit mehreren Jahren bin ich politisch aktiv und bewege mich in der "linken Szene". Ich gehe auf Demonstrationen, besuche Infoveranstaltungen, trinke mein Bier in der Szenekneipe und besuche Partys - der gewöhnliche "linke" Alltag also. Und doch frage ich mich seit geraumer Zeit, warum die meisten "Freiräume" nicht auf die Bedürfnisse von bewegungseingeschränkten Menschen wie mich ausgerichtet sind. Weil ich Fußgänger bin, ist es mir meistens möglich, die verschiedenen Locations doch zu besuchen, auch wenn es anstrengend und nervig ist. Ab und zu frage ich mich aber auch, ob ich bei dieser oder jener Veranstaltung wirklich dabei sein muss, wenn doch auf meine Anwesenheit offensichtlich gar kein Wert gelegt wird. Anscheinend hat sich niemand vorher Gedanken darüber gemacht, dass nicht alle gerne Treppen laufen oder laufen können.

Demonstrationen und Kundgebungen sind ein viel genutztes Mittel politischen Engagements. Es gibt verschiedene Demokulturen und Rituale, nach denen Demonstrationen ablaufen. Dabei macht es einen Unterschied, wer aus welchem Anlass eine Demo organisiert. Eine Antifademo aus Anlass eines kürzlich geschehenen Naziübergriffs wird anders verlaufen als eine bunte Großdemo gegen Atomkraft, organisiert von einem breiten Bündnis aus Initiativen und Parteien.

Wenn ich zum Beispiel an einer Demo teilnehmen möchte, dann helfen mir frühere Erfahrungen, die anstehende Veranstaltung einzuschätzen und zu entscheiden, ob ich daran teilnehmen möchte oder nicht. Selbstverständlich haben es nicht immer die Veranstalter_innen und Teilnehmer_innen in der Hand, wie die Demo verlaufen wird: Nicht selten werden unübersichtliche Situationen, in denen die Leute durcheinanderlaufen, durch die Polizei verursacht. Doch jenseits davon sind es auch bestimmte Aktionsformen und Rituale wie plötzliche Sprints, die mich ausschließen bzw. bei mir Angst auslösen können, nicht in der Lage zu sein, mich schnell genug in Sicherheit zu bringen. Für blinde oder gehörlose Personen ergeben sich hierbei noch ganz andere Probleme: Wie lässt sich die Situation einschätzen, wenn ich nicht sehe, was um mich herumpassiert? Wie bekomme ich etwas mit, wenn ich die Durchsagen nicht höre?

Es ist also gut, sich als Veranstaltende bereits im Vorfeld zu verständigen, was es für eine Aktion sein soll, welchen Charakter sie haben und wer angesprochen werden soll. Eine "Latschdemo" birgt sicher für alle weniger Gefahren als eine Demo, die schnellen Schrittes durch die Straßen zieht und in der alle in Ketten laufen. Wobei eine einzige Demo an verschiedenen Stellen ganz unterschiedlich aussehen kann. Wenn ihr eine Demo plant, an der ich teilnehmen soll, dann macht es Sinn, vorher die Route nach möglichen Barrieren (Kopfsteinpflaster, Sand, keine abgesenkten Bordsteine, Straßenbahnschienen, Steigungen etc.) zu untersuchen. Anfahrt und Zielort sollten gut erreichbar und barrierefreie Bahnhöfe in der Nähe sein. Wenn ich auf Demos gehe, dann kümmere ich mich wie vermutlich die meisten von euch das auch tun darum, dass ich eine gute Bezugsgruppe habe. Sie hilft mir dabei, mehr Sicherheit zu gewinnen. In der Gruppe tauschen wir uns über die Bedürfnisse der einzelnen Personen aus, treffen klare Absprachen und bleiben zusammen (stehen). In riskanten Situationen können wir uns gegenseitig unterstützen. Für Notfälle können wir einen gemeinsamen Treffpunkt vereinbaren. Wenn ich auf einer Demo einen Redebeitrag halte, ist es gut, wenn der Lautsprecherwagen über eine Hebebühne verfügt.

Nach einer erfolgreichen Demo ist es schön, gemeinsam Party zu machen. Grundsätzlich ist diesem Zusammenhang auf die gleichen Punkte zu achten wie bei anderen Veranstaltungen auch. Auch auf Partys und Konzerten kann es unterschiedliche Bedürfnisse geben. Ich kann nachvollziehen, wenn einige pogen möchten, wenn dabei jedoch nicht auf die anderen geachtet wird, kann ich mich nicht entspannen und bin die ganze Zeit darauf bedacht, mich auf den Beinen zu halten. Es ist eine Hilfe, wenn einige sich als "Schutzschild" zur Verfügung stellen. Verschiedene Bereiche zum Tanzen und Chillen sind gut, sollten jedoch nicht zu weit auseinander liegen. Treppen zwischen Tanzfläche und Barbereich finde ich zum Kotzen: Je später der Abend und je höher der Alkoholgehalt im Blut, desto beschwerlicher wird der Weg. Erst recht, wenn die Stufen zum Sitzen genutzt werden und Leute sich am Geländer anlehnen. Suboptimal ist es auch, wenn ich mich zwischen verschiedenen Bereichen entscheiden muss, weil ich zwar Musik hören möchte, aber gerade nicht mehr stehen kann. Mit Sitzgelegenheiten in direkter Nachbarschaft zur Tanzfläche kann ich beides miteinander vereinbaren. Auch hier hilft es, vorher transparent zu machen, was passieren wird. Das Verhalten auf der Tanzfläche sollte so angepasst sein, dass niemand gefährdet wird.

Begleitperson

Einige Leute benötigen, um auf einer Party oder Veranstaltung zu recht zu kommen, eine unterstützende Person.

Diese Unterstützung kann zum Beispiel notwendig werden, um bauliche Barrieren auszugleichen:

  • ein Bier am hohen Tresen bestellen

  • die Garderobe im Dachgeschoss ausfindig machen

  • überhaupt erstmal in den Laden kommen...

Auch wenn diese baulichen Barrieren nicht vorhanden sind oder kein Problem darstellen, ist eine unterstützende Person manchmal notwendig. Beispielsweise in der Form einer Assistentin, die den Weg durch die Massen ebnet, den Klogang möglich macht oder als emotionale Unterstützung zur Seite steht.

Um diese Notwendigkeit einer unterstützenden Person anzuerkennen, wird an vielen Orten der kostenlose Eintritt einer "Begleitperson" ermöglicht.

Für betroffene Personen ist dies jedoch oft mit einem Rechtfertigungs- und Erklärungszwang verbunden, der bereits vor der Veranstaltung die Lust auf dieselbe vergehen lässt.

Menschen mit einer offiziell anerkannten Behinderung haben oft einen Behindertenausweis, in dem die Notwendigkeit einer Begleitperson gekennzeichnet ist.

Da es jedoch viele Menschen gibt, die aufgrund der damit verbundenen Stigmatisierung und Pathologisierung lieber erst gar keinen Behindertenausweis beantragen, ist es wichtig, Unterstützungsnotwendigkeit auch ohne schriftlichen Nachweis zu akzeptieren.

"Ach echt? DU bist behindert? Das hätt ich jetz ja nich gedacht."

Wenn Menschen die Notwendigkeit einer Begleitperson geltend machen, sollte ihnen geglaubt werden. Es sollte die Grundannahme bestehen, dass sie, und nicht die Person hinter der Kasse Expert_in für die eigene Lebenslage ist.

Immer wieder vor einer fremden Person erklären zu müssen, wofür man genau Hilfe bräuchte, ist entblößend und geht nicht alle etwas an.

Und wer sich jetzt fragt, ob dadurch nicht viele Leute diese Regelung missbrauchen könnten, erhält eine Gegenfrage: Angesichts des gesellschaftlichen Stands von Behinderung und Krankheit, was denkst du, wie viele Personen sich diese Rolle freiwillig zum Sparen eines Eintrittsgeldes zulegen?

Stand up for your boss? Sit down for your right! (von Rebecca Maskos)[1]

Moderne Arbeitnehmer konferieren im Stehen

Stehparties finde ich öde. Dauernd gucke ich auf die Ärsche von irgendwelchen Leuten. Ab und zu erbarmt sich jemand und hockt sich hin, denn auch mit Rollifahrerinnen will man auf Augenhöhe reden. Ich finde das immer sehr nett, aber auch bedauerlich, wenn die Leute sich dabei ihre Knie kaputt hocken. Irgendwann müssen sie wieder hoch und oft entschuldigen sie sich dafür. Dabei können sie ja nichts dafür, dass Stehen so angesagt ist.

Die Ideologie des Stehens scheint die einer uneingeschränkten Flexibilität und Kommunikativität zu sein. Jeden nervigen Small-Talk-Partner auf einer Stehparty kann man ohne Federlesen abschütteln, denn man muss ja nur einen kleinen Schritt weiter gehen, mal eben was vom Buffet angeln. Ist längst nicht so umständlich, wie vom Tisch aufzustehen und sich dabei auch noch förmlich verabschieden zu müssen. Sich in der stehenden Menge zu tummeln ist eben irgendwie dynamisch.

Wer steht kann schneller wieder gehen. Besitzer von Currywurstbuden und anderen Schnellimbissen wissen das und schätzen den Vorteil von Stehtischen. Schneller als sie gucken können haben ihre Kunden die Ansammlung von gesättigten Fettsäuren in sich hineingeschaufelt und räumen den Tisch für die nächsten Gäste. Lange herumzustehen wäre zu anstrengend. Die Vertreibung des Hungergefühls als notwendiges körperliches Übel ist zeiteffektiv abgehakt.

Im Rolli zu sitzen bereitet für Normalstehende überraschende Perspektiven. Beim Dönerverzehr sehe ich die Preisschilder auf den Unterseiten der Stehtische und die angeklebten Kaugummis. Auch wenn Paul Watzlawick behauptet, man könne nicht nicht-kommunizieren - mit dem Döner zwischen den Zähnen und dem Gesprächspartner einen Meter höher an den Döner-Stehtisch gelehnt führen Rollifahrer im Stehimbiss eine zeitweilige Parallelexistenz.

Dessen ungeachtet bleibt Stehen im Trend. Die Dauer der standig ovations bei Filmpreisleihungen und Parteitagen hat exorbitant zugenommen, behauptete zumindest das Magazin "Neon" bereits im Jahr 2006. Und seit einigen Jahren haben auch Unternehmen den Zauber des Stehens für sich entdeckt. Stehungen ersetzen in einigen Büros längst die lästigen Sitzungen. Statt sich mit einem Kaffee auf dem Konferenztisch ausgiebig an strittigen Themen festzubeißen werden bei den Stehungen Nägel mit Köpfen gemacht. Stehungen sind was für Entscheider, für Leute die drive haben und sich ihren workflow nicht von unnötigen Sitzblockaden verpfuschen lassen wollen. Unternehmensberatungen haben das schon lange erkannt.

Auch an meinem Arbeitsplatz stehen seit einem halben Jahr hohe Tische für die Stehungen auf in den Großraumbüros, den teamflächen. Anfangs dachte ich noch, ich komme irgendwie um die Stehungen herum, zu sehr erinnerte mich das ganze an mein Dönerbudentrauma. Doch es hilft nichts, auch ich muss ran, quasi als Stimme aus dem Off. Wenn ich was sagen will, muss ich winken oder laut rufen. Sonst kriegen es die Kollegen drei Meter weiter und einen Meter höher nicht mit. Sehen können sie mich sowieso nicht - macht nichts, ich sehe sie ja auch nicht. Nette Kollegen kehren mittlerweile wieder zur anachronistischen Sitzung zurück, wenn ich dabei bin. Und vielleicht gibt es bald auch Barhocker für diejenigen, die Knieschäden von einer Plauderei in der Hocke mit mir davongetragen haben. Nicht, dass es meine Absicht wäre, einen Sitzstreik anzuzetteln oder den Fortschritt auszubremsen, aber - ich bleib sitzen.



[1] Artikel erstmalig erschienen in mondkalb - Zeitschrift für das organisierte Gebrechen 2/2008

Barrierefrei veranstalten - Versuch Nr. 1

Das Berliner LaDIYfest wird einmal in einer mehrtägigen Version im Sommer und in einer eintägigen im Winter durchgeführt und besteht aus Workshops, Lesungen, Filmvorführungen, Ausstellungen, Konzerten, Party und einigem mehr.

Zur Planung des LaDIYfestes schließen sich FrauenLesbenTrans mit der Motivation ein mehrtägiges Festival auf die Beine zu stellen zusammen. Die meisten von uns sind jung, nichtbehindert, weiß und studierend oder fertig studiert, aber Neue, die nicht in diese Kategorien fallen, sind herzlich willkommen. Da einige aus anderen Ländern kommen und Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, wird viel Englisch gesprochen. Alle arbeiten unbezahlt, jede bringt ein, soviel sie kann und will, und ein gutes Stück weit geht es den Vorbereitenden um das Miteinander und den Spaß beim Organisieren.

Im Jahr 2008 und 2009 war ich Teil dieses Teams und habe am Anfang der Planungsphase des SommerlaDIYfestes 2009 die Idee eingebracht, dieses möglichst barrierefrei zu gestalten. Es gab zunächst nur Zustimmung.

Die Motivation lag irgendwo zwischen dem Wunsch, niemanden ausschließen zu wollen, politisch korrekt zu sein und sich von anderen linken Veranstaltungen abzuheben. Die ein oder andere mag auch noch an Freund_innen gedacht haben, die auch kommen wollen würden, aber in den Vorjahren aufgrund von Barrieren nicht konnten. Manche reizte auch die eigene persönliche Weiterentwicklung und eine Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien und Barrieren oder sie wünschte sich eine Bereicherung durch Vielfalt für die Veranstaltung.

Es wurde also eine kleine "Barrierfrei"-Gruppe gegründet, die unabhängig von den anderen Arbeitsgruppen arbeiten, Informationen zur Barrierefreiheit sammeln und an die Arbeitsgruppen weitergeben wollte.

Dadurch hat sich das LaDIYfest verändert. Es gab ein Rollipodest, einen Kinderspielraum und einen Ruheraum, Übersetzungen in mehrere Sprachen (u.a. 2 Veranstaltungen in Gebärdensprache), der Filmabend war in einen Teil mit Sprache und einen ohne aufgeteilt, es war immer jemand am Infotisch und hat unsere Barrierefrei-Hotline betreut, das Essen war für Allergiker_innen beschriftet, es gab einen übersichtlichen Raumplan und gute Ausschilderung, eine Beschreibung der barrierefreien Anfahrt mit der BVG und nicht zuletzt viele freundliche Gesichter.

Im Laufe der Vorbereitungszeit gab es einige Diskussionen, die aufkamen:

Kosten

Beim LaDIYfest ist wie bei anderen linken Veranstaltungen sowieso grundsätzlich zu wenig Geld da, und das was da ist, muss meist mühsam beschafft werden, z. B. durch Solipartys und Spenden. Zusätzliche Kosten tun weh, deshalb werden Extrakosten häufig wegrationalisiert. Barrierereduktion ist aber oft mit Extrakosten verbunden Wir haben uns gegen die Idee, Barrierefreiheit über den Eintritt mitzufinanzieren entschieden, da dies wiederum ein Ausschluss für Personen wäre, die diesen nicht bezahlen können.

Unbezahlte Arbeit

Kritikpunkt war auch, dass alle bei der Organisation und Umsetzung des LaDIYfestes unbezahlt arbeiten, inklusive der Expert_innen wie Musiker_innen, Techniker_innen, etc. Jedoch war es uns nicht möglich, unbezahlt arbeitende Gebärdensprachdolmetscher_innen zu finden. Letztlich haben wir uns doch für die Bezahlung von Gebärdensprachdolmetscher_innen entschieden, da wir hierfür gebundene Stiftungsgelder organisieren konnten und es ansonsten keine Übersetzung hätte geben können.

Spaßfaktor

Da beim LaDIYfest alle unbezahlt und in ihrer Freizeit arbeiten, ist es naheliegend, dass sie sich mit den Themen beschäftigen wollen, die sie aktuell interessieren. Barrierefreiheit war meist nicht im Interessensfokus, machte den meisten nur bedingt Spaß.

Belohnungs- oder Erfolgserwartung

Manche der Veränderungen, für die wir uns entschieden haben, waren mit Mehrarbeit verbunden. Bei dieser war die Aussicht, dass sich das Getane hinterher "auszahlt" und gut anfühlt, ein wichtiger Motivationsfaktor. Während der Vorbereitungsphase kamen häufiger Zweifel auf wie: Wie viele Leute im Rollstuhl/ taube Menschen etc. kommen denn? Lohnt sich dafür der ganze Stress?

Künstlerische Freiheit vs Barrierefreiheit

Beim Design z.B. von Flyern und Postern stieß die Grafiker_in/ Künstler_in schnell auf Grenzen hinsichtlich einer Barrierereduktion. Barrierefreie Farbkombination entsprachen nicht ihrem Stil und engten ihren Gestaltungsspielraum ein.

Bei der Erstellung von Texten wäre die Verwendung von leichter Sprache mit Mehrkosten verbunden gewesen. Zudem ist es uns schwer gefallen, auf den szeneinternen Sprachgebrauch, an den wir gewöhnt sind, zu verzichten.

Wir haben uns in beiden Fällen also gegen die barriere-reduzierende Alternative entschieden.

Unterschiedliches Prioritätsempfinden

An wen sich das LaDIYfest wendet und welche Barrieren zuerst abzubauen sind, wird von jede_r anders empfunden. Es kam auch die Frage auf, ob wir eher Barrieren abbauen wollen, auf die viele Menschen treffen oder Barrieren, die zwar nur wenige betreffen, aber durch die die Betroffenen umso häufiger ausgeschlossen werden.

Ein Anfangsproblem war die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. In Berlin gibt es leider nur eine begrenzte Anzahl an erschwinglichen linken Räumen, die rollifahrer_innenfreundlich sind. Glücklicherweise fanden wir in der Schule für Erwachsenenbildung und im SO36 sehr gute Voraussetzungen vor. Beim Wagenplatz Schwarzer Kanal blieb uns nur, die Lokation genau zu beschreiben und den Weg zur nächsten Citytoilette herauszufinden.

Dass es eine ausgelagerte Gruppe gab, die sich um Barrierefrei-Belange kümmerte, brachte auch einige Schwierigkeiten mit sich. Wir waren nicht in den einzelnen Arbeitsgruppen vertreten, hatten nicht viel Austausch über den Vorbereitungsstand und so wurden einige Dinge erst spät mitgedacht. Z.B. hatten wir für die Party im SO36 zunächst extra eine Rampe organisiert, und erst später stellte sich heraus, dass es dort einen separaten Eingang für Rollifahrer_innen gibt und wir die Rampe gar nicht brauchten. Besser wäre es, wenn die Barrierefrei-Gruppe aus Vertreter_innen der AGs besteht, so das in jeder Gruppe von Anfang an jemand Barrieren mit denkt. Noch besser wär's, wenn alle mitdenken.

Auch bei der Öffentlichkeitsarbeit gab es einige Schwierigkeiten. Mangels Kontakten zu Netzwerken und Listen konnten wir uns nur eingeschränkt direkt an Menschen wenden, die sonst häufig auf Barrieren treffen. Auf dem Poster war für eine genaue Beschreibung unseres Angebotes kein Platz, da wir gerne auf die verschiedenen Veranstaltungsorte und -formen hinweisen wollten. Letztendlich stand dort nur das Wort "barrierfree". Dass dies einerseits nicht der korrekte englische Begriff ist (der wäre accessibility), andererseits auch zu viel versprochen ist (da noch viele Barrieren stehen geblieben sind), haben wir gelernt.

Wir haben uns gefreut, Rückmeldungen zu bekommen, z. B., dass viele taube Menschen Plakate erst gar nicht lesen, da sie in den meisten Fällen sowieso nicht viel von der Veranstaltung hätten. Ein Piktogramm mit gebärdenden Händen würde ihnen viel eher auffallen.

Insgesamt freue ich mich sehr, dass der Gedanke der Barrierereduktion im LaDIYfest angekommen ist und die Umsetzung unserer Ideen so gut gelungen ist, und ich hoffe er wird noch von vielen Generationen weiter getragen und ausgebaut.

Zwischen den Stühlen

In den letzten Jahren werden immer mehr Veranstaltungen in der linksradikalen, queer-feministischen Szene in Gebärdensprache gedolmetscht und somit Tauben[2] Menschen zugänglich gemacht. Ein Recht auf Kostenübernahme für Gebärdensprachdolmetscher_innen ist gesetzlich geregelt. Ein Anspruch auf Gebärdensprachdolmetscher_innen gilt nur für den öffentlichen Bereich (z. B. Ärzt_innenbesuche, Ämtergänge, Ausbildung und Studium, Beruf, Gericht, etc.). Dieser kann allerdings mit der Begründung, das Budget sei ausgeschöpft, außer Kraft gesetzt werden. Nähere Informationen findet ihr unter: http://www.dgsd.de/.

Im Freizeitbereich haben Taube Menschen überhaupt keinen gesetzlichen Anspruch auf Dolmetscher_innen. Somit müssen Anträge bei Stiftungen gestellt werden. Diesen Zeitaufwand können die meisten Veranstalter_innen, die hauptsächlich ehrenamtlich arbeiten, selten aufbringen. Weiterhin sind die Kostensätze für Dolmetscher_innen sehr hoch und das Honorar kann nur schwer über Eintrittsgelder zusammengetragen werden.[3]

Ich studiere Gebärdensprachdolmetschen und werde des Öfteren angefragt, ob ich Veranstaltungen dolmetschen könnte. Meine Ablehnung begründe ich damit, dass ich mich noch in Ausbildung befinde und Dolmetschen eine anspruchsvolle Tätigkeit ist. Außerdem haben Taube Menschen meiner Meinung nach ein Recht auf eine professionelle Verdolmetschung. Nur so kann eine ausreichende Teilhabe an der Veranstaltung garantiert werden. Dies ist beispielsweise in der Berufs- und Ehrenordnung festgelegt:

"GSD/Ü"[4] werden nur in solchen Sprachen, Sprachvarianten, Kommunikationssystemen sowie Sachgebieten tätig, in denen sie über ausreichende Kenntnisse verfügen bzw. sich diese im Rahmen der Vorbereitung verschaffen können. Auch tragen sie dafür Sorge, dass sie die für den jeweiligen Auftrag erforderlichen Arbeitstechniken beherrschen. Sobald GSD/Ü erkennen, dass ein Auftrag ihre derzeitigen Fähigkeiten übersteigt, bringen sie dies allen Beteiligten zur Kenntnis."

Die Erarbeitung einer Berufs- und Ehrenordnung für Gebärdensprachdolmetscher_innen geht unter anderem aus der Geschichte und Entwicklung dieses Berufsbildes hervor. In den Anfängen haben hauptsächlich Sonderpädagog_innen, Mitarbeiter_innen aus dem kirchlichen Bereich und Familienangehörige gedolmetscht. Das Anliegen der Tauben Person wurde vorher erfragt und von der_dem Hörenden vorgebracht und verhandelt. Die_der Taube bekam meistens nur eine grobe Zusammenfassung des Gesagten. Mit dieser audistischen[5] und grenzüberschreitenden Verhaltensweise wurde die Einflussnahme der Tauben Person auf den Verlauf und das Ergebnis des Gesprächs verhindert. Ende der 80er gründeten sich die ersten Berufsverbände von Gebärdensprachdolmetscher_innen, die einen professionellen Anspruch für die Ausübung ihrer Tätigkeit vertraten. Begriffe wie Unabhängigkeit, Gewissenhaftigkeit, Unparteilichkeit, Verschwiegenheit und vor allem Professionalität sowie verschiedene Dolmetschmodelle wurden diskutiert. Anfang 2000 entstanden erste Ausbildungsgänge, die eine Qualität beim Dolmetschen sicherstellen sollten. Diese Entwicklung war für die Emanzipationsbewegung von Tauben Menschen sehr wichtig und muss bei der Ausgangsfrage berücksichtigt werden.

Veranstalter_innen weisen mich nach meiner Ablehnung auf Ihre Schwierigkeiten, Anträge zu stellen und auf ihren Wunsch, die Veranstaltung barriere-ärmer zu gestalten, hin. Da sei eine Person in Ausbildung doch besser als gar keine Dolmetscher_in. Aufgrund der prekären Situation, dass die Bewilligung von Gebärdensprachdolmetscher_innen ein harter Kampf ist, sehen dies zum Teil auch Taube Menschen so. Daher habe ich für Freund_innen bereits auf Veranstaltungen gedolmetscht. Dennoch sehe ich die Gefahr, dass der bequemere Weg, Auszubildende oder DGS-kompetente Menschen als Dolmetscher_innen einzusetzen, gewählt und damit der Kampf für die Ausweitung der Kostenübernahme für Gebärdensprachdolmetscher_innen, zum Beispiel im kulturellen Bereich, vernachlässigt wird.

Soliveranstaltungen, auf denen Organisator_innen, Performer_innen, Referent_innen, etc. ehrenamtlich arbeiten, sind Veranstalter_innen häufig der Meinung, dass es ungerecht ist, in diesem Fall Gebärdensprachdolmetscher_innen als Einzige für ihre Leistung zu bezahlen. Dies finde ich nachvollziehbar. Leider gibt es nur wenig professionelle Dolmetscher_innen, die bereit sind, kostenfrei zu dolmetschen, und hier muss mensch sich entscheiden, ob die Veranstaltung Tauben Menschen zugänglich gemacht werden soll. Letztendlich sind sie es, die davon betroffen sind.

In Bezug auf meine Ausgangsfrage fände ich es sinnvoll, sich mit Tauben Menschen zusammenzusetzen, um deren Bedürfnisse und Ansichten in die Diskussion und Entscheidungen einzubeziehen.



[2] Der Begriff "Taub" wird derzeit diskutiert und soll gehörlos ersetzen, da dieser von vielen als negativ empfunden wird (-los im Sinne eines Defizits und gehör- rückt den Hörstatus in den Mittelpunkt anstatt des kulturellen Selbstverständnisses) Taub soll in Anlehnung an Deaf Verbreitung finden. Dieser Bezeichnung liegt keine medizinische Sichtweise zugrunde, die sich nach dem Hörstatus richtet, sondern bezieht sich auf die kulturelle Identität dieser Menschen. Daher schreibe ich Taub mit großem Anfangsbuchstaben. Dieser Begriff impliziert verschiedene Taube Lebensweisen und Identitäten und schließt daher Taube, gehörlose, schwerhörige, CI-Träger_innen, spätertaubte Menschen ein.

[3] 55 € pro Stunde, Fahrtzeit und die Fahrtkosten. Für Dolmetschen auf performativen Veranstaltungen, für Musikgruppen, etc. wird meist eine Vorbereitungspauschale in Rechnung gestellt. Auf Konferenzen oder Großveranstaltungen, wo mehrere Dolmetscher_innen im Einsatz sind, wird eine Koordinationspauschale berechnet. Rechtliche Grundlage für die Berechnung und Übernahme der Kosten: Das Recht auf Verwendung der Gebärdensprache für hörgeschädigte Menschen ist u. a. geregelt im SGB IX, sowie im Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG - Abschnitt 2 § 9). Für die Vergütung des Gebärdensprachdolmetschers wird u. a. laut § 19 SGB X sowie der Kommunikationshilfeverordnung (KHV) das Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetz (JVEG) angewandt. Nach § 9 Abs. 3 JVEG wird das Honorar des Dolmetschers mit 55,00 € pro Stunde beziffert. Dies bemisst sich lt. § 8 Abs. 2 nach der erforderlichen Zeit, die der Dolmetscher insgesamt aufwenden musste. Hierzu gehören neben der eigentlichen Dolmetschertätigkeit insbesondere auch die Reisezeit (z. B. Hin- und Rückfahrt zum und vom Einsatzort), die Wartezeiten sowie ggf. Ruhepausen.

[4] Gebärdensprachdolmetscher_in/Übersetzer_in

[5] Audismus: Die Diskriminierung von Tauben Menschen und Taubenkultur sowie Gebärdensprachen.

FAQ - Frequently Asked Questions[6]

Ich hatte Dich gar nicht bemerkt. Wie Du da am Nebentisch gesessen hast und mich "schon seit Stunden beobachtet" hattest. So sagtest Du jedenfalls, als Du an meinen Tisch kamst. Inga, Theo und ich wollten eigentlich gleich gehen. Es war spät geworden, wir waren der letzte Rest der Gruppe, die nach dem Vortrag noch ins Morgenrot gegangen war. Das Morgenrot ist eine linke Kneipe im Prenzlauer Berg. Studis und linke Intellektuelle trinken hier ihr Bier, seit einiger Zeit kommen auch immer mehr Touristen auf der Suche nach einer "authentischen Berliner Szenekneipe".

Du warst so Anfang oder Mitte Dreißig, dunkle Haare, Geheimratsecken. Ob Du mich mal etwas Persönliches fragen dürftest, sagtest Du zu mir. Ich ahnte, worauf das hinauslief. Nach "etwas Persönlichem" werde ich oft gefragt. Selten will dann jemand wissen, ob wir uns zufällig schon mal getroffen hätten oder wo ich denn meinen coolen Mantel herhabe. Mit dem "Persönlichen" ist immer das Offensichtliche gemeint: Meine Behinderung. Nur darüber wollen die Leute mehr wissen. Auch als Du mir Deine "Persönliche Frage" ankündigtest rollte ich innerlich schon mit den Augen. Habe ich ein Schild auf der Stirn auf dem steht "Mobiles Auskunftsbüro zum Thema Kleinwuchs und Rollstuhl"? Oder eins mit der Aufschrift: "Krummer Rücken, krumme Beine - fragen Sie die hier, wenn Sie ihrem Voyeurismus einfach mal nachgeben wollen"?

Natürlich war dergleichen nicht auf meiner Stirn zu lesen. Deswegen hätte es ja auch sein können, dass Du einfach nur eine Info über die Herkunft meiner DocMartens-Stiefel in Kindergröße haben wolltest. Oder wissen wolltest, ob man meine Rolli-Räder im Winter mit Spikes optimieren könne. Also sagte ich: "Ja.. ok..kannste fragen...Kommt halt darauf an worum's geht." Natürlich wolltest Du wissen, welche Behinderung ich habe.

He, unbekannter Kneipengast - wenn ich Dich schon ein Weilchen kennen würde und Du mich, wenn Du auch nur einen Hauch von meinen Macken, Lieblingsfilmen, Essgewohnheiten oder Ansichten wüsstest, wenn wir einander eben keine Unbekannten wären - gerne würde ich Dir davon erzählen. Von mir aus auch von DNA-Strukturen, Gen-Defekten und Kollagen-Schäden reden. Vielleicht sogar von Krankenhäusern, Physiotherapie und Chirurgie erzählen. Dich aber kenne ich seit gerade Mal seit 120 Sekunden. Ich konnte Dir gerade noch die Gegenfragte stellen: "Warum willst Du das wissen?"

Du spekuliertest schon den ganzen Abend, ob ich wohl die Glasknochenkrankheit habe, sagtest Du. "Shit, Treffer versenkt", dachte ich. Warum gibt es nur so viele B-Promis mit meiner Behinderung? Frederik vom Marienhof, den Schauspieler Peter Radtke, Raul Krauthausen von Radio Fritz und Jazzlegende Michel Petrucciani. Ich überlegte hektisch: Tatsachen Leugnen, Frage Abbügeln oder drauf Eingehen? Ich war natürlich wieder zu nett und bejahte Deine Frage. "Ah ja, das ist ja hoch interessant!" fandest Du, "er hätte ja diesen Michel Petrucciani im Fernsehen gesehen, wie er da immer zu seinem Klavier getragen wurde und schließlich dann an seiner Behinderung gestorben sei". Verdammt, jetzt hattest Du mich mitten ins Gespräch hineingezogen. Wenn ich etwas hasse dann eine falsche Dramatisierung von Behinderung, eine sensationsheischende Überhöhung des Leidens. Und vor allem, immer die immer gleichen Gespräche darüber führen zu müssen. "Moment mal, Petrucciani ist noch immer selbst zu seinem Klavier gelaufen, und gestorben ist er nicht an der Glasknochenkrankheit, sondern an einer Lungenentzündung!", sagte ich.

Und fragte ich Dich nochmal: "Warum willst Du das wissen?" Du sagtest "Wenn ich eine Frage habe, muss sie einfach raus!". "Aber wie fändest DU das denn, wenn ich Dich auf irgendwelche Körpermerkmale ansprechen würde? Würde Dir das nicht auch irgendwie ganz schön privat vorkommen?" Du verstandest meine Frage nicht.

Inga schaltete sich ein: "Stell Dir vor, ich komm an Deinen Tisch in der Kneipe und sagte: Hey, darf ich Dich mal was Persönliches fragen? Wieso hast Du eigentlich so einen krassen Haarausfall?". "Naja, das ist halt mein Testosteron!" rechtfertigtest Du Dich stolz.

So ging es ein paar Mal hin und her. Um das Behauptungs-Ping-Pong zu beenden fragte ich Dich ein letztes Mal: "Was ich immer noch nicht verstanden habe: Warum willst Du das eigentlich so dringend wissen? Willste vielleicht auch noch Blutgruppe und Cholesterinwerte von mir haben?" Wahrscheinlich hattest Du gehofft, ich würde Dir unter Tränen berichten, wie schlimm das alles mit der Glasknochenkrankheit sei - und Du hättest dann wahres Mitgefühl zeigen und dich danach erhaben und irgendwie so echt und lebendig fühlen können.

Deine Antwort bliebst Du mir schuldig. Du hattest Dich gerade in eine zweite Diskussion mit Inga verwickeln lassen. Sie sagte was von "Rebecca hat auch mal Feierabend" und "soll sie jetzt um 23.30 Uhr noch den Leuten was über Behinderung beibringen?". Schließlich schaltete sich auch noch Theo in die Debatte ein. Theo ist schlau, aber sehr jung und sieht dabei noch jünger aus als er ist. Du fuhrst ihn an: "Halt den Mund, Du verstehst das nicht, dafür bist Du noch zu jung". Das reichte, wir standen auf und gingen. "Warum ich Dich das frage? Weil ich Anstand habe! Im Gegensatz zu Deinen Freunden hier" riefst Du mir zum Abschied hinterher. Aha, Anstand. Ach, unbekannter Kneipengast, Du bist ein hoffnungsloser Fall von alkoholbedingter Gehirnschmelze. Darüber hab ich schon viel im Fernsehen gesehen. Das Endstadium ist grausam. Aber ich fühle mit Dir.

Trotzdem werde ich zum Schutz vor Menschen mit deinem schweren Schicksal die nächste "persönlichen Frage" endlich einmal von vornherein abwimmeln: "Entschuldigung, auch wenn Sie es nicht bemerken - Sie betreten gerade mein Privatgelände. Und das gehört mir".



[6] Artikel erstmalig erschienen in mondkalb - Zeitschrift für das organisierte Gebrechen 1/2010

Ängste und Unsicherheiten

Samstag Abend. Zeit für Party. Der Flyer für die ultimative Szeneparty liegt auf dem Tisch. Jetzt muss nur noch entschieden werden, ob ich da wirklich hin will. Klar, ich muss. Samstag zu Hause bleiben geht ja nicht. Verpass ich was, wenn ich nicht hingehe? Wahrscheinlich nicht, aber vielleicht doch - abtanzen zu lauter Musik auch mal wieder Kopf frei und auspowern, Freund_innen treffen. Aber wer wird überhaupt da sein und irgendwie bin ich grad gar nicht in so "socializing"-Stimmung. Ich bin eine schlechte Small-Talkerin, fühl mich voll schnell verunsichert, viele halb-bekannte Gesichter zu treffen... Aber was muss, das muss. Also los. Ich entscheide mich fürs Fahrrad, so kann ich nicht am Ostkreuz hängen bleiben, wenn später keine Bahn mehr fährt. Vorher schön in großer Runde Alkohol vorkonsumieren. Wenn ich jetzt schon zur Party fahre, ist eh keine_r da und dann abhängen auf ner leeren Party?..... Eine gute Party beginnt nicht vor 0.30 Uhr und ist nicht vor sechs zu Ende, am Sonntag ist dann eben nicht viel los. So schaff ich es dann doch wirklich, noch auf der Party zu landen. Viele Menschen vor der Tür, ich schau mich um und kenn erstmal niemanden. Doch wieder gehen? Nee, erstmal ‚n Bier kaufen und eine Zigarette rauchen. Sieht immer schwer beschäftigt aus. Also rein in den Keller zum Elektrostampf. Dunkle Räume, enge Gänge, nur ab und zu erhellt durch das Zucken eines Strobolichtblitzes. Rauch liegt in der Luft und der Geruch von Alkohol. Plötzlich entdecke ich ne Person im Rollstuhl. Ich muss kurz hinschauen und frag mich, wie diejenige hier runtergekommen ist. Aber nicht zu lang hinschauen, das wirkt ja komisch...

Was guckt die mich denn so lange an?

Schon wieder eine, die mich verwundert anstarrt und die Sekunden zählt, bis sie wieder wegschaut, damit mir das nicht auffällt. Aber gerade dieses Wegschauen macht sie auffällig. Denn sie mustert mich aus dem Augenwinkel trotzdem, und das merke ich. Ganz schön anstrengend, solche Situationen, zuerst der Stress, überhaupt zur Party zu kommen. Wie kann ich mich da bewegen? Wie sind die Räumlichkeiten? Wo die Klos? Wenn das dann geschafft ist, irgendwie darauf zu regieren, immer wieder viele Blicke auf sich zu ziehen....

Im Kontakt von Menschen (nicht nur) mit und ohne Behinderungen spielen oftmals viele Verunsicherungen und Ängste eine Rolle, etwas falsch zu machen oder sich blöd zu verhalten: Was darf ich sagen? Was denkt mein Gegenüber? Wie verhalte ich mich "richtig"? Soll ich Unterstützung anbieten oder ist das bevormundend? Muss ich immer um Unterstützung bitten? Ängste und Unsicherheiten spielen auch beim Thema Barrierefreiheit eine wichtige Rolle. Es gibt so viele Möglichkeiten, Dinge falsch zu machen. Ausschlüsse und die Angst davor widersprechen oftmals den eigenen Ansprüchen, eben alles "richtig" machen zu wollen und gerade nicht ausgrenzend zu sein. Es ist nicht so einfach, sich selbst einzugestehen, diskriminierend zu sein oder zu agieren. Die eigenen Ansprüche können Verunsicherungen in Situationen auslösen und verstärken. So bewirken sie oft, was sie eigentlich verhindern sollen: Mehr Unsicherheit und weniger Entspanntheit.

Ausschlüsse können von verschiedenen Personen sehr unterschiedlich erlebt werden. Oft sind sie verletzend, manchmal aber auch nicht. Bei der Männergruppe nicht dabei zu sein, ist für manch eine Feminist_in vielleicht eine Freude. Sie muss sich ja nicht immer mit allen Dingen beschäftigen. Nicht zu einer Veranstaltung zu können, die spannend ist und auf der sich viele nette Menschen rumtreiben, Freund_innen gar - das ist schon ein verletzender Ausschluss. Und der Grad der Verletzung hängt natürlich auch von den Erfahrungen ab, die die ausgeschlossene oder sich ausgeschlossen fühlende Person bereits gemacht hat. Wenn ich immer ausgeschlossen werde, dann ist das vielleicht schwerer wegzustecken, als wenn es ein einziges Mal passiert. Wenn klar ist, dass sich Menschen um Barrierefreiheit bemühen, es aber nicht perfekt klappt, dann ist das etwas anderes, als wenn noch nicht mal die Frage auftaucht, welche Barrieren bestehen.

Unsicherheiten lassen sich in vielen Situationen schwer vermeiden, aber sicherlich verändern, entspannen und entdramatisieren! Und, wer hätte es gedacht, Kommunikation ist wichtig:

Ängste entstehen auch in Situationen, die nicht oder nur wenig einschätzbar sind. Was ist in einer bestimmten Situation erwartbar? Auf was muss mensch sich einstellen? Es ist oft hilfreich, sich vorher über die eigenen Unsicherheiten auszutauschen und zu überlegen, welche Situationen entstehen können und wie mit ihnen umgegangen werden kann. Manchmal macht auch eine "Nachbesprechung" Sinn. Der Austausch über Ängste muss ja nicht unbedingt in der akuten Situation und zwischen den jeweiligen Personen erfolgen. Vielmehr geht es darum, Verunsicherungen anzuerkennen, um mit sich selbst entspannter umzugehen.

Und wenn ihr verunsichert seid oder Fragen habt, sprecht die betreffende Person selbst an! Oft passiert es, dass Nichtbehinderte mit nichtbehinderten Freund_innen, Assistent_innen oder anderen Begleitpersonen der betreffenden Person sprechen. Der Austausch darüber, was in einer Situation wichtig ist, findet dann nicht mit der behinderten Person statt, es wird über sie statt mit ihr direkt gesprochen.

Das ist mittlerweile wohl klar: Kommunikation über Emotionen ist sehr wichtig, aber auch schwierig. Die Reflexion und der Austausch über Ängste und Unsicherheiten können für die einen wichtig und für die anderen nervig sein. Wer ständig ausgeschlossen wird, möchte sich vielleicht nicht immer auf Erklärungen einlassen. Wer ständig gezeigt und gesagt bekommt, dass ihre_seine Anwesenheit ambivalente Gefühle und Unsicherheiten auslöst, möchte vielleicht nicht immer zuständig dafür sein, für gute Stimmung zu sorgen. Überlegt euch also, mit wem ihr über eure Ängste redet und vor allem wann. Und überlegt euch, warum ihr eure Ängste thematisiert: damit ihr das nächste Mal alles richtig macht und euch politisch korrekt verhaltet? Weil Ängste einfach unangenehm sind? Weil ihr etwas lernen wollt? Weil ihr aufgeschlossen und interessiert wirken wollt? Von allem ein bisschen? Und wenn ihr schon am Reden seid: Bedenkt, dass andere Leute vielleicht auch Ängste und Unsicherheiten haben. Fragt nach.

Bevor hier erstmal genug von Ängsten die Rede war, noch ein Hinweis für unsere nichtbehinderten Leser_innen: Die "Angstgrenze" verläuft nicht zwischen euch und den Leuten, die behindert werden. Angst haben und unsicher sind alle. Wenn unklar ist, wie Interaktion und Kommunikation funktionieren, dann ist es egal, wie stark oder oft man behindert wird.

Das mit der Angst ist so eine Sache. Irgendwie sind wir alle dabei darauf angewiesen, dass uns andere damit helfen. Das Bemühen um mehr Barrierefreiheit kann aber ein Schritt sein, über Ängste vor Ausschlüssen nachzudenken und etwas dagegen zu tun. Es ist ein Weg, auch individuell gegen strukturelle Barrieren anzugehen.

Checkliste

Im Folgenden haben wir für euch eine möglichst übersichtliche und ziemlich detaillierte Liste erstellt, die helfen soll, Veranstaltungen verschiedenster Art barriere-ärmer zu gestalten.

Wundert euch nicht, wenn ihr euch schon beim Überfliegen erschlagen fühlt.

Wir haben uns an Standards orientiert, die vielleicht für eure Situation gar nicht angemessen sind. Wenn ihr nicht gerade ein Haus neu baut, könnt ihr an der Türbreite nicht viel ändern. Die Liste kann euch aber helfen, wenn ihr zum Beispiel Räume für eure Veranstaltung auf ihre Barrierefreiheit überprüfen wollt. Denkt euch vor jedem Punkt ein großes KÖNNTE oder noch besser ein SOLLTE.

Wie gesagt, manches ist schwierig umzusetzen, manches ist aber auch ganz einfach. Nicht für alle Dinge braucht es viel Geld. Was zum Beispiel immer geht, ist möglichst transparent zu sein. Und Transparenz ist gleichzeitig sehr wichtig: Nicht alles kann immer komplett barrierefrei sein. Aber ihr könnt transparent machen, welche Barrieren existieren und welche nicht. Das macht alles schon ein Stück besser.

Vor der Veranstaltung

Flyer

  • Gestaltet den Flyer möglichst übersichtlich und klar.

  • Wählt deutliche Farbkontraste für gute Lesbarkeit.

  • Verwendet eine große Schriftart (min. 26 Punkt) und lasst etwas Platz zwischen den Zeilen.

  • Wenn ihr für die Veranstaltung Gebärdensprachdolmetscher_innen organisiert habt, macht ein Piktogramm (gebärdende Hände)

  • Gebt möglichst verschiedene Kontaktmöglichkeiten an. (Telefonnummer, Email, Fax, Bildtelefon)

  • Gebt schon auf der Einladung die beste barrierefreie öffentliche Verkehrsanbindung an.

  • Überlegt euch, wo ihr Werbung macht. Wenn ihr auch "außerhalb" der Szene werben wollt, schaltet z. B. eine Anzeige bei kobinet (www.kobinet-nachrichten.org) oder www.taubenschlag.de.

Einladung oder Ankündigung

  • Macht kenntlich, was genau auf eurer Veranstaltung barriere-ärmer gestaltet ist (dann müssen Menschen nicht nachfragen, sondern sind informiert), allgemeine Hinweise, wie "barrierefrei" sagen wenig aus.

  • Verwendet Leichte Sprache.

  • Großschrift (s.o.)

  • In möglichst verschiedene Lautsprachen. Dabei ist es wichtig, dass ihr die Veranstaltungssprache kenntlich macht und welche Übersetzungsmöglichkeiten vor Ort vorhanden sind. Dabei auch Sprachen bedenken, die sonst nicht so oft vorkommen.

  • Hörversion, Brailleschrift, DGS-Video wäre auch schön, wenn ihr das noch schafft.

Homepage

  • Barrierefreie Homepages: Informationen unter: www.wob11.de

Anmeldeformulare

  • Wenn sich die Leute zu eurer Veranstaltung anmelden sollen, dann lasst auf dem Formular Platz für ihre Bedürfnisse.

An- und Abreise

  • Die BVG bietet einen kostenlosen Begleitservice für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen von der nächsten U-Bahn oder S-Bahn Station zum Veranstaltungsort. Näheres kann unter folgender Telefonnummer erfragt werden: 030 - 25 414 414. Nicht alle wissen davon. Besonders Menschen aus anderen Städten.

  • Reserviert Parkplätze in der Nähe eures Veranstaltungsortes.

Veranstaltung

Rampe

  • Für Stufen, die höher als 13 mm sind, braucht ihr eine Rampe.

  • Die Rampe sollte eine maximale Steigung von 5% haben. Das heißt für jeden zu überwindenden cm müsst ihr 20 cm Rampe berechnen.

  • Die Rampe sollte ein Geländer auf 85 cm Höhe haben.

  • Die Rampe sollte mind. 1,5 m breit sein.

  • Die Oberfläche der Rampe sollte auch bei Regen rutschfest sein.

  • Alle 6 m sollte die Rampe eine Ruheplattform haben.

Eingangbereich

  • 1,5 x 1,5 m ebenerdige Plattform (kein Zurückrollen vor der Tür)

Preise für Veranstaltungen

  • Auch Eintrittspreise können eine Barriere darstellen. Überlegt euch also, ob ihr Eintritt verlangen wollt und wie ihr das gestaltet.

  • Ihr könntet den Eintritt nach Einkommen gestaffelt verlangen.

  • Ihr könnt die Leute selbst einschätzen lassen, wie viel sie zahlen (am besten gebt ihr eine Unter- und Obergrenze an).

Tresen/Infostände

  • Achtet darauf, dass sie in angemessener Höhe auch für Rollifahrer_innen sind und unterfahrbar sind. Das heißt, es dürfen keine Holzbalken oder Verstrebungen unter dem Tisch sein.

Übersichtsplan

  • Bei größeren Veranstaltungen macht ein Übersichtsplan Sinn.

  • Ihr könnt zum Beispiel Behindertenparkplätze, barrierefreie WCs, Räume mit Indukationsanlagen, Ruheräume, barrierefreie Fluchtwege, Haltestellen kenntlich machen.

Blindleitsystem

  • zu verschiedenen Orten (auf den Boden geklebtes ertastbares Band, besonders in großen Gebäuden, wo auch nicht alle Räume für die Veranstaltung genutzt werden)

  • taktiler Übersichtsplan von den Räumlichkeiten

Türen

  • sollten mind. 90 cm breit sein

  • Es sollte ausreichend Wendemöglichkeit beim Öffnen bestehen.

  • Die Türklinke sollte nicht höher als 85 cm sein.

  • Wenn andere Öffnungsmöglichkeiten vorhanden sind, macht das möglichst sichtbar (beschriften).

Gänge

  • Die Gänge sollten mind. 1,2 m breit sein.

  • Bei langen Gängen sollte es Haltegriffe und Ruheplätze geben.

Treppen

  • Die Stufen sollten nicht höher als 16 cm sein, die Trittfläche mind. 30 cm.

  • Auf beiden Seiten sollte es ein Geländer/ einen Handlauf geben.

  • Achtet darauf, dass es einen rutschfesten Anstrich gibt.

  • Der Treppenanfang oder die einzelnen Stufen sollten farblich markiert sein.

Fahrstuhl

  • Der Fahrstuhl sollte mindestens 1,10 m breit und 1,40 m tief sein.

  • Die Knöpfe sollten erfühlbar sein (taktile Bedienelemente).

  • Die Stockwerke sollten akustisch und optisch angezeigt werden.

Toiletten

  • Die Tür sollte sich nach außen öffnen lassen und mindestens 80 cm breit sein.

  • Handlauf auf 85 cm Höhe über gesamte Tür.

  • Wenn nur wenig Platz ist, eignen sich Schiebetüren.

  • Die Sitzhöhe der Toilette sollte auf 46 cm sein und die Klobrille sollte nicht wackeln.

  • Am Deckel und an der Klospülung sollte reflektierendes Klebeband angebracht sein.

  • Die Klospülung sollte neben oder vor dem Sitz sein. Wenn sie hinter der Toilette ist, dann sollte sie möglichst auch mit dem Ellenbogen zu betätigen sein. Der Wasserkasten muss stabil genug sein, um sich darauf abstützen zu können.

  • Auf beiden Seiten neben der Toilette sollten auf 75 cm Höhe Haltegriffen angebracht sein. Am besten gibt es auch Haltegriffe hinter der Toilette.

  • Das Waschbecken sollte unterfahrbar sein.

  • Es sollte rutschfesten Fußbodenbelag geben.

  • Seifenspender, Handtücher, Spiegel, etc. sollten nicht höher als 85 cm angebracht sein.

  • Es sollte eine Notrufklingel geben.

  • Das Toilettenpapier sollte ohne Verrenkungen erreichbar sein.

Wege

  • Achtet darauf, dass es keine Stolperfallen gibt (z. B. Kabel).

  • Wenn Schnee liegt, dann schaufelt ihn weg oder trampelt ihn fest. Stellt sicher, dass es nicht glatt ist.

  • Denkt daran, auch Bühnen und Podien barrierefrei zu gestalten.

Erste-Hilfe-Kasten

  • Habt einen Erste-Hilfe Kasten vor Ort.

  • Eine_r von euch sollte sich damit auskennen und ansprechbar sein. Dafür ist es wichtig, dass er_sie erkennbar ist.

  • Auf größeren und längeren Veranstaltungen ist es wichtig einen Sanitätsbereich einzurichten.

Brandschutz

  • Feuerlöscher und Feuermelder auch auf Rollstuhlhöhe (nicht höher als 1,1 m).

  • Feueralarm auch optisch.

  • Gebrauchsanweisung für den Feuerlöscher auch in Braille, Leichter Sprache und Großschrift.

  • Es sollte Notrufklingeln geben.

  • Blinden Menschen sollte vor Beginn der Veranstaltung der Evakuierungsplan zugänglich gemacht werden.

ENDLICH:

Auf der Veranstaltung

Licht

  • Sorgt für helle Lichtverhältnisse (auch in Kneipen oder auf Partys solltet ihr Orte für Menschen schaffen, die visuell kommunizieren, d. h. gebärden oder Sachen aufschreiben).

  • Kein Stroboskop benutzen, zumindest sollte es Orte geben, an denen kein Stroboskop eingesetzt wird.

Podest

  • Insbesondere auf Stehveranstaltungen ist die Bühne für kleine Menschen oder Rollifahrer_innen schwer zu sehen. Deshalb ist ein Podest sinnvoll. Dabei wäre es schön, wenn Freund_innen der Personen, die auf dem Podest gern sein möchten, danebenstehen können. Zusammen zu einer Veranstaltung zu gehen, um sie am Ende allein zu genießen, ist auch nur halb so schön.

Begleithunde

  • Mitnahme sollte erlaubt sein. Dies sind keine Haustiere.

  • Streichelt die Hunde nicht einfach so. Sie sind bei der Arbeit.

  • Stellt Wasser für die Hunde bereit.

Ausstellungsdesign

  • Ausstellungsstücke und Bedienelemente in angemessener Höhe (85 cm bis 110 cm)

  • Beschriftung ausreichend groß und Braille-Schrift

  • Tastbare Reliefbilder

  • Hörversion

  • Video-Guides in Gebärdensprache

Führungen

  • Bietet Führungen in unterschiedlichen Sprachen an: in Leichter Sprache, Gebärdenund Lautsprachen.

Trigger

  • Weist vor einem Film oder zu Beginn der Veranstaltung darauf hin, welche Situationen oder Sequenzen triggern könnten (z. B. sexualisierte Gewalt) und schafft Möglichkeiten, dass Leute trotzdem teilnehmen können. Z.B. können sie für einen Teil der Veranstaltung auf einen anderen Raum ausweichen.

Dauer der Veranstaltung

  • Gebt, wenn möglich, die Dauer der Veranstaltung vorher an (Menschen sind auf Bringund Abholservice angewiesen).

  • Haltet ein, was ihr angekündigt habt. Jede Diskussion muss irgendwann enden. (Das ist auch wichtig für die Dolmetscher_innen.)

Sitzplätze

  • Für manche Menschen ist es wichtig, dass ihnen ein Sitzplatz garantiert wird, ständig zugewiesene Plätze können aber auch als bevormundend wahrgenommen werden. Fragt die Person, ob der vorgesehene Platz in Ordnung ist.

  • Achtet darauf, dass es möglichst keine feste Bestuhlung gibt, so das Menschen im Rollstuhl besser eine Sitzmöglichkeit wählen können und nicht immer nur am Rand oder hinten sitzen.

  • Auch bei Stehveranstaltungen einige Stühle aufstellen.

  • Für Taube Menschen bei Verdolmetschung in den ersten Reihen Plätze reservieren.

  • Reservierte Sitzplätze werden auch von anderen unwissend in Anspruch genommen; eine Person aus dem Veranstaltungsteam sollte darauf achten.

Handouts

  • Leichte Sprache

  • Braille oder Hörversion

  • Verschiedene Lautsprachen und Gebärdensprache

  • Erstellt ein paar Handouts in Großdruckversion (Schriftgröße mind. 26 Punkt).

  • Benutzt eine einfache und gut lesbare Schrift! Darunter kann das Layout leider manchmal leiden.

  • Achtet auf klare Kontraste.

  • Verwendet keine rot-grün Kombinationen.

Pausen

  • Regelmäßige Pausen einhalten (das ist wichtig für Raucher_innen, Dolmetscher_innen, Menschen mit Konzentrationsschwierigkeiten).

Sprache

  • Organisiert Übersetzung in Gebärdenund Lautsprachen.

  • Organisiert Schriftsprachdolmetscher_innen für schwerhörige oder Taube Menschen.

  • Gebt den Dolmetscher_innen rechtzeitig Vorbereitungsmaterial. Fragt die Dolmetscher_innen frühzeitig an, weil es oft einen Mangel an Dolmetscher_innen gibt.

Indukationsanlagen

  • FMund Indukationsanlagen sind technische Hilfsmittel für schwerhörige Menschen. Diese verstärken die Lautsprache und blenden Störschall aus. Außerdem können akustische Signale über weite Entfernungen (bis zu 100 m) verstärkt werden.

  • Indukationsanlagen sind in Räumen fest installiert oder können installiert werden. Am Hörgerät kann dann die entsprechende Frequenz eingestellt werden. Bitte macht kenntlich, wenn eine Indukationsanlage vorhanden ist.

  • Eine FM-Anlage ist transportabel. Häufig besitzen schwerhörige Menschen selbst eine. Dennoch ist es schön, wenn welche zur Verfügung gestellt werden können. Die Person, die spricht, bekommt ein kleines Mikrofon, welches zur FM-Anlage gehört. Dieses sollte bei Diskussionen herumgereicht werden. Hierbei empfiehlt es sich, dass die Moderation darauf achtet, dass dies auch getan wird. Insbesondere bei hitzigen Debatten wird es des Öfteren vergessen.

Kommunikation

  • Redelisten schaffen Übersichtlichkeit und erleichtern es manchen Menschen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Ihr könnt auch über Quotierungen nachdenken.

  • Eine gute Moderation kann dafür sorgen, dass es leichter ist, der Diskussion zu folgen. Sie sollte darauf achten, dass Zeiten eingehalten werden.

Essen/Trinken (Kneipen, Voküs)

  • Viele Menschen haben Allergien: Macht die Inhaltsstoffe kenntlich.

  • Verzichtet auf Stoffe, die häufig Allergien auslösen (Nüsse, Milchprodukte Weizen...) oder bietet Alternativen an.

  • Beachtet kulturelle und religiöse Essgewohnheiten.

  • Stellt biegsame Strohhalme zur Verfügung.

  • Gebt an, wenn Alkohol im Essen ist.

  • Achtet darauf, dass die Hinweise zum Essen gut lesbar sind.

  • Es sollte keinen Bestelldruck geben (Selbstbedienung oder am Tresen bestellen).

  • Die Tische sollten unterfahrbar sein.

Filme

  • Schaltet die Untertitelung ein.

  • Könnt ihr Audiokommentare ermöglichen? Er kann vielleicht auch live von einer Person gegeben werden. Das hat aber auch Nachteile, weil Sehenden nicht immer bewusst ist, welche Bildinformationen nötig sind, um der Handlung folgen können. Erkundigt euch bei Profis / blinden Menschen.

Ruheraum

  • Insbesondere bei Großveranstaltungen ist es gut, wenn es einen Ruheraum gibt. Dort sollte es auch die Möglichkeit zum Ausruhen geben (Stuhl und Matratze).

  • Stellt Material zum Ablenken zur Verfügung (Kreuzworträtsel).

  • Der Raum sollte ruhig und etwas abgelegen sein.

  • Wasser und Traubenzucker bereitstellen.

Schutzraum

  • Eine verantwortliche Person, die sich ein bisschen mit Krisen auskennt, sollte ab und zu vorbeischauen und Gespräche anbieten.

  • Macht ein Schild an die Tür, dass dieser Raum nur betreten werden darf, wenn man Schutz braucht.

  • Gestaltet den Raum ähnlich wie den Ruheraum.

  • Kleine Tüten für Menschen, die hyperventilieren und einen Verbandskasten bereitstellen.

Konzept für Umgang bei verschiedenen Diskriminierungsformen

  • Unterdrückungsmechanismen Sexismus, Ableism, Audismus, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie etc.

Kinderbetreuung

  • Damit Menschen mit Kindern auch an Veranstaltungen teilnehmen können.

Party

  • Schafft Räume für Raucher_innen und für Nichtraucher_innen.

  • Partys zu unterschiedlichen Zeiten anbieten (Beginn nicht immer 2.00 Uhr früh)

  • Räume, wo Alkohol und Drogen erlaubt sind sowie welche wo, dies nicht möglich ist.

Tipps für Interaktionen auf Veranstaltungen

  • Blinde Menschen anfangs auf Wunsch durch Veranstaltungsräume führen, auch informieren, wer sich im Raum befindet.

  • Bei Blinden mit Namen vorstellen und kenntlich machen, wenn ihr den Raum verlasst oder aus dem Gespräch geht.

  • Informiert blinde Menschen über Vorgänge und Abläufe und lasst sie nicht einfach irgendwo sitzen oder stehen.

  • Berücksichtigt den Wunsch nach Leichter Sprache.

  • Nachfragen, wenn ihr etwas nicht versteht.

  • Ausreden lassen, nicht selber Satz zu Ende führen.

  • Person direkt ansprechen und nicht über die Assistenzperson Fragen stellen, die eigentlich an sie gerichtet sind.

  • Eigene Unsicherheiten ansprechen, ohne sie zum einzigen Gesprächsthema zu machen.

  • Schriftliche Kommunikation: Zettel/ Stifte überall auslegen

  • Ansprechen von Tauben Menschen: leicht an Schulter antippen, Winken, Licht an und ausschalten, auf den Boden stampfen

  • Bei Tauben Menschen nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass sie von den Lippen ablesen wollen oder können.

  • Rollstühle nicht einfach berühren, ihr begebt euch sonst, ohne zu fragen, in den persönlichen Raum einer anderen Person.

  • Assistenz anbieten oder nur auf Nachfragen reagieren - das ist individuell sehr unterschiedlich, sprecht eure Unsicherheit einfach an, fragt nach.

  • Übertriebenes Kümmern lenkt die Aufmerksamkeit oft unangemessen auf eine Person - lasst das lieber sein.

  • Überhäufiges Entschuldigen bei (angeblichem) Fehlverhalten - nicht nötig, eher nervig!

Leichte Sprache

Wir wollten wissen, was Leichte Sprache ist.

Deswegen haben wir Gabi gefragt.

Sie benutzt Leichte Sprache.

Und sie setzt sich für Leichte Sprache ein.

Was ist Leichte Sprache?

Worauf muss man achten?

Leichte Sprache ist wichtig für Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Damit sie Texte und Gespräche besser verstehen können.

Dazu gehört:

Keine Fremd-Wörter und keine schweren Wörter benutzen.

Beim Reden oder beim Schreiben.

Schwere Wörter erklären.

Einfache, kurze und bekannte Wörter benutzen.

Kurze Sätze sagen oder schreiben.

Keine "Bleiwüsten" verfassen.

Mut zur Lücke.

Die wichtigsten Infos reichen.

Unwichtigere Sachen kann man auch mal weglassen.

Damit es gut zu verstehen ist.

Man sollte Bilder benutzen. Die den Text erklären.

Dann ist es leichter zu verstehen.

Es ist gut wenn man lange Wörter durch einen Binde-Strich trennt.

Auf Abkürzungen verzichten.

Nicht alle wissen, was das bedeutet.

Es ist wichtig eine einfache und große Schrift zu benutzen.

Keine Konjunktiv-Formen benutzen.

Das heißt keine Möglichkeits-Form benutzen.

Das sind wichtige Tipps.

Mehr Tipps gibt es bei Mensch zuerst - People First im Internet:

http://www.people1.de/

Es klingt alles einfach.

So einfach ist es aber gar nicht.

Viele Menschen sind daran gewöhnt in schwerer Sprache zu sprechen und zu schreiben.

Was kann man machen?

Wenn nur in schwerer Sprache gesprochen oder geschrieben wird?

People First hat ein Stop-Schild gemacht.

Da steht drauf:

Das Schild kann man auf Veranstaltungen hoch halten.

Um zu zeigen:

Ich brauche Leichte Sprache!

Manchmal hilft das.

Manchmal aber auch nicht.

Leider gibt es keine Menschen, die bei Veranstaltungen in Leichte Sprache übersetzen.

Und leider kennen viele Menschen Leichte Sprache nicht.

Was sind gute Tipps?

Wenn man eine Veranstaltung vorbereiten will?

Bei Veranstaltungen ist vorher klar:

Wer sitzt auf dem Podium.

Es steht vorher fest:

Wer redet oder hält einen Vortrag.

Man kann die Leute bitten:

Sprecht in Leichter Sprache.

Es ist gut, wichtige Dinge aufzuschreiben.

Es ist gut, wichtige Infos an die Wand zu werfen.

Bei manchen Veranstaltungen gab es schon Infos in Leichter Sprache.

Das hilft auch gehörlosen Menschen.

Was kann man tun?

Damit Menschen mit Lernschwierigkeiten mitmachen können?

Damit Menschen mit Lernschwierigkeiten zu Veranstaltungen kommen?

Man muss an anderen Orten Werbung machen.

Zum Beispiel vor den Werkstätten für behinderte Menschen.

Da arbeiten viele Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Da kann man Flyer verteilen.

Es gibt auch ein Zeichen für Leichte Sprache.

Das kann man auf Plakate oder Flyer machen.

Wenn die Veranstaltung in Leichter Sprache ist.

Zuerst hat mensch ein Wörter-Buch für Leichte Sprache gemacht.

Da sind viele schwere Wörter leicht erklärt.

Das kann man kaufen.

Zum Buch gibt es auch viele Bilder.

Die Bilder hier sind auch aus dem Wörter-Buch.

Wer kann Leichte Sprache?

People First übersetzt Texte von schwerer Sprache in Leichte Sprache.

http://www.people1.de/

Seit 2006 gibt es auch das Netz-Werk für Leichte Sprache.

http://www.leichtesprache.org/

Da gibt es auch eine Liste von Büchern in Leichter Sprache.

Außerdem gibt es ein Büro für Leichte Sprache in Bremen.

Die übersetzen auch Texte.

http://www.lebenshilfe-bremen.de/

Kohle, Zaster und Penunzen

Wir linksradikalen Menschen haben in der Regel kein Geld, wenn wir nicht gerade eine Partei oder Gewerkschaft hinter uns haben. Wir lernen, aus der Not eine Tugend zu machen. Unsere schönsten Schöpfungen sind nicht kommerziell und brauchen relativ wenig finanzielle Mittel.

Die Tresenschichten in der ehemals besetzten Kneipe sind freiwillig und umsonst, Demos werden aus Überzeugung und am Wochenende vorbereitet, Flugblätter und Broschüren nach Feierabend geschrieben. Wo kein oder nur wenig Geld im Spiel ist, lassen sich Machtverhältnisse und Entfremdung vermeiden oder zumindest in Grenzen halten.

Aber diese Freiheit hat eine Kehrseite. Selbstbestimmte, nicht-entfremdete Arbeit schlägt unter den gegebenen kapitalistischen Bedingungen leicht in Selbstausbeutung um und Improvisation in Armut.

Das Problem ist weithin bekannt und tritt auch im Zusammenhang mit Barrieren und Barrierefreiheit auf. Viele Barrieren kann man selber beseitigen, einige auch ohne Geld, aber nicht alle. Luxushotels hätten es leicht, mit Rollstuhlrampen nach DIN-Norm und elektrischen Türöffnern zu glänzen (obwohl sie das keineswegs immer tun). Anders sieht es normalerweise bei der ex-besetzten Kneipe im Kollektivbetrieb aus; was hier an Mitteln fehlt, muss durch Engagement wettgemacht werden. Leider fehlt oft nicht nur das Geld, sondern umfassende Barrierefreiheit ist auch noch richtig teuer. Der Blick auf Preislisten für Hilfsmittel1 wie Rampen oder Toilettengriffe lässt schnell verzweifeln und aufgeben, weil es nicht bezahlbar ist.

Hier ein paar Beispiele:

Die Preise für Rampen, die mit einem Rollstuhl befahrbar sind, schwankt stark je nach deren Größe und Beschaffenheit. Klappbare kleine Rampen aus Aluminium sind ab 300-400 € zu bekommen, die Preise steigen mit zunehmender Größe in den 4stelligen Bereich. Stützen oder Haltegriffe für Toiletten kosten mindestens 70-100 €. Der komplette Umbau von Räumlichkeiten oder beispielsweise Toiletten lässt sich preislich schwer beziffern. Individuelle Kosten für Hilfsmittel übernehmen oft die Krankenkassen, bei Umbauten von öffentlichen Gebäuden und Häusern sieht das anders aus.

Die Ungleichverteilung der Mittel im Kampf um Barrierefreiheit ist, gelinde gesagt, ärgerlich, aber kein Grund zur Kapitulation.

Dreierlei steht uns zu Gebote:

Schaffung und Verbreitung von Wissen und Bewusstsein

Selber machen und umsonst

und last not least Geldquellen anzapfen. Hier interessiert uns besonders der dritte Punkt.

Wo, wie und für was Geld beantragt werden kann, hängt von den Umständen ab. Einige Quellen wollen wir nun auflisten:

Zwiespältiger Ansprechpartner: Staat

Sozialgesetzgebung

Der Staat ist in Bezug auf Barrierefreiheit äußerst geizig. Weit und breit kein landesweites Investitionsprogramm, um gesellschaftliche Infrastrukturen von Barrieren zu befreien. Selbst bei öffentlichen Neubauten werden entsprechende Bauvorschriften gern missachtet. Allerdings haben Menschen mit Behinderung als Individuen bestimmte Rechte gegenüber dem Staat, die sie auf dem Antrags- und notfalls Klageweg geltend machen können. Hier seien nur zwei Leistungen genannt, die im Kontext von Veranstaltungen wichtig sein könnten.

Persönliche Assistenz bei Fahrten, die von der Schule oder der Uni organisiert werden, z. B. zu Arbeitswochenenden der Schüler_innenvertretung oder der studentischen Fachschaft/Hochschulpolitgruppe.

Solche Leistungen werden aus dem Topf der "Eingliederungshilfe für behinderte Menschen" bezahlt. Diese sind im Sozialgesetzbuch IX und XII ausgeführt und dazu zählen Leistungen der "medizinischen Rehabilitation", der "Teilhabe am Arbeitsleben" und der "Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft". Verschiedene Kostenträger übernehmen die Kosten nach Antragsstellung und -bewilligung.

Die meisten von uns sind selten in der Situation, dass sie einen Arbeitsvertrag zu vergeben haben. Sollte dies aber doch der Fall sein und ein Mensch mit Behinderung übernimmt den Job, dann gibt es die Möglichkeit, Arbeitsassistenz und Gelder für den Umbau oder die Ausstattung des Arbeitsplatzes zu beantragen. Diese Kosten übernehmen in der Regel die Integrationsämter oder die Agentur für Arbeit.

Krankenkasse

Bei der Krankenkasse können Menschen mit Behinderung unter anderem folgendes beantragen:

Umbauten in der Wohnung und Finanzierung von Hilfsmitteln, was insbesondere für Hausprojekte interessant ist (z.B. § 33 "Hilfsmittel" SGB V)

So kann die Krankenkasse die Kosten für spezielle Hilfsmittel, z. B. eine mobile Rampe, übernehmen, die vielfältig eingesetzt werden kann.

Stiftungen/ Organisationen

Jenseits von Staat und Krankenkasse gibt es natürlich noch das weite Feld, das der marxistische Philosoph Antonio Gramsci "Zivilgesellschaft" genannt hätte, vulgo Stiftungen, Parteien, ASten (Studierendenvertretungen)/ Unis, Gewerkschaften, Verbände.

Für was Geld benötigt werden könnte: Miete für einen barrierefreien Raum; Gebärden- und / oder Schriftdolmetscher_innen; rolligerechte Dixieklos auf Großdemos und -kundgebungen oder Festivals u.v.m.

Von den vielen Organisationen, die hier in Frage kämen, zählen wir nur einige auf:

Stiftung Umverteilen:

http://www.umverteilen.de/

Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt:

http://www.labournet.de/stiftungMundA/index.html

Stiftung Mitarbeit:

http://www.mitarbeit.de/

Heinrich-Böll-Stiftung:

http://www.boell.de/

Rosa-Luxemburg-Stiftung:

http://www.rosalux.de/

Rosa Luxemburg Stiftung Berlin / Helle Panke: http://www.helle-panke.de/

Aktion Mensch/ Die Gesellschafter:

http://www.aktion-mensch.de/

Gewerkschaften, wie z.B.:

ver.di: http://www.verdi.de/

GEW: http://www.gew.de/

Sicher fallen euch noch potenzielle Geldgeber_innen und Stiftungen ein, die wir nicht kennen oder an die wir nicht gedacht haben...sagt uns bescheid, schreibt uns eine Mail und/oder erzählt es anderen weiter.

‚‚Neues Mittel gegen Frustration entdeckt. Anerkennung.''

Zu Beginn einer jeden Veranstaltung sollte eine kleine Preisverleihung stattfinden. Nicht jede_r weiß, wie mit einem so neuen und attraktiven Trend umzugehen ist. Zur Erleichterung stellen wir daher ein Manuskript zur Verfügung. Machen Sie mit. Es lohnt sich!

Zu Verlesen anlässlich der Auszeichnung:

Verehrtes Publikum,

Viele von Ihnen kennen das: Sie haben eine Veranstaltung organisiert, überall fleißig Werbung gemacht und ganz besonders haben Sie sich dafür eingesetzt, dass möglichst alle teilnehmen können. Sie haben Gebärdensprachdolmetscher_innen organisiert, rollstuhlzugängliche Räumlichkeiten ausgewählt, auf den Flyern die beste barrierefreie Verkehrsverbindung angegeben. Es gibt Snacks ohne Nüsse und ohne Milchprodukte, Kinderbetreuung und alles ist für die Teilnehmenden kostenfrei. Da kann man nur sagen: herzlichen Glückwunsch! Weiter so. Gut gemacht! Das war alles eine Menge Arbeit.

Und dann ist der Tag gekommen, die Veranstaltung findet statt. Das Fingeralphabet ist an die Wand geheftet, auf den Tischen liegen Zettel und Stifte, es kann losgehen. Und? Keine Behinderten da. Nicht mal die mit Kindern. Frustrierend. Da macht man sich die Mühe, und wofür? Hätten Sie vielleicht doch Ihren Zweifeln nachgeben sollen? Sie hatten ja schon geahnt, dass es vielleicht dazu kommen würde.

Wir sind heute hier, um dieses ausgezeichnete Engagement zu loben.

Wir setzen noch was oben drauf und nutzen dieses Forum, um ein paar längst fällige Orden zu vergeben. An Menschen, die dem Zweifel regelmäßig ein Schnippchen schlagen. Denn Frustration ist eine ziemlich gemeine Sache. Nicht besonders hilfreich. Glücklicherweise haben wir das Gegenmittel gefunden: Anerkennung!

Anerkennung für all diejenigen, die mit großen und kleinen Taten und Worten die ganze Sache besser machen.

Der erste Orden gebührt ___________________: Das Fingeralphabet an die Wand zu heften war eine wirklich gute Idee. Mit wenig Ressourcen wurden hier Lernerfahrungen und Kommunikation möglich. Zu Recht ist _____________ Lehrbeauftragte_r.

Wir bleiben im Bereich der Kommunikation. _________________ hat die Untertitel angeschaltet. Gute Arbeit, Technik-Nerd.

Die dritte gute Idee im Rahmen der Vorbereitung war der Hinweis auf eine Rampe. _____________ hat sie organisiert und trägt heute zu Recht den Titel der Rampensau.

Der Publikumspreis geht diesen Abend an ______________________ für besondere Kompetenz im Bereich "Leichte Sprache, kurzer Beitrag".

Ganz besonders freuen wir uns, heute den antikapitalistischen Orden übergeben zu dürfen. Den freien Eintritt zu dieser Veranstaltung haben wir in besonderer Weise ________________ zu verdanken. In ein System ohne Herz wurde ein bisschen Wärme getragen. Vielen Dank.

Ich hoffe Sie haben den Weg heute gut gefunden? ______________________ hat sich dafür eingesetzt, die beste barrierefreie Verkehrsverbindung auf die Ankündigung zu setzen. Wir freuen uns, für diesen Verdienst einen Orden vergeben zu dürfen: Verkehrsmeister_in des Abends.

Zuletzt möchte ich noch ____________________ ehren. Diese Auszeichnung liegt mir ganz besonders am Herzen. Ohne Not hat er/sie Lob und Anerkennung an diejenigen verteilt, die es am meisten brauchten. Im Kampf gegen die Frustration ist das unsere wichtigste Waffe. Der Titel Schmuser_in wird dieser Leistung gerecht.

Sie werden es schon bemerkt haben, hier wird die ganze Zeit so getan, als würden nur Nichtbehinderte Veranstaltungen organisieren. Das denkt man ja irgendwie immer, egal ob es stimmt oder nicht. Vielleicht haben sich die Leute mit Behinderung im Publikum während dieser Ehrung deswegen ein wenig gelangweilt, weil Sie schon seit Langem gegen Barrieren ankämpfen. Vielleicht fanden sie es aber auch interessant. Es kann ja sein, dass sie mehr über Barrieren wissen wollen, die sie nicht betreffen. Und vielleicht spricht sie auch einfach das Konzept der Anerkennung an. Unabhängig davon, Barrierefreiheit sollte selbstverständlich sein. Das Ordenswesen ist ein Übergangsphänomen.

Nun möchte ich Sie nicht weiter aufhalten. Preisverleihungen sind eine ernste Angelegenheit, aber sie sollten nicht zu viel Raum einnehmen. Genießen Sie den Abend und bedenken Sie: Schon nächstes Mal könnten Sie eine_r der Glücklichen sein, die mit einem schönen Orden nach Hause gehen.

Barrierefreie Veranstaltungsorte in Berlin

Hier gibt es eine Liste von Orten ohne oder mit wenig Barrieren in Berlin. Sie ist sicher nicht vollständig, wir freuen uns immer über Hinweise.

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Markgrafendamm 24c

S-Bhf. Ostkreuz (noch nicht barrierefrei!)

Café Morgenrot

Kastanienallee 85

U-Bhf. Eberswalder Strasse

http://morgenrot.blogsport.eu/

Familiengarten

Oranienstraße 34

U-Bhf. Kottbusser Tor

Tel. 030 615 79 91

f.a.q. - antisexistischer Infoladen

Jonasstr. 40

S-Bhf. Neukölln oder Hermannstraße

http://as-laden.info/

Haus der Demokratie

Greifswalder Str. 4

Tram 2, 3, 4 und Bus 200, 142, 257

http://www.hausderdemokratie.de/artikel/index.php4

Marianne

Mariannenstraße 6

U-Bhf. Kottbusser Tor

http://www.marianne-berlin.de/

Möbel Olfe

Reichenbergerstraße 177

U-Bhf. Kottbusser Tor

http://www.moebel-olfe.de/

NGBK

Oranienstraße 25

U-Bhf. Kottbusser Tor

http://ngbk.de/site/

(barrierefreie Toilette in der Galerie)

NFJ Laden

Weichselstraße 13/14

U-Bhf. Hermannplatz

http://www.naturfreundejugend-berlin.de/

Projektraum H48

Hermannstraße 48

U-Bhf. Hermannplatz

http://projektraum.h48.de/

SBZ Krähenfuß

HU Berlin

Dorotheenstr. 17

S-Bhf. Friedrichstraße

SfE

Mehringhof

Gneisenaustr. 2a

(Fahrstuhl bzw. Lastenaufzug)

U-Bhf. Mehringdamm

http://www.sfeberlin.de/

SO36

Oranienstr. 190

U-Bhf. Kottbusser Tor

http://so36.de/

Südblock

Admiralstraße 1-2

U-Bhf. Kottbusser Tor

http://www.suedblock.org/

Zielona Gora

Grünbergerstr. 73

U-Bhf. Samariterstrasse

Internetseiten zum Thema Barrierefreiheit

Hier findet ihr eine Liste mit Internetseiten, die weitere Hinweise zum Thema Barrierefreiheit liefern.

Hilfsmittel:

Informationssystem zur beruflichen Rehabilitation inkl. Hilfsmittel:

http://www.rehadat.de

Suchmaske für Hilfsmittel und Firmen und Preise für Hilfsmittel:

http://www.hilfsmittel-scout.de/

Allgemeine Infos zum Thema Barrierefreiheit:

Webseite zum barrierefreien Planen, Bauen und Wohnen: http://nullbarriere.de/ (mit vielen Informationen, Tipps und Links zu Herstellern barrierefreier Produkte etc.)

- inklusive einer Auflistung der Bauordnungen in den verschiedenen Bundesländern: http://nullbarriere.de/bauordnungen.htm

- inklusive einer Auflistung der DIN-Normen: http://nullbarriere.de/normen-liste.htm

Portal für barrierefreies Bauen und Leben: http://barrierefrei.de/

Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit, Zusammenschluss von Vereinen und Behindertenverbänden zur Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes für mehr Barrierefreiheit:

http://www.barrierefreiheit.de/

Barrierefrei Leben e.V.: bietet eine Onlineberatung und Informationen zum barrierefreien (Um)Bau sowie Hilfsmitteln:

http://www.online-wohn-beratung.de/

Dachverband integratives Planen und Bauen e.V.: http://www.dipb.org/

Checklisten zum Thema Barrierefreiheit (Neuplanung und Bestand): http://www.dipb.org/html/dipb-checklisten.htm

Infos für Architekten:

http://www.dipb.org/html/bawue.html

Infos zur visuellen und taktilen Orientierung: http://www.dipb.org/html/taktile_orientierung.html

Internetseite mit Tipps rund um Barrierefreiheit, u.a. auch Suchfunktion für SpezialistInnen in der Nähe und Tipps für die Förderung barrierefreier Umbauten:

http://barrierefrei.de/

Internetseite rund ums Thema Behinderung und Leben mit Behinderung z.B. mit Adressen für barrierefreie ÄrztInnen, TherapeutInnen etc.: http://www.myhandicap.de/

Webseite des Europäischen Institut Design für Alle in Deutschland e.V. (EDAD) - Teil des European Institute for Design and Disability" (EIDD)- Öffentlichkeitsarbeit, Projekte und Kooperationen für mehr Barrierefreiheit und Zugänglichkeit. Das Konzept "Design für Alle" sieht vor, dass Produkte und Umgebungen ohne individuelle Anpassungen oder besondere Gestaltung von allen Menschen genutzt werden können:

http://www.design-fuer-alle.de/

Tipps zum Thema barrierefreies Wohnen: http://www.wohnforumplus.de

Informationen zum barrierefreien Bauen - Planungshilfen, Beratungsstellen, Produkte: http://www.baunetzwissen.de

Kostenlose Übertragung von Briefen in Brailleschrift: http://www.braillepost.de/

Informationen zu barrierefreiem Bauen, Reisen u.a.:

http://www.barrierefrei-im-alltag.de/

Viele Texte und News zum Thema Barrierefreiheit und Behinderung:

http://www.bizeps.or.at

Speziell in Berlin:

Rollstuhlgerechte Orte in Berlin:

www.wheelmap.org

Barrierefrei Leben in Berlin (Datenbank/ Informations- und Auskunftssystem rund um Barrierefreiheit): http://www.mobidat.net/

Kompetenzzentrum Barrierefreiheit der TU Berlin: http://www.kompetenzzentrum-barrierefrei.de/

Berufsverband der Gebärdensprachdolmetscher_innen in Berlin Brandenburg

www.bgbb.de

Barrierefreies Internet:

http://www.einfach-fuer-alle.de/

http://www.barrierefreiesinternet.de/

http://www.biene-award.de/

http://www.barrierefrei-kommunizieren.de/

Medienkompetenz-Netzwerk NRW, enthält u.a. Tipps zur barrierefreien Gestaltung und Nutzung des Internets:

http://www.mekonet.de/

Überprüfung von Internetseiten auf Barrierefreiheit:

http://www.barrierefinder.de/start.asp

http://www.webforall.info/

barrierefrei informieren und kommunizieren - Unterstützung bei der Umsetzung von Barrierefreiheit am Arbeitsplatz und der Prüfung von Barrierefreiheit im Internet:

http://www.bik-online.info/

Broschüre des Behindertenbeauftragten in Niedersachsen zum Thema Barrierefreiheit im Alltag: online verfügbar unter:

http://www.behindertenbeauftragter-niedersachsen.de/broschueren_bblni/pics/Broschuere-33_2.pdf

Broschüre des Behindertenbeauftragten in Niedersachsen: "Mit anderen Augen sehen. Elemente zur barrierefreien Gestaltung öffentlichen Raumes für blinde und sehbehinderte Menschen. Online verfügbar unter: http://www.behindertenbeauftragter-niedersachsen.de/

Broschüre zum barrierefreien Bauen. Online verfügbar unter:

http://komm.muenster.org/

Broschüre barrierefreies Bauen in öffentlichen Räumen (Baden Württemberg): http://www.dipb.org/html/bawue.html

Barrierefreies Bauen und Planen in Berlin - öffentlich zugängliche Gebäude. Grundlagen und Beispiele; Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin (Hg.) (2007): DruckVogt GmbH Berlin. Online verfügbar unter: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/

Broschüre des Europäischen Instituts Design für Alle IN Deutschland e.V. zum eurpäischen Konzept für Zugänglichkeit:

http://www.fdst.de/

Quelle:

AK moB: Aus.Schluss - Barrierefrei veranstalten.

Original: http://www.ak-mob.org/category/broschuere-barrierefrei-veranstalten/

bidok - Volltextbibliothek: Wiederveröffentlichung im Internet

Stand: 28.08.2012

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